Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 20 (14.5.1926)
- Date
- 1926-05-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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«—-- I ... 1111,1111) W"U' . ... II 'lM^MWMNWWWW-^W^M ffWMMWW W II I' um ).J MIII .IW > 6. Jahrgang Nnmmer 20 Beilage 14. wai 1026 Die Gesolei in Düsseldorf. Bon Erich T o epl itz. Es ist ein erfreuliches Zeichen, daß das Judentum immer mehr an öffentlichem Interesse gewinnt, daß es aus seiner Abgetrenntheit heraustritt und dazugehört. wenn eine Ausstellung stattfindet. Auf der großen dlnsstellung für Gesundheitspflege. Soziale Fürsorge und Leibesübungen in Düsseldorf ist das Judentum au zwei Stetten seiner Bedeutung gemäß gewürdigt, iu der Abteilung sSO Via Halle 28s. in der eine Ucbersicht über die behördliche und freie Wohlfahrtspflege gegeben wird, und im „jüdischen Pavillon", der die Aufschrift „Hygiene der Juden" trägt. Die allgemeine Ausstellung, die am 8. Mai vormittags von dem Herrn Reichskanzler Dr. Luther in feierlicher Weise eröffnet wurde, zeigt eine vielseitige Abwandlung ihrer drei Hauptgebiete OL — Gesundheitspflege, SO Soziale Fürsorge und LEI — Leibesübungen. Inhaltlich ist mit diesem Titel iedc Möglichkeit gegeben worden, um dem Besucher alle Maßnahmen der Bcrhütung. der Fürsorge und der Besserung voll Leidell jeder Art zu vermitteln. Erblichkeitslehre, Rassenhygiene. Lust und Klima. Ernährung. Wohuungs- und Siedclnngswcsen. Wasserversorgung, Abfallstofsbcseitignng. Gas, Elektrizität, Kleidung und Körperpflege, Krankcnversorgung und Kraukeubehandlung, übertragbare Krankheiten und Arbcits- und Gewerbehygienc einschließlich der Unfallversicherung und des militärischen Sanitätsdienstes seien genannt. Zu den sozialen Fürsorgematznahmen treten noch hinzu: Bildungslrud Erziehnngsfürsorge. eine mustergültige Jugendherberge, ein Haus der Jugend und die wirtschaftliche Fürsorge, die Sozialversicherung und vieles andere, das einzeln ausznsühren unmöglich wäre. Endlich gelangt man znr Leibesübnng. deren Betätigung. Turnen und jeglicher Sport alif der Erde, im Wasser und in der Luft veranschanlicht wird. Reben dein Theoretischen kann auch das Praktische erlernt werdcn. ein Wellenbad, im Gegensatz znm Planetarium „Plantschetarinm" genannt, Turnplatz und -Halle stehen zur Bersüguug. Hai mau so eineu Rundgana durch die Ausstellung von der Rheinhalle, die zugleich als Planetarium eingerichtet ist, bis zur Grenze des Berguügnngsparks znrückaclegt. so kann man dort außer dem Tanzsport noch allerlei genießen, was zuweilen vom Standpunlt der Ausstellnngsidee etwas abweicht, in Anbetracht der Rieientosten jedoch nicht zu umgehen war. Ter jüdische Besucher ivird vermutlich nicht in Oberbayerns Bierstube sitzen bleiben, sondern er wird m den etwa gegenüberliegenden Pavillon „Hygiene der Juden" zu längerem Berwcilen cinlehren. Es wird immer ein tllnhm für di? Jüdische Gemeinde Düsseldorf bleiben, daß sie diese Möglichkeit, für das Judentum. feine Ideen und seine Arbeit zu werben, freudig aufgegrifsen und trotz aller Schwierigkeiten zu einem erfreulichen tllesultat geführt hat. Am Spätnachmittag des ersten Ausstellungstags fanden sich die Gemeindevertretung und die Schöpfer und Schöpferinnen des Pavillons mit den Vertretern der jüdischen Presse zu einer Einweihungsseier zusammen, deren Bedeutung in dem einmütigen Bekenntnis lag: „Dern jüdischen Menschen und damit dem Judentum ohne Hinblick ans seine verschiedenen Interessensphären zn dienen!" Ter Vorsitzende der Gemeinde, Herr Felsent ha k. Herr Rabbiner Dr. E s ch e l b a ch e r und Herr Dr. S i u ö l e r , die Mitglieder der örtlichen Geschäsksleituug. nud der technische Leiter der Ausstellung. Herr- Dr. Neust ä t t e r . kamen nacheinander zu Worte. In herzlichen Worten wandte sich Herr Felsenthal besonders an seinen alten Freund Rabbiner Dr. Eschelbacher und an seinen neugewonnenen Freund Dr. Sindler. nicht minder anerkennend an den durch verschiedene andere medizinische Ausstellungen bereits bekannten Ansstellnttgsfachmann Dr. Neustätter und an den Architekten des Hauses. Herrn Bob r eck. In den Dank einbezogcn wurden auch alte anderen Mitarbeiter, besonders Herr Architekt Klein und die I n st i t u t i o n e u , die durch Geldmittel, durch Rat und Tat dem Werk zur Vollendung verhalsen. Nachdem Herr Rabbiner Dr. Efchelbachcr eingehend die Zusammenhänge der Ausstellung mit der Religion des Judentums erörtert hatte, gaben die Herren Tr. Neustätter für den sozialen Teil und Dr. Sindler für die von ihm erstellte palästinensische Abteilung einige kurze Hinweise. Bei dem Rnudgang, der sich dann anschloß, erläuterte Frau Rabbiner Dr. Eschelbacher in ausführlicher, gemütvoller Weise die vom jüdischen Frauenbund durch ihre kundige Hand geschasfene Sabbatstube. Ter Pavillon zerfällt in einen stimmungsvollen Mittelramn, der von einem pyramidenförmigen Dach bekrönt wird, und in einen flachgedeckten Umgang, der Grundriß ist auadratisch. die Höhe etwas geringer als die Breite. Der graue Würfel mit der spitz znlaufenden Ueberhöhung des Mittelteils nimmt sich außerordentlich anmutig auf dem Ausstellnugsaeläude aus. er ist geeiauet. das Interesse der Besucher bereits durch das Aeußere zu erregen, und erfüllt also seinen Zweck ausgezeichnet. Bereits am ersten Tage war der Ansturm der übrigens nicht nur jüdischen Schaulustigen außerordentlich stark. Ueber die Lage des Pavillons wäre nocl) hinznzufügeu. daß er zwischen dem Roten Kreuz und der Heilsarmee sehr günstig und würdig untergebracht ist. Seitens der Leitung der Ausstellung erfreut er sich außerordentlicher Förderung; der Schreiber hatte Gelegenheit von dem geistigen Vater der Ausstellung, Herrn Geh. Rat Pros. Dr. Schloßmann, Worte persönlicher Anteilnahme für die jüdische Abteilung zn hören. lAnm.: Vielleicht ist dieses Interesse znm Teil darauf zurückzuführen, daß -Herr Dr. Sindler bei dem Genannten Assistent ist.I Weit über die Grenzen des deutschen Judentums hinaus reicht die Anteilnahme.' sowohl die Berichterstatter der speziellen jüdischen Zeitungen der ganzen Welt, als auch die 'Vertreter der internationalen Presse, die Inden sind, haben sich bei der Vorbesichtiguna dem Jüdischen Pavillon längere Zeit gewidmet. Damit soll übrigens nicht gesagt sein, daß die nichtisidiichen Reporter an unserem Pavillon vorbeigegangen und. Wenn auch der Wirkung nach außen nicht entscheidende Bedeutung beigemessen werden sott, fo_ war es doch interessant, zu beobachten, daß die deutsche Presse bei der Vorbesicbtianna am Donnerstag unserer jüdischen 'Ausstellung Achtung und Anerkennung zollen mußte. — Was,im iüdlscben Pavillon zn sehen, und was an anderer Stelle für uns Inden non besonderem Interesse isi. wird tu einem weiteren Aussatz mitgeteilt werden. Dr. Maximilian Pfeiffer. Durch den Tod des deutschen Gesandten in Wien, Dr. Maximilian Joses Pfeiffer, haben die deutschen Juden einen aufrichtigen Freund verloren, der durch Wort und Schrift unsere antisemitischen Gegner bekämpfte. Er war dazu besonders berufen und gewappnet, denn erstaunlich war seine Kenntnis der hebräischen Ursprache und der heiligen Bücher und innig sein Verstehen jüdischer Ritualien, Gebräuche und Gebete. Allen Juden sei sein letzter Roman: „Kyrie eleison". Ein Roman von Inden und Christen aus dem alten Speyer." zur Lektüre empfohlen. In ergreifender Weise schildert er die Verfolgungen der Inden in Speyer im Mittelalter und ihren Märtyrertod, in ehrender Weise gedenkt er der hohen Tugenden und Frömmigkeit ihrer Rabbiner und Führer, eines Jehuda ben Kalonymos, der vom Kaiser, Bischof und Rat der Stadt Speyer als der „Judenbischof" hoch geachter wird und der streitbar für die mißachteten Rechte der „Kammerknechte" des Kaisers cimrat, da dieser sie als Schntzjuden an Grafen und Städte verkaufte. Horhaufgerichtct brachte er vor dem hinterhältigen König Karl von Böhmen seine Klage vor: „Ihr seid ein verfluchtes Volk und ausgespien aus dem Munde Gottes. Eure Gesetze sind Gesetze des Teufels!" „König! Unsere Gesetze gab der Ewige Gott Mosche auf dem Sinai!" „Ihr habt des Ewigen Gottes Sohn ans Kreuz geschlagen." König! Jehoschuah hauozri ist verurteilt worden wegen des crimen laesae majeZtatis, wegen Majestätsbcbeidigung! Das Urteil hat der römische Landpfleger Pontius Pilatus gesprochen, des römischen Casars Statthalter! Römischer Brauch mar die Strafe wegen der Aufwiegelung des Volkes, das Kreuz. König der Juden hat sich Jehoschuah genannt. Darum mußte er sterben, da er des Kaisers Feind war!" „Aber ihr, ihr habt ihn verleumdet und in den Tod getrieben durch eure falsche Anschuldigung!" „Herr! Wir"? Wir Juden am Rhein sind an all dem unschuldig!" „König Dagobert schon hat öcit Juden von Spüre, Worms und Mainz ein altes Privileg bestätigt, auch denen von Ulm, und Kaiser Carolus Magnus hat es bekräftiget und erneuert, daß sie der Tat an Jehoschuah von Nazareth, der euch der Messias ist, keinen Teil haben, da sie schon zu des Julius Cäsar und des Angustus Zeiten an den Rhein gekommen und in den römischen Städten gesessen. Mein Ahnherr und seines Weibes Vater waren Nasiräer wie Jehoschuah und Jochanaan, sein Jünger, und wie Saul vom Stamme Benjamin, der Teppichweber ans Tarsus, des Gamaliel Schüler, den ihr Paulus nennet! Unsere Hände sind rein vom Blute des Bar Mirjam we Joseph des Sohnes von Maria und Joseph aus Davids Stamm!" Karl erwiderte: „Kol Jischrvel arcbim sah basah Alle Israeliten bürgen füreinander!" Jehuda sah angstvoll auf den König: „Soll, Herr, der Sühne nie ein Ende werden? Unsere heilige Stadt ist zerbrochen, friedlos wandert mein Volk durch die Länder der Erde, heimatlos irrt es vom Aufgang der Sonne bis zum Niedergang. Aber mir glauben an die Weissagung des Ewigen Gottes undtragen, .wenn auch iu Tränen, unverzagt ojl malaknß schy majim, tragen das Joch des himmlischen Königtums!" — Mit Schärfe geißelt dev Verfasser! 'Sie damaligen antisemitischen Hetzer, die — wie iu unseren Tagen — sich der schwersten Münzverbrechen und demagogischer Umtriebe schuldig machten und so den wirtschaftlichen Niedergang von Speyer herbeiführten. Bon überwältigender Schönheit sind einzelne Stetten im Roman, das Leben dieser mittelakterlichen Reichsstadt, ihre alten Sitten und Bräuche — itiut fand er in seiner Vaterstadt, dem früheren Schauplatz von Bürgerkriegen, Judenverfolgungen. Geißlerfahrten und Pestepidemien — den ewigen Frieden. Pfeiffer gehörte seit langen Jahren als Mitglied des Zentrums dem Reichstag an und erfreute sich bei allen Parteien durch seinen offenen, liebenswürdigen Charakter und durch sein Verständnis in allen Kunst- und Knltnrfragen großer Wertschätzung und Beliebtheit. Seine gesellschaftliche Unterhaltungsgabe, sein Geist und Humor verschafften ihm zahlreiche und aufrichtige Freunde. Die deutschen Juden werden ihm stets ein dankbares Gedenken weihen. Dr. C r n st Schlesinger.. Die Juden in Afrika. Bon L. Wvlfs. Das gegenwärtige Leben der Juden in Südafrika war bis jetzt ein Buch, das selten geöffnet wurde. Und doch ist cs sehr interessant und reich an Farben und enthält in sich viele Eigenarten, die es wohl verdienen, der Oefscntlichkeit zugänglich gemacht zu werden. Seit England die Oberherrschaft über Südafrika übernommen hat und Religionsfreiheit einführte, begannen die Juden dort eine gewisse Rotte zu spielen. Auf der ganzen Bodenfläche von Südafrika, die ftiOOOO Quadratkilometer enthält, befinden sich 60 000 Inden, die über das ganze Land zerstreut sind, und fast jede Stadt und jedes Städtchen besitzt jüdische Einwohner mit einer eigenen Gemeinde und einem Bethaus. Im geschäftlichen sowie politischen Leben haben sich die Juden in Südafrika sehr ausgezeichnet. — In Johannesburg und anderen Städten waren die Juden immer mit Abgeordneten im Parlament vertreten und hatten auch Senatoren im Senat sitzen. Der Antisemitismus war bis znm Weltkriege in Südafrika eine unbekannte Erscheinung und die Beziehungen zu den Juden waren immer dieselben wie zu den anderen weißen Rassen. Aber nach dem Kriege, als der Antisemitismus seine Rabenflügel über verschiedene Länder ausgebreitet bat, die ihn bisher nicht kannten, kam auch,die antisemitische Welle nach Südafrika. Und es gab Momente, wo mau hier Hetzblätter verbreitet hatte, in denen man die Juden aller Sünden der Welt beschuldigte. Doch ist es bis heute unbekannt, wer die Hetzblätter verbreitet hat und woher die Judenhetzen gekommen sind. Der Antisemitismus hat auch versucht, die Einwanderung der Juden nach Südafrika zu hindern und die Regierung beeinflußt, spezielle Gesetze gegen die jüdische Einwanderung zu schaffen. Dagegen haben sich aber die dortigen Inden stark ge« wehrt und haben überall Protestkundgebungen veranstaltet; auch im Parlament haben sie energisch protestiert, so -atz die Regierung gezwungen war, ihnen zu versichern, daß für Juden keine Ausnahmegesetze existieren werden. Der erste Jude, der Südafrika betreten hat, war der Kaufmann Kohen aus Dublin, der 1830 starb. Der Jude Natayiel Eisiks erzählt in seinem Buche „Wanderung durch Südafrika", daß er, als er mit Leutnant King nach Natal kam, um mit der dortigen Bevölkerung Handelsbeziehungen anznknüpfen, zum „Iduna" gewählt wurde und man ihm auch eine große Landfläche zur Verfügung stellte. Dieser Jude Eisiks gehörte zu den ersten, die in Afrika ihr Glück suchten. Ferner kommt noch ein interessanter Typ, der Jude Suaso Lima aus Portugal als einer der ersten Einwanderer in Frage. Er war Lehrer, unterrichtete die Sklaven und übersetzte für sie Bücher aus der französischen, deutschen, spanischen, holländischen, griechischen, lateinischen, hebräischen unmalaiischen Sprache. Er war auch gleichzeitig Verleger und Buchhändler, Dichter, Schriftsteller und Redakteur; er gab zwei Zeitungen heraus und zeichnete sich in allen seinen Unternehmungen aus, so daß er eine große Popularität und Sympathie genoß. Er war der erste, der im Anfang des 19. Jahrhunderts die Zeitungsgratulationen zu Ras-Haschanoh bei Juden einführte, eine Sitte, die auch in Südafrika bis heute geblieben ist. Die ersten Einwanderungsstädte waren Johannesburg und Kimberley. Hier haben sich viele Juden, die aus England und Deutschland kamen, niedergelassen. Sie gewannen bald einen großen Anteil an der Industrie, dem Handel und dem Finanzwesen des Landes; auch als Theaterunternehmer und so weiter spielten sie eine große Rolle. Der größte Teil der Einwanderer, der erst am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts nach Südafrika emigrierte, rekrutierte sich aus russischen und polnischen Juden. Spezielle jüdische Ghettos sind in Südafrika, außer in Johannesburg, nicht zn finden. Die Juden leben unter der anderen Bevölkerung, wodurch sie sich leicht assimilieren und Mischehen sind dort für die Gemeinden eines der ernstesten Probleme, die einer Lösung bedürfe. Die jüdische Jugend in Südafrika nimmt einen aktiven Anteil an Bildung und Wissen, ist fleißig in ihrem Studium. Beide Geschlechter sind prozentual an den dortigen Universitäten stark vertreten. An den Universitäten in Südafrika findet man nicht nur männliche jüdische Professoren, sondern auch einen weiblichen Professor, die einzige im Lande, die sehr bekannt ist. Nicht weniger groß ist der Anteil der Juden auf dem Gebiete der Musik, Malerei und Literatur. Die Malerin Irma Stern ist eine der populärsten Künstlerinnen des Landes. Es kann nicht bestritten werden, daß die Juden in Südafrika nicht nur eine bedeutende Rolle im wirtschaftlichen Leben spielen, sondern sie haben auch einen großen Anteil an der kulturellen und geistigen Entwicklung des Landes zu buchen. Letztens ist auch durch den Krieg der Rifkabylen mit den Franzosen das Interesse für die Juden in Nordafrika gewachsen. Unter der Risbevölkerung, die zirka 230 000 Seelen zählt, befinden sich ungefähr 1000 Juden und die Lage der letzteren soll sich in der Jetztzeit gebessert haben. In. den Hauptzentren Marokkos, in der Hauptstadt des französischen Marokkos, in Fez. befinden sich -zirka 8000 FuÄßn. In der Hauptstadt des spanischen Marokkos, in Tetuan. befinden sich zirka 6000 Juden. In Fondar, das in der französischen Zone liegt, befinden sich unter einer Bevölkerung von 22 000 Seelen fast die Hälfte, also 11000 Juden. In Tanger, das zur internationalen Zone gehört, und als Hauptzentrum von Nordafrika gilt, leben zirka 10 000 Juden. Aus dem obigen ist zu ersehen, daß die Zahl der Juden in Nordafrika nicht unbedeutend ist. Ihr Leben ist aber in politischem Sinne noch sehr begrenzt. Ihre Gemeinden werden noch nach dem. mittelalterlichen System verwaltet. Der Verwalter, der von der Administration gewählt wird, kann mit der jüdischen Bevölkerung tun und lassen, was ihm gerade in den Sinn kommt. Obwohl der marokkanische Jude als alter Untertan des Sultans gezählt wird, sind seine Rechte sehr gering. Er hat auch nicht das Recht, in der Armee zu dienen. Es ist auch bekannt, daß man einen Prozeß zwischen einem Araber und einem Juden für den Juden von vornherein als verloren ansehen kann. In dem großen Gebiet von Nordafrika, wenn auch Aegypten dazu gerechnet wird, leben ungefähr 400 000 Juden; ihre wirtschaftliche Lage war bis jetzt nicht schlecht. Sie beschäftigen sich hauptsächlich mit Handel, doch ist von Reichtum bei den Juden hier keine Rede. Durch den Krieg mit Frankreich und Spanien hat sich die wirtschaftliche Lage der Juden in Marokko sehr verschlechtert. Doch liegt noch ihre Befreiung im Ausgang des Krieges. Wie ihr Schicksal sein wird, darüber muß uns die Zukunft belehren. In Afrika sind eine Reihe jüdischer Stämme entdeckt worden, die dort schon seit uralter Zeit wohnen und bis heute die Eigenschaften und Charakterbeweise ihrer jüdischen Abstammung noch nicht verloren haben. So findet man in Tnngurt einen alten jüdischen Stamm unter dem Namen Megludei. Das sind eine Art von afrikanischen „Marannen", die infolge religiöser Verfolgungen zum Scheine zum Islam übergetreten sind. Ihre Frauen sprechen noch bis heute hebräisch, wenn sie wollen, daß ein Fremder sie nicht verstehen soll. Aehulichc jüdische Stämme haben französische Forscher in verschiedenen Orten Afrikas gesunden, besonders in den Oasen der Sahara. Mit der Wüste Sahara ist eine Legende über ein großes, urjüdisches Königreich verbunden, das dort im 19. Jahrhundert existiert haben soll. Jetzt zeigt es sich, daß diese Legende über einen jüdischen Staat, die sich in der Beschreibung des jüdischen Reisenden Aldoch Haöoni über Afrika befunden hat. viele Körnchen der Wahrheit in sich enthielt. Der französische Forscher Rencier ist zn dem Schluß gelangt, daß der Stamm der sogenannten Peulen ein iüdischer sei und daß dieser Stamm samt allen anderen'jüdischen Stämmen, die in ganz Afrika zerstreut sind, früher einem großen jüdisch-syrischen Staate in Vorderasien angehört haben, der vom heutigen Marokko Vis nack^Indien reichte. «päter, als der große jüdische Staat in Doröerasten unter dem Drange des Islam fiel, sind diese abgetrennten afrikanischen Stämme ohne Zentrum geblieben und fingen an, sich einsam und verlassen zu fühlen, sv daß sie sich mit Mische Krauen! Die Liberalen Men Luch Las Wahlrecht! Mäh« Liste 2!