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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-05-07 · 19 (7.5.1926) · page 7

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
19 (7.5.1926)
Date
1926-05-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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wohl in seiner Eigenschaft als Gemeindeältester elf Jahre mit Treue» Gewissenhaftigkeit und friedfertigem Verhalten seinen Obliegenheiten nachkam» wie er auch seit 1918 das Amt des Äreisvorstehers mit großer und vorbildlicher Pflichttreue versah und allen ein leuchtendes Beispiel versöhrüichen Zusammenwirkens im Dienste einer großen Aufgabe war. Sein Andenken wird von den Gliedern der hiesigen Gemeinde wie auch von allen übrigen freunden» die beruflich oder gesellschaftlich mit ihm in Verbindung traten, treu bewahrt bleiben. f ff | Aus der Bewegung j Berlin, lJ n disch liberaler I u g e n d v e r e i n.l Am 22. April sarkb in der Rosenstr. 2—4 die Generalversammlung des jüdisch-liberalen Jugendvereins statt. Sie erhielt ihren besonderen Charakter dadurch, daß daß unseren Mitgliedern nach dem Jahresbericht, den Ernst Heinrich Seligsohn hielt, Gelegenheit gegeben wurde, zu einzelnen der aufgeworfenen fragen Stellung zu nehmen. Als erste Neuerung des vergangenen Jahres wurde mitgeteilt. daß zwei neue Gruppen entstanden sind, nämlich Westen und Süden, lieber die Reformen der allgemeinen Veranstaltungen wurde berichtet, daß neben den Gruppenausslügen nun auch gemeinsame Ausflüge aller Gruppen geschaffen worden sind. Bei den mehr sachlichen Neuerungen wurde an unseren Peßach-Gottesdienst erinnert und dabei die Frage aufgeworfen, ob wir ihn wiederholen wollen und ob der Gottesdienst feine jetzige Gestalt behalten soll oder nicht: ebenso stellte man zur Diskufsiou, ob solche Feiern, wie unser.: Chanukkafeier, vsterS stattsinden sollen. Schließlich wurde mitgeteilt, den kommenden Gautag auf einer Ane.rthatb-Tagessahrt abzuhalten. In der Gru.ppenarbeit des letzten Jahres kann man zwei verschiedene Richtungen unterscheiden, eine systematische Richtung, in der Themen wie Prophetismus oder Emanzipation deutlich erkennbar sind und eine, unsystematische, in der solche klaren Linien nicht vorhanden und. C>:> ergibt sich hiermit also die Franc, welche Art der Stossbehandlüng man für die geeignetere halten soll. In der Diskussion, die sich also au den Jahresbericht anschloß und in den Fragen wie Jlidisziplin, Gautag usw. zur Sprache kamen, wurde Wesentliches zum Gottesdienst bemerkt. Im allgemeinen sprach man sich für eine Wiederholung ans, jedoch warnte man davor, cs zu häufig zu tun, weil damit der Gottesdienst den Charakter eines besonderen Ereignisses verlieren könnte. Zur Frage, wie weit unsere Mitglieder mit dem Maß des Hebräischen einverstanden waren, äußerten sich einige, daß sie in dem Gottesdienst zu wenig Hebräisch fanden und sie daher etwas non dem Glan?, und der Feierlichkeit des üblichen Gottesdienstes vermißten: aber im allgemeinen war man der Ansicht, daß es uns mehr auf ein Verstehen der Gebete ankonnvt, was aber durch das Hebräische nicht gefördert wird. Damit soll natürlich nicht gesagt sein, daß wir unseren Gottesdienst für das Ideal halten, der endgültige Gottesdienst mag eine ganz andere Gestalt Hoden, wir aber mußten, mit überhaupt etwas zu erreichen, von dem heutigen Stand der Dinge ausgeheu. Zu den allgemeinen Veranstaltungen wurde vorgeschlagen, Singabcnde einzusühren; die Mehrheit hatte dafür nicht viel Sympathie, man erwiderte, daß die wieder daun wie einstudiert klingen ivürden und man könne sie ebenso gut unterwegs lernen. Man kam zum zweiten Punkt der Tagesordnung: 'Neuwahl des Vorstandes. Ter bisherige 'Vorstand machte den Wahlvorschlag, jedoch konnte jedes Mitglied auch Vorschläge machen. Die Wahl war geheim. Der neue>Vorstand setzt sich folgendermaßen zusammen: Ludwig Lewin, 1. Bor- Mssuüer: Betty Markus, 2. Vorsitzende: Hans Rosenberger, 1. Kassenwart: Paul Heinrichsdorif, 1. Schriftführer: Hans Lömenberg, 2. Schriftführer: Ernst Heinr. Seligsohn, 2. Kassenwart: als Beisitzer: Werner Basch, Rita Scherl, Tr. Arthur Lilienthal. Hanna Jarecki. Breslau. kJ ü d i s ch l i b e r a e r Ingen d verein «Abraham Geiger".! Am Sonntag, den 2. Mai. fand unsere erste Frühlingssahrt «Rund um den Zobtcn" statt. Vom Wetter begünstigt, warrderten wir unter der treuen Führung unserer lieben Freunde Ludwig Freund und Georg Jonas ans Oh lau in den herrlichen Zob teuer WäF dern. Zu rasch vergingen für uns alle die Stunden gemein, iamer Wanderung und Rast. Leider sagten uns unsere lieben Liegnitzer Freunde in letzter Stunde aus triftigen Gründen ab. Der umsichtigen Führung sei auch an dieser Stelle herzlicher Dank von den Mitwanderern zum Aus druck gebracht und an alle unsere Mitglieder ergeht die Bitte: sucht im Sommer in der Natur Erholung und Kräftigung und wandert mit uns'. ffff Versammlungskalender | Berlin. tL t b e rate r Verein für d i e A n g e - leg e n h e»tc n der f ü d i i ch e n e in c r v d e z u Ber - Uni1. V! Ain I(i. Rcai finden die Wahlen zur Repräsentanz. tenvcriammlung statt. Sie werden alle Inden bereit finden müssen, die die jüdische Gemeinde als Religionsgcmcindc erhalten wollen und nicht wünschen, daß sie von nationaljüdischer Unduldsamkeit aus den Stätten verdrängt werden, die ihre Väter und Großväter ausgebaut haben. Wir rufen alle Berliner Juden auf. geschlossen am Ist. Mai an die Wahlurne zu treten. Es ist aber auch notwendig, recht zahlreich mrscre Wahlversammlungen zu besuchen und Freunde und Bekannte, die noch schwanken, mitzubringen. Unsere Wahlversammlungen finden statt: 1. Sonntag, den ü. Mai. Lehrcrvereinshaus, A>cranderplatz, vorm. N Uhr: 2. Montag, den Ist. Mai. Nordmest-Histel, Türmstraße 7, abends 8 Uhr: st. Montag, den ist. Mai. Sophien-Sälc, Sophicnftr. 17/18, abends S Uhr: 4. Dienstag, den U. Mai, Logen Haus. Joachimsthaler Straße ist, abends 8 Uhr: h. Mittwoch, den 12. Mai. Unionsfestsöle. Grcifswalder Straße 222. abends 8 Uhr: st. Mittwoch, den 12. Mai, Deutscher Hof. Lnckauer Straße Io. abends 8 Uhr: Mittwoch, den 12. Mai. Albrechtshof. Bertin-LtcaUtz, Albrechtstraße Ecke Lchloßstvaße. abends 8 Uhr. Thema: Die Repräsentantenversammlung uns der Liberalismus. Berlin, iL i b e r a l c Synagoge Norde n.j Schönhauser Allee 182. — Anerbachschcs Waisenhaus. Gottesdienst: »Freitag, den 7. Mai, abends 7.1st Uhr. Predigt: Herr Rabbiner Dr. Sälomonski. Sonnabend, den 8. Mai. früh Ist Uhr, Reumondsmcihc. Breslau. «Jüdisch-liberaler Jugendverein „A b r a h a m G e i g e r".) Donnerstag, den Ist. Mai sHimmelsahrtstag! bei jeder Witterung Ganztagsausflug durch die herrlichen Oderrvälder über Smortave und am Zinnobersec vorbei. Führung: Georg $ o«a * O ft I a u. Tresspnnkt: 8.stst Ubr vorm., Nordhotel. Abfahrt: 8.50 Ubr vom Bahnsteig st des Hauptbahnhofes. Sonntagssgstrkarte «4. Klasse, l.stst M.! bis Minken oder Anden, selcht lösen. Gäste, durch Mitglieder eingeführt, willkommen. BÜCHERSGHAU Fanny Lewald: .,Die Familie Daraer“. (Nen verlegt von Gräfe & Unzer, Königsberg i. Pr.) Fanny Lewald, die Gattin Adolf Stahrs, von israelitischer Ankunft und im Herzen allzeit eine treue Jüdin, hat um die Mitte des vorigen Jahrhunderts berechtigten Ruhm als Romanschriftstellerin genossen. Fast all ihre Bücher zeichnen sich durch eine gewisse Strenge und Herbheit aus, so daß man mit Fug die Behauptung wagen durfte: Fanny Lewald habe den Realismus oder Verismus in der Literatur, der in späteren Zeitläuften, insbesondere durch die dramatische Produktion der 80er Jahre, triumphieren sollte, gleichsam inauguriert oder zum mindesten antizipiert. „D i e Familie Dame r“ stellt einen historischen Romau aus der napoleonischen Zeit dar, allda Preußen in den Jahren 1807 bis 1811 niedergerungen am Boden lag und an seine eigene geschichtliche Mission nicht lyehr zu glauben vermochte. Fanny Lewald, selbst ein Rind der vormals stolzen und blühenden Pregelstadt, die ihren Handel und ihre Kauffahrlei nicht nur «ach dem benachbarten Moskowiterreich, sondern auch über ferne Länder und Meere zu erstrecken trachtete, hat speziell in diesem Roman Leben und Bräuche Königsbergs mit einer bewunderungswürdig scharfen Beobachtungsgabe wiedergegeben. Selbstverständlich steckt in dieser volkstümlich, sten Schöpfung der Dichterin — wie in allen Werken, die Blutfarbc tragen, — ein starkes Stück autobiographischer Enthüllungen. Trotz dieser persönlichen Note aber hat der Roman auch heutzutage noch als historisches Dokument Anspruch auf Beachtung, und es ist dankenswert, daß ein Verlag es unternimmt, diese Schilderung eines ebenfalls trostlosen und hotFnungslosen Preußens der an ge - s c h i c h 11 i c h e n Parallelen reichen Gegenwart in neuer Gestalt vorzustellen. Für die jüdische Leserweit hat der Roman noch besondere Werte, da die Fabel den Aufstieg niedriger, bislang entrechteter und geknechteter Existenzen zu Rang und Reichtum charakterisiert uud innerhalb dieses Rahmens eigene Streiflichter wirft auf eine Bewegung, die wir heute schlechthin als Antisemitismus kennen und bezeichnen, die aber dazumal unter dem Patriziat der selbstbewußten Handelsstadt Königsberg ihre ersten schüchternen Spuren aufwies. Der hochmütige Handelsherr und königliche Kaufmann arischen Geblüts, der inmitten alles nationalen Elends sich von einem Fremden, nämlich dem in aller Welt umhergeworfenen Kaufmann Darncr, dein ehemals ..Hörigen" und Leibeigenen eines mecklenburgischen Adelsgeschlecbfs. überflügelt sieht und genötigt ist, seine einzige Nichte und Pflegetochter in die Darnersche Familie liincinheiraten zu lassen, dieser selbe Handelsherr, dessen geistiger Horizont enger ist als sein kaufmännischer, betrachtet es noch als eine Beleidigung sondergleichen, daß der Sohn einer reichen jüdischen Bankiersfamilie Hand und Herz seiner Tochter begehrt. Und die Meinung der sogenannten „Gesellschaft“ Königsbergs nimmt seine Partei. Mit Juden kann man wohl Handel treiben; man kann ihre kaufmännische Tüchtigkeit anerkennen und an der Börse auf gleichem Fuße mit ihnen verkehren. Gesellschaftliche Berührungen, geschweige denn verwandtschaftliche Bande, aber sind ausgeschlossen So wenigstens vermeinen die Ewig-Gestrigen, denen Fortschritt und Humanität unbekannte Begriffe sind. Stau wie der Christ in seinem Vorurteil, steht ihm der vermögende und hochkultivierte Jude voll stolzer Ablehnung gegenüber. Liebe und Jugend aber siegen über den einen wie. den anderen. Der vorurteilslose Sohn des vorurteilsvollen christlichen Vaters begehrt das Mädchen seiner Wahl, deren Judentum ihm .,llekubä‘; ist. und der intolerante Vater muß sich vor der Macht der Liebe wie vor der auf. dämmernde» Macht der Verhältnisse* beugen. Denn in dem Preußen, das sich seihst von fremder Gewaltherrschaft be freit, ziehen Demokratie und liberale Gesinnung als Boten eines neuen Zeitalters ein, und gerade Königsberg sollte auf lange hinaus die Hochburg jenes freieren Geistes heiße», der durch Menschlichkeit der Menschheit z.u dienen trachtet. Es ist Fanny Lewald meisterlich gelungen, die einzelnen Typen unter der patrizischen Bevölkerung ihrer Geburtsstadt zu zeichnen. Die alteingesessenen, konservativen, selbstgerechten und selbstgefälligen Bürger der mächtigen Handelsstadt, über die die Räder einer neuen Zeit unbarmherzig dahinrollen; der von unten, aus der Hefe des Volkes emporsteigeude, im Kampf mit dem Lehen erhärtete ..seifmnde-raarT und zuletzt der innerlich weiche, und müde, von Jahrhunderten der T'neereehligkeit und Verfolgung zermürbte Jude, der in Resignation und Wahrung seiner Würde Zuflucht sucht und Zuflucht bietet (das letztere, allen Söhnen seine' Stammes, die da mühselig und beladen sind und Hilfe von ihm heischen;. In karrten, schmucklosen und darum um so eindringlicheren Worten predigt Fanny Lewald die Lessingsche. Lehre von der Duldsamkeit, der Menschenverbrüderung und - darüber hinaus: als Seherin der Zukunft — des Pazifismus und der Yölkerversöbnung. Diese Sentenzen und Tendenzen geben der „Familie Damer” einen verblüffend aktuellen Charakter. Wir sehen die Zukunft in der Vergangenheit begründet uud selieu die böse Saat der Vergangenheit in den von uns erlebten Katastrophen der Gegenwart auf gehen. Es ist der Jüdin Fanny Lewald gelungen, altpreußisches Wesen und »ltoreußischc Tradition mit virtuoser Kraft und dem Einfühlungsvermögen einer echten Dichterin zu verkörpern. Daß in den Konflikten ihrer eigenen Rasse der .,tausendjährige Schmerz'' wider Willen klingt und schwingt, legt Zeugnis davon ab, daß die tiefsten Leiden und höchsten Freuden doch aus dem Blute sprießen, dem man vegetativ verbunden ist. Fanny Lewald hat eine, objektive Chronistin ihrer Zeit sein wollen; daß sie — wider Willen — subjektiv wird, wenn es um die Qualen ihres Volkes geht, verrät nur ihre unverbrüchliche Zugehörigkeit zu dem Volke des Wortes und der Sittengesetze vom Sinai. — ..Die Familie Darner“ liest, sich noch heutzutage flüssig, spannend, atempressend in ihrer Not und Pein. Der Ronmn könnte ebensogut jetzt geschrieben sein, denn wir finden uns wieder in ihm. Die Zeitlosiokeit aller großen Schöpfungen drückt dem Werk ihren Stempel auf. Zeitlos, wird es immer zeitgemäß bleiben Doris W i 11 n e r. Emnmicl Kirschner, „Trhillös loci eljgnW Synagogcnfiesänse für Kantor und Chor mit Orgclbegleitung. Band IV: Gesänge für dir Jomim uAroim, für die hohen Festtage. Leipzig, Verlag von M. W. Kaufmann. Es darf als eine Erfüllung von langgehegten Wünschen und vvohlbercrhtigten Hoffnungen empfunden werden, daß Meister Kir schlier in München nach einer ungewöhnlich langen Pause sich entschlossen hat, den vierten Baud seiner „T e h i 11 6 s 1 e e! e 1 j ö n". Synagogcn-Gcsänge für die hohen Festtage, herauszugeben. Wer die drei ersten Bände kennt, der weiß aber auch, daß mit jedem Schritt, den Kirschner in die musikalische Oeffentlichkeit hinein getan hat, ein unaufhaltsamer Fortschritt zu verzeichnen ist zur bewußten Aeußerung alles dessen, was „Religion und Kun«t“ in ihrem geheimsten Wesen in sich schließen. Kirschner ist heute so sehr Vorbild und Schule in sich selbst, daß es abwegig wäre, ihn emem Meister älteren Datums, wenn auch noch so ehrerbietig, an die Rockschöße zu hängen. Und so ist denn der in dem rührigen Verlag von M. W. Kaufmann-Leipzig soeben erschienene vierte Band der Kirschnerschen Muse eine planmäßige Folge seines zu hoher Kultur gewordenen künstlerischen Schaffens. Kirschner bezeichnet diesen Band in seinem Vorwort als „Schlußband“ der von ihm für die Synagoge SUnebenen und veröffentlichten Kompositionen. Hofxentwird er sich in diesem Punkte irren. Gewidmet ist das Werk dem Andenken seiner in Gott ruhenden Mutter, Bertha Kirschner, geh. Böhm. — Weihevolle Akkorde führen hin zu einem herrlichen „M a h t 6 w u“ für den Chor und den Kantor, wie überhaupt Kirschner cs liebt, jedesmal mit diesem Text zu beginnen, so oft er sich anschickt, seine gottgeweihte Harfe im Niederschlag eines neuen Werkes ertönen zu lassen. 7- Ein machtvoll klingendes „Ausheben der Thora“ in C-dur iür Kantor und Chor, drei verschiedene „Adönoj, adön 0 j' in C-moll für den Kantor allein, in D-moil für den Chor, und in G-moll wiederum für den Kantor allein, bilden die Hinleitung zu dem „B o r u c ii schcnnossan töroh*\ dem ursprünglichen C-dur. um dann traditionsmäßig fortzufahren mit dem bekannten C-moll bis „W c'nöro schein ö“- — .,G a d d 1 u 1 a d 6 n o j i 1t i“ ist ein Secco-Rezitativ, das Kirschner benutzt, um den Kantor das darauf folgende A-dur, einen jubilierenden „Lech o adönoj huggedulloh“, vorbereiten zu lassen. In augenehm modulierender Weise, vor allen Dingen stets melodisch und unaufdringlich harmonisiert, bewältigt Kirschner auch das „Ein heben der Thora“ bis zum Schluß, in wohldurchdachter Abwechslung zwischen dem Kantor und dem Chor. — Es folgt die traditionelle Einleitung des „Mu ssa f -Gebet es" mit herrlichen Stimmführungen und charakteristischen Akkorden bis hin zum selbständig gebildeten Höhepunkt des Werkes, der da eiusetzt mit dem grandiosen „Uwcsch 0 f o r godöl jitloka“ in E-moIl und der dann quasi Fantasia mit dem gewaltigen ..Berösch haschonnh*1 seine Fortsetzung findet bis hin zum Wohllaut der mediatorischen Wandlung durch das C-moll des ,,U s s esch u w oh‘\ — Echt und kostbar süddeutsches Chasonus bergen die darauf folgenden Nummern in der Weise der „liedartigen" Gesanges, uud besonders charakteristisch dadurch, weil sie in ihrer ganzen musikalischen Struktur erkennen lassen, daß sie örtlich sowohl wie auch zeitlich unter dem Einfluß Mozart - scher Melodik entstanden sind. Kirschner hat da wirklich Kabinettstücke, süddeutscher Gesangsweise aufgczeichnel. die auch jedem anders gearteten Gottesdienst ohne Zweifel zur Zierde gereichen würden. — Und dann endlich einmal die traditionelle, kunstgerecht geformte Melodie zur „Kcduschah" für Kantor und Chor mit herrlicher Begleitung der Orgel: allein schon wert, um das Erscheinen des vierten Bandes als wertvoll zu bezeichnen. Größere Rezitativc für den Kantor umrahmen in der Folge das großangelegte „Hallet n j o h' in C-dur, und in B-dnr das ..Sseu sch co rim r 6 s <: h e e h e. in‘\ ..Veal jede awodecho" für Kantor und Chor ist echt chasonal und außerordentlich wirkungsvoll, wie den» auch die ganze Hinführung des vortrefflichen Werkes bis zu seinem Schluß in hohem Maße geeignet ist, die Meisterschaft Kirschners aufs neue zu dokumentieren. Kostbar ist auch die Darstellung der ..Pismonim" in Kirschnerscher Fassung und nebenbei interessant durch die Orgelbcgleilung, die er ihnen mit auf den Weg gegeben hat. Kirschner schließt mit einem prachtvollen „Jigdal“ zwar den IV. Band seiner herrlichen .,Synagogen-Gesänge‘\ hoffentlich aber noch lange, nicht sein gottbegnadetes Lehenswerk! 0 b c v k a 11! o r Iler m an« Zivi- Elberfeld. Paraphrasen über alt-jüdische Volksweisen. Für Klavier zu zwei Händen von Juliusz Wolfsohn, TT. F. No. 6930, dritter Band. — Verlag der I niversal-Editioa A.-(5^ Wien—New York. Es würde, im Rahmen einer Besprechung zu weit fühlen, über „a 11 j ü d i s c h e V olksweise n“ Betrachtungen unzuslellen, und es würde sieh auch gar nicht lohnen, hier nun zu zeigen, daß cs sich letzten Endes um eine Tonalität handelt, deren Wesen nicht etwas spezifisch Jüdisches, sondern wie in den meisten aller dieser Fälle etwas Slavischzigeunerhaftes in sich schließt. Ursprünglich sind diese Melodien weder taktmäßig, noch rhythmisch symmetrisch; ihre melodischen Wendungen bewegen sich meist in einem entschiedenen Moll und repräsentieren den Ausdruck einer elegischen Stimmung oft bis bin zum tiefsten Schmerz. Wir kennen diese „Volksweisen“ musikgeschichtlich hinreichend §ut, um zu wissen, daß sie aus dem fernen Osten stammen, aß sie mitunter sogar auf alte Zeiten zurückgehen, aber auf Zeiten, die. nicht spezifisches Judentum, sondern orientalische Völker im allgemeinen ansprechen. Die Worte, die Juliusz Wolfsohn seinen „altjüdischen Volksweisen“, wenn auch nur überschriftlich, mit auf den Weg gegeben hat, deuten unverkennbar auf diesen Osten hin, dessen Mittelhochdeutsch uns auch sprachlich interessant berührt. Es handelt sich also auch hier, wie so häufig, um eine Adoption fremder Idiome auf jüdischem Boden, und die Frage nach dem Wesen einer absolut jüdischen Musik wird trotz aller Hypothesen in positiver Formulierung noch lange nicht als gelöst zu befrachten sein. Xr. 1 : ,,S c.h 1 u f raain lochte r.‘ — Nr. 2: ,,Lomi r ssch iberbeten1' (Wollen wir uns versöhnen). — Nr. o: „A Meidele in die Joren“ (Ein alterndes Mädchen). — Nr. 4: ...S' i s n i t o k c i n N e c h t e n' (Es gibt D Technische Modelle für Ausstellungen, Museen und Erfinder fertigt Erich Durbers, Berlin SW 61 Inh: DipL»lng. Kurt Gerson Gitschiner Straße 107, Amt Dönhoff 7760 Eigenes Konstruktionsbüro / Mechanische Werkstatt Chemisch-technisches Laboratorium irnmmniyjanmmm .irmTTnrrmrTnnnn

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