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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-05-07 · 19 (7.5.1926) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
19 (7.5.1926)
Date
1926-05-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Alsdann vereidigte Fustizrat Perser sämtliche Vorstandsmit- Glieder Lurch Handschlag. in deren Namen Geheimrat Goldfclö für die Einführungsworte dankte und die Bereicherung abgab, daß sie ihr Amt nach bestem Können ansnbeu würden. Die nächsten Begrüßungsworte galten den beiden anwesenden Gemeinderabbincrn die nach der neuen Satzung zu den Sitzungen des Vorstandes in geeigneten fällen mit beratender Stimme zugezogen werden. Tie vorliegende Aemterverteilnng innerhalb des Vorstandes und die Wahl der gemischten Ausschüsse wurde zur Kenntnis genvmmell bzw. bestätigt. Die Gebühren für Aufstellung von Grabdenkmälern 1:3 bis 23 Prozent des Wertest wurden genehmigt, die Schlachtgebühren für Geflügel erhöht. Der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge und Arbeitsnachweise in Berlin wurde eine Fahresbeihilf: non 500 Mark, der Arbeitsnachweisgemeinschaft in Breslau eine Monatsbeihilfe von 300 Mark und eine Beihilfe zur ersten Einrichtung bewilligt. Der Berwaltungsbecichl für die beiden letzten Monate wurde genehmigt, und die Abgeordneten zur Hauptversammlung des Begirksverbandes BreSlau—Liegnitz. am 13. Mai d. F.. wurden bestimmt. Eine längere Aussprache knüpfte sich au die Vorlage: Bewilligung von Kultussteuern Man einigte sich schließlich auf einen vorläufigen Anschlag von 18 Prozent ,vu den Vorauszahlungen und zu den Einkommensteuer-Pauschbeträgen der Angestellten für das erste Vierteljahr. Zur Herrichtung eines Urnenfelöes auf Friedhof Eosel wurden tMO Marl bewilligt und der Vorstand ersucht, ein Statut über die Be Nutzung desselben aus.',»stellen. Die hiesige Arbeitersürsvrge erhielt eine einmalige Beihilfe von 300 Marl. Werner wurde der Umbau des Wohlfahrtsamt!.'» und die dadurch notwendig werdende Verlegung von Klassenzimmern der Religionsschule I und die der Gemeinde-Bibliothek nach dem Grundstück am Anger (Erdgeschoß) beschlossen und die Kosten dafür Ni» zu einem Höchstbeirage von 7,000 Marl bewilligt. Nach einer kurzen, geheimen Sitzung, in der Personalangelegenlleitcn erledigt wurden, vereinigte ein einfaches Abendbrot di,- Gemeindekörperschaften in den Räumen der Leningloge. Dresden. (Todesfall.) Fm Krematorium Tollewitz fand unter zahlreicher Beteiligung aller Kreise der Gemeinde die Einäscherung des im 81. Jahre verstorbenen Kaufmanns Emil Pitsch statt. 1903 war er zum Präsidenten der Fraternitas-Loge N. O. B. B. gewählt worden. Dresden. iAnssch nßf itz un g des Sächsischen 51 s r a e l i t i s cl, e u Gcmeindeveib a u d e s.) Zu der mc einem der letzten Sonntage nach dem Gemeindehaus in Dresden einbernfenen Tagung tonnte der Vorsitzende des Gemeindcves bandes, Rechtsanwalt Paul Saltnger- Dresde». zahlreiche Vertreter aus Bautzen. Chemnitz. Dresden. Leipzig. Plauen. Zittau und Zwickau begrüßen. Annaberg hatte keinen Vertreter entsandt, dafür aber den Vorsitzenden zur Wahrnehmung seines Mandates bevollmächtigt. Erstmalig nahmen an einer Tagung des Verbandes als Mitglieder des Ausschusses die Herren Rabbiner Professor Tr. W i n t e r - Dresden und Tr. G u l d in a n n Leipzig teil. Ans den Eingängen und Mitteilungen geht hervor, daß Rechtsanwalt Solinger an Stelle des Dresdener Sladtrates und Norars N a t h a n s o b u als Ans- >mnomitglied des Deutsch-Israelitischen Gemeiudebnndcs gewählt wurde. Wichtig ist eine Entscheidung des Reichsgerichtes, nach der die Friedbosöverwajtungcn te-ne Verpflichtung haben, bei entwerteten Stistnngen, deren Vermögen mündelsiwer angelegt war, die Grabfckmücknng und die Grabpflege nach dem Willen des Vermächtnisgebers ausznführen. Eine Konsessionsstatistik ans Grund der vorjährigen Volkszählung, für die Mindei heitensrags -rn Bedeutung, liegt in Sachsen noch nicht vor. Ais außerhalb feiner Aufgaben stehend erklärt der Ausschuß die S u lut e u 11 u u des V eieins z u r ft örderung ritueller Speifehäufer iu H a m b u r g. Hingegen wird ein Subventionsgesuch des jüdisch-theologischen Seminars in Breslau vom Berbandsuorstand an die Berbandsgemeinden befürwortend meftergeleitet. Nach der Beratung des Haushaltsplanes, der iu Einnahme nick» Ausgabe gleichlautend für 1920 mit 0500 i9£. festgesetzt wird, beglückwünscht der Vorsitzende den inzwischen erschienenen Dr. Fsmar Freund-Berlin unter dem Beifall aller Anwesenden berzlichst zu seinen, 70. Geburtslage. Worte des Dankes ließ Dr. Freund ungemein interessante Ausführungen über das K i r ch e n a n s t r i t t s g e. s e tz folgen. Daraus ging hervor, daß es in Deutschland lein Rsichskirchenrecht gibt. Jeder Bundesstaat regelt das Kirüieuaustrittsrecht nach eigenem Ermessen, also nicht anders als früher. Zu Preußen ist der Austritt aus der jüdischen Gemeinde ohne aleichzoitigeu Austritt aus dem Judentum möglich, im Gegensatz zu Sachsen. Anschließend an die Mitteilungen Dr. Freunds über die Gründung eines R e i ch s v e r b a n d e s des Deutschen Zn. den tu ms faßt die Versammlung auf Vorschlag von Rechtsanwalt Salinger. der vor Eintritt iu die. Tagesordnung durch Zuruf einstimmig wieder zum ersten Vorsitzenden des Gomeindeverbandes gewählt ivordcn war, folgende Resolution: „Der Ausschuß des Sächsischen Israelitischen Gemeinde verbandes begrüßt mit Freuden die Schatzung des Reichsverbandes der deutschen Juden durch Ausbau des Deutsch- Israelitischen Gemeindeoundes und wünscht seine Verwirklickmug auf schnellstem Wege. Der von Prediger Emanuel Heim a ll il - Plauen be gründete Antrag der Gemeinde Plauen, , dem „Verein israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands. Bezirk Sachsen" eil>e Vertretung im Gemeindcverband zu gewähren, kann trotz der Befürwortung des Rabbiners Dr. Gold mann- Leipzig in der vorliegenden Form nicht zur Annahme gelangen. weil der betr. Lehrerverein nicht in Sachsen seinen Sin hat. Herr M. Skeinberg-Plauen zieht den Antrag der Gemeinde Plauen darauf zugunsten. eines vei mittelnüen Antrages des Herrn Siegfried P i o n k o w s k i - Dresden, der dahingcht. einer qualifizierten Vereinigung der Sächsischen Gemeindelehrer die Entsendung eines Vertreters mit beratender Stimme zuzubilligen, zurück. Der Hauptgegeusland der Tagesordnung betrifft die Satzungsänderung des Gemeiudeverbaudcs. Es handelt sich darum, in der Satzung zum Ausdruck zu bringen, daß die sächsischen, israelitischen' Religionsgemeinden als Gesamtheit eine Religivnsgesellschaft im Sinne des Artikels 137 der Reichsverfassung bilden. Das bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als daß die sächsische jüdische Glaubensgemeinschaft neben der evangelischen und katholischen Kirche in das Gesetz über die R c l i g i o n s g e s e l l s ch a s t e n des öffentlichen Rechts ausgenommen werden soll. Das ist eine alte jüdische Forderung, deren Erfüllung die sächsische Regierung zngesagt hat, wenn 8 3 der Gemeindeoerbands satzung, wonach die Zugehörigkeit zum Verband in das Er menen der einzelnen Gemeinden gestellt ist, in Wegfall kommt. Die von Rechtsanwalt Sulinger zu diesem Gegenstände gemachten Ausführungen werden von den Gemeinde verirctern außerordentlich beifällig ausgenommen. Die Ver ireter der Gemeinde Chemnitz. Rechtsanwälte Dr. Lappe und Dr. Weiner, hingegen erklären, daß sic nicht genügend Vollmachten besäßen, um einer so folgenschweren Aendernng der Satzung zuzustimmen. Die Tagesordnung hätte nicht erkennen lassen, daß darüber schon diesmal eine entscheidende Abstimmung bevorstände. Der Vorsitzende widerspricht dem. Die von ihm gemachten Ausführungen ergänzt Fustizrat Leb recht« Leipzig in rechtlicher Beziehung. Rabbiner Prof. Dr. Winter-DreSden erklärt: Tie Forderungen der Religion und die Ehre des Judentums gebieten, jedes Bedenken gegenüber dem hohen Ziele, dem wir schon so nahe gekommen sind, zurückäustellen. Rabbiner Dr. Goldman n« Leipzig bekräftigt diese Worte. Er findet den Widerstand gegen das vom Staate bewiesene Entgegenkommen, durch das den Juden die seit ü b e r 150 Jahren a n g e st r e b t e Gleichberechtigung nach fortgesetzten Kämpfen endlich zu teil werde, unbegreiflich. Die Chemnitzer Vertreter be* harren indes auf ihrem Standpunkt. Sie betonen, daß das Recht aus 83 der Satzung ein Sonderrecht sei und gegen den Willen einer G e m e i u d e nicht aufgehoben werden könne. Gegen die Abstimmung, die seitens der übrigen Vertreter die e i n st i m m i g e Annah m e der bedeutungsvollen Satzungsänderung brachte, legten die Chemnitzer Delegierten unter Verzicht auf ihr Abstimmungorecht nachdrücklichst Protest ein. An dem Ergebnis der Gemeindeverbandvtagung hat sich, wie wir erfahren, bis jetzt nichts geändert. Die Beschlußfassung der Chemnitzer Religionsgemeinde steht noch aus, doch darf bestimmt angenommen werden, daß Chemnitz nicht die Verantwortung auf sich nehmen wird, dieses für weite Kreise den Juden 'Deutschlands bahnbrechende Bersassungswerk zu Fall gebracht gu haben. Düsseldorf. (Pädagogische T a g n lt g.i Der Verein der Leiter und Leiterinnen jüdischer Erziehungsanstalten Deutschlands veranstaltet seine diesjährige Fahresversamm» lung am Mittwoch, den 26. Mai 1926, in Düsseldorf im Heim der'Düsseldorfer Luge, Grafenberger Allee 78. mit folgender Tagesordnung: I. Oeffentliche Versammlung. Beginn vormittags 10 llhr. 1. Vortrag von Hofrat Dr. Oppenheimer- München: „Die Gesundheitspflege in unseren Anstalten." — 2. Vortrag von Tirektor Silberberg-Ahlem: „Das Arbeitsprinzip iit der Erziehung." — ll. Geschloffene Mitgliederversammlung — anschließend Referate: 3. Nufere Tätigkeit iit der Gesährdetenkommissiou bei: Zentralwohlsahrtsstelle — Dr. Feist. I. Stand der Psnchopathenheimangelegeuheil — Dr. Feist. 3. Unsere pädagogischen Beratungsstellen — Peritz. 0. Die Beschaffung privater Pflegestellen. 7. Einheitliche Pslegegelösützc — .Heilbrunn. 8. lieber gemeinsame Krankenversicherung — Zilinski. 9. Lehrstellenvermitteluug — Heilbrunn. 10. Kassenbericht und Borstandswahl. 11. Anträge und Anregungen aus der Versammlung. Gäste sind zur Versammlung srenndlichst eingeladeu. Düsseldorf. (Verband der jüdischen Fugendu ei: ei ne D e n t sch l. a n ds.i Nach Beschluß der Führe, - Versammlung findet am 23. und 24. Mai die 6. ordentliche Delegiertenversammlung des Verbandes in Düsseldorf statt. Es ist dies die erste große Tagung, die der stark anfblühende Verband seit 1922 abhält. Entsprechend den Zeitverhältnissen wird der Rahmen weniger großartig sein als damals in Bonn, doch zeigen die zahlreichen Anmeldungen aus dem ganzen Reiche, wie groß das Fnteresie für die Veranstaltung ist. Der Tagung wird ein Referat von Dr. Robert Salomon-Trier über Wesen und Arbeit des Verbandes zugrunde liegen, ergänzt durch Ausführungen von Rabbiner Dr. Hahn-Esfen über spezielle Fragen der Pereinsarbeit. Fm übrigen soll durw ernste eingehende Aussprache Art und Ziel der Verbands- und Vereinsarbeit geklärt und vereinheitlicht iverdcn. Eine Freitagabendseier in dem schönen Heim des Düsseldorfer Vereins, ein Festgottesdienst, Besuch der jüdischen Abteilung der großen Ausstellung „Gesolei" und eine durch künstlerische Veranstaltungen der Fugend verschönte Begrüßung werden den Anstatt bilden. Der Verband zeigt iu den letzten Monaten ein erfreuliches Bild lebendigen Fortfchreitens. Der Hessische Landesverband ist neu begründet worden und bekundet den Willen zu ernster Arbeit, überall werden Vereine wieder aufgerichtet und neue begründet. Der Drang nach Betätigung des Gemeinschastswilleus auf dem Boden des Verbandes ist in der deutschen jüdischen Fugend neu erwacht und berechtigt zu den schönsten Hoffunngen. Das Perbandsorgan „Der Fugendbund", das erst seit Ende Fanuar besteht, hat sich in ungeahnter: Weise entwickelt und ist schon beute eine der verbreitetsten und beachtetsten jüdischen Zeitschriften in Deutschland. Elbing. (Verband der Vereine für j ü d i s ch e c i di t d, t c u n. d Lireratur i u O st v r e u tz e n.) Der Literaturverband Ostpreußens gibt seinen ersten Jahresbericht nach der Wiederaufnahme feiner Tätiakeit. Der 1909 unter Leitung des Herrn Leon Scheinhans-Memel gegründete Verband der Vereine für jüdische Geschichte und Lileratur in Ostpreußen hat infolge der Schwierigkeiten der Krieas- und Nachkriegszeit völlig geruht, wenn auch einzelne der Vereine ihre Tätigkeit nickst unterbrochen hatten. Erst 1923 nahm der Verband seine Tätiakeit wieder aus. Zum "Vorsitzenden wurde Rabbiner Tr. Neufeld-Eibing gewählt. Es schlossen fidi i«im acht Vereine, nämlich Allcnstein, Branndbera. Danzig. Elbing, Königsberg, Memel, Osterode und Titsil. an. Fn diesen Vereinen wurden im ganzen 1.3 Vorträge wahrend des Winters gehalten, so daß durchschnittlich in jedem Verein fünf bis sechs Vorträge stattfanden. Ber der 'Abschnürung durch den Korridor war es außerordentlich schwierig, Redner ans dem Reiche zu gewinnen, so daß die meisten Vorträge von Herren aus Ostpreußen gehalten werden mußten. Fmmerhin ist es gelungen, drei Redner aus dem Reiche zu Rundreisen zu gewinnen, nämlich Frau Edith Herrnstadt-Oettingeu, Nowawes bei Potsdam', Herrn Rabbiner Dr. Wiener-Stettin und Herrn Stndienrat Dr. Willi Cohn-Breslau. Fn den einzelnen Vereinen nahm infolge der erhöhten Tätigkeit die Anzahl der Mitglieder zu und ein stärlercs Fntercife der einzelnen an den Arbeiten des Vereins war deutlich zu erkennen. Mehrere Vereine haben Lesehallen mit Zeitschriften und Bnckieransgaüe eingerichtet. Fast alle Vereine besitzen jüdische' Bibliotheten. wofern nicht eine jüdische Gemeindebibliothek am Platze ist. Es ist zu hoffen, daß auch der Verband der Literatnrvereinc im deutschen Reiche, dessen Ruhen gerade von Ostpreußen schmerzlich empfunden wurde, sein.' Tätigkeit bald wieder aufnehmen wird. Karlsruhe. sF ü d i s ch e s G c m e i n delebe u.) Der wirtschaftlich schwere Winter 1923 26 hat — und das ist gerade in einer Zeit wirtschaftlicher Depression zu begrüßen — iu unserer Gemeinde einen nicht zu verkennenden Aufschwung des jüdischen Lebens gebrackst. Der Synagogenrat bat ein ständiges Gemeindebnreau eingerichtet und sorgt außerdem durch Neuordnung des Archivs und der Bibliotb-'k für leichtere Benützung dieser wertnolleu Einrichtungen. Zusammen mit dem neuen geistigen Führer unserer Gemeinde, Herrn Stadtrabbiucr Dr. Schiss, wurden sehr beachtenswerte Schritte getan, die in ihrer weiteren Verfolgung wesentlich zur Förderung des Gemeindelebens beitragen können. Fn richtiger Erkenntnis der Tatsache, daß zwar das jüdische Leben vom Haus ansgehen muß. im Haus aber nur zu erreichen ist, wenn der Fugend die nötige religiöse Grundlage gegeben wird, hat .Herr Dr. Schiff mit dem Snnagogenrat vor allem auf eine Fntenfivieruna des Religionsunterrichtes und damit and' des hebräischen Unterrichts, soweit es innerhalb der beschränkten Stundenzahl möglich ist. hinaearbeitet. Auch der Fugendbund wurde nach bester Möglichkeit gefördert. Vorträge, musikalische Darbietungen, gemeinschaftliche Ausflüge, Ehanuka- und Purim-Feier brachten viel Anregung Sehr zu begrünen war es, daß Herr ölabbiner Dr. Schiff den zweiten Sederabend im Kreise des Fugendbundes abhielt. Aber auch für die Erwachsenen wurde manches Anregende geboten. Wolstaelunaen ist der Versuch, durch Abhaltung einer abendlichen Andachtsstnnde auch denjenigen, die sonst durch Berufspflichten dem Gottesdienst fernbleiben, eine Stunde geistiger Erhebung zu bieten. Ferner begann unser Rabbiner einen auf drei Fahre berechneten Vortragszyklus über den a-'rstigen Fnbgkt de« FndentnmS. Eine Neuerung für unsere Gemeinde war schließlich eine in der Svnagoge abgehaltene Äphltätigkeitüveranstaltung zugunsten der Ortsgruppe öeS Wohlsahrtsbundes. Neben Orgelspiel, zum Teil in Verbindung mit Violine und Cello und Chorgesang, wurden von zwei der Gemeinde angehürenden sehr guten Sängerinnen deutsche und hebräische Gesänge gesungen; außerdem trug unser ausgezeichneter Oberkantor Metzger einen Hymnus von Fehuda Halevy vor und die Gattin des Rabbiners, Frau Haunah Schiss, rezitierte mit plastischem, zu Herzen gehenden Vortrag ausgewählte Stücke der Bibel, lieber die Tätigkeit iu den Vereinen, vor allem im Reichsbnnd jüdischer Frontsoldaten und über den Fortgang der eingeleiteten, oben skizzierten Schritte wird weiter zu berichten sein. Mainz. (Rabbiner Professor Dr. S a l s el d gest o r b e n.j In Mainz ist — wie von dort telegraphiert wird — der langjährige Rabbiner der dortigen jüdischen Gemeinde, Dr. Ludwig Salfeld, im Alter von 83 Fahren gestorben. Dr. Salseld, der aus Stadihageu (Lippe-Schaumburgj stammt, war nach Beendigung seiner theologischen und philologischen Studien einige Fahre Lehrer am Zluerbachschen Waisenhause'zu Berlin, dann von 1870 bis 1880 Rabbiner in Dessau und wirkte seitdem iu gleicher Eigenschaft in Mainz, wo er fidj als ausgezeichneter Kanzelredner und vielseitig gebildeter, überaus humaner Seelsorger allgemeiner Verehrung erfreute. Fm Fahre 1912 wurde ihm ebenso wie schon früher seinen Kollegen Dr. M. Maybaum lBerlinj, Dr. Bloch (Posenj u. a. das Prädikat „Professor^ verliehen. Wissenschaftlich ist er mit einer in den ^ckonumentL Oermanilte historica erschienenen Ausgabe des ältesten Martyrvlogiums der Fudeu iu Nürnberg (aus der Zeit der Kreuzzügej, mit einer kommentierten Ausgabe des .Hohen Liedes", sowie mit verschiedenen Beiträgen zur Hessischen Heimats- und Kulturgeschichte heruorgetreteu. Noch als Achtzigjähriger hat er eine rechts- und religionsgeschichtlid) wertvolle Lchrifc über das Fudcncrbe vcröisentlicht. Mainz. (B o m hessische u L a u d e s v e r b a lt d.j Am 2 Mai fand in Ällaiuz die konstituierende Versammlung des ueugegründeten „Landesverbandes der israelitischen Religiousgememdeu im Vvlksstaat Heilen." statt. Nachdem iu früheren Fohrzehnten mehrfache 'Versuche, die jüdischen Gemeinden nach Art der badischen und württembergischen Regelung ans gesetzgeberischem Wege zu vereinigen, au dem Widerspruche der separatistischen Ortlivdoi'ie gescheitert waren, wurde nunmehr aus Grund der iu der neuen Reichsversassung gegebenen Möglichkeiten der Versuch gewagt. Auch diesmal gelang es noch nicht, die orthodoxen Leparatgemeinden von Tarmstadt und Gießen mit den zu ihnen gehörenden Landgemeinden zum 'Anschluß zu bringen, aber es gelang, schon jetzt inehr als 73 Prozent aller hessischen Gemeinden zu vereinigen,' eine itidit unerhebliche Zahl von Kleingemeinden, die sonst den vrthodoren Rabbinaten sidi zurechncu. hat hier in richtiger Erkenntnis deri Weg zur Einheit gesucht und gesimden. Von besonderen: Gewicht ist. daß der Landeslehrerverband, die autoritative Vereinigung aller hessischen Lehrer, sich aus den Boden des neuen Verbandes gestellt hat, wohl .'vissend, daß der Verband eine Beciuslusinng der Gemeinden in religiöser Bezielmng ansschließt und daß sonnt and) den Fnteresseu der orthodoi'en Gemeinden durch die Vereinigung der Gesamtheit am besten gedient ist. Mehr als 110 Teilnehmer waren zu der Tagung erschienen. Kommerzienrat Meyer, der Vorsitzende der Mainzer Gemeinde, führte den Vorsitz, schilderte die Bemühungen, die seit langem iu der Richtung der Vereinignng angestcttt worden sind, schilderte die Widerstände uttd ermahnte zur Einigkeit. Die Verfassung sieht einen Oberrat von 13 Mitgliedern vor, deneil zwei Rabbiner, zwei Lehrer und drei Vertreter von Gemeinden unter 30 Zeusiteu angehören müssen. Um das Zustandekommen des Verbandes hat sich besonders die Gemeinde Mainz verdient gemacht, die nach einer Anregung der Gemeinde Offenbach die Verhandlungen in die Hand nahm und alle Vorbereitungen,, in uneigennützigster Weife geführt hat. 'Mainz bleibt auch der Vorort -es Verbandes. Zum Vorsitzenden wurde Kommerzienrat B. A. Meyer in Mainz bestellt. Es steht zu hoffen, daß mit den durch die Vereinigung fließenden Mitteln ~ es sollen alle Gcmeindett 3 Prozent ihres llmlagensolls für Verbandszwecke abführen, und die Erlangung einer Staatssuüvenlion wird erstrebt — die Möglichkeiten der religiösen Erziehung aus dem Lande erneut gegeben sein werden: die Sorge des Verbandes ist ün wesentlichen die Wiedererweckung des religiösen Lebens in den Landgemeinden, die. gegenwärtig der Lehrer und damit der religiösen Führung entbehren. — Die Erschienenen wurden von der Gemeinde Mainz gastlich bewirtet. Mannheim. >S y n a g o g e n k o n z e r U D er Syna - ftcflendjoi: Mannheim gab Heine sein dritres LLohltäiigkeiiskonzert zugunsten der hiesigen israelitischen Krankennnterstützungävereine. Die zahlreich erschienene Hnrerichaft lauschte andächtig den durduveg künstlerischen Darbietungen. Die Chöre unter der Leitung von Karl Tlioma brachten das ..Andante religioso" non Paul Gläser, die „Motette" „Wie lieblich sind aus den Bergen" (Feiaia 32,7) von (5 F. Richter und den 61. Psalm von Chas. Obeirbür mit seinem Empfinden und sicherem Einsatz zu Gehör. Die Solisten entledigten sich meisterlich ihrer zum Teil recht schwierigen 'Ausgabe: Frl. Mathilde Lazarus gab mit ihrem hohen glockenreinen Sopran „Mirjams Siegesgefaug" von C. Rcinecke. Frau A r l o - S ch l e f i n g e r mit ihrer vollen, wohlgeschulten Altstimme Grabncrs „Zwiegespräch", Mar Lippmann, der bewährte Tenorist, den 23. Psalm von Franz Liszt. Erwin Froh weins wohltönender Baß Lewa«- dow'kis „Thorath adonoi temiwoh". Kantor Adler» weicher, klangvoller Bariton die „K'duschah" von E. Kirschner und —!a5i not least - der gottbegnadete 73jährige Oberkantor N eitler den „Mi chomocho" der Wallfayrtsseste, der erstaunlich jugenüsrisch klang. 2lnch die übrigen Solisten, die Damen Irene 2lpfel, Selma Adler, Fda Bensdorf und Herr Julius Süß, fügten sich wirkungsvoll dem Ganzen ein. Die Orgel (Armin T h o m aj, Bratsche (Konzertmeister N e u m a i e r) und Harfe (K onzertmcistcr Stegmannj taten ebenfalls das ihrige zum Gelingen der Veranstaltung. — Die regelmäßige Wiederkehr dieser Synagogenkonzerte und das Interesse, das man ihnen entgegenbringt, sind ein erfreulicher Beweis der lebendigen, religiösen und sozialen Kräfte in der jüdischen Gemeinde Mannheim, die in Wahrung der Grundsätze einer liberalen Eiuheitsgemeinde die Entfaltung der religiösen Ueberzeugung aller Richtungen gewährleistet. Stettin. (Wahl k o n: p r o m t ß.i Radi laugen Verhandlungen ist zu den bevorstehenden Repräsentantenwahlen ein Kompromiß zustande gekommen. Und zwar am der Basis neun Liberale, je drei Zionisten und Konservative, die sich hier ober wahrscheinlich Mittelpartei nennen werden, so daß wir zwar nicht die anfangs geforderte Zweidrittelmehrheit haben, oder immerhin sicher in der Majorität sind. Wir wählen zwei, die Zionisten und Konservativen je eine Frau: nebenbei sind diese beiden letzteren die gescheitesten ihrer Gruppe und in ihrer ganzen, yauptsächlidi auf soziale Tätigkeit gerichteten 2lrt, uns auch die angenehmsten. Fiir eine verhinderte Iran wird immer auch eine Frau aus den Stellvertretern ein rücken. . Auf liberaler Seite wurden die Verhandlungen in aus-« gezeichneter Weise von der Ortsgruppe Stettin der Bereinigung für daö liberale Judentum geführt. Wolfhaa««. (G e m e i n d e ä l t e st e r R e i ch h a r d t gestorben.) Fn dem kürzlich verstorbenen Kreisvorsleber Reichhardt verliert die hiesige Gemeinde einen um die religiösen Jntereffen verdienten Glaubensgenossen, der so-

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