Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 19 (7.5.1926)
- Date
- 1926-05-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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6. Jahrgang Nummer 19 Beilage 7. Mai 1926 IMchÄeraleZeilimg ft Gegen den Numerus Clausus Die am 5. Mai erschienene Stummer des „Magnat fUngarische Rundschau), des Organs der ungarischen Kolonien. in Deutschland, beschäftigt sich mit der Frage des aiimeru8 clau8U8. Das Blatt enthält sehr wertvolle Beiträge deutscher Literaten. B. solche von Theodor Wolfs und Georg Bernhard. Der Präsident des Deutschell Reichstags» der Sozialdemokrat Löbc. hat sich mit folgenden bemerkenswerten Sätzen geäußert: „Die Universitäten müßten ohne Ansehen der Herkunft und des Geldbeutels jedem offensteheil. der die nötige Begabung besitzt. Dann würden dort nicht so viele eingebildete junge Leute herumlaufen, die glauben, aus ihre Abstammung stolz sein zu dürfen und hie ihr Vaterland mit politischen Albernheiten blamieren. Ein Borschlag, die Zulassung zum .Hochschulstudium irgendwie von Religion oder Rasse abhängig zu machen, würde hierzulande von der ungeheuren Mehrheit des Volkes als unsinnig und eines Knltnrstaates unwürdig ahgelehnt werden." .,Gri"-Propaganda in England. Unter dem Borsitz des Herrn Halpern und in Anwesenheit des Vorsitzenden der Zentralverwaltung des Verbandes „Ort". Herr» Leo Bramson, und des Mitglieds der Zentralverwaltung Prof. S. Frankfurt fand dieser Tage in London die Jahresversammlung des Landesverbandes „Ort" in England statt. Die Herren Bramson und Prof. Frankfurt berichteten eingehend über die bisherige Arbeit des Verbandes. Herr Bramson behandelte außerdem eingehend die Lage in den Ländern Osteuropas, wo im Zusammenhang mit dem Niederbruch des Handels ein starker Andrang dex Fugend, -zum Teil auch der Erwachsenen zu den technischen Fachschulen der „Ort" zu bemerken ist. Allein in Polen leitet un dunterstntzt „Orr" 32 Fachschulen mit mehr als 2000 Schülern, die im Handwerk ausgebildet werden: dazu kommt die Arbeit für die jüdischen Landwirte. Prof. Frankfurt erstattete noch Bericht über die Arbeit der Kvoperativgeiellichait für Werkzeuqveriorqung die sich erfolgreich entwickelt. Der „Ort"-Ausbaufonds stellte dieser Gesellschaft 30 000 Dollar .zur Verfügung. (ö00 Handwerker wurden mit Maschinen und Werkzeugen versorgt, ebenso mit Rohstoffen, In allen Ostländern bestehen Werkzeug- und Rohstoff-Depots. Herr Halpern berichtete über die Tätigkeit des Londoner Komitees, die sich hauptsächlich auf die Unterstützuna der Fachschulen in Wilna und in Wolhynien konzentriert. - Rach einer eingehenden Diskussion, die sich insbesondere mit einem Plan her Erweiterung der Tätigkeit des Londoner Komitees und der Erwerbung neuer Mitglieder befaßte, wurde ein Komitee gewählt, dem die folgenden Personen angehvreu: Herr und .Frau S. Belofs. Tr. I. Gawronsk«. Frau M. Großmann. die Herren A. F. Halpern. L. Fstorik. I. Kagau. 5. Kallin. A. Krngljakosf. Tr. R> Krupenia. S. Lourie. Frau D. Mowschowitsch, die Herren Tr. Pines, Pilichon'skir. S. Raskin, M> Schalft. Tr. M. Schwartzman. M. Tscharm», W. Wvls. P. Wolfton. P. Zinn und E. Zimdolewitich. Wiener Brief. Die denkwürdigen Festtage anläßlich der Fahrhundert- EDerrVWtz Wiener Seitenstettentempels sind vorüber. Es Eren Tage der Erinnerung und des Gedenkens an die Leistungen unserer Vorfahren in schwerer Zeit. Sie nahmen einen glänzenden Verlauf und waren nicht bloß ein Fest der Wieüer Fndenschaft, sondern durch die Beteiligung von Deputationen sämtlicher österreichischen KultNSgemeindcn auch ein Fest der gesamten Fndenheft unserer Republik. Die Festlichkeiten nahmen ihren Anfang mit einer feierlichen Festsitzung des Kullusvorstandes. bei der dessen Präsident Pros. Tr. A. Pick die folgenden Beschlüsse des vorbereitenden Komitees zur Kenntnis brachte, die die Erinnerung an diesen Fest- und Fnbeltag unserer Gemeinde dauernd erhalten sollen: Tie Herstellung von 800 Eremplaren des faksimilierten ersten Statuts für das „Bethaus der Israeliten in Wien" vom Fahre 1820. mit einem Anhang versehen, der eine Studie ans der Feder Tr. Bernhard Wachsteins, des gelehrten Vorstandes unserer Gemeindebiüliothek. von hohem historischen Wert enthält. Tie Berfassn.ia einer Denkschrift durch den bewährten Rabbiner Tr. Mar Grün wald. die in einer für die Fugend angemessenen Weise die Schicksale der Wiener Fndenschaft sowie das Entstehen und die Entwicklung unserer Gemeinde beleuchtet. Schließ lich die Bersassnng einer wissenschaftlich wohlfnndftrten Geschichte der Juden in Wien im Wege einer Preis. ausschreibung durch die Historische Kommission. Alle Teilnehmer verfügten sich sodann zu dem F estgottesdienst, bei dem im reichgeschmüctien Tempel Oberrabbiner Dr. H. P Chases die Festrede hielt. Diese Festrede behändste nun merkwürdigerweise weniger die Geschichte des Tempels oder der Männer, oie in und für ihn gewirkt, erwähnte aber daftir was bei der Parleieiustellung des Redners leicht erklärlich, besonders lobend die zionistische Bewegung. „die vor wenigen Fahrzehnten hier ihren Ausgang nahm und den größten und entscheidendsten Einfluß aus das Judentum und seine Zukunft hat". Auch sonst unterlief dem temperamentvollen Redner ein übler Lapsus: er sprach n. a. davon, daß wir. die vor hundert Jahren noch Sklaven waren, heute doch freie Menschen sind, die sich verteidigen können: ,.sa. sogar weit mehr, wir tonnen auch angreifen". Auf diese Stelle stürzten sich die antisemitischen Blätter» mn Wollust und erössneten ans Grund dieses Ans fpruches aus berufenem Munde nun ihrerseits den Angrifs. gegen den wir angeblich angriftslnstigen Fuden vollkommen wehrlos waren. Tcr religiösen Feier im Gotteshause folgte am nächsten Tag eine Festversammlnug im großen Sone:- saal, bei der der Bundespräsident Tr. Michael Hain isch, Polizeipräsident Johann Schober Bun-de'sminister für Unterricht Tr. Emil Schneider persönlich anwesend waren. Den Höhepunkt dieser Feier bildete die Festrede des ^Vizepräsidenten Tr. Jakob O r u st ein. die Bewunderung und Begeisterung auslöste und das illustr«: Publikum bis zum letzten Moment — Dr. Ornstein sprach anderthalb Stunden in vollkommen freier Rede — in Spannung hielt. Die Rede war auch von großer politischer Bedeutung, denn der Vizepräsident unserer Gemeinde benützte den schönen Anlaß, um vor dem ehrwürdigen Oberhaupte unserer Republik, Dr. Ha i n i s ch . das G c l ö b n i s ansznsprechen daß wir als treue Bürger dieses Staates. gestützt auf die vielhundertjährige Verbundenheit mit unserem Vaterland. an seinem Aufschwung Mitarbeiten und in unserer Opferbereitwilligkeit nie erlahmen wollen. Die Betonung dieser Bodenständigkeit des Wiener Fndentnms, dessen Geschichte, wenn nicht mit dem Einzug von Juden zugleich mit den römischen Legionen, so doch zumindest mit dem 0. Fahrhundert beginnt, und die damit verbundene Ablehnnng der irrsinnigen Theorie von „Gast- und Wirtsvoll" geschah ebenfalls, noch dazu vor so bedeutenden Vertretern der österreichischen Regierung. mit besonderer politischer Absicht. Tenn es ist noch nicht allzu lange her, daß im österreichischen Parlament der bekannte Alt-Bundeskanzler Tr. Seipel das bvie Wort „vom bodenständigen christlichen Volke" sprach und dieses io in Gegensatz zn den angeblich artfremden Juden stellte. Da war es nur ein sehr geschickter politischer Schachzug, unsere Verbundenheit mit diesem Lande vor den maßgebenden Lenkern desselben neuerlich zu betonen. Daß die Wiener Füidischnationalen diesen Sachverhalt vollkommen mißverstanden haben und diesen Teil der Rede Dr. Ornsteins, der zugleich Präsident der ,,U n i o n dcnt s ch - ü st e r r eicht s ch e r Fuden" ist. zu einem .Kesseltreiben gegen ihn und seinen Verband benützten, wobei sie ihm noch impuiierten. daß die Feststellung der „Bodenständigkeit" gegen die Ostjnden ge münzt war. entbehrt nicht einer gewissen Komik. Die Festesstimmung trug wohl auch mit dazu bei, daß die in der Wiener Kultüsgemeinde entstandenen Differenzen zwischen der nichtzionistischcn Mehrheit und der jüdischnationalen Opposition, von denen in dem letzten „Wiener Briefe" dieser Zeitung die Rede war, ans beinahe gütlichem Wege applaniert wurden. Ein modernes Sprichwort besagt: „Angesagte Revolutionen gehen nicht los." Dieses Sprichwort könnte mau ans das Verhalten der Füdischnatwnalen anwenden, die noch einen Tag vor der Eröffnung der Budgetdebatte, bei der der Konflikt zur Austragung hätte kommen sollen, in einer Versammlung der „radikalen Zionisten" einen ..offenen Kampf gegen die von der „Union deutschösterrcichrscher Fuden" und 1V& „Centralvcrein denk j scher Staatsbürger jüdischen Glaubens" Igegängelte (!) „Wiener Kultusvorstands.11 ehrheit" verlangten. Während noch in dieser Versammlung der zionistische Gemeinderat Tr. Plaschkes cs als einen „Fluch" bezeichnet hatte, den zwischen den beiden Parteien bestehenden Wahlpakt noch! aufrecht zn erhalten, gehabte «ich der gleiche Herr! Tr. Pkaschkes 'in KultNsvorstande ganz anders, feine Partei! stimmte für das Budget, obwohl der Keren H a ie> s0 d. entgegen ihrer bisher laut erhobenen Forderung, im selben nicht ausgenommen ist und nur separat zugleich mit Piftästrnawnds anderer Parteien bndgetiert iverden soll. Wozu also der Lärm? Es ging aber nicht anders, denn selbst Ge.neinderat Dr. P lascht es mußte die großen Leistungen der Kultnsgemcinde iür Palästinazwecke lobend anerkennen, insbesondere die Leistungen für die Ehaluzim und den erheblichen Beitrag, den man im Einvernehmen mii der Mehrheit, im Vorjahre anläßlich der Unkuerfitälservffttittlg gespendet harte. Da nun auch die Indisch nationalen trotz allem für das Budget stimmten, hatte dasselbe rascher erledigt werden können, als es >0 - nur T a g e in Anspruch nah in. Während also in Wien derzeit wie lauge? zwischen den Parteien Ruhe herrscht, ist es vor kurzem einem beispiel losen Terrorismus, einem mit größter Erbitterung geführten Wahlkamps und einer - wie auch der politische Gegner zugeben muß — tadellos, funktionierenden Agitation . der Füdischnationalen gelungen, in Graz, der zweitgrößten Stadt Oesterreichs und Hauptstadt des Bundeslandes Steiermark. einen Sieg zu erringen. Hessen Ausmaß allerdings weder die verausgabten Mengen von Geld, Trncksortcn. Phrasen und Schlagworien rechtfertigt, noch auch die von den Fstdischnationaleu an die Wahlen geknüpften Erwartungen erfüllt. Ein Sieg, wenn auch ein Pyrrhussieg, ist es immerhin. va in die Grazer Kirltnsstube ll Füdischnationale, 0 Konservative und 4 Wirtschaftsparteiler einziehen Und so hat das unverantwortliche und um momentaner billiger Wahlerfvlge wille t die politische Zukunft der Fuden in Oesterreich gefährdende Treiben der Füdischnativnalen sowie auch das Eintreten einiger bisher unbekannter Gruppen in den Wahlkamps ju der ruhigen und abseits von jedem polikiichen Kample gelegenen Stadt Graz zn einem „Erfolge" gesührt, den das dortige Fudentnm wohl wird bezahle'.: müsse!'. Was nun? Werden die ll Jüdsichnalivaalen gegen eine Majorität von v> zhichlnarivnalen regieren? Werde : sie mit der einen oder anderen Partei ein Komvromiß schließen, das sie früher ablehnten? Dann werden ne wohl oder übel einige von den einer ausschweifenden politische » Phantasie entsprungenen Watckveriprechnngeu unerfüllt lassen nrünen. Tann werdet:.sie sich überhaupt, zwar schweren Herzens, aber doch in Uebereinstimmnna usi: manchen' „nationalistischen" Schlagworte, gezwungen sehen, das iüd'uche Gesamlinleresie über das Parlciinteresie zn stellen. Wozu aber innßre dann ciu erbitterter, mit alle.: möglichen Mitteln genihrter Wahlfarnpf in der >0 ruhigen Stadt Graz cutteiielf, wozu allen Judenfeinden das Schauspiel des Brnderkampfes geboten werden? „Aus uationalen Gründen". Oskar Hirfchfeld, Wie«. Aus den Gemeinden j||j Berlin. iE i :> Opfe r h a 5 e t r e u z l e r i f ch e r Brutalität.) Dieter Tage verstarb in Berlin der bekannte russisch-jüdische Gelehrte Prof. Dr. Gregorins Ftelsohn un Alte»! von 74 Fahren Pro). Ftelsohn, der trotz seilles Alters bis vor wenigen Monaten sich einer unerschütterlich scheinenden Gesundheit erfreute und eine nie ermüdende Arbeitslust an den Tag legte, kränkelte seil Weih ilachten 102ö an den Folgen eines antisemitischen Uebersalls, der a»n' ihil vor dem Hakenkreuzlerlokal „Wilhelma" am Knrsürstendauttv verübt worden ist. Am Weihnachtsabend I nun es vor der „Wilhelrna" zu schwerer: antisemitischen Ausschreitungen gegen: jüdische Passanteil, in derer: Verlaus der. Rittergutsbesitzer Baron v. Eilgelhardt mit der: Wörter: „Schlagt den Fuden tot.'" den 74 Fahre alten Gelehrten Tr. Gregorins Ftelsohn attackierte und so lange ans ihn einschlug, bis er rrrit erheblichcir Verletzungen ans der Straße liegen blieb und zur Rettungsstelle geschasst werden mußte, wo er verbunden wurde. Ten Folgen dieser Verletzungen ist der alte Mann nur: erlegen. Professor Ftelsohn wurde arrr 18. Januar 18.12 in Schftourir geborerr und besuchte die dortige Rabbinerschnle. Er kam später rrach Petersburg, wo er sich au Ser physikalkschmathematischen Fakultät ausbildctc und bald eine anerkannte Autorität in seinem Fache wurde. Er pflog persönliche Bekanntschaft mit den großen russischen Schriftsteller,: Dostojewski, Turgentew, Polonskij. Solowjem n. a. m. Seit 1884 lebte Ftelsohn in Berlin. In späteren.Fahren wandte er sich auch der jüdischen Religionsphilosophie zu. Sernc Schriften über Logik werden in allen Lehrbüchern der Logik zitiert. In Berlin verkehrte er in Kreisen jüdischer Gelehrter und war ein persönlicher Freund von Lazarus, Hermann Cohen und zuletzt von Prof. Albert Einstein, dessen Werke er ins Russische übertrug. _ _ . Berlin. (F nbiläu in des H i t f s v e v e i u s.) Am Sonntag, den 10. Mai. findet um 12,80 Uhr vormittags 11t Berlin, Logenhaus, Klciststr.10, anläßlich des 2sijährigen Bestehens des Hilfsvereins der Deutschen Fuden unter Borjttz des Herrn Dr. James Simon eine Versammlung statt, in der über die Lage der Juden in Osteuropa und im Orient i» den letzten 23 Fahren berichtet nnd ein Ueberblick über mc Wirksamkeit des Hilfsvereins gegeben werden wird. Der Hilssvcrein gibt eine Festschrift heraus m't Beitrage» über die Hauptgebicte seiner Tätigkeit von Herrn Dr. Pani Nathan, Herrn Dr. Bernhard Kahn. Direktor des America» Foint Distribution Committee, Prof. Dr. Moritz Schaefer und Herrn Dr. Wlschnitzer, Generalsekretär des HilssvereinK. Berlin. (A ns der Gefells ch a s r s ü r di e W isfe n schüft des Indent u in s.) Das Aprilheft der „Monatsschrift für Geschichte nnd Wissenschaft des Juden» tums" beginnt mit einer Beantwortung der ebenso schwierigen wie wichtigen Frage, ob das geschichtliche Judentmn eine Religion ohne Dogmen ist, wie vielfach geglaubt wird. Zur Beantwortung der Frage ist der Verfasser, Dr. Schestelowitz, als Rabbiner nnd Univerfitätsprofessor in gleicher Weise berufen: er beschränkt sich auf die Feststellung, daß das Judentum im Laufe der Geschichte „keine Dogmatik, wohl aber Dogmen" geschaffen hat, nnd daß daher die seit Mendelssohn verbreitete Meinung, das überlieferte Judenlnm habe keine Dogmen, jedenfalls nicht zn billigen ist. Die weitere Frage, ob das Fudentnm der Gegenwart in dem Si'uie Doguren hat wie das Christentum, wird erst^iu: nächsten Heft von berufener Seite beantivortet werden. ZL>ehr anregend und gemeinverstätldlich bei alter Gelehrsamkeit sind die Bemerkungen zum Gebetbuch, die E. Banetü beigesteuert hat. Die Sammelbesprechnng, die dies Heft, wie all seine Vorgängerinnen, enthält, gilt der ostjüdischen Geschichte: sic stammt von L. Lewin jfrüher in Kättowitz). Zwei andere Beiträge wenden sich zunächst nur an die gelehrte Welt. Aber der Nachweis Aptowitzers, daß die Kirchenväter i» der Attffassnng des Malkizedek durch den Midrasch beeinflußt sind, nnd'die Aufdeckung deS, Einflusses, den eine jüdische eschatolvgische Weissagung aus die christliche Welt zur Zeit des dritten Krenzzugs gemacht hat (durch F. Baer), veranschcinlichen sehr deutlich die Bedeutung, die die Wisseuschaft des Fndentnms für die Gesamtwisseuschaft besitzt. Das Heit erscheint erfreulicherweise in etwas verstärktem Umfang: es ist aufrichtia zn ivünschen, daß die Bestrebungen der'Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Indenttttns, ihre Mvnalsschrift immer mehr ansznbauen, vollen Widerhall finden. Man abvnuiert die Monatsschrift durch Uebersendttng des Jahresbeitrages von 10 M. an die Gesellschaft zur Forderung der Wissenschaft des Judentums, Postscheckkonto Berlin 7080. Paul Veit Simon. Berlin. (Jubiläum.) Am 8. Mai d. I. begeht der frühere Kastellan der Svnagvge Lühon'straße. Herr Bartold Schlesinger, C 2, Käiser-Wilhelm-Sir. 00, in voller Rüstigkeit seinen 70. Geburtstag. Brannschweig. (A m t s i n b i l ä n m.) Am 1. Mai konnte Oberkantor und Lehrer Simon Gvttlieb sein 2'>jähriges OrtS« jnbilänm begehen. Ans diesem Anlaß war der iiiu die Förderung des reliaiösen Lebens innerhalb der Gemeinde wie um die würdige Gestaltung des Gottesdienstes oerdiente Beamte Gegenstand mannigfacher Ehrungen m:d Anftnerksamkeiten. Breslau. (S u n a g 0 g e n v e r b a n d.) Am 18. Mai findet hier die Hauptversammlung des Verbandes der Sunagvgengemeiudeu der Regiernugsbezirke Breslau uud Liegnitz statt, ans der sämtliche Verbandsangetegenheiten nnd besonders die Frage des Oieligionsvnter'richts in den Perbandsgemeinden ihre Erledigung finden soll. Unser Freund Erich Bauer rvird über den Hanshaltplan sprechen. B resla». (Ein n n g l n u b l i ch e r B e s ch l u ß.) Die erste Straflammer des Landgerichts Breslau, das vor dem Kriege durch seine ansgezeichnele, nach den: Kriege antisemitische Rechtsprechung bekannt geworden ist, hat jüngst tu einer Strafsache folgenden Beschluß gefaßt: „In der Strafsache gegen Babeck und Genossen wird der Antrag des Angeklagten Szaltan von: 22. Marz 102h ans Aushebung des gegen ihn bestehenden Haftbefehls znrnckgewiesen. Der Angeklagte ist Ausländer nnd ledig. Er besitzt leine eigene .. ...... .__ zahlreiche« oftjii Midien Volksgenossen sich verborgen halte»: wird, um sich der ilm: drohenden Strafvollstreckung zn entziehen. Zudem hat der Angeklagte seine Ausweisung ans dem Reichs, gebiete als lästiger Ausländer <>h erwarten." Es ist glücklicherweise auch heute noch in Deutschland selten, daß Richter so wenig Gerechtigkeitsgefühl aufbringen nnd sich derart zum Sprachrohr einer unrvayrhaftigen parteipolitischen Hetze machen. Es ist zn hoffen, daß das Oberlandesgericht in Breslau diesen Beschluß aushebt, der deshalb ft> unübersehbare Folgen haben kann, weil er einen Haftbefehl mit nnkontrollierbaren Verallgemeinernngen gegen eine bestimmte Schicht begründet. Breslau. (Sitz n n g d e r G e :n e i n d e 0 e r. t v e t » >: g.) Nach längerer Panse tra: an: 20. April d. F. die Gemeindeveriretung zu einer Sitzung zusammen. Entgegen der Er- »vartung stand der Gemeindehanshalt für das Rcchuiliigsialir 1020 noch nicht zur Beratung. Ter neu gewählte Gc- :neindevvrstand mar vollzählig erschienen. Die Gemeindeoertreter Dr. Glustinvs (Agndist. an Stelle von Simvuioh»). Rechtsanwalt S Nothmann 1 «Zionist, an Stelle von Tr. Schachtel, der in den Vorstand eingetreien ist) nnd Frau u.rivltwete Stadlrat Marck (liberal, an Stelle der verhiudast, je knapper die Mittel vorhanden waren, je lebhafter das reliaiöse Leben sich in der Gemeinde entfaltete. Die Me-br- Am 16. Mai wählt Liste 2!