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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-04-23 · 17 (23.4.1926) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
17 (23.4.1926)
Date
1926-04-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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MuMoricher vertraut ift HsytsS v«torm«a L«e 10 Gebote in Kanonform. — Eine Folge von Bildern mrd G-ene», verLunLea durch die Person des Prophet«» LliaS. entrollt Mendel-fo-nS Oratorium. ^Bei eine« solchen Qeaenüiibe wie Elia-", schreibt -er Komponist wSLrenb der Arbeit a« Schubring, „muß da- Dramatische vorwalte«, die Leute lebendig redend und handelnd einaesührt werbe», nicht aber ein TongemAbe daranentstehen, sondern eine recht anschauliche Welt." So find wir den« wirklich von der Verkündigung der Dürre an fl. Buch der Könige. Kap. 17s bt- -ur Entrückung -e- Propheten im feurigen Wagen voller Spannung. $tn prächtiger Steigerung ist die Szene am Karmel aufgebaut. Immer lauter und fordernder rufen die Baal-» vriester zu ihr ein Gott, doch er erhört sie nicht. Schließlich betet der eine Eliahingebungsvoll und innig. Jahwe erweist sich als der wahre Gott und der Regen fällt. Brauche ich auf das Engelterzett, auf die Arte de- Einkamen: M ist genug" mit ihrer müden Resignation hinzuweisen? Sie sind längst Gemeingut aller musikinteressierten Menschen. Und die Szene am Horeb, da im Säuseln der Herr sich naht, bann ich sie schöner preisen, als indem ich sie der heiligen Vorlage ebenbürtig nenne? Boa zeitgenössischen Oratorien seien Georg Schumanns ..Ruth" nnd Kochs „Sintflut" erwähnt. Run vom Kouzertsaal aus die Bühne. Während die alte italienische Over mythologische Stoffe bevorzugte — die Orphons-Sage kehrt immer wieder —. tauchen an der erste« stehenden deutschen Opernbsthae in Hamburg biblische Motive aus. Ein Singspiel von Theile .Lldam oder der er» schaffeve. gefallene und wieder aufgerichtete Mensch" eröfsuete 1678 die Hamburger Oper. Bald geht auch .Kain oder der verzweifelnde Brudermörder" Wer die Bretter. DÄlberts .Kain" sUraufführung in Berlin 1900). dessen Textbuch manches aus Byrons grandioser Dichtung aufnahur. will den Tod erfahren, der ihm alle Qualen lösen soll. Die Stimme des Herrn wird durch eine» Mämrerchor wiedergegeben. der in nnabweislichem Unisono über wüHleuden Boßfiguren den Fluch singt: Unstet und flüchtig wandre dein Fuß von Ort zu Ort! Das Motiv des Brudermordes biegt ins Erotische um Weingartners „Kain und 3lbcl" (Darmftadt 1914). Beide Brüder lieben Ada. doch aus verschiedene Weise. „Wir sind von höh'rer Art", «eint Abel, „und unsere Heimat tragen wir in uns. Ao wir verweilen, wird arrch Eden sein." Gilt es. die schimmernde Pracht und Süße des Paradieses zu schildern, so blüht die Erfindung devon Wagner beeinflußten Werkes am schönste». Der rührenden Geschichte von Joseph und seinen Brüdern hat der französische Komponist Mbhnl Bühnenwirklichkeit gegeben (1807). Da ist das Ensemble zwischen dem von Grwissensbissen gequälten Simeon und den Brüdern, die ihn zu beschwichtigen suchen: da ist die bekannte liebliche Romanze. das Morgengsbet. der Ehor junger Mädchen aus Memphis. Die Erkennungsszene wird leider nur gesprochen. Benjamin. die Stütze des Baters. ist eine Sopranvartie. Ein rührendes Werk, d-ie erste von Weber in Dresden aufgeführte und sehr verehrte Oper. In ihr wohne „der antike, der einfache, biblische Geist der durchaus vortrefflich ldartn gehalten ist. wo kein unnötiger Klingklang die Ohren kitzelt, wo alles bloß durch die höchste Wahrheit wirkt, und wo durch die weiseste Berechnung der Instrumente mit so wenigen Dritteln die höchsten Effekte erzielt werden" Die Josephs-Legende von Richard Strauß, eine durch das russische Ballett angeregte Pantomime (Premiere Paris Mai 1914. hier erst 1921). stellt der verdorbenes Welt der Frau Poti- Vhars die reine Welt Josephs gegenüber. Ein Scheik läßt IPotiphar alle möglichen Schätze bringen. Boxer und Sklavinnen vorführerr. Nichts vermag die blasierte Frau zu erregen. bis sie der Taüz des aus der Wüste entführten iungen Hirten auS ihrer Starre rüttelt. (O Tilla Durieux!) Die Tafel wird aufgehoben, Joseph erhält eure Lagerstätte, sinkt in Schlaf und träumt von einem Schutzengel. Als er erwacht, steht die Frau vor ihm.' er weist sie jedoch zurück. Der Mann kourmt dazu, und nun behauptet sie lügnerisch. Joseph habe sie überfallen. Pntiphar will Joseph foltern lallen — der aber wird durch einen Engel entrückt, während sich die Frau erdrosselt. Zu diesen Vorgängen hat Strauß *ime Begleitmusik geschrieben, die aufs neue seine illustrativen Fähigkeiten bezeugt, und glücklicherweise nur daS iareifvare Bühnengeschehnis berücksichtigt, ohne sich an die «rebr ersonnenen als erfühlten Anweisungen Hosmannsithals und Keßlers zu halten. Den größten Spielraum «nimmt der Tanz des Joseph ein. „Mos© m Efiitto" (1818) war einst eine beliebte Oper des lorbeergekrönten Rossini. >Me in seinem Leben, erzählt Stendhal, habe er einen solchen Applaus vernommen, wie nach dem Gebet aus Moses. Das Ü8. Kapitel der Richter, DimsouS Fall, wckhlte Lümarre zur textlichen Grundlage der Oper „Samson und DalÜa" von St. Säen-, die in ihrer Heimat zunächst keine Bühne fand, bist« SW 1877 i« Weimar durchsetzte. Zu Beginn höre» wir die Wehrufe der von de« Philistern, den National, feinde», geknechteten Hebräer, an deren alte Tompelaesänge mancheerinnert. De« Heldewteuor Samson, dessen Siegeszog im 1. Akt leider hinter den Kulisse« erfolgt, haftet etwa» Theatralischeau. Um so überzeugender ist da- Mlistäische Weib charakterisiert, das ebenso arglistig wie faszinierend ihm sein Gehoimnis zu entlocken weiß. Dalilas Arien „Die Sonne, sie lachte" und „Sieh, mein Herz erschließet sich" find beliebte Nummer« geworden. ,Än Gott, der ihn erwählte, hat er gefrevelt um eine- Weibewillen", so ruft -er Chor dem Samson ins Gewissen, der nun seiner Kraft beraubt, geschoren und geblendet im Kerker schmachtet. Der Bericht im 1. Buch der Könige (Kap. 10) — Me Königin von Saba besucht König Salomo — veranlaßte Mosenthal- Libretto zu Goldmarkerfolgreichem Bühnenernstlins (1878). Den Angelpunkt der Handlung bildet freilich die unglückliche Liebe-geschickte zwischen Assad. der sich als Bote Salomos in die Königin verliebt, und seiner Braut Sula» mith, der Tochter des Hohepriesters. In der Musik lebt die Glut des Orients: die Klangfarbe ist sehr glänzend, mitunter aufdringlich. Bei der Tempelseier stoßen wir auf synagogale Anklänge. Hat doch Goldmark in seinen Memoiren lebhaft für die Anregungen plädiert, die der abendländischen Musik aus der jüdisch-exotischen erwachsen könnten! Mosenthal ist auch Librettist der nach Otto Ludwig bearbeiteten „Makkabäer" von Rubinstein, die ebenfalls 1878 urausgeführt wurden mit der großen Altistin Marianne Brandt als Leah. Die fanatische Mutter, die ihre Heldensöhne verbrennen sehen mutz, steht im Mittelpunkt der Ereignisse: ihr Siegeslied „Schlaget die Pauke" mit der Bevorzugung der übermäßigen Sekunde atmet echt orientalisches Kolorit. Sonst ist die Harmonik in Wagner und Liszt verwurzelt. Daß sich der au den Sabbath-treueir Juden verübte Massenmord auf offener Szene abivielt (bei Ludwig hinter der Szene) hat vielleicht mitverschuldet. daß die Oper kein Bühncndasein gewonnen hat. Im Anschluß an Hebbels Tragödie „Judith", die ihrerseits auf die Erzählung des apokrnphischen Buches zurückgeht. und doch — namentlich in der Charakteristik des Holofernes — vielfach von ihr abweichend hat Reznieek den Feldherrn Nebnkadnezars, den Ilebermenschen, der an sich selbst zu Grunde geht, in den Mittelpunkt einer zweiaktigen Oper gestellt. Vir begegnen orientalischen Elementen wie jener übermäßigen Sekunde, im Einleitnngschor und religiösen Tanz sowie psalmodierenden Koloraturen. In der auf den Bariton Bohnen zugeschnittenen Holofernes-Partie fällt ein dämonisches Trinklied aut. Ueber die „Judith" des Franzosen Honegger verlauter nach der Uraufführung in Monte Carla (Februar 1926) Günstiges, namentlich über den 8. Akt mit seinen Scklacht- und Siegeschören, die in Jubelruft des befreiten Volkes münden. Damit sind die biblischen Motive in der Musik noch keineswegs erschöpft. Wo wir sie aber auch verfolgen mögen: immer wieder werden wir auf die Bibel selbst zurückgeführt, die — wie etwa Goethes „Faust" Wer den Faust-Musiken — über den Bibelmusiken in ewiger Herrlichkeit thront. Umschau. Die abgelaufeue Woche brachte in der jüdischen Presse verhältnismäßig wenig von allgemeinem Interesse. Lebhafter Teilnahme begegnen die Repräsentanteuwahlen der Jüdischen Gemeinde in Berlin, und mit Recht. Denn der Ausfall der Wahlen in dieser Grotzgemeinde. die mehr als ein Dritte! der deutschen Juden in sich birgt, ist symptomatisch für die Lage des deutschen Judentums überhaupt. Man hat versucht, den Wahlkampf zu vermeiden, und man konnte in den letzten Nummern der verschiedenen Zeitungen die amtlichen Bulletins der verschiedenen nichtliberalen Parteien lesen, die die Schuld an dem llböruch der Verhandlungen den Liberalen in die Schuhe schieben, welche angeblich den Abbruch der KompromißverharMnngen dadurch verursacht haben sollen, daß sie nicht auf die absolute Mehrheit in der Rcprasentantenversammlung verzichten wollen. Das Communiqus der Volköpartei ist ein besonderes Verlegenheitsprvdukt. Während nämlich die beiden anderen Parteien sich von vornherein grundsätzlich aus den Standpunkt stellten, daß die Wahlen zum Preußischen Landesverband für diese Wahl nicht maßgebend sein können, -hat die Volkspartei zusammen mit de« Liberalen stet- Bot umgekehrte« Standpunkt vertreten. Um nun trotzdem die Schuld der Liberalen festznstellen. behauptet die ofstziöse Verlautbarung der Bolk-partei. die Lande-verban-Swahlen hätte« nicht klar den Liberalen die Mehrheit gebracht. Da mutz «an allerdings an die Bolk-partei die Frage stellen, ob sie eine andere als die normale Rechenmethode für sich eingeführt hat: den» jeder normale Rechner wird wohl nicht bestreiten können, daß bei SS Sitzen die Zahl von 28 Manbaten eine klare absolute Mehrheit enthält. Die Bearü-.rduns des volksparteilichen Communiaues ist also nicht stichhaltig. In den Verhandlungen hat sich die Bolksvartei von den beiden anderen Parteien zweifellos über den Haufen rennen lassen. De» Orthodoxen kann man es allerdings nicht übelnehmen, daß sie ihr schlechtes Kriegsglück in den Landesverbandswahlen durch eine» neuen Wahlkampf zu revidieren versuchen, und daß sie an der Theorie festhalteu. es dürfe nicht die Landesverbandswahl, sondern nur die jetzige Zusammensetzung der Repräsentantenversammlung maßgeblich sein. Sie schneide« damit wesentlich besser ab. da sie auf Grund des Kompromisses von 1920 mit Hilfe der liberalen Mitwähler der damaligen konservativ-liberalen: Einheitsliste mit einer sehr viel größeren Zahl iu die Gemeindestube eingvzogen sind, alö es die Kampfwahlen zustande gebracht hätten. Die Orthodoxen waren aber auch gar nicht die treibende Kraft der ungebührlichen Kompromißforderungen der Nichtliberalen. Die neu gegründete Mittelpartei kann für sich den traurigen Ruhm in Anspruch nehmen, daß sie die von allen anderen Parteien gewollte Einheit'»-- l i st e scheinbar gefördert, in Wirklichkeit aber zerschlagen hat. In einer vertraulichen Besprechung der Repräsentanten aller Parteien war letzten Eudes die Mehrheitsforderung der Liberalen gar nicht mehr bestritten worden. Ebenso hatten sich in den ersten Äompromißverhandlungeu die anderen Parieien damit abgefunden. und es ist von keiner Seite geleugnet worden, daß es dem Einfluß der Mittel- Partei zuzuschreiben ist, daß es bereits vor der verabredeten letzten Kompromitzsitznng ohne nochmalige mündliche Verhandlungen zu einer schriftlichen Absage an die Liberalen gekommen ist- Man hat dann noch einmal verhandelt, und auch hier haben die Lileralen in der denkbar größten Weise ihr Entgegenkommen gezeigt. Sie haben versprochen, als elften Kandidaten einen in der jüdischen Oesfentlichkeit allgemeinen hochgeschätzten Gelehrten aufznstellen. der von den. Gegenparteien selbst als akzeptabel bezeichnet wurde. Man hat ihnen aber zugcmutet. sich diesen Herrn als Fraktions- Mitglied anrechnen zu lassen, ohne ihn einem eventuellen Fraktionszwang zu unterwerfen. Daß sich keine politische Gemeinschaft der Welt eine derartige Forderuirg gefallen lassen konnte, darüber mußten sich so große Politiker.-wie es die Herren der Mittelpartei sind, vorher klar sein. Und es war falsches Spiel, wenn im Bewußtsein, daß diese Forderung ausgestellt wurde, man eine nochmalige Kompromißverhanölung verlangte. Bezeichnenderweise har sich auf seiten der Bolkspartei in den Verhandlungen niemand gefunden. Ser die letzte Idee verteidigt hätte. Zu Wortführern einer derartigen Absurdität wollten sich die Herren Klee und Kollenscher doch nicht herabwürdigen. So mutz also gekämpft werden, weil es die Partei will, die mit dem Anspruch zum ersten Male auf den Kampfplatz tritt, die Hüterin von „Friede und Einheit" der Gemeinde zu fein. Die Quittung für diese Friedenstat werden ihr die Wähler nicht schuldig bleiben. Die Arbeiten für den Wahlkampf werden auch die Berliner Herren der Volkspartei in wenig erfreulicher Weise in ihrer großen Jjar»Aktion stören. Diese Aktiv«, welche die gotze Werbe- und Zugkraft der Bolköpartei auch Lei Nicht-Zionisten beweisen soll, fällt in eine schleckte Zeit: denn auf den Gefilden des Wahlkampfes ist es «Ms mit der FriedenSflöte, der alle gern lauschen: das rauhe Kriegsblech wird manchen nichtzionistrschen Palästinafrennd etwavorsichtig über die Verwendung des von ihm geforderte» Geldes stimmen. Fm übrigen ist es natürlich Sache der Zionisten, diese Aktion, die groß eingeleitet wurde, für ihre Werbezwecke durchzuführen. Soweit der Zionismus hier mit "dem offenen Visier des National-Juöentums als der einzig währen indischen Partei austritt, wird es auf die .Kraft seiner Gründe ankommen, ob der Erfolg der große» Aktion befriedigt oder nicht. An der Art der Propaganda und ihre Intensität können sich andere Organisationen »ur ein Beispiel nehmen. Soiveit in dieser Aktion für den Keren Hafessod Propaganda gemacht wird, gilt für unsere Me verzweifeln . . . Bon Franz Ciugia. Nie verzweifeln, nie verzagen, Sende vorwärts deinen Blick. Jedes Leid mit Würde tragen. Fluche niemals dem Geschick. Und wenn manche Stufen finken Die du schon erklommen Haft. Will dir auch kein Sternlein winken In die schwere Lebeuslast. Latz' Sie Hoffnung nie zergehen, Senke deine Fahne nicht. Denn auch sie wird einmal wehen Frei und hoch im Sonnenlicht. Nie verzweifeln, nie verzagen. Vorwärts stets mit höchstem Mut. Was das Schicksal wund geschlagen Macht cs. immer wieder gnt. Seine Söhne. Zur deutschen UrauffÜhrnua des Schild kraru-Fitms. .Hier ist der erste in jüdischem Milieu spielende Film, den man nicht nur sehen, sondern miterleben kann. „Die AGn Gebote", gigantisch in einigen Bildern des ersten Teiles, konnten vor allem wegen der kitschigen, dem Gefühlsleben des deutschen Juden widersprechenden Uebertragung kn die Gegenwart nicht fesseln. „Kaddisch" fanden wir interessant. Und „Das alte Gesetz" glich einem gewiß: guten w. Referat, das eine Diskussion über Orthodoxie und Liberalismus einleiten soll. Wenn der Film .-Seine Söhne" sie alle übertrifft, so haben sich diesen Erfolg der Verfasser des Manuskripts, die Darsteller und nicht in letzter Linie -er Regisseur zu teilen. Das Ddanuskript bemüht fick. Licht und Schatten gerecht zu verteilen. Tendenzen nicht zu stark in den Vordergrund zu rücken. Wir erkennen den Unterschied des Einst und Jetzt, aber auch dort, wo wir einzelne Handlungen — gleichviel ob des Alters oder der Jugend verurteilen, bleibt dennoch Sympathie und Verständnis in unS. Nur Morris, „sein" Sohn, wird von uns verachtet, weil er. ob schnöden Mammons willen, die Ahnenkette zu zerschneiden gewillt ist. Dock selbst hier versöhnt reuige Erkenntnis. Wer Rudolf Schildkraut vor etwa fünfzehn Jahren ' auf den Berliner Bühnen sah. dem genügt dieser Name, um von der Unübertrefflichkeit seines Spiels überzeugt zu fein. Damals sah ich ihn als Dhqlock und nur in jener Stunde war das Problem dieses Juden für mich gelöst. Schildkraut ist wohl der beste Darsteller des Typs „Baker" gewesen, der seit Jahrzehnten aus deutschen Brettern gespielt hat. Dabei war Jüdisches in den Rollen durchaus nicht erforderlich. Ich entsinne mich seines Spiels im „Traumulus" und denke auch hierbei an ''eine Darstellung der Väterlichkeit. Was Schildkraut in diesem Film leistet, das wird sich einprägen. wie uns sein Shylock zum unverlierbaren Besitz wurde, i Diese großen gewölbten Augen, aus deren Zwinkern Leid der Jahrtausende und Aüelsstol.; sprechen kann, dieser gebeugte Greiö, der aus Baterliebe sich des letzten Besitzes entäutzert. der aus falschem Familicnstolz „i h r e n" Sohn Sammy des Hauses verweist, der auf dem Krankenlage» den falschen Sohn segnet . . . seht ihn Euch an. Die Rollen um ihn sind mit Darstellern der Jiddischen Bühne New?)orks besetzt. Auch hier vorzügliche Leistungen. Besonderes Lob verdtent die Regie Edward Slohmann s. Vorzüglich das Zusammenspiel der Darsteller, vorzüglich das Tempo und die Bilder. Das ist Filnr. Diese Darstellung des Boxkampfes ist eine Meifterleistung. Einmal in meinem Leben sah ich einen Boxkampf, seitdem war mein Bedarf gedeckt. Hier aber ist auch dieser Sport geadelt, so -aß Beifallsstürme des zwar wohl viel von Frau Mensendieck redenden, aber wohl doch nicht gerade sporttüchtigen Kurfürstendamnr-Dheatcr-Pttblikums das Haus dnrchbrausten. Das ist der Film zum gegenseitigen Verständnis von Alter und Jngend. B. W. Bei den Zedern des Libanon. Bon Wilh. Wölkerling. Schon in Len ältesten Zeiten erfreute sich die königliche Zeder, der Stolz des Livanongebirges. im Gelobten Lande und weit über seine Grenzen hinaus allgemeiner Wertschätzung und Verehrung. Bereits die Propheten rühmten in ihren Weissagimaen die urwüchsige Kraft und Stärke deS erhabenen Baumes, „unte# dessen Schatten allerlei Vögel wohnen . Frormne Sänger sahen in ihm sogar ein unmittelbares Genhenk göttlicher Huld und Gnade, ja. der einfache Manu im Lande Gilead schaute mit Bewunderung auf zu diesem lebendigen Zeugen einer allgütige« Natur, welche« in seinem herrlichen Wüchse kein anderes Gewächs aleichkam. In der Tat ist die majestätische Zeder mit ihrer gewaltigen Krone und den wagerecht gedehnten Aesten. die prtesterlich segnend ihre langen Arme avsbreiteten. so recht das Sinnbild edler Größ^ und Schönheit. Schon in ihrer Jugelrö erregt sie mit dem dann noch schlanken, meist kerzengeraden. werrig verzweigten Stamme aus den sonst kahle» Felsschluchten Aufsehen. Ihre Nadeln stehen wie bei unserer Lärche bisschelweiS iu einer Zahl von 20 bis 30 Stück zusammen. nur habeil sie eine wagereckte Richtung und sind von dunkelgrüner Farbe. Die elliptischeu, aufrechten Früchte mit angeürückten und abgestutzten Schuppen wieder ähneln den Zapfen der Edeltanne.. Einen geradezu feierlichen Eindruck aber machen die attehrwürdigen Patriarchen als grünende Denkmäler vergangener Jahrtausende. Sie finden sich zwei Stunden östlich von dem großen Dorfe Bscherreh am Ende des bei Taläbnlus ausmündenden Kadischatales. AuS dem früheren riesigen Walde ist eine bescheidene Baum« gruppe geworden, die nur noch gegen 330 Stämme zählen soll. Was haben diese Veteranen, die sämtlich die Gebrechen des Alters aufweisen. im Lause der vielen, vielen Jahre, die über sie hinweggebraust sind, alles erlebt und durchgemacht! Sie rufen Bilder wach, die sich mit den großen Ereignissen und den Gestalten der ältesten Zeiten der Reichsgeschichte Gottes beleben. Sie lassen die Jahrhunderte im schnellen Wechsel wie geheimnisvolle Schatten an unserem Geiste vorübereilen und in ihnen immer wieder in unveränderter Herrlichkeit die Gestalt Gottes hervortreten. Wie viele der gleichalterigen Kameraden sahen die Ueiberlebenden der Axt oder der Säge zum Ovfer fallen! Das gelbe. M)t rötlichen Streifen durchsetzte Holz stand wegen seiner Glätte, Zähigkeit und Unverwüstlichkeit, zumal es von keinem Wurme heimgesucht wurde, in hohem Werte. Die alter: Aegypter fertigten aus ihm die Särge für ihre Verstorbenen oder schnitzten daraus die Götterbilder in den Tempeln. David und Salomo benutzten das kostbare Material des Libanon zu dem Bau ihres Palastes, wie demr auch für den ersten und zweiten Tempel Jehovas ans dem Morira Tausende der edlen Bäume ihr Leben Taffen mußten. Kann es da j wundernehmen, wenn bei dieser Zerstörungösucht, Gleichgiltigkeit. Geringschätzung und dem Mangel jeglicher Pflege durch Menschenhand, garrz abgesehen von dem allzu langsamen Wachstum, die Zedern allmählich ihrem Untergänge entgegengehen? Schon heute erfüllt sich das prophetische Wort JesaiaS. das da lautet: „Die Zedern sind gefallen. Der feste Wald ist umgehauen, daß die übrigen Bäume mögen gezählt werden und ein Kind sic au die Wand schreiben mag." Das hebräische Element im Deutschen. Der unter dieser Ueberschritt in Nummer 15 erschienene Aufsatz wurde versehentlich ohne Angabe des Autors gedruckt. Der Aussatz ist von Herrn Hans I. Salomon-Berlin verfaßt.

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