Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-04-23 · 17 (23.4.1926) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
17 (23.4.1926)
Date
1926-04-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2613366-2613841-2613858--1774-2619172
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Organ der Vereinigung für das liberale Judentum e. V. Bezugspreis durch die Geschäftsstelle »/«jährlich M. 2.50 Einzelnummer 0.20. Bei freier Zusendung i. Inland 0,25 Für die Mitglieder der Vereinigung ist der- Bezugspreis;r :: t« Mitgliedsbeitrage enthafte». :: s :: Lhefredakteur: Dipl-Hng. Bruno Doyda. Die „Jüdisch-ttverale Zeitung" erscheint jeden Sreitag. Nedaktlon u. SeschSttsstelle: veriln SW. wilhelmftr. 147. Sernruf: Vosvnheidv 3358, 3359 Poftfcfceckkonto: Berlin mwrnr.moe» (Vereinigung fflt Vas liberale Jubentum Nad)6ruck fämtlid)er Original-Beiträge nur mit vorheriger Genehmigung Oer Redaktion gestattet. Anzeigenpreise: Die 12gespaltene NonpareillezeiLe 0.45 Goldmark, die Reklamezeile 3.00 Goldmark» bei :: :: :: Wiederholungen Rabatt. :: u u Anzeigenannahme: »Mdisch-liberale Zeitung- Inseratenadteilung: Berlin SD 48. Wilhelmstrahe 147 (Hasenheide: 3358—59). sowie sämtl. Annoncen-Lxped. Nr. 17 Berlin. 23. April 1926 6. Jahrgang Biblische Musik ♦ Biblische Motive in der Musik. Bon Dr. James Simon. .'Nie hat cs für die Tonkunst eine reichere Anregungsan^lle gegeben, als die heilige Schrift. Man braucht nur an die Händelschen Oratorien zu denken, deren textliche Grundlagen satt sämtlich der Bibel entlehnt sind. Kein Wunder auch, daß der die Bibel oft durchwehende kosmische Atom die'Musiker immer wieder berührt hat! Daß ihre Monumentalen Gestalten und Bölkerschicksale. ihre Wunder besonders sür die Kunstgattung des Oratoriums geschaffen schienen, welches io stark an unsere innere Phantasie appelliert! Älber auch die Eignung der Bibel zu szenischem, musikdramatischem Geschehen wurde bald erkannt. Und natürlich mußte der tiefe Gefühlsgehalt der Psalmen, die fa ursprünglich Gesänge mit harfenartiger Begleitung waren, die Komponisten immer wieder anspornen. Der Stofs itt in der Tat io ergiebig, daß meine Betrachtung sich nur ans das Wesentliche beschränken wird. Annächst die Psalmen. Schon in der vor-Bachschen Aeit treffen wir 4 stattliche Bücher Psalmen bei dem großen niederländischen Organisten Srveelinck. dem Begründer der Drgelfuge: 7 Butzpsalmen Davids (lateinisch, fünsstimmig) gehören zu den-intensivsten Stücken des großen Orlando LaAp (um 1565) Die. 50 eher gefälligen als großen Psalmen des Beneiianers Marcello reichen schon in die Epoche Bachs. Ka«. selbst verwertet gern Psalmworte in seinen KanWey „Aus der Tiefe" -7 für einen 23jätzrigen eine phänomenale Leistung! — ist im 130. Psalm verwurzelt und steigt. Hotz, Vorlage getreu von dringlichem Flehen zu Hoffnov^und Zuversicht echpor. „Ach. Gott vom Lümmel sieh' darein" fußt aus dem 12 Psälrm der über die Abnahme der frommen und die Uebetmacht des Bösen klagt und in Gottvertrauen mündet. „Herr, lehre uns bedenken", ist ein ergreifendes Tenorsolo im actus tragicus. Dort und anderwärts mischt Bach Psalmwort und Choral. „Singet dem Herrn ein neues Lied" formt er zu einer dövpelchörigen Motette, die Mozart begeisterte. Unbedenklich vermengt Händel verschiedene Psalmworte in gereimten Versionen. Eine Kostbarkeit itt Schuberts vertrauender 28. Psalm: »Gott ist mein Hirte" für Frauenchor mit Klavierbegleitung. Der Ausdruck des Geborgenseins itt hier wundervoll getroffen: bezeichnend für seine mehr lyrische Veranlagung, baß er dem. Stück einen mild verklärten Abschluß gibt, wo man eigentlich etwas Jauchzendes erwartet. Unter den Mendelslohnschen Psalmen erscheint nnr „Da Israel aus Aegypten zog" (achtttimmig mit Orchester) am bedeutendsten: die Struktur im ganzen, die Unrische des Einsatzes, der Aufruhr der Natur, sind des Originals würdig. Dem Schluß, wo die Erde vor Gottes Gegenwart erschrickt, bat Mendelssohn sinnigerweise ein Hallelujah anqehänqt. (Wie reich' doch dieser eine Ausruf die Musik befruchtet hat!) Ergreifende Klagepsalmen besitzen wir von Brahms. Streng Und herbe wie ein alter. Holzschnitt sein 22. Psalm, dem Thema Krankheit und Todesfurcht angepaßt. Einer Motette liegt der 51. Psalm, dieses einzigartige Bnßgcbet. zugrunde: sie verbindet auellende Melodik mit gelehrten Augen. Im 2. Satz seines deutschen Requiems, dessen kluge textliche Zusammenstellung allein schon die Bibelfettigkeit dieses Künstlers verrät, wirkt sich das erhaben-traurige Mittelstück des 90. Psalms aus. das bei unserer Seelenfeier erklingt, das von der Vergänglichkeit des Menschen kündet, ihn dem Grase vergleicht, das am Morgen blüht und wächst, am Abend welkt und verdorrt. Wir vergeben, aber des Herrn Wort ist beständig. Drei ernste Gesänge von Brabms gehen aus Prediger Salomo und Jesus Sirach zurück. Weisheitssprüche wie ,.Es itt alles eitel" und „Daß der Mensch fröhlich sei in seiner Arbeit" zählen zu den unvergeßlichen Stellen des reifen Prahms. Auch Prpphetenworte finden musikalischen Niederschlag. Jeremias Klagelieder von Bincenzo Galilei, dem Bater des großen Naturforschers, bedeuten mit den ersten Versuch im rezitativischeu Stil der Florentiner Jesaias Berufung (Kav 6). da die geflügelten Seraphim einander das dreimalige Heilt'! zürnten, bat offenbar Bach beim Sanctus der Ümoll-Meffe vorgcschwevt. Das Hohelied hat in Enrico Bossi einen aediegenen Komponisten gefunden scsatieum cavtieoruna. dreiteilige Kantate). So läßt sich die Psalmenkomposition bis in die Gegenwart, bis zu Reger und Kaminski verfolgen. In den. frühesten Oratorien wurde hättfig eine biblische Geschichte fazione sacra) szenisch mit agierenden Personen därgestellt. Dock schon Carisnmi verzichtet in seinen Historien — darunter „Abraham und Ji'aac" „Hiob". .Jkonas") auf die szenische Wiedergabe, führt die Person des Erzählers ein und weist dem Chor eine bedeutende Rolle zu. Auf den Gipfel wird das biblische Oratorium durch Handel geführt, der hier überhaupt die reichste Ausbeute bietet. Sein erstes großes Oratorium „Esther". auf einem herzoglichen Schloß bei London komponiert, zeigt schon den fertigen Typus. Die Ouvertüre bringt uns gleich die Perwnen der als „märst" bezeichneten. also noch szenisch dargestellten Handlung nabe: das klagende Motiv der Juden hebt sich ab von dem grausamen Motiv des Bedrängers Haman. In der Jordan-Arie melden sich tonmalerische Elemente. (Wher..der iw Hallelujahvialmodierende Koloratur«» anvertraut sind, wurde zuerst von einem Knaben gesungen, in der wertvolleren Neubearbeitung (1732) von einer Sängerin. Das folgende Jahr zeitigt „Deborah", wozu das 5. Kavitel der Richter das wesentliche textliche Material lieferte. Im Mittelpunkte steht die qottbcgeisterte Seherin, die den Barak zu entflammen weiß, daß er sich an die Spitze des Berteidigungsheeres stellt. Jüdisches und heidnisches Wesen. Gottes- und Götzendienst sind wirksam einander gegenübergestellt: die Heiden sedoch nicht als Barbaren aus^esttstt. sondern als frohe Weltkinder. Doch alle Erdenvracht verblatzi vor der Majestät JabweS! Zn seinem Preis ertönen ge- Die liberale Liste zu den Berliner Repräsen. tanienwahlen am 16. Mai. einer Mitglieder-Versammlnng des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin am 19. April, wurde die Aufstellung der liberalen Kandidatenliste zur Berliner Repräsentanten-Bersammlung beschlossen. Die Spitzenkandidatur wurde Herrn Justiz. r a t H u g n S o n u e n f e l d übertragen, dem- Vorsitzenden des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden. Die zweite Stelle auf der liberalen Liste ist Herrn Rechtsanwalt Heinrich Stern, dem Vorsitzenden der Vereiniguitg für das liberale Judentum E. B. und Vorsitzenden der jetzigen Repräsentanten-Bersammlung, -übertragen worden. An dritter Stelle steht Frau Bertha Falkenberg. Vorsitzende der Ortsgruppe Berlin des Jüdischen Frauenbundes, die somit als erste Frau in die Repräsentanten-Bersammlung einziehen wird. An vierter Stelle ist Herr Pros. Türk aufgestellt worden. Ihm folgt .Herr Moritz R o s e n t h a l. der kürzlich aus Gesundheitsrücksichten sein Amt im Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde zur Verfügung stellte und nun wieder genesen ist. Die sechste Stelle der liberalen Liste hat Herr Wilhelm Marcus, stellvertretender Vorsitzender des Vereins selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens, inne. Weiter weist die liberale Liste folgende Namen auf: 7. Rechtsanwalt Dr. Julius L. Seligsohn. 8. Emil Pincuö, 9. Dr. Joses Gutmann. Direktor der Knabenmittelschule der Berliner Jüdischen Gemeinde. 10. Dr. London. 11. Dr. Fleischer. 12. Stadtrat Max Herzberger. 18. Gemcindebeamter Elieser Ehrenreich 1-1. Direktor Hugo Ostberg. 15. Frau Stadtrat Bianca Hamburger, 16. Louis Wolfs. Vorsitzender des Vereins selbständiger -Handwerker jüdischen Glaubens. 17. Fräulein Rechtsanwalt Dr. Margarete Bereut, 18. Alfred Jaulns, 19. Hugo Rosenberg. 20. Frau Annie Heinrichsdorss, 21. Arnold Stein, 22. Hermann Müller. 23. Justizrat Bernhard Breslauer. Die Listett der anderen Parteien. Wie wir erfahren, werden zu den Repräsentanten wählen wiederum zwei zionistische Listen ausgestellt werden. Die erste wird als Liste der jüdischen Volkspartet bezeichnet werden und beginnt mit den Namen Rechtsanwalt Tr. Klee, Pros. Heinrich Löwe. Oberregierungsrat Goslar. Die andere wird von der poale-zionistischen Richtung eingereicht und beginnt mit dem Namen des bekannten sozialdemokratischeu Parlamentariers Oskar Cohn. Die konservative Liste wird wiederum von Herrn Moritz A. Locb geführt werden. Die Spitzenkandidatur der Mittelpartei, durch deren Verhalten die Bestrebungen zur Aufstelluna einer Einheitsliste und zur Vermeidung des Wahlkampfes aescheitert sind, die nun aber wieder mit schönen Worten „für Frieden und Einheit" eintreten wird, stand bis zum Redaktionsschluß noch nicht fest. mallste Donvelchöre. Eine wohltuende Abweichung von der biblischen Vorlage bedeutet es. daß die furchtbare Jael. die den feindlichen Feldherrn Sisera in ihr Haus anfnrmmt. um ihn meuchlings zu ermorden, ausgemerzt ist: statt ihrer berichtet Deborab kurz den Tod des Feindes. Höhepunkte im „Saul" sind die Siegesfeier (Saul schlug Tausende. David aber Aehntausende). die Handels Kunst des Ansbaus bevund das Glockenspiel reizend verwendet, und die Trauerfeier mit dem in England besonders beliebten Trauermarsch in C-Dur. der zum ersten Mal bei Händel Posaunen aufweist. (Nebenbei sei des „vermittelst der Musik kurierten" Saul gedacht, der in den sonatenförmigen biblischen Historien Knhnaus, naiver Programmmusik norkommt.) Wie ein musikalisches Pesachfeft .Israel". Der Auszug aus Aegypten, dieses grundlegende Ereignis in der Geschichte Israels, ruft die besten Kräfte in Händel wach: in 27 Tagen ist das Wunderwerk fertig, wobei er freilich manches aus früheren eigenen und auch fremden Werken itmyrägie. Der Held ist hier nicht Mose (wie etwa in Bruchs Oratorium): Jabwe selbst ist der Held, ödr Gott der Väter, der sich seinem Diener Mose am Sinat als der Ewige geoffenbart. „Er sandte dicke Finsternis" — wie geheimnisvoll und beklommeu klingt es. als hätten sich die Stimmet)! selbst verirrt. „E r gebot es der Meerslut", setzt der Doppelchor gewaltig ein. und erst nach einer ehrfürchtigen Pause (pp!), „und sie trocknete ans". Wie eine jahrelange Klage der Notschrei Israels, das unter der Fronarbeit Aegyptens seufzt: ein Triumph, zugleich aus den Kontraputrkt daS Preislied nach glücklichem Durchzug durch das rote Meer? Ein Sopransolo gesellt sich »um Doppelchvr und hohe Trompeten leuchten festlich. In tonmalerischer Behandlung geben die Plagen (Mücken. Frösche. Hagel nsw.) Anlaß, doch erhebt sich die äußere Illustration meist zur Stimmnngsmalerei. Auf das 10. Kap. der Richter ging Miltonö Ge? dicht „Samson Agonistes" zurück, aus dem wiederum Handels Librettist Hamilton schöpfte. Obwohl wir Samson mehr als passiven Helden, schon in der Erniedrigung erlebe», so wird uns doch trotz oder wegen feines Elends der heroische Grundzug seines Wesens deutlich. Erschütternd sein Arioso „Nacht ist's umher" — noch besontzers durch die Bedeutung, die es für den zuletzt erblindeten Meister selbst bekommen sollte. Prachtvoll wieder der Gegensatz zwischen den ihren Dagon verehrenden Philistern und den Israeliten, die zu Jahwe beten: in einem sechsstimmigen Chorsatz, enter der größten Eingebungen Handels. Die Achse des Oratorium» - „Joseph" bildet natürlich die Erken nungsszene. die spannend vorbereitet gerade durch ihre Schlichtheit so eindringlich wirkt. Die Partien Josephs und Benjamins wurden da» mals von Kapellknaben gesungen. Und wieder wird der Kamps verschiedener Gottesanschannngen ausgetragerr tut „Belsazar". Der Amammenprall von drei Nationen (Babylonier. Perser. Juden) gibt den weltgeschichtlichen Hintergrund. Dem frivolen Uebermut der Orgien feiernden Babylonier stehen die Gesänge der Israeliten und Daniels gegenüber, deren erhabene Haltung selbst der edle König CyruS nicht erreicht. Mit dramatischer Spannung geladen — t*ie in Heines Ballade -- ist der Moment, da während des Feste» die unsichtbare Hand die magischen Worte Mene tekel rrfar* sin an die Wand schreibt (chromatische Tonfolge in den Geigen) und der König in Ohnmacht fällt. In die letzten Kämpfe Israels um seine Freiheit führt „Judas Vtakkabäus". So überzeugend Judas selbst charakterisiert ist, kühn und unerschrocken als „Hammer" und so gut die exponierten Tenorarien zu seinem stttrlnendeu Wesen passen? der eigentliche Held des Werkes ist — worauf Leichtentritt treffend hingewiesen hat — das Volk Israel. Wenn nach der Ouvertüre der ergreifende Klagechor einsetzt. sv vergessen wir fast, daß er gerade dem MatathiaS. dem Bater der 5 Makkabäer gilt: wir empfinden vielmehr den unersetzlichen Verlust eines großen Menschen und Volksführers. Und wie in der Chanukka-Festivockie' eine Kerze nach der anderen angezündet wird, so erglänzt immer Heller die weltberühmte Einzugshvmne. die den Bezwinger der Syrer bewillkommnet: „Seht, er kommt mit Preis gekrönt", eine Melodie von elementarer Gewalt. Händel übernahm sie aus dem vorher komponierten „Jvsua". Wollte er Mose nicht als Helden auftreten lassen, so doch seinen Nachfolger, den Eroberer Kanaans. Kampfesfreude und Sehnsucht nach einer Heimat geben die Grundstimmnngeu. Eine glanzvolle Friedenszeit unter einem klugen und prachtliebenden Herrscher schildert „Salomo", ein strahlendes Werk (13 Chöre!», das nur etzvas reichlich mit Sentenzen gespickt ist. Friede ist ein nndramatischer Gegenstand, um so mehr spüren mir darum öaS dramatische Aufzucken in der Szene mit den beiden Müttern, die Salomos Gerechtigkeit und Urteilskraft erhärtet. Das letzte Bild bietet ein ganzes Musiksest zu Ehren der Königin von Saba. Handels Schwunengesang „Jevhta". den er mit 05 Jahren erblindend schrieb, verrät, von dem matten Ausklang abgesehen, wahrhaftig nichts von abnehmender Schaffenskraft. Er zeigt den Helden Gileads im Kamps gegen die Anrmouiter und verdichtet inmitten der Siegesfeier den Konflikt — Treue gegen sein Gelübde und Liebe zu der einzigen Tochter — in einem Rezitativ, das mit seiner zaudernden Art und seinen harmonischen Ausbiegungen zum Rührendsten gehört, was Händel geschrieben. Während CarissimiS Jevhta in engerem Anschluß an das Richierbuch mit einem Klagechor schließt, ohne daß jedoch das Opfer uns vorgdführt wird, beseitigt hier der Librettist Morell den Opfertod der Jungfrau völlig. Ein Engel greift rettend ein, und Jephta darf a-blaffen vom blutigen Werk. Brücken führen von Händel zu Haydn. Denn schon jenem hatte LidleyS Text nach Miltons verlorenem Paradies Vorgelegen, und ein Samfon-Cbor. der das Licht besingt. blieb nicht ohne Einfluß aus den Eingangschor der „Schöpfung". In diesem volkstümlichsten Werk Hand ns' fand die Schöpfungsgeschichte, den 3 Erzengeln in den Mund gelegt, ihren großen musikalischen Interpreten. „Ich war auch nie so fromm, als da ich an der Schöpfung arbeitete . .. Da mir Gott ein fröhlich Herz gegeben hat. so wird er mir schon verzeihen, wenn ich ihm fröhlich diene." Solch reine Fröhlichkeit durchströmt denn auch sein Werk, ein kindlichheiterer. unmetaphysischer Glaube. Von Dankbarkeit gegen den Schöpfer getragen sind die Gesänge des ersten Menschenpaares,. das die Natur bestaunt. Um so ausfälliger der fast grüblerische Zug in der Introduktion, der Vorstellung des Chaos. Die Stelle: „Und es ward Licht!" wird immer ei« repräsentativer Moment erster Ordnung bleiben. Bur. dem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.