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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-04-23 · 17 (23.4.1926) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
17 (23.4.1926)
Date
1926-04-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Freunde taS, waK ich in bei vorigen Umschau auSgeführt habe. Zum Aufbau eines nationalen Palästinas darf ein liberaler Jude schon aus religiösen Gründen sein Scher flein nicht beitragen. Die große Aktion hat mit einem Bortrag im Herrenhaus begonnen, indem neben dem Vorsitzenden der deutschen zionistischen Partei. Kurt Blumenfeld, ein Theoretiker. Herr Privatdozent Dr. Sulzbach, über taö Thema „Nation und Bolk" gesprochen hat Ich beLaur«. daß ich diesen Vortrag nicht gehört habe, aber das Unglück -er Häufung von Sitzungen in der Großstadt ist es. daß heute an etnem Abend nicht »veniger als vier wichtige Sitzungen gleichzeitig stattfrnöen können. Das Problem von Nation und Bolk. vor allem aber auch von Staat und Volt, wird noch auf Jahre hinaus für die deutschen Zionisten ein recht heikles und schwieriges sein. Gerade der Schreiber dieser Zeilen weiß, -atz unter Len Zionisten viele sind die es mit der deutschen Staattaefinnung durchaus ernst nehmen. Ich muß immer wieder darauf Hinweisen, daß dem Staat mit einer rechtlichen Einordnung seiner Bürger nicht Genüge geschehe» kann, sondern daß jeder lebenskräftige Staat sich seine Kultur schaffe»: will, daß eine Kultur aber innigere, vor allem seelische ZusaurmentzLnge zwischen Land und Volk verlangt, als dieser bloße Staatsgehorsam erzeugen kann. Gerade Deutschland in seiner gegenwärtigen Zeit verlangt eine ungeteilte Hingabe auch an seine innere Kultur. Und es wird mir nie verständlich werden, wie die Zionisten, die mit leidenschaftlichem Bemühen sich das Bild einer vollen indischen Kultur, ausstrahlend in allen Zweigen de-Lebens, bervorzaubern möchten, auf der «»»deren Seite in ihrem Innern genügend Raum für die deutsche»» Kulturnotwendigkeiten übrig behalten können. Sie »verden in diesem Kampf entweder sich nach der einen oder anderen Seite entscheide« müssen, oder sich innerlich aufreiben. Dem liberalen Judentum bleibt diese wahrhaft tragische Problematik erspart. Wir Liberalen tragen ein Bild vom Judentum in unserer Seele, daß uns die Versuchung erspart dieses Judentum zu nationalisieren. Die lebendige Kraft der religiöser» Gemeinschaft, das Gefühl gemeinsamer Abstammung und das Vertrauen aus den ewigen Bestand des Judentums. ketten uns eben so fest an unser Judentum wie an den Boden »ruferer deutschen Heimat, der mit dem Herzen anzuhängen nicht nur politische Klugheit, angstvolles Gunstwerben. sonder»» religiöse Pflicht bedeutet. H. S. Deutfch-Hsraeliiischer Gemeindebund und Reichsverband der deutschen Juden. Vom DeuLsch-Jiiaelitischen Gemeindebund wird uns mitgeteilt: Am 23. Januar 1921 hat das deutsche Judentum die Um-- Wandlung des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes zum öffentlichen Reichsverband beschlossen. Nachdem die Gründung des Preußischen Landesverbandes die Durchführung des Beschlusses zeitweilig rrnterbrochen hatte, hat der Ausschuß des D. I. G. B. nach der Konstituierung des Preußen-Verbandes die Arbeiten wieder ausgenommen. Er hat gemeinsam mit dem Preußischen Landesverband Vertreter der «»»deren Verbände für den S. Januar 1926 zu einer Aussprache nach München geladen. Das Ergebnis der Tagung war eine Resolution, die mit der» Sätzen begann: „Der Reichsverband sott baldmöglichst »ns Leben gerufen werden. Zu diesem Zweck treten die bereits besteherrden Landesorganisationen mit dem D. I. Q>. B. zusammen mit dem Ziel, alle deutschen Juden der Reichsorganisation anzualiedern." Wenn die Angelegenheit »n München sachlich nicht weiter aekommen ist. so log dies daran, daß die Berhanülungen, wie so häufig vorher, sich in der Hauptsache mit Fragen formaler und juristischer Natur beschäftigter», vor allem mit der, ob es möglich sei, auf dem vom 15. Gemeindetag beschlossenen Weg über den D. I. G. B. weiter zu kommen. Bon der einen Seite wurde die Frage bejaht, von der anderen zwar anerkannt, daß der Weg über den D. I. G. B. an sich wünschenswert »ei. dieser jedoch für ungangbar erklärt, weil die rechtlichen Schwierigkeilen unüberwindlich seien. Sachliche Bedenken gegen die Umwandlung des D. I. G. B. wurden nicht erhoben, dagegen wurden wichtigste Gründe für den D. I. G. B. angeführt: die geschichtliche Kontinuitöt. der Wille des deutschen Judentums, wie er in den Beschlüßen des 15. Gemeindetages seinen Ausdruck gefunden, wesentliche vermögensrechtliche Vorteile, praktische Erfahrung, der eingespielte Apparat, vor allem aber der folgende Umstand: Wird auf dem Wege fortgeschritten, den der 18. Gemeindetag gewiesen hat. so hat der Reichsverband eine Verfassung, die von der Vertretm»g des deutschen Judentums nahezu einstimmig beschlossen und von einer Autorität getragen ist, wie sie ein zweites Mal kaum wieder erwartet werden kann. Aenderungen der Verfassung, die vorgenommen »verden müssen, hindern nicht, daß der Verband sofort ins Leben tritt. Sie können auf dem vorgesehenen Wege von dem ersten Reichsverbandstage beschlossen werden. Geht man jedoch den Weg eines neuen Zusammenschlusses der Landesverbände, so muß eine neue Verfassung ausgestellt und von den zuständigen Körperschaften säu»tlicher Landesverbände angenommen »verden, die ga»»ze Arbeit von Jahren beginnt von neuern, und das Ende ist unabsetzbar. Dazu kommt, daß zur Zeit überhaupt nur in einem Teil der Länder die Gemeinden zu Verbänden zusammengeschlossen sind, und ein Zusammenschluß, der sich lediglich auf die Verbände beschränken würde, demzufolge zur Zeit nur einen Torso bedeuten könnte. Bei dieser Sachlage hielt der Ausschuß des D. I. G. B. es für feine Pflicht, nor dem Zusammentritt des »n München beschlossenen neuen Ausschusses, wem» irgend möglich, unbedingt Klarheit über die wichtigste Vorfrage zu schaffen, »»amlich ob es u»öglich ist, die vom 15. Gemeindetag beschlossene Umwandlung des D. I. G. B. dnrchzuführen oder nicht. Denn es bestand sonst die Gefahr, daß die erneuten Beratungen wiederum ergebnislos verlaufen, weil das Für und Wider der Ansichten von der Bersa»»»lnl»tng doch nicht geklärt werden kann, die Entscheidung vielmehr an anderer Stelle, nämlich bei der Rcichsregierung. liegt. Der Ausschuß des D. I. G. B. hat sich deshalb au das Reichsminist er »um des I nnern, das bereits vor der Münchener Tagung die Anerkenmrng des D. I. G. B. als Reichsverband in Aussicht gestellt hatte, mit der Anfrage gewandt: 1. ob entsprechend den seinerzeit abgegebenen Erklärungen das Ministerium bereit sei, den D. I. G. B. auf Grund der vom 15. Gemeindetag beschlossenen Verfassung als öffentlich rechtlichen Reichsverband von Reichs wegen anzuerke»»nen: 2. ob die Möglichkeit besteht, die Auerkennmrg so zu beschleunigen, daß sie bereits vor dem für den 25. April in Aussicht genommenen Zusammentritt des in München beschlossenen Ausschußes vorliege. Die Vertreter des RetchsinnemninisteriumS haben beide Fragen bejaht. Sie haben die Bereitwilligkeit der Reirtaregiernng ausgesprochen, die Anerkennung des D. I. G. B. als Reichsverband zu erklären, sobald gewisse retaktwnelle Aenderungen der Verfassung, die das Ministerium bei den vorangegangenen Verhandlungen für erforderlich erachtet batte, vovgenonrmen sein würden. Es hat des »»eiteren in Aussicht gestellt, falls ein entsprechender Antrag eingeretcht würde, ihn so zeitig zu erledigen, daß die Anerkennung b,S zum 25. April erfolgen könnte. Bei den von dem ReickS- Innenministerium gewünschten Aenderungen handelt es sich in der Hau-tfache um di« Aufstellung von Richtlinien für -re Gestaltung ge- Verhältnisses von Reichsverband «nd Landesverbänden im Ginne de- 8 3 der Verfassung der D. I. G. V. Solche Richtlinien Hatten bereitzur Münchener ragnna Vorgelegen. Wenngleich sie zur Be» ratung nicht mehr kamen, so sind sie doch von den Vertretern der verschiedene« Landesverbände als durchaus geeignet zur Wahrung der Interessen der LandcSverbände erkannt worden. Zu den Erklärungen der Reichsregierung hat der Ausschuß d«S D. I. V. B. in einer erneuten Sitzung vom 8. April diese- Jahre- Stellung genommen und beschlossen, die gewünschte« Aenderungen, die sich im Rahmen -er durch die Verfassung dem Ausschuß gegebenen Zuständigkeit bewegen, vorzunehme» und auf Grund der so geänderten Verfassung die Anerkennung -e- Reichsverbandes zu beantragen Der Au-fchuß deS D. I. G. B. glaubt damit nicht nur im Sinn« d-S ihm am 28. Januar 1921 erteilten Mandats gehandelt zu -aveu, sondern auch dem Wunsche zu dienen, der an die Spitze der Münchener Resolution gesetzt und der der Wimsch des gesamten deutschen Judentums ist: das Jns- Leben-Treten deS ReichSverbandes nach Möglichkeit zu beschleunigen. Der Beschluß des Ausschusses war getragen von der Ueberzeugnug. baß, falls nicht etwa wieder einmal Schwierigkeiten, die außerhalb der Reichsregierung liegen, im letzten Augenblick dazwischentreten, das deutsche Judentum Linnen kürzester Frist endlich am Ziele ist Verdiente Strafe. Wir hatten uns schon öfter mit der gEssigen Art beschäftige» müssen, mit der Herr Steinhardt, der Kandidat der Jüdischen BolkSpartei bei den Lande sverbandSwahlen. kt den von ihm geleiteten „Blättern für Erziehu»»g und Unterricht" jüdische Kämpfe durchführt. Und die Zionisten waren schlecht unterrichtet, als sie in der letzten Berliner Repräsentantenversammlung auf die einseitige Darstellung dieses Lehrers Gteircharöt im Hamburger Israelitischen Familienblatt hin den Prediger der Berliner Reformgemeinde. Dr. Karl Rosenchal. verächtlich zu »nachen versuchtem Gegenüber dem Rachweis von Steinhardts UnaeeianMeit, publizistisch tätia zu sein, öer von liberaler Seite erbracht wurde, betonten die Zionisten und ihre konservativen Anhängsel immer wieder die ruhige Sachlichkeit Steinhardts. Da kommt im rechten Angenblick die Klage, die der Verband nationaldeutscher Juden gegen Herrn Steinhardt angestrengt hat. und über die vor einigen Tagen vor dein Amtsgericht Berlin-Charlottenburg verhandelt wurde. Der Prozeß endete damit, daß Steinhardt wegen schwerer Beleidigung zu der empfindlichen Strafe vor» 100 M. und zur Tragung der Kosten des Verfahrens, die noch besonders erhöht wurden, verurteilt worden ist. Hoffentlich wird Herr Steinhardt sich nun entschließen, sich in jüdischen Kämpfen eines anständigen Tones und einer unter gebildeten Menschen üblichen Äamvfesweisc zu bedienen. jfff Aus der Bewegung f jf j Frankfurt «. M. iJ ü 4 i i ch - l»b e r a 1 e Jugendg e m e i n scha ft.l Am 15. April fand hier die erste Generalversammlung des seit etwa einem Jahr in Frankfurt wieder neuerstandenen Jli statt. Der von dem Vorsitzenden Herrn Dr. H. Hoffmann erstattete Jahresbericht gab ein eindrucksvolles Bild von der vielseitigen 'Tätigkeit des jungen Vereins. Die Hauptarbeit wurde in einer Reihe von Arbeitsgemeinschaften — es mögen etwa 10—12 verschiedene Kurse gewesen sein — geleistet, jüdische Geschichte, jüdische und politische Tagesfragen, religiöse Themen, Literatur u. a. wurde hier in engeren Kreisen behandelt, und es wurde auf diese Weise ein Kreis junger Menschen zu positiver jüdischer Arbeit herangezogen. Eine Ergänzung dieser Arbeitsgemeinschaften und Zusammenwirken derselbe»» bildete sich dann in den sogenannten Heimabenden herairs, über welche häufiger an dieser Stelle berichtet wurde. Einzelne Borträge in größerem Rahmen sollten nach außen hin zu Werbezwecken dienen. Die jüdischen Feste wurden in würdiger Weife gefeiert, und es fei an dieser Stelle nur an die Sederabende, an das Zusammensein in der Laubhütte atz innert, während ein DHannukah» und die Purtmfeter auch den gesellschaftlichen Wünschen Rechnung trugen. Führungen durch den alten jüdische» Friedhof und durch tat Museum jüdischer Altertümer vervollständigten daß Programm, auS welchem auch die gemeinsamen Wanderungen noch zu er» wähnen sind. Denn so die Vielseitigkeit des Gebotene« wohl fast alle« Wünschen gerecht werden konnte» so wäre es doch |<t wünschen, daß das Interesse an de» Deranstaltnnge» btt Vereins auch in weiteren Kreisen geweckt «erbe« könnte. Es ist klar, daß während eines einjährigen Bestehentat Vereins es. nicht möglich sein konnte» die gesamte jüdisch» liberale Jugend FrankfirrtS zu sammeiln. GS tat sich während deS JahreS bereits eine große Schar zusammen» gefunden: aber die Zahl ist im Verhältnis zur liberal orientierten Jugend noch gering. Das, was in dem ersten Jahr hiesiger Jli-Tättgkett geleistet wurde» war so vielseitig, daß es jedem liberal gesinnten Menschen Wertvollebieten mußte. Besonders zu einer Zeit wirtschaftlicher Not wie der heutigen, kann die geistige Anregung nicht hoch genug ei«» geschätzt werden, und wenn hierzu noch die Gelegenchett iw gemütlicher Geselligkeit geboten wird» so sollte man für tat zweite Jahr -er Jli-Tätigkeit eine weit lebhaftere Beteilt» gung an Sen Veranstaltungen -es Vereins erwarte« dürfe«, zumal für den mit 1 M. pro Vierteljahr außerordentlich niedrig gehaltenen MitgliedSÜeitrag außerordentlich Weit» vollegeboten wird. Aus der Mitgliederversammlung selbst ist «och zu erwähnen, daß der bisherige Vorsitzende Herr Dr. Hoffman» einstimmig wiedergewählt wurde. Zu wettere» Vorstand-» Mitgliedern w»»rden die Herren Beck. Geiger, GunderShei», Jakobsohn und Leopold sowie Frl. Levy gewählt. Herr Rabbiner Dr. Seligmann wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Der Kassenführung wurde Entlastung erteilt, -e« Spendern, insbesondere dem Freisinnige« Berei», für die finanzielle Unterstützung der Dank au-gesprochen; eine Ln» zahl Anträge führten verschiedene interesiante Di-kusstonen herbei. A. I. Gelsenkircheu. sOrtsgrnppe der Vereinigung für das liberale I u 5 e n t u m.s Am 18. dieses Monatbeschloß die Ortsgruppe Gelscnkirchett der Bereinigung für das liberale Judentum ihre Winterarveit mit eine» wirkungsvollen Vortrag von Frl. Lehrerin Berta GachS an- Bochum, wozu der israelitische Frauenverein und -er jüdische Jugendverein eingeladen waren. Frl. GachS sprach über die „Frau als Hüterin und Erneuer»« de- Wisch-religiösen Lebens." Tie große Aufmerksamkeit der Zuhörer zeugte von der tiefen Wirkung, die der «eisterhaite Bortrag ousübte. Wir wolle»» hoffen, daß die Saatkörner, die Frl. Sachs zu streuen verstanden batte, in den Herze» der jüdischen Frauen und der iüdischeu Jugend aufgehe« »verden. An diesen Vortrag, der ein religiöses Erlebnis war. knüpfte sich eine anregende Diskussion. Er bildete einen würdigen Abschluß der Saison. Wir rufen unseren Mitgliedern und Freunden ei« herzliches „Auf Wiedersehen" im Herbst zu. Werbt neue Mitglieder! Kalendarium für die Zell vom 2t t b. 1.5.1926. April 1926 Nissan 8686 Sonnabend 24 10. Wochen-Abschnitt: Rchare Mauß und Kedauschi« Haftarah: AmoS Kap. 9,7—15 - SabSat-AuSgang: 8,94 Sonntag 25 0. Montag 26 12, Dienstag 27 18. Mittwoch 28 14. Donnerstag 29 15. Freitag Mar 1926 30 16. Sorrnabcnü k 17. Wochen-Abschnitt: ®mor Haftarah: Ezechiel» Kap. 47,15—81 SaSbat-LuSgang: 8,18 raun Rfndbox-H«rren-$dmürhalbschuhe moderne spitz- Braun Rindbox » Herren Schnfirhalbschuhejll BP SO mit fein iirbigemEinnit*, mod. Fora, Goedyw, gedoppelt. (Das größte Sehuh- Spezialhaus mit der größten Auswahl Groa-ßeri»* ,4 ■■

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