Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 16 (16.4.1926)
- Date
- 1926-04-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Umschau. Wir beasichttgek. in ZuLuuft lausend über besonders wichtige Ereignisse LeS Mischen Levens und über bedeutungsvolle Mitteilungen und AuSAHrunge» der Mische» Presse zu berichten und dazu Stellung zu nehmen, damit in unserer Zeitung neben den theoretisch-wissenschaftlichen -tragen die aktuelle Mische Politik ausreichend gewürdigt wird Tie jüdische Rundschau" beschäftigt sich neuerdings mit der Haltung unserer Zeitung in der Palästinasrage. Sie verübelt eS uns schwer, datz mir uns durch Mitteilungen aus Palästina selbst Information über die augenülicklchL Lage dort zu verschaffen versuchen. Wohlgemerkt. die Mitteilungen selbst werden gar nicht als unrichtig oder übertrieben dargestellt. Es wir nur übel vermerkt, daß wir nur die Schwierigkeiten und Beschwerlichkeiten der Palä» stinasiedlnng darlegen, nicht aber die Erfolge und Aussichten. Hierzu ist zu bemerken, datz leider die Zionisten im allgemeinen — gelegentliche Ausnahmen sollen ausdrücklich anerkannt werden — in ihrem Organ, viel mehr aber noch in der ihr befreundeten Tagespreise, die Lage durch eine überaus rosige Brille ansehen. Das. was die os'fiziellen zionistischen Auslassungen und die gelegentlichen Zwecktouristen über Palästina berichten, ist fast iunner so eindeutig günstig gefärbt, dag hier zu tun wirklich nichts mehr übrig bleibt und die nichtzionisiischen Zeitungen es für ihre Pflicht erachten müssen, der jüdischen Oesfentlichkeit auch einmal eine andere Jarbe der Palette in das Gemälde hin« eiu.',ubriugcn. Wir werden also über die J-ragc der Paläsiinasiedlung genau so weiterberichten wie bisher. Wie wir seinerzeit an wirklich bemertcuswerten Ereignissen, wie an der Nniversitäte.erösfnnng usw.. nicht vorbcigeaangen sind und wie wir nachweisbare Erfolge mit J-reude bringen werden, so werden wir es vermeiden, bloße StimmimgSbrlder mrt oncnsichtlicher Tendenz zu bringen. An Tatsachen aber, die nicht einmal von der Gegenseite bezweifelt werden, vorüber,zug-ehen, biege der Wahrheit ins Gesicht schlagen. Ter Artikel, der sich nur nebenbei mit der „Jilöftchkiberaleu Zeitung" beschäftigt, ist aber für uns auch sonst ganz außerordentlich interessant. Er enthält nämlich eineu Rückblick aus das abgelaufene Halbjahr zionistischer Arbeit und bringt dabei Bemerkungen, die weit über das zionistische Lager allgemeines Interesse haben. Zunächst wird festgestellt, dag infolge der schweren Röte der europäischen Juden sich das rege jüdische Interesse und die allgemeine jüdische Hills', bereitschaft von Palästina ab- und den europäischen Juden äugowendet habe, das; also absolut mit Unrecht behauptet werde, eine Verelendungdes Judentums bedeute den Ausstieg Palästinas. Weiterhin heißt es wörtlich: „Wieder hat sich gezeigt, das; Achad Haam recht ve- Halter; hat. Tenn Palästina kann heute die materielle Judenfrage in größerem Umfang nicht lösen. Es mag eine Zeit kommen, wo dies der Jall fein wird, nachdem der Aufbau eines lebensfähigen Organismus durch die Pionierarbeit der um ihre nationale Befreiung ringenden Scharen durchgcsührt ist. Tie Bedeutung Palästinas liegt gerade darin, daß wir von dort die Lösung der Judensragc als solcher erhoffen, unserer nationalen Jrage. Der Gewinn. den uns dieses Werk bringt, ist ein moralischer, üu Gewinn für die Gesamtheit, aber — wenigstens in der Regel — nicht materieller Nutzen für den Einzelnen." Diese Anslasinngen. offiziell im offiziellen zionistischen Blatt nicdcvizelegt. wird man sich merken müssen: sie bestätigen absolut das. was einsichtige Nichtzionisten seil Langem über Palästina gesagt und geschrieben habe». Wir Liberalen, deren Weltanschauung aus gemeinschaftlichem Wollen und gemeinschaftlichem Handeln aller Juden aufgebaut ist, haben immer erklärt, das; Palästina für uns als eine allerdings nur bescheidene Teillösung des Problems der wandernden Jirden, der Seßhaftmachung dieser Wunderer. von Bedeutung fei. und datz wir an diesem Problem gerne Mitarbeiten würdest. wenn seine neutrale Behandlung gewährleistet und die Aufwendungen für das Werk den Erfolg Sesselbeu nicht übermäßig übersteigen würden. Die technische Durchführbarkeit einer mätzigen Annedlunasmöglichkeit soll hier unterstellt werden, obgleich es im -zionistischen und nicht zionistischen Lager an Zmesielsstimmeu auch hieran nicht fehlt. Unmöglich aber ist es für den liberalen Juden, diese Arbeit in i t den Z i v n i st e n z u - isammen zu leisten, da für sie. wie sie es mit Recht offen aussprechen. Palästina nicht die Lösung eines Siedluuqsproblems bedeutet, sondern des Problems ihrer Bewegung, der nationalen J-rage. Jur das nationale Judentum ist der Llufbau Palästinas das sichtbare Symbol einer im Werden begriffenen jüdischen Nation. Palästina soll nicht nur kultureller, es soll auch nationaler Mittelpunkt der Juden werden. Die offene Darlegung dieser Auffassung erklärt besser als jede andere noch so breite gegnerische Ausführung, warum wir Anhänger jüdischer Gemeinschaftsarbeit. wir vom GemeinfchaftKgedanken durchdrungene» Juden uns dem Palästina-Aufbauwerk, dem Keren Hajesiod. versagen »vlifsen. Wir wiffeu und müsse» eS als gerecht anerkennen, datz nach der ganzen geschichtlichen Entwicklung die Zionisten die Äerntruppe der Palästina aufbauenden Juden sein werden. Sie stelle« di« Arbeiter, sie haben die jetzige politische Gestaltung bei den derzeitigen Machtgebern durchaefetzt. sie werben immer ausschlaggebend sein unter den Palästina aufbauenden Juden. Ist das aber der Jaü, so kann Palästina nicht anders als nationale Heimstätte aufgebaut werden. Wer aber wie wir die Zurückführung des Judentums auf nationale Grundlage als den verhängnisvollsten Rückschritt in der Entwicklung des ^Judentums aufsaht, mutz einer derartigen Aufbauarbeit fern bleiben. Wenn wir den Keren Hajesiod bekämpfen, so tun wir das nicht deshalb, weil wir für die gewaltige Arbeit in Palästina kein Verständnis haben, sondern weil wh einmal der Ansicht sind, datz das Geld der Nichtzionisten anderen Aufgaben zngeführt werden mutz, vor allem aber — und das ist das Ausschlaggebende —, weil wir die Werbemethode des AcrenHatessod für unaufrichtig und deshalb für verwerflich erachten, die Methode, die behauptet, das Aufbauwerk sei neutral, während es seiner ganzen Struktur nach gar nicht neutral sein kann, sondern national sein muh. Man kann durchaus verstehen, datz ftd> einzelne Jührcr unserer Bewegung, insbesondere die Rabbineu. damit abfin-den. datz durch den Palästina-Ausbau in letzter Linie ein nationales Werk gefördert wird, weil nämlich darin eingeschlosien ist auch die Hilfe für einen Teil unserer wandernden Brüder. Ebenso klar, aber ist es. datz derjenige Jude, der Gegner der nationalen Entwicklung unserer Gemeinschaft ist. nicht ohne schwere innere Kämpfe sich einem Werk versagt, denen Endziel nach seiner tiefgegründeten Ile der.zeugung der Entwicklung des Judentums abträglich ist. Man begreife doch endlich, das; auch wir Liberalen nicht aus äußerlichen. aus rein politischen Gründen unsere Entschlüsse in so schwerwiegenden innerjüdischen Jragen fassen, sondern unserem Gewissen gemäß aus unserer Gesamtcinstcllung zu Judentum und jüdischen Problemen. Von höchstem Interesse für den Beobachter jüdischer Bewegung ist die jetzige Auseinandersetzung zwischen Orthodoxen und Zionisten, die sich teils in zionistischen, teils in konservativen Blättern abspielt. Ein Artikel des Dr. Mclzcr in der. .Jüdischen Rundschau", der auf die starke Ausdehnung der Agudah-Bewegung und ihre Gefahren für den Zionismus hinweisi. aah den Anstotz. Im Verlauf der Erörterungen hat sich der nicht unerhebliche Gegensatz zwischen Agudisten und Misrachisten wieder einmal recht scharf geoftenbart. Mr uns Liberale bietet der Streit an sich nur ein indirektes Interesse: er beweist aber, datz auch in dem von Unkundigen oft alS einheitlich gepriesenen Block der Gesetzestreuen schwerwiegende, grundsätzliche Gegensätze bestehen. Die Erörterung ist noch nicht abgeschlossen. Wir behalten uns vor. aus den sehr interessanten Komplex von Fragen hier zusammenhängend noch einzugehen. Mit Aufmerksamkeit verfolgen wir die Arbeiten, die zu dem Ziel der Reichsorganisation Ser deutschen Juden hinführen. Es scheint doch aus eine Dachorganisation berauözukommeu. Wir bedauern das aufs schmerzlichste und würden eine solche Dachorganisation lediglich als Abschlagszahlung hinnehmen können. Datz der Partikularismus im deutschen Jnöent-um in weit intensiverem Matz betrieben wird, als es nach dem Stand der Gesetzgebung notwendig ist. ist recht betrüblich. Rach unserem Dafürhalten bietet nur eine aus direkten Wahlen hervorgegangene umfassende ReichSorganisation die Erfüllung unserer Wünsche. Wir hoffen. Satz die gemeinschaftliche Arbeit in der in Aussicht stehenden Dachorganisation die Mainlinie. die sonderbarerweise heute noch im deutschen Judentum zu klaffen scheint, Überdrücken wird. Um den preußischen Landesverband ist es recht still geworden. Ein großer AnfangSakkorb. und dann hat man lange Zeit nichts oder nur Unwesentliches gehört. Noch sind nicht einmal die ständigen Ausschüsse für KuttuS. Unterricht, soziale J-ürsorge usw. konstituiert, die die Arbeit hauptsächlich zu leisten haben werden, auf die das deutsche Judentum. wartet. Etwas größere Beschleunigung wäre im Interesse des Werkes, an dem wir alle in Liebe hängen, dringend wünschenswert. Wo bleiben vor allem die Vorarbeiten für das neue vreutzische Judengcsetz. um deretwillen man doch vor allem die Schaffung der Landesorganisation gewünscht hat- Wir wollen doch nicht, daß der Landesverband lediglich eine große UntersttttzungSkasfe werde, sondern erwarten von ihm eine gründliche Erneuerung unserer gesamten rechtlichen. kulturellen und sozialen Verhältnisse. Also etwas mehr Beschleunigung und vor allem eine stärkere Benachrichtigung der Oesfentlichkeit. meine Herren vom Rat! H. §. Ganz-Jude; Halb-Iude! Bon Margarete Irr es. I« inneriüdrschen Leber; ist vin neues Wongcbilde ans. getaucht. daS Anlab zu ernstem Nachdenken giw. Es wnö von htm Ga uz.Juden und dem H a l b - I n den gesprochen analog dem vom Verband nattonaldeutscher ^;uveu geschaffenen 100prozentigen Deutschen im. Gegematz, zu'.'t 50vrozentigen Deutschen. Diese neue Vokabel nt uns von den Zionisten diktiert worden, rudern sie in Wort mio Schrift von sich als den Gau^Jiiden sprechen. Es bleibt uns jüdischen Deutschen jetzt überlassen, uns mit dem immunenden Beiwort Hakb-Judc abzufmden. Wer es mit reiner jüdisch-liberalen Einstellung ernst meint, der wen-, dag der liberale Jude geneigt ist. stillschweigend eure Ncinchvpruiig über sich ergehen zu lassen aus dein Gefühl heraus, oa« es im Wesen des Liberalismus liegt. Neues nt iich aufzunehme,'. Ein Stillschweigen märe am Platze, wenn das Wort Halb-Jude nickt schon arge Verwirrung an gerichtet hätte. Mit dem Wort Halb-Jude ist ein Krankbertsstoft m unsere Reihen geleitet worden» der sicher uua langsam au dem Lebensnerv der jüdischen Deutschen, und nicht ^zuletzt der jiddisch-liberalen Deutschen zehrt. Nichts ist der Jugend verhaßter. als wenn Halbheit ihrem Tun vorgeworfen wcra. Mit dem Wort Halb-Jude aber hat man das Mittel gefunden. dessen Einimpfung bei,unserer Jugend seine 'Folgen zeitigen wird. Noch ist es Zeit» durch Ansslärung dreien Folgen vorzubeugen. Wenn auch der jüdische Liberalismus sich innerhalb der'überlieferten Gesetze und Vorschriften eene Wege bahnt, um die Religion lebensfähig zu erhalten. 10 bleibt dock der Begriff Religion für ihn ein 'Ganzes, ein Ungeteiltes. Oder ist cs etwas Ganzes, wem, rch mern jüdisches Fühlen teile in ein religiöses und ein nationales? Hier sollte die so leicht geübte Kritik der Jugend einsetzen. damit sie nicht, durch den Schein des Wortes Holbjude betrogen. in falsche Bahnen ael-citet wird. Wenn diese neue Wortschöpfung im inner-jüdischen Leben Platz fniden soll, dann nehmen wir jüdisch-liberalen Deutschen das Wort Ganz-Jude mit Recht für uns in Anspruch. Der aus n»$ gerichtete Pfeil soll, noch im letzten Augenblick abgelcnkt. sich wenden, und den Schützen treffen. Ganzheit im Sinne des liberalen Judentums, das wird auch die Jugend einsehen, will sich nicht mit dem Wort Vollkommenheit messen. Ganzheit deS jüdischen Meirichen kann nur darin liegen, daß er sich zwischen den verschiedenen Möglichkeiten, die ihm die Willens- und die Denksreibeit offen lassen, den geraden Weg zur inneren Borwärtsentwickelung schafft. Ein ganzer Jude im Sinne des liberalen Judentums läßt sich keinen Dualismus innerhalb seiner Religion gefallen. E;u ganzer Jude ist, wer seine gesamte Ethik aus feiner Rel-givn ableitet. Ein ganzer Jude im Sinne des liberalen Judentums verschließt sich nicht gegenüber neuen Erkenntnissen, denn die überragende Tradition des Judentums, die Beten und Lernen als synonyme Begriffe saßt, ist ihm heilig. Tie deutsch-jüdische Jugend aber, die auf deutschem Boden sich ihr Judentum zu erhalten strebt, wird, mit solchem Rüstzeug versehen, dem Krankheitskeim trotzen und stolz sagen: Max Nordan. Nach einer Zeitungsnotiz sollen demnächst die sterblichen Ueberreste Max Nordaus, des einstigen Zionistenführers, im heiligen Lande beigeietzt werden, in dem Laude, wo unsere Stammväter gewandelt und wo der Provhetiömus erstanden ist. ES ist die Frage berechtigt: Welche Stellung nahm Max Nordan der Heiligen Schrift gegenüber ein? Vor ungefähr 20 Jahren stellten radikal gesinnte Bremer Lehrer die Forderung auf. datz im Religionsunterricht die biblischen und kirchlichen Stoffe beseitigt und aus den reichen Schätzen (XOZ03□Q^!X03□□□□OXD□□□□□□□D□□□OJ□1^0C^ Technische Modelle für Ausstellunsen. Museen und Erfinder fertigt Erich Durbers, Berlin SW 61 Inh: Dipl.’lng- Kurt Gerson Gitsdiiner Straße 107, Amt Dönhoff 7760 Eigenes Konstruktionsbüro / Mechanische Werkstatt Chemisch-techmsöEes Laboratorium iDccxiDGcaDDoaDaoDODaaDaaaaaaiXDcxo Das Gute in der Welt. Alles Gute stammt ans einer {Quelle, Strömt tu heiliglvunderbcunrr Wette Durch die Herzen edler Brenschen weit. Treibt den Gottessamen auf zur Blüte, Strömt dann wieder zu des Schöpfers Güte. Strömt von Ewigkeit zu Ewigkeit. M a x R o f c n f c i d. Kaiser Titus und die Mücke. Eine altjüdische Legende, erzählt non Karl Gutzkow Ü8€u) *). AIS Titus Jerusalem zerstört hatte, da ist er zu Wasser -egangen mit seiner siegreichen Armee und ein Sturm zog heraus und die gefangenen Juden trrnmphirten. weil sie dachten. Gott hätte seine Rache aus das Meer aufgeioart. Und Titus bekam Angst, spottete und sprach: Zu Land ist Adonai schwach, aber zu Wasser — da kommt er. scheint t* doch dem Neptuuus gleich! Wahrlich, spottete er. Adonai Hut die Sündflut befohlen, er hat die Aegypter im Rothen Meer ersäuft, er hat den Sissera am Strom Kischon geschlagen, er wird auch für Jerusalem seine Rache nehmen auf dem Mittelländischen Meer! .. . Da aber ist gekommen eine Stimme aus dem Himmel nud hat dem Spötter gerufen: Titus, Titus, ich habe Jerusalem untergehen lassen wegen seiner Gottlosigkeit! Weil du aber meiner Langmnth spottest, so sollst du auch meine Macht kennen lernen, aber — zu Lande'. Das Meer ward da stille und Titus betrat unter dem Jauchzen des Silkes das feste Land. Wie er recht von *) Dieses wohl in wc.testen Kreisen nnbekannt gebliebene Stück sicht int achten Baude des (leider uur!> neun umfassenden großartigen Romans „Der Z a u b e r e r von Rom". Noch heute muß man staunen über den ge- Waltigen. umfassenden Blick des Dichters, der in die großen religiösen und kirchlichen Jraaen der Zeit bis ins Kleinste kineinleuchtet. Die „Svinoziitin" Veilchen Igelsheimer erzählt die Legende dem zum „Pater Sebasins" gewordenen Dr. Klingsohr: „Sie sind ein Mensch der Selbstanal, der Reue, des Gewissens — ewig^vird's Ihnen gehen, wie's dem Kaiser Titus ging." L. Hirschberg. Herzen üüer den Judengatt lachte, flog ihm tu die Nase eine Mücke, wie sie nur auf dem Lande vorkommt, und bohrte sich tief in sein Gehirn. Sieben Jahre hat Titus davon die schrecklichsten Schmerzen im Kops gehabt, denn die Mücke starb nicht, sondern sie wurde immer größer und sie summte bei Tag und bei Nacht. Einst ging er bei einem Schmied vorüber. Bei den Amboßschlagen hörte die Mücke zu summen aits. Da stellte sich Titus dreißig Tage an den Amboß und die Mücke schwieg. Am einunddreißigsten aber sing sie wieder zu summen au: sie hatte sich an den Hammerschlag gewöhnt und Titus mutzte sterben. Als sie sein Gehirn aufrnächten, kam ein Thier zum Vorschein, so groß wie ein Vogel. Der Mund war von Kupfer und die Füße waren von Eisen. Strahlenland. Von Rabbiner Dr. Gottschalk. Berlin. «Es gibt ein eigentümliches Volk auf der Erde, in denen Schoße sind alle Erlebnisse dieses Buches gemacht und alle seine Lieder gejauchzt morden. Man kann die Quelle seiner Kraft entdecken und dieselbe Quelle benutzen. Sein BnÄ ist das Anüachtsbuch der Welt. nein, vielmehr, es ist das Kraubuch der Welt." So schreibt L h v tz k n in seinem „Strahlenland" und meint uns und unsere P s a l m c u. Und um io mehr net'.t uns dieses Buch jetzt an. weil die Psalmen wieder ein beliebter Gegenstand der Erklärung sind. Greßmann bezeichnet Gnnkels neuen Pfalmenkommentar als bedeutendste theologische Leistung der Tßge. Spanier wies kürzlich auf Wutz' Pialmbuch hin. und er. Spanier, selbst hat uns eine Reihe schöner Letrachtnngeu, aus Wissen und Jülften geboren. geschenkt. Und sind denn die Psalmen rucht „Strahlenlanü"'? Sind sie nicht dauerndes ivottesleuchten- Eine Flamme, die so wenig nur uns Juden erwärmt, das; Protestanteu und Katholiken, ja, auch Dissidenten von ihrem Jener gern zehre». Ich wohnte dem Begräbnis eines evangelischen OssrzierS bei. und der Prediger begann mit Psalm l!>0. Ich hörte einen Gottesdienst der Dissidenten mit an. und die Orgel spielte Psalm 19. Und der katholische Priester rczft'.ert jeden Svnnürg Psalm 95. Und was ist nun das Strahlende an diesen Stücken? Woher diese Anziehungskraft auf alle? Sie liegt in dem Ursprung, dem Inhalt, der Wirkung. Es sind eben alles Erzeuauisse einer liesfroinmen, tiesfühlenden Seele. Nicht jedes Wort freilich spricht noch zu uns. manchen Ausbruch der Leidenschaft könnten wir missen, manche Schilderung Gottes bleibt uns heute fremd.?lber das meiste klingt in uns wieder, ist Singen der Seele, die jauchzt und die dankt, jammert und fleht, für Natur erglüht, sich an Geschichte begeistert. die das Leben kennt und doch oft sich hin>aussehut. einer Seele, die aus Gott stammt und in ihn münbet. Schön ist nych immer Luthers Wort in seiner Vorrede zu den Psalmen: „Ta siehst du allen Heiligen ins Herz wie in schöne, lustige Gärten, ja. wie in den Himmel: wie seine, herzliche, lustige B'lumen darinnen aufgeh'n von allerlei schönen, fröhlichen Gedanken gegen Gott mtfi seine Wohltat. Wiederum, wo sutdest du tiefere, kläglichere, jämmerlichere Worte von Traurigkeit, denn die Klagepsalmen haben? . . . Daher kommt's auch, daß der Psalter aller Heiligen Büchlein ist. und ein jeglicher, in waserlei Sachen er ist. Psalmen urrd Worte darin findet, die sich auf seine Sachen reimen und ihm so eben sind, als wären sie allein um seinetwillen also gesetzt, das; er sie auch selbst nicht besser setzen, noch finden kann, noch wünschen mag." Ja, in der Tat. datz wir hier eine Jütte von Liedern vereinigt finden, alle auf einen Tou gestimmt, und doch wieder die mannigfachsten Verhältnisse des Lebens berührend, das hat die Psalmen so zeitlos geuracht und erklärt das Geheimnis ihrer ewigen Wirkung auf den schlichten Mann wie auf den Künstler. Tenn die Seele, sie ist die gleiche geblieben, ihr Ausdruck mag sich gewandelt haben. Und durch die fromm empfindende Seele gelangen wir noch heute ins Land der Psalmen, noch heute in unser „Strahlenlauh". Llrotzkn berichtet in seinem Buche: „Ich weiß von einem Knaben, der seiner Mutter so gern .zusah un4 immer daneben stand, wenn sie Brot buk. Ilird da tat sic noch immer etwas Unscheinbares, Kleines hinein in den Teig: und wenn der Knabe fragte: Was ist das? so antwortete sie gleichmütig: Der Trieb.?lber der Knabe sagte: Das i'it die Strlchlenweft. Und die sängt gerade da an. wo Mutter bäckt. S'iit die Rückseite des Backens. Ntan mutz nur genau durchschauen, man sieht sein Auge ordentlich hinetnstrahlen." Wer erkennt nicht den „Trieb", von dem Lhotzln spricht? Wie ist doch der Teig nur die ewige Form, aus der der Mensch schließlich heraustritt. aus dem „Strahlenland" entlassen wird, aus dem heiligen Schoß des Mutter-„Trieb:S"! Wie klingt hier Psalm 181 aus: „Meine Seele ist still — wie ein Entwöhntes bei seiner Mutter. Wie ein Ent-