Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 16 (16.4.1926)
- Date
- 1926-04-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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her SJeititlerixtuE erieyt werden. Sie «anbte» sich zur Ve- - AUtachtung u. <l auch an Nordau. Dieser schrieb: «Wir haben bau ein klassisches Schrifttum zu besitzen, das gerade an ttzrehertschem Werte in keiner anderen Sprache seine-» gleichen hat. EL sollten gelesen werden: Goethe- «Hermann und Dorothea" Schillers Balladen. Schillers Gedichte der dritten Periode, Lessings «Nathan der Weife" Goethes .Lphigenia". einige Gesänge von Klopstocks ..Messiade" usw." fDer Bibel wird nicht gedacht. Auch Nordau ist der «»ficht: ort mit der Bibel! In seinen konventionellen Lügen der ulturmenschheit spricht er sich folgendermaßen über die Heftige, Schrift ans: „Mr unterscheiden in diesem Musi altpalastinischen Aberglaubens dunkle Anklänge an indische und persische Fabeln, mißverstandene Nachahmungen ägyp« trscher Lehren und Bräuche, ebenso trockene wie geschichtlich unzuverlässige Chroniken, allgemein menschliche, erotische und nationaljüdische patriotische Poesien, die sich selten durch Schönheiten ersten Ranges, häufig durch Ueberschwänglrchkeit, Rohheit, schlechten Geschmack und echt morgenländische Sinnlichkeit auszeichnen." So urteilen auch Antisemiten. Wie urteilt dagegen der berühmte Philosoph unserer Tage, Rudolf Encken! Er sagt in seiner Schrift «Die getftes. geschichtliche Bedeutung der Bibel" sLeipzig 1017): Aus dem Alten Testament aber haben nicht nur die tiefen seelischen Bewegungen, die in den Propheten und Psalmen, wie im Buche Hiob zum Ausdruck kommen, unzähligen Seelen Halt und Trost geboten, auch die Geschicke des ganzen Volles Israel, seine Kämpfe, Leiden und Siege, haben die Gemüter da gefesselt und gestärkt, wo harte Kämpfe zu bestehen waren, und wo man von der Nnbill der Menschen zum Walten Gottes seine Zuflucht nahm tut festen Vertrauen darauf, daß er die gerechte Sache nicht werde unterliegen lassen " Nordau hat die Heilige Schrift herabgewürdigt, die Thora, die ihren Ursprung im Heiligen Lande hat und die seit Jahrtausenden unser Palladium war, ist und bleiben wird.-Nordau wird im Heiligen Lande eingebettet. M. Sp. Ein Jahr nach Eröffnung der Hebräischen Universität. Bon Joachim Fischer (Tel-Avivj. Bor etwa einem Jalfte ist die Universität in Jerusalem eingcweiht worden. Wir haben diesem Ereignis eine besondere Nummer gewidmet und cs begrüßt, weil wir glaubten, mit der Universitätsgründung werde die Möglichkeit zu einer für das Judentum ersprieWchen wissenschaftlichen Arbeit eröffnet. Diese Hoffnung hegen wir auch heute noch. Sie gibt unS das Recht und legt uns die Pflicht am, setzt, nach dem einjährigen Bestehen dieser Mischen Universität, zu fragen, welche Bedeutung sie im jüdischn Leben erlangt hat und was von ihr geleistet wird. Bemühen sich ihre Leiter, sie zu einer kulturellen Macht auszugestaltcn? Auf diese Fragen gibt der folgende Artikel eine allerdings sehr kritische Antwort. Mag er dazu beitragen, daß diejenigen, die voll Hoffnung aus das neue Werl blicken, nicht endgültig enttäuscht werden. Die Red. Unter den verschiedenen Reserven, welche die zionistische Organisation mobilisierte, um die Erträge für Palästinazweck auf ein Vielfaches zu bringen und ihnen neue Einnahmequellen zu erschließen, ist die Hebräische Universität als die zugkräftigste erachtet worden. Haben sich gewisse indische Kreise gegen ein Beisteuern zum Nationalfonds aus politischen Anschauungen ablehnend verhalten oder diente bisher das politische Schild so manchem als. Vorwand, hinter dem man sich ins einer „Harpagonie" verschanzen kann, so nahm ihnen die Universität den Wind aus derr Segeln. Denn Wissenschaft steht bekanrrtlich hoch über jeder Partei, weshalb alle vorzubringenden Gegenargumente. die von politischer Plattform aus starten, zum Wegfällen präjudiziert werden müssen. Die Zeit hat diese Voraussetzung nicht beschämt. Welch jüdisches Herz hat sich nicht vor Freude erweitert angesichts des hehren Momentes der NniversitätSeröffnung am 1. April 1925. Ein nicht enüenwollendcs Triumphgeschrei ertönte an diesem Tage: Nunmehr wird der Jude aus dem eigene.» unerschöpflichen Born seinen Wissensdurst befriedigen können. Die Alma, mater von Jerusalem wird segensv endend ihre Hände über Palästina und die Galnthländer ausbreiten und dem nmverus clausus die Giftzähne, dem reichen Amerirauer den Beutel herausziehen. Ein weiter Horizont breitete sich vor unseren Blicken aus und enthüllte Möglichkeiten von unermeßlicher Tragweite. Die jüdische Universität, als Kulturzentrum von Achad Haam gedacht, früher nur nebelhaft Umrissen. jetzt die erdenklich. greifbarste Kor» anneHmeud. wurde zu« Stemmeisen, dem kein Kasievschrank erstevttchen Widerstand entgegensetzen konnte. Der nun das eigentliche Gesicht der „Universität" — nicht mittels Enthusiasmusstift retouchiert — erblicken möchte auf die Gefahr hin. üesillusioniert zu werden, der.höre: Den Eröffnungsfeierlichkeiten am 1. April 1928 Leizuwohnen, war für einen Nur-Journalisten mit Schwierigkeiten verbunden, den Mittelpunkt dieser Feier in Augen, schein zu nehmen. Ast ein Ding der Unmöglichkeit; so mußte man sich denn bescheiden und warten. Einige Zeit «ach diesem Wirbel besteigt Schreiber dieser Zeilen eine» Autoomnibus. der die Verbindung zwischen Jerusalem Stadt und dem SkopuSDerg vermittelt. Nach etwa 20 Minuten Fahrt hält das Auto, alle verlassen es. und tch tue ein gleiches. In nicht weiter Ferne ward ein schlotzarttgeS Gebäude sichtbar, das tch fälschlich für die Universität dielt. So fragte ich. warum man denn nicht die kurze Strecke bis dahin zu fahre? Mau staunte mich an und bedeutete mir. ich befände mich bereits am Ziel — falls ich zur Universität wolle — das Schloß wäre nämlich die Residenz Lord Plumers, ein bei der deutschen RvichSregierung gemieteter Bau. Nun war Sie Reihe des Staunens an mir. denn um mich blickend, gewahrte ich ein zweistöckiges HauS. welches äußerlich verzweifelt wenig Aehnlichkeft mit einer Hochschule hatte, und was ich im Inneren zu sehe« bekam. war nicht dazu angetan, die Bezeichnung „Universität" zu rechtsertigep. Das Gebäude enthält in den zwei Stockwerken und im Erdgeschoß insgesamt 23 Räume mit einem DurchschnittSflächeninhalt von je 10 Quadratmeter pro Raum. Die Bestimmungen dieser Lokalitäten sind: Biochemische Laboratorien. Hörsaal (Fassungsmöglichkeit: bis SO Personeni. Fachbibliothek und Hilsskabinette für vorbereitende Arbeiten und dergleichen. Nach den Fakultäten befragt, gab man mir Bescheid, diese werden mit der Zeit gebaut werden: Vorlesungen haben soviel wie keine staitgefunden. Dies ist das naturgetreue Antlitz' der „Universität", ans dem Nimbus herausgeschält! Wäre dieses pbystologikchchemische Institut durch regelmäßige Vorlesungen belebt und stünde es zum Vergleiche neben einem deutschen mittleren Kalibers, es würde sich dann ein Verhältnis von 1:30 ergeben. Wohl wird mir mancher mit überlegenem Lächeln entgegenhalten: Wie ist es denkbar, soviel Diplomaten und Gelehrte — zum großen Teil Nichtjuüen —, die mit keinem zugunsten Palästinas gefaßten Urteil hergekommen sind, wie kommt es, daß diese mitgetan haben? — Daraus könnte ich eigentlich mit einer Gegenfrage erwidern: Wenn ich nun außerstande bin. die Gedanken dieser Herren zu ergründen, soll ich deswegen meinem eigenen Gehör- und Gesichtssinn nicht trauen dürfen? Schließlich sind da auch genug einleuchtende Erklärungen zulässig: Es muß nicht jeder alles besichtigt haben; es will nicht jeder ein Spaßverderber sein: es hat auch nicht jeder sich lobend geäußert: es haben sich einige Lenken mögen. eS sei immerhin ein Anfang, die Errichtung von Fakultäten sei im Projekt begriffen. Dozenten - material befände sich unter den Juden genug u. a. m., doch der Gedanke an einen Aprilscherz lag den Teilnehmern lern (obwohl das Datum freilich stimmte). Ich will mich da nicht in Debatten über die drotvendigtcit einer Universität in Palästina einlassen. Bedenkt man, daß in den Laboratorien dieser „Universiät" Leute arbeiten, die an einer ausländischen Hochschule den Doktorgrad erworben und nun ein Hungergohalt von netto 8,22 Le. (gleich 26 Dollars) monatlich beziehen, nachdem sie ein halbes Jahr zuvor unentgeltich sich schinden mußten, erwägt man ferner, daß hier noch viele Graduierte im' Baugewerbe Handlangordienste verrichten, die wiederum von anderen beschäftigungslosen Doktoren und Ingenieuren darum beneidet werden, so kommt man zu eine» betrübenden Resultat. wenn man sich das Los der frlschzübackenden Aerzte. Juristen, Chemiker usw. vergegenwärtigt. Da wird also das Bedürfnis nach einer solchen Bildungsstätte nicht sehr stark empfunden. Doch sehen wir vor der Hand davon ab und stellen versuchsweise den Grundsatz auf: Werden die für die Universität gesammelten Beträge ihrer Bestimmung zugeführt, so heiligt der Zweck die Geldmittel. Dabei wollen wir abermals ein Auge zudvücken in Anbetracht des Umstandes, daß dies eine Irreführung sei, weil mit der Gründung einer Universität in Palästina in der Oeffentlichkeit der Glaube erweckt wirb, es seien alle sonstigen unentbehrlichen Einrichtungen bereits in Palästina geschaffen worden. Nnn kommt das letzte Glied an der Kette, dieselbe somit zftetrvas Ganzem machend (denn sieht mgn jemand^ in den Straßen im Stodtpelz vromenieren, so wird man kaum auf die Vermurung kommen, der Mann sei unter dem Pelz nur notdürftig bekleidet). Doch lassen wir. wie vorerwähnt, auch das hingehen unwollen nur eine Minimalfordernvg aufrecht halten: Es soll etwas dazu getan werde«, um der „Hebräischen Universität zu eine« wohlverdienten Name» zu verhelfen! Das seschiäbt jedoch nicht, und wird auch «mftiahi» nicht geschehe», dann Dr. Weizman hat auf dem 14. Zionlstenkongreß den politischen Erfolg der UniversitätSeröffuung einwandfrei konstatiert, und das macht die Gründung einer solchen überflüssig. Denn eröffnet kan» «nr einmal werden, und das hat man getan und den gewünschten Efsckr erreicht. Die Anerkennung seitens nichtjüdischer Persönlichkeiten ist ein Wechsel, welcher auf allen Börsenplätzen zum Diskont zugelasien wird. . Der Eingeweihte jedoch liest aus dem allen die aus drei Worten bestehende Inschrift heraus: Oapiatio Bcncvoleniae Publici. Tel^lviv. 1. Avril 1SS6._ Die Religion in Geschichte und Gegenwart. Seit mehreren Jahren ist das in weiten Kreisen bekannte und geschätzte Haräwörterbuch »Die Religion in Geschichte und Gegenwart" (Verlag I. C. B. Mohr (Paul Siebeck) in Tübingen vergriffen. Die Vorarbeiten und Bvrbereitungen für eine neue Auflage sind fetzt fo «eit gefördert, daß der Verlag das Erscheinen der 1. Lieferung für Ende dieses Jahres in Aussicht stelle» kann. Die neue Auflage dieses Handwörterbuches für Theologie und Religionswissenschaft wird von den Professoren Hermann Gunkel-Halle und Leopold Zfcharnack-KönigSberg in Verbindung mit Alfred Bertholet-Göttinaen, Hermann Faber-Tübingen und Horst Stephan-Halle herausgegeben. Etwa 600 Gelehrte und führende Praktiker des In- und Auslandes haben ihre Mitarbeit an dem großangelegten Unternehmen zugesagt. Mit vollem Recht wird die zweite Auflage als eine völlige Neubearbeitung der 1. bezeichnet. Der Aufbau deganzen Werkes, die Anordnung des weitverzweigten Stoffes ist wesentlich straffer als bei der 1. Auflage. Der Hauptunterschied dieser gegenüber liegt jedoch in der inneren Umstellung, in der bewußten Einstellung auf da- Ziel, die Bewegung und Fülle des heutigen religiösen und theologischen Lebens ohne jede parier- und richtuygsmäßige Einengung, zur Darstellung zu bringen und die religiöse Entwicklung der Vergangenheit in eben diesem Geiste zu schildern. Eine interessante Statistik. Das soeben herausgekommene neue Statistische Taschenbuch der Stadt Berlin bringt eine Statistik der unehelichen Geburten. Auffallend ist die geringe Prozentzahl unehelicher Kinder jüdischen Bekenntnisses: 8,4 v. H. aller Geburten. Bei den evangelischen Christen beträgt die Zah'' 13 v. H.» bei den Katholiken gar 18 vH. Schalom-AtecheM'-^eiern. Am 13. Mai 1021 ist der große jüdische Dichter und Humorist Schalom Mechem (Solomon Rabbinowitsch) in New Aork, wohin er nach Ausbruch des Krieges aus Deutschland geflüchtet war. verstorben. Dos Städtchen Perksiaslow »n Rußland, wo der Dichter geboren wurde, rüstet zu einer großartigen Feier des 10. Todestages Schalom AlechemS. Der Staütrat beschloß, in dem Hause, in welchem der Dickster vor 67 Jahren das Licht der Welt erblickte, eine Bibliothek einzurichten: das Haus soll in feiner damaligen Gestalt erhalten bleiben Die Ortsschule und eine Gasse der Stadt sollen nach Schalom Alechem benannt werden. — Auch kn Odessa, Kiew. Minsk, Moskau und in anderen Städten rüstcr - man zu großen Gedenkfeiern für Schalom Mechem. Kaieadarivm str die Zeit vom 17.4.6.24.4.197s: Avril 1926 Nissan 5686 nsti ort Sonnabend 17 9. Sonntag 18 4. Montag 19 5. Dienstag 20 6. Mittwoch 21 7. Donnerstag 22 8. Freitag •25 il Sonnabend 24 10. ii. Wochen-ALschnitt: Tasria und Mezauro Haftarah: II. Buch Könige- Kap. 7A—20 Sabbat-AuSgang: 7,60 Wochen-Abschnitt: Achare Mautz und Keöauschim Haftarah: AmoS Kap. 9,7—15 Sabüat-AuSgang: 8,04 wöhntes ist meine Seele." Wie ist dieses Psalmenwort doch eine Mahnung, daß kein Mensch jemals ans Licht treten dürfte, der nicht'im Strahletftande' ersehnt, erzeugt und geboren wurde! Wer erkennt nicht den Zusammenhang mit dem tiefernsten Worte: „Er ahndet die Schuld der Väter an den Kindern und Kindeskindern." Ja. er straft ja. cd rächt sich an Kindern und Enkeln, wenn ein Mensch seinen Ursprung nicht Gott verdankt, sondern allein dem irdischen „Trieb"! — „Man macht schon seine schweren Erfahrungen. Ich batte so fest aus dich gebaut." So beginnt Lbotzky eine andere Betrachtung: „Verratene Liebe" im Anschluß an Psalm 35 —- wie er ähnlich eine ganze Anzahl von Psalmen mit zeitlosen lieber schritten versieht und „erklärt". — „Verratene Liebe". Man muß nicht bloß an die Liebe zwischen zwei Menschen dabei denken, sondern. wie es ia auch dort gemeint ist. an die Erfahrungen mit Menschen überhaupt. „Du warst's, ein Mensch wie meinesgleichen, du, dem ich immer so vertrant." Kennt man nicht die, die also klagen? Vergrämt, verbittert zieh'n sie bin. An Güte glauben sie nicht mehr. Vertrauen kennen sie fortan nicht. Ja. nicht den einzelnen allein, nein, die Gesamtheit lassen ne entgelten. was ihnen einer angetan. Aber der Fromme handelt anders. Er flüchtet sich ins „Strahlenland". „Höre doch. Gott, mein Gebet und verbirg dich nicht vor meinem Fleh'n." „Wirf aus den Ewigen deine Last, er wird dich betreuen." Ja. nicht nur Mütter sind „Strahlenmenschen", nein, jeder, der fromm die Gottesluft atmet, bekommt etwas Strahlendes, etwas Unnahbares. etwas unendlich Uebcrlegenes. strahlend im Sinne des Mose vom Berge! Es aibt eine Unnahbarkeit, die wir verachten, die aus Eitelkeiten, ans Torheit beruht, auf Dünkel, auf Hochmut, aus Unfrommheit alw. Aber es gibt eine Unnahbarkeit, die wahrhaft fromm, die man als echt jüdisch bezeichnen kann. „Ter Ewige rührt Israel in Einsamkeit/ Ja. eine Schranke muß inner Wesen, unser, ganzes Fühlen und Denken sein, ja, selbst schon unser äußeres Gebaren, die iedcn niedrig Denkenden fern hält. Er darf uns nicht zumute». was er andern zumutet. und er wird es auch nicht, wenn wir dafür sorgen. Und hat er 8 getan, tragt er nur die Folgen. Wie es Menschen gibtt die anlocken wollen, herausfordernd wirken am Niedrige, so muß es eben die andern geben, die sich wie Mott mir dem offenbaren, welchen sie selber gerufen haben, es fei durch Worte, sei durch den Zauber ihrer Person. Wie wichtig Ist doch dieser Geüaake für die Erziehung unserer Jugend, ihre Selbsterziehung I und die durch andere. Keiu Angriffsziel sein wollen für jedermann. Zurückhaltung üben und sich nur erschließen, au „Strahlenland" auf „Strub lenlanü" stößt! Sich zu schaoe sein für alles, was klein ist. zu stolz, um Häßlichkeit zu ertragen! Abweisend sein nicht etwa aus Kälte, nein, im Gegenteil gerade aus jenem Glühen, das in dem „Strahlenland" heimisch ist! Nur wer nicht versteht, in Herzen zu schauen, selbst nicht die strahlende Seele besitzt, nur er wird Ernst und gemessenes Wesen mit Kühle verwechseln und Gleichgiltigkeit, nichts ahnen vom Reichtum des hohen Sinnes, der inneren Feinheit und Vornehmheit, die sich hinter derartigen Wesen verbergen. Es gilt geradezu, stets auf der Flucht zu sein vor den Glatten und lästig zudringlichen Menschen und sich hlnziftämpfen zum „Strahlenland". dort, wo das Wort seine Stätte hat: „Was frag' ich nach Himmel, was frag' ich nach Erde. Die Nähe Gottes ist meine Lust!" Das altjüdifche Handwerk. Von Wilhelm Wölkerling. Wie überall im Morgenlande, las auch in Kanaan die Ausübung des Handwerkes jedem einzelnen Familienmitgliede ob. wenn darüber die Geschichte auch keine Auskunft gibt. DaS änderte sich erst, als aus dem unrhecziehenden Hirtenvolke ein seßhaftes wurde, das seine gawre Zeit und Kraft auf die Bearbeitung des Feldes verwenden mußte. Es war aus die Hilfe anderer Menschen angewieleu. die da zur Eriüllung der allgemeinen Bedürfnisse da§ nötige Geschick besaßen. Auch die schon aus einer bööeren .Kulturstufe stehenden Nachbarvölker trugen vielfach dazu bei. Das zeigt sich besonders durch den langen Aufenthalt der Kinder Israel in dem gewerbiätigen Aegypten. Welche Fortschritte sie dort in der Handfertigkeit gemacht hatten, bewiesen sie bei dem Bau der Stiftshjjtte. und auch die vierzigjährige Wanderung in der Wüste Sinai trug wesentlich zu ihrer Vervollkommnung bei. konnten doch verschiedene von ihnen z. B. bei der Anfertigung des goldenen Kalbes ihre Kenntnis von der Bearbeitung des wertvollen Edelmetalles praktisch verwenden» Mit der Einnahme des Landes Kanaan trat i» der Anwendung der Handfertigkeit ein Stillstand und damit ein Rücksschritt ein. Bitter beklagt öte kühne Heldin und begnadete Sängerin Debora diese traurigen Zustande in Rüben. Gilead. Dän und Manasse. Kein Schmied war im ganzen Lande zu finden, und wenn f«.'« mand seine Pflugschar. Axt. Haue oder Sense schärfen lassen wollte, so mußte er zu den Philistern ziehen. Be! der Erhebung des Volkes unter Samuels tatkräftiger Slegieruttg trat zwar eine merkliche Besserung ein: d»ch war noch Kön'g Salomo zur AuSfiiihrung der prächtigen Bauten am Hause des Herrn gezwungen, durch Vermittlung des Königs Hiram von Tvrus Baumeister und Künstler aus dem benachbarten Phönizien kommen und Holz und Gestein von ausländischen Handwerkern bebauen zu Lassen. Die Bemühungen dieses weitsichtigen Herrschers hatten sedoch insofern einen nicht zu mrterschätzenöen Wert, als die heidnischen Arbeiter in der Ausübung ihres Gewerbes ein Vorbild für die heimischer! Bewohner wurden, so daß sich allmählich wenigstens in den größeren Städten jüdische Handwer*-r niederlreßen. Noch mehr trugen hierzu die lange Fremdherrschaft und die ZwangSansiedelung des Volkes in den heidnischen Ländern bei, wodurch statt der früheren Viehzucht und Bewirtschastung des Ackers sich der Sinn für das Handwerk immer mehr ansbildete. Im weiteren Verlaufe galt es sogar für ein Zeichen schlechter Erziehung, wenn die Söhne der Wohlhabenden und Gebildeten nicht zur Erlernung eines Handwerks angehalten imlrden. Später taten sich Zimmerlente, Leinweber. Gerber. Tischler. Holzschnitzer, Korbmacher. Schmiede zu Freundschaften, einer Art zwangloser Innungen. zusammen, um die gemeinsamen Interessen besser verfolgen zu können. Sie arbeiteten in besonderen Werkstätten bestimmter Straßen und verkauften ihre Erzeugnisse an dmn verkehrsreichsten Platze des Ortes. Besonders gcschätzt waren die Töpfer, welche schon zu Jeremias Zeiten auf der Drehscheibe arbeiteten. Auch Maurer und Stein, metze fanden reichliche Beschäftigung. Weber gab es überall, und die Walker reinigten neue und getragene Woll'gche«» Der Zimmermann. . In meinem Heimatsstüdtchen starb vor langen Jahren em wohlhabender Ztmmermeistor: die hinterlaffene Witwe zeigte jedoch keinerlei Schmerz und Leid ob dieses Dral^rfalls. Da sagte ein witziger jüdischer Bürger: „Man merkt ihr gar nichtvon ,Zar (Herzeleid) und Zimmermann' an." A. W. 8 i ch t e n st ä d t e r. /