Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-03-31 · 14 (31.3.1926) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
14 (31.3.1926)
Date
1926-03-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2613366-2613841-2613855--1757-2619152
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Rtcrifcct z. B. öu das Gebiet der Wohltätigkeit, und man Wird finden. daß sie nur auf eine Geldgeber«: beschrärckt ist, die mehr aus einer Gewissensberuhigung als aus wahrer Nächstenliebe zu kommen scheint. Der Nortrag gab Anlaß zu einer sehr lebhaften Diskussion, die zunächst über die Frage geführt wurde, waS wir zur Verwirklichung dieser ethischen Grundsätze tun sollen. Jedenfalls wird es sich immer dabei um eine mehr oder minder starke Unterdrückung der eigenen Persönlichkeit handeln. ES ergab sich also hiermit eine zweite Frage, wie wert eine solche Unterdrückung berechtigt sei. Durch die zur Mrnug angeführten Beispiele ergaben sich neue Konflikte, wie man sich zwischen den gleichberechtigten Prinzipien der Rücksichtnahme ans Geist und Gemüt seines Mitmenschen uud der unbedingte»! Wahrhaftigkeit hindurchfinden solle. Wir kamen schließlich zu dem Resultat, daß man wohl zugunsten eines andern lüften dürfe, zum Vorteil der eigenen Person aber nie. Man kehrte nun zum Ausgangspunkt, zum Problem der Unterdrückung der eigenen Persönlichkeit zurück. Obwohl mehrere Auswege anfgezeigt wurde», konnte keine Einigung erreicht werden, weil mir uns doch noch recht unklar über den Begriff „Ethik" au sich waren. Die Vorschläge zur Lösung mr dieses Problem waren z. B. Ethik ist das Gute oder: Jeder hat eine andere Vorstellung von der Ethik, aber im Grunde beruhen alle Anschauungen ans dem gleichen Fundament, oder: Ethik sei angeborene Feinfühligkeit. Einig waren wir uns jedoch in der Erkenntnis, dA die Ethik nicht durch einzelne Gebote zu erschöpfen sei, und daß eS schließlich darauf ankommt festznstellen, was allen diesen Geboten zugrunde liegt und dann erst werden wir uns über die Ethik an sich klar werden können. Wenn wir auch an jenem Abend mit vielen Problemen nicht fertig geworden sirrd, so haben die meisten von u»S doch gewiß etwas davon mit nach Hause genommen. Hatten sie doch eine neue geistige Anregung bekommen, und somit hatte die Versammlung ihren Zweck erfüllt. Bremen. (Bereinigung für das liberale Judentum, Ortsgruppe Bremen.) Die Ortsgruppe Bremen unserer Vereinigung hatte kürzlich die dortigen Gemein demitglieder zu einem Vortragsabend ein geladen, der einen befriedigenden Besuch fand. Nach der Begrüßung der Anwesenden, unter denen sich auch mehrere Gemeinderäte der Bremer Sunagogengemeiude befanden, durch den Vorsitzenden, Herrn Rudolf Apt, hielt Herr Dr. Woyda einen Vortrag über „Liberales Judentum", indem er aus- . gehend von der geschichtlichen Entwicklung Wesensart, Ausbreitung und Bedeutung unserer Bewegung schilderte. In einem zweiten Referate ergänzte dann Herr Apt in interessanter Darstellung diese Ausführungen durch eine Schilderung der Gegenwartsaufgaben der Bremer Israelitischen Gemeinde, wie sie sich vour Standpunkt unserer Freunde aus darstellcu. Beide Referate wurden beifällig ausgenommen. In der anschließenden anregungsrcichen Debatte wurden besonders die Fragen des Frauenstimmrechts, der Ausgestaltung der Synagogenkoinmissiou und des Gottesdienstes, der Zwangszugehörigkeit zur Gemeinde, der neuen Gemeindcsatzung und der Gemeindesteuern und Vereinsbeiträge besprochen. Die Anwesenden, auch die nicht unserer Vereinigung augehörigeu Gemeindcmitglieder, brachten einstimmig den Wunsch zürn Ausdruck, angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse allgemein eine Herabsetzung der zahlreichen Beitrüge zu jüdischen Organisationen herüeizuführen, wobei übrigens erfreulicherweise die geringe Höhe des Beitrages zu unserer Vereinigung (2,50 M. pro Vierteljahr bei kostenloser Zustellung der Zeitung) keine Beschwerden hervorrief. Die Versammelten erklärten sich ferner einstimmig im Prinzip für die Einbeziehung der Temvelplatzgebühren in die Gemeindesteuer und gegen die Schaffung weiterer indirMer Steuern für die Teilnahme am Gottesdienste. Fünf neue Mitglieder erklärten ihren Beitritt zu unserer Bremer Ortsgruppe, die trotz der kurzen Zeit ihres Bestehens bereits ein achtunggebietender Faktor im Bremer israelitischen Gemeindeleben geworden ist. Breslau. (Jüdisch-liberaler Jugenöverein „Abraham Geiger") Am 17. März sprach in einer öffentlichen, sehr gut besuchten Versammlung der Prediger der jüdischen Reformgemeiude zu Berlin, Herr Dr. Karl Rosenthal, über das Thema: „Tie Berliner Reformgemeiude, ihre Geschickte und ihre Aufgaben." Mar Vogelstein eröffnet« die Versammlung mit dem Hinweis, daß es für uns liberale Juden besonders interessant ist. über die Reformgemeinde von berufener Seite Näheres zu hören, da bereits zur Zeit Abraham Geigers Beziehungen zur Reformgemeinde bestanden. Wie der Herr Referent nach diesen einleitenden Worten ausführte, hat die Bewegung in Amerika festen Fuß gefaßt, während sie bisher in Deutschland keinen größeren Anhang gefunden hat. Nach einem Ueberblick über die Geschichte der R"formbewegnna seit Moses Mendelssohn bemerkt der Herr Vortragende, daß als das eiaentliche Zeitalter der Neformbeweguna die Jahre von 1805—45 zu bezeichnen find. Die öffentliche Diskussion der brennendsten Fragen war wieder möglich geworden, so daß schließlich der Weg zur Aufstellung von Richtlinien frei wurde. Die Reformen waren dringend erforderlich, um einen großen Teil der Juden von der Danse fernzuhalten. Nachdem die Wünsche der Deputation der Genossenschaft des Reformfudentmns bei den Rabbinerversammlungen wiederholt abschlägig beschieden wurden, erfolate nunmehr eine offizielle Trennuna, indem am 3. Avril 1843 mit einem Aufruf der Grundstein für die Reformgemeiude gelegt wurde. Die Mauern des Ghettos waren gefallen, die Anpassung der religiösen Vorschriften an die jeweiligen Verhältnisse mußte erfolgen, gleichzeitig war damit eine gewisse Freiheit in der Auslegung der Zeremvnralgesetze verbunden. Ein großer Unterschied zwischen der Genossenschaft und dem liberalen Judentum besteht im Prinzip nicht. Die Reformgemeinüe verlangt vor allem von ihren Mitgliedern, daß sie sich alö bewußte deutsche Juden fühlen, deshalb ist auch der Gottesdienst vorwiegend in deutscher Sprache gehalten. Aus demselben Grunde wird auch ohne Kopfbedeckung gebetet, da man in der Beibehaltung der Kopfbedeckung eine orientalische Sitte sieht. Weitere Merkmale der Reformbewegung sind die Abschaffung der zweiten Feiertage, da sie keine Anziehungskraft mehr besitzen sollen und die Verlegung des Sabbatgottesdienstcs auf den Sonntag. Herr Dr. Rosenthal bemerkt hierbei ausdrücklich, daß der Sabbat von der Reformgemeinde nicht abgelchnt wird, vielmehr soll aus rein praktischen Gründen den Glaubensgenossen, die am Sabbat durch berufliche Pflichten an der Teilnahme am Gottesdienst behindert sind, am Sonntag Gelegenheit zur religiösen Erbauung gegeben werden. Die Vcschnciöung wird nicht für erforderlich gehalten, die Mischehe wird von einem Teil der Reformgemeiude gutgeheißen. Zum Schlup weist der Herr Redner darauf hin, daß die Neuerungen keinesfalls als eine Annäherung an das Christentum ausgelegt werden dürfen, sie sind vielmehr in dem Gedanken getroffen worden, ein Bollwerk gegen die Ablvanderung auS dem Judentum zu errichten. Im übrigen steht es fest, daß Uebertritte zum Christentum aus der Reformgemeinde kaum erfolgen. Aufgabe der Reformgemeinde ist es, Glaubensgenossen, die keine Befriedigung im konservativen und liberalen Judentum finden können, in ihren Reihen aufzunehmen. Starker Beifall dankte dem Herrn Redner für seine sehr interessanten und in jeder Form sachlichen AuSnihrnngen. In der Debatte verlangt Herr Wolfsohn die Einführung des Sonntag- Gottesdienstes, Herr Gemeinderabbiner Dr. Vogelstein weist mit Recht darauf hin, daß auch bet den Orthodoxie ein Mitgehen mit der Zeit klar erkennbar ist. Besonders deutlich zeigt diese Tatsache eine Gegenüberstellung der Neu- und Altorthodoxie. Im Schlußwort bringt Herr Dr. Rosenthal seine Freude darüber zum Ausdruck, daß seine Ausführungen mit Verständnis ausgenommen wurden. Mit dem Wunsche, auch der Resormbewegung gegenüber Toleranz zu üben, findet die Versammlung ihren Abschluß. Die Gruppe „S ü d e n" nahm an zwei Abenden unter Leitung von Alfred Berger Stellung zu den Richtlinien zu einem Programm für das liberale Judentum. Am 10. März sprach einleitend Alfred Fuchs in sebr klaren Ausführungen über die Geschichte, die Notwendigkeit und den Sinn der Richtlinien: an der Anssprache beteiligten sich alle Anwesenden. Am 24. März wurde die Debatte fortgesetzt. An diesem Abend wurden besonders Wünsche und Anregungen für eine Reform des Gottesdienstes zum Ausdruck gebracht, die in enoeren Kreisen zwecks vraktjscher Durchführung mit liberalen Gcmeindemitgliedern Lnrchgesprochcn werden sollen. »•«»»»» Sersammlungskalender Berlin. (Liberale Synagoge Norde».) Schönhauser Allee 162. Auerbachschcs Waisenhaus. Gottesdienst am Freitag, den 2. April, abends 6-6 Uhr. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. Sonnabend, den 8. April, vormittags 10 Uhr. Festgottesdienst an den Schlußtagen -eS Bestach: Sonntag, den 4. und Montag, den 5. April, abends 03 Uhr. Montag, den 5. und Dienstag, den 6. April (Seeleufeier), morgens 10 Uhr. Predigten: Herr Rabbiner Dr. Salomonski. Frankfurt a. M. (I ü d i s ch - l i b e r al e Jugendgemein schaft.) Donnerstag, den IS. Aril, abends 8 Uhr, im Draus aal der Königsteiner Synagoge Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Tätigkeitsbericht, 2. Kassenbericht, 8. Vorstaudöwahl, 4. Schaffung eines eigenen Heims, 5. Verschiedenes. (Wünsche und Anregungen schriftlich an den Vorstand erbeten.) Wir machen unsere Freunde darauf aufmerksam, daß nur diejenigen stimmberechtigt sind, die ihren MitgliedS-ettrag für das 1. und 2. Quartal 1026 bezahlt haben. Zahlungen erfolgen an Fräulein Irene Vogel, Eckenheimer Landstr. 22, ober aus deren Postscheckkonto 40 592. Wir erwarten bestimmt, daß diese Mitgliederversammlung recht zahlreich besucht wird, da bereits eine ganze Reihe von wichtigen Fragen und Vorschlägen zur Diskussion vorliegen. Montag, den 12. April, abends S Uhr, im Hochschen Konservatorium: Vortrag des Herrn Frank Rothschild im Freisinnigen Verein für Jüdisches Gemetndeleben: „Der Jude in der Musik" (mit musikalischen Erläuterungen). Eintrittskarten für Mitglieder unserer Gemeinschaft bei Herrn Sündermann, Reuterweg 64. Montag, den 12. A p r i l bei entsprechender Beteiligung: Wiederbeginn des Kurses des Herrn Erwin Baer: „Die heutige Lage des deutschen Judentums, 2. Teil: „Innere Verhältnisse". Anmeldungen an Herrn Baer, Bäckerweg 29. Hansa 6265, erbeten. j’jfj.Uns^eRätstbEcke iD | Kreuzworträtsel.! I Bedeutung der Worte. Wagerecht: 1. Sittcnvrrderbte BiMsche Stadt; 6. Biblische Frauenaestalt; 7. König von Israel; 10. Sohn Adams; 12. Metall; 13. Sohn Noahs;' 14. Prophet; 10. Arabische Landschaft; 20. Bereinigung verschiedener Singstimmen; 21. Deutscher Flntz; 22. Günstling des Perserkönigs Ahasoerus. Senk recht: 2. Stammvater; 3. Bruder des Jakobs; 4. Jüdisches Wort für Vater- 5. König von Israel; 8. Zweite Frau Jakobs; 9. Biblischer Berg; 11. Erste Gattin Jakobs; 15. König von Israel; 17. Gebetschluß; 18. Weiblicher Vorname; 10. Hebräischer Prophet, (i - j.) ' —s. - Such.Nälsel. Den Wörtern: Idar. Munk, Japhct, Eden, Lamech, Lewi, Synagoge, Bundeslade. Benjamin. Nehenrias, Purimr. Palaestina, Guerilla (ne — u), Titus, Magd, Mendelssohn, Nebo, Lewi, Wigwam, Fahre, Kolnidre, Lotse, Seir, Nebo, Gnom, Gilead, Euphrat sind je zwei aufeinanderfolgende Buchstaben — dem lebten Wort nur ein Buch, stabe — zu entnehmen, die zusammengesetzt die Anfangszeilen eines Psalmes ergeben. —ar. * Auflösung des Rätsels von voriger Nummer: Ehre Deinen Vater uwd Deine Mutter, damit Deine Tage lange dauern in dem Lande, das der Ewige, Dein Gott, Dir gibt. 95 ICtPZIdEltSTRAS&t RMCiftJ isre&sE'U^a^BSBl Mädchen-Mäntel mIt PvÄ 15^ Mädchen-MänteloUoc PÄ 12 ll Mädchenu. Baby-Kleider q 50 aus einfarbig. od.gemustcrtenStoffcnvonM. ' an Mäntel “l SÄ 34°.! Kleider, Costumes u. Complets für junge Damen in grosser Auswahl! o -O* Kauft anspraktiicfui Orkrgeicfmke \ Knaben-Anzüge SÄBE 15 « Knaben-Mäntel 8Ä"ÄB 18 Jünglings-Anzüge Spot“Ä' 46' Jünglings-Mäntel 5SrÄ 39 Pullovers, Bleyle-Anzüge Strümpfe, Socken, Unterkleidung in nur bewährten Qualitäten! L« I»XI 6IMTRAKI IMOLD

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.