Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 14 (31.3.1926)
- Date
- 1926-03-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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-er München Wohlfahrtspflege". Am Montag, den 7. Juni, werde» nach einem Ueberblick über die Entwicklung der jüdischen Wohlfahrtspflege im letzten Jahrzchnt die gegenwärtig aktuellen Fragen aus dem Gebiet der jüdischen Juaenüwohlsahrt, der Gesundheitsfürsorge und der Wirtschaftssürsorge behandelt werden. Im Anschluß daran findet eine Führung durch die Ausstellung statt. Eine Reihe anderer jüdischer Wohlfahrtsoraanisationen (der jüdische Frauenbund, der Bund der jüdischen Kranken- und Pflegeanstalten Deutschlands, die Hauptstelle für Wanberfürsorge und Arbeitsnachweise und der Verein der Leiter und Leiterinnen jüdischer ErziehuugS- »»nstalten Deutschlands) beabsichtigen ebenfalls, ihre Jahresversammlungen um diese Zeit in Düsseldorf stattfinden au lassen. Es ist anzunehmen, daß auch andere Organisationen im Rahmen der jüblfch-fozialen Woche ihre Versammlungen abhalten. Nähere Mittcttnngcn werden rechtzeitig bekanntgegeben. Anmeldungen für die Tagungen werden schon jetzt an die Geschäftsstelle der ZentralwohsfahrtSstelle Berlin C2, Rosenstraße 2—4, erbeten. Berlm. (Z u m To d e F e l i x F r a n k f n r t e r s.) Einer der Edelsten und Besten der jüdischen Gemeinde, der Fabrikbesitzer und Handelsrichter Herr Felix Frankfurter ist vor einigen Wochen nach langer Krankheit aus diesem Leben geschieden. Viele Jahre hindurch hat er bei der jüdischen Gemeinde ehrenamtlich gewirkt. Es ist ein lebender Trost, eine Erleichterung der beklommenen Brust, znrückzublicken auf die Lebensbahn, die nun geschlossen. Liebe und Treue waren die Lenker aller seiner Schritte. Wer ihn nur oberflächlich kannte, den zog es hin sit diesem bescheidenen, liebenswürdigen Mann von feinster Bildung und Sitte, wer ihn näher kannte, wem cs vergönnt war. in sein Herz zu schauen, der stand gerührt da vor so viel Menschenliebe. Viele Mitglieder unserer Gemeinde. Verehrer und Freunde des Verblichenen waren Zeugen der rastlosen Tätigkeit, welche der Dahingeschiedene. solange ihm Kraft innvwohnte. jederzeit entwickelte, nicht begierig »all, vielen 'Freuden der Welt, nicht sich erholend in müßiger Behaglichkeit von des Tages Arbeit, sondern von Arbeit übergebend zu Arbeit, von Taten ansrnhend in Taten. Kein Ausdruck vermag genügend darzustcllen jene zartfühlende Schonung, mit der er fremde Irrungen beurteilte, stets vergessend alles Böse, stets eingedenk alles Guten: und wiederum die lebhafte Teilnahme, die er den Schicksalen unserer Glaubensbrüöer zmvandte: das menschenfreundliche Gefühl, mit dem er sich bemühte, deu Notleidenden schönere Wege zu gedeihlichem Bürgerglück zu zeigen und durch wohltuende Anregung den gesunkenen Mut wieder aufznrichten. Edel war er. hilfreich nud gut. Sein Andenken wird zum Segen bleiben. Berlin. (Vereinheitlichung der Wohlfahrt spflege.) Die drei jüdischen Zentralverbände, die auf verschiedenen. Gebieten sozialer Hilfe tätig sind, nämlich der Verband für Gesundheitsschutz der Inden — Ose —. der Verband der Gesellschaften für Förderung von Handwerk und Ackerbau unter den Inden — Ort — und der Verband für jüdische Emigration — Enngdirekt —. haben sich zum Zwecke gemeinsamer Sammelaktion zuiammeugeschlossen. Die grenzenlose Berarmuna der jüdischen Volksmasse in Osteuropa bat eine schwere KrisiS in der sozialen Hilfsarbeit der letzten Jahre zur Folge gehabt. In einer solchen Lage sind die parallel laufenden Geldsammlnngen verschiedener Organisationen schwer tragbar. Tie verschärfte Krisis gebietet die Vereinigung aller Kräfte ans dem Gebiete sozialer Hilfe. Die von einer derartigeil vereinigten Aktion ausgehende Lösung wird die Wirkung haben müssen, das, die verschiedenen iührschen Gemeinschaften. die noch zu helfen in der Lage sind, entsprechend reagieren. Ausgehend von dieser Voraussetzung habe» die erwähnten drei Verbände beschlossen, gemeinsam vorzugehen imd in einer Reihe Länder eine Kampagne zur Aufbringung der nötigen Summeil zu beginnen. Diese Kaulpagne wird geplant sowohl in den Ländern Europas, als auch in den Ländern Amerikas (mit Ausnahme der Bereinigten Staaten). Australiens nsw. In Betracht fomaxmcu in erster Reibe Aegypten, Argentinien. Holland, die skaudinavischen Länder. Tschechoslowakei. Jngoslavien u.a.m. Eine Reihe hervorragender jüdischer Persönlichkeiten hat bereits die Mitwirkung für die vereinigte Aktion zngesagt. In Berlin wurde zwecks Leitung der Kampagne ein vereinigtes Komitee anö Vertretern der drei Verbände ans paritätischer Grundlage gebildet. Das Komitee ervffnete ein spezielles Propagandabureau. Es wird auch Material über die Lage des osteuropäischen Judentums gesammelt werden. Wenn auch dieser Zusammenschluß zu dem besonderen 'Zwecke der Gcldaktiou zustande gekommen ist. sehen verschiedene Persönlichkeiten in ihm den möglichen Beginn eine» allgemeinen Zusammenschlusses der zentralen auf demokratischer Grundlage stehenden jüdischen Organisationen, die auf den verschiedenen Gebieten jüdischer Aufbanhilfe tätig sind. Berlin. (Abel P aun-Aussiellun g.) In der Galerie Schulte, Berlin NW'7, Unter den Linden 75, findet a»r Zeit eine Ausstellung der Werke des MalerS Abel Pann statt, die einen außerordentlich wertvollen Ueberblick über das Schaffen dieses Künstlers gibt. Wir werden in der nächsten Woche eingehend auf Abel Pann, der einer der wertvollsten und genialsten jüdischen Künstler ist, znrückkommen. Berlin. (H o ch j ch u! e für die W i s s e nschast des Judentum s.) Am 26. April beginnt das Sommersemester. Herr Dr. Baeck wird über Homiletik, Prof. Baneth über Talmud. Prof. Elbogen über Jüdische Geschichte, Prof. Guttmann über Religionsphilosophie und Dr. Torcziner über Bibel, Geschichte und Hebräische Sprache lesen. Ein eingehendes Vorlesungsverzeichnis versendet die Hochschule, Berlin N24, Artillericstr. 14. Berlin. «Von der Zentral w o l> l s a h r t s st e l l e.) Nach dem Reichsjugendwohlfahrtsgesctz bedarf jede Anstalt und jede Familie, die ein Pflegekind aufnimmt, der vorherigen Erlaubnis des zuständigen Jugendamtes. Hierzu trifft 8 29 des Gesetzes A n s n a h m e b e st i m m u n g <t n für 31« ft alten. Nach dieser Bestimmung kann die Erlaubnis zur Ausnahme von Kindern generell derjenigen Anstalt erteilt werden, die durch Zweck, äußere Einrichtung, die pädagogisch tätigen Kräfte eine Gewähr dafür bietet, das, die Pflege der Kinder Anforderungen pädagogischer und hygienischer Art genügt. Es fallen unter diese Bestimmung: Kinderhorte, Kindergärten, Kinderabteilungen von Krankevyäusern. Taubstummen- und Blindenanstalten. Jdiotenanstalteu. Erholungsheime, soweit Pflegekinder im Sinne von 81» Aufnahme finden, ü. h. Kinder unter 11 Jahren sich dauernd oder nur füc einen Teil des Tages regelmäßig gegen Bezahlung in fremder Pflege stehen. Dazu gehören nicht nur die gemeinnützigen, sondern auch die privaten Einrichtungen (Erziehungsheime, Privatpensionen. Privatkindergärten). Mit der Durchführung dieser Bestimmung sind gegenwärtig fast alle Länder und Provinzen beschäftigt. Ddr Obervräsident von Brandenburg hat z. B. zunächst widerruflich allen Anstalten die Erlaubnis zur Aufnahme »rm Pflegekindern vis zum t. April 1026 erteilt. Bis zu diesen Termin muß ein Antrag Leim Obervräsidcnten pElegen. um die Erlaubnis zur Aufnahme von Kindern auch in Zukunft generell zu erhallen. Die unter diese Bestimmung fallenden Einrichtungen in den J WäMscMosxlicii Friedruk- E<ke Leipziger Jh. as grosse Terrassen a.d.Krummen Lanke. Zehlendorf West Wann seebahn. anderen Ländern und Provinzen seien darauf hingewieseu. damit sie rechtzeitig eine Befreiung von der Erlaubnis zur Ausnahme von Kindern durch Vermittlung der jüdischen Wohlfahrtsämter nachsuchen. Nähere Auskunft erteilt gern die Zentralwvhlfahr t s st eile der dentschen Juden. Berlin 6 2, Rosenstr. 2/-1. , , Breslau. (I ii d i sch-th e o l v g m ch e s Seminar.) Das Sommersemester beginnt am 25. April. Prof. Dr. Guttmann wird über Talmud, Dozent Dr. Heinemann über Kabbala, Homiletik und Hebräisch, Dozent Dr. Lcwkowitz über ReligionSphilosophie und Geschichte, Dozent Dr. Rabin über Bibel, Jüdische Geschichte und hebräische Dichtung lesen. Das Seminar. Breslau, Wallstr. 14, versendet eingehende Vorlesungsverzeichnisse. Freiburg i. Br. (Synagoge n u m b a u.) Die Wiedereröffnung unseres Gotteshauses am Freitag, den 19. März, abends, nach fast einjähriger Unterbrechung war Veranlassung zu Feiern, denen ein Vertreter des badischen Oberrats der Israeliten in der Person des Herrn Dr. Ellenbogen, Karlsruhe, beiwohnte. Wir waren aber während dieses Jahres nicht obdachlos, stellte uns doch die Stadt in dankenswerter Weise für die höchsten Feiertage einen ihrer großen Säle zur Verfügung, während den Winter über uns der große Saal der Heilsarmee in ihrem eigenen Heim zur Verfügung stand. Für diesen Beweis wahrer Toleranz seitens der Heilsarmee, die sichtlich bemüht war, uns den Aufenthalt in ihre»! Räumen so angenehm wie möglich zu machen, sei an dieser Stelle nochmals herzlichst gedankt. Die Feier — umrahmt von einer Festkantate für. vierstimmigen Männer- und Frauenchor und Soli, letztere meisterhaft vorgetragen von Herrn Oberkantor Ziegler und Fräulein Gerty Sommer — wurde durch den Gemeindevorsteher Herrn Rechtsanwalt Dr. Eugen Meyer eröffnet, während den Weiheakt Herr BczirksraSHiner Dr. ZiemelS vollzog. Und als die Thoraroüeu in feierlichem Zug wieder an ihre geweihte Stätte gebracht wurden, da erschollen aus nahezu 50 Kehlen des Synagogenchors die herrlichen Klänge LcwandowSLvs Ma-tauwnh, die mit allbezwingcnöcn Macht des Gesanges die andachtsvolle Gemeinde ganz in ihren Bann zu zwingen vermochten. Mau muß Angen- und Ohrenzeuge dieser erhabenen und erhebenden Feierstunde gewesen sein, um sie ganz zu erfassen und sie nie zu vergessen. Der Bau selbst in seinem jetzigen Bilde, eingebettet in einen in prächtigstem Frühlingsschmnck prangenden Garten, gilt iit aller Mund als elne neue Zierde unserer an Schönheiten so reichen Stadt und macht der Gemeinde alle Ehre, nicht minder aber auch dem ausführenden Architekten Herrn Arthur Levi und seinem Mitarbeiter Herrn Ingenieur Max Kahn, Freiburg. Der Chronist wird dereinst von dem Werk als einem Ruhmesblatt in der Geschichte der israelitischen Gemeinde Freiburg sprechen. Am darauffolgenden Sabbat fand in den Sälen der Harmonie ein Genreindeabeud statt, der einen Riesenbesnch anfwies: ein Beweis des allfeitigeu Verständnisses für die Feierlichkeit des Augenblicks. Ansprachen des Gemeindevorstaudeö, des Rabbiners, de§ Vertreters des Oberrats und anderer Herren wechselten mit Musik, Gesangsvotrügen, Theater, Rezitationen und dergleichen mehr: es war aber auch ein glücklicher Gedanke des Synagogenrats, eine sinnige Ehrung altverdienter Mitglieder des SyuagogenchorS, dieser Säule unseres Gottesdienstes, in den Kranz der Darbietungen des Abends hineinznflechtcn. Den Stimmen gegenüber, die da meinen, daß bei dem Ernst der Zeiten solche Feste nicht angebracht erscheinen, sei gesagt, daß.wohl rauschende Feste zu unterbleiben haben, daß sie aber in dem schlichten Rahmen wie hier, einen hohen ethischen Wert in sich bergen. Lassen sie doch die Sorgen und Schlacken des Alltags für einige Stunden vergessen, bedeuten sie doch ein Stück jüdischen Lebens und Webenö, ein Stück Urkraft jüdischer! Zusammengehörigkeitsgefühls. wo io mancher bangt, so mancher wankt. Daß die Leiter der Gemeinde ihre Aufgabe in so würdiger und zu Herzen gehender Weise gelöst, dessen kann man sich aufrichtig freuen und sie dazu beglückwünschen. Bemerkenswert ist, daß die sehr kleine und einflußlose Gruppe der Orthodoxie in Freiburg den EinweihungSfeierlichkeiten demonstrativ serngeblteSen ist. So demonstrieren Orthodoxe gegenüber einer Gemeinde, die in fast hyperliberalem Geiste in allen möglichen Fragen den Konservativen cutgegenkommt. Hoffentlich sind diese durch den Verlauf der Feierlichkeiten überzeugt worden, daß die jüdische Gemeinde in Freiburg in ihrer erdrückenden Mehrheit entschlossen ist, die traditionelle liberale Fahne der Gemeinde nicht herunterholen zu lassen, sonder» die liberalen Einrichtungen in richtig verstandenem Geiste zu festigen nnd auszubauen. Kiel. (Kantorenjubiläum.) Auf eine vierzigjährige Tätigkeit im SchrUamte blickt Lehrer und Kantor G. Cyaim zurück. Früher in Luckenwalde und Königsberg (Nemnark) in gleicher Eigenschaft tätig, hat der Jubilar VtS zur Abtretung der Provinz Posen an Polen als erster Kantor und ReligionSlehrer in Thorn eine mehr als 25 Jahre währende ersprießliche Amtstätigkeit entfaltet und in der nun 8 Jahre umfassenden Wirksamkeit in hiesiger Gemeinde mit anerkennenswertem Eifer und glücklichem Erfolge seine Berufspflichten erfüllt. Seine Freunde wünschen dem arbeitsfreudigen Beamten und liebenswerten Menschen noch manche Jahre befriedigenden Schaffens. München. (S y n a g o g e n j u b i l ä n m.) Am Vorabend des Pessachfestes 588« (20. April 182«),' also vor nunmehr 100 Jahren, wurde die ehemalige Synagoge an der Westenrieder Straße, das Gotteshaus der damals erst wenige Jahre bestehenden Münchener KnltuSgemcinde, einaeweihi. Am ersten Pesiachtage wird in. der Synagoge des Jubiläums gedacht werden. Ende April wird unter Mitwirkung des Jüdischen Gesangvereins in der Synagoge eine Feier veranstaltet werden. Stuttgart. (S y n a g o g c n k o n z e r t.) Der freiwillige Gynaaogcnchor in Stuttgart hat sich die Aufgabe gestellt, öffentliche Synagoaenkonzerte zu veranstalten, welche die Allgemeinheit für synagogale Musik interessieren und zugleich den Beweis erbringen sollen, daß diese Art von religiöser Musik sowie die Chöre, die sich ihrer Aufgabe widmen, vor ernster Kritik bestehen können. Dabei sollen namentlich jüdische Komponisten zu Gehör gebracht werden. DaS zweite Konzert am Sonntag, den 18. März, zeigte die Entwicklung der in nag oralen Musik bis Lewandowski. In den Gesängen von Rosst (Borchu und Keduscha) glaubte man Chöre von Palestrina zu hören, die trotz ihrer Herbheit und Schlichtheit sehr eindrucksvoll wirkten, nnd ich fand durch diesen bedeutenden Musiker des 10. Jahrhunderts bestätigt, daß unsere Synagogengesänge aller Zeiten jeweils Produkt aus den Kompositionsmitteln ihrer Zeit und Umgebung sind und in gewissem Sinne der Originalität entbehren. Davon werden wohl auch die Gesäuge nicht ausgenommen werden können, welche die sog. Steiger zur Grundlage haben. Sulzer, der klassisch anmutet, war mit Ezchajim vertreten und der Romantiker Lewandowski ntit Psalm 103 für Soli und Chor. Letzterer leistete Vortreffliches unter der zielsicheren Führung seines Leiters Herrn Leo Adler, der auch durch die geschmackvoll ausgewählte Vortragsfolge dem Ganzen besonderen Charakter verlieh. Ihm gegenüber saß der weit über die schwarzroten Greuzpsahle bekannte Meister der Orgel, Herr Musikdirektor G. A. Nack, der das Konzert durch ein seinregistriertes Präludium von Deutsch (Es) einleitete und neben den übrigen Begleitungen ganz besonders Frau Nußbaum bei der Violinsonate Nr. 4 von Händel als Partner diente. Ein Spiel, wie das von Frau Nnßbamn dürfte bei Dilettanten ganz selten angetrossen werden. Blieben noch die verschiedenen kleineren Soli. Darüber 'kann zusammensassend gesagt werden: ein Chor mit so vielen eigenen Solisten — mit dem kultivierten Gesang von Frau R eis — kann sich getrost au die Oessentlichkeit wagen und eine Gemeinde. die über einen solchen freiwilligen Chor verfügt, kann sich glücklich schätzen. Rechnet man dazu uvch die seyr gute solistische Leistung ihres ersten Kantors, Herrn Leo Adler (im Weschomru von Kirschner). dern wir auch die lehrreiche Einführung im Programm verdanken, dann kann man begreifen, daß nach der vollen Befriedigung unter den andächtig lauschenden Anwesenden der Wunsch rege wurde, derartigen Lcranstaltnngem mögen noch weitere folgen. Ans der Bewegung jfff Berlin. (Liberaler Verein für die Auge-, legenhe ite n der jüdischen Gemeinde zu Berlin E. B., Bezirks gruppe Osten.) Am Donnerstag, den 28. März, fand in den Prachtsälen des Ostens eine Veranstaltung der Bezirksgrnppe statt, die bei allen fchienenen einen tiefen Eindruck hinterließ. ■ Herr Oberkantor Magnus Davidsvhn sprach ÜSL2 „Die traditionellen Gesänge im liberalen indischen Gottesdienst". Vorher begrüßte die Vorsitzende der Gruppe, Frl. Dr. Bereut, die zahlreich erschienenen Gäste und gab der Hoffnung auf einen im vollsten Sinne des Wortes harmonischen Verlauf des Abends Ausdruck. Nach einer einleitenden Ansprache des Herrn Dr. Max Mayer leitete Herr Organist Richard Altmann am Harmonium mit den weihevollen Klängen des ,,mah tauwu“ den Bortrag des Herrn Oberkantor Davidsohn ein. Von der geschichtlichen Entwicklung der Rolle der Musik im jüdischen Gottesdienste ausgehend, schilderte der Redner in Ausführungen, die die Zuhörerschaft bauernd im Bann hielten, die Rolle der traditionellen Melodie im liberalen Gottesdienste. Er wies an Hand zahlreicher Beispiele nach, wie im liberalen Gottesdienst die Tradition nicht zerstört wird, sondern das wahrhaft Gute der überlieferten Melodien in geläuterter Form dort zu Gehör gebracht wird. Sulzer und Lewandowski gebührt das Haupt verdienst au dieser Entwicklung. Die Beispiele gab der Redner durch die Gegenüberstellung der Thora- Borlernng im liberalen und konservativen Gottesdienste, durch den Vortrag des Psalm 180 in der Melodie des „Kol nidrei“, der „awaudoh" im Gottesdienste des Bersölmungstages und vieler anderer Melodien mehr, immer durch Herrn Organisten Altmann verständnisinnig begleitet. Die Leiterin der Versammlung gab, nachdem der reiche Beifall der tiefergriffenen Zuhörer verrauscht war, den Dank aller für die Weihestundc, die uns die beiden Herren verschafft hatten, beredten Ausdruck. / Wir hoffen, bald wieder unseren Freunden im Berliner Osten auf diesem Gebiete Anregung nnd Erhebung vermitteln zu können. Berlin. (Jüdisch-liberaler I ngendverein.) Am 18. März 1926 fand in der Fasauenstraße eine aut besuchte Veranstaltung des Jli statt, in der Hilde Bach (Gruppe Südwesten) einen Vortrag über „Religiöse Ethik in der Wirklichkeit" hielt. Die Vortragende ging aus von den allgemeinen Geboten der Nächstenliebe und Gerechtigkeit, die ihre praktische Auswirkung im Verhältnis der Klassen zueinander nnd in der Wohltätigkeit finden sollten. Obwohl unsere Ethik im Gegensatz zur christlichen Ethik nichts Uebermenschliches (nicht Feindeöliebe, sondern Versöhnung mit unserm Gegner) fordert, müssen wir doch immer wieder konstatieren, daß wir von einer Verwirklichung dieser ethischen Grundsätze noch weit entfernt sind. Man denke Kaiendnivm für die Zeit vom 3. t b. io. i. 1926. April 4926 Adar 5686 Sonnabend Sonntag NLontag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Sonnabend 4. 5. e. 7. 8. 9. 10. 19. Sabbat Ehvlham. Wochen-Mfchnitt: Schir baichirim 2. B. 8)1. Kap. 23, 12—24, 26 4. B. M. Kap. 28. 16—25 Haftarah: Ezechiel. Kap. 37. 1~>14 20. 21. 22. 28. 24. 35. 36. 4. Tag Cbolham. 7. Tag Peffach 8. Tag Pesiach, Seelenfcicr FestauKgang: 7.30 Nerunondiwerhe Wochen-Ahschnitt: Scheunni. Haftavah: Samuel II, Kav. 6.1—19 Gabbat-WuSgana: 7.37