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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-03-31 · 14 (31.3.1926) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
14 (31.3.1926)
Date
1926-03-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Uni» fite ganzen Operationen, beginnend von den Palästinaämtern in Europa und endend mit der Siedlungsabte tlrmg ficr zionistischen Exekutive in Jerusalem, bilden einen Reisen vorr Gottergebenbetten. Es wirb vornehmlich in Polen irr de» PalästinaLmtern die Befürwortung zur Erlangung fies Visumvon einer, scheinbaren Erfüllung der darauf bezughaLenden Bedingrmgen avbüngig gemacht. Zu denen gehört auch, daß die mit Zertifikat veteiltcn Pioniere irgendein für PaUi. stina in Betracht kommendes Handwerk vorher erlernen. ES wirb aber mehr als ein Auge zugedrückt, um nur die Zertifikate an den Mann bringen zu können. Die Betreffeuüen rühmen sich dann dessen, wie leicht es ihnen gelungen ist, den zionistischen Beamten zu überzeugen! Nicht anders ist cs mit den sogenannten Kapitalisten, hie zwecks Erlangung des Sichtvermerks den Beweis einer erfolgten Uobertragung von mindestens fünfhundert englischen Pfunds nach Palästina zu erbringen haben: auch hier gilt jeder Wisch als Beweis. Dies rächt sich natürlich bitter an den Reisenden, die nach Bisiernna ihres Passes mit verschmitztem Lächeln den ae na'S führten englischen Kontrollbeamten verlassen und die dann hier mit Schrecken konstatieren, das? in einem wirtschaftlich nicht erschlossenen "and selbst mit Geldmitteln und Sachkenntnis kaum etwas Rentables betrieben werden kann. Die SchiffSgefellschaften. denen der Palästinataumcl sehr gelegen kam. um ihre infolge des Abbaues der Amerikareisen im Ebbezuitand befindlichen Kassen füllen zu können, hätten leicht dazu veranlaßt werden können, der Beförderung der Auswanderer mehr Sorgfalt angedeihen zu lassen. Die zionistischen Funktionäre erachten dies jedoch für überflüssig. Sv müssen aufrechte" Juden es erleben, daß von ihren Konnationalen die Passagiere dritter und vierter Klasse — und das sind 90 Prozent -er Reisende» — aus fast allen nach Palästina führenden Linien eine menschenunwürdige Behandlung erfahren, die einem Biehtrcmsport gleichkommt. Es ist der Schiffsmannschaft so klar wie das Amen im Evangelium, daß die Auswanderer dritter und vierter Klasse (vorzugsweise die Repräsentantinnen des «schwachen Geschlechts) ausschließlich zur Belustigung der p. i. Matrosen dienen. Es ist. als würden sie vermuten, Palästina sei eine Etappe auf dem Wege nach Brasilien und Argentinien, und als würden sie sich daher über die Leichtglünhigkeit dieser Menschen ergötzen, welche es für eine Enbstatiott hinnehmen. Entschließen sich Emigranten nach einer fruchtlosen Vorsprache beim Schissskapitän «das», nach erfolgter Landung der Sache nachzugehen, io wird diese Sorge dann im Vergleiche zu den Nabrmrgssorgeir verschwindend klein und von einer nachfolgenden größeren Sorgenwelle überholt und naturgemäß darunter begraben. Zumeist aber denkt niemand ott eine weitere Verfolgung derartiger Vorfälle, weil eö als die „letzte Prüfung" von den meisten ohne Murren hingenommen wird, zum Schaden der nachher Ankommenden. die in gleichem oder erhöhtem Maße das Zielobjekt groben Unfugs bilden. Nachdem die Kontrolle der Neisedotumentv vor sich gegangen. beginnt die schleppend langsame Landung in kleinen Ruderbooten. Hier möchte ich eines Leiters der zionistischen ZmmigrativnSabteiluug' in Jaffa lobend Erwähnung tun. ES ist Herr Eh. Feinberg, welcher durch sein entgegenkommendes, konziliantes Benehmen dieser Misere einen beträchtlichen Teil ihrer Schürfe nimmt. Wer da glaubt, ein Immigrant könne beim Betreten palästinensischen Bodens seine eigenen Wege ungehindert einschlagen. der siebt sich darin gewaltig getäuscht. Man ist >da noch einer Reihe von Prozeduren ausgesetzt, die man summarisch die Reinigungsprozedur nennt. Es werden die heiMmend primitivsten Einrichtungen eines Bades ansgekostct. Währenddessen greift eine Negerhand nach den KMduugS» und Wäschestücken, ballt sie zusammen und schiebt sie in den DeSinfektionSgpparat. um nachher ein undefinierbares Etwas herauszuzerren. Das ist es. ivas fite englische Negierung mit gelangrveiltcr, gentlemcmliker Gebärde aus dem Budgetüberschuß von einer Million Pfund jährlich bietet, ein Betrag, welcher durch den bevorstehenden Ausschluß der Juden aus der militärischen Palästina-Besatznugstrnppe eine weitere Erhöhung erfahren wird. Und da wird von verschiedenen Parteien in England vbendrein gewettert, das Palästina- Menteuer nehme einett zu großen Kostenaufwand in Anspruch: mit anderen Worten: man könnte vielleicht den Luftweg nach Indien und den Landweg nach Persien mit weniger Spesen beherrschen! Zu bemerken wäre noch, daß diese „Reinigung" um den Einwanderern dritter und vierter Klasse gilt, und zwar als Mwehrmtttcl gegen tzie Hereinschleppttug ansteckender Krank, heilen. Bei erster und zweiter Kajüte Fahrenden ist öic?c ■WBWiwtwwBBwiwH—BWw—w—gaBMBBW iiMiiimmiancgiaMWBi Jüdische Weltfinanz? Bon Dr. Hugo N a t h a »s o ü u. Trotz der Vielgestaltigkeit der völkischen und autiiüdsichen Programme gewinnt man heute mehr und mehr den Eindruck. daß der Antisemitismus in Deutschland, soweit er in die Gedankenwelt breiter Volksmassen eingcdrnngen ist. in der Hauptsache im Wirtschaftlichen wurzelt. Man kann diese Dinge freilich nicht mehr einfach mit dem Schlagmort „Konkurrenzneid" abtun. Me fast alles in Deutschland, ist auch der Judenhaß durch theoretische Systeme wissenschaftlich vertieft worden. Schließlich kann man mit wissenschaftlich verbrämten Theorien alles beweisen, warum nicht auch den antisemitischen Hauptlehrsatz. daß das Judentum ldas sich jeder Autisennt bekanntlich alö eine scstorganisiertc, von einer Zentrale aus geleitete Einheit vorstellt) in allen Länfiern. ganz besonders aber in Deutschland, ein Feind des Gemeinwohls sei und darum anögervttet oder zum mindesten gewaltsam seiner angeblichen Wirtschaftsmacht beraubt werben müsse. Derartige Lehren sind umt itt der Regel mindestens ebenso sehr ein Gegenstand fies Glaubens wie des Wissens. Wer von vornherein jeden Inden für einen Feind und einen Schädling hält, dem wird ntan auch mit wissenschaftlich schwach begründeten Argumenten leicht beweisen können, daß altes Unheil, das sich in der Welt ereignet, allem oder in der Hauptsache von den Juden stammt. Wer die vseudowifsettschaftlichen antisemitischen Wirtschastöiheorien wirken schließ, llch nicht allein auf die parteimäßig organisierten, überzeugten Völkischen, sondern auch auf die große Masse der Indifferenten, fite nicht selten aus den antisemitischen Propagandaschrifren Belehrung und wahrheits- * gemäße Unterrichtung beziehen zu können glauben. Der Respekt vor allem, waö sich Wissenschaft nennt, und was mit Zahlen. Tatsachen und Statistiken arbeitet, iit bei uns noch immer so groß, baß auch objektiv Denkende bisweilen von dem glänzenden Schein -er Theorien eines Fritsch. Rosenberg. Müller von Hausen u. a. sich beeinskusien lassen, weil sie nicht in der Lage sind, die dort behaupteten und zur Begründung der antisemitischen Lehren benutzten Tatsachen auf ihre Richtigkeit nachvrüfen zu können. Deshalb ist eL wichtig und notwendig, daß Männer, die mit de» Tatsache» des Wirtschaftslebens durch Studium un& Praxis wohlvertraut sind, der völkischen «Wissenschaft" auf ihr eigenes Gebiet folgen und ihren Behauptungen einmal die nackten Tatsachen gegenübcrstellen. Eilte solche Maßnahme überflüssig, da sich der Bazillus vor dieser Menschensvrte in gebührender Entfernung hält. . Wer auch dieses Martyrium hinter sich hat. strebt nun seinem Bestimmunaspunkt entgegen, wo er sich dauernd ttioderzulasien gedenkt. Aber da stößt man auf die Haupt» schtvierigkciten. Wer »och vorher zu Hause bet der von der Zionistischen Exekutive ins Leben gerufenen BodenankaufS- Gesellschaft Grundbesitz erworben und densevben ganz, oder nur teilweise bezahlt hat. dem passiert eS fechr häufig, daß er von seinem Eigentum nicht Besitz ergreife« kann, weil man ihm nicht anweiscn kann, wo sich dieser Landslecken befindet. Man hat allerdings an mehreren Stellen zu gleicher Zeit mittels Mschlagzahlung attgekauft, doch sei ein Vertrag noch nicht abgeschlossen, der Kauf resp. der Verkauf von den Arabern angesochtcu u. a. m. Es isi wohl nicht ausgeschlossen, daß an irgendeinem Punkt der Verkauf in Kraft treten wird, doch dürfte in diesem Falle den Fellachen eine Nachtr«rgsentschädignng gebühren. Kurz: man bat auch da die Vorsehung mit unbeschränkten Machtbefugnissen ausgestattet. Wo es gilt, einer Gruppe von Ebaluzim Erde zwecks Bebauung zu Übergaben, da wird gleich ein neuer SiedlungKpnnkt geschaffen und dieser „Fortschritt" in die Welt getrichtert, anstatt einer um ihre Existenz rinsenden Ansiedlttng durch Zusührttng netter Geldmittel und unverbrauchter Kräfte stützend ltnter die Arme zu greisen. Da konnte man auch den durchgebcuteltcn Malariakranken eine verdiente Atempause gönnen! Aber das wäre dann in den Augen der Welt kein Borwärtskommen, wenn die Anzahl der Farmer nicht ziffernmäßig gewachsen ist. So werden zwei Tische mit je drei schwächlichen, bedenklich schlotternden Beinen gezimmert, anstatt an die Anfertigung eines solchen mit vier tragföhigett Beinen zu denken. Es sind 26 Siedlungen in Palästina aus Rationalsonds-- boficn, welche der auSgiebiaen Hilfe -ringend bedürfen, darunter auch solche, die bereits IS Jahre und mehr sich halten und deren Sein oder Nichtsein von diesem Beistand abhängt. Ich will da eine von vielen hcrausg reifen: Im Tale Jcssreel. am Fuße des Berges Tabor, befindet sich eine Kwuzah leine Gruppe mit gemeinschaftlicher Produktion und Konsumtion), welche mit Keren Kaiemetch- und Keren .Hajessod-Geldern lBoöcnsonfiS und Aufbaufonds) errichtet wurde. Diese Kwuzah wird Markenhof genannt, nach dem gleichnamigen GutÄhof unweit Freiburg in Baden, in welchem der überwiegende Teil der Kwuzahmitglieder seine landwirtschaftliche Ausbildung empfangen hat. , Diese Farm wurde vor vier Jahren gegründet, und vor VA Jähreu hat man die Zeit für gekommen angesehen, den 30 Mitgliedern zu überlassen, nach individueller Auffassung sich und das von ihnen bewirtschaftete Land „über Wasser zu halten". Das lebende Inventar geht infolge Mangels an Futtermitteln zugrunde und kann schon jetzt das Minimum an Arbeit nicht hergcven. So ergeht es den Tieren, aber auch die Menschen dort sind kaum besser daran. Die Rattenplage nimmt überhand: nach vollbrachter Tagesleistung sinkt man ermattet anss Bett und muß die ganze Nacht auf dem qui vive vor den Angriffen der Riesenratte» lüie einzigen, die dort gut gedeihen) sein, weil e» an Geld zur Anschafstntg von Vcrt'ilgungsmittcln mangelt. Man verwendet lieber in der zionistischen Organisation Gelder zur Aufführung Potemkinicher Dörfer als für diesen entlegenen Punkt, wo kein Rothichild-Bcsuch zu erwarten ist und mphtn sich kein Fuß schriftstcllcrndcr Touristen so leicht verirrt. Die junge» Juöenklnder. deren aufopfernde Hingabe ungeteilte Bewunderung wachrnscn muß. schreiten demnach einer düsteren Zukunft entgegen, und davon wird gar nichts yti* laiitbart. Das Los der anderen unterscheidet sich nicht Wesentlich davon. Wenn dann so eine Persönlichkeit, deren Meinung in die Wagschale fällt, derartige Gegenden streift, da ist eö Sache seines Begleiters — eines von der Zionistischen Exekutive Abhängigen — einem ungünstig wirkenden Anblick vorzubeugen, indem ein weiter Bogen uw Klippen dieser Art gemacht wird: wird aber wider Erwarten dort dennoch eingekehrt. da werden die Geplagte» mit einem Wink dahin instruiert, ja nur wie beim Photographen ein recht freundliches Gesicht zu machen! Dieser Forderung wird auch prompt entsprochen, tveil sie es im Interesse der guten Sache zu tun vermeinen. Der hier gegenwärtig weilende General von Schoenaich. ein Führer der Demokraten in Deutschland, wird mm in Palästina von zwei Zionisten geführt. Man kann ans das Ergebnis begierig fein, richtiger gesagt: man hat schon setzt den Sttl dieser Schilderungen vor Augen... So wird der Aufbau Erez Israels von Gvttergebertheit getragen, während die Weiz-manie unter der Last des Mögen Doviö zutammenvricht. Tel-Aviv. 12. März 192V. kritische Zerpflücknng der antisemitischen uud völkischen Legenden über die Rolle, die die Inden im deutschen Wirtschaftsleben spielen, unternimmt Richard Lewins o h n in seinem kürzlich erschienenen Buche „Jüdische Weltsinanz".*) Der Verfasser ist in weiteren Kreisen bekannt geworden durch die teilweise glänzend geschriebenen kritischen Betrachtungen der wirtschafts- und sinanzpolitischen Zeitgeschichte. die er unter dem Pseudonym „Morus" in der „Weltbühne" veröffentlicht hat. Sein größeres Buch „Die Umschichtung der enropätschen Vermögen" (Verlag S. Fischer 1925), das namentlich die Wirkungen der Inflation und der Deflatton auf die Vermögensverteilnug nnd Vermögens» bildnng untersucht, hat wegen seines reichen Tatsachenmaterials und seiner leichtvcrständlichcn. niemals trockenen Darstellungsweise eines an sich schwierigen Stoffes einen großen Leserkreis gefunden. Ans diesem Buche des Wirtschaftskritikers Morus stellt das vorliegende, das die Wirkung der großen VermögeuSnmschichtnng ans die jüdischen Vermögen einer besonderen Betrachtung unterzieht, gewissermaßen einen Ausschnitt dar. - Lewinsohn knüpft an das oft mißverstanden und noch öfter mißbrauchte Wort Walther Natbenaus von den dreihundert Wirtschaftsführcrn. die die Welt beherrschen, an. Bekanntlich hat Ratbenau niemals gesagt oder geglaubt, daß diese Beherrscher der Weltfinanz alle oder auch Nur in der M c h r z a h k Juden seien. Für die völkische Propaganda ist das natürlich eine Selbstverständlichkeit, die erst keines Beweises bedarf, nnd der wirtschaftlich orientierte Antisemitismus folgert hieraus ohne weiteres das Vorhandensein einer jüdischen Weltherrschaft, dessen Träger die dreihundert jüdischen Wirlschaftsführer sein tollen. Hieraus tvird dann wiederum ans Grund oberflächlicher Beweisführung geschlossen, daß die Juden nicht nur die Besitzer fast aller großen Reichtümer itnö Vermögen in der Welt, sondern auch die eigentlichen Kriegs- und Jnflationsgewinnler seien. Auf dieser schwachen Grundlage läßt sich daun leicht die völkische Lehre aufbauen, daß am Krieg wie an der Inflation, also an dem ganzen Unglück des deutschen Volkes die Juden schuld seien, die ja angeblich durch die Vorgänge, die das deutsche Volk ins Unglück gebracht baden, ihren kolossalen Reichtum erworben haben sollen. Demgegenüber weist nun Lewinsoü» an Hand eines intersssartten und zugleich beweiskräftigen Tatsachenmaterials nach, daß der Reichtum der Juden nicht allein von den Antisemiten, sondern *) Jüdische Wcktfittanz? Von Richard Lewinsohn (MoruS). .Hoffman» & Campe. Verlag. .Berlin-Hamburg. »Kleinigkeiten" aus Palästina. I. Arb eitSversor gung. I« hebräischen Tagelb'latt .Haaretz" stand eines TageS eine Notiz: „Die KommMvn für Arbeitseinteilung in Jerusalem Letzandelte in ihrer letzten Sitzung die Frage der Arbeitsbeschaffung fitr die Cbaluzim (Pioniere) während der WinterlRegen-) Monate, in welchen eine Verringerung der Bautätigkeit erfolgen wird. Der Befürchtung eines Arbeitsmangels — beißt cs dort — fehlt zwar jeder Grund, weil dann in anderen Wirtschaftszweigen nach Arbeits- Händen gefragt werden dürfte, immerhin mußte diese Frage zur vollständigen Sicherstellung auf die Tagesordnung gebracht werden." Vorstehendes, rvelches ich aus dcur Gedächtnis sinngemäß zitiere, war im August v. I. in obiger Zeitung zu lesen, mithin in der Blütezeit der Bauvewegnug. Das Resultat dieser Erörterung wurde nicht in der Oessentlichkeit bekannt. Wenn wir also h^ute vor einer Zahl von AM Arbeitslosen stehen, eine Ziffer, die in stetem Wachsen begriffen ist. so könnte der oibcrflächlich Denkende sagen, sicherlich ist cs seinerzeit detr Herren nicht gelungen, das ArbeitSmarktproblem, wenn auch nur vorübergehend, zu lösen: daher auch das Fehlen jeder Betanntgabe des Ausganges dieser Verhandlung. Ten Gedanken einer bewußten Irreführung durch das Komitee oder die Presse wird so ei« Oberilächler weit von sich weisen. Und dennoch ist dem so trotz der sophistischen VertuschUttgöluisfe der Presse, wodurch die Mit-? täterschaft transparent geworden ist. Zugegeben mm, man stand der ^cotwendigkeit der Arbeitsbeschaffung ohnmächtig geclenüber, wie kommt es dann, daß man neuerdings 16 000 Arbeiter bei der Palästina- Regierung angesprochen? Oder besser: Wie kann matt von einer bevorsiehenSen AvbeitSknappheit für die Zukunft sprechen angesichts eines unantastbaren Faktums, daß in der Gegenwart (im August), bei Errcichtmg des Höhe^ Punktes im Baugewerbe, 2000 Arbeitslose zu verzeichnen waren, die man einfach nach der bewährten Straußpolitik ignoriert? Schon zum xtenmal bekomme ich den stcreoüipen Einwand zu hören, es ist hier »oft niemand Hungers gestorben! Dies stimmt nur iusoferu, als cs die Betreffenden wörtlich verstehen, daß ttämlich ein Arbeitsloser 3—1 Tage keine Nahrung zu sich nähme, um als Folge davon zu ttetfbctt, dies kommt nicht vor. wohl aber, daß Leute an den Folgen der Unterernährung dem Tode entgegensiechen. ist kein EiuzelvorkommniS. Hunger ist kein sürnellwirkendes. auch nicht schmerzersparendes Gift. Wem da in der Krisezeit vor zwei Jahren der Tod aus „Raten" nicht sonderlich znsagte. wer nicht fünfural täglich den Tod erleiden wollte, der fand einen solchen rascher tmfi einmalig in den MeereSwellen. II. A rbei t'sb c da rf. Herr Simche Pietruschka, Palüsttna-Wirtschasts-Bertchterstatter des Warschauer ,^>ajitt". wollte eine Autotour in der Umgebung Tel-AvivS unternehmen. Man muß ja von Zeit zu Zeit „ganz Palästina" bereisen, weil man erstens hierfür Diäten in Anrechnung brinat. zweitens ist es besser, man begegnet einem nicht so häufig in den Straßen Tel- Avios promenierend. Man könnte sonst auf die Idee kommen (ein Publikum hat auch manchmal Ideen, zu seinem Glück nicht allzu häufig), zu fragen: Wie kann Herr Pietruschkka über die verschiedenen Fortschritte in den entferntesten Landesteilen Palästinas informiert fein, wo er sich gar nicht herausrührt? Also ist ein manchmaligeS Verlassen Tel-?lvivs eine Notwendigkeit. Ztt seinem Aerger. konnte er gerade keinen Kraftwagen für diesen Zwecks finden. Er äußerte seinen Unmut einem Passanten, Zeuge seines Gespräches mit einem Kraftwageninhaber war. Der aus Höflichkeit getreulich mitwetternde Passant war von der Meinung durchdrttngen, es stehen dem Verkehr zu wenig Verkehrsmittel zu Gebote. — „Wie. auch Sie haben den Mangel an Autos wahrgenommen? Das ist ja übrigens die öffentliche Meinung." — Sagte cs, schüttelte der „öffentlichen Meinung" die Hand und entfernte sich. Nachher schrieb er dem ,^ajnt", es herrsche in Palästina eine stürmische Nachfrage nach Wagenlenkern. Als Folge davon haben in vielen polnischen Städten zu gleicher Zeit jüngere mtfi ältere Juden sich dem Cbanffenrfache zu widmen begonnen. Der Eifer ivar ein unbezähmbarer, und die Zahl derer ist — wie mir ein Glaubwürdiger „eigenhändig" versichert — auf 660 gestiegen. Nun fand es Herr Wohlmann, Verichterstatter des „Moment" (und kein Chauffeur), an der Zeit, zu bremsen, indem er seinem Matte schrieb, es könnten allerdings Kraftfahrzengsührer hier Beschäftigung finden, doch nur sechs! von der öffetttlichen Meinung überhaupt gewaltig überschätzt wird. Unter den 44 reichsten Männern der Welt, die der Engländer James »Jurttlen namhaft gemacht hat. befinden sich insgesamt nur 0 Juden, von denen 5 dex weitverzweigten Familie Rothschild angehören. Tns Vermögen des Bankhauses Rothschild aber, das meistens viel zu hoch angegeben wird hat mit dc^ Entwicklung der Niesenvermögen in den letzten Jahrzehnten längst tncht mehr Schritt gehalten und stellt heute zum mindesten schon altererbten und fundierten Besitz dar. Unter den 10 reichsten Männern der Welt, die in der englischen Presse anfgezählt werden, befindet sich nicht ein einziger j ii d i s ch e r N a m e. In einer Zusammenstellung der größten Vermögen in Preust en. die von einem der besten Sachkenner, dem früheren RegrerungSrat Martin, ans Grund der Einkommetr- und Bermögensstenerstatistik angefertigt worden ist stehen an den 12 ersten Stellen nur -3 Inden, darunter wiederum zwei Angehörige der Familie Rothschild. An der Spitze der Liste werden genannt: Frau Krupp von Bohlen nnd Halbach, Fürst Henckel von Dvnnersmarck. Fürst zu Hohenlohe- Oehringen und (nach dem Freiherrn v. Goldschmidt-Rothschilö) Fürst von Pleß sowie Graf Schaffgotsch. Unter den 233 preußischen Millionären mit einem Vermögen von mehr als 10 Millionen Mark, die Martin verzeichnet, befinden sich nur 40, die Juden oder irgendwie jüdischer Abstammung sind. Die Zahl der großen jüdischen Vermögen ist also, wenn man die Dinge einmal nachprüft, überraschend gering. An dieser Vermögensverteilung haben auch Weltkrieg mtfi Inflation nicht das geringste geändert. Eine in neuester Zeit in Amerika veröffentlichte Liste der zwölf reichsten Männer der Gegenwart umfaßt einen einzigen jüdischen Narnen (Otto H. Kahn). Wenn einzelne Inden im Kriege oder in der deutschen Inflationszeit reich ge* worden sind, so zweifelüiS noch viel tnehr dttchtiuden. DaS geht schon dgraus hervor, daß die durch Kriegslieferuugen und NahrnngSnot am meistert bereicherten Jndustriennd Handelszweige sWaffen, nnd Munitwtisfabriken. Schwereisenind'.tstrk-e, Lebensmtttelhanüel) im allgemeinen verhältnismäßig wenig» jüdische Betriebe nmiassen. Auch während der Inflation, die ja namentlich das industrielle Kapital, und besonders das nichtiüdische schwerindustrielle, auf Kosten des Geld- und Bankbavitals anschwelle» ließ, befanden sich gerade üt denjenigen Berufs zweigen, in bene» die größten Berbtenstmöglichkeiten vorhanden waren durch, weg wenig Juden. Obgleich aber da- Ergebnis den Inflation in bezttg auf die -Bermögensvertetlung aner-

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