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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-03-26 · 13 (26.3.1926) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
13 (26.3.1926)
Date
1926-03-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Daß eS für Herrn M. „kein Vaterland mehr" gib^. ist bedauerlich. Bedauerlicher aber, daß dies in der „Jüdischliberalen Zeitung" gedruckt wurde. Ich nehme an. es wurde nur übersehen iLnm. d. Red.. Durchaus nicht. Der Herr »"lasser hat den Satz aus de« Zusammenhang gerissen I» Hans Margoltu- Aufsatz MB erwaS wma anderes, das wer -ur Vermeidung von Mißverständnissen wiederholt sei: «Wer eS gibt keine Utrtege^. egibt auch kein „Vaterland" mehr. «» seiner Stelle sind heute die drei: Heimat — Nation und Staat. Und die Heimat ist ein engste» Stück Erde. Kundschaft, jenseits der Länder und «Jm Wt ihrer Grenzen. Und der Gedanke der Nation ist ei« Gedanke kultureller Gemeinschaft, um die keine Kämpfe mehr gebe». Nur die Staaten führen noch Kriege: aber bas sind nicht Kriege jener treuen Zeit der Vaterländer, nicht Kriege um Gehalte der Kultur sondern künstlich konstruierte Massenmorde unter dem Banner der vekonomte — dazu ihrem Zweck kaum anaepaßttt Undegreifltch ist mir wie Herr Dr. .GotttLalk eine Verherrlichung der rohe« Kraft sieht. wenn wir die „jüdischen Flieger" verherrlichen, Ich halte es für eine Profanierung, ne in einem Atem mt dem „Vorklub" zu nennen. Der Bvrkluh treiht Svort — „Wettstreit", „Ertüchtigung" des Körpers. Die „jüdischen Flieger" Leweisen. dag eS etwas Höhere« gibt als daß bloße Leben ohne Anhalt; denn ste setzten -ihr Leven ein für ihr Vaterland, für die deutsche Gesamtheit — Nicht StaatSgefetze. auch nicht Hinweise auf die Religion, die sehr wohl die Notwehr des einzelnen wie di« eine- Volke» billigt, werde« alte deutsche Gebräuche, die auch vielen von uns jüdischen Deutschen selbstverständlich sind. auS der Welt schaffen. Nein füllt das Sehen jedes einzelnen mit einem Anhalt, daß es lesenswert ist. erzieht die Menschen so. daß eS zu Konflikten, die das Aeubertte herbeiführe«, gar nicht kommt, achtet den Gegner, den persönliche», politische«, religiösen stets noch als gleichwertigen Menschen, hetzt in Zeitungen nicht eine Klaffe gegen die andere und kämpft mit anständigen Waffen — dann wird die letzte Waffe tm persönlichen Kampfe bald in der Tasche rosten. AlS Student gehörte ich ein-em akademischen Verein mit unbedingter Satisfaktion an. VerabredunaSmeniuren wurden. gern gesehen Ach lehnte ste ab: denn ich fand eS nicht nötig, sich zum Sport das Gesickt zerhacken zu lassen. Und doch muß ich jetzt ihnen erzieherischen Wert zuaesteben. Vom Standpunkt der unbedingte« Satisfaktion werden wir deutschen Studenten und Alten Herren aber nickt weichen. Nicht die Jude«, die betend den Scheiterhaufen betraten, tzien unser Vorbild, sondern die Makkabäer, die für ihre Religion, ihr Vaterland, ihre Familie geistig und körperlich kämpften, oder die Freiheitskämpfer Deutschlands Körner und die ProckaSLa — Stein und Hardenberg, denen Freiheit nnd Vaterland den Lebensinhalt gaben. Und seien wir glücklich, wenn e« genügt, für diese Ideale mit geistigen Waffen zu kämpfen. Die Juden in China. Bon S. Wolff. Bis in die letzte Zeit halben jüdische Gelehrte nur wenig Interesse für da» Lehen und dte Existenz chinestscher Juden gezeigt. Sogar der bekannte Reis-eforscher Benjamin von Toledo, der auch in China war. hat in seinem Buche gar nichts von den dortigen Juden erwähnt. Dte ersten, die die jüdischen Gemeinden in China entdeckt haben, waren die Iesutten. Währender Zeit -er Königin Elisabeth hat die römische Kirche Missionare nach China gesandt. Der Pastor Riki. einer der wichtigsten Missionare, war der erste, der im Anfang dev 17. Jahrhunderts in Nom von der Existenz einer jüdischen' Kölosiii» In China erzählte. Die europäischen Juden haben nur spärliche Nachrichten Über das Lebe« -er chinesischen Juden erhalten. Der marokkanische Rabbiner Moses Vbreki lieh tm Jahr« 183« ei» Werk erscheinen, da» auch ins Englische übersetzt wurde, in dem er den Brief des jüdischen Gelehrten Izchök Nieto in London erwähnt und behauptet, daß die chinesischen Juden denselben in Chinesisch und Hebräisch erhalten und beantwortet haben. Auch im Jahre 1813 hacken einige englische Juden an die Juden Chinageschrieben, jedoch keine Antwort erhalten. — Srnt Jab re 1842 begann der spätere Gesandt« in Jerusalem James Fim sich für die Lage der Juden in China zu interessieren. In feiner Broschüre, die erst tm Jahr« 1872 unter dem Namen „Die verlaffene jüdische Kolonie in China" erschienen ist. brinat er einen Brief, der in Chinesisch und Hebräisch an die Juden Chinagerichtet worden ist. Im Jahre 1870 wurd« er erst beantwortet. In dem Briefe klagen die chinesischen Iptzen über ihre materielle und geistige Not. auch sind alle ihre Gelehrten und Führer gestorben. ko bast sie geistig vollständig verarmt wurden. Im Gegensatz zu den japanischen Juden, die behaupten und beweisen, baß ste von den zehn Stämmen stammen, konnte man unter den Mitgliedern der alten Gemeinde in China weder in der alten Literatur noch in den ehemaligen Dokumenten darüber etwas finden. Jedoch behaupten die Chinareisende« der letzten Zeit, baß die Juden Chinas genau wie die Japan» nach dem Niedergänge des syrischen Staates nach dem Osten Asiens gegangen sind und sich in China uiedergelaffen baden. Im Jahre 1899 teilte der Sekretär des „Asienvereins" in Schanghai folgendes über die chinesischen Juden mit: „Bon der iübtschen Kolonie, die in verschiedenen Städten zerstreut ist und deren Angehörige sich als Seidenweber beschäftigen. sind vicle Familien zum Wohlstand gekommen. In der Umgebung von Kaifongfn. in der Stadt Tang Tschuang. befindet sich auch einjüdische Kolonie. Dte Juden, die hier wobnen leben sehr glücklich. Ihr Beruf ist Seidenweberei. ihre Produkte führen ste nach Peking aus." Genauere Nachrichten kamen im Jahre 1900 von zwei Kaufleuten die in Schanghai lebten. Lewis Mor und I. S. Salomon Sie berichteten, daß einige hundert Juden sich noch in Kaifongku und Umgebung befänden, die jedoch schon damals nur noch dem Namen nach Juden waren. Sie liehen sich vor vielen hundert Jahren hier nieder Gwaren acht Familien, die sich Li. Tsckang. Eli Tjchao Gckih, Kao. Fuh und Le nannten. Früher waren sie die reichsten und vornehmsten aller Einwohner: jedoch durch innere Streitigkeiten ist ihre materielle sowie geistige Existenz allmähl'ch gesunken, so baß sie jetzt in großer Armut leben. Bon der jüdischen Religion und dem Glauben wissen sie sehr wenig: wie es scheint wissen sogar viele nickt, woher sie stammen. An der Stelle wo ihr prachtvoller Tempel stand, befindet sich nur noch ein einziger Stet« -- der einzige Zeuge des Gottes ~~ der Gott der Wahrheit. Auf diesem Stein sind die Namen Adam Abraham MoseS »sw. lowider Inhalt ihrer Religion und ihre- Glaubens auSaemeißelt. Dieser Stein soll vor 200 Jahren aufgestellt worden sein. Obwohl sie die jüdisch«» Sitten und Religion nicht beachten, dienen sie auch den fremden Göttern nicht. Dagegen gehen sie alle Mischehen mit der örtlichen Bevölkerung ein. Ausführlich über die chinesischen Juden, über ihre Vergangenheit und ihre Zukunft schreibt N Niwkes. der un, längst in China war und dort einige Jahre gelebt hat, folgendes: „Als ick 1917 nach China kam, wo ich mehrere Jahre lebte, batte ich für da» Problem der chinesischen Juden starkes Interesse. Obwohl ich verschiedene Städte und Provinzen bciuane. yatte ich. anher in zwei Fälle« nte Gelegenheit, mit chinesischen Juden in Berührung zu kommen. Nicht einmal die fremden Juden, die schon lange in China leben, konnten mir irgendwelche Angaben über -te Juden in China machen. Nur einmal, das war im Jahr« 1019. als ich mich mit einer Gruppe jüdischer Lehrer des Chgrbiner jüdischen Gymnasiums während der Ferien in einem kleine» Städtchen in der Mandschurei unter dem.Name» Jo-ntm aufhielt, kam ein Lehrer vom Marktplatz und erzählte mir. dass er einem wirklichen chinesischen Juden vegegnet war. Daraufhin besuchte ich sofort den chinesischen Inden, mit dem Ick halb bekannt wurde, und wir liehen unS in eine lange Unterhaltung ein. Zu meinem Bebauern konnte ich aus der Mnzen Unterhaltung nichts Besonderes erfahren. Der chinesische Jude vehauptete, daß er Jude sei und an den jüdischen Gott glaube: auch waren ihm die jüdischen Feiertage: Passah. Rosch- Haschona und Jom Kipur VeSannt: ebenso kannte er dte hebräischen Buchstaben. Vom jüdischen Leben al» solchem wußte er gar nichts. Auch waren ihm die jüdischen Gesetze und Sitten vollständig unbekannt. Bon der hebräischen Sprache hatte er etwas gehört, ft« jedoch ni« beherrscht. Da» Alphabet kannte er nur alS Ziffern, deren er sich tm GeschäftSleben bediente wie einer Chiffre. Set» Vater war Chinese — stammte von ehemaligen Juden ab —. seine Mutter dagegen war «ine — Bnddhtstin. Dieser chinesische Jude besäst keine besonderen jüdischen Merkmale. Er war seinem Aussehen, seiner Kleidung, seiner Lebensart, seiner Denkungsart und seinen Begrtffen nack — durchaus ein Chinese. Und gerade auf dem Marktplatze. wo er ein Ladengeschäft besaß, unterschied er sich absolut nicht von den übrigen Chinesen. Einem zweiten Juden begegnete ick mehrere Jahre später in Schanghai, in der Svnagoge. die sich in der französische« Konzession b«ftnbet. Dieser chinesische Jude hatte vom Judentum und vom jüdischen Leben eine gewisse Ahnung, er beherrschte sogar die hebräisch« Sprache. Jedoch genoß er seine jüdischen Kenntnisse von den westeuropäische» Juden, die Mitglieder der Synagogengemeinde waren und mit denen er alS Schämest lTemvelbiener) tagtäglich in Berührung kam. Dies waren alle chinesischen Juden, bi« ich in China während meines vierjährigen Aufenthaltes zu sehen bekam. Bon b-em zweiten chinesischen Juden erfuhr ich. daß sich bis vor kurzem in Kaifongfu «ine jüdische Gemeinde von chinesischen Juden bekunden hatte: sie besäst ein« schöne Synagoge, jedoch zerfiel dies« Gemeinde vollständig. Ferner erzählte er, daß in ganz China nichtvon den einstigen Gemeinde» der chinesischen Juden geblieben sei. und dt« kleine Zahl der übrtggeblievenen Juden in Kaiiongsu nur einen Rest der echten chinesischen Inden darstellen. Gegenwärtta kan« man in China nicht mehr als einige hundert chinesische Juden finden. Dte chinesischen Juden sind mehr dem Namen nach Juden als nach ihren Taten. Unlängst erfuhr ich. daß die Kaifongfuer Juden ihre fel* tenen Thorarollen mit den verschiedene« alten Schriften au Mtsstonargesellschaiten verkauft haben. Verschiedene Forscher, größtenteils die Missionare des fernen Osten-, haben sich stark für die chinesischen Juden interessiert und sie meiuen. daß in her biblische» Epoche China bei de» Juden schon al» bas Land „Sinim" bekannt war. wohin bi« Inden auSwandelten und schon tm ersten Jahrhundert vor Christi sich niederzulaffen begannen. Jeboch find dies nur Vermutungen. Mich persönlich interessierte eine ander« Anaelegenheit. Ich wollte nämlich erfahren, von welcher Rasse die dortige« Juden abstammen, ob von der seuntische» oder »o« der mongolischen. Ich wollte durchaus wissen, »h die rassereinen chinesischen Juden derselben Rass« wie wir entstammen und ob sie ttzr mongolisches AuSseSen infolge tbreS tausendjährigen Lebens unter dieser Rasse und durch die Mischehen erhalten habe», oder oh sie im Gegenteil rasserein« Mon- §olen sind, die durch de« Einfluß der persische» und indischen luden den jüdischen Glauben ttbernomme« haben. Doch konnte mir diese Frag« niemand beantworte«. Was ick da erfuhr, ist folaenbeS: Bor tausend Jahren befanden sich dort schon chinesische Juden, dte mit den persischen Juden in Verbindung standen. Die persischen Juden pflegten sie mit heiligen Schriften. Thorarollen und mit allen Dingen, die fte für ihre religiösen Bedürfnisse benötigten, zu versorgen. Im Jahre 1163 wurde die bekannte große und schöne Synagoge in Kajfongfu gebaut. Dieselbe Synagoge wurde einige Male umgevaut, und jedeSmal mußte mau dazu eine Erlaubnis von der chinesische» Regierung erlangen. Die letzte Erlaubnis die Synagoge umzuvauen, vergrößern und verschönern zu lassen wurde tm Jahre 1421 aus den Namen des chinesisch-jüdischen Arzte» Wen Tfchung, erteilt. Diese Synagoge stellt an und für sich ein sehr interessantes Gebäude oder, deutlicher gesagt, viele Gebäude dar. Der Stil derselben ist ein Gemisch von orientalischer und chinesischer Architektur. Wie ich mich überzeugen könnt«, haben di« chiuesischen Juden vor einigen Jahrhunderte« ein jüdisches Lebe» geführt: sie beherrschten auck bi« hebräische Sprache und waren sehr fromm. Im Anfang de« 17. Jahrhunderts interessiert« sich der Londoner Gelehrte. Rabbi Jzchak Nieto. für sie. her einen Brief in Hebräisch an sie gerichtet hatte, t« dem er sie bat. ihm genaue Auskunft über ihr Leben zu erteilen. Daraufhin haben ihm die chinesischen Juden einen ausführlichen Brief in Chinesisch und Hebräisch zugeheu lasse». Da sie aber jahrhundertelang von ber Wekt abgeschlossen waren und eS ihnen nicht aelang. mit Juden anderer Länder in Berührung zu kommen schloffen sie Mischehen mit den Chinesen und assimilierten sich derart, baß sie sich mit der chinesischen Bevölkerung vollständig verschmolzen haben. Von Zeit zu Zeit haben sie als Juden Zeichen von Leven und Entwicklung gezeigt, auch hege« sie den Wunsch, ein jüdisches Leben zu führen, sich zu der jüdischen Religion, z« ihren Gesetzen uns Sitten zu bekennen und sich auch mit be« allgemeinen Judentum zu verbinden. Sie batte« sogar zu diesem Zweck einig« Male ihre Vertreter der Kaifongfuer Juden an die svhardischen Juden von Schanghai gesandt. Die Gchanghaier Juden haben eine Gesellschaft gegründet. um diese zu unterstützen Sie haben sogar aus Kaifongfu einige junge Männer nach der Schanghater Gemeinde gebracht, die dort eine rein jüdische Erziehung genieße». Jedoch sind diese Bestrebungen nach meiner Meinung die letzten TobeSkonvulfionen. Die ganze Legendtz. daß in China Taufende, sogar Millionen von Juden lehr«, ist wirklich nicht mehr als ei» Märchen Doch wie kann ein Land von der Größe Chinas ohne Inden sein? China ist wirklich für Juden ein gesegnete- Land. I» religiöser Hinsicht ist China bas toleranteste Land der Welt. Die Chinesen selbst verhalte» sich zu allen religiösen Fragen sehr gleichgültig. In China machen auch Europäer die Vesten Export- und Importgeschäfte Nnd in Wirklichkeit erscheint in China ein neues jüdische» Element, bas mit der Zeit de« leeren Platz a«»fülle» wird, der «ach dem vollständige« Untergang ber ehemaligen chinesische« Juden sreigeblieSe» ist. Damit meine ich die Juden aus Indien. Perssen. Rußland. England und Kletnasien. die sich während der letzten 30 bis 60 Jahre in China niederzulassen begonnen haben." Aus den Gemeinden Beritt«. lvom engeren Rat des Preußische» Landesverbandes.) Am Sonntag, den 21. März, hielt der engere Rat de- Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinde« eine Sitzung ad, in der eine Reihe wichtiger Angelegenheiten beraten wurden. Ueber den Entwurf eines Normalstatutes für kleiner« Synaaogengemeinden referierte Rechtsanwalt Dr. Klee. Der Entwurf wurde einer aus drei Mitgli^ern bestehenden Kommission zur endgültigen Durcharbeitung überwiesen. Km Punkt Staat-Vethtlfe» wurde u. a. mitgeteilt: Der ans den Preußischen Landesverband aus der Unterrichts- Position entfallend« Betrag ist von dem Ministerium zur Auszahlung gebracht worben. Die Verteilung au dte Gemeinden erfolgt Mrch den Landesverband. ES besteht die Absicht, die Bertetluna in -er Weis« vorzunehmen baß der Betrag verwendet wird: »j zur religtonSunterrichtlichen Versorgung solcher Gemeinden, dte bisher überhaupt keinen Religionsunterricht have«. kj zur Ausveflerung der Gehälter der Lehrer, c) zur Entlastung überbürdeter Gemeinden. Die Derteilung der für die Rabbiner bewilligten Summe von insgesamt 200000 Mark hat sich das Ministerium vorbehalten. Zu dom Punkt: Wahl der Ausschussmitglieder wurde beschlossen. die Zahl der Ausschussmitglieder de» RechtSauSschusses auif IS festzusetzen und die Verteilung in der Weise vornehmen, dass vier Mitglieder aus ber Mitte de» Rates, auch aus dem DerbandStag, und drei außerhalb beider Körperschaften stehende Personen gewählt werden. Zu dem Punkt: Pä-agpa-tsche Akademie würbe nach einer sehr eingehenden Aussprache beschlossen, eine« Antrag an den Unterricht-minister zu richten, durch den die Einrichtung entweder einer basuntderen jüdischen Akademie oder einer MSdUdungSmöglichkeil für jüdische Kandidaten an einer Mmultananstalt gefordert ober aber -er Vorschlag gemacht wevden soll, dass der Landesverband von sich aus eine Einrichtung treffen wird, für die die Anerkennung seiten» des StxüiteS und die vywillig>una der erforderlichen Mittel r»erfctnflt werden soll. Im Zufammenhana damit wurde in ei mg ehender Weise dte Frage der Ausbildung jüdischer Reltgtonslehrer und KuttuSckeamten behandelt. Eine besondere Kommission soll mit größter Beschleunigung Vorschläge artsarbeiten. Der Münchener Ausschuß zur Beratung der Frage beK Rerchsverbanbes wurde bestätigt: für den Preußischen Landesverband werden an der am 36. April d. I. zusammentretend«» Sitzung di« Herren Kammergerichtsrat Wolff. Justizrat Blau-Frankfurt a. M.. Rechtsanwalt Dr. Klee. Justtzrat Ltlientyal und Bankier Galewsky teilnehmen, außerdem nach al» Sachverständige die Herren Rabbiner Dr. Baeck und Mittelschullehrer Stern. t lffl L r ES wurden Me folgenden Subventionen bewilligt: TuberkuHosenfürsorge 5000 M.. GErdetensürsorge 8000 Zentralwohlfahrtsstelle 8000 M.. Wanberfürsorge 2000 M.. Evauenbund 8000 M.. Kartell der Arbeitsnachweise 1000 M.. osptz Kissingen 500 M., HausHa-ltSschule WolfratShamen M M.. HaWaltSschule Frankfurt a. M. 600 M.. Professor SchneersoHn zur Anfertigung eines Grundrisses -er Heilpcboaaogtk lAntrgg der Z entra l w ohl sah r t s st e llej 300 M., Apologetische» Archiv für daS laufend« Jahr 8000 M. IbUtUuktt Asch'S Amtsiubiläum.) Der an der Snnaaoge Lützowstraße amtierende Oberkantor der jüdischen Gemeinde zu Berlin, Felix Asch, begeht am l. April sein SSjährigcS AmtSjubtläum. Wir wünschen dem verdienten Gemeinöebramten, ber eS in ausgezeichneter Weif« versteht, den Gottesdienst weihevoll zu gestalten, zu diesem Tage und für sein ferneres Wirken alles erdenklich Oute. Oberkantor Asch gehört der liberalen Richtung an und ist kür-tese stets eingetreten. t „ Berlin. lProf. Gold sch midt 60 Jahre alt.j Am IS. März feierte Prof. Rudolf Golbschmibt in Berlin. Direktor ber Hochfreguenz A.-G.. seinen 50. Geburtstag. Golbschmibt. geboren in Neubukow in Mecklenbnrg sollte zunächst Kaufmann werden, damit er einmal daS väterliche Geschäft übernehmen könne. Allein eS drängte ihn zur technische« Wissenschaft. und so setzte er es bei feinem Vater durch, dass er die Hochschule in Charlottenburg besuchen durfte. Auf dieser und später auf der in Darmstadt erwarb er sich di« wissenschaftliche Grundlage für sein« konstruktive Arbeit. Schon alS Student erhielt er sein erstes Patent für ein kettenloses Fahrrad Nach Abschluß des Hochschulstudinms arbeitete Golbschmibt einige Semester als Assistent hei Prof. Ktttler in Darmstabt. Nach mehrsähriaer Tätigkeit im Ausland kehrte er wiederum nach Darmstadt zurück, um al» Privatdozent an der technischen Hochschule tätig zu sein. Hier machte er dann die große Erfindung, die seinen Namen bald berühmt machte und ihn neben die ersten Autoritäten auf dem Gebiete der drahtlosen Telegraphie stellte. Er erfand die „Golbschmtbtsche Hochfreanenzmaschtne". mittels deren es zum erstenmal ermöglicht wurde, über den Ozean zu telegraphieren. Zum Professor ernannt, schied er aus seiner akademischen Stellung, um die Leitung der für den Ausbau seiner Erfindung begründeten Gesellschaft zu übernehmen und die beiden Großlunkstationen Eilvese in Hannover und Tuckerton bei New Aork einzurichten. Im Jahre 1914 gelang auf diesem Wege zum ersten Male ein drahtloser Telegrammwechsel zwischen Deutschland und den Bereinigte» Staaten quer über den Atlantischen Ozean Der drahtlose Verkehr zwischen den beiden Funkstellen wurde dann bis zum Eintritt Amerikas in den Weltkrieg fortgesetzt und einige Zeit nach Friedensschluss wieder ausgenommen. Bon Professor Goldschmidt, der auch ein guter Jude ist. dürfen wir noch manche Förderung der deutschen Technik erwarten. Cälvörbe. (Jubenfriedhof.j Der im hiesigen Forstorte Grieps neben dem Haffelburger Wege belesene, vor etwa 200 Jahren für die damals in unser« Ort wohnenden Iudenfamilieu eingerichtete Friedhof ist nack und nach in Verfall gekommen. Die Begrenzung des Friedhofs bildet nur noch ei» verhältntSmäßia tiefer Graben, da das noch vor Iasireu vorhanden« Staket vollständig verschwunden ist. Die Gräber bähen sich von selbst geebnet und befindet sich aus dem ganzen Friedhöfe schon ei» dichter, etwa zehn Meter hoher Baumbestand. Nur zehn noch vorhandene Grabdenkmäler lassen erkennen, baß dort ehemals em Friedhof gewesen ist. Nach der Inschrift des einen Grabsteines hat die letzte Bestattung 1879 dort stattgefunden. Elberfeld. lTod des Ehrenvorsitzenden der Gemeinde.) Die hiesige Synagogengemeinde bat einen schweren Verlust erlitten. Der ehemalige nnd lanamOrige Vorsitzende des Gemeinbevvrstanbes. Herr Albert Wenl. ist im 79. Jahre seines Lebens am vergangenen Freitag abend nach kurzem Krankenlager gestorben. Seine Beerdigung fand Movtag mittag statt bei einer Beteiligung von nah und fern, wie sie nur selten in ähnlichem Umfang sich zu vollziehen pflegt. Die eindrucksvolle Grabrede hielt Herr Rabbiner Dr Norden: im Namen der Gemeind« tnrach der Vorsitzende des Gemeindevorstandes. Herr Ph. Heym^nn, tiefempfundene Worte des ASschiedeS. und Herr Emil Grünebaum dankte dem Heimgegangenen im Namen de» Jüdischen Altersheimes Albert Weyl war ein Manu non zielbewusstem Willen und von pitter erstaunlich-n Ai-b^skraij. Er hat die Gemeinde emnoraefübrt zu all den MOg-, HHkeiten. die sie heute als Großgemeinde erscheinen lassen, i

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