Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 12 (19.3.1926)
- Date
- 1926-03-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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trat ftx htttetlteUj und außerhalb feinet Gemeinde durch zahlreiche Bortrage gewirkt. Bei aller Klarheit und Bestimmtyeu feiner Stellungnahme zeichnete ihn große Objektivität und weitgehende Toleranz gegenüber jeder anderen ehrrichen Ueoerzeugurg auS. fachliche Meinungsverschiedenheiten sind ihm nie zu persönlichem Streit geworden. Eine Eigenschaft verdient besondere Erwähnung, seine unbedingte Zuverlässigkeit und Treue. In Familie und in Freundschaft. in Amt und Gemeinde hat er st« zu jeder Zeit bewahrt. In Treue werden alle, die ihm nahe gestanden haben, sein Andenken wahren. Der ungarische Numerus Clausus vor dem Völkerbundsrat. Bon Siegfried JaeoSv. Berlin. Die Frage des ungarischen Numeru*'clau5u£»$cfe4e& (oßL Nr. 23 vom Jahre 1020) wurde dem Rat zum erstenmal t« September 1022 vorgelegt, und zwar, als LaS Ergebnis der Bittschriften, die im Namen -er Bereinigten ausländischen Komitees des jüdischen DeputiertenauSschusses, der Antflo Jewish - Association und der Alliance- IsraeJite-Universelle, unterbreitet worden waren. Dieses» Gesetz bestimmt unter anderen:, -aß für die EinschreUr« bewilligung an Universitäten und höheren Lehranstalten in Ungarn zu beachten ist, daß die Zahl der Studenten, die verschiedenen Rasten und Nationalitäten angehören, im Verhältnis zu der Zahl -er Einwohner steht, die diesen Raffen und Nationalitäten anaehören. und daß jede Raffe und Nationalität in einem MinüestverhältniS von nenn Zehntel ihrereGektiven Berhältniffes im Lande Ungarn vertreten fein soll. Der Rat des VöllerbunSos war sich zu jener Zeit öe- «ußt. -atz er zuerst in Erfahrung bringen müsse, in welcher Weise dabesagte Gesetz in Anwendung gebracht wurde und ob die gesetzmäßigen Rechte der Minderheiten bei der Ausführung des Gesetzes außer acht gelassen würden. Dementsprechend sandte die ungarische Negierung zu verschiedenen Malen diesbezügliche statistische Auskünfte ein. und zur letzten Sitzung wurde die Regierung selbst durch Len ungarischen Minister für Kunst und Wissenschaft. der Herrn Professor Klebclsberg. vertreten. Im Namen des Bereinigten ausländischen Komitees des Jüdischen Ausschusses von Deputierten und der Anglo-Je'wish- A**ociation wurde dem Rat des Völkerbundes eine weitere Bittschrift etngesanüt, über welche die ungarische Regierung ihre Bemerkungen durch KleLelsberg unterbreiten ließ. Auf Len Vorschlag des spanischen, belgischen, japanischen und schwedischen Vertreters und an Hand -cs Materials der ungarischen Regierung l «schloß der Rat. die Prüfung der Angelegenheit bei seiner siichcnundreißigsten Tagung wieder aufzuuehmen. Die dem Völler buuüsrat rorgelegte Frage bestand darin, zu wissen, ob das dlumc'rus-clLULus-'Gesetz mit dem Grundsatz der gleichen Behandlung für alle ungarischen Staatsangehörigen, ohne Rücksicht auf Sprache oder Glaubensbekenntnis, wie es in den Verträgen festgesetzt ist, vereinbar ist. Der ungarische Minister Klebelsberg ^agte nun vor dem VvlkerbundSrat. feine Regierung betrachte das Gesetz als eine außergewöhnliche und provisorische Maßnahme, die durch eine anormale soziale Lage hervorgerufen würbe: sie wäre entschlossen, dieselbe, sobald die Lage sich änderte, zu berichtigen und den ^umerus-claurur abzufchaffen. Unter diesen Umständen beschloß der Rat am 12. Januar, nicht aus die Rechtsfrage einzugehen und vorläufig die Sache auf sich beruhen zu lassen, indem er einfach von der Erklärung des ungarischen Ministers Klebe!Sberg Kenntnis nahm und die baldige bevorstehende Abänderung des»' Gesetzes avwartet. Der Minister Klebelsberg hat hier in Berlin in wissenschaftlichen Kreisen, die nach dem Stand der Numerus. dausvs-Fraqe mit ihm sprachen, die Versicherung abgegeben, baß dieses Gesetz in der nächsten Zeit fallen würbe. Wiener Brief. Die Haupthetzer gegen bas Judentum, die einzigen Vertreter beS praktischen Antisemitismus, Gattermayer und Genosse». haben vor kurzem im Gerichtssaal gestanden und haben, wenn auch die Strafe sehr wilde auSsiel. dennoch eine Niederlaae erlitten: sie waren sehr kleinmütig imd -eigteu gar nicht jenen WodansanatismuS und Uebermut, «n sie bei den von ihnen inszenierten Skandalen bewiesen haben. ES zeigte sich daß die ganze Hakenkreuzlerbewegmig in Wien sehr wenig Anhänger zählt und bei energischer Abwehr in nichts zusammenbrechen müßte. Der von den Hakenkreuzlern angesagte Sturm ist abgeschlagen worden, und eS tritt klar zutage, daß die Bewegung, mit Ausnahme -er Polizei, von ganz Wien überschätzt wurde. Die Hakentreusleryartei ist ebenso kompromittiert wie bas Erpresserblatt »Der Abend", wovon mich die Rede fein wird. Die -en Hakenkreuzlern nachgewiesenen Unterstützungen durch jüdische Bankiers, die bewiesenen Veruntreuungen haben die Partei lächerlich gemacht, und sie findet jetzt nur ihre Stütze in den radikal-antisemitischen Hochschülern, die nur an Radau denken und jede Umstnrzbewegung unterstützen. Ebenso abgewirtschaftet haben die antisemitischen Banken. Nach der Nordisch-österreichischen die Deutsche Nodenbank, nach dieser die Bauernbank, die dazu gegründet war. um der arischen Landbevölkerung mit Hilfe des Abgeordneten Htöckler das Geld aus der Tasche zu stehlen, und jetzt die Kaufmännische Bank, deren Leiter vor knrzem wegen Krida vor Gericht stanben. Es zeigte sich, daß diese antisemitischen Bankiers die verbrecherischesten Spekulationen mit dem Schlagwort: »Nur arische Einleger", unternommen hatten, dem antisemitischen Wahlsonös Gelder verschafft und durch ihre Verbindungen Milliarden von der Oesterreichischen Nationalbank erhalten hatten, die von den Direktoren für Privatzwecke verwendet wurden. Das Geld der Einleger wurde veruntreut, und als die Herren vor Gericht standen, stellte sich heraus, daß sie von Geschäften keine Ahnung hatten und zugrunde gehen mußten. ES gibt noch zwei derartige Banken, die unter dem Schlagwort des Rasten. Antisemitismus die besten Geschäfte machten, indem sie der Landbevölkerung daS Geld mit dem Vorgeven harauSlockten, man wüste die bodenständigen Unternehmungen unterstützen und nichts den jüdischen Banken geben. Alle Einleger haben ihr Geld verloren. Die zwei letzt, genannten Banken sind noch nicht in Untersuchung gekommen, die erste nicht, weil der mächtige ehemalige Minister und jetzige Abgeordnete Stöckler dies verhindert, währender Landeshauptmann von Steiermark, Dr. Rintelen. bei der Seiten auf alle mögliche Weise verhindert, daß eine Unter- )ung durch die Bankkommission erfolge. Doch ist diese tersuchung nicht auszubalten und wird schreckliche Dinge zum Vorschein bringen. Es wirb sich zeigen, baß die Herren sich sehr gut sanierten, während sie sich das Vermögen der zu vertrauensseligen Einleger und Gläubiger aueigneten. Auch die Zustände der Wiener Israelitischen KultnSgemeinde stnd leider nicht sehr erfreulich. Das Budget der Kultusgemeinde läßt viel zu wünschen Übrig Man könnte annehmen, daß ein Budget von 55 Milliarden, wie es daS deS JahreS 1028 war, Vorsorgen für verschiedene kulturelle Fragen treffen könnte. Da daS Budget für 1928 nicht fertig, gestellt wurde, mußte ein Budgetvrovisorinm bewilligt werden, wobei die Jüdifchnationalen die heftigste Opposition ent. falteten. Ob diese Opposition nötig war und es nicht passender wäre, den Konflikt angesichts der schwierigen Lage der KultuSgemeinde tn Frieden zu erledigen, soll dahingestellt bleiben. Die Opposition der Jüdifchnationalen ist vor alle« deshalb erfolgt, weil die Mehrheit der Kultusgemeinde nichts für zionistische Zwecke, vor allem nichts für den Aufbau in Palästina tun will, indem sie erklärt, eS habe sich in Palästina ein solches Debatte gezeigt, daß eine Unterstützung nur bedeuten würbe, dadortige Chaos zu vergrößern. In einem großen Massenmeeting der Zionisten. daS vor kurzem statt, fand, wurde verlangt, baß die Kultuögemetnde an den Bund und die Gemeinde Wien herantrete, um den ihr nach dem Friedensvertrag gebührenden Beitrag für die jüdischen Institutionen zu fordern. Sie verlangen, daß die großen Investitionen der Gemeinde durch eine Anleihe gedeckt werden, und kündigen einen scharfen Kampf an. Dabei fielen schr harte Worte über die Assimilante«. wobei allerdings vergessen wurde zu erwähnen, baß der »Aufbau in Palästina" kein großes Vertrauen einflößt und die besonders von Robert Petper stammenden Artikel nur Ungünstiges über die dort herrschende Proletartsierung der Nassen und Ausbeutung der Schwachen zu berichten wissen. Die zionistische Bewegung hat in Oesterreich sehr nachgelassen, wozu vor allem die Spaltung beigetragen hat. Der Kampf gegen die weiße und rote Assimilation, der beabsichtigt ist, müßte mit einer in der Partei selbst durchzuführenben Ordnung beginnen Während die Israelitische KultuSgemeinbe in Wien ein unerfreuliches Bild erbitterter Kämpfe aufweist, ist ein Debatte auch in der jüdischen Journalistik zu verzeichnen, und zwar in jener, die sowohl gegen jede Assimilation Stellung nahm wie gegen alles, was nach Schutz des Mittelstandes aussah. Es ist die Affäre des „Abend", vorüber auch ins Ausland Mitteilungen gelangt sind, die jedoch den richtigen Tatbestand nicht erschöpft haben. Ein Blatt. daS den Kampf gegen die Korruption unter dem Motto: »Wo es Stärkere gibt, immer auf Seite der Schwächeren'." propagiert hat, entpuppt sich als Erpresserblatt. dessen Chefredakteur von Basel Milliarden nahm, ebenso von CastigUoni und überhaupt von allen, die eine Erwähnung in dem Blatte fürchteten. Herausgeber des Blattes ist der berüchtigte Carl Colbert, oer sich hatte taufen lassen, um Kaiser, licher Rat zu «erden und als Getaufter weiter eifriger Mitarbeiter der zionistischen Zeitschrift »Die Welt" blieb, indem er verheimlichte, daß er getauft sei. Dieser Carl Colbert hatte in seiner Jugend die schwersten Verbrechen begangen. unter anderem die Veruntreuung eines Betrages, der jetzt 230 Millionen Kronen entsprechen würde. AuS Haß gegen die Reichen wurde er der erbittertste Gegner des Kapitals, besonders der Banken, und wetterte gegen die Darlehenswucherer. während sein Sohn, der Geschäftsführer des ,/Abend" ist. selbst Darlehenswuchergeschäfte betreibt. In der Untersuchung wegen der begangenen Erpressungen ist dieser Sohn. Ernst Colbert. auch sehr kompromittiert. Das Traurige an der ganzen Angelegenheit ist, daß es sich um ein von Juden geführtes Blatt handelt, und daß die unerhörten Erpressungen auf die gesamte jüdische Journalistik ein ungünstiges Licht zu werfen geeignet sind. Der J'nseratenches der an den Erpressungen beteiligt war. ja sie durchfüyrte. soll gegen dreißig Milliarden verdient haben. Auch er (namens Fuchs) befindet sich mit dem Chefredakteur Weiß in Untersuchungshaft, die dieser Tage beendet sein wird, woraus wahrscheinlich im nächsten Monat die Verhandlung wegen Erpressung stattfinden wird. Der Fall hat wegen der merkwürdigen Begleitumstände ein über Wien hinausgehendes Interesse gefunden und beweist, daß eine Reinigung in der österreichischen Journalistik notwendig ist. Die beiden an der Verhetzung der Wiener Bevölkerung. die teilweise den Antisemilismus begünstigte, mitbeteiligten Herren Colbert gehen jedoch vorläufig straflos aus. so daß die ausgleichende Hand der Gerechtigkeit sich diesmal sehr parteiisch verhalten hat. Dr. Fritz Tauber. Kundgebung des Allgemeinen Deutschen Kantoren-Verbandes E. V. In dem Bericht deS „Jfr. Fam.-Bl." vom 1 März 1926 über die vierte Tagung de§ Verbandes bayerischer i s r. G e nt e i n ö e n ist folgender Passus enthalten: „Während für die jüdischen ReligionSlebrer sehr strenge Anforderungen hinsichtlich ihrer Vorbildung bestimmt werden, sieht man für die K a n t o r e n. die nicht zugleich Religionslehrer sind, hiervon ab: doch ist immer ein Gutachten des zuständigen Rabbiners über ihre Eignung vor Anstelluna einzuholen." Diesem Beschluß geg-'nüber verweisen wir auf die Entschließung unserer Aus schuß sitz ung in Köln am 1. Juni 1023: „Der ADKB. fordert von den Landesverbänden die Einstellung eines B e t' ä h i g n ng 8 n a ch w e i f e S sür den Kantor in das Beamtengesetz. Nur ein mit dem behördlichen Zeugnis versehener Kantor darf in den Vervandsgemeinden Anstellung finden. Tie Aufstellung einer Vrüfungsbehörde ist Ausgabe der Landesverbände in Verbindung mit den Berufsverbänden. gegebenenfalls in Verbindung mit derjenigen der NeligionSlehrer." Danach erheben wir gegen den unfern Stand und unsere BerufSebre ausS schwerste schädigenden Beschluß des bayerischen Landesverbandes s ch ä r s st e n Protest und werden, falls eine Aenderuna dieses Beschlusses nicht baldigst crfolat. unsere Mitglieder arnveisen und die gesamte Kantorenschaft Deutschlands aufsordern. sich dem geforderten „rabüinatlichen Gutachten über ihre Eignung" keinesfalls zu unterwerfen. Zur Verlobung -er Erzherzogin Margarete. Zufolge Wiener Meldungen hat sich der ungarische Baron Groedel mit der österreichischen Erzherzogin ALargarete verlobt. Baron Groedel ist der Sohn des ungarischen Großindustriellen Herrmann Groedel. der, jüdischer Religion, in Friedberg i. Hessen geboren wurde, und im Jahre 1901 als Baron Arnim von Groedel Gyulafalva in den ungarischen Adclstand erhoben wurde. Baron Arnim von Groedel besitzt riesige Waldungen in Ungarn und Rumänien, insbesondere in MarmoroS-Seiaet. und hat einen der großartigsten Paläste in Budapest. Er gilt als einer der reichsten Kaufleute des östlicher Europas. Eines seiner Schisse, die ..Margrit Groedel", gehörte zu den ersten Schiffen, die im Weltkriege vom Feinde beschlagnahmt wurden. im Aus den Gemeinden Mi Berlin. (Vortrag Heinemann.) Im Anschluß an den in der vorigen Nummer erschienenen Bericht für die Hauptversammlung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft de- Judentums, erhalten wir folgenden Bericht über den Bvrtrag des Herrn Dozenten Dr. I. Heincmann- Breslau: „Philons ariechische und jüdische Bildung." Dr. Heinemann gliederte seinen Vortrag in drei Teile: 1. Welche griechischen Kenntnisse besaß Philo, die bei der Verarbeitung seiner jüdischen Bildunqselemente bestimmend wirken konnten? 2. Welches waren seine jüdischen Kenntnisse, die auf seine wissenschaftlichen Anschauungen Einfluß hatten? und 8. Wieweit ist die Snntbese des Hellenischen und des Jüdischen vollzogen, und welcher Art ist sie? Bei den jüdischen Zeitgenossen Philos in Palästina besteht ein Lnsanunen» wirken griechischer und jüdischer Bildung der Art. wie ti hier vorausgesetzt ist, nicht. Ihr jüdisches Wissen Hat fremde Bestandteile und Entlehnungen, wie die griechischen Fremdwörter der Mtschna zeigen: aber eS stnd eben turn Entlehnungen, die die Einheit deS BildungSidealnicht stören. Maßgeblich ist die Thora: Bibel und Ueberlieferung: die fremden Element« schließen sich an. ohne aus den Charakter der Bilbuna Einfluß zu nehmen. Anders bei Philo: Lei ihm stößt die jüdische Anschauung: Gott ttirchte und seine Gebote achte. Senn dies ist der ganze Mensch! mit der griechischen, die den Menschen als zoon logikon definiert, zusammen. Die griechische Bildung ist Bildung durch den LogoS; philosophische Bildung durch den Logos als Denken, rhetorische durch den Logos als Wort. Der LogoS soll Philo die Erkenntnisse geben, die die jüdische Bildung auS der UeKerlieferung erhält, die Erkenntnis der göttlichen Dinge, der Welt und des Sittlichen. Philo hat dazu mancherlei gelesen. Plato, die Stoa, mit hat von da die widerspruchsvollen Ansichten entnommen, die man in seinen Schriften findet. Er bat den platonischen Begriff einer idealen Welt »eben der stoischen These, daß alles und selbst Gott materiell »st, aber auch die pytbagoräische Anschauung, daß der Urgrund der Welt die Zahl sei. Er fordert die gänzliche Äbtötung aller Leidenschaften und vertritt daneben die Doktrin des Mittelweges. Philo war kein eigentlicher Philosoph trotz seiner philosophischen Bücher, er ist ein philosophisch gut gebildeter ..Großstadtaeist". Sticht als Philosoph geht er an die Philosophie heran, sondern als religiöser Mensch, der durch den Logos zu den religiösen Gvmvdüberzeugungen gelangen möchte. Und wie er seine Philosophie darstellt. darin äußert sich der rhetorische Teil seiner griechischen Bildung, der meist verkannt worden ist. Für seine Darstellung nimmt er sich die GerichtSrede zum Muster und selbst Sei der Beurteilung deS sachlichen Gehalts seiner ..Philosophie" muß man dieses Moment stark in Rechnung stellen. Weil die Gedankenführuna oft durch die griechische Freude am LogoS als Rebe, an der Auseinanderlegung deS Gedankens in seine Einzelheiten. am kunstgerechten Disponieren bestimmt ist. Mit dieser griechischen Bildung in ihrer zwiefachen Foun zulammentraf PhiloS jüdische Bildung. Sie stammt auS der Praxis. auS der Synagoge und aus der Anschauung des täglichen religiösen Lebens. Philo hat nicht Hebräisch gekonnt. in den Alexaudrirnscheu Synagogen herrschte das Griechische. Die Thora ist ihm griechisch geläufig gewesen, die Ethvmologien hebräischer Wörter sind übernomm«. Er weiß nichts von der mündlichen Tradition, es gab in Merandrien keine Schulen, wo religiöses Wissen vermittelt wuHe. Philo kennt vom Jüdischen engbegrenzt nicht mehr, als st« aus der Synagoge lernen ließ. ä c c . .. Wie konnte er nun meinen, als Hellene Jude und als Jude Hellene sein zu können? Die Frage der Synthese. Wenn Milo in der griechischen Bibel Begriffe findet, die sich sür ihn mit philosophischer Bildung füllen, so läßt sich das nicht als zweifelhafte Wissenschaft abtnn. Es liegt darin die Tragik und die Größe Philos. Philo glaubt nicht, daß er. obwohl Hellene. Jude sein kann, sondern er glaubt, em besserer Jude zu sein, weil er Hellene ist. Sein Judentum erscheint ihm fester, weil es philosophisch begründet ist. Die Anwendung der Allegoristik auf die Bibel hot weniger den Zweck. Schwierigkeiten zu beseitigen, nlden philosophischen Sinn aufzuzeigen. Und als Jude glaubt sich Philo» den Griechen überlegen. Im Besitz des jüdischen Mono« -theismus hält er sich für einen besseren Hellenen. Er fttcfit die Konseaueuzen. vor denen der Grieche zurückschreckt. m den Fragen der Sittlichkeit zum Beispiel. Die Stellung des Philo hat auch einen aktuellen und Dr. Heinemann glaubte. Philos Haltung gegenüber dem Griechischen und Jüdischen mit Hermann CoüenS ProvM*-- stellung und Lösung der gleichen Frage vergleichen zu können Bei Philo zeigt sich, daß die Synthese oder Symbiose jüdischer und griechischer Bildung erst vollkommen sein kan«, wenn auch die jüdische Bildung durchgreifend und die ge^> naue Kenntnis des Hebräischen vorhanden ist. Weil eS her Philo nicht so war. mußte sein Bemühen vergeblich sein. Berlin iJüdische Buchgemeinschaft.) Um der 'Nor der jüdischen Schriftsteller zu steuern und die durch den Mangel an gediegener Literatur heroorgerufene geistlge Verarnmng der deutschen Judenheit z-u verhindern, ist.dre Jüdische Buchgemeinschast gegründet worden. Adresse: Jüdische Buchgemeinschast. Berlin W 15, Konstanzer StraßeStzl. Durch kleine monatliche Zahlungen wird es der breiten Masse der Juden ermöglicht, sich eine Bibliothek schöngeistiger Werke zu beschaffen. Neben wertvollen, wenig bekannten Werken früherer Antoren werden ungefähr in derselben Zahl moderne Schriftsteller zu Worte kommen. Dabei wird Wert darauf gelegt, die Werke so aut auszustatten. daß sie! überall dem jüdischen Buch und der jüdischen Sache neue Freunde werben. . Es ist für das Volk des Buches ein unhaltbarer Zustand, daß Schriftsteller für wertvolle Arbeiten keine Verleger finden. und daß für die erschienenen Schriften keine Leser gesunden werden können. Es wäre für die deutsche Judenhert noch schlimmer. wenn sie infolge der schlechten wirtschaftlichen Lag: sür die dringende Befriedigung der kulturellen jüdischen Bedürfnisse kein Geld mehr übrig hätte. Allerdings sparen müssen wir. Und io kann nur die Organisierung der jüdischen Leserwelt es ermöglichen» gute jüdische Bücher, die einen mehrfachen Wert repräsentieren» wirklich billig abzugeben. Interessenten für diese neue Organisation bitten wir m»r Angabe ihrer Adresse, vor allem aber ersuchen wir südische Schriftsteller, zwecks Herausgabe ihrer Werke sich mit unk in Verbindung zu setzen. Angesichts deS Umstande-, daß eine allgemeine deutsche Buchgemeinschast es auf 500 000 Mitglieder gebracht bat. muß es der deutschen Judenheit nicht schwer fallen, ihrerseits 1—2 Proz. dieser Mitglieder zu erlangen und dadurch den Zerfall des jüdischen Schrifttums aufzuhalten. Berlin. sKvnzert des Wvhlsahrtsamtes.) Das Wohlfahrtsamt der Jüdischen Gemeinde veranstaltet am Dienstag, dem 28. März 1926. abends 8 Uhr. in dem Konzertsaal der Hochschul« für Musik. Fasanenstraß« 1. ein Konzert, dessen Gesamteinnahmen den Bedürftigen der Berliner Jüdischen Gemeinde zugute kommen. In liebenswürdiger Weise haben sich zur Mitwirkuna bereit erklärt: Die Jüdische Orchestervereiniguna unter Leitung ihres Dirigenten Lev Kopf, sowie als Solist der bekannte Pianist Georg Bertram. Das Konzert umfaßt Werke von Hand». Beethoven und Mendelssohn. Karten zum Preis« von 5. 8. 2 und 1 Mark, sind erhältlich bei Bote L Bock. Wertheim und der Jüdischen Gemeinde. Rosenstratze 21 i. Bielefeld. lJübische Wohlfahrtspflege.) Bor kurzem sarrd in Unna i. Wests, eine Tagung des Sozialen Ausschusses für jüdische WohlfahrtS« pflege in Westfalen statt Eine stattliche Anzahl von Gemeinden sowie die drei jüdischen Wohlfahrtsanstalten der Provinz waren vertreten. Der Vorsitzende -es Ausschusses. Herr Rabbiner Dr. Hans Kronheim-Bielefeld gab den Geschäftsbericht. Daran schloß sich ein Referat des Herrn Dr. Seqall. von der Zentralwohlsahrtsstelle der deutschen Juden in Berlin Wer: „Ausgaben der jüdischen Wohl»