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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-03-12 · 11 (12.3.1926) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
11 (12.3.1926)
Date
1926-03-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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w WMWWWWWWWWWWWW « iciiit»fll4u*ie m Jahre 1925 auf 40 Mark festgesetzt «erden konnte und im ganzen 8810 Mark an Pensionen und außer. «Ktttliche« Unterstützungen zur Auszahlung gelangten. Wie Mich, erhielten Ehepaare IV, und jedes minderjährige Kind?,^a»ote. Wenn diese Gunrmen a«rch nicht an die Leistungen des Vereins in den Jahren vor dem Krieg heranreichen, so vermöge» sie doch in der heutigen Zeit manche Not zu lin- » . uch wird in der Zukunft eine BensionSnnd Hilfskaffe für jüdische Lehrer nicht überflüssig sein. Gegenüver der von Herrn Steinhardt (Magdeburg) ergarmenen An» regmlg, die Achawa mit den übrigen PenstonStassen zu verschmelzen, steht der Vorstand weiteren Borschlügen entgegen. In Anpassung an die Zeitverhältnisse wurden die Beiträge neu festgesetzt. Der Jahresbeitrag für aktive Mit. «lieber betrügt 4 Mark, für Ehrenmitglieder 6 Mark, das Einkaufsgel- bis zum 27. Lebensjahr S Mark, bei späterem Eintritt für jedes Jahr 1 Mark mehr. Der Vorstand wird i« Avril prüfen, ob bei den bestehenden wirtschaftlichen Ber. Haltnissen eine Generalversammlung abgehalten werben kann. Um auf andere Weise die Verbindung mit den Mitgliedern wiederherzustetten. soll in der nächsten Zeit «in Rundschreiben au diese ergehen und nach Möglichkeit für das Geschäftsjahr 1026 wieder ein Jahresbericht gedruckt werden. Der Vorstand erhofft sich davon eine Belebung der Werbeuud Sammeltätigkeit. Er rechnet besonders auf die Mitwirkung -er alten Vertrauensmänner. Diese werden hiermit dringend gebeten, wie in früheren Jahren, wieder'die Beiträge einzukassieren und auf Postscheckkonto 47493 Frank» tzrrt a. M. Achawa. Penstons- und HtlMaffe israelitischer Lehrer in Deutschland zu Händen deö Herrn JniliuS Hetz- Ful'd einzugahlcn. Als einstweilige Grundlage möge das Mitglwüerverzeichnis von 1921 gelten. Die Einsendung von Berichiigunaen dieses Verzeichnisses ist sehr erwünscht, ferner werden alle aktiven Mitglieder gebeten, neue Ehrenmitglieder zu gewinnen. Nur wenn alle Beteiligten sich der Aufgabe freudig mtnefmien. wird es gelingen, die Schäden der letzten Jahre zu überwinden, damit im Laufe der Zeit die Achawa wieder in vollem Umfang ihre segensreiche Tätigkeit ansüben kann. Zuschriften wolle man an den Kaßenführer der Achawa, Herrn Julius Heß-Fuld, Frankfurt a M., Brentanostratze 6, 1 Treppe, richten. Groß-Strehlitr. (Jubiläum jüdischer Wohltätigkeit.) Das 100jährige Bestehen des von Grätzer u. Kirschner am 21. Februar 1826 gegründeten israelitischen Krankenpflege- und Wohltätigkeitsoereins wurde unter Beteiligung der Spitzen der Behörden und zahlreichen Abordnungen festlich begangen. Rabbiner Dr. Braunschweiger, Oppeln, hielt im GotteShause die Festrede, woraus im Hotel zum deutschen Hanse ein Festessen mit mannigfachen Darbietungen folgte. Bad Kiffinge«. (Israelitisches Kur Hospiz.) Der unter Leitung des Distriktsrabbiners Tr. Bamberger stehende Verein ..Jjr. Kurhospiz" eröffnet am 1. Mai d. I. einstweilen in kleinem Maßstabe in gemieteten Räumen des fotel Adler hicrselbst ein Hospiz für Kurbedürftige. Die nsassen erhalten gegen einen geringen Ersatz der Berpflegungökosten Logis und volle Verpflegung. Die vom Vereine geleisteten Barunterstützungen kommen von jetzt ab in Wegfall. Ein Hguskanf oder Neubau soll erst nach vollständiger Bereitstellung der erforderlichen Mittel erfolgen, die Eröffnung des so notwendigen Hospizes sollte jedoch nicht länger verschoben werden Die Mittel zum Hauskauf bzw. Neubau sollen durch Ausgabe von zinslosen Darlehensscheinen a 23 M. erlangt werden. Gemeinden und Vereine und Privatleute haben bereits durch Abnahme von Scheinen für Begründung des Banfonds beigetragen, und es ist zu hoffen, daß die übrigen Gemeinden. Logen. Wohltäter ebenfalls das edle Werk, das ganz Deutschland interessieren -ürtte, fördern. ^Obl« a. Rh. (DieTaguugdesAb wehrvereins.) Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus hielt kürzlich in Köln seine Jahresversammlung ab. Es konnte festgestellt »erden, daß tue vornehmlich der sachlichen Aufklärung gewidmete Arbeit nach dem Wiederaufbau der Organisation und der Sicherung der finanziellen Basis im vergangenen Jahre große Fortschrite gemacht hat. Die Versammlung »«schloß, die Arbeit fortzusetzen, bis das Ziel erreicht ist: daß der aegen rechtliche, religiöse und menschliche Ethik verstoßende Antisemitismus verschwinde und damit der Bürgerfriede im Inlands und das deutsche Ansehen im Auslände vo» seiner Bedrohung befreit ist. — In den Ausschuß wurden neu gewählt: Landgerichts rot Raimund Eberhard. Schwerin. Oberpräsidialrat a. D. Dr. Grzimek. M. d. L.. Königsberg i. Pr., Stadtpfarrer Lamparter, Stuttgart, Arthur Sußmanu, Chemnitz, Staatsminister Dr. Weber, Dessau. Oberstudiendirekor a. D. Professor A. Ziegler, Hannover. Einen großen Erfolg hatte der vom Abwehrverein am Abend veranstaltete Vortragsabend. In der einleitenden Ansprache legte der Vorsitzende, Herr Reichsminister a. D. Dr. Gothein, dar, daß das deutsche Volk keine Rassen-, sondern eine So r a ch - und K u 11 u i: c i n ft c 11 bilde, mit der die deutschen Juden durch ihre hervorragenden Leistungen ans allen Gebieten und durch ihre Blutopfer im Weltkriege unauflöslich verbunden seien. Die Abwehr des Antisemitismus sei eine sittliche und nationale VflicH. Hierauf sprach Unrversitätsprofessor Geh. Konsistorialrat V.^Otto Baum garten. Kiel, über: „Die völkische Bewegung." Tie völkische Bewegung sei zum geringeren Test die Fctsetzung der alldeutschen Bewegung mit überstetgcrtem. rngendlichem Kraftgefühl, zum größeren Teil aber die Foi^e der Gewaltpolitik der Entente, des Poincarsismus; verdrängte Komplexe einer anständlgeu Tapferkeit, Vaterlandsliebe, hinabgeörückt auf das Niveau der Selbstüberhebung, gefördert durch den dem Deutschen eigenen Mangel an Sinn für die Wirklichkeit. In ihrer Auswirkung bedeute die Bewegung einen Verrat am Verstand und am.Herzen; letzten Endes also Verrat am Deutschtum. Nur mit geistigen Waffen könne und solle sie bekämpft und niedergerungen werden. — Den zweiten Vortrag des Abends hielt der Kaplan Tk> om 6 vom Münster in Bonn über „Christentum und Antisemitismus". <£r legte die Verwandschaft und die engen Beziehungen zwischen Christentum und Judentum dar und wies überzeugend nach, daß etn wahrer Christ niemals Antisemit sein könne, sondern dem Antisemitismus entgegentreten müsse — nicht um tzeS Judentums willen, sondern um des Christentums willen, um der Liebe willen, die alle Menschen verbinden soll. — Rabbiner Dr. Kober, Köln, beleuchtete dann noch kurz die enge Verbundenheit der rheinischen Juden mit Land, Staat und Fürsten des Rheins. Die Vorträge fanden bei den über 1200 Anwesenden begeisterte Zustimmung. Lieg«ltz. (Lautenlieüerabend von Silit Liebrech t.) Eine erfreulich zahlreiche Zuhörerschaft hatte den großen Genuß, in einer Veranstaltung des Liberalen Vereins der Synagogengemeinde zu Liegnitz am 3. März Fräulein Lillt Liebrecht zur Laute singen zu hören. Die gewinnende Erscheinung der jungen Sängerin, ihre sympathischen Stimmmittel, eine den Durchschnitt weit überragende Ausdruckskunst und die echte Musikalität verhalten dem Abend zu vollem Erfolg. Es gelingt Lilli Liebrecht besonders die Lautenmusik, die vorwiegend auf Ausdrucksfähigkeit gestellt ist: das Neckisch-Schelmische, das Düster- Dravmtlsche. am besten aber karikierte Tragik, wie in „Gebet einer Frau" oder „Negerltebe". Mit zwei jiddische» Liedern brachte sie uns eine Dichtkunst nahe, die ursprünglich kaum zur Laute bestimmt war. Lilli Liebrecht hat sie selbst in reizvoller Weise dafür bearbeitet. Die Freude der Zuhörer an all dem Gebotenen tat sich in reichem Beifall kund und forderte Zugaben, die in freundlichster Weis« gewährt wurden. München. (Ein Hirtenbrief.) Auf Beschluß der bayerische» Raobinerkonferenz wird der folgende Mahnruf von den Kanzeln sämtlicher bayerischen Synagogen verkündet: „Schwer lastet die Not der Zeit auf deutschem Lande. Wa» der Krieg nicht vernichtet, die Inflation nicht zerstört hat, scheint nunmehr in einer Zeit unerhörtester wirtschaftlicher Schwere gefährdet. Ungezählte Tausende sind ohne Arbeit und ErwerbSmögltchkeit, ihre Familien hungern und frieren; immer wettere Kreise zieht die graue Sorge. Keiner kan» ermessen, welchen Umfang sie morgen annHmen wird. Die bayerischen Rabbiner wiffen, daß bi« Not vor jüdischen Häusern nicht haltmacht, daß weite Kreise dejüdischen Mittelstandes mit Sorge dem morgenden Tage entgegensehen. Aber wir wollen keine Grenzen kennen und rufen unsere Glaubensgenosien auf zu helfen, wo immer geholfen werden muß. Möge jeder sein Scherflein in seinem Kreise beisteuern zur Linderung deS allgemeinen LeibS: möge jeder unserer Glaubensgenossen die beseligende Tat wahrer Menschenliebe zu schätzen wissen und sie dem flüchtigen Rausche äußeren Vergnügens vorziehen, der so häufig das traurige und beschämende Zeichen der Gegenwart ist. Nur wer barmherzig, mildtätig und fchamhiHt ist, trägt nach altem jüdischen Wort den Stempel wahren jüdischen Wesens. Uebt Liebe, übt Güte, darin erblicket das Wesen des Lebens, aber nicht im Taumel des Genusses und der mit ihm nur allzu häufig verbundenen Entartung in Sitte nnd Kleidung. Seid schamhaft, zumal Ihr Frauen, und laßt Euch nicht beherrschen von der Gewalt einer auf Sinnlichkeit abgestellten Mode. Erweist Euch vielmehr als wahre Töchter Israels und haltet mit Eurem Vorbild Eure Häuser rein, schmückt sie mit Einfachheit und Schlichtheit, mit Menschenliebe und Gottesfurcht, damit Ihr würdig seid der Väter nnd Mütter unseres Stammes, die durch die schwersten Zeiten jüdischen Erlebens hindurchtrugen die Reinheit jüdischer Religion und echter, wahrer Menschenliebe." Plane«. (Eug cn- Fucks .Loge.) In Plauen i. V. ist die 1033. Loge des Unabhängigen Ordens Bnei Brith, die 110. an? deutschem Boden, iüwrft installiert worden. Die Plauener Brüder des Ordens haben für die Loge den Namen „Eugen-Fucks-Loge" gewählt, zur Erinnerung an den Berliner Geh. Justizrat Dr. Eugen Fuchs, der bekanntlich über sein Wirken in verschiedenen Organisationen, wie dem Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. dem Verband der deutschen Juden, der Berliner Jüdischen Gemeinde, hinaus zu einer zentralen Persönlichkeit des deutschen Judentums geworden ist. Wien. (S y n a g o g e n j u b i l ä u m.) Am 16. März begeht die Wiener Judenschaft die Hundertjahrfeier des Wiener Stadttempels in der Settenstettengaffe. Aus diesem Anlaß bereitet die KnltuSgemeinoe festliche Veranstaltungen vor. Die „Wiener Morgenzeitung" wird eine Festausgabc veranstalten, die Beiträge berufener jüdischer Historiker über die Geschichte des Wiener Judentums enthalten wird. Aus der Bewegung |||i| Berlin. (Jüdisch-liberaler I ugendveretn sJlij). Die letzten Heimabende aller Gruppen waren mit Besprechungen über Neugestaltung unseres Gottesdienstes ausgefüllt. Bei dem geplanten eigenen Festgottesdienst des Jli zu Pcssach soll versucht werden, in die Wirklichkeit umzusetzen, wie wir uns den Gottesdienst heute wünschen. Bei den Diskussionen darüber, die recht lebhaft waren, zeigte es sich wieder, wie schwer eS ist, Theorie und Wirklichkeit zu vereinigen, und wie stark wir fast alle im Banne dessen stehen, was ü a i st und durch seine Existenz auch seine Berechtigung zu beweisen scheint. Es seien dann noch zwei Berichte angeführt, die wir herausgreifen aus einer ganzen Zahl ähnlicher, aus denen hervorgeht, daß z. B. Gruppe Charlotten bürg an zwei Heimabenden die Frage Deutschtum und Judentum beharrdelte. Gruppe Süden einen Abend einem geschichtlichen Ueberblick über, das Mittelalter widmete. So berichtet ein Mitglied der Gruppe Norden (Führer Paul Heinrichsdorff. In den Zelten 6): „Am vorletzten und letzten Heimabend lasen wir das Buch Daniel. Wir hörten von Daniels Aufstieg am Hof des Königs von Babel, weil er es verstand, alle Gesichte und Träume des Königs richtig zu deuten. Tie besten Beweise dafür waren uns NebnkadnezarK Traum und Belsazars Gastmahl. Dann kam die (^schichte von der Löwengrub« und dem feurigen Ofen. Es erschien uns doch unmöglich, daß die anderen Männer zwar von den Löwen zerrissen wurden. Daniel allein aber verschont blieb. Wir kamen schließlich darauf, daß der Erzähler des Buches Daniel — denn eine Erzählung ist es doch — wohl mit der Darstellung dieses Vorfalles eine bestimmte Absicht hatte. Er wollte dem Volke zeigen, daß Gott seinen treuen Knechten immer hilft und sie aus allen: NngMck retten kann." Gruppe Osten (Führerin Betty Markus, N. 38, Schönhauser Allee 132) besprach das Deuteronomium. „Am meisten: — schreibt das berichtende Mitglied — „interessierte uns darin die Zentralisation des Gottesdienstes. Wir suchten uns über die Folgen und die Vor- und Nachteile dieser einschneidenden Maßnahme klar zu werden. Durch die Zentralisation wurde gewissermaßen damals eine Einheit. ein geistiger Zusamenhang unter den Inden geschaffen. Wichtig erschienen uns ferner im Deuteronomium die SegenSverheißungen und Flüche, durch die die Befolgung Ser gegebenen Anordnungen erreicht werden sollte. Sehr schön und setzt noch wertvoll sind die sozialen Gesetze, die von den Rechten des Sklaven, der Duildung des Fremdlings und der Verpflichtung zur Hilfe gegen Arme und Bedrückte handeln." Breslau. «Jüdisch-liberaler I v g e n d v e r e i n A b r a h a m Geig c r.) Am 24. Februar sprach in der Gruppe .Süden" Günther Goldblnm über das Thema: Rassentheorie unter «besonderer BerüMchtiftnug der Juden als Rasse und Kulturvolk. Der Referent betonte mit Recht, daß nur noch die Chauvinisten die Behauptung aufzustellen wagen, die arische Rasse sei die wertvollste unter den Völkern. Als besonderes Merkmal für den Arier wird die Körpergröße, der Langschädel und die Blondhett angegeben. Anerkannte Wissenschaftler «haben bereits festgestellt, daß diese Merkmale auf klimatische und soziale Einwirkungen zurückzufuhren sind. Daß sich die Inden in mancherlei Beziehung von ihrer: Mitmenschen unterscheiden, ist kaum abzuleugnen. Der materielle und geistige Einfluß der Inden in aller Welt ist klar erkennbar. An die mit lebhaftem Beifall aufgenommenen AuSsiihrmrgen schloß sich eine sehr interessante Aussprache, in der man nach Möglichkeit dem Rassenproblem nähen zu kommen sucht«, ohne allerdings eine Einigung in dieser Fraae zu erzielen. Am 3. März vereinigten sich unsere Mitglieder zur Purimfeier in unserem Vereinslokal bei Kornhämer. Nach der Kaffeetafel führt« uns unser Vorsitzender Max Bogelstein in schlichter eindringlicher Ansprache Sinn. Bedeutung und Eigenart des Purimsestes vor Augen. Unsere lieben BereinSbrüder Alfred und Bruno Fuchs erfreuten unö durch musikalische Vorträge, Lueie Jacobson und Jnntz Freund durch stimmungsvollen Gesang. Alle Darbietungen ernteten lebhaften Beifall. Zu rasch vergingen die Stunden frohen Beisammenseins. fttftttff»«* «. M. (Jüdisch-liberale Jugend? g e rwe t n s ch a f t.) Unser letzter Jli-Heimabcnd wurde damit eröffnet, daß Dr. Hoffmann des so unerwartet verstorbcnen Justizrats Dr. Auerbach gedachte. Es wurde hierbei besonders auf die vielseitige Tätigkeit des Verstorbenen hingewiesen. der besonders auch für die iüdi sch -liberale Bewegung so Außerordentliches geleistet hat und dessen Vorbild uns zu intensivster Tätigkeit anspornen sollte. Uüber dar Thema unseres Abends: „Wie läßt sich unsere Pflicht gegen die Eltern mit unserem Streben nach Persönlichkeit in Einklang bringen" hielt zunächst Kurt Beck ein einl-eitendes Referat: Die im 5. Gebot uns auferlegle Pflicht, die Eltern stets «zu ehren und deren Willen zu erfüllen, bringt Len jungen Menschen häufig in Konflikt mit dein natürlichen Streben der Jugend nach eigener Persönlichkeit. Es ist dies nicht nur eine Erscheinung unserer Zeit, vielurehr halben diese Gegensätze zu allen Zeiten bestanden und beruht dies im wesentlichen darauf, daß in Eltern und Kindern die AnschauuUen zweier Zeitalter gogenüberstehen. Während die Eltern, gestützt aus ihre Erfahrungen und in der Absicht, das Kind nur zu seinem Besten auf dem Wege des Hergebrachten zu führen, sich der Erkenntnis der Vergangenheit bedienen, sucht die nach eigener Persönlichkeit strebende Jugend aus neuen Wegen zu gehen. Da wo das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern durch eine venrünftige Erziehung ein vertrauensvolles ist. dürfte es zu ernsthaften Konflikten wohl kaum kommen, da das gegenseitige Verstehen etwatge Gegensätze leicht ausgleichen wird. Wo dieses innige Verhältnis nicht besteht, dürften Lehrer und sonst geeignete Mittelspersonen den Ausgleich Herbeisühren können. Trotzdem gibt cs Fälle, wie fcic sich anschließende lebhafte Diskussion zur Genüge erwieö. in denen sich die Konflikte nicht so ohne weiteres lösen lassen. Hier ist es dann Sache der Jugend, vor allen Dingen sich stets das 3. Gebot vor Augen zu Halten, während zu erwarten ist, daß ans dev in liberalen Kreisen festgewurzelten Anschauungen der Toleranz, auch das Alter den neuzeitlichen Bestrebungen der Jugend entsprechende Achtung entgegenbringt. Eine gewaltsame Lösung, wie sie etwa in Hasenclevers „Der Sohn" geschildert wird, fand allgemeine Ablehnung. Königsberg (Bereinigung für das liberale Judentum in Deutschland. Ortsgruppe Königsberg). Der Massenbesuch der Versammlung in der Hindenburgschulc am 10. Februar bewies, daß die Ansicht des Vorstandes, die Besprechung der Frage, ob in Königsberg eine jüdische Schule errichtet werden solle, würde regstem Interesse begegnen, richtig war. Tie Voran statt,rüg. die Herr Fabian leitete, wurde mit einen« Referat von Justrzrat Dr. Lichten sie in eröffnet. Der Redner betonte, er wolle sich nur mit der jüdischen Bekenntnisschule befassen, wie sic an Hand des jetzt allerdings von der Regierung zurückgezogenen Rcichsschulgesetzentwurfes möglich gewesen iväre. Redner charakterisiert das Wesen derartiger Schulen und geht dann auf die Frage ein, ob die Errichtung einer jüdischen Bekenntnisschule zrveckmäßig oder notwendig sei. Beides ist zu verneinen, wenn auch zugegeben werden muß» daß die Kinder bei dem heute an den Thülen herrschenden Antisemitismus schweren seelischen Leiden auSgesetzt sind. Es handelt sich jetzt nicht darum, ob wir uns mit diesem Zustand etwa abfinden sollen, sondern darum, ob wi-x etwas bessern, wenn wir die jüdische Schule gründen. Dies ist für die Volksschule zu verneinen, denn der Antisemitismus herrscht besonders an den mittleren und höheren Schulen. Jüdische Schulen würden die Kinder nicht vor der Berührung mit ihm schützen. Ihm wirksam zu begegnen, müssen wir die Kinder lehren. DK kann aber eben nur in gemeinsamen Schulen erreicht werden. Ein so auseinandergehcnder Unterricht, wie ef me Folge der Bekenntnisschulen wäre, muß alle gegen alle verhetzen. Tr-sfen diese in einseitigen Anschauungen erzogenen Kinder nachher in den mittleren nnd höheren Schulen auf die anderen, dann werden sie sich in deren Kreise erst recht nicht wohl fühlen können. Nur persönliche Verständigung kann Frieden schaffen; sondern wir uns jetzt ab. so werden die andern später uns absonderu. Wir deutschen Juden wollen unsere Pflicht als Deutsche und als Juden tun, dazu müssen wir im deutschen Kulturkreis leben. Wenn auch der jetzige Zustand schwere Nachteile hat (z. B. unzureichende Zahl der Religionsstmriden), so kann man doch nicht annehmen, daß die Einrichtung von jüdischen Bekenntnisschulen für die deutschen Juden etwas bessern würde. Denn die Schule ist eine Kulturfrage für alle und kann nicht vom Standpunkt des Reinjüdischen betrachtet werden. Fast die ganze deutsche Lehrerschaft lehnt die Bekenntnisschule ab. Wenn nun aber die anderen im Begriff stehen, einen Fehler zü begehen, so brauchen wir denselben doch nicht mitzunrachen, nur weil wir glauben, betonen zu müssen, uns müsse das gleiche Recht zustehen, wie den anderen. Noch andere Einwände sind erwägenswert: Wird nicht der Einfluß der Eltern auf die Kinder erheblich beschränkt werden? Wo bleiben die Kinder aus den kleinen Städten und vom Lande? In einem Alumnat, wie vorgeschlagn ist. dürften die Kosten für die meisten unerschwinglich sein, ferner darf bezweifelt iverden, daß es ein Vorteil für Kinder von 6—9 Jahren ist, in der Fremde zu le-ben, anstatt an der Seite der Eltern. Eine weitere Schwierigkeit ist der Mangel an Lehrer««, denn Religtonslehrer allein genügen nicht mehr, da auch für alle anderen Fächer jüdische Lehrer nötig sind. Auch die Frage der Finanzierung ist keinesivegs damit gelöst, daß inan sagt, der Staat zahlt alles, da das Schulunterhalt«tngsgesetz für die Kommunen besondere Bestinrmungen enthält. Redtrer schließt, es wäre nicht gut getan, wenn wir den Zustand von heute zurückwerfen würden auf den Zustand var Lessin.: und Mendelssohn, die das allen Menschen gemeinsame erstrebenswerte Ziel in einer sittlichen Vervollkommnung des Menschen erblickten. Dem Redner dankte starker Beifall. In der anschließenden Diskussion ergriff zunächst Herr Gemeinderabbiner Dr. Lewin das Wort, betonend, daß er nur für seine eigene Perfon und nicht etwa gestützt auf die Lehrerschaft der Gemeinde oder auf die Schulkornmissivn spräche. Er setzt sich mit warmen Worten für die Errichtung jüdischer Schrtten ein. In den heutigen christlichen Schulen gilt alles, was an den jüdischen Kindern jüdisch ist. als eine Arrgelegenheit minderen Rechtes. Der jüdische Religionsunterricht wird ebenso wie die jüdischen Religionslehrer mit kränkender Nichtachtung behandelt. Dr. Lewin bestreitet, daß mir der Zusammenfassung der Kinder in jüdischen Schulen das Gefühl der Absonderung sich verbinden lasse. Er bezweifelt auch, daß die patriotischen Befürchtungen Dr. LichtensteinS berechtigt feien. Er glaubt, der Antisemitismus sei heute auch an der Volksschule schon stark zn spüren. Es sei eine falsche Abhärturrgspolitik. den Kindern schon von klein ans die Berührung mit dem Antisemitismus zuzuuruten. Die jüdische Schule soll vielmehr eine Schirtzmaner sein, die de» Kindern recht lange den Unrat des Judenhasses serirhalte» möge, eS wird dann auch die Liebe und das Vertrauen zum Vaterlande gesteigert. Dem heutigen iüdischen Familien- »esen bringt Rtzdner nicht geMgend Vertraue«, entgegen, mn zu gktzuben. die Familie könne dein Kinde die jüdische Schule ersetzen. Herr Wotkoiosii Herust sich bei seiner Befurwprtuu- )

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