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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-03-12 · 11 (12.3.1926) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
11 (12.3.1926)
Date
1926-03-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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I* 8. Jahrgang Nummer 11 Beilage 12. März 1928 m Imi Aus den Gemeinden Ansbach. (Rabbinerwahl.) Dr. Elie Munk auS Berlin, ein führendes Mitglied der Agndas Jtsroel-Jugendorganisation wurde zum Distriktrabbiner von AnSbach gewählt. Bebra. (Siebzig st er Geburtstag.) Die Vorsitzende des Israelitischen FrauenvereinS, Frau Rosa Fackenheim. vollendet am 12. März ihr 70. Lebensjahr. Den religiösen Interessen innerhalb der Gemeinde Hai die auf dem Gebiet sozialer Wohlfahrt eifrig wirkende Dame stets in vorbildlicher Weise gedient. Auch als Vorstandsmitglied des Vaterlänischen Frauenvereins hat sie sich um das Allgemeinwohl verdient gemacht. Während des Weltkrieges entfaltete sie als Leiterin der Verpflegung zahlreicher Truvpen- und VerwundeteniranSporte. die den hiesigen Bahnhof passierten, eine umfassende und segensreiche Tätigkeit, die durch Verleihung der Roten-Kreuz-Medaille Anerkennung fand. Die Leitung der Ortsgruppe deS Vaterländischen Frauenvereins ehrte außerdem ihre Verdienste durch Ueberreichung einer Ehrenurkunde. Berlin. (Jüdische Wissenschaft.) Donnerstag, den 4. März d. I.. hielt die G es e l lschaf t zu r Fö r d erung der Wissenschaft des I u d e n t u m s. e. V., ihre Hauptversammlung ab, die sich eines sehr zahlreichen Besuches von hiesigen und auswärtigen Mitgliedern, sowie von Vertretern der angesehensten jüdischen Organisationen zu erfreuen hatte. Der Vorsitzende. Professor Dr. M.Sob e r n h e i m. erstattete den Geschäftsbericht, aus dem sich ergibt, daß die Gesellschaft das schwierige Jahrzehnt des Krieges und der Inflation siegreich überstanden bat Die Mitgliederzahl ist wieder im Aufsteigen begriffen, seit 1925 hat sie einen Zuwachs von 135 Mitgliedern erfahren. Der gegenwärtige Mitgliederstand ist 1861. — Die Einnahmen Klieben hinter den Ausgaben um 2000 M. zurück, den Betrag. den der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden 1925 für die Gesellschaft ausgesetzt hatte, den er aber nicht auszuzahlen in der Lage war. — Im letzten Jahre ist das sehr beliebte Werk von Steinthal: Ueber Juden und Judentum in 3. Auflage herausgegeben worden: Teile des Grundrisses und des Corpus Tannaiticum befinden sich in Vorbereitung, und werden demnächst' erscheinen Ein Zeichen der Tatkraft der Gesellschaft und der Opferwilligkeit ihrer Mitglieder ist. daß die Hauptversammlung den Beschluß faßte, die allgemein beliebte Monatsschrift in erweitertem Umfange erscheinen zu lassen, und diese Ausgabe durch eine Erhöhung des Jahresbeitrages auf 10 M (bzw. 2A Dollar) zu deckeir. 1926 soll auch eine neue Schriftenreihe unter dem Titel „Beihefte zur Monatsschrift" erscheinen. Das erste Heft befindet sich bereits im Druck. Der Kasienverwaltung wurde Entlastung erteilt. Der Ausschuß wurde wieöergewählt. Im Anschluß an die Hauptversammlung hielt Herr Dozent Dr. I Heine m a n n aus Breslau einen ebenso formvollendeten, wie inhaltsreichen Bortrag über: „Philons griechische und jüdische Bildung, auf den wir noch zurückkommen werden. Berlin. (Versammlung der deutsch-jüdischen I u g e n d v e r b ä n d e.) Zum ersten Mal hatten sich die deutsch-jüdischen Jugendverbände in Berlin zu einer Llemeinsamen Veranstaltung zusammengetan. Schon das äußere Bild — etwa 300 junge Menschen füllten den . ian-Steinweg-Säal — zeigte, daß hier etwas Neues, Zukunftweisendes versucht wurde. Martin Goldner (Aelterenbund Kameraden Frankfurt a. M.) umritz das Thema „Der Jude der Gegenwart" durch den Hinweis auf die Geschichte der Juden in Spanien. So sehr die spanischen Juden mit der Kultur und dem Leben ihrer Umgebung verbunden waren, ja gerade weil sie es sein konnten, so haben sie doch den Ahasverblick über alle Zeit behalten. Der Jude ist gewiß tätiger Mitarbeiter an der Zeit der Völker — und gerade die Diaspora läßt alle seine Kräfte entfalten — dennoch weiß er in sich eine andere, die messianische Zeit, nach deren Verwirklichung er strebt. Ludwig Lew in (Jli-Berlin) schied zwischen Aufgabe und Problem. Ein Problem besteht dann, wenn die Fragestellung an sich ungeklärt ist. Aufgabe kann demgegenüber nur das sein, bei dem das Grundsätzliche geklärt, die Verwirklichung aber noch ungewiß ist. Deutschtum und Judentum sind kein Problem. Sie ruhen auf ganz verschiedenen Ebenen. Beide in uns, von uns nicht zu trennen. Wir haben jedoch hie Aufgabe, diese Werte in uns zu gestalten. Und so besprach Ludwig Lewin in großen Zügen unsere deutschen und jüdischen Aufgaben. In der Aussprache wurde neben manchen Einzelpunkten und manchen Unterstreichungen deffen, was Martin Goldner und Ludwig Lewin gesagt hatten, zu bedenken gegeben, ob die bewußte Bindung an das jüdische Schicksal mit dem bindungslosen Wesen der Jugendbewegung sich vertrage. Martin Goldner erwiderte mit dem Hinweis, daß diejenigen, die heute sich dieser Bindung ganz bewußt wären, ja selbst aus der Freiheit der Jugendbewegung gekommen seien. Obwohl noch viele Wortmeldungen Vorlagen, mußte die Versammlung in vorgerückter Stunde geschlossen werden. Es ist erfreulich, daß die Veranstaltung ruhig und würdig verlief und das ernste Bestreben zeigte, eine Neuorientierung zu gewinnen. Ein Versuch, der einmal wiederholt werden dürfte. Berlin. (So m m e r s e m e st e r der Hebräischen L e h r a n st a l t.) Am Anfang des Sommersemesters werden neue Klassen für Anfänger und Fortgeschrittene, für Erwachsene und Schüler eingerichtet. Der Unterricht kann entn'recheNd den Wünschen der Beteiligten in den frühen Morgenstunden oder nachmittags resp. abends abqcholten werden. Für Vereine lJnaendbünde und sonstige Organisationen) werden auf Wunsch bei genügender Beteiligung besondere Klassen eingerichtet. Das monatliche Schulgeld beträgt 2 Mark, für Studenten und Schüler 1 Mark. Anmeldungen sind umgehend schriftlich an die Hebräische Lehranstalt oder an den Leiter der Anstalt zu richten. Svrechizeit des Leiters: Dien-stai und Donnerstag 8 Uhr abends. Mittwoch und Sonnabend 9*4 Uhr abends in der Hebräischen Lehranstalt. Beginn des Unterrichts in den neuen Anfängerklasien: Donnerstag, den 15. April, 7 Uhr abends. Die Kurse finden in der Hebräischen Lehranstalt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Berlin N. 24, Große Hamburger Straße 27, statt. Berlin. (Berichtigung.) Zu unserem Bericht über die Versammlung des jüdisch-liberalen Vereins für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin" vom 18. Februar bittet uns der Jüdische Arbeitsnachweis um den Hinweis, daß eine Vermittlung von Arbeitskräften unter tariflichen Löhnen jetzt prinzipiell ahaelehnt wird. Gleichzeitig wird von zionistischen Versammlungsteilnehmern die Berichtigung gewünscht, baß die Versammlung ihren vorzeitigen Abschluß nicht durch Störungen zionistischer Rädaumacher fand. Demgegenüber ist die BersammlungSleitung der Ansicht, daß der Bersammlungsbericht seine Richtigkeit hat. Berlin. (Antisemitische Hetze.) Wie unS Herr Professor Haas-Heye mitteilt, wivd von der RechtSpreffe die von den führenden Pariser Modehäusern veranstaltete Modenschau im Hotel Kaiserhof. Berlin, angegriffen und die Beranstaltuna mit den bekannten antisemitischen Schlagwörtern verunglimpft. Es gehört Mut dazu trotz dieser Angriffe die Modenvorfübrung. in der bet Herrn Profeffor HaaS-Heye bekannten künstlerischen Form öurchzusühren. Trotz der oben erwähnten gehässigen Angriffe hoffen wir, daß das kunstverständige Publikum die Vorführungen im Hotel Kaiserhof am Donnerstag, Freitag und Sonnabend dieser Woche recht zahlreich besuchen möge. Namen wie Dercoll. Redfern sind ia weltbekannt und eS wird sicherlich ein ästhetischer Genuß sein, die Modeschöpsungen der ersten Pariser Häuser sich vorführen zu lassen. Braunschweig. (Benny Mielziner gestorben.) Die hiesige Jüdische Gemeinde hat durch das Hinscheiden des Kaufmanns und Konkursverwalters Benny Mielziner einen unersetzlichen Verlust erlitten. Aus einem arbeitsreichen und schaffensfrohen Leben wurde er im 73. Lebensjahre am 25. Februar abberufen. In ihm verliert die Gemeinde eine Persönlichkeit, die fast ein halbes Jahrhundert lang ihr geistiger Mittelpunkt gewesen ist. In jungen Jahren kam er, einer alten dänischen RabSinerfamilie entstammend, nach Braunschweig. Sein umfasiendes jüdisches Wißen, seine wahrhafte Frömmigkeit, seine vornehme. liebenswürdige Menschenfreundlichkeit gestalteten seine in jeder Beziehung vorbildliche Arbeit als Gemeindeverordueter und langjähriges Mitglied des Vorstands zum reichsten Segen für die Gemeinde. Ein dauerndes Denkmal hat er sich in ihr durch seine Mitarbeit an der Schaffung des Braunschweiger Gebetbuchs gesetzt. Besondere Verdienste erwarb er sich um die Leopold-Zunz-Loge, deren Mitbegründer und erster Präsident er gewesen. Neben seinem jüdischen Wissen besaß der Verstorbene eine reiche literarische Bildung und war insbesondere auf dem Gebiete der wissenschaftlichen Goethe-Forschung zu Hause. Seine Beisetzung fand unter zahlreicher Beteiligung der Gemeinde wie auch von Vertretern der hiesigen Justizbehörden statt An seiner Bahre sprachen LandeSrabbiner Dr. Wilhelm, der der Trauer der Gemeinde Ausdruck verlieh Rabbiner Dr. Schiff. Karlsruhe, der intime Freund des Verstorbenen, der die Persönlichkeit des Dahingegangenen zeichnete, Sanitätsrat Dr. Sternthal für den Vorstand der Gemeinde, Sanitätsrat Dr. Katzenstein, Hannover, für die Großloge U. O. B. B. und G. Forstenzer für die Leopold-Zunz-Loge. Bremen. (Aus der jüdischen Gemeinde.) Die israelitische Gemeinde Bremen hielt am 4. d. M. ihre diesjährige Generalversammlung ab, in der unsere dortigen liberalen Gesinnungsgenossen zum ersten Male als geschlossene Gruppe in Erscheinung traten. Nach einem kurzen Vorworte, in dem der 1. Vorsteher, Herr Markreich, in ehrenden Worten, während sich die Anwesenden von den Plätzen erhoben hatten, der Verstorbenen und von den Lebenden besonders des nach 40jährtger Tätigkeit aus dem Gemeinderat ausscheidenden Herrn Moses Schragenheim gedacht hatte, wurde der Jahresbericht erstattet, der von der rührigen Arbeit der Gemeindevorsteher und Räte Zeugnis ablegte. Die Rechnungsablage für das vergangene Rechnungsjahr wurde ohne Aussprache genehmigt, während zum Voranschlag für das Rechnungsjahr W2«. unsere Freunde Heraibsetzuna des Postens 4,Gelv-lei" Dvn 1000 auf 151> M., jüdische Wandererfürsorge von 2400 auf 1200 M., Vereins¬ und Bevbandsbeiträge non 2000 auf 1000 M.. Synagoaenibausonds von 10 000 auf 3000 M., Heraufsetzung der Position „geistige Jnteresien" von 500 auf 1000 M. und Aufklärung über die Positionen „Altersheim", Darlehnskasie, Ritualbadeanstalt und Aufwertungen gefordert hatten. Im Laufe der Debatte einigten sich unsere Freunde auf einen inzwischen von dritter Seite eingebrachten Antrag, den Voranschlag mit der Verpflichtung des Vorstandes, die Ausgaben um 20 000 M. herabzusetzen, der nunmehr auch Annahme fand. Die Anträge unserer Bereinigung waren aus der Not geboren, Einnahmen und Ausgaben miteinander in Einklang zu bringen, stellen abe^ nicht etwa eine qrunddliche Gegnerschaft gegen die geforderten Positionen dar. Zu Revisoren der Rechnungsführung wurden die Herren Feilmann und Landesdorf durch Zuruf wiedergewählt. Die Wahl eines dritten Vorstehers für 1926—28 ergab die einstimmige Amtsübertragung an den von unserer Vereinigung vorgeschlagenen Herrn Mar Wallheimer. Bei den Wahlen zum Gemeinüerat, aus dem unter fünf ausscheidenden Mitgliedern u. a. auch zwei Gemeinderäte unserer Richtung ausschieöen und die Ersatzwahl für ein weiteres liberales Gemeinderatsmitalied vorzun^stmen war. gelana es uns. leider nur Herrn Max Rosenthal von unserem Vorschläge als neues Mitglied und Herrn Dr. Abraham durch Wiederwahl in den Gemeinderat zu bringen. Außerdem wurden die Herren Galatzer, M. Abraham und Dr. Hes neu und Herr Hugo Levy wiederum in den Gemeinderat gewählt, der nach wie vor eine starke konservative Mehrheit aufweist. Der Bericht der Steuerkommission zeugte von den Schwierigkeiten der Steuererhebung in unserer sorgenvollen Zeit. Die auch von unseren Bremer Freunden geforderten, vom Vorstände unü Gemeinlderate beantragten Ermä-M'-anwaen «nr Erhebung einer jüdischen Gemeindesteuer durch das Landesfinanzamt, zum Erlaß eines Kirchensteuergesetzes und eines Kirchenanstrittsgesetzes wurden vorläufig abgelehnt und bleiben einer späteren Beratung Vorbehalten, so daß insbesondere die völlig unhaltbaren, durchaus' rückständigen Steuer- Verhältnisse in Bremen sehr zum Schaden der Gemeinde auch noch meiterhin bestehen bleiben. In seinem Berichte über die Arbeiten der Sahungskommission konnte unser Mitglied Dr. Abraham die erfreuliche Mitteilung machen, daß der Enrwurf der neuen Satzungen nunmehr fertig vorliegt und in erster Lesung bereits angenommen worden ist. Der neue Entwurf trägt unseren liberalen Forderungen in weitgehender Weise Rechnung, sieht das aktive und passive Beamten- und Frauenwahlrecht vor und plant eine Steuererhebung in Form von Zuschlägen zur Reichscinkommensteuer. Er erstrebt ferner die Gleichstellung mit den übrigen Kirchen-emcindcn im bremischen Staate und die Zwangszugehörigkeit zur Gemeinde nach preußischem Muster. Aus dem Bericht der Synagogen-Baufonds-Kommission, den unser Mitglied Benjamin erstattete, geht hervor. daß die Arbeiten dieser Kommission fortschreiten, wenn sie auch unter der Ungunst der Zeit zu leiden haben. Zum Liquidator der Finanzkommission wurde der neugewählte dritte Vorsteher bestimmt. Bei den Ausschußwahlen gelang es uns, die Herren Avt und Dr. Woyda in die Synagogenkommisston, Herrn Müller in die SatzuiwSkommission hineinzubekommen. Außerdem wurden die Herren Dr. HeS und Dr. Wall in die Satzungskommission und Lehmann in die Steaerkommission gewählt. BreSlau. (Der neue Gemeinde vor st and.) Am 8. März fand nach der Einführung der neuen Gemeindevertreter die erste öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung statt, in der der neue Vorstand gewählt worden ist. Die Parteien hatten sich auf eine gemeinschaftliche Liste geeinigt; danach sind 8 liberale. 2 zionistische und 2 konservative Vorstandsmitglieder gewählt worden. Wiedergewählt wurden die Herren Geheimrat Goldfeld, Waldstein^ Bankdirektor Hanke, Justizrat Goldschmidt. Beyer und Bach von den Liberalen: Justizrat Hirschberg, Mendel und Hoffmaun von den Konservativen. Neugewählt sind Frau Justizrat Ollenüorfs, Zahnarzt Dr. Rosenstein von den Liberalen und Zahnarzt Dr. Schachtel sowie Dr. William Botz von den Zionisten. Mit Ausnahme von Frau Justizrat Ollendorfs und Dr. Schachtel, für die die drei anwesenden konservativen Gemeindevertreter weiße Zettel abnecherr. wurden alle Vorstandsmitglieder einstimmig gewählt. Für Frau Ollendorff rückt Frau Grete Bial. für Dr. Schachtel Rechtsanwalt Samuel Nothmann in die Gemeindevertretung nach. Kaufmann Isidor Simonsohn hat sein Gemeindevertreteramt niedergelegt: für ihn tritt Arzt Dr. Raphael Gluskinos (Agudist) ein. Zum Beginn der Sitzung wird ein DrmglichkeitSantrag Schlesinger angenommen, das Protokoll der vorher« gegangenen Sitzung jedesmal zur Einsicht auszulegen. Beim Verwaltungsbericht gibt Justizrat Kalisch eine Anregung bezüglich der Heranziehung der Zinsen von Goldwerten usw. zur Gemeindesteuer. Das Angebot der Stadtgemeinde Breslau (Grundstückstausch in der Lohestraße mit 60 000 Mk. Zuzahlung) wird einstimmig abgelehnt. Der „Gesolei" in Düsseldorf, Sondergruppe „Hygiene der Juden" wird eine einmalige Beihilfe von 300 Mark bewilligt. Die Ueverschreitung der Instandsetzungskosten für die Badeanstalt mtt 489 Mark wird nachträglich genehmigt. Die Verbesserung der Heizung in der Alten Synagoge mit einem Kostenaufwände von 2200 Mark soll im nächsten Sommer vor. genommen werden. Zur Vorberatung der Besetzung -er Ausschüsse in einer gemischten Kommission werden fünf Gemeindevertreter gewählt. Die Vorlage einer Aenderung der bestehenden 'DenkmalsgeKührenordnung zeitigt eine längere Aussprache. Der Berichterstatter. Gemeind evertreter Waksch. bezeichnet sie als kulturfeindlich zu einer Zeit, da der Staat die Luxussteuer fallen lasse. Er hält sie für geeignet, das Kunstgewerbe zu erdrosseln, und schlägt Aenderungen der Besteuerungssätze und sonstige Milderungen vor. Die Vorlage geht zur erneuten Prüfung an den Vorstand zurück. In einer geheimen Sitzung wurden Gehaltsregulieruugen, eine Pensionierung und eine Neuanstellung beschlossen. Cassel. (Tut nichts, der Jude wirb ver. b r a n n t . . .). Ja, auch wenn es sich nicht um Juden handelt. muß in Antisemitismus gemacht werden. So dachten zwei hiesige bekannte deutschvölkische Anwälte, die mit ihren Trabanten bei der zweiten, schwach besuchten Vorstellung von Glasers „Seele über Bord" im Kleinen Theater Propaganda für ihre judenfeindliche Politik machen wollten, natürlich ohne plausiblen Grund, da der Verfasser -es Stückes kein Jude ist und auch nur wenige Glanbensqenoffen im Zuschauerraum saßen. Wir schrieben doch neulich von dem Ersatzfilm, den die „Urteutschen" inszenieren müssen. Scheinbar war dies ein Anfang dazu. Cassel. (Jüdische Begräbniskasse) Die vor zwei Jahren begründete israelitische Bearäbniskasse hielt kürzlich ihre Jahresversammlung ab, bei der das Vorstands« mitglie-d Willi Engelbert den Geschäftsbericht erstattete. Die Kasse ist im verflossenen Jahre, das eine größere Sterblichkeit innerhalb der Gemeinde aufwies als das Jahr 1924, in 14 Fällen wohltätig in Erscheinung getreten, indem sie für die Mitglieder bzw. deren Angehörigen die Begräbniskosten, die etwa 200 Mark betragen, übernahm. Trotz der sozialen Bedeutung der Kasse ist die Beteiligung seitens dev Gemeindemitglieder noch nicht so rege, wie es etloar«» werben sollte. Der Vorstand gab daher dem Wunsche Aus-? druck, daß ein größeres Interesse für die gemeinnützige Kasse Platz greife. Danzig. (Rabbiner Dr. Kaelter gestorben.)' Wie wir bei Redaktionsschluss erfahren, ist in Danzig soeben der hochverdiente Gemeinderabbiner Dr. Kaelter, früher in Potsdam, gestorben. Kaelter gehörte jahrelang dem Vorstand der Vereinigung für das liberale Judentum an. Mit ihm ist ein Mann dahingegangen. dessen Verlust im deutschen Judentum schwer empfunden wird. Wir werden in der nächsten Nummer unseres Blattes eingehen aus das Wirken des verehrten liberalen Führers zurückkommen. Detmold. (Auszeichnung.) Diplom-Volkswirt Rülf, der Prediger der Synagogengemeinde Detmold, hat den vom Jüdischen Kalenderverlag, Berlin-Charlottenburg, angesetzten Preis, und zwar eine kostenlose Reise nach Palästina, vom Preisrichterkollegium einstimmig zugesprochen bekommen. Der jüdische Kalenderverlag batte ein Preisausschreiben erlassen, betreffend die wertvollsten Vorschläge für die inhaltliche und technische Ausgestaltung seines illustrierten Abreißkalenders für das Jahr 1927. Dresden. (Z a m e n h o f st r a ß e.) Die Stadtverordnetenversammlung von Dresden hat beschlossen, eine Straße in der Vorstadt Leuben „Zamenhofstraße" zu benennen, zu Ehryn des berühmten Schöpfers des Esperanto, der bekanntlich ein Jude war. ' Frankfurt a. M. (Bon der Achawa.) Wie «Mälhrlich fand im Januar die Verwaltungsausschußsitzung der Achawa statt. Da der erste Vorsitzende. .Herr Iulius Henmann. vor wenigen Wochen verschieden ist, hatte der seitherige Schriftführer, Herr Reallehrer E. Gut. die Sitzung einberufen. Er eröffnete sie mit einem warmherzigen Nachruf für den Verstorbenen, her seit 1908 das Amt des ersten Vorsitzenden bekleidet hatte und Neffen unermüdlichem Wirke» es zu verdanken ist, daß die Achawa auch in der schlimmsten Inflationszeit ihren Verpflichtungen in gewissem Umfang Nachkommen tonnte. Zur Ausssilluna der entstandenen Lücken treten die Herren Studienrat Walter Rothschild als Schriftführer und Lehrer Manfred Strauß (Offenbach) neu in den Verwaltungsausschuß ein. Dieser ernennt Herrn E. Gut einstimmig zu seinem ersten Vorsitzenden. Die Hauptsorge des Vorstands galt der Frage des Fortbestandes der Achawa. Aus dem Kassenbericht, den Herr Julius Heß-Fuld erstattete, sei hervorgehoben, daß die Ber- Fra« Müller: Nun, meine liebe Frau Schulze, heute so lustig? Fra« Schulze: Ja, liebe Frau Nachbarin, denken Sie, seitdem wir den Wärmofix haben, ist mein Mann von seinem Rheumatismus geheilt und wieder arbeitsfähig. Fra» Müller:??? Frau Schulze: Der Wärmofix ist der neueste elektrische Heizapparat und nach 2 Minuten Stromanschlutz gebrauchsfertig. Er kostet fast nichts. Wir können ohne Wärmofix nicht mehr auskommen. Wenn Sie einen kaufen wollen, so schreiben Sie an Erich Burberg. Berlin SW61. Gitschiner Straße 107.

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