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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-03-05 · 10 (5.3.1926) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
10 (5.3.1926)
Date
1926-03-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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in Deutschland nur wenige vereinzelte jüdische Spieler über die große Masse hinausragten, wie z. B. Leiserowttsch I- Berlin, Berustein-Vrüuchett, Rosenberg.Union 62-verlin, so hat in dem früheren Oesterreich.Ungarn der Fußballsport unter den Juden kolossale Begeisterung hervorverufen und » Anhänger gefunden. In spielerischer wie auch in organisatorischer Hinsicht habe» Juden ba-u beigetragen, in diesen Ländern den Fußballsvort in die große Masse -u tragen und hier zu verbreiten. Ich zähle nur einige Namen der prominenten österreichisch-ungarischen Spieler auf: Schlosser. Cohn (little) und Gebrüder Bügel. Es lassen sich im Rahmen dieses kleinen Artikels nicht alle Spieler hervorheben, die die österreichische Spielkultur zu einer auf dem Kontinent vorbildlichen gemacht haben. Mit dem Aufflackern der antisemitischen Bewegung haben sich naturgemäß als Rückschlag rein jüdische Vereine gebildet. und zu unserer Freude können wir sagen, daß diese den Gipfel der Futzballkunst erreicht haben. Als leuchtender Stern steht uns der Name Hakoah-Wien vor Augen. Diese hat uns bewiesen, daß die sogenannte körperliche Untüchtigkeit der Juden genau so wie andere Schlagworte ein Vorurteil sind. Ich will hier nicht bte einzelnen Siege Hakoahs über namhafte Vereine der ganzen Welt hervorheben, sondern nur noch einmal betonen, daß der Name Hakoah-Wien in der Fußballwelt einen berühmten und gefürchteten Klang hat. Gegen unendliche Schwierigkeiten hat es Hakoah-Wien verstanden, sich durchzufetzen und damit den Ansporn gegeben, daß sich in fast allen großen Städten ähnliche Unternehmungen gegründet haben. Von diesen find noch an Spielstarke berühmt: Makkabi Brünn und Mal'kabi-Krakau. Selbstverständlich war ihnen dies nur durch die Teilnahme fast der ganzen jungen jüdischen Bevölkerung Wiens möglich, die durch ihr Erscheinen zu jedem Spiel ein Bollwerk gegen antisemitische Ausschreitungen bildete, aber auch durch ihr Besuchen der Spiele Hakoahs ihr die Einnahme verschafften, pekuniär ohne Sorge ihr Ziel zu erreiche». In den letzten Jahren ist auch in Berlin ein Fußballklub Ha» koah gegründet worden. Mit riesigen Hoffnungen und großem Enthusiasmus haben zirka 100 Personen den ersten Berliner jüdischen Fußballklub gestartet. Leider haben sie nicht in dem Maße Verständnis bei der jüdischen Bevölkerung Berlins gefunden, wie die gute Sache eS verdient hätte. Nach den Satzungen des VBB. (Verband Brartdenburgischer Ballspielvereine) muß feder neue Verein vier Klassen durchsteigen, ehe er an die Sonne, d. Y. an die Oberliga kommen kann. Wenn die Vereine der unteren Klassen wenig Anhänger und Zuschauer zu ihren Spielen erwarten können, weil ja das Interesse der Fußballwelt nur auf die Spiele der Oberliga-Vereine konzentriert ist. so konnten die jüdische» Futzballvereine erwarten, daß alle sporttiebendcn Juden durch ihr Erscheinen ihren Ausstieg gewährleisteil. Aber nur wenig, sehr wenig haben bis jetzt diese Gelegenheit gehabt, von dem erwarteten Zustrom zu bemerken und wäre es sehr erfreulich, wenn diese Zeilen dazu beitragen, die jüdische Bevölkerung Berlins an ihre Pflicht zu erinnern, die jüdischen Fußballvereine zu unterstützen. Schickt uns eure Jugend, sie ist bei. uns gut aufgehoben. David Radmann. r r iS! Die jüdische Gegenwart j 8 Abwehr des Antisemitismus. Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus hält seine diesjährige Hau-ttaqung in Köln ab. Der Verein, dessen Vorsitzende Reichsminister a. D. Dr.,Jng. Gothein und Reichskanzler a. D. Constantin Fehrenboch, M d. R., sind, hat seine Organisation wieder Über ganz Deutschland ausgedehnt. Im Rahmen der Tmung werden auf einem Vortragsabend der Universität-Professor Geb. Konststorialrat D. Otto Baumgarten aus Kiel über „Die «Mische Bewegung, geschichtlich und grundsätzlich betrachtet. und Kaplan Josef Tboms, am Münster zu Bonn. Über ..Christentum und Antisemitismus" sprechen. Uebrr den Verlauf der Tagung werden wir belichten. —————um I ■ .. Aus diesem Anlaß veröffentlicht der Verein ei« Kundgabung. in welcher es u. a. heißt: .Jken Haniasäal de- Kölner Rathauses befinden sich an der südliche« Schmalseite neun Heldenfiguren, kunstvolle Schwitzwerke ans der Zeit um 1880; je drei Helden des Christentum-, Judentum- und Heidentum-. SSir betrachten diese fast sechs Jahrhunderte alten Kunstwerke als ein Zeugnis einer Tradition versöhnlichen und klugen Geistes im Rheinland ... Mr im Abwehrverein wollen anläßlich unserer Tagung in Köln erneut unserer Aufgabe bewußt werden, gegen den Geist des Unrechtes anzukümpfen. Nicht mit den Waffen der Gewalt. der Hetze, der Auspeitschung der Instinkte kämpfen wir. sondern mit den Waffen d 3 Geiste-, der Aufklärung, -es Ueberzeugens. Nicht aus Egoismus, sondern im Dienste des Rechts, der Ethik, der Vaterlandsliebe. Gerade unser Verein, in dom sich io viele Christen zusammengefunden haben, darf für sich die Würdigung seiger idealen Tendenz verlangen." Ende einer Hetze. Der englische Oberrabbiner Dr. Hertz hat bereits mehr, fach durch Borträge über das liberale Judentum von sich roden gemacht, di« in -er Maßlosigkeit ihrer Angriffe gegen die jüdisch-liberale Weltanschauung nicht zu Werbicten waren. Er hatte u. a. ausgeführt, baß vor 80 Jahren in der Schwerz zwei Rabbiner Gutacht«: über die Schechita abgegeben liatten, di« ein Verbot der rituellen Schächtung in der Schweiz zur Folge gehabt haben. Das in Zürich erscheinende „Israelitische Wochenblatt für die Schweiz" meint, daß niemand in der Schweiz etwas davon weiß, und ersucht Herrn Reichsrabbiner Dr. Hertz, mitzuteilen, welche „Rabbiner" cs gewesen sein sollen, und auf welche Quellen er sich stützt. Man wird Herrn Obcrrabbiner Tr. .Hertz nur wünschen können, daß er Belege für seine Angriffe beibringt, da er sich sonst den Vorwurf einer gewissenlosen Hetze gefallen lasten muß. Die Völkischen als Helfer der Junglehrer. Die deutschvölkische Freiheitspartei hat an das Staatsministerimn folgende kleine Anfrage gerichtet: „Der Landtag hat beschlossen, zur dringlichen Linderung der Not der Junglehrer, deren Zahl 37 QOQ beträgt, 5 Millionen bereitzustellen. Der Herr Finanzminister hat vorläufig nur 1 Million bereitgestellt. Diese Summe ist angesichts der für unsere Volksbildung katastrophalen wirtschaftlichen und pMagogrschen Notlage der Junglehrerschaft derart gering, daß von einer wesentlichen Linderung der Not gar keine Rede sein kann. Dazu besteht die Gefahr, daß das Reich bei einer so geringen Bereitstellung von Mitteln durch Preußen ebenso verfahren wird." Die Anfrage verdient an dieser Stelle keine sachliche Würdigung. — So berücksichtigenöwert der Gegenstand an sich ist, so zeigen doch die Urheber und Former der „Anfrage", daß sie auch hier nur ein agitatorisches Bedürfnis erfüllen. Die Völkischen sind Gegner des Parlamentarismus, also zur Mitarbeit nicht gewillt und erwiesenermaßen auch gar nicht dazu geeignet. Sie verstehen sich aber darauf, die Mittel und Mittelchen des parlamentarischen Betriebes zur Empfehlung nach außen ansznnützen. Selbstverstälrölich ist es dem Ministerium nicht möglich, die vom Landtag bewilligten 5 Millionen aus einmal planlos auszuschütten und sie rein schematisch zu verteilen. DaS wissen auch die Völkischen. Doch handelte ich besonnen, war' ich daun der Tell? Trotz ihrer auch durch ihr Verhalten reichlich zur Schau gestellten Mißachtung der Parlamente bringen sie die meisten Anträge ein. Wie viele sind ehrlich gemeint und wie viele ausführbar? Damit mögen sich die aufrichtigen Parlamentarier abguälen. Völkische sind Bolksretter. Jetzt gilt ihre papierne Fürsorge -en zum größten Teil bedrängten Junglehrern, die auf nachhaltigste Hilfe durch den Staat angewiesen sind und in jedem Betracht darauf Anspruch haben. Begreiflicherweise herrscht unter den Junglehrern viel Mißstimmung. Das läßt sie wähl den Völkischen geeignet erscheinen, hier ihre Netze in Form von Anfragen und Anträgen auszuwerfen. Unter den älteren Geschlechtern der Volksschullehrerschast hatten die Bolksbeglückcr verschwinden,- wenig Erfolg. Doch die nach- Messias. Bon Jakob Loewenberg. Der greise Dichter-Pädagoge Jakob Loewenberg vollendet am 9. März in Hamburg sein 70. Lebensjahr. Unsere Leser kennen Loewenberg als feinsinnigen Interpreten jüdischer Empfindungen aus zahlreichen Arbeiten, Novellen, Gedichten und Aufsätzen, die er in diesem Blatte veröffentlicht hat. Weit darüber hinaus ist Loewenberg. der am 0. März 1866 in Niederntudorf geboren ist. durch seine zahlreichen Werke jüdischen und pädagogischen Inhalts bekannt geworden. Wir können hier nur „Lieder eines Semiten". „Aus jüdischer Seele", „Geheime Miterzieher" „Aus der Welt des Kindes" und die neue Anthologie „Deutsche BaKaden" nennen. Als Lehrer und Schuldirektor hat Jakob Loewenberg zahlreichen Generationen starke Anregungen zu geben gewußt. Er war und ist ein beliebter Mitarbeiter jüdischer und allgemeiner Zeitungen. Wir wünschen dem Jubilar, dessen Wirken stets dem jüdischen Namen Ehre gemacht hat. noch lange Jahre freudigen Schaffens und lasten ihn zu seinem Ehrentage mit einem noch nicht veröffentlichten Gedicht zu unseren Lesern sprechen: Am Tore Roms sitzt eine Gramgestalt. Die Augen jirgendtzell, d<rs Antlitz alt. Sein Blick geht in die Ferne, und doch sieht Er prüfend jeden, der vorüberzieht. So märtet der Messias traurig still. Ob denn nicht einer zu ihm kommen will. Da naht ein Vdann in leichtem Tänzerschritt Und sucht umher: Was bringt die Straße mit'? Er bleibt am Tore steh'n in mäßiger Ruh' Und sieht dem Alten lang verwunoert zu. „Auf wen denn wartest du hier. Alter, sprich!" Der springt empor und packt ihn fest: „Ans dich!" Zur Abschaffung des Leibzolls, besonders in Eachfm-HUdbmghause». Bon Dr. Jacobson -WaidmaunSlust. AIS MofeS Mendelssohn im Jahre 1776 aus einer Gommerreise in Dresden, wo er die Bibliothek besuchen wollte, den Leibzoll hatte erlegen müssen, da empfanden daS alle, vom Bibliothekar bis zum Kabinettsminister, als eine „entsetzliche Geschichte", und es wurde schleunigst die Rückzahlung der paar Groschen veranlaßt. Sie zitterten alle bei dem „entsetzlichen" Gedanken, eS könnte durch die Berliner Zeitungen weiterverbreitet werden, wie man in Dresden einen Manu von dem Rufe Mendelssohns behandelt, wie man ihn — um mit Mendelssohn selbst zu reden — int Range den polnischen Ochsen ganz gleich gesetzt hatte?) Weit weniger entsetzlich aber dürste ihnen der Gedanke gewesen sein, daß überhaupt solch eine Maßregel bestand, die den Juden in feiner innersten Würde verletzen, sein Ehrgefühl abstumpfen oder ihn mit Erbitterung erfüllen mußte. Es war in Sachsen, dem „lutherischen Spanien", das trotz seines katholisch gewordenen Herrscherhauses auch die Katholiken als Bürger zweiter Ordnung betrachtete, ja auch kaum zu erwarten, daß solchen Gedanken weiter Spielraum gegeben wurde. Und zu gesetzgeberischen Maßnahmen zur Abschaffung des Leibzolls war in Sachsen noch ein langer und schwerfälliger Weg. War doch eigentlich überall die Aushebung des LeibzollS das Signal zum Einschwenken in die Linie einer humaneren Auffassung der Judensrage und so in einem gewissen Sinne Gradmesser für den Stand dieser Frage in den einzelnen Ländern Europas. Bor der französischen Revolution schon hatten der aus, geklärte Joseph II. den Leibzoll in Oesterreich. Ludwig XVI. in Frankreich (1784) und Friedrich Wilhelm II. in Preußen (1797) aufgehoben. Im großen Gewirr der vielen kleinen Territorien des sich seinem Ende zuueigenden heiligen römischen Reiches deutscher Nation ging es mit dieser Aushebung aber nicht so schnell voran. War doch in diesen Miniatnrstaaten und auseinander gerissenen oder nicht völlig zufammengeschweißien Ländern jede einmal errungene und übliche Einnahme von Bedentung für die Balancierung des Etats, und war doch keines von diesen Duoüezländern so leicht geneigt, auf eine Einnahmequelle zu verzichten, die der Nachbar sich noch bewahrte. In der unendlichen Zahl dieser die Karte Deutschlands buntscheckig genug gestaltenden souveränen Gewalten lag für den deutschen Juden jener Tage das überaus Unangenehme und Beschwerliche des aus dem alten Geleit- und Zollsystem übrig gebliebenen Leibzolls. Man gewinnt ein Bild von der Belastung, die im Wirrsaal jener staatlich zerklüfteten Zeit der Leibzoll mit sich brachte, wenn man hört, daß ein Betteljude für sich und seinen unmündigen Sohn in 6 Tagen Wt Gulden für Leibzollzettel bezahlt hatte?) Gar nicht zu gedenken der Plackereien und des Zeitverlustes, die sich leicht für jeden an diese Personalsteuer knüpften. Erst die Revolution und die von Napoleon heraufgeführte politische Erschütterung und damit verbundene Umgruppierung in Deutschland unterhöülte auch diese mittelalterliche Einrichtung und löste /dem Juden der sich konsolidierenden deutschen Mittelstaateu und dem -er noch übrig gelassenen Kleinstaaten die lästige und entwürdigende Fessel des Leibzolls. Es ist bekannt, wie gerade dieser Fortschritt -en Juden nicht gänzlich als ein Geschenk in den Schoß fiel, sondern die *) M. Kayserling. MoseS Mendelssohn, sein Leben und seine Werke. 2. Ausl. Leipzig 1888. S. 247. -) Zitiert bei Grätz: Geschichte der Inden XI. Leipzig 1900. S. 233. rückende Generation muß man sich gewinne» für die Zwecke jener Volksbildung, wie die Völkischen sie verstetze»! — Auch die Junglehrer «erden bald erkennen, was sie von völkischer Hilfe zu erwarten haben. Doch über den Wert völkischer Parläment-aktionen müßten weit mehr als bisher die bedrohten Volks! reise aufgeklärt werden, unt» zwar stetsofort. ®. % Eport ohne Antisemitismus. Auf dem Internationalen Ski-Kongreß. der dieser Tage in Helsingfors abgebalten wurde, waren sie bürgerliche« Ski-Verbände Schwedens, Norwegens. Finnlands. Polens, Rumänien-, Franikreichs, Deutschlands. Oesterreichs. Italiens. Japans, der Tschechoslowakei und der Schroeiz vertreten. Dagegen sohlten die Bereinigten Staaten, Kanada. England. Ungarn, Jugoslatoien und die baltischen Länder. Eine lebhafte Debatte entspann sich über den Antrag auf Aufnahme -eS Allgemeinen Oesterroichiscken Ski-BerüandeS. der sich dem Internationalen Verband direkt anzuschlietzen wünschte. Gegen die Stinmren Deutschlands und der nordischen Staaten wurde beschlossen, den alten Oesterreichischen Ski-Vepband aufzufordern, den Arier-Paragraphen, der auch in Oesterreich zur Spaltung im bürgerlichen Lager -eS Skisportgeführt hat, anfzugeben. Daraufhin legte -er Delegierte Oesterreichs seine Vertretung nieder. Der Kongreß beschloß, sich an den Olympischen Spielen .zu beteiligen. Der nächste Kongreß findet 1028 aus Anlaß der Winter-Olympiade in der Schweiz statt. In eigener Sache. Herr Rechtsanwalt Dr. Richard Rosenthal in Duisburg bittet uns um Ausnahme folgender Erklärung: Aus dem Artikel des Predigers Dr. Karl Rosentbal in Nuutmer 8 dieser Zeitung vom 19. Februar d. I. ersehe ich, daß von zionistischer Seite aus die Behauptung aufgestellt ist, ich sei Naumanniauer. Diese Erklärung ist von A bis Z frei erfunden. Ich gehöre seit 1010 dem Vorstand der Ortsgruppe Duisburg de- Centralvereins an, zunächst akS Schriftführer und später als Vorsitzender. Ich bin seit 1904 KC er. Die Behauptung des Lehrers Steinhardt aus Hamburg ist in dieser Beziehung falsch. Ich bin allerdings, seitdem ich politisch denken kann, ein entschiedener Gegner des Zionismus und bin seit Aufkommen der Naumannschen Richtung auch schärfster Gegner derselben. Ich kämpfe gegen die Errichtung einer jüdischen Volksschule in Duisburg. ES hat mich aber nickt etwa meine Gegnerschaft zum Zionismus zu einer abweisenöetr Gtellmrgnahme geführt, sondern msine Stellungnahme zum Judentum und Deutschtum. Der Kamps hat im übrigen den Erfolg gehabt, daß die Repräsentanz der Sunagogengemeinöe Duisburg die Errichtung einer jüdischen Volksschule bis 1927 herausgeschoben hat. WaS man dem Prediger Dr. Karl Rosenthal von zionistischer Seite.nachgesagt hat, beruht zum größten Teil aus falscher Information. Der Vortrag fand in nichtöffentlicher Sitzung statt: eingeladen waren nur Gegner der Volksschule. der Vorstand und die R-epräleutanz der hiesigen Synagogeugemeinde. Die entstellten Aeutzerungen können ebenso wie der Bericht in dem jüdischen Blättchen in Köln nur von zionistischer Seite stammen. Sie sind schon deshalb wenig zuverlässig, da der Berichterstatter, ein Führer der Zionisten, sich während des ganzen Abends in furchtbarer Aufregung über daS Mißlingen des zionistischen Antrages befunöett hat und infolgedessen zur objektiven Berichterstattung gar nicht in der Lage war. Dies zur Steuer der Wahrheit! Dr. R. Rosenthal, Rechtsanwalt und Notar. Aus den Gemeinden Altenkirchen (Westerwald). iSelteneS Jubiläum.) Eilt Jubiläum, wie eS vielleicht in Deutschlaird kaum einmal da war, beging in dieser Woche der Lehrer Salomon an der hiesigen israelitischen Gemeinde. Volle sechzig Jahre ve- ---j- > planmäßige Arbeit tatkräftiger Männer ihm den Boden bereitete. Neben dem Thurn und Taxisschen Pagerieprosessor Christian Grund, der für die deutschen Juden an den Friedenskongreß von Rastatt appellierte (1803). sind da vor allem Israel Jacobson, der Finanzrat des Braunschweiger Hofes und spätere Präsident deS Kgl. Westfälischen Konsistoriums der Israeliten in Cassel, sowie der bescheidene und rührige WolsBretöenbach zu nennen, die ihre weit verzweigten Verbindungen gerade für die Beseitigung deS Leibzolls nutzbar machten?) Unablässig zerbröckelte die Institution deS Leibzollin Deutschland. Wo Einsicht und guter Wille nicht ausreichten, da halfen Represstvmaßnahmen nach, und so mußte selbst das Königreich Sachsen nacheinander den französischen (1806), de» Kgl. westfälischcit und holländischen (1808), den polnischen, russischen und türkischen Juden (1810) volle Abgabenfreiheit bei ihren Reisen durch und nach Sachsen gestatten. War doch auch die Leipziger Messe noch da! Das Beispiel der Großen wirkte aus die Kleinen, die nach der großen Sonne sich orientieren mutzten. So sehen wir denn in der RheinbunüSzeit u. a. auch die thüringischen Fürstentümer den Leibzoll abbauen und ihn ruckweise abschaffen. An dem Beispiel de- Herzogtums Sachsen-Hilbburghausen, das 1826 durch das AuSsterben der herzoglichen Linie als selbständiger Staat verschwand, kann dieser Vorgang in Motiv. Hemmung und Verzahnung verfolgt werden?) Auch hier bestand der Leibzoll. allerdings mit der durch bas Privileg vom 20. Dezember 1730 sestgelegten Einschränkung, daß fremde Juden, die von Hildburghausern zu Hochzeiten. Beschneidungen und Begräbnissen eingeladen waren, und ebenso Betteljuden, die keine Ware mit sich führten und nur Almosen forderten, von ihm befreit waren. Bereitzu Beginn deS Jahres 1807 hatte der Herzog, getrieben durch das Beispiel Frankreichs und der Rheinbundmitglieder, die Aufhebung des Leibzolls ins Auge gefaßt. Die darüber gepflogene Verhandlung der obersten LandeSbehörüen, der sogenannten Regierung und der Kammer, kamen aber nicht recht vorwärts. Die Kammer, die Finanzbehürüe. hatte mancherlei Bedenken. Sie fürchtete für eine Schmälerung der sehr genau bemessenen Einnahmen des nicht viel mehr als 80000 Menschen umschließenden Staates, für die der Wegfall der jährlichen Leibzollerträgntsse von annähernd 200 Talern schon in die Wagschale fiel. Andererseits glaubte sie, daß durch bte Aufhebung des Leibzolls der Gewerbebetrieb der Juden überhaupt aller Fesseln ledig würde — und das war durchaus nicht nach ihrem Sinn! Die Regierung aber war weder mit den Grundsätzen noch dem Jdeengana der Dchwesterbehörbe einverstauderr. Sie stellte eS ganz klar heraus, daß eS sich lediglich darum handle, durch die Abschaffung des Leibzolls. der die Juden in die Klaffe des Viehs und der Ware herabsetzte, das Menschenrecht der Juden änzuerkennen. Immerhin war auch sie dafür, daß man erst das Vorgehen gröberer sächsischer Staaten und den Zeitpunkt aLwarten sollte, «o die jüdischen Angelegenheiten 3) Grätz a. a. O. S. 237. •) Nach Akten des SraatsarchivS in Meiningen.

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