Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 9 (26.2.1926)
- Date
- 1926-02-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2613366-2613841-2613850--1714-2619104- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Mitteln eines durchaus uujüdischen Terrors unS daran hindern wollen, für unsere Ziele zu wirken. Breslau. (Jüdisch-liberaler Jugenöverein Abraham Geiger.) Am 17. Februar sprach Rab- Sbmer Dr. Lueas-Glogau im hiesiegen Jüdisch-liberalen ngendverein „Abraham Geiger" über Salomon Ludwig teinheim. Auf Grund eigener tiefgründiger Forschungen umritz der Vortragende ein Bild jener überragenden Persönlichkeit und Zierde des deutschen Judentums des vorigen Jahrhunderts, die der Gegenwart bei weitem nicht in dem verdienten und wünschenswerten Matze bekannt ist. Dr. Salomon Ludwig Steinheim (geb. 6. 8.1789 zu Bruckhausen. gest. 18. 6. 1857 zu Zürich) war seines Berufes Arzt in Altona, wo er auch auf dem jüdischen Friedhof seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Dem eingehenden Studium seines Faches und der mit diesem zusammenhängenden Gebiete entsprangen eine große Reihe bedeutender medizinischnaturwissenschaftlicher und philosophischer Arbeiten, die nicht nur die höchste Bewunderung der Mitwelt erregten, sondern auch heute noch gelesen zu werden verdienen („Die Entwicklung der Frösche", „Philosophie und Physik", „Vom Instinkt", „Das Licht in seiner Beziehung zum Leben"). Steinheim war ein Führer im Verein Hamburger Aerzte. Auf dem Naturforscherkongreß zu Hamburg von 1842 war er Gegenstand höchster Anerkennungen und Ehrungen. Mit seinen fachwissenschaftlichen Kenntnissen verband er eine auserlesene Bildung auf allen Gebieten der Literatur und Kunst, die sein Haus zusammen mit seiner verständnisvollen, ihm geistesverwandten Gattin zu einem leuchtenden Mittelpunkt des geselligen Lebens in Altona machen ließ, an dem sich die erlesensten Geister der Zeit, darunter Ehamisso, gern und regelmäßig trafen. Zu seinem engeren Kreise gehörten Gabriel Rietzer und Leopold Zuntz. Mit Heine stand er in Briefwechsel, besuchte ihn auch gelegentlich auf seinem Krankenlager in Paris. Bande der Freundschaft verbanden ihn mit T h o r w a l d s e n. Ein besonders inniges Verhältnis aber verknüpfte' ihn mit Ludmilla Assing, der geistvollen Nichte Barnhagens v. Ense, die zu ihm als ihrem „Onkel" und seiner Gattin als ihrer „Tante" in kindlicher Verehrung aufblickte. Vor allem war Steinheim im treuen Verein mit Gabriel Rietzer ein Vorkämpfer für die Emanzipation der Inden, für die er sich insbesondere zunächst in Holstein einsctzte. Jedoch ist sein geistiges Wirken in dieser Hinsicht für die Folgezeit in allen Ländern von einer Bedeutung geworden, der sich die Gegenwart nicht hinreichend bemüht ist. Von besonderem Interesse ist seine Auseinandersetzung mit dem ihm bis dahin befreundeten Gutzkow, der damals Redakteur am liberal eingestellten Hamburger „Telegraph", sich gleichwohl mit Entschiedenheit gegen die Emanzipation erklärte und als ihre Vorbedingung das Anfgcben auch jeder religiösen Eigenart forderte. Demgegenüber kcnnzeichnete Steinheim in meisterhafter, auch heute noch mit innerem und praktischen Gewinn zu lesenden Worten, die für die Neuzeit erforderliche grundlegende Trennung zwischen den Begriffen „Nation" und „Staat" Seine Stellung zu dieser für uns heute noch bedeutungsvollen Frage faßte er dahin zusammen: „Wir k ö n ne n uns als Juden nur in u n d durch die Religion des Judentums rechtfertige n." Neben eine Ncligionsphilosophie in vier Bänden hat er eine umfassende Dichtung religiös-philosophischen Charakters „Sinai", unter dem Namen Obadja ben Amos, seinem Freunde Gabriel Rietzer gewidmet. Mit schöpferischer Gestaltungskraft schildert er in edelster Sprache den Kampf der bösen und guten Geister. Rabbiner Dr. Lncas las aus einem Exemplar der umfangreichen Dichtung, das er selbst unter schwierigsten Umständen durch Abschrift aus einem der ganz wenigen überhaupt vorhandenen gewann, köstliche Proben vor. Aer fesselnde Vortrag lieh die Zuhörer, die leider in geringer Zahl erschienen waren, ahnen, dah Znnz mit seinem Worte, daß Steinheim „der Philo des 19. Iährst u n d e r ts sei", nicht zuviel gesagt hat. Er ließ andererseits den Wunsch auskeimen, ans der Feder des verehrten Vortragenden, der ans Grund seiner Spezialforschungen vorzugsweise dazu berufen erscheint, der Mit- und Nachwelt eine Biographie Steinheims geschenkt zu sehen, die G r a e tz als „ein Desiderat der Wissenschaft, dem hoffentlich Genüge geschehen werde", bezeichnet hat. Lersammlungskalender Berlin. (Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162.) Gottesdienst am Freitag, den 20. Februar, abends 7J4 Uhr: Andacht zum Volkstrauertag. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. Sonnabend, den 27. Februar, vormittags 10 Uhr. Abendgottesdienst 6^ Uhr. Purimfeier und Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. Breslau. (Jüdisch-liberaler Jugendverein „Abraham Geiger".) Mittwoch, den 3. März, abends 8K Uhr, bei Kornhäuser. Freiburger Str. 9: Purimfeier. Ansprache, musikalisch-deklamatorische Darbietungen, Kaffeetafel, Tanz. Gäste willkommen. j; ff || Sprechsaal Der landwirtschaftliche Berus für die jüdische Jugend. Der Schulabschluß naht wieder, und viele Eltern werden vor der Frage stehen, welchen Beruf sie ihr Kind ergreifen lassen sollen. Als Praktiker in der Landwirtschaft will ich aus diesen Berus näher eingehen. Es ist zwar in den letzten Jahren nicht wenig hierüber diskutiert worden, sehr viel von Theoretikern, aber nur allznwenig aus der Praxis. Im allgemeinen ist heute die Frage der Berufswahl besonders schwer. Die Ueberfüllung der akademischen Berufe, die Lage des Handels lenken u. a. ans die Bodenkultur. Nicht nur vom ökonomischen Standpunkt, sondern auch vom hygienischen betrachtet, wäre eine Abwanderung aus der Großstadt zurück zur Natur äußerst wünschenswert. Für den Juden, der gezwungenermaßen sein Leben in der Stadt verbracht hat und dem der ausgleichende Zustrom vom Lande wie bei der nichtjüdischen großstädtischen Bevölkerung fehlt, ist es besonders erforderlich, seinen verbrauchten Körper zu stählen. Ein Statistik ergab, daß im Verbültnis zur Gesamtbevölkerung die Juden 68 Prozent aller Geisteskranken stellen (10. Jahresber. d. B. z. Förd. d. Bd. Kultur u. ö. Juden Deutschlands), und die Zahl der Taubstummen ist prozentual mehr als doppelt so groß (Rasse und Krankheitsfragen der Inden, Gutmann),' nicht zuletzt ist die Großstadt die Ursache der zum Verfall unserer Reihen führenden Erscheinungen, wie Mischehe, Taufe, Geburtenrückgang. Nebenbei gilt es, einen Vorwurf der Antisemiten zu widerlegen, der Jude tauge zur Landwirtschaft nicht und ergreife nur Berufe, die nicht produktiv seien (was Nationalökonomisch vollkommen unrichtig ist). Unsere Glanzperiode ist die Zeit, wo unsere Väter Ackerbauer und Handwerker, aber nicht Händler waren. Die Schriften stellen den Gelehrten, den Ackerbauer, den Handwerker in den Vordergrund. Jerusalem besaß schon vor Davids Zeiten eine sehr ausgebildete Kanalisation. Die Abwässer wurden in Klärteiche geleitet und zur Düngung der Felder benutzt, eine moderne Rieselfeldanlage vor 3000 Jahren! Durch härteste Gesetze ist der Jude erst vom Lande vertrieben worden und da der Handwerkerstand ihm auch verschlossen war, ist ihm keine Auswahl im Berufe geblieben. Aber nicht der antisemitische Vorwurf soll uns leiten, sondern allein das eigenste Interesse. Schon vor dem Kriege erkannten weitschauende Juden die Bedeutung des landwirtschaftlichen Berufes für unsere Jugend. In Deutschland habe» u. a. Männer wie Simon-Hannover, Tuch-Hamburg und andere diesen Gedanken in die Tat umgesetzt und so entstand die Garteubauschule in Ahlem und das Simousche Seminar für Gartenbau, Landwirtschaft und Handfertigkeit in Peine. Mit den vorhergehenden Ausführungen soll nicht etwa zu der wahllosen Zuführung zu diesem Berufe geraten werden: entschieden gehört er zu den arbeits-, sorgen- und verdrußreichsten. Darum ist vor allem Voraussetzung: Liebe zur Natur und mit Leib und Seele beim Beruf zu sein: sonst ist der Berns verfehlt! Nicht sind, wie meistens als überflüssig angesehen wird, die geistigen Fähigkeiten zu vergessen: denn cs dürfte wohl ein zweifelhaftes Unternehmen sein, wollte man von dem Sprichwort ausgehen: „Der dümmste Bauer hat die größten Kartoffeln". In neuerer Zeit sind die Ansprüche, die au den Landwirt gestellt werden, noch gewaltig gestiegen. Die Zeiten, wo es hieß: „Zu was anderem ist der Sohn nicht zu gebrauchen, also wird er Landwirt", klingen einem heute wie ein Märchen. Es gibt auch sicher keinen Berns, der mehr selbständiges Denken erfordert. Die jüdischen jungen Menschen, die den angeführten körperlichen und geistigen Anlagen nach eine Eignung zur Bodenkultur versprechen, müssen rechtzeitig dazu erzogen werden. Jüdische Institute, wie Ahlem und Peine, bieten fachlichen Unterricht mit praktischer Arbeit. Nun zu den Aussichten, die dieser Beruf bietet. DaS höchste Glück eines jeden ist wohl, sein Heim aus eigener Scholle durch eigene Kraft und Arbeit zu gründen. Aber nicht vielen wird dieses erreichbar sein. — Bei der Wahl der Niederlassung (bes. Siedlungen) muß auf die Nähe einer jüdischen Gemeinde geachtet werden, ich warne aber aus leicht begreiflichen Gründen vor der Nähe einer Großstadt. — Neben gutem, geeigneten Nachwuchs mt Lehrern und Leitern unserer Institute, Farmen usw.. kommen vor allem Beamte und Arbeiter für die Güter in Frage, die in Händen von Juden sind, teils unter eigner fachmännischer Leitung, größtenteils aber wohl im Besitz von Nichtlandmirten. Hier liegt ein großes Arbeitsfeld für jüdische Landwirte. Nun hört man aber von den jüdischen Besitzern öfters Klagen über jüdische Angestellte: wenn die oben angeführten Voraussetzungen zu diesen: Berufe fehlen, ist das nicht verwunderlich und wurden dann Nichtjnden zu derselben Klage Veranlassung geben. Ich betone hierbei nochmals: kein unüberlegtes wahlloses Ergreifen des landwirtschaftlichen Berufes! Die jüdische Jugend muß ihren ganzen Idealismus zu ihrer Gesundung aufbieten und den jüdischen Bauernstand wieder zur alten Blüte bringen. In einem gesunden Körper steckt ein gesunder Geist! — Alle Juden sollten ihren Stolz darein sehen, das Werk zu fördern, und bietet sich allen Freunden hierzu ein reiches Feld! Dipl. agr. E. Sch ei er. Peine. Geschäftliche Mitteilungen. Wer nach des Tages Müh und Last bei einer guten Tasse Kaffee Erholung suchen und angenehm plaudern will, suchr die Original Kissinger Konditorei von Messerschmidt in Charlottenbnrg, Wilmersdorfer Str. 77, auf. Das Kaffeestübchen, das entzückend eingerichtet ist, bietet dem gehetzten Großstadtmenschen einen Punkt der Sammlung nnd des Ausspanuens. Man wird bei Mefferschmidt eine gute Tasse Kaffee und ausgezeichnete echte Kissinger Backwaren zu soliden Preisen finden. Auch für häusliche Festlichkeiten sind Eisspeisen nnd Torten der neuen Konditorei sehr zu empfehlen. Man bekommt eine Baiser-Torte schon von 4 Mark an. Unserer heutigen Auslage liegt ein Prospekt der Firma Buttcr-Zcntrale-Nioderrhcin in Goch (Rhld.) bei. welchen wir unseren Lesern zur gesl. Beachtung empfehlen. Diese Firma ist die größte dieser Art in Rheinland und , Westfalen, welche direkt Private mit koscheren Butter-EMW" Mitteln beliefert. J" Werbt neue Mitglieder! die Tigreleute einen Drachen und beteten ihn an und brachten ihm Opfer. Jeder Mann war verpflichtet, dem Drachen die erstgeborene Tochter nebst einem Entalem Meth nnd einem Entalem Milch darzubringen. Als nun die Reihe an Etiye Azebs Eltern kam. banden diese das Mädchen für den Drachen an einen Baum. Da kamen sieben Heilige daher und sahen das Mädchen angebunden "nd fragten es, da es heftig weinte: „Wer bist du? Bist du Maria oder ein menschliches Wesen?" Da antwortete sie ihnen: „Ich bin ein menschliches Wesen." „Und weshalb bist du hier angebunden?" fragten die Heiligen, die sich im Schatten des Baumes niedergelassen hatten, weiter. „Sie haben mich angebunden, damit der Drache mich verschlinge," gab cs zur Antwort. Da fragten sie: „Ist er auf dieser. Seite des Hügels oder auf der anderen?" „Er ist da" schrie das Mädchen, und die Heiligen sahen ihn. Abba Cahama strich seinen Bart. Abba Garima sagte: „Ec hat mich erschreckt!" Jedoch Abba Mentalik rief: „Laßt ihn uns ergreifen!" und so fielen sie denn über ihn her und töteten ihn. Das Blut des Drachens besoritzte aber das Mädchen nnd traf es auf die Füße. Ihre Ferse wurde zur Eselshnfe. Nachdem die Heiligen das Mädchen losgebunden hatten, sagten sie ihm. es möge zurück nach dem Heimatsdvrfe gehen. Als es aber zurückkehrte, trieben es die Dorsleute» die nicht wußten, das der Drache tot sei. wieder weg. Außerhalb des Dorfes kletterte nun das Mädchen auf einen Baum und brachte daselbst die Nacht zu. Am nächsten Morgen ging es wieder ins Dorf zurück und sagte: „Nun kommt doch, ihr Leute, ich will euch zeigen, daß er tot ist." Da folgten sie und sahen den Drachen erschlagen vor sich liegen. Und da sie ihn tot sahen, sprachen sie untereinander: „Laßt uns sie zu unserem Häuptling machen! Hätte Gott nicht durch sie gewirkt, wie hätte sonst der Drache durch sie seinen Tod gefunden!" Und so machten sie denn das Mädchen zn ihrer Königin, und das Mädchen nahm die Würde an und machte ein anderes Mädchen zum ersten Minister. Nach einiger Zeit hörte die nunmehrige Königin, daß in Jerusalem ein König regiere namens Salomon. Wer immer sich zu ihm begebe, würde von jeder Krankheit sofort geheilt. „Wenn du hingehen würdest, so erhielte dein Fuß sofort, wie du des Königs Schwelle betrittst, seine alte Form wieder " sagte man zu der Königin. Nachdem sie dieses vernommen, ordnete sie ihr Haar in der Art der Männer, und auch ihr Minister tat desgleichen. Dann umgürteten sich beide mit Säbeln und machten sich auf den Weg. _ T Als sie sich näherten, berichtete man dem Koma Salomo: „Der Könia von Abessinien naht." „Lasset ihn eintreten!" befahl der König. Doch als die Königin den Palast beträt. da wurde ihr Fuß sogleich wie zuvor. Sie trat nun zum Könige hin und ergriff grüßend seine Hand. Der König befahl hierauf: „Bringet Brot. Fleisch und Meth!" und sie setzten sich hin. um zu essen und zu trinken. Aber während des Mahles tranken die Mädchen aus Bescheidenheit nur wenig, so daß der König argwöhnte, es wären Frauen. Als es Abend geworden war. gab er Befehl, den Gästen Betten herzurichten, und zwar in seinem eigenen. Schlafzimmer, und man stellte die Betten einander gegenüber. Der König nahm nun einen Schlauch Honigweins und hängte ihn in dem Raume auf. Dann setzte er einen Napf darunter und machte ein Loch in «den Schlauch, daß ec tröpfelte. Es war aber des Königs Art, die Augen halb offen zu haben, wenn er schlief, und sie geschlossen zu halten, wenn er wach lag. Während der Nacht, da alle rnhtcn, schlief auch der König und hielt die Augen halb geöffnet. Und die Frauen sprachen: „Er schläft nicht, er sieht uns. Wann wird er cinschlafen?" Während sie so miteinander redeten, erwachte der König und schloß die Augen. „Nun ist er eingeschlafen," sagten die Mädchen und begannen an dem Honignapf zn lecken. Daran erkannte er. daß es Frauen seien. Ec zog nun beide an sich heran und verbrachte die Nacht mit ihnen. Da sprachen sie zu ihm: Unsere Blüte ist von uns genommen." Der König aber gab einer jeden einen silbernen Stab und einen Ring und sagte: „Wenn es ein Mädchen sein wird, so gib ihm den Stab und laß es zu mir kommen: ist es aber ein Knabe, so gib ihm den Ring und laß ihn zn mir kommen." Die Königin von Saba aber kaufte noch Spiegel und dann, als beide Mädchen fühlten, daß sie schwanger seien, kehrten sie in ihr Land zurück. Beide aber gebaren Söhne. Als die Knaben herangervachseu waren, sagten die Tigreleute: „Sie sind vaterlose Kinder." Die aber antworteten ihnen: „Unser Vater ist der König Salomo, der in Jerusalem wohnt." Der Sohn der Königin von Saba saß iedoch seinem Vater sehr ähnlich und in der Hautfarbe glich er gänzlich dem König Salomo. Die Mutter sprach daher zum Knaben: „Mein Sohn, dein Vater gleicht dir sehr. Nimm diesen Spiegel und begib dich zu ihm. Er ist aber ungemein schlau und scharfsichtia. und er wird sich vor dir verbergen. Wenn du also eineu anderen Mann auf dein Thron sitzen sehen wirst, begrüße diesen nicht." Die beiden Knaben begaben sich denn nach Jerusalem. Als sie ankameu, sagte König Salomo: „Wenn es meine Söhne sind, so möge man sie warten Lassen." Und er begab sich hinweg, ohne sich sehen zu lassen: und dies währte drei Jahre. Nach Verlauf der drei Jahre befahl er. seine Söhne vor sein Angesicht zn bringen. Aber der König hatte seinen königlichen Schmuck abgelegt und sich in Lumpen gekleidet und war unter das Stallgesinde gegangen, während auf dem Thron ein Mann aus dem Volke saß. Als die Knaben eintcaten, faßte der eine von ihnen nach der Hand des Mannes auf dem Throne und begrüßte ihn. Jedoch Menelik. der Sohn der Königin, stand gerade und unbeweglich und besah sich in seinem Spiegel und bemerkte, daß die Hautfarbe des Mannes auf dem Throne eine andere war als seine eigene. Dann wandte er sich nach allen Seiten um. aber er konnte keinen Mann mit der gleichen Hautfarbe linden. Nach einer Weile blickte Salomo aus dem Stalle hervor, und kaum hatte ihn Menelik erschaut, da aing er zu dem Könige hin, reichte ihm die Hand und begrüßte ihn. Da sprach Salomo: „Du bist mein wahrer Sohn. Der andere ist zwar auch mein Sohn, aber ex ist ein Tölpel." Dann zog der König seinen Sohn Menelik neben sich auf den Thron. Nun pflegte aber der Könia zu sagen: „Wenn Rinder in eines fremden Mannes Garten einbrechen, so darf der Mann das Vieh wegnehmen." Der Jüngling aber sagte: ,Der Eigentümer des Feldes hat nur Anspruch auf eine Vergütung von sechs Metzen Getreide." Er verwies seinen Vater und sagte tadelnd: „Wie darf sich der Mann des Viehs bemächtigen?" Das Volk begann sich aber beim König zu beklagen, indem es sprach: „Wie können zwei Herrscher über uns regieren? Sende deinen Sohn doch zurück in sein Land." „Laßt mich wenigstens erst zn Rate gehen," antwortete der König, „und wenn ich das getan habe, werde ich es euch wiffen lasten." „Tue das," sagten die Leute und gingen weg. Der König ließ aber seinen Sohn rufen und sprach: „Die Leute haben sich bei mir beklagt und verlangen, ich solle dich nach Hanse schicken. Was soll ich machen?" Ta sprach der Jüngling: „Sage ihnen: Ist er nicht mein erstgeborener Sohn? Dann sendet auch eure erstgeborenen Söhne mit ihm." Der König sagte dies zn den Leuten seines Volkes und diese antworteten: „Es ist gut," und jeder sandte seinen erstgeborenen Sohn mit. König Salomo sprach zu «seinem Sohn: „Nimm die Lade des Erzengels Michael mit dir." Der Jüngling nahm aber die Lade der Maria und den Deckel der Lade des Erzengels Michael tat er ans die Lade Marias. Dann nahm er die Lade und machte sich auf den Weg. Nach einigen Tagen erhob sich in Jerusalem ein mächtiger Sturm und König Salomo sagte: „Seht nach der Lade Maria!" Und als die Leute nach ihr sahen ohne aber den Deckel abzunehmen, sagten sie: „Sie ist hier." Der König aber sprach: „Nehmt den Deckel ab und seht!" Und als sie den Teckel abnahmen, da war es die Lade Michaels. Da sandte der Könia einen Boten an seinen Sohn mit dem Befehl, die Lade zurückzustellen, aber Menelik weigerte sich. Sv kamen sie nach Quayeh-Kör, da starb einer der Priester, und sein Name mar Heywat. Man begrub ihn da. Als er nun im Grabe lag und man weitermarschseren wollte, siehe, da vermochte man nicht die Lade aufzuheben und sortzubewegen. Da sagte Menelik: „Grabt ihn aus." Da wurde das Grab wieder aufgemacht und man fand, daß ein Finger des Toten aus dem Sarge hervorragte. Da tat man de» Finger in den Sarg und nun ließ sich die Lade wieder sortschafsen. Nun gingen sie weiter nnd kamen ins Tigreland. Sie begaben sich nach Armn. Aber Satan erbaute da ein Haus, um gegen Gott zu streiten. Als sie das sahen, riefen sie: „Maria ist zu dir gekommen!" Da zerstörte der Teufel seine» Bau und verließ ihn. Einen mächtigen Stein hatte er eben aufgehoben, aber als sie riefen: „Maria kommt zu dir!" da ließ Satan den Stein fallen und entfloh. Und aus diesen Steinen, aus denen Satan hatte sein Haus bauen wollen, erbauten sie nun zu Ehren Marias eine Kirche. Der dicke Stein aber steht aufrecht bis aus den heutigen Tag. Sv weit die Legende. Kaiser Menelik war demnach ein Abkömmling jenes Menelik. der aus der Verbindung der Königin von Saba mit König Salomo entsprosten ift* Dieser Glaube hat stch in Abessinien bei Kaiser, Klerus und Volk bis zur unerschütterlichen Ueberzeugung befestigt.