Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 9 (26.2.1926)
- Date
- 1926-02-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Märlein. Von Ludwig Philippson (bearbeitet von Jula Magnus). I. Der Geiger. Vor Zeiten war in unserer Kille ein kleines, vergrautes Männchen, das recht ärmlich lebte, ohne eigentlichen Beruf, und die meiste Zeit auf der Hausschwelle saß und auf die Straße starrte. Man nannte ihn „Karpel mit der Geige", was so zuging: Er hatte eine Geige, die hing jahraus jahrein an der Wand, er lächelte und nickte ihr freundlich zu, sobald er sein Stübchen betrat, aber er nahm sie nie herab, um zu spielen. Jedoch wenn am Purimfeste die Sonne ihre letzten Strahlen warf, wenn in den Häusern der Juden sich Lichter über Lichter entzündeten und auf den schöngedeckten Tischen mächtige Kalbsbraten und geschmorte Pflaumen erschienen, wenn dann bunte Gestalten, in Mantel vermummt, durch die Gasser, huschten und bald in dieses, bald in jenes Haus schlüpften — da hatte auch Karpel seine Geige von der Wand genommen, hatte sie probiert und gestimmt und war hinausgegangen, um die Runde zu machen in allen „guten" Häusern. Wo er eintrat und „Gut Purim, ihr lieben Leut!" rief, da wurde er mit Jubel empfangen: „Karpel mit der Geige ist da! Gottswillkommen, Karpel!" Nun setzte er sich in Positur und fing an. Allerdings standen ihm nur drei Melodien zu Gebote, die er immer wieder spielen mußte, aber wie fertig und mit welcher Begeisterung! Immer den Bogen heruntergezogen und die Geige nach links herumgeworfen, wie ein großer Virtuose. Nacn jeder Melodie wurde ihm ein Glas Punsch verabreicht, da kam er mehr und mehr ins Feuer. Nun gerieten seine drei Melodien durcheinander, ein paar Takte spielte er von der einen, ein paar Takte von der anderen, däs gab ein tolles Konzert, zuletzt schien es, als ob er alte drei mit einem Striche spielte, und die Leute lachten sich halb tot und riefen: „Karpel, hör' auf, hör' auf!" Er ließ sich aber nicht stören. Da stopften sie ihm die Taschen voll Kuchen und schoben ihn zur Tür hinaus. Das war eine Purimlust! Auf der Straße warf er den Kuchen aus den Taschen, denn die mußten leer sein, wenn er das nächste Haus betrat. Und dann fing der Spektakel von neuem an. — So war es mit „Karpel mit der Geige". Einmal war er in so vielen Häusern gewesen, daß es Mitternacht wurde, ehe er den Heimweg antrat. Es war heute gut gegangen, überall war er freundlich empfangen worden, man hatte ihm reichlich Getränke spendiert, so daß sein Kopf etwas umnebelt war. Der Mond schien zu tanzen; als er ihm nachlaufen wollte, wackelten die Häuser so kurios; bald war er daher aus dem Wege gekommen und setzte sich auf einen Eckstein, um ein wenig auszuruhen. Kaum hatte er die Augen geschlossen, so mußte er Sie wieder auftun, denn ein starkes Licht machte ihn munter. Gegenüber dem Eckstein, auf dem er saß, bemerkte er ein großes Gebäude, das bestimmt sonst nicht «ort gestanden hatte, dessen Fenster hell beleuchtet Haaren. Plötzlich öffnete sich das Tor, und in der gewaltigen Helligkeit sah er zwei, drei Gestalten, die ihm winkten. Die Geige fest ans Herz gedrückt, schritt er hinüber. Zuerst befand er sich in einer prächtigen Vorhalle, die von unzähligem Volk erfüllt war. Da war ein Geschwirr und Gemurmel wie ein brausendes Meer. Aber Wie sonderbar! Aus der Menge nickte ihm bald der, bald jener zu, er erkannte Leute, die zwei, zehn, zwölf Jahre schon tot und begraben waren, er sah sie in den Kleidern und mit dem Aussehen, wie er sie in ihren letzten Lebensjahren oft gesehen hatte. Freute er sich dann, daß sie $och lebten, und wollte er sie anreden — husch, waren sie fort. Da teilte sich das Volk, und es bildete sich vor ihm eine Gasse, durch die er vorwärtsgeschoben wurde. Er betrat einen ungeheuren Saal, so prächtig, daß des reichen Parneß Hirsch beste Stube ein Kinderspiel dagegen war. Alles war Marmor und Spiegel und Gold, die Kronleuchter waren mit zahllosen Kerzen besteckt, Girlanden von Blumen hingen an den Wänden. Hier stand ein hoher Thron aus rotem Samt, auf den Stufen lagen goldene Löwen, auf dem Thron saß der König — wcr es war — Ahasver und neben ihm die Köjpigin Esther. Wer beschreibt ihre Pracht und Herrlichkeit, ihre Kronen, ihre Zepter? Kein Mensch kann es* Karpel blickte um sich und konnte sich nicht sattsehen. Der König winkte ihm und sprach: „Karpel, ich freue mich, dich gesund und munter hier in unserer Mitte zu sehen, <— nun sollst du uns auch etwas vortfeigen, denn die Toten wollen gern am Purim tanzen. Nimm deine Geige und fang an!" Karpel schauderte, als er das Worl i,Tot hörte, aber er faßte Mut, nahm schnell die Geige ®ur Hand und strich los. Da reichte Ahasver gar zier» Uch der Königin die Hand und führte sie zum Tanz mii Krone und Zepter, und vier Knaben trugen ihre Königs m§.ntel und tanzten hinterdrein. Ihnen nach reihten siel Männlein und Weiblein in unabsehbarer Folge. Je mehi er strich, desto mehr tanzten sie, je mehr sie tanzten desto wilder geigte er; schon wpr seine dritte Melodie vorüber, er begann von neuem mit der ersten; dann ge rieten die drei wieder durcheinander, aber das störte |fa£pel nicht. Endlich blieb der König vor ihm stehen »JCärpel, mein Guter! Kannst du denn weiter nichts ah dies? „Nein, ist das nicht genug?" „Sehr schön, meii Karpel, aber mein Oberhofsänger soll dir meine Lieblings Melodie Vorsingen, und du kannst sic dann nach spielen.' Er winkte seinem Oberhofsänger, einem langen, Spindel d,ürren Manne in schwarzem Kaftan, der stellt* sieh vor Karpel hin und sperrte den Mund auf, abe: Karpel hörte keinen Ton, wie sehr er sich auch an strengte. Plötzlich war es ihm, als ob ihm eine neue nie gehörte, nie geahnte Melodie in die Seele dränge, e hob den Bogen und strich die Fidel, neue Töne entquollei *br — eine vierte Melodie! Das war ein Jubel in Karpeh Seele, und auch Ahasver freute sich, daß Karpel so schnei seine Lieblingsmelodie begriffen habe, und fort ging’s voi ®€jienl hn wirbelnden Tanz. Der Geiger fühlte kein Er müden, und die Tänzer erst recht nicht Endlich mur melte der König: „Es wird Morgen, schnell, Karpel, dt hast unsere Majestät sehr mit deinem Spiel ergötzt, nimn nun auch deinen Lohn.“ Und er stopfte mit eigener Han* pinmal, zweimal, dreimal pures Gold in Karpels weih Taschen. Dano strich' ein scharfer Windzug durch die offenen Fenster, die Lichter erloschen und — Karpel war allein. Er saß auf dem Eckstein und rieb sich die Augen, es war Tag. Als er sich ausgeschlafen hatte, besann er sich lange auf die Erlebnisse der Nacht. Wie er bei den Toten gewesen und aufgespielt hatte, wie Ahasver so gnädig gewesen — halt, hatte er nicht noch das Gold in den Taschen? Ja, sie waren vollgepfropft, aber nur mit Kuchenkrümeln. Er dachte weiter nach — sollte es nur ein Purimschwank gewesen sein? Aber nein, da war ja die vierte Melodie, ach, wie lieblich klang sie ihm entgegen in schönen getragenen, sanft anschwellenden Tönen. Immer wieder. Ha, über den Verlust des Goldes tröstete er sich leicht, wenn er nur der Melodie sicher war. Rasch die Geige zur Hand. Seine vierte Melodie, das Lied, über das er Jahre nackgesonnen, nun hatte er es in einer Nacht gelernt Wer war glücklicher als er! Alle Welt war erstaunt, als Karpel am nächsten Purim eine neue Melodie spielte, und was für eine! Wenn man ihn aber danach befragte, schüttelte er mit dem Kopf, verraten hat er's nicht. BÜCHERSCHAU Antisemitismus und jüdisches Volkstum, Sonderheft der Monatsschrift »Der Jude“. Es war ein glücklicher Gedanke der Redaktion des „Juden“, führende Männer der Feder und des Geistes zu veranlassen, sieh zum Problem des Antisemitismus zu äußern. Es sei aber auch gleich vorausgeschickt, daß dieser Gedanke in weniger glücklicher Weise in die Tat umgesetzt worden ist. Schon die Einschränkung, die in der Betitelung des Sonderheftes liegt und erkennen läßt, daß es weniger darauf ankam, die Judenfrage oder vielmehr Antisemitenfrage einer Lösung entgegenzuführen, als sich von Nichtjuden die Höherwertigkeit des jüdischen Nationalismus gegenüber anderen Auffassungen vom Judentum bescheinigen zu lassen, mindert den Wert des Heftes herab. Doch sei gern zugegeben, daß manches Neugeformte und auch manches wirklich Neue über das Thema gesagt wurde, bei dessen Erörterungen man, wenn man eine Frage gelöst glaubt, immer wieder vor neue Fragen gestellt wird. Hermann Stehr hat in seinem Beitrag, der der kürzeste von allen ist, das Problem am tiefsten erfaßt und tritt ihm nicht mit der Selbstgerechtigkeit des weisen Ratgebers gegenüber, wie es z. B. — ohne Empfindlichkeit sei dies festgestellt — in den Ausführungen von Oskar A. H. Schmitz über „Wünschenswerte und nicht wünschenswerte Juden“ zu finden ist. Stehr erkennt, daß es unmöglich ist, sich über die Judenfrage wirklich auszusprechen: „Wie di$ Wahrnehmung den objektiven Sachverhalt der Außenwelt schon fälscht; ihre willkürliche Reproduktion, die Vorstellung, von ihr wieder abweicht; wie diese durch den Begriff nicht restlos wiedergegeben werden kann; wie der ruhende, angeschaute Gedanke mit seiner Fülle nicht ganz in dem ziel- und zweckbestimmten Gedanken unterzubringen ist; wie Kostbarstes verloren geht, wenn dieser dann in die Zwangsjacke der Sprache gesteckt wird; wie die Summe all dieser vielfältigen Abweichungen, das bewußte, das Erfahrungsich, abweicht von dem akausalen Ich, dem Wesen, das wir in Wahrheit sind. So ist es unmöglich, den Antisemitismus durch Diskussion, und würde sich diese auf einem noch so hohen Boden bewegen, aus der Welt zu schaffen.“ Und so kommt Stehr zu aem Ergebnis, daß nicht von der Warte der Politik und des Nationalismus, nicht mit gelehrten Deduktionen und Definitionen der Antisemitismus überwunden werden kann, sondern daß vielmehr allein und entscheidend der sittliche Mensch und die sittlich voll entwickelte Menschengemeinschaft das Verschwinden jeden Hasses von der Erde bedingt. Politik und Apologetik können Hilfsmittel zur Erhaltung von Gemeinschaften sein, nie aber wird mit ihnen das Problem der Minderheiten, das in ihrer eigenen Existenz stets gegeben ist, aus der Welt geschafft. Nach solchen Hilfsmitteln suchen insbesondere Otto Flake, Oskar A. H. Schmitz und Wolfgang Schumann; aber es geht ihnen oder vielmehr der Schriftleitung des „Juden“ umgekehrt wie dem König Balak mit Bileam; sie waren ausersehen, den Zionismus als Mittel zur Vernichtung des Antisemitismus zu billigen; aber auch da, wo er wie z. B. bei Otto Flake gebilligt wird, geschieht es nur in ganz bedingtem Maße. Es ist hier nicht die Aufgabe und der Zweck, aus jedem dieser Beiträge das antizionistische Moment herauszuschälen, dies ist anderwärts in wünschenswerter Weise geschehen. Bemerkt soll hier nur werden, daß vom Liberalismus und vom liberalen Juden immer nur im einer Art gesprochen wird, aus der man erkennt, daß man nur etwas Negatives in diesen Begriffen erblickt und keine Ahnung davon hat, daß es eine positive religiös-liberale Bewegung im Judentum gibt. Hier ist von der liberalen Bewegung noch große Arbeit zu leisten, die dahin führen muß, daß nicht, wie es in dem besprochenen Heft geschieht, auf Grund eines Schemas: rechts der orthodoxe, links der zionistische Jude und in der Mitte die jüdische Null oder das jüdische Fragezeichen, die inner jüdischen geistigen Zusammenhänge gesehen werden. Gustav Krojanker sucht als Zionist — und deshalb muß es hier besonders anerkannt werden —, dieses Schema zu durchbrechen, indem er am Schlüsse seines Beitrages „Der Weg zum Deutschtum“ folgendes schreibt: „Ob außer dem Zionismus und seinen Ausstrahlungen eine Setzung jüdischer Inhalte, vor allem also auf religiösem Wege, möglich ist; ob sie nicht vielleicht sogar schon in Vorbereitung begriffen ist; und ob nicht zwischen dem Zionismus und einem neuen jüdischen Erfülltsein scheinbar anderer Art tiefe innere Zusammenhänge geschichtlichen Werdens bestehen — ist ein Kapitel, das hier nicht zur Erörterung stehen kann.“ Diese Fragestellung, auch wenn Krojanker auf sie keine Antwort gibt, läßt für die Zukunft erhoffen, daß sich auch in zionistischen Kreisen eine Abkehr von starrer Selbstgerechtigkeit und Ueberheblichkeit gellend zu machen sucht Was aber die Beiträge jüdischer Autoren im allgemeinen betrifft, so muß gesagt werden, daß sie, mögen sie auch manches Richtige enthalten, die Wirkung der Beiträge aus dem nichtjüdischen Lager aufheben. Gewiß müßte auf vieles dort falsch Behauptete und Gesehene erwidert werden, aber es war schon rein teschnisch ein Fehler, die Gedanken dieser ndchtjüdischen Menschen nicht ausschwingen zu lassen, sondern sie durch sofortige Erwiderung, die leicht den Charakter unfruchtbarer Apologetik bekommen kann, abzudämpfen. Dr. Max M a y e r - Berlin. Jacob Fromer: Die Mcssianische Weltordnung. Idee und Plan einer Weltorganisation. 1926. Verlegt bei Edmund Stein in Potsdam, Kaiser-Wilhelm-Straße 53. Das Gefühl, das mich nach dem Lesen dieser ungewöhnlich bedeutenden und wertvollen Broschüre ergriff, war aus Stolz und Trauer wunderlich gemischt. Stolz, wie leuchtend groß und rein auch noch, in unserer Zeit die Flamme der Menschheits-Erlösungssehnsucht in den jüdischsten Juden von heute, den Ostjuden, brennt, und Trauer darüber, daß der beneidenswerte Optimismus, den diese Leute immer noch, entwickeln» die noch alles Weh’ und Unglück der Welt wie niemand anders kennengelernt haben, gegenwärtig so unzeitgemäß wie nur je ist! — In Fromer, dem Ostjuden, dem berühmten Talmudforscher, der in seinem Leben schon gelitten hat wie Hiob, und gerungen wie Faust, kann kein Zweifel an der Möglichkeit des menschlichen Fortschritts auf kommen, weil ihm „dieser Glaube ebenso notwendig ist wie die Luft zum atmen“. Und so unternimmt er es denn, die Wege, die die Menschheit bisher zur Verwirklichung des „dritten Reiches“ suchte, zu kritisieren und die Fehler aufzuweisen, die sich allem Vorwärtskommen bis auf unsere Tage hemmend in den Weg stellten. Die Menschheit zu erlösen, war ja von jeher das tiefste und höchste Ideal des Judentums. Was Fromer zur Kritik der bisherigen, soziologisch eingestellten Erkenntnistheorie sagt, ist ganz neuartig, grundlegend und dabei doch überraschend einfach und richtig. Diese lapidaren, prägnant geformten Sätze wirken wie neuentdeckte, nachweislich richtige, mathematische Formeln; sie wiegen beinahe ganze Bücherreihen geschichtsphilosophischer Werke auf und werden sicher noch eine große und fruchtbare Diskussion entfesseln. — Was der Autor jedoch über die zu errichtende Weltorganisation ausführt, ist schon oft gesagt worden; am ausführlichsten von Wilson in seinem langen Bericht an den Kongreß unseligen Angedenkens, mit dem er die Proklamation seiner berüchtigten „14 Punkte“ begleitete. Und die ganze Angelegenheit wurde schließlich doch nur ein bitterböser und unfreiwilliger Faschingsschwank. — Alle bisher gemachten Erfahrungen haben den Pessimismus Schopenhauerscher und Lindnerscher Richtung in bezug auf historische Entwicklung bisher nicht erschüttern können. Aber wer vermag in die Zukunft zu sehen? — Auch hier gelte das Goethesche Wort: „Ich heiße euch hoffen’“ — Wie schön wäre es, wenn die ausgezeichnete und tiefsinnige kleine Schrift Fromers epochemachend werden könnte, wie vor vielen Jahrzehnten einst das „Kommunistische Manifest“, dessen logische Irrtümer wir heute klar, erkennen. In den rein-gedanklichen Konstruktionen Fromers konnte ich trotz lebhaften Nachdenkens keinen Fehler finden. Dr. Ludwig Davidsohn-Berlin. „Die Schrift“, zu verdeutschen unternommen von Martin Ruber gemeinsam mit Franz Rosenzweig. Erster Band: Das Buch im Anfang. „Die Bibel in der kosmischen Tiefe ihres Sinngehalts.“ „Die Bibel in der rhythmischen Gestalt des Urtextes.“ „Die Bibel in unerhörter Treue gegen den Wortlaut.“ „Die Bibel im edelsten Deutsch unserer Tage.“ „Urkunde der Menschheit ersteht liier in erschütternd neuer Größe.“ Als wahres Volksbuch gedacht, erscheint das Werk, nur in einer Ausgabe in achtzehn einzelnen Bänden in handlichem Format. Satz und Druck auf echtem englischen Alfapapier durch Jakob Hegner, Hellerau. Einbandentwurf von JE. R. Weiß. Verlag Lambert Schneider, Berlin. Preis des gebundenen Exemplares M. 4.—, d. h. jeder Band. Ein Volksbuch, das 18X4 Mark, also 72 Mark kostet, ist immerhin in unserer Zeit nichts Alltägliches. Aber die schwülstigen Worte der obigen Ankündigung sind ebenso unbegründet wie die Bezeichnung „Volksbuch1. Was heißt: „die kosmische Tiefe ihres Sinngehalts?“ Wie sich die Verfasser die „unerhörte Treue gegen den Wortlaut“ vorstellen, sei an einigen Beispielen gezeigt: „Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. Und die Erde war Wirrnis und Wüste. Finsternis allüber Abgrund. Braus Gottes brütend allüber den Wassern. Da sprach Gott: Licht werde! Und Licht ward. Und Gott sah das Licht, daß es gut war. So schied Gott zwischen dem Licht und der Finsternis. Dem Licht rief Gott: Tag! Und der Finsternis rief eri Nacht! Abend ward und Morgen ward: Ein Tag.“ Diese Art „unerhörter Treue gegen den Wortlaut“ paart sich, wie man aus dieser Probe schon sieht, mit dem „edelsten Deutsch unserer Tage“, das die Stilblüte erzeugt von den „Bäumen, die Samen samen“, leider nicht auch von solchen, die „Früchte fruchten“. Man glaube aber nicht, daß diese Manirierthei t, diese gewollte Geschraubtheit nur „im Anfang“ ist, sondern das geht so durch das ganze Buch. Möglich ist, daß die Verfasser „werfein“ wollten, aber dazu hat es doch nicht ausgereicht. Der Referent glaubt, daß die edelste Sprache für eine Ueher Setzung der Bibel die ist, die wir gewöhnlichen Menschenkinder sprechen und die in der Prosa unserer besten Schriftsteller ihre Ausprägung gefunden hat. Robert Hirschfeld. Unsere Rätsel-Ecke Himmel und Erde. Könnt ihr mir das Tier wohl nennen? Aus Abrahams Leben müßt ihr's kennen. Auf grünem Rasen sieht man 's gehn — Und auch als Stern am Himmel steh'n. — —am. Zerleg-Aufgabe. Aus den Teilen des vorstehenden Wortes bilde man den Namen eines Befreiers der Juden vom baby-* lomschen Joch. —ö. Kalendarium für die Zeit vom 27.2. d. 6. Z. 1926. FeVrnar 1928 Adar 8688 Sonnabend 27 13. Wochenabschnitt: T'zawe P. Sachor Hastarah: L Samuel, Kap. 15,2 bis 34 Sonntag März 1928 28 14. Prrrim Montag 1 15. DienStag 2 16. Mittwoch s 17. Donnerstag 4 18. Freitag 5 IS. Sonnabend 6 20. Wochen-Abschuitt: Kisfiffo Hastarah: Ezechiel Kapitel 86,16 bis 38