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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-02-26 · 9 (26.2.1926) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
9 (26.2.1926)
Date
1926-02-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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TArurgre erst ihren Anfang genommen Hai. Nach dem Tode non Langenbeck übernahm er die Leitung der chirnrglichen Abteilung am Jüdischen Krankenhause, au der er bis dahin Assistent gewesen war, und brachte dieses Krankenhaus zu internationalem Ruf. Israel beherrschte in vollendeter Weise alle Techniken der Chirurgie. Ueberdies rühmte man seine hervorragenden diagnostischen Fähigkeiten, er beherrschte auch das Gebiet der inneren Medizin in ungewöhnlichem Matze. Es gibt kaum ein Gebiet der Chirurgie, auf dem er sich nicht wissenschaftlich und schriftstellerisch betätigt hätte. Die Zahl seiner Veröffentlichungen geht in die Hunderte. Auf einigen Gebieten aber hat er ganz Besonderes und Bleibendes geleitet. U. a. gehört zu seinen Großtaten die Aufklärung über die Strahlenpilzkrantheit, bei der es zu Geschwülsten kommt, deren Natur und Behaudlungsmöglichkeiten lange Zeit unbekannt gewesen waren. Den größten Ruf, der sich über die ganze Welt erstreckte, erlangte er auf dem Gebiete der Nierenchirurgie, dem er es auch zu verdanken hatte, daß er seinerzeit zu dein Sohne des Zaren nach Rußland berufen wurde. Israel war viele Jahre Schriftführer der Berliner Medizinischen Gesellschaft, Vorsitzender der Freien Bereinigung der Chirurgen Berlins und korrespondierendes Mitglied zahlreicher ausländischer medizinischer Gesellschaften. Berlin. (Zum Sy ua go g eneinb ruch P ass au e r Straße.) Zu dem bereits gemeldeten Einbruchsdiebstahl in der Synagoge in der Passauer Straße wird uns noch ergänzend mitgeteilt: Das Gotteshaus war am Sonntag abend ordnungsmäßig abgeschlossen worden. Spuren eines gewaltsamen Einbruchs waren nicht zu finden. Unbekannte Diebe müssen sich abends in einem Versteck haben einschließen lassen. Sic stahlen Geräte vom Altar und aus einem Schrank, den sie anfbrachen, u. a. einen silbernen Leuchter, 30 Zentimeter hoch, mit der Widmung „Max Kemye", einen 20 Zentimeter hohen mit der Widmung »Julius Lissaner", einen silbernen Kelch, der von der „Familie Adolf Knopf" gestiftet ist, eine silberne Gewürzbüchse und ein silbernes Tablett mit 6 kleinen silbernen Bechern. Mitteilungen über das Auftanchen des gestohlenen Gutes an Kriminalkommissar Trettin im Zimmer 08 des Polizeipräsidiums. Berlin. (CH a n u k a h l e u ch te r.) Die Firma Gustav Kochmann, Berlin SW 08, Ritterstr 42/48, die seit einigen Jahren Chanukahleuchter Herstellen läßt, stellt in dieser Woche «inen kunstvoll gearbeiteten Chanukahleuchter, der fiir eine Synagoge in Holland bestimmt ist, in ihrem Schaufenster aus. Interessenten werden zur Besichtigung eingeladen. Berlin. (P u r i m b a l l.) Der Jüdische Turnverein, Berlin 1905, feiert am 7. März 1926 sein 21. Stiftungsfest verbunden mit einem Purim-Gesindeball, in den Räumen von „Schall und Rauch" im Großen Schauspielhaus, Am Zirkus Nr. 1. Beginn 5 Uhr. Eintritt 1,50 M. Srennde und Gönner sind ergebenst eingeladen, erlin. (Bom Deutsch-Israelitischen Gern ein de bnn d.) Der Deutsch-Israelitische Gemeinde- Vunö teilt uns mit: In der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes sind -ie Angaben über die Vertreter des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes nicht zutreffend. Wir bitten zu berichtigen, daß als Vertreter des DJGB. gewählt wurden: Legationsrat Professor Dr. Sobernheim, Justizrat Dr. Salomon, Rechtsanwalt Dr. Kollenscher, Berlin. Als Stellvertreter: Geh. Justizrat Goldfeld, Breslau, Rabbiner Dr. Loewenthal, Dr. med. Sandler, Berlin. Cottbus. (Nerbandssibnng des Nvrdost- -eutscheu Logenverbandes.) Am Sonntag, den 14. Februar d. I., fand unter dem Vorsitz des Herrn Louis Lizbert, Landsberg a. W., der Verbandstag des Nordost- -emfchen Logenverbandes in Cottbus, in den Räumen der Abolf-Äraus-Loge, statt. Vertreten war die Großloge, sowie sämtliche Verbandslogen. Ferner waren die Delegierte« der Viktoria-Loge, Görlitz und der Silesia-Lage. Liegnitz, erschienen, welche den Anschluß an den Verband in Aussicht stellten, der nunmehr den Namen Ostdeutscher ßogenverband führen soll. An den Beratungen hatten etliche Brüder der Adolf-KrauS-Loge teilgenommen, welche für die gastliche Bewirtung der Angekommenen freundlichst Sorge trugen. Den Hauptgegenstand der Beratungen bildete riehst den Anordnungen betr. das gemeinsam geschaffene Erholungsheim in Agnetendorf, die Frage, in welcher Weise nach dem Zusammenbruch der Reserven der einzelnen Logen für die Witwen und Waisen der Brüder am besten Vorsorge getroffen werden könnte. Verschiedene Projekte wurden eingehend besprochen und beleuchtet. Den stärksten Eindruck machten die Ausführungen des Vertreters der Viktoria-Loge, Herrn Heckscher, und cs wurde der Beschluß gefaßt, diesen Vorschlagsentwurs der Großloge U. O. B. B. befürwortend zu unterbreiten, damit im Sinne desselben eine einheitliche Regelung für den gesamten Deutschen Distrikt zur Ausführung komme. Frankfurt a. M. (Justizrat Dr. Ernst Auerbach g e st o r b e n.) Am 20. d. M. verstarb, wie wir nach Redaktionsschluß erfahren, im 64. Lebensjahre Justizrat Dr. Ernst Auerbach, der als langjähriger Syndikus des Philantropins sowie als Mitglied der Frankfurter Gemeindevertretung und als Vertreter im großen Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden zu den prominentesten Persönlichkeiten des deutschen Judentums gehörte. Wir werden in der nächsten Nummer der mannigfachen Verdienste des Verstorbenen. insbesondere derjenigen um das liberale Judentum, noch gedenken. Guben. (Lehrerwechsel.) Für den am 1. April von hier scheidenden Lehrer W. Bacher, der die ihm übertragene Stelle eines Lehrers und Kantors in Cassel antvitt, ist Lehrer S. Winterberg von der hiesigen Synagogengemeinde als Kantor und Religionslehrer gewählt worden. Herr W. ist aus dem Casseler Seminar hervorgegangen. Schneidemühl. (Bom Wohltätigkeits- und vom B e e r d i g u n g s v c r e i n.) Am 21. Februar feierten die Brüdervercine „Israelitischer Wohltätigkeitsverein und Israelitischer Beerdigungsverein Schneidemühl" gemeinsam den 80. Geburtstag. Vormittags versammelten sich die Mitglieder im Gemeindehause zu einem Rundgange aus dem Friedhöfe. Herr Oberkantor Helischkowski sprach am Grabe des Herrn Rabbiner Braun ein Gebet. — Abends 8 Uhr trafen sich die Teilnehmer in der Loge, Albrechtstr. 17. Herr Oberkantor Helischkowski eröffnete die Feier mit der Arie aus Elias: „So Ihr mich von ganzem Herzen suchet" und sang später noch eine Arie aus Elias. Hierauf begrüßte der Vorsitzende der Chewra Kadischa, Herr S. Götze, die Teilnehmer, Herr Lyzeallehrer Lewin brachte interessante Ausführungen über den Propheten „Mose" und Herr Dr. Bieber über „80 Jahre Wohltätigkeitsverein". — Eine Kaffeetafel hielt Mitglieder und Gäste noch in angeregtester Stimmung bis Mitternacht beisammen. ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦<♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ }H! Aus der Bewegung ♦♦♦♦»♦♦♦♦♦♦♦4»»»4»»»»444»4444444*444444444444444444444 »♦♦♦♦» Liberaler Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin E. V. (Bezirksgruppe Osten.) Eine überfüllte Versammlung in den Andreas-Festsälen bewies am Donnerstag, dem 18. Februar, daß auch im Berliner Osten der religiös-liberale Gedanke festen Boden gewonnen hat. Verschiedene Redner befaßten sich mit den „Forderungen des Berliner Ostens an die Jüdische Gemeinde". Zuerst sprach Herr Dr. S. London von dem dringenden Erfordernis der Schaffung einer liberalen Andachtsstätte im Berliner Osten, die nicht nur eine vorübergehende, sondern eine dauernde Einrichtung werden müsse. Die Unzulänglichkeit des Gottesdienstes in der Synagoge Kaiserstrahe und die Unmöglichkeit, durch diesen Gottesdienst als religiös Liberaler religiöse Erhebung zu schöpfen, unterstrich besonders Herr Kurt Frisch. Herr Seminaroberlehrer Falkenberg ging aus die gottesdienstlichen Fragen ein und konnte der Versammlung wertvolle Anregungen ans Grund der Erfahrungen geben, die er mit dem von ihm eingerichteten Gottesdienst im Berliner Norden gemacht hat. Frau Die Legenden von der Königin von Saba. Von Dr. B. S ch i d l v f. Eine der interessantesten und anmutigsten Gestalten der alten Geschichte ist zweifellos die Königin von Saba. Ihre Persönlichkeit hat Dichter, Maler und Musiker zu Meisterwerken angeregt, und auch die Rcliqionsgeschichte machte sie -ur Heldin bewegter Begebenheiten. Die historischen Nachrichten über die Herrscherin sind sehr dürftige und so sehr von dem Mantel der Sage und Legende umkleidet, daß man versucht ist, ihre ganze Persönlichkeit als legendarisch anznsehen. Im Alten Testament wird ihrer an zwei Stellen ziemlich gleichlautend gedacht: I. Buch der Könige, Kapitel 10. Bers 1 Vis 13 und II. Buch der Chronik. Kapitel 9, VcrS 1—9. Es heißt da: Und die Königin von Saba hörte den Ruhm Salomos mit dem Namen des Ewigen und kam, ihn mit Rätseln zu prüfen. Sie kam nach Jerusalem mit großem Gefolge. Kamele trugen reiche Ladungen von Gold.und Gewürz und edlen Steinen. Sie trat nun vor Salomo und besprach mit ihm alles, was sie auf dem Herzen hatte. Salomo aber beantwortete alle ihre Fragen und nichts blieb ihm verborgen, was ihr Inneres bewegte, und über alles gab er ihr Aufschluß. Als nun die Königin von Saba die Weisheit Salomos erkannte und die Pracht seines Hofes sah, den Glanz des Tempels, die reichgekleideten Diener, die Fülle des Tisches und die Menge der Opfer, die man dem Ewigen brachte, da geriet sie außer sich und rief: „Wahrlich, o König, es hat sich alles bestätigt, was ich von deinem Ruhme, deiner Macht gehört habe. Ich habe den überschwenglichen Gerüchten keinen Glauben geschenkt — aber wahrlich, das, was ick sah und hörte, üvertrifft das Doppelte, was mir war berichtet worden. Heil deinem Lande, deinen Dienern und allen die vor dein Antlitz kommen, deine Weisheit zu hören! Gepriesen sei der Ewige, dein Gott, der an dir Gefallen gefunden hat und dich auf den Thron Israels setzte, um Recht und Gerechtigkeit zu üben." Hierauf gab die Königin dem Könige Salomo hundertunözwanzig Kikkar Goldes, viele kostbare Gewürze und edle Steine. Eine solche Menge Gewürz, wie die Königin von Saba mitbrachtc, ist seit dieser Zeit nicht mehr nach Jerusalem gekommen. So weit der bibliichc Bericht. Wo lag aber Saba und wie war der Name der Königin, den die Erzählung nicht nennt? Der Versionen gibt es mehrere. Ter Historiker Josephus macht die Heldin der Geschichte zu einer Königin von Aethiopien — dem heutigen Abessinien und Nubien —. die Araber nennen die Königin Balkis und weisen ihr als Reich Jemen zu. Diese Version ist die wahrscheinlichere, dg speziell das alte Sabäa, das den nördlichen Teil des heutigen Jemen bildete, und im „glücklichen Arabien" liegt, reich an Gewürzen mar. Die Verehrung, die die alten Araber der Königin Balkis zuteil werden ließen, veranlaßte wohl Mohammed, dieser Herrscherin einen Platz im Koran einzuräumen, abgesehen davon, daß sie als gelehrter Gast des von den Mohammedanern nächst Mohammed am höchsten geschätzten Königs Salomo Anspruch auf besondere Erwähnung hatte. In der 27. — „Die Ameise" betitelten — Sure des Korans handeln Vers 22—45 von der Königin von Saba. Nachdem Salomo, der Herrscher über Mensch und Tier, der die Sprachen aller Lebewesen kannte, eine Heerschau über die ihm untergebenen Geister und Dämonen — Dschinn und Jfriten — sowie über die Tiere abgehalten hatte, bemerkte er, daß der Wiedehopf fehlte. Der Korantext lautet: Und er musterte die Vögel und sprach: „Ich sehe den Wiedehopf nicht. Ist er abwesend? Wahrlich. ich verhänge eine strenge Strafe über ihn oder töte ihn, wenn er sich nicht triftig entschuldigt." Der Wiedehopf aber säumte nicht lange und erschien und sprach: „Ich sah, was Hu nicht sähest. Ich bringe dir von Saba interessante Kunde. Siehe, ich fand eine Frau, die dort herrscht, umgeben von allen Dingen und auf einem herrlichen Throne. Aber ich fand, daß sie und ihr Volk die Sonne anbeten anstelle Allahs. Der Satan hat sie vom rechten Weg abgeleitet. Sollten sie nicht Allah anbcten, der zum Vorschein bringt das Verborgene im Himmel und auf der Erde, der weiß, was im geheimen geschieht und was offenkundig? Allah — cs gibt keinen Gott außer ihm, dem Herrn des herrlichen Thrones." „Wir wollen sehen, ob du die Wahrheit redest oder Lügen," antwortete Salomo. „Gehe hin mit diesem meinen Brief und wirf ihn vor sie nieder. Dann wende dich ab und höre was sie erwidert." Der Wiedehopf befolgt den Befehl, wirft den Brief zu Füßen der Königin und wartet. Es heißt dann weiter: „O ihr Erwählten." wendet sich die Königin an ihre Leute, „seht, ein edler Brief wurde mir zugeworfen. Er ist von Salomo, und siehe — er ist im Namen Allahs, des Erbarmers. des Barmherzigen: Erhebet euch nicht (heißt es darin), sondern kommt als Moslems zu mir." „O ihr Erwählten," wendet sich die Königin nun wieder an diese, „ratet mir in meiner Sache. Ich entscheide nichts, ehe ihr nicht eure Meinung abgebt." Darauf antworteten die Hofleute: „Wir sind begabt mit Kraft und starker Macht. Der Befehl aber ist der deine: sieh also zu. was du gebietest." Da antwortete die Königin: „Wenn Könige eine Stadt betreten, wird sie zerstört und die mächtigsten Bewohner werden zu niedrigsten gemacht. So handeln die Eroberer. Ich will also ein Geschenk senden und warten, was die Gesandten zurückbringen." Salomo empfängt den Gesandten — es ist im Koran jetzt bloß von einem die Rede — mit den Worten: „Wollt ihr etwa mein Gut vermehren? Mer was mir Allah gegeben hat. ist besser, als was er euch gab. Ihr jedoch freut euch seines Geschenkes. Kehre heim. Wahrlich, i wir werden mit Heerscharen zu euch kommen und euch in I Schanden und gedemütigt vertreiben." Als der Gesandte abgetreten ist, wendet sich Salomo an seinen Hof: „Wer von euch bringt mir ihren Dhron, bevor sie M mir als Moslems kommen?" Dr. Birnbaum sprach sich aus warmen Herzen vom Standpunkt der Frau für die Schaffung eines liberalen Gottesdienstes im Berliner Osten ans. Mit der Erörterung der sozialen Probleme, die durch die gegenwärtige Wirtschaftsnot in besonderer Schwere für den jüdischen Bevölkerungsteik entstanden sind, befaßte sich Herr Rechtsanwalt Dr. Max Mayer, der damit den Fragenkomplex weiter erörterte, den bereits Herr Faltender« angeschnitten hatte. Ein Vertreter der Erwerbslosen unterstrich in der Diskussion diese Ausführungen. Die Aussprache selbst ergab, daß der weitaus überwiegende Teil der Erschienenen der Ansicht war, daß eine liberale Andachtsstätte für den Osten geschaffen werden müsse. In der Diskussion tat sich von gegnerischer Seite Herr Klee jun. hervor, der es fertigbrachte, die Anwesenden durch sein Austreten und sein unparlamentarisches Verhalten in eine Stimmung zu versetzen, die in einer liberalen Versammlung, in der immer auf ein gewisses Niveau gehalten wird, sehr fremdartig wirkte. Herr Klee hat von seinem Vater, mit dessen Äampfesweise wir gewiß nicht immer einverstanden sind, noch viel zn lernen, ehe er sich daran machen kann, diesen zu kopieren. Herr Klee jun. warf mit Ausdrücken wie „Demagogie", „Unehelichkeit" usw. um sich und inspierte so die aus dem Westen und anderen Stadtgegenden abkommandierten Radaumachern, die ja häufig, freilich nicht offizell. von zionistischer Seite zum Besuch gegnerischer Versammlungen angeregt werden. Herr Dr. Mayer erteilte denn auch diesem Diskussionsredner eine treffende Abfertigung. Nach Schluß der Debatte wurde folgende Resolution zur Frage des libe» ralen Gottesdienstes angenommen: „Die am 18. Februar 1926 von dem Liberalen Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zn Berlin, Bezirksgruppe Osten «unberufene, aus allen jüdischen Kreisen des Berliner Ostens stark besuchte Versammlung fordert nach Anhören verschiedener Referenten unverzüglich von dem Vorstand der jüdischen Gemeinde die Einleitung von Verhandlungen für den Bau einer liberalen Synagoge im Osten Berlins. Die Versammlung stellt mit Bedauern die starke Vernachlässigung des Berliner Ostens in synagogaler Hinsicht fest, und gibt sich der bestimmten Hoffnung hin, daß hierin fortan eine Aenderung eintreten wird. Bis zur Fertigstellung dieses Baues fordert die Versammlung einmütig die Einrichtung eines liberalen Gottesdienstes am Freitagabend und am Sonnabendvormittag an einer für die jüdische Bevölkerung des Ostens zentral gelegenen, und nur zu diesem Zwecke bestimmten Stätte, ähnlich der Einrichtung im Norden Berlins." Ferner wurde folgender Beschluß zur Ermerbslosenfrage gefaßt, der mit allen Stimmen gegen die des Herrn Klee und eines anderen ebenfalls nicht im Berliner Osten beheimateten Zionisten angenommen wurde: „Die erwerbslosen Juden des Berliner Ostens erwarten von der Jüdischen Gemeinde, daß sie den Arbeitsnachweis, Auguststraße 17, übernimmt und reorganisiert. Wir glauben, daß unter der Regie der Jüdischen Gemeinde der Arbeitsnachweis aufhört, eine Stelle für Lohndrückerei zu sein. Wir erwarten von der Jüdischen Gemeinde eine großzügige Propaganda unter den jüdischen Arbeitgebern für den Arbeitsnachweis unter der Parole „Jüdische Chefs, beschäftigt jüdische Angestellte zu Tariflöhnen!" Leider kam es infolge der durch die gegnerischen Störungen hervorgerufenen Erregung, gegen Schluß der Veranstaltung zu einem Zusammenstoß zwischen Versammlungsteilnehmern, wodurch Herr Dr. London daran verhindert wurde, das Schlußwort zn sprechen. Dessenungeachtet bedeutet die Versammlung für uns einen vollen Erfolg. 60 neue Mitglieder traten dem Liberalen Verein bei und viele werden noch folgen, zumal unsM''^ Gruppe die am 18. Februar gefaßten Beschlüsse mit Entschlossenheit in die Tat umzusetzen bereit ist. Unsere FreutE* im Osten werden bald wieder von uns hören, und die antiliveralen Radaumacher mögen sich gesagt sein lassen, daß sie nicht allzulange mehr aus die Langmut der liberalen Vcrsammluugsbesucher rechnen dürfen, wenn sie mit den Ein JfrU — die Jfriten sind die mächtigsten Dämonen unter den Dschinns — erklärt sich dazu bereit: „Ich bringe ihn dir, bevor du dich von deinem Platz erhebst, denn wahrlich, siehe, ich bin stark und getreu." „Macht ihren Thron unkenntlich," sagt Salomo» „und wir wollen sehen, ob sie recht geleitet ist oder nicht." Die Königin kommt an und man zeigt ihr den Thron. „Ist das dein Thron?" Sie erkennt ihn nicht genau und antwortet zweifelnd: „Es scheint mir, als ob er es wäre." Sie betritt dann die Burg Salomos. Aber sie kommt ihr vor wie ein See. Der blanke Boden scheint ihr Wasser zu sein, sie entblößt ihre Schenkel, um dnrchzuschreiten. Der Begleiter aber beruhigt sie: „Siehe, es ist eine Burg, getäfelt mit GlaS." Bon allen Wundern betäubt, schwört die Königin ihre« Unglauben ab. „Mein Herr "sagt sie. „siehe, ich sündigte wider mich selber, und ich ergebe mich mit Salomo Allah, dem Herrn der Welten." Im Koran ist also nur das religiöse Moment betont — die Bekehrung, während im Alten Testament die Beziehungen mehr persönlicher und politischer Natur sind. Die politischen Momente stehen im Vordergrund: das an Bergwerksprodukten und Spezereien reiche Land der Königin von Saba sucht mit dem Reiche Salomos, das wieder köstliche Bauhölzer..Del und andere Landesproduktc hat, die Saba fehlen, in eine vorteilhafte Handelsverbindung zu treten. Eine solche kommt auch zustande. Die Persönlichkeit des weisen Königs, der wahrscheinlich auch ein schöner Mann war. bleibt nicht ohne Eindruck ans die Königin, doch ist ein sexuelles Moment weder im Buche der Könige noch im Koran bemerkbar. Die Anerkennung der Größe eines Gottes, der einen Herrscher mit soviel Macht und Weisheit zu begnaden vermag, ist hingegen menschlich und leicht zu verstehen. Für Judentum und Islam bildet die Geschichte der Königin von Saba nur ein Mittel, um die Macht und Größe Salomos zu veranschaulichen, indirekt die Macht Gottes. Ganz in den Vordergrund tritt nun die Königin von Saba in der Legende, die sich bei den koptischen Christen über sie erhalten hat. Die Abessinier halten sich für Abkömmlinge jenes Volkes, über das die Königin von Saba geherrscht hat. Das abessi» nische Herrscherhaus führt seinen Stammbaum direkt auf diese Königin zurück, die zu König Salomo gelegentlich ihres Besuches in intimen Verkehr getreten war. Während der jüdische König Salomo im Koran Moslem ist. wird er in der Ueberliefernng der Abessinier zum koptischen Christen. Die koptische Ueberliefernng unterscheidet sich ebenso von der biblischen wie von der islamitischen, wie diese selbst untereinander abweichen. In der abessinischen Erzählung wird' die Legende von der Königin am ausführlichsten behandelt und ist deshalb am interessantesten, obwohl sie auf historische Wahrheit kaum irgendeinen Anspruch erheben darf. Diese Ueberliefernng vom Stammbaum des Negus Sftcacftt lautet: Die Stammutter König Menelik? war ein Mädchen vom Tigrestamme und. hieb Ktiye Azcb. Zu jener Zeit verehrte»

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