Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 7 (12.2.1926)
- Date
- 1926-02-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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flinfcn Begeisterung dem kleinen Juda einen neuen, religiösen Halt gegeben? Ist nicht im 18. Jahrhundert ein Israel Baalschem der Neuschöpser des religiösen Lebens in Osteuropa geworden? Es könnte noch Manches Mittel genannt werden, religiöses Interesse zu wecken: aber wir können aus der Geschichte lernen, daß es im letztere Grunde nur durch Persönlichkeiten angesacht und erhalten wird, die des Religiösen voll und von ihrem religiösen Reichtum anderen zu. spenden vermöge;-.. Gewiß können nicht alle -- Männer wie Esra oder Inda Makkabi sein, gewiß mögen die Perjürttichkeiten. die einen iieten relgiöjen Einfluß auf die Jugend auszuüben imstande sind, dünn gesät sein, aber es fehlt doch auch in unserer Zeit nicht an sulchen, und für sie gilt eS, alle religiöse Kraft zu entfalten, damit wir hoffen können auf das Prophetenwort: „Also -spricht der. Ewige, w'e wenn der Most in der Traube gesunden wird und man spricht, verderbe sie nicht, denn es ist ein Segen darin,' also werde ich tun, um meiner Knechte willen, daß ich nicht das Ganze verderbe " * * Rabbiner Dr. Lehmann Prediger der jüdischen Rotor maemeinde. Berlin: Das religiösInteresse, über das ich mich äußern soll, ist doch wohl das Interesse am sieben und den Einrichtungen der religiösen Gemettrichast. Denn das Interesse an den Vorgängen in der eigenen. Seele hängt von der geistigen und seelischen Struktur des Einzelnen und von seinem ganz persönlichen Erleben ah. Auch daraus läßt sich Einfluß ausüben. 1*0 gibt auch eine Bildung des Jerxens und der Seele! -Das Inie^eise an dein "eben und den Einrichtungen der religiösen Gcme'njchast setzt natürlich solch ganz vertönttches Interesse an dem Leben der eigenen Seele voraus, wie auch solches Interesse nach Anschluß an die Gemeinschaft, an religiöses Gemeinschaftsleben verlangt. Hm nun aller dieses Interesse am ''eligitzien Gemeinschaftsleben zu wecken und zu fördern, ist vor allem notwendrg, daß die «Gemeinschaft M't ihrem Leben und ihren Einrichtungen nicht hinter den religiösen Bedürfnissen des Einzelnen zurückbleivt, sondern im Gegenteil ihnen anregend und fördernd cntgegeut'onmtt. Das ist sa natürlich die Aufgabe oes liberalen Judentums, die nremand in Abrede stellt. Aber der Grundfehler war stets, daß man fast bei allen Neueinrichtungen auf halbem Wege stehen blieb, bet zwei Schritten vorwärts stets einen Schritt zurück tat, daß man Angst bekam vor der eigenen Courage und stets ängstlich zurückblickte. oh die hinter dem Wagen auch folgen könnten. Das aber war ja an sich schon unmöglich, wenn man nicht den Wagen rm Schritt fahren ließ, und dann hatte man ihn überhaupt nicht nötig. Statt nun rüstig vorwärts zu fahren, wählte man halbes Tempo, verpaßte den richtigen Augenblick und machte es niemandem recht. Man darf den Zusammenhang mit der Vergangenheit «scht verlieren, das ist feLbstvcrüondl'ch. Aber nichts 'st gerade im religiösen Leben verkehrter als jener falsche Historismus, der alles, was einmal gewesen, in d,.e Lnue dieser Vergangenheit stellt, auch alle Seitenwege und Abirrungen, statt mit festem Auge den Hauptweg zu sehen und zu verfolgen. Diesen Hauptweg müssen auch die Zurückbleibenden suchen, und ihn haben sie, bei allen Abirrungen, auch immer wieder gesucht, um dann an den Hauptzentren mit den Voraus geeilten wieder zusammenzustohen, und an bereits geebnetem Platz ihre Zelte anfzuschlagcn. Ein zweiter Fehler, der sich sehr gerächt Hai, war der übertriebene Liberalismus gegenüber den Machtgelüsten der Orthodoxie. Man darf der Orthodoxie nicht ihr Recht Verlagen. Im Gegenteil, cs muß alles geschehen, damit jeder «LÄodoxe seiner ehrlichen.Ueüerzeuguug..gemäß, reden kann. Aber man mutz von der Orthodoxie dieselbe Toleranz fordern gegenüber den Liberalen. Mögen die Orthodoxen im Liberalismus auch einen „Abfall" sehen von geheiligter Tradition, wie die Liberalen in der Orthodoxie eine Rückständigkeit erblicken und eine Abirrung von dem großen Wege des prophetischen Judentums, — nur unter d :'r Bedingung kann der Orthodoxie volle Toleranz erwiesen werden, daß sie davon absieht, bei liberalen Einrichtungen sich einzumischen, Einspruch zu erheben und liberal Denkende in ihrem Leben unter das Joch des Herkommens zu zwingen. Wie hier tagtäglich gesündigt wird, ist bekannt, wird aber auch von Liberalen immer wieder vertuscht. Wie soll da bei Klariehenden religiöses Interesse geweckt werden? — Religiöses Interesse ist dos Interesse an allen religiösen Einrichtungen. Dazu gehören in hohem Maße auch alle Wohlfahrtseinrich¬ Der Karneval der Juden. Eon Dr. H ermann Budzislawski (Florenz». Erst im Jahre 1887 wurde das Ghetto in Rom niedergelegt. und heute erinnert im Trastevere, dem ehemaligen Iudenviertel. nichts mehr an die furchtbaren Leiden, die Israel seit Titus' Regierung in der Papststadt zu erdulden hatte. Rym ist die erste europäische Stadt, in der Juden sich in größerer Zahl niederließen. sie wohnten dort schon zu Casars Zeiten. Nach der Zerstörung Jerusalems brachte Titus viele jüdische Kriegsgefangene als Sklaven nach Rom: damaliger Sitte gemäß, wurde ein Teil von iljjtcit hingerichtet, unter ihnen vor allen Dingen der jüdische Feld- Hanptmann Simon Bar Giora. Wir besitzen über die Einzelheiten des römischen Triumphzuges nach dem Fall Jerusalems eine eingehende Schilderung des jüdischen Uebcrläufers Flavins Iosephus, die trotz ihrer stilistischen Vorzüge von keinem Inden ohne Beschämung gelesen werden laun. Ioscphus schreibt seinen berühmt gewordenen Bericht ganz vom Standpunkt des römischen Siegervolk.es aus und freut sich mit den Legionen und ihren aristokratischen Offizieren über die Demütigung seiner Landsleute, deren Leidensweg durch die Völker der Erde eigentlich mit diesem Tage beginnt. Zäh haben sich die Nachkommen jener jüdischen Krieger in Rom durch zwei Jahrtausende gehalten, durch eine enge Mauer von den ersten Zeiten an von den übrigen Einwohnern getrennt: sic wurden zur Zeit der Christennerfolgungen ebenso in den Zirkus gehetzt und den wilden Tieren norgeworfen wie die Indenchristen". von denen sie damals nur lose geschieden waren. Als aber das Christentum über seine Widersacher siegte, versuchten die Anhänger der „Religion der Liebe", mit Feuer und Schwert ihre Lerdensaenossen von gestern zu ihrem Glauben zu bekehren. Schreckliches mußten die Juden in Rom zur Zeit der Äreuzzüge erdulden: Schrecklicheres noch als fanatisierte Kreuzfahrer, ersannen die teufelaustreibenden Ällönche der Inquisition. Nicht von den Scheiterhaufen auf der Piazza della Minerva oder dem Camvo bet Frort soll hier berichtet werden, sondern von einer „lustigeren" Sache, von einem „Karneoalsoergnügen" der römischen Juden, das freilich den Juden selbst keine. Freude bereiten konnte. Es hatte sich der Brauch eingebürgert, die Juden bei dem alljährlichen Karnevalsumzug an der Piazza Ravona, am Hügel Testaccio und am Corso iu bunten Kleidern zum äftflpnteiueu Gespött den Senatoren voranschreiten zu lassen. Die zuschauende Stratzenjugend eurpfing die verachteten Hebräer mit Johlen und Pfeifen. Im Jahre 1468 kam der venezianische Aristokrat Paul II. auf den „Scherz", die Juden aktiver an den Freuden der Karncvalszeit teilnehmen zn tungen. Liberal Denkende werden wenig Sehnsucht, haben nach Anstalten, in denen ihre Kranken und Alten sich, einer Umstellung zu orthodoxer Lebensweise unterziehen müssen. Die Religion in allen ihren äußeren Erscheinungen ist ein Teil der Gesamtkultur und darf nicht hinter ihr zurück« bleiben. Der Gottesdienst, wenn er Jnteresie «eckmr soll, mutz eine solche Ausgestaltung haben, daß jeder kulturell Fortgeschrittene ihm ohne besondere sprachlichen oder historischen Kenntnisse folgen kann. Dann wird er vielleicht durch die Predigt angeregt werden, seine historischen und sprachlichen Kenntnisse zu erweitern, ober nichi umgekehrt. Sind sic Bedingung, so schreckt man ab und schließt aus. Um das religiöse Interesse an Schulen und Unterrichts anstalten zu wecken, muß das Blindekuhspielen aufhören. Was wissenschaftlich erledigt ist. muß erledigt bleiben. Das gilt auch für Zeitschriften und Abhandlungen. Man darf den Veröffentlichungen in wissenschaftlichen und Tagesblättern nicht nachhinken, sondern mutz führend zu den Ergebniffen der Wissenschaft Stellung nehmen. Vor allem müssen auch die kulturellen Mittel gebührende Beachtung finden. Wer am Festabend zwei Kerzen anzündet, um der Vorschrift zu genügen, durch Verdoppelung des Lichtes die Festesfreude zu erhöhen, und dabei übersieht, daß im Zeitalter der Elektrizität unser Auge an ganz andere Lichteffekte gewöhnt ist, um freudig aufzustrahlen, wer für das Gotteshaus, das Tausende umfaßt, mit dem kläglichen Ton eines kleinen Widderhornes physische und psychische Erschütterung bewirken will, obwohl unser Ohr schmetternde Fanfarenklange zur genüge kennt, — mit dem läßt sich schwer reden. D'e Musik muß überhaupt mel mächtiger zur Geltung kommen, wenn wir das Interesse wecken wollen, das der alte Tempel mit seinen kunstvollen Chören und seinem großen Orchester bewirken mußte. Reben dem Geüetgottesdienst sollte man dem musikalischen Gottesdienst eine regelmäßige Stellung geben, aber als Gottesdienst, nicht als Konzert. — Die religiösen Feiern müssen in ihren Formen zweckentsprechend gestaltet werden. Die Brettersukkah am Gotteshaus kann von der Laubhüttenfreuöe keine Vorstellung geben. Das ganze Gotteshaus müßte in Herbstichmuck erglänzen, wie am Wochenfest iw Sommerjchmuck. Eine Dekoration um dre heilige Lade herum ist auch nur ein „Ersatz". Wcr müssen schöpferisch fein mit den kulturellen Mitteln unserer Zeit und sollen nicht immer erst in alten Büchern und Ermnerungen nachkramen, wie man cs zu Olims Zeiten gemacht hat. Ob Hellet einstens „so" getan, das mochte die ongehen, die noch in seinem Schatten lebten, wir müssen s o tun, daß unserer Kinder Herz und Auge mit Staunen und Bewunderung ausschaut. Beim Chanukkahfest ist es uns gelungen, neue Wege zu finden, mit Festgottesöiensten und großen öffentlichen Ämüerfeiern dem Channkkahlenchter die rechte Umrahmung zu geben. Es wird auch bei anderen Festen und auf anderen Gebieten des religiösen Lebens gelingen, das Interesse zu wecken und zu fördern, wenn wir nur den Mut zu uns sei bst haben. Bertha 'Falkenberg: Wett verbreitet ist die religiöse Interesselosigkeit, der Mangel an religiöser Hingabe, an religiöser Bereitschaft, ohne daß immer eine bewußte Abkehr von der Religion erfolgt ist. D'esc beklagenswerte Erscheinung ist nicht zum wenigsten mit die Schuld eines großen Teiles der jüdischen Frauen. Allerdings sind sie unschuldig — schuldig. Denn ihnen, die wie ehedem w auch heute die Trägerinnen des jüdischen Familienlebens sind, ihnen fehlt noch immer viel zu sehr das Wissen vom Judentum, von seinem Schrifttum, von seiner Geschichte, von seinen Ideen, von seinen Formen. Daher ist es erklärlich, daß sie kein Verständnis haben für die Forderungen des jüdischen -Hauses, aus dem Heil oder Unheil» des Judentums kam und kommt Viel zu selten wird im Lause des Jahres der Werktag von feierlicher Sabbateinkehr abgelost. Wohl bringen kleine Freuden des Alltags und größere Festlichkeiten Abwechslung: aber die besinnliche Ruhe der religiösen Feste fchli. Die allgemeine religiöse Gleichgültigkeit, verschuldet vom jüdischen Hause, soll und muß auch vom jüdischen Hause wieder überwunden werden. Die jüdische Frau muß erweckt werden, damit sie zur Erweckerin der Gesamtheit werde. Sie muß zunächst Interesse gewinnen an indischen Dingen überhaupt, und am besten geschieht das durch Aktivierung der brachliegenden, aber bereiten Kräfte aus ihrem ureigenen Gebiet, in der sozialen und charitativen Arbeit Als Helferin ihrer leidenden jüdischen Mitmenschen wird die Frau sich halb als Glied der jüdischen Gemeinschaft fühlen. Ls ist dann ein leichtes, sie in Verfolg ihrer Kenntnis von jüdisch-sozialen Bestrebungen Hinzuwersen auf das große Ganze, auf die jüdische Gemeinde, in der sie jetzt als gleichberechtigtes Mitglied mitraten und schaffen kann. Ist die Frau so wett interessiert, dann wird sie gern einem Frauenkreise sich einstigen. den jüdisches, religiöses Empfinden beseelt. Dort kann sie in Arbeitsgemeinschaften, in^ Vorträgen lernen, daß soziale Arbeit. Arbeit in der jüdischen Gemeinschaft eine Forderung ihrer Religivv ist, daß Religion aber viel mehr noch fordert und unendlich viel zu geben Hot. Es wird ihr klar, wie notwendig es ist. jüdisches Wissen. Wissen von ihrer Religion zu erwerben, weil ihr eine neue Erkenntnis kommt, kommen muß, und diese Erkenntnis verdankt sic dem Kinde, der Jugend. Neues religiöses Leben schaffen in sich und um fick, wenn ihr Kind sich nicht von ihr entfernen, wenn ihr Haus nicht veröden soll. Dos Kind hat die religiöse Sehnsucht und -die religiöse Bereitschaft. Das Kind will um seine Religion, missen, will i»c in religiösen Feiern erleben. Die Frau, die Mutter kann dabei die rechte Führerin sein, auch wenn es ihr zunächst nicht leicht fallen wird, das Leben ihres Hauses neu zu gest-alreu. Sie muß lernen, daß vornehmlich aus der Anschauung des religiösen Lebens heraus die Seele des Kindes für die religiöse Idee gewonnen wird, damit es schließlich aus eigenem Wollen zur religiösen Betät.igung kommt. Aber nicht als rituelles Gebot, nicht als starrer 'Brauch soll d'e Form gewertet werden, sondern als der konkrete Ausdruck der religiösen Idee, der so gestaltet werden muß. daß immer wieder neues religiöses Leben aus ihm quillt. Durch das soziale Empfinden wird religiöses Jnteresie geweckt und das Der.ständn's für die. Beryundepheit aller Glieder unserer Glaubensgemeinschaft. Es wird vor allem Verstehen geweckt für die engste Gemeinichast, die Familie. Sv ist der Kreis geschloffen, und das jüdische Haus, erfüllt mit neuem, religiösem Leben, wird zur Ouell-- des religiösen Lebens der Gemeinschaft. * * Erich Felfeniha! Vorsitzender des Vorstandes der Snnaqogengemeinde iu Düsseldorf: Die Gleichgültigkeit, welche seit Jahrzehnten in unseren. Gemeinden, dem religösen Leben gegenüber an den Tag gelegt wird und ilren Ausdruck, in der Leere unserer Gotteshäuser findet, bedarf der ständigen Beachtung und einör'ngttchen Bekämpfung durch die Vorstände und Vertreter der Syna» gogengemeinden. Denn der Kreis der Pflichten eines Vorstehers muß weit über den Nahmen der Berwaltungsgeschäfte hinauögeschlagen sein: nicht nur Steuerangelegenheiten und Beamtengehälter, nicht Organisations- und Geldfragen allein dürfen seine Tätigkeit auLfüllen, sondern seine, vornehmste Aufgabe muß der Vorsteher einer Religtonsgemeinde in der religiösen Bindung ihrer Mitglieder jucken, in der idealen Aufgabe, datz religiöse Leben der Gemeinde zu heben und das Feuer wieder anzufachen, welches bei unseren Glaubensgenossen Gott sei Dank noch nicht erloschen ist, sondern wie ein glimmender Funke in der Asche nur des äußeren Hauches bedarf. um wieder als Flamme warm und hell zu lodern. In dieser Erkenntnis muß es sein Bestreben sein, alle Mittel anzuwenden, die geeignet sind, bei unseren heutigen Gemeindemitgliedern die religiöse Wärme zu erzeugen, welche unsere Vorfahren zum Segen und zur Erhaltung bei Judentums öurchglüht hat. DaS alte Sprichwort „böse Beispiele verderben gzA, Sitten" behält in seiner Umkehrung „gute Beispiele zerstören schlechte Sitten" auch seine Wahrheit. Das Vorbild der von der Religionsgemeinde freiwillig gewählten Führer und Vertreter ist am ehesten geeignet, Gutes zu schaffen: Vorsteher und Repräsentanten muffen die innere Verpflichtung fühlen, ihren Gemeinde-Mitgliedern mit gutem Beispiel voranzngehen: sie müssen als die berufenen Vertreter der Gemeinde auch an dem Orte vertreten sein, welcher der Sammelpunkt der ganzen Gemeinde ist, rm Gotteshause und mit ihrem regelmäßigen Erscheinen rm Gottesdienste und durch ihre religiöse Betätigung eine Macht ausüüen, welche im menschlichen Leben nicht hoch genug ent» zuschätzen ist, die Macht der Nachahmung und Gefolgschaft, welche rhnen mit dem Gefühl der Freude geleistet werden wird. Denn die Freude an der Religion wollen wir wecken und stärken. kaffen. Es war von jeher Brauch gewesen, in der Faschingszeit Wettrennen abzubaiten: man ließ Pferde. Esel, ja Büffel kaufen und schloß auf das siegende Tier Welten ab. Bei einem so sportliebende.n Volke, dessen traditionelle Körperkultur gerade zur Zeit der Renaijsance wieder einen neuen Impuls empfing, war es naheliegend, auck menschliche Wettläufe zu veranstalten. Es gab neben dem selbstverständlichen Wettrennen der Jünglinge auch ein solches der Greise und seit 1468 auch einen Wettlauf der G'hettojuden! Was den gepflegten und non Jugend aus körperlich geschulten Römern ein Vergnügen war, mutzte den aller körperlichen Ausbildung ungewohnten Juden die größte Oual bedeuten, klm ihnen das Nennen beschwerlicher zu machen, gab man den geöngstigten und völlig wehrlosen Juden vor dem Wettlauf reichlich zu cffen. Gr.egorovius schreibt über diese Sitte des Ivdenlaufes, die dem Volke soviel Vergnügen bereitete, daß sie sich sofort einbürgerte: „Sie liefen vom Arco Dmniziano bis zur Kirche San Marco am Ende des Corso in voller Furie und unter dem Hetzgeschrei und dem Iubelgelächter Roms, während der Heilige Vater ans dem reichverzierten Balkon stand und herzlich lachte . . Wer nun je einem Corforennen in Rom beigewohut hat, wo jetzt der Lauf der Pferde an die Stelle des ehemaligen Ivdenlaufes getreten ist. und wer es gesehen hat. wie das Volk in fast furioser Aufregung mit Geschrei und grellem Gepfeife die hinwegstürzenden Tiere vorüberhetzt, der mag sich leicht vorstellen, wie in jenen barbarischen Zeiten die durch den Corso gehetzten Hebräer mehr als Spießruten kaufen mutzten." Das erfinderische Volk ersann immer neue Reize, mit denen es sich diesen Karnevalsscherz pikanter gestalten konnte. Sprenger erzählt in seiner „Roma nova" vom Jahre 1667. daß das Iudenrennen mitten in die Tierrennen eingeschaltet wurde, und zwar liefen erst die Esel, dann die Juden, darauf die Büffel und zum Schluß die Berberpferöe. Man hatte, um sich am Anblick der durch Talmudstudium und Hausierhandel verbogenen Körper zu erfreuen, die Juden völlig ausgczogen: nackt, nur mtt einer Binde um die Lenden, mit vollgestopftem Magen, langen Bärten und zitternden Knien rannten sie unter beschimpfenden Zurufen durch die Gaffe der rohen Zuschauer. Bon 1168 bis 1666 ergötzten sich die Bürger des Kirchenstaates an den Iudenrennen: kein Papst wagte, trotz ihres stets wiederholten Bittens um Erlaß dieser fürchterlichen Beschimpfung, dem Volke das einmal emgebürgerte Vergnügen zu schmälern. Erst Clemens IX. hatte Erbarmen und ließ das Rennen durch eine jährliche Tributzaülung von 300 Skudi ablösen. Sie brauchten nach Entrichtung dieser Summe, die. 1500 Goldlire entspricht, auch nicht mehr dem Festzugc voranschreiten, sondern bürsten stattöessen in der Thronkammer ihre Ergebenheit zum Ausdruck bringen. EregoroviuS beschreibt auch dies m seinem 1853 geschriebenen Aufsatz: „Ghetto und Juden in Rom" in anschaulichster Weite: „Am ersten Sonnabend deö Karnevals pflegten ötc Häupter der Juden als Deputation der Iudenschaft Roms vor den Konservatoren auf dem Kapitol zu erscheinen Sre warfen sich vor ihrem Sessel nieder, und kniend überreuhten sie einen Blumenstrauß mit 20 Skuüi. mit der Bitte, diese zur Auszier des Balkons zu verwenden, auf welchem der römische Senat auf der Piazza del Popolo seinen Sitz naym. In gleicher Weise gingeu sie zu dem Senator und flehten ihn nach hergebrachter Sitte um die Vergünstigung an. ferner iu Rom bleiben zu dürfen. Ter Senator setzte feinen Fuß auf ihre Stirn, befahl ihnen aufzusteben und tagte nach hergebrachter Formel, daß die Juden in. Rom nicht ausgenommen, doch aus Barmherzigkeit geduldet seien. Auch diese Demütiguna ist geschwunden, aber auch setzt kommen die Juden am ersten Sonnabend der Karnevalsfeste auf das Kapitol und leisten ihre Huldigung und Tribut für die Pallien der Pferde, welche sie zu beschaffen haben, in Erinnerung dessen, daß nun die Pferde an ihrer Statt daS Volk belustigen." So gab es noch Mitte des vorigen Jahrhunderts im damaligen Kirchenstaat Zeremonien, die an die beschimpfenden Gebräuche des Mittelalters erinnerten. Inzwischen aber sind die Juden auck in Italien in geachtete Positronen gelaugt: so z. B. war 1905 der Bürgermeister eben jener Stadt Rom der Jude Naso. Ein neuer Psalmenkommentar. In der wissenschaftlichen Welt haben die von Prof. Franz Wutz vor einiger. Zeit, veröffentlichten eindringlichen Untersuchungen über die alte griechische. Uebersetzung der B'üel lSeptu.agmta)Lerechtigtes Aufsehen erregt, da sic diesem Werke eine bisher nicht erkannte wichtige Bedeutung für die Textkontrolle der Bibel zuerteilten. Wutz zeigte, daß viele Fehler der Septuaginta sich durch die Annahme aufklärten, daß den Uebersetzern nicht ein Text in hebräischen Schriftzetchensondern eine griechische Umschrift des Hebräischen Vorgelegen hatte. In seinem setzt erschienenen Werke (Die Psalmen, textkritssch untersucht von Franz Wutz. Prof, der alttest. Exegese an der philvs.-theol. Hochschule Eichstätt. München. ÄDfcI u. Pustet. 1925. 472 S.» versucht der Verfasser auf Grund seiner Kritik des Septuagintatextes unter steter Bezugnahme auf die alte syrische Uebersetzung (Peschitol den hebräischen Text des dritten vorchristlichen Jahrhunderts w'.ederzugewinnen. Jo, unternimmt ei, mit dieser älteren Feststellung bis zum vermeintlichen Urtext vor.