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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-02-12 · 7 (12.2.1926) · page 1

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
7 (12.2.1926)
Date
1926-02-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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IMchllberaleZeMna Organ der Vereinigung für das liberale Judentum e. V. Bezugspreis durch die Geschäftsstelle ^jährlich M. L.S0 Einzelnummer 0.20. Lei freier Zusendung i. Inland 0.25 §Ür die Mitglieder der Vereinigung ist der Bezugspreis ' :: tm Milgliedsbeitrage enthalten. :: :: :: Chefredakteur: Dipl.Zng. Bruns Doyda. vle „Jüdifch-livsrale Seilung" Erscheint jeden Sreilag. Nedaktlon u. SeschüttssteNe: verlinSW, Wilf?e1mftr. 147. fernruf: Vofenhvlde 3358» 3359 Poftfdyeckkonto: Darlln n W7 tlr.157069 (Vereinigung für da» liberale Judentum Nachdruck sämtlicher Original-Beitrag» nur mit vorftertger Genehmigung der Redaktion gestattet. Anzeigenpreise: Die 12gespaltene Nonpareillezeile 0,45 Goldmark, die Reklamezeile 3,00 Goldmark, bei u :: Wiederholungen Rabatt. :: :: Anzeigenannahme: .siüdisch-liberaleZeitung- ^nferatenabteiluug: Berlin SD 48. Mlhelmftratze 147 (Hasenheide: 3358—59). sowie sämtl. Annoncen Exped. Nr. 7 Berlin, 12. Februar 1926 6. Jahrgang Die weilen wir das religiöse Zuteresse? Rechtsanwalt Heinrich Stern Vorsitzender der Bereimgung für das liberale Judentum e. Ueber ein Wunder soll im Rahmen eines Zeitungs-Artikels berichtet werden; Denn ein Wunder ist es. religiösen Sinn SU erwecken, im Einzelnen, in der Gemeinschaft. Freilich, darüber müssen wir uns wohl zuerst klar werden, was religiöser Sinn, was Religiosität ist. Das gesetzestreue .Judentum bat die Antwort dahin gegeben, daß es auf die restlose Erfüllung des gesamten ReligionSgesetzeö ankommt. Jude sein im gesetzestreuen Sinn ist die Zugehörigkeit zu einer gesetzlich geregelten Lebensgemeinschaft, hinter der die Gesinnung, das Empfinden des Einzelnen zurücktreten. Wir ober glauben, daß die bloße Erfüllung des Religionsgesetzes, roeil sie geboten ist. nicht die Vollendung religiösen Handelns darstellen kann. Kein religiöses Handeln ohne religiöses Empfinden Uns ist nicht das Primäre die religiöse Tat um ihrer selbst willen, sondern das religiöse Empfinden und die daraus geborene religiöse Tat. Was ist aber für uns religiöses Empfinden? Nichts anderes, als das Bewußtsein der Verknüpfung des Einzelnen und der Gemeinschaft mit dem Ewigen, das Einordnen der eigenen Person in den Weltplan. Das Erkennen der eigenen Begrenztheit erweckt das Ahnen eines ewigen Waltens. das auch über unser Leben, und über unsere Gemeinschaft bestimmt. Uns beherrscht das Gefühl, das? das Leben des Menschen nicht aufgelöst werden kann in ein mechanisches Produkt von Ursache und Wirkung, sondern daß ein ungelöster Rest in mr Seele des Juden, in die indische Gemeinschaft gelegt ist. brr verstandesmäßig nicht erklärt werden kann, der aber vorhanden und zu erkennen ist. seit Israel und Israeliten in die Weltgeschichte eingetreten sind. Religiöses Interesse, religiösen Sinn fördern, heißt also rat Einzelnen das Verknüpstsein mit dem Ewigen, mit dem Zeitlosen wen hervorznrufen. Ich sage: neu hervvrzurufen: denn dieses Gefühl des Bcgrenzt-Unbegrenzten. dieser Jubel der Seele nach den Höhen, wie es Abraham Geiger einmal so schön ausgedrückt hat er w a r einmal in ieder Seele vorhanden, in der Zeit, da wir aus Kinderangen in die Welt geblickt haben. In jedes Kindes Seele glüht dieses ewige Feuer. Und >väre es nicht von zahllosen Eltern, schlechten Hütern der Kindesseele, verschüttet und verlöscht worden, wir brauchten uns beute nicht zu mühen, vor Erwachsenen über das Wunder „Israel" zu sprechen. Das Judentum hat uns in den häuslichen Feiern des Sabbats, der Feiertage. der Familienfeste sichchare Altäre geschaffen, auf denen die Seele unserer Kinder ihre Opfer zündet. Wer einmal vor dem Sabbatlichl die Andacht im Kindesherzen erweckt hat. das gespannte und in Besriedignna verklärte Leuchten ber Kindesaugen erschaut bat. der weiß, daß dieses religiöse Gefühl da ist. Es iß zunächst gewiß gar nichts anderes da. als daS Erkennen eines Unterschiedes zwischen Alltagsstunde und Feiertagsstunde Das Kind sieht, daß der Tisch anders gedeckt ist als am Alltag, daß der Vater, den Berufsarbeit gar oft über die kindlichen Abendstunden hinaus vom Hause fern hält, sich heute dem Kinde widmet. Es hött den Lichtsegen der Mutter, den Kiödusch öeS Vaters, es singt Sie alten Festgevete der Ahnen und merkt so, baß da eine Stunde ist, die anders ist. als der Alltag. Das ist der erste Schritt der Erhebung, der Erkenntnis vom Unterschied zwischen Ewigem und Irdischem. Wächst das Ktnd heran, so werden wir es lehren, daß diese Festtagöstunde. die Eltern und Kinder, die engste Gemeinschaft der Lebendigen, zu- 5animenflihrt, vom Judentum und für das Judentum geschaffen ist. von einer Gemeinschaft, die vor tausend, tausend Jahren aus der Umwelt hervorgewachsen ist. weil sie Gott «nd do.S Göttliche anders erfaßte als alle anderen Völker der Welt. Die Kinder werden von Abraham hören, der sich von seinem Elternhause trennte, um Gottes Ruf zu folgen, von Mose, dem Manne Gottes, der. der göttlichen Stimme gehorchend, diesen Sabbat eingesetzt hat. als einen ewigen Bund zwischen dem Schöpfer und uns, als eine Brstcke zwischen Zeitlichem und Ewigem. Und wenn die Kinder noch älter Werden, wenn sie die Gesetze der Welt, unter denen wir heute leben, erkennen, dann werden wir ihnen darlegen, daß dieser Sabbat eine der größten Taten ewigkcitsbegeisterter Menschen gewesen ist. denn er hat nicht nur in die Welt ein- Seführt das Gesetz des sozialen Ruhetages für Herren und Knechte, für Mensch und Vteh und damit zugleich den ersten praktischen Schritt getan zur Ungleichung aller Menschen aneinander, sondern er hat auch diesen sozialen Ruhetag gestellt unter das Zeichen der seelischen Erhel rng. Bei dem Sabbat-Gebot ist die Begründung für die Ruhe btt Menschen am siebenten Tage ausdrücklich verknüpft mit der Welt-Schöpfung Gottes. Uns ist aeboten. an diesem Tage die Seele zu den ewigen Ideen zu erheben, die mit Gott und seinem Wirken verknüpft sind. Was hier für den Sabbat gesagt ist. das gilt auch für die Feste, für die Bräuche überhaupt. Wenn wir den Seder-Abend feiern, wenn wir die Schauer von Neujahr- und BersöbnungStag über uns empfinden. so werden wir mit dem Aeußerlich«-« beginnen, und das Kind wird gewiß zuerst das Aeutzerliche. daS Spielerische erkennen und begreifen, wie das ia auch die Stifter unserer Gemeinschaft wollten. Unsere Sache ist es aber, das religiöse Flackern in feste Bahnen zu lenken, die Brücke S«isHen Zeitlichem und Ewigem zu finden und zu festigen. Wir müssen unsere Kinder lehren, daß dieses Neujahrs- und Versöhuungssest die erhebendste Offenbarung des religiösen Genius darstellt, nämlich die Lehre, daß der Mensch nicht unter einem blinden Schicksal geknechtet seine Tage dahin schleppt, sondern daß er Herr ist seines Handelns, daß ihm nicht nur gegeben ist die Erkenntnis seiner Sünde, sondern auch die Möglichkeit der Umkehr und der inneren Erhebung. Diese Idee der reinigenden sittlichen Tat wirkt auf jeden denkenden und empfindenden Menschen immer wieder mit der ganzen Kraft der Offenbarung Aehnliches gilt für das Pessachfest. welches, wie kaum ein anderes Fest, nicht nur die Idee der Freiheit, sondern die Idee der Einheit der Merischheit in sich schließt. Hat das jüdische .Haus so das seinige getan, hat es das Kind empfinden gelehrt und dem Empfinden die richtige Bahn gewiesen, so muß die religiöse Unterweisung einsetzen. ES gilj, die Herrlichkeiten der Quellen unserer Gemeinschaft offen zulegen: die Bibel in ihren historischen, prophetischen und dichterischen Büchern, die Schriften unserer Weisen und Gesetzeslehrer, vor allem aber die Geschichte unserer Gemeinschaft überhaupt. Da muß immer und immer wieder hingewiesen werden auf das größte Wunder der Weltgeschichte, daß eine Gemeinschaft, physisch schwach, eine Gemeinschaft, die nur wenig Helden und Krieger hervorgebracht hat. sich aufrecht erhalten bat durch den Glauben an ihre Sendung, daß Israel alle Reiche des Altertums und des Mittelalters überdauert hat. geistiges und körperliches Eleud bestand, weil es an die Zukunft seiner Gemeinschaft glaubte und glauben durfte, weil es entschädigt wurde für das Ausbleiben politischer Erfolge und äußeren Ruhmes die tu jeder Generation aufwachsende Erkenntnis, daß Israel war. ist und fein wird der Lehrer der Menschheit, der Hüter der Ideen von Freiheit. Gleichheit und Gerechtigkeit. Unsere Kinder, unsere Schüler Einheit der Menschheit, der Ideen der Nächstenliebe werden nach Beispielen fragen, nach Belegen. Da sollen wir darauf hiumeiseu, daß der Weg zur Menscheneinheit und zum Menschenfrieden ein ewiger Weg ist und daß hier die Schritte nicht gezählt werden können, wie die Schritte, die der Menschenwanöerer bergan seinem Ziele entgegenklimmt. Aber wir dürfen doch darauf Hinweisen, daß gerade unsere Zeit begnadet ist. einige dieser ewigen Schritte sichtbar miterlebt zu haben. Wenn sich heute die Völker der Erde zu einem Bunde zusammentun. so ist diese Idee — von der Verzerrung ihrer Ausführung mag abgesehen werden — jüdisches Erbgut, Erfüllung eines Flehens, bas die betende Gemeinde am Schlüsse jeder Andacht nach oben sendet. Wenn heute dse Lehre des Selbstbestimmungsrechtes des Einzelnen und der Völker als das Wort eines amerikanischen Professors neues Leben gewonnen hat, so wollen wir immer darauf Hinweisen, daß damit nur ein Schrittchen getan ist dem Ideal der Gerechtigkeit entgegen, das in seiner ganzen Verklärung Israel der Menschheit gegeben hat, in einer Verklärung Lie so groß ist, daß unsere Lehren es nicht nur nötig Haiti n. den Richter davor zu warnen. daS Recht zu beugen um des Reichen willen, sondern davor warnen mußten, im Uebermatz sozialen Empfindens den Armen vor dem Reichen zu begünstigen. Wenn heute die Parlamente der Welt über die Abrüstung papierne oder ernstgemeinte Resolutionen fassen, wenn ganze Völker heute ihre Militärmacht freiwillig aufgeben, so muß daran gedacht werden, daß es der groß-. Sohn Israels war, der voraus gesagt hat., daß eine Zeit i ommen wird, wo die Völker ihre Schwerter umschmieden würden in Pflugscharen und ihre Speere in Weidenmesser. Mit einem Wort. eS gilt, die Erkenntnis zu wecken, daß wir einer Gemeinschaft angehören, die nicht von gestern und für morgen besteht, sondern, die in die Welt gesandt ist. um durch ihr bloßes Dasein, ihr Leben, ihre Lehre die Völker der Erde daran zu mahnen, das? nicht die Waffe die Welt beherrscht, sondern die Idee, nicht Kraft und Hecrcsmacht. sondern der Geist des Ewigen. So sollen wir unsere Kinder lehren und wir werden das religiöse Bewußtsein in ihnen erhalten. Können wir aber nicht so auch unsere Erwachsenen aufrütteln? Wir leben wahrlich in einer Zeit, die gezeigt hat. daß nicht wirtschaftliche Güter, nicht Waffen von Eisen und Stahl ein Volk groß erhalten können Wir haben den Sturz und die Vernichtung von Werten erlebt, die wir unzerstörbar festgelegt glaubten in der Außenwelt und in den Seelen der Menchen. Soll daraus nicht die Notwendigkeit erkannt werden, sich einer Gemeinschaft anzuschließen, in die wir doch hineingeboren sind, welche — wir glauben es wenigstens angedeutet zu haben — sich eine ewige nennen darf? Sollte dieser Zusammenbruch einer ganzen Welt in und um unS nicht verstärkt in allen die Sehnsucht nach Erhebung und Aufrichtung aus dem Alltag aufgeweckt haben? Wohlan denn, jüdische Brüder und Schwestern, werdet wieder heimisch in Eurer Gemeinschaft! Lernet erkennen, was das Judentum dem Einzelnen und der Gesamtheit bietet, nicht nur der Gesamtheit der eigenen Brüder. sondern der Menschheit überhaupt! Wenn Ihr daS Werden und Wirken des Judentums in seiner vieltausendjährigen Geschichte in Euch aufnehmt, wenn Ihr mitlebt in unseren Freuden und Schmerzen, in unseren Erhebungen und Sorgen, werbet ihr das Bewußtsein wieöererwachen fühlen, daß der Mensch nicht allein auf der Welt steht, sondern seine Ausgaben in der Reihe seiner Brüder und Schwestern erfüllen muß. Dieses Gemeinschaftsbewußtseiu und diese Gememfchastsarbeit aber wird die Brücke schlagen zwischen Erde und Himmel. Wir werden den alten Traum unseres Erzvaters Jakob wieder träumen dürfen, wenn wir imstande sind, gleich ihm das Ringen mit dem Engel zu bestehen. Wer nicht im Alltag stecken bleibt, wer ans die Stimme seiner Seele achtet, für sie sorgt und lebt, um ihretwillen mit den Idealen, um die Ideale ringt, der wird die goldene Leiter zwischen Himmel und Erde, zwischen Zeit und Ewigkeit vor sich gebaut sehen und dessen gewürdigt sein, was nach der frommen Sage unsere Erzväter erleben durften: Gott zu schauen! Dann wird e6 nicht mehr nötig sein, Fragen, wie die vorstehende, zu stellen und zu beantworten! * * * Gemeinderabbiner Dr. Kober-Köln: Wer religiöses Interesse wecken will, hat dabei andere Wege einzuschlagen. als derjenige, der sonst für irgendein Gebiet die Aufmerksamkeit der Menschen wachzurufen beabsichtigt. Will man im allgemeinen das Jntereße der Menschen auf irgendeinen Gegenstand hinlenken, so wird das drastischste Mittel vermutlich das wirksamste sein. Von Amerika ist bekannt, daß dort selbst auf dem Gebiet des geistigen und religiösen Lebens die auffällige Reklame nicht verschmäht wird. Diese aber kann naturgemäß. bei eurer so zarten.Pflanze, wie sie die Religion darsteüt - sofern man die Religion jy erster Reihe als eine rein innerliche Beziehung m Meck Gotte betrachtet - nicht verfangen. „War' nicht das Auge sonuenhaft, die Sonne könnt cs nie erblicken, läa' nicht in uns des Gottes eigne Kraft, wie könnt' uns Göttliches entzücken!" Wir gehen von der selbstverständlichen Voraussetzung ans. daß die religiöse Anlage das Gegebene und der areligtöse Mensch die Ausnahme bildet. Freilich werden wir auf erwachsene Menschen, die in ihrer Bildung und Lebenserfahrung Tertia zu sein vermeinen und der Religion fernstehen, nur selten einen religiösen Einfluß ausüben können, es sei denn, daß tief einschneidende Ereignisse sie aus ihrer Alltäglichkeit schleudern. In der älteren Generation werden Pietätsgefühle der Kindheit goldene Tage heraufbeschwören und vielleicht überwältigende Erinnerungen an das religiöse Elternhaus, an feierliche Gottesdienste, die sie als Knabe oder Mädchen in der Gemeinde erlebt hat, wachrusen, aber religiöses Interesse werden wir doch schließlich nur bei der Jugend zu wecken vermögen, in deren Herzen das Feuer des Religiösen teilweise unbewußt glimmt. Manche werden es als eine Schwäche des Judentums ansehen, daß es in seinem Glaubensinhalt recht abstrakt ist und nicht, wie zum Beispiel die römisch-katholische oder griechisch-katholische K«rchc es versteht, mit solch gewaltigen äußeren Reizen nicht nur der Kinder fromme Sinne gefangen zunehmen weiß: denn das Jndenum will durchdacht, durchfühlt und vom «schwunge der Einbildungskraft belebt sein und vollendet sich durch die harmonische Zusammenwirkung dieser drei Seelentätigkeiten. Aber hat nicht das Judentum seine Zeremonien ~ mag dieser Name auch ihren Sinn nicht ganz entsprechend wiedergeben — ruft es uns nicht in mancher Einrichtung zu: „Das sei dir zum Zeichen an deiner Hand und zum Denkband zwischen deinen Augen!?" Willst du das religiöse Interesse bei dem Kinde, bei der Jugend wecken, dann kannst du es allerdings nicht mit abstrakten Glaubensvorstellungen. sondern vor allem mit dem religiösen Leben des Hauses. Doch gilt es. die Mahnung unserer Alten zu beachten, die sie aus dem Schriftwort: „Der ist meine Macht, ich will seine Schöne preisen, der Gott meines Vaters, ich will ihn verherrlichen". ableiten. Das soll besagen: Die. Schönheit der religiösen Form bildet ein nicht zu unterschätzendes Mittel der religiösen Uebung. Freilich darf Aestheük nicht mit Religion verwechselt, aber sie darf weder im Gottesdienst noch in der Feier des Hauses außer acht gelassen werden, damit ein weihevoller Zauber das kindliche Herz erfasse und nie wieder von ihm weiche. So wird das religiöse Gefühl auch im Alter immer wieder an die Erlebnisse der Kindheit anknüpfen können. Es scheint daher unumgänglich notwendig, baß dort, wo das Elternhaus versagt, die Gemeinde Einrichtungen treffen muß, um bas Kind die Schönheit und Tiefe die Herrlichkeit und Erhabenheit unserer Sabbate und Festtage empfinden zu lassen. Doch genügt die Form nicht, um das religiöse Interesse wachzurufen. Je nach Geartung des Menschen wird bald der hohe Gedankenflug den baS Judentum fast stets genommen hat, bald feie Widerstandskraft, die Aufopferungsfähigkeit und das Martyrium seiner Bekenner, bald seine Lehre, bald seine Geschichte auf das empfängliche Herz seiner Jugend Eindruck machen. Aber das eine müssen wir bedenken: wer hat verstanden, religiöses Interesse zu wecken? Waren es in der allgemeinen ReligionSgeschichte wie in den großen Momenten des Judentums nicht immer nur die Führerpersönlichkeiten? Sehen wir einmal von den Propheten ab, wer hat nach der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft das Judentum neu gegründet? War es nicht ESra mit der feurigen Kraft feines Geistes und Gemütes? Hat nicht in den Tagen der Gyrerkämpfe ein Juda Makkavi mit der Kraft seiner reli-

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