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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-02-05 · 6 (5.2.1926) · page 7

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
6 (5.2.1926)
Date
1926-02-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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4 stellenden Tni'ivücu verankert. und wahrhaft zu sein, fordert von unei SRcIininn und Crflrif. Wahrhaftigeit uns selbst yrcnciuibci: ist dringendes Erfordernis, wenn wir unsere Achtung vor uns fei DU behalten wollen: Gebsttäuschuna f ft einer der schlimmsten gebier, die wir an uns bekämpfen müssen. Wahl Hastigkeit gegen Gott muß uns eine Selbst, verstäu-dlichkeit sein, wenn wir den Begriff des JudeseinS in uns ausgenommen haben. Wie aber steht es mit der Wahrhastigleit gegenüber unseren Mitmenschen? Sieht man von den krankhaften Erscheinungen ab. so ergeben sich hier noch eine Reihe nvn Problemen. welche uns in Gewissen-- konflikte geraten lassen. Die Lüge geringsten Formats ist wohl die Notlüge, die unS mii’ citter Verlegenheit herauShelfen soll. Wir sind häutig dazu gezwungen sie an?,«wenden, oder sollen wir etwa einem Mvmtlcn durch wahre Angaben über seinen crnstrn Zustand die .Hoffnungen, auf seine Wiederherstellung ranveu? Wesentlich ücdeniiicher als die Notlüge ist bereits die konvc-nLwueüc i'üo.c, die mir besonders im gesellschaftlichen iMvm teil» beunnir, teils aber auch unbewußt, rein gewohnhcitSgemäß ans'prcchcn. Wir wollen dem Mitmenschen aegerniocr d>c »Form wahren und bedienen unS hierbei bestimmter Redensarten, .au deren Sinn wir nicht im Entferntesten selbst glauben. Hier muß unsere Arbeit an uns selbst beginnen. W>r können unserem Mitmenschen auch taktvoll «gegen übertreten, ohne daß mir uns im gesellschaftlichen Vermehr der konventionellen Lüge bedienen. Wir wollen auf yvonucit achten, gerade weil man uns Juden häufig das Gegenteil norwirft, aber wir wollen uns hierbei bestreben. Redensarten. die man uns ja doch nicht glaubt, zu ner- •mohVr.. ^keuschen die gedankenlos die konventionelle Lüge gebrauchen, schädigen sich weist selbst, denn wie leicht wird yiersurch bei dem fremden, und besonders bei Kindern, ein vielleicht unberechtigtes Mißtrauen verursacht, welches das Ai g ehen untergräbt. Am lvwvlr^.ierresten liegen wohl die Verhältnisse, wenn wir die Lüge im iiefrivififiefjen fielt betrachten. Hier handelt es üch ähnlich roic int politischen V'cöat darum, von der Gegenseite durch möglichst geschicktes Verhandeln größtmöglichste Vorteile ,yt erreichen. Ob es sich darum handelt, ob der Käufer erklärt, bei der Konkurrenz billiger zu kaufen, ob der Kanimann seine Ware als die Bessere bezeichnet, meist IjGitbcit es sich um Versuche, das Aeußerste herauszuholeu Ob alle Angaben Tatsache sind, ist Nebensache — .Hauptsache, ist der Erfolg. Bluts und Ueberrednug ist "Notwendigkeit, ivenn man nicht i'bervorteilt oder unter die Räder kommen null. Voll bei der Wahrhaftigkeit zu bleiben, hieße Selbstmord an sich selbst verüben. Das ist die heutige Einstellung. Und trotzdem lehrt auch im geschäftlichen Leben, daß aus die Dauer das Vertrauen den größeren Erfolg bringt, als etwa eilt durch Ueberrednug zustande gebrachtes «itium'iges Geschäft, bei welchem sich die Gegenpartei schließlich übcrvorleilt fühlt. Wenn treu aller ethischen, religiöseil und Vernunftgründen volle Walirhaftigreit in der Praris sich nicht immer ganz dnrchssthreu läßt, so ist sie als ethische Forderung unbedingt zu erstreben, und wir können zu diesem Ziel nur Mmt gelangen, wenn sich jeder einzelne bemüht, stets bei der Wahrheit zu bleiben. Dazu gehört auch, seinen Mitmeuichen es stets zu erleichtern, stets wahrhaft bleiben zu können. Eine Bereinigung des gesellschaftlichen und geschäftlichen mm auch des poletischett Lebens in dieser Richtung muß heute als dringende Aufgabe betrachtet werden, für stie auch nur als liberale Jugend Wertvolles leisten tön mm. Eine leb hafte und anregende UuiLrhaltung über dieses so^tuelle Gebiet hielt uns bis zu sväter Stunde vereint. * ckchgnift. lL i b e raler B e r e i »st Am 21. Januar fand unser diesmaliger Jli-Ball statt, und zwar in Form eines „Bai pare" In den. schönen, vornehmen Räumen des „Gesellschasishauses" lLuijenstraße) entwickelte sich längst vor 8 Uhr schon ein lebhaftes Treiben. Wir hatten auch die Freude, eine stattliche Anzahl auswärtiger Gäste begrüßen zu töuneit, und war die Beteiligung an unserem Fest auch sonst eine äußerst befriedigende. Ilm 9 Uhr wurde an rl'Bu.'n Tischen ein Imbiß serviert, und unser 1. Vorsitzender begrüßte mit ein paar Worten die Anwesenden. Dann v".nde flott und unermüdlich getanzt!!. Eine mit großer Sorgfalt vorbereitete Revue unserer Jli-Mitglieder erntete lebhaften Beifall. Konfetti-Schlachten. Likörbar usw. sorgten dafür, daß die Stimmung immer fidcler wurde. Papierschlangen wickelten sich um die Tanzenden, und viel zu schnell nahte die Polizcistv"de heran, die sowieso schon bis 2 Uhr verlängert war. Das gelungene Fest, das wohl alle Erwartungen erfüllt und unserem Verein wieder einige neue Mitglieder Angeführt hat, wird den Teilnehmern sicherlich noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben. PoiSdam. iJ ü d i s ch - l i b e r a l e r I ugcndverei n.) Am Montag, den 2m Januar, sprach im Potsdamer IN Herr Dr. Botho Laserstcin vor den fast vollzählig erschienenen ordentlichen Mitgliedern über „Das Judentum ist der Friede!" im Anschluß an seine kürzlich erschienene, sehr bemerkenswerte Broschüre gleichen Titels. In feinen einleitenden Warten mies der Vortragende darauf bin. daß während des Krieges auch bedeutende jüdische Persönlichkeiten der allgemeinen Kricgepinchose anheimgeiallen und zu Predigern der Gewalt geworden sind. Tann aber bewies der Vortragende an Hand zahlreicher Bibel- und Danundstellen in sorgfältigen, wissenschaftlich gehaltenen Ausführungen, daß dem Judentum diese Anbetung der Gewalt gänzlich wesensfremd sei, und daß die jüdische Religion wie keine andere den Geist des ewigen Friedens in sich ausgenommen habe. Aus dieser Erkenntnis heraus forderte der Redner in eindringlichen Worten imter Hinweis auf die Greuel des Krieges und die immer mehr uut, sich greifende, wieder stärker denn ie erwachende kriegerische Gesinnung der breiten Massen, daß Juden und Judentum sich zu,in Vorkämpfer der Friedensbewegung machen mühten. Nur wenn man sich hierzu entschließe, und zwar ohne Rücksicht auf die vielleicht entgegenlaufende augenblickliche Zeitströmung, werde das heutige Judentum den ethischen Forderungen seiner Religion gerecht, die in den seherischen Worten seiner Propheten einen so einzig dastehenden Niederschlag gefunden hast n. Der Redner hatte mit seinem von ehrlicher Begeisterung getragenen fesselnden Vortrag die jugendlichen Zuhörer alSbAd in feinen Bann geschlagen, Nach dem aufrichtig gezollten Beifall der Jugend, der ebenso wie den Ausführungen des Redners auch dessen Person galt, sprach die Vorsitzende Fräulein Margot Hirschbruch dem Redner in warm gehaltenen Worten den Dank des Vereins aus. In der darauf sich anschließenden Aussprache erklärte Dr. Cohn, daß die Jlis es mit stolzer Freude begrüßen müßten, daß aus ihren Reihen ein so warmherziger, furchtloser Vorkämpfer der Friedensbewegung hervorgegangen sei. Des weiteren führte er aus. daß für einen religiösen Juden die Neigung zur Friedensbewegung eine Selbstverständlichkeit bedeuten müsse. Der Einwand, daß man durch offenes Eintreten für die Friedensbewegung dem Antisemitismus nur neue Waffen liefere, beruhe auf Feigheit, und solche sei imiüer verächtlich. So selbstverständlich auch eine innere Anteilnahme an den Zielen der Friedensbewegung sei, so äußerte dock Dr. Eohn Bedenken nach der Richtung, ob man der Friedensbewegung selbst durch offenes Eintreten des Judentums für sie einen Gefallen erweise oder ob matt nicht vielmehr dadurch wegen der einmal nicht abzuleugnenden Jüdengegnerschast weitester Kreise des deutschen Volkes der FstciedenKbewcgung praktisch Abbruch tue. In seinem überaus wirkungsvollen Schlußwort versuchte Tr. Laserstein. diese Bedenken zu zerstreuen, indem er darauf hinwies, daß die Nationalisten jede ihren Zielen zuwiderlaufende Bewegung mit der Bezeichnung „Jüdisch" belegen, obwohl diese z. B.. wie teilweise die Freimaurerbewegung. rein christlich sein kann. Der Redner schloß mit einem starken Appell an eine dem Geist des Judentums entsprechende tätige Mitarbeit an den Zielen der Friedensbewegung, -er sicherlich in den jugendlichen Herzen der Zuhörer feine Wirkung nicht verfehlt hat. || Bersammlungskalender | Berlin. (L ibcrale Spnagoge Norden.) Schönhauser Allee 162. — Auerbachsches Waisenhaus. Gottesdienst am Freitag, den 5. Februar, abends Uhr. Predigt Rabbiner Dr. SalomonSki, Sonnabend, den 6. Februar, vormittags 10 Uhr. Breslau. )J ü d i s ch - l i b e r a l e r I u g e n d v e r e i n „Abraham Geiger".) Mittwoch, den 10. Februar, abends Rch. Uhr, Gruppe „Süden" bei Pollack, Ohlaner Straße 42. Einleitendes Referat: Grete Gaßmann: „Die jüdisch«: Rasse". Freie Aussprache. — Mitglieder, die der Gruppe nicht angehören, als Gäste willkommen. — Freitag, den 12. Februar, abends S1.k Uhr, bei Kornhäuser, Freiburger Straße 9: Gemeinsame Freitag-Abend-Feier. Königsberg. tOrtSgruppe der Vereinigung für das liberale Judentum.) Am 10. Februar findet eine große öffentliche Versammlung der Bereinigung für das liberale. Judentum stickt. Sie wird das Thema: „Brauchen mir in Königsberg eine jüdische Schule? Warum muß das deutsche Judentum sie bekämpfen-" behandeln. Rcckibor. lBereinigung für da§ liberale I u d e n t i! m.l Dienstag, beit 9. Februar, abends 8 Uhr, spricht im Bruckschcn Saal Frau Justizrat Paula Ollendorsf über das Thema: „Warum sind wir liberale Juden?" Gäste willkommen! Die Amej-Haarez im talmudischen Zeitalter. Von I. M e i t l i s, Zürich. Folgende Ansführuna will nicht daS Problem der Amej-Haarez in der Zeit vor und nach dem Untergänge Jerusalems ietwa von 50 v. Ehr. bis 300 n. Ehr.) erschöpfend behandeln, auch nicht den Gegensatz zwischen den rabbinischen Gelehrten und dem geschmähten und ungebildeten Landvolke hervorheben. ES soll hier nur in gedrängter Form (wie der Raum cs hier gestattet) die Frage nach den vorhandenen talmudischen Quellen gestreift werden. Wie weit man heute auch allgemein Wer den Tiefstand jüdischer Kultur und jüdischen Wissens zu klagen hat, sicher ist, daß dieienigen. die in der antiken jüdischen Vergangenheit ihre Zuflucht suchen, di«: mit wehmütiger Romantik aus üaS Gewesene zurückschauen und dort das Symbol der reifen, hohen und überhandnehmenden jüdischen Geisteökultur scheu wollen, nicht recht die geschichtliche Perspektive einhalten können. Wir müssen uns vergegenwärtigen, daß gerade die klassische Zeit der jüdischen Gelehrsamkeit und der Bertickung deS Judentums, von einem beispiellosen Knltnr- und Bildungstiefstand der breiten Volksschichten, speziell deS Landvolkes, begleitet ist. Und vielleicht war es gerade diese Gelehrsamkeit, an der wir auch heute noch in der gesamten Kulturwelt so sehr krankem, die diesen Tiefstand so kraß zutage förderte. Tenn das damalige Zeitalter war. ebenso wie das unsrige, weit entfernt von den Idealen des alten Prophetiswus, daß „das Land voll des Wissens werde", und indem man mit dem Ausbau der Lehre eifrig beschäftigt war. übersah man säst den Einzelnen, den Menschen, für den das lebendige Wort Gottes bestimmt war. Statt die Lehre in das Volk hinauSzutragen. sie als GcistcSknltur zum Gemcingute des gesamten Volkes zu machen, bildeten die Gelehrten eine abgeschlossene Gruppe für sich (die Chawerim. Genossen), die jeden Verkehr mit den Nichtgelehrten mied. Aui diese Weise lockerte sich allmählich daS Verhältnis zwischen den gelehrten Chawerim und dem Landvolkc. bis eS zu einer völligen Isolierung der letzteren führte. Der Name „Am-Haarez" entstammt einer noch verhältnismäßig frühen Zeit und war ursprünglich die Bezeichnung für den Nichigelehrten. den Laien: wörtlich: der Mann deS Landes, zum Unterschiede von dem Gelehrten, dem Talmid- Chacham. Nach und nach wurde aber dieser Name, zu einer schimpflichen und gehässigen Bezeichnung. Schon Hftlel lder Babnlonier. um etwa 20 v. Ehr.) weiß i-on dem Am-Haarez zu sagen: „ex könne nicht fromm sein"'!. Später aber verstand man unter Amej-Haarez nur noch die rohen, verwilderten Männer der Scholle, denen man auch alles Böse znmutcn konnte und durfte. Sie wurden zu den Geringen, zu den Unwissenden, sogar zu den Nichibrndern (also Nichtjuden) gestempelt. Weiß doch der Talmud festzustellen, daß dee „Am-Haarez" nicht dein Bruder (in bezug auf den Juden) sei. weil er auch nicht das tut, was der jüdische Bruder an guten Taten tut . . ."'). Zweifellos hatten die andauernden politischen Wirren und Kämpfe der herodiauischen und römischen Herrschaftsära diese Söhne der Scholle zunt Stumpfsinn, sogar, zur Verwilderung und Verrohung geführt. Hatten sie doch selten Gelegenheit, während der Temvelzeit nach Jerusalem zu kommen und dort das geistige Zion zu schauen, lind wenn sie auch die Lehre des Judentums zu hören bekamen, so verstanden sie sie sa gar nicht. Nach dem Untergänge Jerusalems setzte sich hier dieser Prozeß der Verwahrlosung infolge Fehlens eines nationalen Zentrums noch stärker fort, so daß wir uns vor die Tatsache gestellt sehen, daß diese Masse des Landvolkes aanz isoliert und sich allein überlassen blieb. Sie befanden sich aus einmal außerhalb jedes geistigen Verkehrs, ohne Führer und Ratgeber, und waren, wie wohl selten sonst, allerlei Bewegungen und Einflüssen der damaligen sehr bewegten Zeit ein sehr willkommenes Objekt. Und Teile dieses Volkes bezeichneten die Sendboten deS Christentums als die „verlorenen' Schafe des Hauses Israel^) und ihnen wandten sie ihre Lehre zu. Der Keil der Spaltuna wurde aber auch weiter getrieben. Man scheute vor keinem Mittel zurück. Statt das Feuer zu dämpfen, schürte man es noch immer stärker, man begann, sich gegenseitig zu hassen, man ging sogar zur offenen Feindschaft über. Nicht nur. daß die Gelehrten jeden Verkehr mit den Amej-Haarez mieden, sie betrachteten sie wie Nichtbrüdcrft. untersagten die Verschwägerung mit ihnen, bezichtigten sie des Ehebruchs und dergleichen mehr. Der Bruch, der zwar noch latent war. wurde nun ganz offensichtig: die Kluft, die einmal da war. konnte nicht mehr überbrückt werden. So standen sich nun zwei feindliche Parteien gegenüber. die an Gehässigkeit und Schmähungen einander förmlich «verboten. Einige talmudische Quellen, die wir im folgenden zitieren, verbreiten ein äcelles Licht über daS damalige Verhältnis. In einer Stelle heißt es da: „Die Feindschaft, die die Amej-Haarez dem Gelehrtensiande Nachträgen, ist größer denn die Feindschaft der Völker Israel gegenüber""). Der Am-Haarez war sogar deS Meineides. deS GtehkenS und des MordenS verdächtig"). Man hütete sich, die Kleider deS Am-Haarez zu berühren, um nicht verunreinigt zu werden. Man schloß sich ganz nach innen ab. Und diese Gcchässigkeit konnte in folgender marlJnten Stelle ihren Gipfel erreichen: „Würden die Amej-Hagrez uns )di« Gelehrten) nicht zum Handelsverkehr brauchen, sie hätten uns längst ermordet"'). Daß die Gelehrten nichts zur Milderung dieser Feinde schaft bcigetragen haben, lehren uns die folgenden sehr charakteristischen Stellen: Zur Zeit einer Hungersnot sagt Rabbi sR. Jehuda Hanassi. der Redaktor der Mischna um 250 n. Cbr.). „Wehe mir. -aß ich mein Brot einem Am- Haarez gegeben habe . . .""). Samuel bar 2?achman lum 260 n. Chr.) sagt.im Namen des R. Jonathan lum 220 n. Cbr.): „Einen Am-Haarez darf man zerreißen wie einen Fisch . . ."*). R. Elcazar (um 270 n. Chr.) mutzte sogar diese Aeußerung noch zu steigern, indem er sagte: „Einen Am-Haarez darf man selbst an einem VersöhnungLtage, der auf einen Sabbat fällt, durchbohren/"") Eine noch tiefere Verbissenheit und Feindschaft unter den einzelnen Schichten eine? so gedemütigten und geschlagenen: Volkes, wie-es gerade das jüdische Volk zur damaligen Zeit, mar. kann wohl selten der Fall sein. Wir können noch soviel historische Analogien aus anderen und ähnlichen Zeiten heranziehen, diele betrübende und zugleich beschämende Tatsache. deS Mangels nationalen Wollcns gerade unter solch großen Geistern des südischcn Volkes ist und bleibt für unK unentschuldbar. Tie Zeit deS 1. und der folgenden nachchristlichen Jahrhunderte ist vielleicht das traurigste Kapitel, der jüdischen Geschichte. Diese Zerrissenheit kostete uns unsere nationale Selbständigkeit und verursachte auch soviel anderes Unheil. Das Resümee dieser traurigen Erscheinung ist: einerseits unwissend und abergläubisch, andererseits verroht und verwildert. ohne geistigen Umgang und Verkehr steht dieses Landvolk gehaßt und hoffend, geschmäht und schmähend, weit von jeder Aufklärung und verinnerlichten Kultur, am Ausgange der jüdischen Antike. Nur dem gesunden, in dieser Bolksmasse tief wurzelnden jüdischen Instinkt verdanken mir. daß diese Masse nicht von demselben Schicksal des Verfalles ereilt wurde, wie cs bei so viel anderen größeren und kleineren Völkergruppen der damaligen Zeit der Fall mar. Trotz mancher Irrwege sehen mir, wie sie immer und auch in späteren Zeiten daS Banner des Judentums hvchhielt und daS Reservoir unverbrauchten, kernigen VolkStums bildet. I Pirke-Aboth 2. 5. ') bal. Baba-Mcziah 21. Vgl. hierzu auch Raichi Peiachim -19d. •') Matt. 10, 6. ft vgl. oben, ft b. Pess. 49b. ") vgl. das. ') das. ft b. Baba — B. 8a. ft h. Pess. 490 ") das.!G IMI BUCHERSCHAU Die Auffassung des Todes in Israel. Von Lie. Gottfried Quell, Privatdozent an der Universität Leipzig. A. Deicbcrtsche Verlagsbuchhandlung, Leipzig, Broschiert, 4S Ladenpreis 1,50 M. 1925. Mit vorliegender Arbeit, die eine Ilabilitationsvorlesung in erweiterter Fassung darstellt, hat sieh der gelehrte Yerlasser der Lösung einer Frage schon deshalb glänzend ent--irr ledigt, weil er in allgemeinvcrsländliehcr Weise das Problem von den letzten Dingen den breiteren Schichten erschlossen hat. Quell zeigt, daO Israels Lehre vom Tode dazu angetan ist, dem Menschenleben erst einen Sinn zu verleihen. En hat richtig erkannt, daß nach jüdischer Auffassung durch das eindringliche Sichvertiefen in das, was jenseits der Grenze menschlicher Wanderung liegt, dem Diesseits erst ein Ewigkeitswert erkämpft werden kann. Verfasser entwickelt die Auffassung vom Tode folgendermaßen: Ein Grabhaus war in Israel die Stätte des Verstorbenen, gedacht als Fortsetzung der Wohnung hier auf Erden. Im sogenannten Familiengrab Ist die Seele gut aufgehoben. Mit den abgeschiedenen Geistern könne man auf Grund des Familiengrabes in Verbindung bleöben. Das ist natürlich ein Stück Animismus. — Einen Umschwung habe erst der Jahwi sm us herbei* geführt. Die numinöse Bedeutung, die den abgeschiedeiven Seelen zugosebriebon war. habe erst fallen müssen. Der ethische Monotheismus habe das Grab für unrein erklärt und einen Scheol geschaffen, jenes unterirdische Totenreich, wohin die Schatten vc-rbannt würden. Aber erst was hinter den Grenzen der Logik zu suchen ist, habe Israel Ruhe verliehen. Es habe seinen Aufblick zur Erhabenheit Jahwes erst aus dem irrationalen Sehnsuchtsgefühl gewonnen. Dieses Bedürfnis habe Israel den Dingen des Stürmers und Drängens enthoben und ihm den wahren Frieden der Seele verliehen. Der Verfasser versucht an der Hand reichlichen Quellenmaterials seinen Nachwreis zu führen. Daß so manches reine Hypothese geblieben ist, verwundert uns nicht, hinsichtlich der Größe des Problems. Die Studie Quells gibt reichliche Anregung zum Nachdenken über die stets interessierende Frage vom Tod. Es gebührt dem Verfasser Dank dafür, daß er durch seine Studie wichtige kulturhistorische Funde geboten hat dem, der lernen und weiterforschen will. Rabbiner Dr. Arthur Rosenthal, Berlin-Lichtenberg. Fuhrt der liberalen Vereinigung neue Mitglieder zu! lanos u. > Ifiicgel ca. 150 Instrumente der verschiedenst. altrenommiert. Maiken stets vorrätig, auch Kunstsplelpianos Bequeme Teilzahlung gestattet (am Nollendoi (platz) General Vertretung von Schiedmayer^ Söhne 1 76

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