Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 6 (5.2.1926)
- Date
- 1926-02-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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m s Herrn Hauptlehrer L. Katz-Gclsenkirchen verfaßte Festspiel „Erntetag", das aus Jubilar und Festversammlung einen riesen Eindruck hrnterlieft. Packend war das von Herrn Musiklehrer Roseuthal vertonte und vom Äinder-Chor tadellos gesungene Eingangslied „Der Sämann streut die Saat aufs Feld". Die jugendlichen Darstellerinnen: Genius der Menschheit, Genius der Zeit, Genius der Wissenschaft, Genius der Arbeit, Genius der Liebe. Genius der Dankbarkeit entledigten sich ihrer Aufgabe mit Hingabe und Vollendung, daß alle Anwesenden im Banne des Stückes waren. Erhöht wurde der Reiz des Stückes durch einen von drei Genien graziös getanzten Reigen. Als dann das Schlußgebet verklungen war. brach jubelnder Beifall aus, der nicht nachließ, bis sich Darsteller, Verfasser, Komponist und Leiterin Zeigten. Ein Primaner überbrachte Herrn Dr. David in freier Rede die Glückwünsche der. Schüler und Schülerinnen. Hierauf zeichnete Frl. Sachs das Bild des Jubilars in seinen Worten. Sie wandte aus ihn das Wvrt der Schrift an: „Die Gabe der Unterweisung bat er ihm verliehen", die bei ihm sich zeige in der Sicherheit, mit der er seinen Blick eivstellt aus die psychische Tragkraft des Schülers, in dem feinen pädagogischen Takt, mit dem er seine erziehlichen und unterrichtlichen Maßnahmen treffe, und in der Suggestivkraft seines Gottvertrauens. Sichtlich bewegt und hocherfreut dankte Herr Dr. David und sprach seine besondere Freude darüber aus, daß die Gemeinde eine Schüler-Feier veranstaltet habe, da er gerade die Arbeit an der Jugend, wie er schon in seiner Festpredigt auSgefijhrt hatte, als den vornehmsten Teil seiner Lebensarbeit betrachte. Nachdem taten sich die Kinder an Kaffee und Kuchen gütlich. Es wurde dann das neckische Scherzspicl: „Kinder, lernt das ABC." oufgeführt, welches bei allen Festteilnehmern herzlichste Freude auslöste. Klavier- und Vtolinvorträge umrahmten die Feier stimmungsvoll, die noch manches Schöne bot. Zum Schluß ergriff Herr Dr. David noch einmal das Wort, um allen, die zum Gelingen der Feier beiactragerr hatten, seinen herzlichsten Dank auszusprechen. Hiervon verdienen besonders erwähnt zu werden: Herr Hühnlein, Herr Katz, Frau Berendsen-Hähnlein, Herr Musiklehrer Rosenthal, der jugendliche Erwin Rosenthal, der musikalisch Hervorragendes leistete, Frau Rechtsanwalt Röttgen und Frl. Sachs für die aufopfernde Tätigkeit bei den Vorbereitungen. Herr Dr. David dankte noch besonders Frl. Sachs, der Leiterin des Festes, denn Frl. Sachs hatte ihre ganze Kraft, in den Dienst dieser Jugendveranstaltung gestellt, die m allen Teilen wohlgclungen mar, so daß der Wunsch laut wurde, die Ausführungen zu Wohlfahrtszwccken zu wiederholen. Bochum. (Alte jüdische Schule.) Dem Bochumer Anzeiger entnehmen wir: Bochum hat seit dem Mittelalter immer jüdische Mitbürger gehabt. Es hat hier auch schon verhältnismäßig früh eine israelitische Schule gegeben. Die alte Judeuschule, wie sie genannt wurde, befand sich hinter dem Spieckermannschen Hause, zwischen Obere Marktstraße und Schützenbahn. Sie dient schon lange nicht mehr als Schule, und auch ihre Tage als Mohnstätte sind gezählt. Es gibt in Bochum noch einen Mitbürger, der diese alte Schule besucht hat, und zwar in den Fahren 1853 bis 1855, das ist der betagte Älempnermeistcr Thalmann. Die Schule wurde damals aus der ganzen weiteren Umgebung besucht. Die neue israelitische Volksschule befindet sich in der Withelmstraße, nebelt der Synagoge. Berlin. (A u s der j ü d i s ch e n W i s s e n s ch a s t.) Der volljährige Geburtstag Napthali Hirz (Hartwig) Wesselys, der Anfang Dezember 102b stattfand, ist im allgemeinen mit Stillschweigen übergangen morden. Die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums hatte eine Preisarbeit über „Hartwig Wessely als Grammatiker und Dichter" ausgeschrieben, die eine ausgezeichnete Bearbeitung gefunden hat. Der Verfasser hat sich mit rühmlichem Fleiß darum bemüht, das Material für das Leben und die Werke zu beschaffen und kritisch durchzuarbeiten. Verfasser der Arbeit ist Haim Borodianski. Berlin. (Die religiösen Motive'in der Philosophie des M a i m o n i 5 e s.) Ueber dieses Thema sprach im Rahmen der vom Jnstitutum Judaicum der Universität veranstalteten Vortragsreihe Prof. Dr. Julius Guttmann von der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums. Die jüdische Philosophie des Mittelalters ist, so führte der Vortragende aus. ganz eigentlich befähigt, aus ihre religiösen Motive hin untersucht zu werden. Sie tonnten in ihr, im Gegensaß zur christlichen Scholastik, besonders wirksam werden. Das christliche Mittelalter trat, wo der Gegensatz von monotheistischer Frömmigkeit und Philosophie akut wurde, dem fremden Aristotelismus mit seinem festformulierten Dogma entgegen: die Grenzen für einen Ausgleich standen von vornherein fest. Die jüdische Philosophie aber, nicht an ein solch starres Dogma gebunden, und also freier und beweglicher, nur an den der Auslegung fähigen Text der Bibel gehalten, konnte den nötigen Ausgleich sachlicher und philosophischer vollziehen. Der Gegensatz der traditionellen Philosophie zur Religion äußert sich wesentlich in der eigentlichen Metaphysik und in der Wertlehre. In der Metaphysik: Aristotelismus und Neuplatonismus haben zwar den monotheistischen Zug mit dem Judentunl gemein, das Göttliche wird immer als Einheit gedacht: aber ihnen fremd ist die Art, wie sie den Zuiammenhaug von Welt und Gott deuten. Die Welt bleibt entweder neben Gott stehen, und Gott ist das oberste Glied des Weltzusammenhanges, oder sie fließt aus Gott hervor. Tie Wirklichkeit ist ein System von zwecktätigen Kräften, aber die in ihr herrschende Tellologie ist eine der Notwendigkeit, keine der Freiheit. Gott ist nicht personalistisch gedacht: er wirkt unpersönlich-dynamisch. In der Wertlehre: Die letzten Werte des Judentums sind ethische Werte. Für Aristoteles aber ist Denken der höchste Wert und Ziel des Menschen, also die Entfaltung der Erkenntnis. Die sittlichen Tugenden sind nur Instrumente zur Entfaltung der dianoetischen, der Erkenntnistugenden. Der Neuplatonismus hingegen kennt als letztes Ziel die Schau der Mystik. Wieweit nun sind diese Gegensätze, d. h. wie sehr ist die jüdische Auffassung im Philosophieren des Maimonides wirksam geworden? Den metaphysischen Disserenzpunkt hat Maimonides erkannt und herausgearbeitet, er hat ihn zu seiner Umbildung des Aristotelismus geführt. Im Gottesbegrifs kommt er dem NeuplatoniSmus weitest entgegen: Gott ist absolute Einheit und nichts als dies. Aber: die Wirkungen Gottes sind zu erkennen, und diese Wege Gottes sind die Wege der Sittlichkeit. Den zentralen Punkt seiner Auseinandersetzung mit Aristoteles bildet die Frage der Weltewigkeit. Er sieht, daß Wettewigkeit eine unbedingte Notwendigkeit bedeutet, die ein freies Eingreifen Gottes unmöglich macht, daß die Zeitlichkeit der Welt aber gerade die Freiheit seines Schaffens ausspricht. Und ermöglicht sie, indem er die Notwendigkeit der dynamischen Tellologie innerhalb der Welt immanent gelten läßt, für das Verhältnis Gottes zur Welt aber eine Kausalität der Freiheit behauptet. Einen ähnlichen Ausgleich zwischen Freiheit und Notwendigkeit schasst Maimonides in seiner Theorie der Prophetie. Der aratischen Philosophie war durch die enge Verknüpfung mit der Erkenntnislehre die Prophetie zu einem notwendigen und natürlichen Prozeß geworden: ein Empfangen der Begriffe vom aktiven Intellekt: der Provhet seiner Art nach ein Philosoph und die Prophetie ein Spezialfall der allgemeinen ErkenntniSgesetzmätzigkeit. Maimonides nimmt wie vorher auch dieser Theorie den Charakter der Absolutheit, wenn er sagt: Selbst wenn alle natürlichen Bedingungen gegeben sind, so hängt das Eintreten, richtiger das Nichteintreten -er Prophetie immer noch vom göttlichen Willen ab. Und rettet der Offenbarung ihren fupranaturalistischen Charakter, indem er der Prophetie deS Mose eine Sonderstellung zuweist. Nicht so entschieden wirkt das religiöse Motiv in der Wertlehre. T^enn auch für Maimonides bleibt Erkenntnis der Weg zu Gott. Er erkennt zwar die sittlichen Tugenden an — schärfer als -er NeuplatoniSmus , er betont ihre soziale Bedeutung, aber zugleich auch ihren nur vorbereitenden Charakter, und bleibt schließlich -och die letzte Entscheidung über das Verhältnis von Erkenntnis und Sittlichkeit schuldig. Er vertritt gewiß nicht den strengen Intellektualismus des Jbro Roschd, der die Masse auf sittliches Handeln und auf den Koran verweist, aber die höchste Stufe der Religiosität dem erkennenden Philosophen vorbehält. Maimonides mildert diese schroffe Entgegensetzung: Die reine philosophische Erkenntnis mutz der Menge zwar fremd bleiben, aber ein gewisses Minimum von Erkenntnis ist auch für sie unerläßlich. Ohne.jeden Begriff von der Reinheit der Gotteserkenntnis ist man kein Jude. Bon hier auS — damit schloß Prof. Guttmann seine Ausführungen — mag sich auch erklären, welchen Zweck eigentlich Maimonides mit der Formulierung seiner berühmten Glaubenssätze verfolgt hat: ihr Sinn würde danach sein, jenes Minimum der Erkenntnis zu vermitteln, das von jedem Juden verlangt werden muß. F B Berlin. (Die religiöse ErkenntniSbedeutung des Kults.) In der Berliner Ortsgruppe der Kantgcfellfchaft sprach Professor Romano Guardini von der Berliner Universität über die „religiöse ErkenntniSbedeu« tung des Kults" und entwickelte dabei eine Ansicht, die trotz aller standpunktlichen Voraussetzungen von der philosophischen und religiösen Ueberzeugung her — Prof. Guardini ist katholischer Theologe — bas besondere Interesse der Leser dieser Zeitung verdient. Denn es zeigt sich dabei eine Anschauung über den Sinn und die Voraussetzungen des Kults, die gerade durch ihre Einseitigkeit aufschlußfrei ist. Vorausgesetzt war zunächst einmal, daß der Kultakt überhaupt eine Erkenutnisbedeutung hat. Und gefragt wurde dann danach, welche Gegenstände ausschließlich oder vorzüglicherweise in ihm zur Gegebenheit kommen. Der Träger des Kultakts ist nicht das einzelne Ich, das mit seinem Gott allein ist, sondern eine Gemeinschaft. Der Kultakt ist ein GanzheitSakt, denen Subjekt der Kultverband als geformte Gesamtheit ist. Der Kultakt steht in der Ebene des religiös Oeffentlichen und dementsprechend gehört zu ihm das Moment des Amtes: der Liturge ist der Führer dieses Aktes. Seine Qualifikation liegt nicht primär in einem ihm gehörigen Vorzug, sondern in der Bestellung zu seinem Amt, in der Ordination Der .Kultakt ist dem Einzelnen gegenüber objektiv und unpersönlich. Aber seine Objektivität wird nicht allein vom Subjekt aus gebildet: sie wird gleichzeitig vom Inhalt des Kults aus konstituiert. Das liturgische Geschehen ist ein göttlicher Vorgang: ein Geschehen von Gott her, das im Geijtig- Ontischen vor sich geht. Seine Erscheinungsform ist der psychologische Vorgang in oder an Menschen, aber es erscheint in ihm ein Objektives, das gemeint ist: das Mysterium. Der Einzelne stellt sich in diesen Vorgang hinein, läßt sich von ihm erfassen. Und von hier aus läßt sich begreifen, was in einem solchen Kultakt „erkannt" werden kann — wieweit übrigens der Begriff der Erkenntnis hier noch sinnvoll ist, bei dieser Frage hätte wohl die Krit'k anzusetzen. Erkannt wird, ist die Antwort Guardini», der religiöse Inhalt selbst. Das corpus, das das eigentliche Subjekt des Liturgischen ist, ist die Kirche: ecclesia orat. Aber dieses Subjekt bildet sich eigentlich erst im Kultakt, denn erst die in Christus von Gottes Gnade ergriffene Ganzheit ist Kirche. Alles Beten ist in und durch Christus, und tiefer eigentlich ist es Christus, der betet, d. h. Subjekt des Kultakts ist das Göttliche selbst in der Stellung des Erlösenden. , Irr der Reflexion nun auf das Liturgische kommt dies zum Bewußtsein. Der liturgische Akt ist die spezifische Voraussetzung dafür, daß das Faktum Kirche voll zur Gegebenheit gelangt. Der Erkenntnisgegenstand wird dabei in besonderer Form cntgegengebracht: als Symbol. Ein solches Symbol ist schon das Gebäude Kirche, der kultische Raum, oder die liturgische Zeit, die mit der astronomischen nicht» zu tun hat. Diese Symbole sind von erhabener Zwecklosigkeit, aber gesättigt mit Sinn und Ausdruck. Im liturgischen Akt ihn zu begreifen und zu lesen, ist der Beginn der Erkenntnis, die der Kultakt gibt. In diesem Sinne ist nach der Anschauung, über die hier berichtet wurde, der Kult, wenn auch nicht die einzige, so doch eine wesentliche Form religiöser Erkenirtnismvglichkcit. F. B. Berlin. (Die jüdischen Turne r.) Das am Sonntag, dem 24. Januar 1926, vom Jüdischen Turnverein Berlin 1904 veranstaltete öffentliche Turnen verlief recht erfolgreich. Konnte doch die Turnhalle in der Gormannstraße die zahlreichen Gäste kaum fassen. Obwohl der Turnwart das von ihm vorbereitete Schauturnen wegen Erkrankung nicht leiten konnte, nahm die Veranstaltung einen guten Verlauf. Sie legte den Zweck und das Ziel des Vereins dar, nämlich die jüdische Jugend auch körperlich zu ertüchtigen. Es ist zu wünschen, daß recht viele jüdische Eltern diese Bestrebungen unterstützen und ihre Kinder in den JTB. 1903 schicken. Die Sondervorführungen der Damen-, Mädchen- und Männerriegen, bestehend in neuzeitlichen Freiübungen, Stabübungen und Barrenturnen, zeugten vor: guter Durchbildung. Das Tauziehen der Kleinen löste den größten Jubel aus. Das Ergebnis des Bierkampfes der Mädchen-Abteilung ist folgendes: 1. Jenny Deutsch 127, 2. Margot Muskat 126, 3. Margot Ansbach 120, 4. Frieda Volkmann 106, o. Toni Stemplet 105, 6. Margot Czarlinsky 104. Berlin. (N e u n z i g st e r Geburtstag.) Herr Rentier I. Steruberg, Hohenzollerndamm 9 wohnhaft, ein sehr religiöser Mann und regelmäßiger Besucher der Synagoge Fasanenstraße, feierte jn vollster Rüstigkeit und Frische am Sonntag, den 31. Januar d. I., seinen 90. Geburtstag. Nachdem Herr Rabibner Dr. Galliner am Sonnabend in der Synagoge in seiner Ansprache darauf Bezug nahm, begab sich im Aufträge der Synagoge Fasanenstraße Herr Rabbiner Dr. Galliner und Herr Sigmund Solinger am Sonntag in die Wohnung des 90jährigen Geburtstagskindes, um im Namen der Synagoge Fasanenstraße und des Synagvgen-Vereins Fasanenstraße Herrn Sternberg die herzlichsten Glückwünsche zu übermitteln. Breslau. (Die neue Breslauer Repräsentanz.) Die Einheitsliste zur Gemeinde-Bertreterversammlung der Synagogengemeinde zu Breslau ist gewählt. Ein weiterer Wahlvorschlag hat nicht Vorgelegen. Die erste Gemeinde-Vertreterversammlung findet am 4. Februar 1626 statt. Bon den 21 Gemeindevertretern gehören 18 der liberalen Fraktion an. es sind dieses die Gemeindevertreter Justizräte Peiser Kalisch, Max GinS, Adolf Lewin, Walsch, Paula Ollendorff. Willi Freundlich. Sanitätsrat Horn, Felix Sander, Fritz Golüschmidt, Curt Brienitzer, Johannes Wilhelm, Rechtsanwalt Spitz. Die Versammlung weist ferner 4 konservative Vertreter auf, von denen einer die agudistische Richtung vertritt, ebenso 4 Zionisten, von denen 2 Misrachisten sind. Kassel. (Vom Israelitischen Gemeindeverein.) Der hiesige Israelitische Gemeindeverein,, Her bereits 430 Mitglieder zählt, hat sich zu einem wichtig« Faktor im Gemeindeleben überhaupt auSgewirkt. Insbesondere unterzieht er sich der dankenswerten Aufgabe, berechtigte Wünsche der Gemcindcmitglieder den Verwaltungsbehörden gegenüber zu vertreten und wichtigen Fragen innerhalb der Gemeinschaft die erforderliche Behandlung zu sichern. Zur intensiveren Fortsetzung seiner Bestrebungen erachtet der Vorstand die Zugehörigkeit aller Gemeindemitglieder zum Verein für unerläßlich. In einem Aufruf wendet er sich daher an alle Mitglieder, im eigenen Interesse denl Verein beizutreten. Dresden. (D e u t s ch n a t i o n a l e Demagogen.) Wie die „Deutsche Zeitung" mitteilt, hat die Deutschnationale VolkSpartei in Drcsoen-Altstadt der Parteileitung die folgende Entschließung empfohlen: „Nachdem durch die Erörterungen über die Enteignung der Fürsten eine Bresche in bas gleiche Recht des Schutzes des Privateigentums gelegt worden sei, sei der Weg frei für die Enteignung der RevolutionS- und Jnflationsgewinnler. Der Bezirksverein stellte daher den Antrag: . . . alles Vermögen zu enteignen, das sich in jüdischen Händen befindet, und zwar vollständig, soweit es sich um bei Kriegsbeginn eingewanderte Juden handelt, und bei vor Kriegsbcginn in Deutschland wohnhaften Juden, insoweit, als es das Vorkricgövermvgen übersteigt." Hockenheim i. B. (G r a S s ch ä n d c r.) Der hiesige jüdische Friedhof wurde von Grabschänderir. heimgesucht. Verschiedene Grabsteine wurden umgeworfen und demoliert. Der Friedhof bietet ein Bild wüster Zerstöruugsarbeit. Mannheim. (Wahl des G e m e i n ü e r a b b i n e r s.) Zum Gemeinderabbiner wurde der seit April v. I. hier als Rahbinatsverweser tätige Herr D r. M a x Grünemalö gewählt. Nürnberg. (70. Geburtstag von H a u p t l e h r e r 31 nls.) Ein hervorragender und verdienstvoller Beamter der Nürnberger KultuSgemeinde, Herr Hauptlchrer Moses Rülf, konnte am 80. Dezember v. I. seinen 70. Geburtstag feiern. Seit nahezu 37 Jahren im Dienste der hiesigen Gemeinde stehend, hat der Genannte sowohl ais RcligiouSlehrer wie als Leiter des Gemcinde-Seiretariats sich außerordentlich bewährt und durch tiefes Wissen, geschäftliche .Gewandtheit und persönliche Liebenswürdigkeit die Snmpatyie der ganzen Gemeinde erworben. Ileberall wird der Rat dieses vorbildlich wirkenden Mannes gesucht und geschätzt. Auf jüdisch-liberalem Standpunkt stehend, ist der Genau icke bei allen Parteien und Richtungen gleich beliebt. Die Gemeindeverwaltung gab ihre dankbare Anerkennung für die langjährige treue und umsichtige Dienstleistung durch eine künstlerisch ansgeführte Adresse sowie durch ein Oelgemälde kund. Am 19. Januar wurde ein Ehren abend von den Beamten-Kollegen für Herrn Rülf veranstaltet, wozu auch die Gemeindeverwaltung eingeladen war. Herr Rabbiner Dr. Freudenthal sowie der Vertreter der Gemeindeverwaltung feierten bei dieser Gelegenheit in herzlichen, von warmem Frcundschaftempfindcn durchglühten Worten den Jubilar als ausgezeichneten Menschen, als tüchtigen Lehrer und aewistenhaften Beamten. Zur allgemeinen Freude und Besriedigno.g erfreut sich Herr Hauptlchrer Rülf einer so ausgezeichneten Gesundheit und Frische, daß er nicht den Ein druck eines «Ojäyrigen macht und nach wie vor feinen Dienst alsch/etzrer und Bureauleiter mit der gewohnten Gewissenhaftigkeit und Regsamkeit versieht Möge diesem bewährten Manne noch recht lange diese körperliche und geistige Frische und Arbettöfreudigkeit erhalten bleiben. Zimmersrode. (W a h l des G em eindeä! teste n.) Der Kaufmann Max Rothschild wurde zum Gemeindeältesten der hiesigen Synagogen-Gcmeiude gewählt. * Aus der Bewegung J ♦♦»»♦»♦♦»♦♦»»»»»»»»»»»»♦♦♦♦♦< Breslau (I l i „A b raha m Geiger) Am 20. Januar fand unsere General-Versammlung statt. Ten Tätigkeitsbericht erstattete Frieda Karger, aus dom besonders hervorzu heben ist. daß sich die Vereinsarbeit in öffentliche Versammlungen und Gruppenabende gliedere. Es sprachen in den Versammlungen: Egon Diekmann über ..Partei und Gemeinschaft". Frau Paula Ollendorff über „Soziales Leben". Rechtsanwalt Erich Spitz über „Das Buch Ruth". Erich Bayer über „Jndividium und Gemeinschaft" und Rechtsanwalt Erich Spitz über „Bibel. Bodenkultur. Bodenreform". Tie „Lehren des Judentums" wurden in drei Diskussionsabenden behandelt. In den Gruppenabenden wurde der „Morgen" gelesen und in der Gruppe „Süden" unter Leitung von Alfred Berger vrerzchntägig Tagesfragen mit kurzen einleitenden Referaten erörtert. Im engeren Kreise fanden kleinere Frcitag-Abend-Feiern statt Purim wurde in größerem Nahmen gefeiert und Chanukkah wieder im engeren Kreise. Im Sommer setzten die Gruvvcn ihre Arbeit fort. Mit dem Liegnitzer Jti fand eine Treffahrt nach Maltsch statt. Das Wintersemester wurde am 21. Oktober mit einem Vorträge von Ernst Heinrich Seligjobn über das Thema: Was sollen die Jlis sein? eröffnet, am 18. November sprach Herr Gemeinderabbiner Dr. Goldmann-Leivzig über „National. International. Uebernational". am 2 Dezember Herr Rabbiner Dr. Sänger über das Thema: ..Die jüdische Schule". Ter Vorstand und der Arbeitsausschuß traten zu fünf Sitzungen zusammen. An Stelle des Herrn Dr. Ludwig Korn, der fein Amt infolge Ueberlastung in der Berufsarbeit niederlegte, wurde Max Vogelstein in den Vorstand hinzugewählt. Die Versammlung dankte der Bcrichterstatterin herzlich für die erschöpfende Ueberjicht und nahm den Kassenbericht von Alfred Berger, der ein klares Bild unserer schwierigen Finanzlage ergab, entgegen. Unter Leitung des Herrn Dr. Korn fand der erste Mahlgang, die Wahl des ersten.Vorsitzenden, statt. Durch Zuruf wurde Max Vogelstein zum ersten Vorsitzenden gewählt. In den weiteren Vorstand wurden ebenfalls durch Zuruf gewählt: Frieda Karger, Lotte Nosenthal. Hermann Sachs. Alfred Fuch Alfred Berger, außerdem gehören dem Vorstand an als Vertreter der außerordentlichen Mitglieder Rechtsanwalt Erich Spitz und als Vertreter des liberalen Vereins der Synagogen-Gemeinde Breslau John Levi. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgte die Versammlung den sehr interessanten Ausführungen unseres verehrten Herrn Gemeinoe- Rabbiners Dr. Vogelstein über „Probleme der Betrachtung des Judentums in seiner Frühz-eii". Frankfurt a. M. (Jüdisch-liberale Jugendgemeinschaft.) Beim letzten Heimabend des Jli zeigte sich wieder, daß das Interesse ständig im Steigen ist. und so wies denn auch der Abend eine erfreulich lebhafte Beteiligung auf, die noch dadurch unterstrichen wird, daß fast an jedem Abend dieser Woche eine Veranstaltung lteils Arbeitsgemeinschaften. teils Vorträge) stattsand. Sicher hatte auch das für den Abend gestellte Thema: „Wie verhält sich unser alltägliches Leben zur Wahrheitsliebe, die Religion und Ethik von uns fordern?" lebhaftes Interesse gefunden, handelt es sich doch um ein Gebiet, über welches gar zu selten einmal offen und rückhaltlos gesprochen wird, Das Referat hatte Max Gundersheim übernommen, der in klaren und durch viele Beispiele aus dem täglichen Leben erläuterten Ausführungen das Thema von den verschledensten Seiten beleuchtete und dessen Ausführungen eine lebhafte Diskussion herbeiführten. Das Ergebnis des Referats und der Aussprache kann man daßin zusammensalle», daß der Begriff Wahrheit an sich relativ ist, und daß der einzelne je nach feiner Erkenntnis nt verschiedener <r1Va heit gelangen kann. Wahrhafligtert dagegen ist in fest-