Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 5 (29.1.1926)
- Date
- 1926-01-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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SrcsbaSe«. tÄ o m jüönchev Va«e t UÜ ott den em*ef»e* Bremen *»Urtr Hmelitüdk» K»lw-- ^cmotuöcjjcrricöt reges geistiges Heben. So hot ser ne». tr,ilc Mönche Juaeudoereiv nach längere« Panse leine Tätig, ken wreber außgenommem fo pflegt sie Bereinig»»- ftttscher ^^ue» »e-en> türen sozialen L»iggbe» auch GetstessrsAt unkr lätzt urtereffavte Bvrträg« ekt»e»er «rt »alte». Dq» Masche LehrKau» widmet dieie» Winter iitdische» <*». Äie*uiua3.ftflflctt. de, RIF. verbreite» durch Oorträa« N»irmru.ua und Bmen. die Zxii&twm des CA. hat m» «uni vor geladenem Publikum. Jude» und Christ«». »an Proieffor Tr. Erik Nölting aus Frankfurt g. M. (Ntchtiudei «men Vortrag Wer »Das Jrrdentnm als deutscher Ankturfaktor" hotten lassen. Tie vor etwas mehr »ks Jahresfrist gegründere Ortsgruppe der „Bereinigung für da» liberale oitöcitwnn" hatte sich zunächst mit den Wahle» .mm „Preutziich^n Landesverband jüdischer Gemeinden" ru beschästisen »nd Pr Uganda für iich m betreibe». Diesem Zwecke dievre auch der Vortrag des Herrn Lehrer Lilieuthal hier über das Thema: ..liberales Judentum und religiöse Erziehung." Die Ortsgruppe, die schon über eine stattliche Mitgliederzahl verfüg!, lieg ,uii 18 futuiuu’ von dem als eifriger Förderer des liber.il''!: Judentums und ausgezeichneter Redner bekannten Herrn Rabbiner Dr. Caesar Seligmauu aus Frankfurt 4» M. einen Porrrag über das Thema: „Mission deS Judentums" halten. Ter Saal war dicht beseht, nuö alle Zuhörer lauschten gespannt den 1 '/..ftündigen Ausfüllungen des Redners, der uachmies. dag im Gegensatz zr, der Dchulchau. aruch - Auffassung von der Erschwerung ues Prosclntentums zur «Seil der griechisch-römischen Kulturepoche vom Judentum cth'.irt Mission betrieben wurde: bzw.. das; die unter dem Rainen „Sepniaginta" bekannte Bibelübersetzung ins Griechncke Tausende von Heiden, denen ihre Götter und Götzen schon lange schal und nichtig erschienen waren, dem Jnöentum zusührten. unter ihnen sogar .llöuige. Biele wurden als die sogenannten >.6ere zedek“ Boüjuden. während andere, die nur die sogenannten sieben uoachitischen Gebote befolgten, als ..L'ere. toschab" bezeichnet wurden. Das ueu- Lnrstandcnc Christentum nahm der jüdischen Mission allmählich den Boden ,ucg. Jedeusalls. so betonte der Redner, besteht für uns nach wie vor die Pflicht, unser,; am Singt empfangene Aufgabe, ein „Reich von Priestern" zu sein, getreulich zu erfiilttn und dgran mitzuarbeiteu. Latz in Zukunft olle Menschen den einig-einzigen Gott verehren. Redner schloß mit dem Zitat: ,,Waschern chofez lemaan zidko iagdil toro wejaadir/' „Gott will inn seiner Anerkennung willen, daß dis Lehre von feiner Einheit verbreitet und verherrlicht werbe." Die Ausnihrimgen hinterlietzeu bei den Zuhörern einen tiefen Eindruck. Ende Febr.uar wird Herr Erich Tueplitz. Leiter dss jüd. Museums in Frankfurt a. M.. der Borbereitungszeit für Pesiach entsprechend einen Bortrag mit Lichtbildern halten, und zwar über das Thema: „Der Sestrrtifth und seine Geräte, die Haggoda und ihr Bilderschmuck." HH*. A A.A A A A.A A A A A A AA A A A A a A A A A A A A A A A A A. AA A »»vw » W w » w Aus der Bewegung %mx Berl in (CV ü ö i i ck - l i b s r a l e r I u g e n d v e r e i u (JLI) Berli ul. Aus Gruppe O st e u, Führeriu Bettn Markus. R 38. Schönhauser Allee 1Ö2. liegen ausführliche Berichte über die letzten vier Heimabende vor. die mit der Lektüre und Besprechung des biblischen Jeremias und zuletzt auch des „Jeremias" von Stefan Zweig ansgefüllt waren. «Am ersten Abend" so schreibt ent Gruppenmitglied «.machte uns ein Referat mit den äußeren Ereignissen im Leben des Propheten bekannt. Obwohl es nur galt, äußere .Umrisse, historische Vorgänge zu zeichnen, stictzen wir dock) LMei immer wieder ans sein innerstes Wesen. Schon seine Berufung ist so verschieden von der andrer Propheten, einfach »nd ungekünstelt wiedergegeben als tiesrcligiöses ErkeLpiS. Am zweiten Abend feyitten wir ihn ift seiner Einsamkeit kennen, in seinem Glauben an seine Sendung und in seiner Verzweiflung über seine schwere Ausgabe. Er kämpft gegen Opfer und falsche Gebets, für innerliches Gott-ergeben-fein. für innere Sittlichkeit tritt er rin. Hier ist e8 wohl das erste Mal in der Bibel, daß von dem ganz persönlichen Verhältnis zwischen Mensch und Gott die Rede ist. Wir sahen Jeremias unaufhörlichen Kampf mit seinem Bolk. mit sich, mit seiner Ausgabe, mit seinen; Glauben au seine Sendung. Dabei sprachen wir dann noch eingehender Wer falsche Propheten. Jercmia steht uns wohl vpn allen Propheten am nächsten. Seine Worte und wie für nnst geschrieben. in ihrer Innerlichkeit und Wahrheit erschütternd. Und wir mnüen dankbar sein, das; uns ein Einblick in sein Geelenleben erhalten blieb. —- Nachdem wir an heu nächsten beiden Heimabenden das Drama von Stefan Zweig gelesen Latten, gab es darüber eine lebhafte Diskussion, die infolge der vorgerückten Zeit leider beschränkt werden muhte. Trotzdem kam gllaemein zum Ausdruck, hast der Dichter den Jeremias nicht entsprechend der biblischen Darstellung wiedergegeben hat. In den Kriegs- und Ausrichr-szcnen erkannten wir sehr deutlich die heutige Zeit. Auch der ChristusgedgMk mit der Kreuzigung ist in das Drama verflochten. BeWders schön erschienen uns die Szenen zwischen Jeremias und seiner Mutter. Schließlich verglichen wir noch die Einstellung Stefan Zweigs, die kosmopolitisch ist iWandervolk. . . . auf in die Wett!"!. mit der zionistischen Einstellung seines Bruders Arnold Zweig." Das günstige Schneewetter haben Gruppe Osten und Dndmesten zn einer Rodel-Halbtagsfahrt gusgenützt. auch Gruvve Charlotte nhura hat vor kurzent einen Halbtagsausslug unternommen. Hamhurg lBereinignng libpraler Jude tt). Am 11. Januar fand die Generalversammlung der Bereinignng liberaler Juden statt. Der Vorsitzende. Herr Bunzel. erstattete den Geschäftsbericht. Er schilderte, wie die Bereinigung aus der Notwendigkeit heraus entstanden sai. liberale Männer in die Gemeindeverwaltung zu entsenden, sing sodann auf die Aaisschufttätigkeit ein und betonte als besonders wichtig für das liberale Judentum die Aufgabe, die trauen nicht nur passiv, sondern auch aktiv zur Wahl zuznlasten. Er bedauerte den Weggang Rabbiner Dr. RAfs auk Hamburg und wies darauf hin. daß es notwendig sei. einen entschieden liberalen Rabbiner nach Hamburg zu berufen. Das liberale Judentum habe das Recht, seine Meinung in die Wagschale zu werfen. Hieraus hielt Herr Dr. UriaS einen tiefschürfenden Vortrag über „Die Bedeutung und das Wesrn des liberalen Judentums". Weil alle neue Gestaltungen dabin führen, die Religion aus dem allegorischen Erlebnis weiterzubilden, deshalb bedeute der Zusammenschluft liberaler Juden in dieser Zeit nichts anderes als das Bekenntnis zu der neuen Aufgabe, eine neue Jugend in einem erneuerten Judentum heranzuziehen. An den Bortrag schloß sich eine rege Diskussion an. Königsberg. Die hiesige Ortsgruppe hielt am 13. Jgnugr 1926 im Jugendheim ihre diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Der Besuch war. wohl infolge der grohe» Kälte, nur müßig Ztknächst berichtete der Borsitzende. Herr Jabian. über die Tätigkeit der liberalen Fraktion in der Repräsentanten-Dersammlung. Die .Zusammensetzung erhielt eine Aenderung nur durch daS Ausscheiden vv» Herrn Prof. Dr. Lepehne an desien Stelle Herr Mar Simon trat. Die Hauptarbeit lag in den Kommissionen, in dßNßN wir tzurch die Herren Fabian, Dr. Lichtgnstei« und Gißgm. Volff per. ttsten max«. Die Hanntsache war der Etat, der i« dar ftinanGammiisiou beraten wurde. Einige kleine Erfolge find in der Kulturkommission hinsichtlich der von uns angestrebten Aenderunge« i« der Gottesdienstorünunq erzielt worden. In der Aussprache «irt die Höhe der Steuern als beunruhigend bezeichnet. Ferner wirb besonders beklagt, -atz die Gemrindßm-itglig-er fo geringe» Interesse an den Ange. legerchetten -er Gemeinde bezeugten; e» sei weder jemals von irgend jemand eine Anregung gegeden, nach eine Meinung geäutzert worden, sondern es werde nur geschimpft, meist ohne Kenntnis der einschlägigen Berbältniffe. Herr Dr. Grumach betont, datz Erspaxniffe nicht gemacht werdett kölmten. der Steuersatz sei leider in -ieser Höhe notweitdia. wenn die bestehenden Einrichtvitgen erhalte» bleiben sollen. Nach Dankesworten an den Vorsitzenden berichtet Herr Dr. Holz über die Beretnstätigkeit. Er nimmt Veranlassung, über den schlechten Besuch der Vercinsverausialtuugen zu klagen. Rur der Bprstand hat den Verein arbeitsfähig erhalten. Es ist ein Propaganda-Ausschuß gebildet worden, der die Bersammlnngeu vorbereitet und dem Ver. ein auch eine Anzahl neuer Mitglieder zugeführt hat. Es htbeu mehrere Versammlungen stattgesundeu. sowie zahlreiche Pprstandssitzungen, in denen -je Dinge besprochen wurden, denen der Verein sein Juteressv zuwenhet. Neuerdkngs ist besonderes Interesse für die Frage der jüdischen Schtt-le aufgetaucht, nachdem diese Angelegenheit durch den Rekchsschnlgesetzentwurs -er Regierung auf» Tapet gekommen ist. Im Gemeindevexeiu ist das Thema augeschuiiten worden, was zu dem bekannten Antrag an den Gemeindevorstand geführt hat. Die Bereinigung beabsichtigt, diese Frage iit tziner größeren Versammlung demnächst eingehend zu erörtern. Ter Kasscitbericht zeigt natürlich kein rosiges Bild, immerhl't konnten, wie die Aassiereriu. Fratt Borkon, berichtet. mit den Einnahmen die Vereiusansgabe-.t bestrittett werden, ttud es ist noch ein kleiner Älassenbeshrnd vorknrnden. Herr Mar Simon reat an. es ntög«» die Mitglieder zu regerer Mitarbeit besonders anfgefordert werden. Die Borstaudswahl ergibt Wieüerm,thl des bisherigen Vorstandes, nur wird an Stelle von Herrn.Jaeobdberg. der sine Wiederwahl ablchnt, Herr -Osear Eichelbrntm neugewählt. Herr Sabatzki. der über den Reichsschulgesetzeniwnrs reserieren sollte, erklärt, datz die Regierung öieien Entivnrs, als zur Einvrrngitng in das Parlameut ungeeignet, zurückgezosen h-b«. daher sei eine Diskussion über diese Frage heute nicht mehr aktuell. Rach kurzer Diskussion rvird die Frage, ob es nunmehr noch zweckmäßig sei, dieser Angelegenheit tvegett.eine eigene Berfammlmtg einzubernsen. »im den meisten Anwesenden beiahl. Der Vorstand ivird darüber beschltetzeu. Dr. Erich Alterthutn. Lersammlungskalender Berlin, (t'i berufe S n ir a guge 0 r d e n.s Schönhauser Allee 162. Auerbachsches Waisenhans. Gottesdienst am Freitag, den 29. Januar, abends 7'A U.ir. Prediat Rabbiner Dr. Salvmonfti. Sonnabend, den 39. Januar, vormittags 1U Uhr Berlin. (Ö ib c r <t I c r Snna g a g e n v e r e i n R 0 r - de ».) Dritter Gemein'dssbeud pm Diensiag. den 2. Februar, abends 8 Uhr. Schönhanser Allee 192. T.-O.: l. Was leistet die IM. GemeinöL für ihre Aiitglieder? Herr Robert Hirschfeld. Repräsentant der Jüd. Gcwetnde. 2 Was leistet unser Norden? Frau Bertha Falkeuberg. 3. Freie Aussprache. Alle Mitglieder- Freunde und Juteressenteu sind herzlich geladen. Eine halbe Stunde vorher, 7.30 Uhr pünktlichst. findet am gleichen Orte die G « n c r a l v e r s a i?t m - l u n g der Ortsgruppe Nordet» des Ätberalen Vereins für die Angelegenheiten her Jüh. Gemeinde statt. T.-O.: 1. Geschäfts- und Kassenbericht: 2. Aussprache; 3. Neuwahl des Vorstandes; 1. Anträge und Verschiedenes. Zu dieser gcschlpsseuen Geueralpersammsuua habeic rtur die Mitglieder des Liberalen Vereins Zutritt. Alle Anmeldungett und Zahlungen werben erbeten an Herrrt M. Gottseld, Ny 33. Heinrich-Rpller--Ltraße 21. Königftadt 1814. Postscheck Nr. AB3.3. Berlin. «Liberaler Verein. Ortsgruppe Nordend iBtfraiurae: Am Sonnabend, den '27. Februar. veranstaltet die Ortsgruppe Norden einen Purim- Maskenball im Hotel „König vcn Portugal". Bnrgstr. 16. Ausführliche Anzeige, im nächsten Blatt. Breslau. iJ ü d i s ch - l i b e r a l e r I u gendvcrcin „A b r a hm G «i g e r".j Mittwpch. den 3. Februar, aiben-s pünktlich 8!- Uhr. spricht im Schiedmaver-Saal. Karlstratze 18/19. Frau Justizrat Paula Lllen-dorff über das Thema: ..Warum mutz die jüdische Jugend liberal sein'?" ltzäste willkommen. vö(7NL^8c!AZii'M'r «<»»»»»»»»« »♦.♦♦.»♦♦♦♦.♦♦»»♦4 »♦.♦.»♦»»♦.»♦»» » »•».»»>.♦ »ch t $ » ldinran Dnbno^': Die alt« (Veschic*bfc «se» jüd. Volkes: fl. Teil. Orientalisrhe Periode, Vom Beginn der griceh. Herrschaft in Judäa, bis zu dessen Zerstörung durch die Römer. Jüd. Verlag, Berlin. Vas der T. Rand obigen Werkes versprochen ha(, haf der II. gehalten. Es ist eine tust, Pubnow zu lesen, trotz der oft gegenteiligen Auffassung, die er in der Beurteilung ganzer Zeitpe.riode.n gebraucht. Aber was er schreibt und wie er die Geschichte erfaßt, ist so klar und die. Darstellung so packend, daß der Leser sich von Abschnitt zu Abschnitt freut. Gerade, der II. Band enthält der interessanten und vie]umstrjttenstc n Perioden genug. Der II. Band zerfällt in 4 Bücher: 1 Die griechi Herrschaft. 2. Das unabhängige. Judäa unter den Hasmonäern. 3. Das römische Protektorat; die letzten Hasmonäer und die Dy. nastie des Herodes. 4. Die römische Herrschaft und der Untergang des judäischen Staates. Lergd« während der Chanukahzeit war es mir eine besondere freude, die Hasnionrierze.it durcjizulesep, und es hat mich besonders gefreut, bei der Dubnowschcu Einstellung zu finden, daß er auch anerkennt, daß nur religiöse Momente zum Vorgehen der Hasmonäer-Söhne bestimmend waren und daß von dem Augenblick an, wo die politischen Beweggründe dev späteren Hasmonäer die Ueberhatid gewanaen, das Ende des ,.judäischen Staates" bestimmt gewesen. Auch die Abschnitte über Sadduzäer und Pharisäer wie über die Entstehung des Christentums sind von vielen damaligen Juden. Auch dieser Band hat viel Gutes gebracht Vivat sequentes. Straßburger-Ulm. 8. Rothschild: Die Abgaben «qd die Schuldenlast der Worinser jüdische» (vpmcipde 1ZH3—1854. Ein Beitrag znr Geschichte der jüdischen Gemeinde Worms. Mit zwei Briefen des Stadtarchivars Prof. Weekerling. Broschiert 43 8. Der verdienstvolle. Erforscher der Geschichte der Wormser Ju4ep hat Minen bisherigen VeröffntUchusgen (äus v#rg»ngenfe«it und Gegeawgrt »er israeUtifeh?# 6e memde Woraus Beamte der Wormser indischen Gemeinde; EmwfiBtHQBffcifretongCfl 4er hestäsc£>ro jüdisches Großgemeinden im vorigen Jahrhundert; Käsern) dieses neue wertvolle Werkcfce» »»gereiht, das als Beitrag sur Wirtschaftsgeschichte einer deutsche!} Gemeinde das ganze Judenelend der Jude«gemeinden in Deutschland vom W. bis rum 18. Jahrhundert wjderspiegelt und als Baustein d’iir die Städtege^cbkhte der deutschen Jude» nach dem Dreißigjährige» Kriege bleibende Bedeutung beansprucht. Der Stadtarchivgr von Worms gibt dem Büchlein das Bcgleitwort auf de» Weg, daß der Verfasser es vorzüglich verstanden habe, „die Ursachen klar «larzustellen, infolge der die Judengcmeinde Worms schon im Mittelalter finanziell sehr schlecht gestellt wmr und dann besonders im 17. und 18. Jahrhundert von einer so außerordentlichen Schuldenlast bedrückt wurde." Annähernd ein halbes hundert Urkunden aus einem Zeitraum von etwa dreihundert Jahren liegen der überaus fleißigen und gewissenhaften Arbeit zugrunde. Sic zeigen ei» düsteres Bild von Erpressungen und Verzweillung. Unglaublich erscheinen die zahllosen Arten der erzwungenen Abgaben, die als Geleilgeld und Schulzgcdd an Magistrat und Kirche, als Kriegssteuern. Kronsteuern. Bcicbsplenmg u. s. f. an die kaiserliche Hofkammern zu zahlen waren. Am schlimmsten lastete der Druck des Magistrats zu Worms. In einer Eingabe an den Vertreter des Kaisers gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges, schüttet die Wormser Judenschaft ihr bedrücktes Herz in rührender Klage aus: „So wenden wir uns an Eure Exzellenz in aller Demut mit «er Bitte, daß dieselbe vor allem zu erwägen, geruhe, in welch unglücklicher Lage jetzt die Gesamtheit sowohl wie jeder einzelne von uns elendiglich schmachtet, indem uns der Ackerbau und anständiger Handel nicht gestaltet, sind wir durch andere regelmäßige Abgabe1"11 au den Bischof von Worms sowohl als an die Erben von Dalberg und ebenso durch jährlich zu zahlende Abgaben von den Häusern bedrückt worden, wir unser Hub und Gut aber durch den täglich mehr sinkenden Kredit verlieren und bei dieser Eage der Dinge uns nichts anderes von der Zukunft versprechen können, als daß wir unsere Häuser, die wir seit 1700 (!) Jahren in der genannten Stadl inne gehabt haben, s erlassen und mit dem "leeren Ranzen in die Verbannung gehen müssen.'4 (Seile .">.i Bis über die Mitte des 19. Jahrhunderts 1851, seufzten die Wormser Juden unter der aagchäuften, vor allem durch den Dreißigjährigen Krieg; die Verwüstung der Pfalz unter Ludwig XiV. und den spanischen ErbMgekrieg unerträglich angeschwolleneu Schuldenlast, von der sie schließlich durch ein gütliches Uebereirikonimen unter großen persönlichen Opfern hochherziger Gemeindemilglieder um die Mille des 19. Jahrhunderts erst sich befreien konnten. Allen für (jeschichte der deutschen Juden interessier!rn Kreisen empfehlen wir das auch äußerlich geschmackvoll ausgestattete Büchlein aufs wärmste. Vom Verfasser aber . erhoffen wir noch manchen gleich wertvollen Beitrag zur Geschichte der Wormser Juden. il a 1) b i n e r Dr. S e I i g m a n n - Frankfurt a. M. Weist. Woliga ng: Der Kampf 11m das heilige Land. Palästina von heute. Berlin, l'üstein. —- Mit 44 Abbildungen und i Karten. — 312 n. Die zwei Titel bezeichnen zwei leite. Der erste iS. 1 » bis l‘]8) enthält die Geschichte des jüdisch werdenden Palästina, in fünf Stufen: V011 HcrzI bis 1920, die arabischen lnlricuen dmach, in drfi Kupileln, und die letzte Einwandc- 11mg seit 1924. Der ‘2. Teil (S. 142-205) enthält 19 einzelne Bilder und Szenen aus den letzten Jahren. Drei Anhänge geben sehr interessante Statistiken über Boden, pevölkei-ting, Einwanderung und Budget, ferner Dokumente zur Geschichte Palästinas, z. T. in guten V eher sei zun gen, z T - im Wortlaut oder Auszug, sowie eine Geschichtslabejie für alle wichtigeren Daten des Themas. Eine Anzahl Bilder, teils weniger, teils besser gelungen, vervollständigen d»s Anschauungsmaterial. Das Ganze ist ein Journalistenbuch: es will nichts Gelehrtes, Abschließendes geben: „Die Entwicklung Palästinas ist seit 2, J Jahren in so rapidem Wachstum, daß alle Erteile darüber in wenigen Monaten veralten. . . ." Letztes in geschichtlichen Aspekten wie m Poesie und Schilderung fliegt wie eine Landschaft im Auto vorüber. -— Und doch, vielleicht gerade darum, ein hervorragendes Buch. Niemand sollte daran Vorbeigehen, nicht Jud’ noch Christ, auch nicht der wütendste Palästina-Gegner. Der geschichtliche Teil lehrt die Palästina-Frage von größeren Gesichtspunkten an sehen, als es in ungern Parteikämpfen gewöhnlich geschieht. Es ist für England ,.das Malta des Middle East ', der einzige feste Punkt, den es in Asien besitzt. Darüber hinaus aber der Kampfplatz und das Einfalltor Europas gegen Asien, der Neuzeit hier das Mittelalter dort, und insofern ist die jüdische Arbeit dort eine „Angelegenheit der weißen Rasse". Der zweite Teil aber zeigt, wie. in dem Leben der ,.Pioniere , (ter Chaluzini, mit einem Ungeheuersten an Opferfreudigkeit die Eiterherde von Spenglers Untergang des Abendlandes ausgebrannt werden, um das Morgenrot einer neuen Kulturepoche zu wecken. Ein Buch, das von der ersten bis zuv letzten Seite eine stete Steigerung an Stimmung auslöst, ist ein Kunstwerk, besonders w.enn es in so guter, flüssiger und doch konziser Prosa verfaßt ist wie dies. — Ich kann nicht kritisieren, ob die geschichtich-politis^hf Darstellung richtig ist. interessant und glaubhaft klingt »je. Auch die Erzählung' von der Reporterfahrt des Verfassers zu Hussein in Ma’an' aus der ,,Vossischen Zeitung“ ziemlich ausführlich wiederholt, ist so lebendig, daß sie, obwohl für den Zusammenhang viel zu breit, doch mehr spannend als litardierend wirkt. Natürlich gibt der 2. Teil auch vieles Altbekannte, das Calvary, Sven Hedin, Höllischer, Salten und so viele Touristen uns schon geschildert haben, lud doch scheint es mir hier von einer Eindringlichkeit und ß" persönlich gesehen, wje man es sich nicht besser wünschen kann; ohne1 auldringliche Tendenz und romantische Schwärmerei, mit nicht zu leichten und nicht zu schweren Gedanken belastet, und mit einer inneren Glut, daß mir die 100 Seiten wie ein Hvmnus tönen. Wer das Kapitel von Beth-Alpha und der Legion der Arbeit liest, ohne von Neid und Sehn sucht nach solcher oder ähnlicher innerlicher Lebendigkeit gepackt zu werden, der ist unheilbar dem Moloch unserer verstandesmäßigen, egoistischen, mechanischen, äußerlichen Zivilisation verfallen! Aber auch viele Einzelheiten sind hochinteressant: Die Vorgeschichte der Balfour-Deklaralion, der zweimalige Wechsel in der Stellungnahme der Araber zum Zionismus und der Engländer zu diesem und zu den Arabern, die Enstehungsgeschiclile von Tel Arie, der hebräischen Oper und vieles andere r~, das alles wird so konkret vor uns hingestellt, daß man es miterlebt, fa$l noch stärker, als wenn man mit dabeigewesen wäre. — Das Buch erscheint im rechten Augenblick, um auch diejenigen besinnlicher zu machen, die aus der Depression der letzten Wochen schon den Untergang der jüdischen Palästina- Arbeit prophezeien möchten, während ähnliche und viel schlimmere Depressionen in Wahrheit schon oft überwunden worden sind. Abgesehen davon, daß jeder, auch der Gegner, es bedauern müßte, wenn dies Werk unterginge, mit seinem unerhörten Heroismus und Idealismus, mit seinen Zukunftsmöglichkeiten für unsere elenden Brü der ynd seinen Kraftquellen für neues Judentum und neue-; Menschentum, werden sie hier lernen, welche weithistorische Notwendigkeit das jüdische Palästina ist! Rabbiner Dr. Fuchs-Chemiitg, 6