Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 5 (29.1.1926)
- Date
- 1926-01-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Ben, daß Raphael Löwenfeld unter Mitwirkung von Hugo Preutz m»d anderen hervorragenden, von deutschem Geist beseelten Juden, -en Centralverein deutscher Staatsbürger jüdi- §chen Glaubens» geschaffen hat'? Hat er niemals von der Tätigkeit eins Horwitz, ines Eugen Fuchs, eines Oscar Cassel erfahren?- Niemals von den anderen Beretnen und de, gan- Literatur zur Pflege des deutschen Bewußtseins. die eisriif wirkte», ohne aus die Gründung des ..Verbändeder nationaldeutschen Juden" zu warten? In der Tat. wie ir Kortümes beiter« Eros: «Bet der Antwort des Kandidaten Iobser erhub stch ein asssemeines Schütteln des Kopfes . . D». I Stirn. ..... 7 7 , Aus den Gemeinden jmi »im l* Liberaler zum Rabbiner ge- «ahlt^ Be, der am 17. Januar stattgefunden«, Stichwahl wurde Herr Dr. Arthur Woill in Bischheim-StrahLurg als RabSruer der Gemeinde Basel gewählt. Der Gewählte, der der Kaudl-at -er Liberalen war. ist 46 Jahre alt und stammt ja** dem Elsaß. Er ist Zögling des Berliner Rabbiner- Semtnars von Dr. Hildesheimer. Er studierte auch an den Uulvers,taten Straßüurg. Berlin und Paris und gilt als Fachmann auf dem Gebiete der Aegyvtologie. An der Straßburger Hochschule ist er Rektor für hebräische Sprachen. Er veröffentlicht« verschiedene Werke jüdisch-wistenschaftlichsn und vadagogrschen Inhalts. Der Wahlkampf war ein sehr bewegter. Beim ersten Mahlgang erhielten Dr. Arthur Weilt ISS. der ortSadore Dr. Jerome Levn aus Odernei sElsabl US. Dr. Freyer Stimmen. Bei -er Stichwahl erhielten Dr. Werll 283. Dr. Leon 194 Stimmen. Die orthodoxen Mitglieder der Gemeinde traten dieser Tage zu einer Sitzung zusammen, in der über die Konstituierung einer orthodoxen Rellgionsgesellschaft beschlossen werden soll. Aaeki». (Aus der Repräsentantenversammk uug.f Am Sonntag, den 24. Januar, fand eine Sitzung der Repräsentanz der Berliner jüdischen Gemeinde statt. Die Versammlung sollte sich in erster Linie mit einer vom Borstand emgebrachten Vorlage befassen, die die Umwandlung ^oerer Gemein-deschulen im Bezirk Berlin-Mitte in jüdische Gemetndeschulen bedeckte. Ter Vorstand hatte im letzten -augett'bltif seine Vorlage zurückgezogen. Es wäre besser gewesen, er hätte die Vorlage mit dem Antrag auf deren Ablehnung zur Debatte gestellt, oder er hätte seine Vorlage ob, geändert. So wurde nur erreicht, das; in der nächsten Repräsentantensitzung au* einen Antrag der Konservativen und Zionisten erneut über die Frage verhandelt werden must, und?<*« über das Thema noch einige Stunden mehr in der mit lEder Sitzung der Repräsentantcnversammlung immer erschreckender um sich greifenden Vielrederei debattiert werden wird. Von den folgenden kleineren Gegenständen war eine Anfrage der liberalen Fraktion wegen des Plätzemangels in den Altcrsversorgunasanstalten bemerkenswert. Der Vorstand erkannte die Berechtigung der liberalen Forderungen an und sagte Abhilfe der jetzigen Mißsiände durch Gwaffimg neuer "Plätze zu. In der anschließenden vertraulrchen Sitzung wurde Herr Hirschfckd zun, Dezernenten des Vorstandes für Schulfragen gewählt. Für die Inspektion deö liberalen Schulwesens wurde Herr Rabbiner Dr. Bäck bestimmt. Die Anstellung von Rabbiner Kantorowski. Neukölln. als akademischer Religionslehrer wurde beschlossen. Berlin. (Das schöne jüdisch« B u cb l Am Sonnovend, den 23>. veranstaltete die Honcino-Gesellschaft, die sich seit Jahren mit großem Erfolg für die Verbreitung des SM« jüdischen Buches einsetzt, im ParlamentSsoal iDoro- »Heenstrastef einen hochinteressanten Bortrag: Professor Dr. Ludwig Blau, der berühmte Orientalist der Kudavester Universität, sprach über „Die hebräische Bibel ^Er führte aus. wie die alten Israeliten ihre, oerlrgey Bücher auf abgeschabte Ochsenhäute schrieben,' später benutzten sie Fisch- und Schlangenhäute, dagegen keine. Papyxosrollen, wie die Acgvpter, Römer und Griechen. Die Felle wurden zu Rollen zusammengenäht und dann in der ganzen damaligen Kulturwelt verbreitet. Während aber bei -e» Römern und Griechen lediglich die Sklaven die Schriften vervielfältigten. waren es bei den Juden nur die Vornehmsten. die die heiligen Schriften schreiben dursten. Der Berus des TboraschrLibers war der geachtetste im Land. Die Verbreitung der Thors geschah im ganzen Bolle, die bei den anderen Völkern übliche Geheimniskrämerei bezüglich der Bücher wurde aügelehnt. Allmählich wurde dann die Bibel daS gelesenste Volksbuch der Menschheit. Der Gelehrte schilderte hieraus in fesselnder Weise das Schicksal der Wnlgata. der übrigen Bibel!'0«>rseknngen und di« Befruchtung für sämtliche andere Wissenschaften, die von diesem „Buch der Bücher" im Lause der Jahrtausende ausging. Die bskanntssten jüdischen Gelehrte« und Rabbiner Vsrlind waren zuaeaen. Reicher Beifall lohnte am Schluß de« Redner füt seine fesselnden Ausführungen. Berlin. (Ein jüdischer illustrierter Kalen* der.) Der Verein «Freunde der Taubstummen" zu Berlin, der sich die verdienstvolle Aufgabe gestellt hat. die jüdischen taubstummen Kinder auSzuhtlde» und der dazu i» Berlin eine Anstalt errichtet hat, versendet an seine Freunde den diesjährigen «Jüdischen Illustrierten Kalender" sim «Jüdischen Kalender-Verlag" Berlins. Reben interessanten Angaben und Bildern aus der Arbeit an Taubstummen enthält er alle wissenswerten Daten und vortreffliches Bildmaterial aus dem gesamten jüdischen Leben. Bedauerlich ist, daß er zwar über die Zionistische Bewegung, den Frontsolbatenbund. den Centralveretn. nicht aber über den jüdischen Liberalismus unterrichtet. Wenige liberale Führer werden abgebildet: im Gegensatz zur sonstigen Gepflogenheit, ohne Schilderung ihres Wirkens für die liberale Beweauna. Falls dies im nächsten Jahr ganz nachgeholt wird, dürste dar Kalender für jede jüdische Familie, zu welcher Richtung sie sich rechnen mag. unentbehrlich sein. Die Abbildungen stehen auf einer hohen Kulturstufe. AuS dem Kalender erfährt man u. a.. daß -er «Frontbund" sogar über zwei Flugzeuge verfügt. Der Kalender weist seinen Besitzer auf jüdische Geschichte. Kunst. Kultttbung und Politik. — Daß es sich unsere Leser angelegen sein lasten, die segensreiche Arbeit des Vereins „Freunde der Taubstummen" zu unterstützen, halten wir für selbstverständlich sPostscheckkouto Gebrüder Giusberg-Berlin Nr. 82 313s. BreSlau. (79. G « b i» rt 4 i a g » Herr Simon Sachs. Inhaber -er Firma Julius Sachs junior. Breslau, Tauentzienstr. 81, feiert am Donnerstag, den 4. Februar, seinen 76. Geburtstag. Düsseldorf. iE n d l i ch d o ck ei n H e t it e - De n f m <j l?) Die Dichter Herbert Eulenberg mtA Hanns Heinz Ewers veröffentlichen im Namen eines Ausschusses einen Aufruf zur Errichtung eines Denkmals für Heinrich Heine, in welchem «S na. heißt: «Die Zeit ist erfüllt? In seiner Vaterstadt soll pem Dichter Heinrich Heine ein Denkmal errichtet werden. Endlich, ein später Dank für des Sängers so oft und so tief bekundete Liebe zu seiner rheinischen Heimat, ein Dank auch der ungezählten Tausende, die seit über 100 Jahren nun in asten Weltteilen durch sein Lied beglückt, seinen Witz und Geist bereichert wurden. . . ." Frankfurt a. M. <Z n r II r a n f i ü h ruug der „I a g d GotteS".i Uns wird geschrieben: ..Tie Jagd Gottes", das fsjnfaktige Drama des Berliner Rabbiners Dr. Emil Cohn, führt uns in eine östliche Kleinstadt: die Gemeinde ist zum Gebet versammelt, Gefahr droht, denn Kosaken sind in der Nähe. Plötzlich befindet sich in der Gestalt eines russischen Soldaten ein Jüngling unter ihnen, der angibt. Bore des Messias zu sein. Die Junten scharen sich begeistert um ihn: die Alten dagegen halten ihn im Anfang für einen Betrüger, der ihiten dgS Her', ihrer Kinder abspenstig machen will. Der greise Rabbi jedoch gewinnt auch allmählich die Nesterzengung. daß dieser Jüngling der ersehnte Befreier ist. und begeistert bekennt er sich zu ihm Als aber wiederum Kösakengcsahr der Gemeinde drohte und der alte Mann sich schon opiern will, verkündet der vermeintliche Messiasvote seinen eigentlichen Name»:, gibt an. daß er getauft sei. mtf» stürzt sich in die laut briillcude Menge draußen. Man sieht also, daß die ganze Provlomatik des Stückes in der schon non Brod's Roman ..Renbcni" bekannten Frage „Abenteurer oder Erlöser" gipfelt. Nene Gedanken vermag Herr Rabbiner Eobu auch nicht zu enthüllen, und somit hätte sein Stück lieber nicht geschrieben werden sollen, um so mehr, als noch zu sagen ist, daß cs nicht gerade geschmackvoll ist. das jedem Juden Heiligste aus die Bühne zu zerren. Tlwrarolle und hebräische Sprache. Herr Rabbiner, gehören ins Gotteshaus und nicht ins Theater. Tr. B, (Wir behalten uns eine eingehende Würdigung des Werkes vor Die Red.) Fürth i. B <70. Geburtstag K o m m e t?, i c n r » t Bechmau n s.t Der Vorlst'evde der Israelitischen Knltusaemeinde Herr o nt m e r u e n r i i M ater Bcck - mann. Mitglied des Rats bäuerischer Israels lisch..'!- Gemeinden. bekannter danerischey Gropindusirieller. feiert.' gm 36. Oanirar seinen 70. Geburtstag. Mühlheim. «T o d des L e'h r e r s K a i l e r.l Im besten Manncsalrer starb nach längerer Krankheit der hie'ige Lehrer Otto Kaiser. Mit iftm verliert nicht nur die Gemeinde einen erprobten nud begabten Lehrer und Führer der Jugend, die jüdische Lehrefsrhast beklagt auch den Heimgang eines lbrer treuesten Mitglieder des Vereins vom Rheinland und Westfalen, dem besonders die Entwicklung seiner Kassen, die der sozialen Not steuern sollten, sehr am Herzen lag. Sa gestaltete ück auch seine Beisetzungsseier zu einer imposanten Kundgebung für den früh verblichenen Seelsorger und Erzieher. Aus den Trauerreden, die Kantor Plachschinski-Mülheim. Seminarleürer Ketzler-Münstcr. ein I Freund des Verstorbenen, und Lehrer Katzenstein-Steele, für die Amtsgenossen des Vereins Zlheinlünd-Westsalen hielten, klang die große und innige Teilnahme wieder, die sein früher Heimgang bei allen geweckt batke, die ihn schätzen und liebe« lernten. «... * ftiRcttierft. tDa»Sttm«ir«ad8ildderVsalme«.j Unter dieser Bezeichnung bereitete die Verwaltung der Äultu-gemeivde ihr«« Mitgliedern am Sonntag, den 17. Januar, nachmittags, in der Hauptsynagoge eine Weihe-- stunbe. die in idealer Welse jüdische Wisienschait mit reit-» Sihser Kunst verband. Aach feierlichem Einleiiungsgesank es Chores hielt Rabbiner Dr. Freudenthal einen Bortro<r Über die Psalmen. In bekannter meisterhafter Form schilderte er die Entstehungsgeschichte der Psalmen, gab den Kern des Inhaltes einer großen Anzahl nun ihnen Tie Psalmen haben in den Kulten vieler GlattbensaemeinschafM ten ihren Platz gesunden. Die Poesie der Psalmen wird der großen, andächlia lauschenden Gemeinde in seffelnöer Weise oargestellt. Illustration des in zwei Teilen überaus interessant gehälteuen Bortrages dienten Psalmcngesänge. Der stark vergrößerte Snnagogcnchor brachte unter der Leitung seines Dirigenten Karl Sturm neben Psalm IM von Mendelssohn eine größere Anzahl Werte von Sukzev rünstlerisch sein abgetönt zum Vortrag. Die Lolis hierzu fang Oberkantor Frankel in der itzm eignen vornehmen und tief verinnerlichten Vortragsweise mit schöner Stimme. Für eine Anzahl Psalmen in deutscher Sprache, war Oberkantox Davidsohn aus Berlitt zur Ausführung berufen. Er sang Werk« von Liszt, Mendelssohn, Nadel und Hermann. Die stimmlichen und künstlerischen Oualitäten des bedeutenden Berliner Kantors sind bekaonr. Höhepunkte J seiner Leistungen bei dieser V-wanstaitung waren der Psalm sehr schön gesungen, und'der Psalm IIS von Enth, . als Melodram rnit tzinreisrendem Sckutnwg vorgetrage". Die Stimmung eines.Jauro stippur-AbcudS war in dem dicht gefüllten Gotteshauie und dattkvar ^^rticn man die hkilisi« Stätte, in deru Bewußtsein, eine Weiheslunde im schönsten Sinne verlebt zu haben. -Kchueidcmühk. sW ah 1 des R abblne t & D r. R of en* zwei gl Unsere Gemein de bat zum Rachfolger des nach Berlin' berirs>'nen Rabbiners Tr. Nobel Herrn Rabbiner Dr. Arthur Rosen ztocig als ihren Rabbiner gewählt. Dr. Arthur Roseitzweig ist ein Absolvent der Hochschule für die Wissenschaft des Itrbentmns in Berlin, verwaltete zunächst das Rabvinat in Anstig tBöttmen» tntd war daun zmeitcr Rabbiner in Seutlgarr. Er ist ein Sosin des verewigten Berliner Gew«inderobbiuers Tr. Adolf Ro»euziv2tg» der vom Jahre bis zu seinem '.’U-Seiten sein Berliner Rabbinat belleidete. >! Leese». «Tod des H L u s v.a 1 e r s d e r I a t. n bs o ft n » i ch e n Srü ir l e.l Der langjährige Hausvater der Jakob» sphnschen Schule, der A> Jahre in dieser Eigeuichasi tätias Lehrer Abr. Stern, der »cir einiger .Sei; im Rnitcirand lebte, wurde aus einem ersvlgreicheu Leben, da>? der religiösen ttnrermaisstna der Jugend gentidme! not'. abberuicu. b Sein. Heimgang wird lici vielen ehentarigen Schülern der Iakobspftnschuic ausrichrigc Teilnahme und Trauer erwecken, da der Verstorbene durch lecundliches Wcien ine Sntupatdien feiner Schtttzbefohlenen in großem V'gsti' zu ("werbet^ verstand. Bei der Trauer.st'icr. au der viele ehemalige Zöglinge der Anstalt icintaijr.ie;:, gaben Land:abbitrer Dr. Wi'llrcltu-Brauuschrveig un-d SüLdieudieektor Prof. Dr. Fried-!a».d---'Seesen, der allgemcineu Trottcr über den Tod des verehrten Manu es lebhasren Ausdruck, während Rabbiner Dr. Simons-Köln-Dcutz dem vereinig:eu Schtuager ergreifende Worte des Abschieds nachries. Wesel. lL e h r e r w c. dt j e. I <t n der ] ii d t f ch c it V o I f s f ch u t e.) Nachdem Leb', er Spier, der viel'.' Jahre, an der ftieiigen israclirikchen Bollsschule segensreich gewirkt hat. in den Ruhestand treten wird, ist die erledigte Stelle dem Lehrer und Kantor I. Daunenberg ans Brilon l.-nÄ. übertragen worden.. Der Antritt soll zum!. Moi eripIgL». Wien. sD t v B c ft a n b der t h e o l o g i i di e jt L t ft r"* anstalt ges > ch e r t.i Die Wiener Israelitische Kultvsgemeinde beschloß, die wertvollen Haudschristcn der Itidischeu theologischen Lehranstalt ttm den Betrag von d0 0>>0 Schilling anzukauken. Damit wurde verhindert, daß dieser wertvolle Besitz in das Ausland gebt. Ferner rmtrdc beschloisen. die theologische Lehranstalt aut die. Dauer von vier^Jahren mit 12 500 Schilling jährlich zu subventionieren. Auf diet'c,Weile wurde der Bestand der theologischen Lehranstalt gesichert. Wien. lA n ka uf der Fr a n z o s - M a n n f £ r^t vt e.> Ans dem Rath gute wird wikgeleilt: Die Witwe des Schri.fi» stellers Karl Emil Franzos hat der Gemeinde Wien den gesamten h-andichriftlichen Nachlaß ihres Gatten zum Kau? angebrton. ES handelt sich um einige tausend noch unveröffentlichte Briefe von berühmten Männern der letzten Jahrzehnte, außerdem um viele Handschriften des Dichters Franzos selbst. Die Gemeinde hat nun dielen Nachlaß erworben. wodurch die Wiener Stadtbibliotbek um z.ihjreiche wertvolle Stücke bereichert worden ist. Die Gegner in Eulenbergs Zeichnung. Herbert Eulenberq. der rheinische Dichter und vielseitige Schriftsteller, trat in der letzten Iatruar-Woche in das 50. Lc- Lensjabr ein. Es mußte natürlich Tagespresse und literarischen Zeitschriften überlasten bleiben. Wesen und Leistung des Mannes zu würdigen. Und die Absicht dieser Worte gM auch nicht dahin, in weitschichtigem Ausholen des Dichters Verhältnis zu seinen jüdischen Mitbürgern barzustellen. Eines hauptsächlich soll festgestellt werden. Herbert Eulenberq ist sich in seiner Stellungnahme, in seiner Unbefangenheit gleichaeblieben. Er bat nickt wie andere die aufschwellende völkische Woge als Antrieb benutzen wollen, hat nicht, um Volkstümlichkeit und gesteigerten Widerhall zu gewinnen und verächtlichen Mammon dazu Lebende geschmäht und Tote verketzert. Seine Wertung großer 5<eistung wird nicht durch den Seitenblick auf die Abkunft deS Hervorbringers getrübt. Herbert Eulenbera ist ein vorzüglicher Kenner der „völkischen" Geistesbefchaffenheit. Er hat sie ge- «iffermaßen vorausgeabnt und in seinem 1012 abgeschlossenen satirischen Roman „Katinka die Fliege", in köstlicher Treffsicherheit gezeichnet. Der kleine Rentner, der ein Fliegennarr und ein Iudenhasier zugleich ist. der mehr Haare in der Nase als auf dem Kopse besitzt, liefert ein wirklich belustigendes Kontersei eines recht großen Teiles der gedankenlosen völkischen Gefolgschaft. S. Andorn-Krefeld. M»niefiore und der Zar. Bon Scki> An —ski. sDeutsch von Hermann Blumenthal.s Unsere Leser wird es gewiß interessieren, den Dichter des „Dybuk" als Prosaschriftsteller kenne» zu lernen. Als Königin Viktoria von England gekrönt werben sollte, -ab eS in der Hauptstadt Großbritanniengroße Feierlichkeiten. und fast alle Herrscher Europas fanden sich dort ein. Irn Königlichen Schloß gab eS ein Festesten, an dem hie fremde» Potentaten sowie sämtliche Adlig« und Minister Englandteilnahmen. Unter diesen befand sich auch der Premier Moses Montefiore. Der feurige Wein löste die Zungen der Kaiser und Könige. Der eine erzählte von den zahllosen Provinzen, die er beherrschte, der zweite von den ungeheuren Reichtümern seiner. Schatzkammer und der dritte von seinem tapferen Heer. Da erhob sich Zar Nikolaus l. von Rußland und rief: «Mein Reich ist daS größte der Welt und mein Volk so zahlreich wie der Sand im Meere. Ich bin mit allen Schätzen -er Welt reich gesegnet, doch leben zu viele Juden in meinem Lande, und ich suche vergebens nach einem Mittel, um sie loszuwerden!^ Moses Montefiore war über die Worte deS Zaren tief empört. Er erhob sich von seinem Platze und sprach, indem er sich vor dem Zaren tief verneigte: «Ich wüßte einen Vorschlag, um Rußland von diesen unerwünschten Einwohnern zu befreien." «Lassen Sie hören, wie das bewerkstelligt werden kann", rief der Zar neugierig. «Ich erkläre mich bereit, Eure Majestät die russischen Juden abzukaufen," erklärte Montefiore. «Ich zahle für jede jüdische Seele, ob Mann, Frau oder Kind, drei Rubel." «Werden dann die. Juden auch mein Reich verlassen?" fragte der Zar. „Kein Jude soll dann in Rußland bleiben." entgegncte Montefiore. Dem Zaren gefiel der Vorschlag MontefipreS. „Ein glänzendes Geschäft." «sagte er sich. ,Fich werde nicht nur die Juden los. sondern bekomme obendrein noch zugezahlt." So wurde der Handel gleich abgeschlossen und die Vereinbarung getroffen, daß Montefiore drei Monate darauf nach Rußland kommen und nach erleg dos Geldes die Juden wrtführen solle. Als der Zgr nach Petersburg zurückkehrte, versammelte er alle Minister und Senatoren um sich und erzählte ihnen, welch vorteilhaften Handel er abgeschlossen habe. Aber di« Würdenträger waren von dieser Nachricht nicht sehr entzückt. «Das war ein übereilter Schritt, Sire," rief der Finanzminister aus. «Bekommen doch die Staatskaflen jetzt für jede tübtsche Seele ob Mann. Frau oder Kind -~ Vierzig Rubel jährlich." Da erkannte der Zar. daß er ein schlechtes Geschäft abgeschloffen batte. „Was ist setzt zu tun?" fragte er. Die Würdenträger beratschlagten eine Weile. .Ach glaube, ein Mittel gefunden zu Laden." rief ei« Mtztiter aus. ^l»e» Juden erkenni man an fei»«« Tracht, sowie an Bart u«d Uchlasenlocken. Wenn «»« et» Ukaer* lasten wird, in dem den Juden anbekoblen wird. Bart und Schläfenlocken abzuschneiden und den langen Kaftan avzulegen, dann werden sie nicht mehr wie Juden aussehen. Wenn nun Herr Montefiore herkommt, übergeben wir ihm die paar tausend Kararten, die bei uns leben und erklären» daß sonst keine Juden in Rußland wohnen." Dieser Rat gefiel dem Zaren, und cr befolgte ihn aus der Stelle. Als nun Mofts Montefiore zur seftgeietzten Zeit nach Petersburg kam. begrüßte man ihn mit den Worten: „Ais Inden sehen wir hierzulande nur die Karaiten an und erklären uns bereit. Ihnen alle in Rußland lebenden Karaiten zum festgesetzten Preis abzutreten." Da nun Monteftore. erkannte, daß der Zar n'cht gewillt war. sein Wort einzulösen, geriet er in Zorn. Er verließ Petersburg und fuhr, ohne Aufenthalt zu nehmen, bis Wilna. Zu jener Zeit war Graf Potocki Gouverneur von Wtlna. Als dieser von der Ankrtnft des englischen Premiers erfuhr, begab er sich zu ihm und begrüßte ihn feierlichst. Als die beiden im Gespräch beisammensaßen, erschien ein Kurier, der Montefiore ein Schreiben des Zaren überbrachte. , Montefiore betrachtete den Brief von allen Seiten und legte ihn dann uneröffnet vor sich auf den Tisch Darüber wunderte sich Graf Potocki sehr. „Es aeziemt sich, daß ein Kaiserliches Sendschreiben sofort gelesen wird," erlaubte er sich zu bemerken. „Kann es sich doch um eine Sache von höchster Wichtigkeit handeln'." „Am Sabbat ist eS mir nicht gestattet. Briefe zu öfmen". erklärte Montefiore ruhig. Darauf wollte Graf Potocki selbst die Siegel lösen, doch Monteftore hinderte ihn daran mit den Worten: «Ich kann es nicht ztrkassen, daß ein Mann von Ihrem Range mich bedienen soll." Da rief der Gouverneur einen Diener herbei, dem cr den Auftrag gab, den Brief zu öffnen. Kaum hatte dieier den Umschlag aufgetan. so siel er tot zu Boden, denn der Brief enthielt ein schnellwirkendes starkes Gift. Montefiore faßte den Entschluß, das Land sofort zu verlassen. und als er wohlLehalten in England eintrai, begab er sich gleich zur Königin und erzählte ihr, was ihm in Ruß- Land widerfahre« war. Dt« Königin -«riet darüber in großen Zorn urrd erklärte de» Aars« Ls« 9a w« der «orttruch des Aaren der Anlaß zum Kriege von Sobastopol.