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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-01-29 · 5 (29.1.1926) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
5 (29.1.1926)
Date
1926-01-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
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kraten glaubt man manchmal gewisse Rücksicht»» nehmen zu müssen. Oder hält feit* «8 etwa fttt einen Zufall. Laß ein Mann wie Lu»s Preutz r“ geeignet -ur wtf ftfmstg tzerWichss-rflzfinng. a für geSMer fUf eine ° wurde? Wenn mehr Juden. Ks de« VßVdlrer»«s-Mvtzentsatz entspricht, eine «Misch» Kü-kekftsllu»- «»Emen, so einfach m d»S»Me«. »ötL Mt tüW«*öelMt*s» VerfoltzUna unL künstliche Isolierung ihren politischen Blick geschärft ttNL sie zur Aktivität erzogen hat. Ihr besonderes politisches Interesse ist nicht das Produkt ihrer sogenannten Rasse, sondern Me yolA» Geschichte. Die hat sie im Durchschnitt Politisch regsamer und politisch interessierter geiWcht als den Durchschnitt ihrer Mitbürger. Jeder Ausländer ans den politisch AibrKk Länder» wundert sich über den Mangel an politischen Führer- Persönlichkeiten in Deutschland. In -er rat. wir haben wahrhaftig imtn tteverflutz daran. Ader weil dem so ist, wäre el eins Tsrheit chnsgleichen, durch Schnüffelei nach Raffe und Religion den geringen Bestand noch weiter zu verringern. W i t brauchen alle politischen Kräfte zum WisderaufLau unsere- Vaterlandes, auch die jüdischen. Mdische Köpfe i« Neudeutschlarid. Bon Erich DoM-rbw-ki. Erst die neue Mt, nach de« Zusammenbruch Ö$Ü alten Regimes, hat auch den jüdische» Mitbürgern tn Deutschland die volle Gleichberechtigung gebracht. Früher waren sic, im wilhelminischen Staat, zwar auch nor dem Gesetze gleich. Aber in Wirklichkeit «ttkdett fit -och, wo es nur irgendwie attging, yiniangefstzt. Die öffentliche« Stellen waren ihnen in den Müstsn Fällen verschlossen. Gewiß, Konzession-, schützen hat LS hier und da geaesen. In der Haupt- Fiche «der waren die jüdischen Intellektuellen auf die freien Berufe verwiesen, wenn sie voran und zur Geltung kommen wollten. Man traf sie, zahlreich, in der chaufmannschast, in der Bankwelt, in der Äerztefchaft. in den ÄttwaltsSureaus. Fm LeSreröSruf sah man sie nur selten. Höchsts*-, wenn sie besondere Kapazitäte« waren, an Sen Universitäten. Im Beamtentum fast gar nicht. Nur im parlamentarischLn Leben spielten sie oft sine hervorragende Roller Simsen, Laster, Bam- Heraer, Ährend, Schiffer. Männer wie Mar« nnd llfsalle waren gezwungen, ihre politischen Lsideniften einzudämmen und einzuzwängett in wissen, »ftliche Arbeite» und konnten, wenn es hoch kam, politische Agitatoren die Seele der Mafien ent» fern. Nun ist das alles anders geworden. Den chttgen sind die Tors geöffnet worden. Die Bahn für eine individuelle Entwicklung des Einzelnen zum Wohle des Ganzen freigsmacht worden. WenigstenS auf dem Papier. Theoretisch. Tatsächlich aber Md die Mächte des Rückschritts mehr denn je am Werke, um die geistigen freiheitlichen Errungenschaften der politischen Umwälzung wieder abznbauett. DS ist ein stiller und zäher Kampf, der Mehr hinter alS vor den Kulissen auSgebrochen ist. Ein Kampf, in dem mir »och mitten drin stehe». Fst eS in diesem Augen, «ick gestattet, einige Schattenbilder von Lenjemgen Mischen Politikern Mt zeichnen, die, nach dem Kauen der Schranken, die Möglichkeit gehabt haben, in führender Stelle an dem Aufbau des zusammengevroHe- »8» Dantschlanü zu arbeiten? Hier sind sie: Walter Rathenan. Walter Rathenau war der Sohn eine- »roßen Bat«-. Eines Mannes, der auf tschnisch-immstrie. ells« EeKich mit dem Aust und AuSdau ür All. gemeinen NektrreitLL-.HsellsMt sin «»ttnnter. nehmm schuf, dade» Ji$r DeutschlaM in die fernste» Kne» trug. Walter «or aÄ Kaufmann, auch -»kuftÄeLer. vor alle« ad« «tfienschaftl«, Künstler und Weüschastsmensch von bezwingenden Formen. Ihm war es nicht gegeben, bloßer Tatmensch zu sein, der, die Ellenbogen gebrauchend, starren Blickes auf ei» bestimmte- Ziel lo-steuertt. Er war eine -iakektisch veranlagte Natur. Gin Analytiker. Einer, der «st nach langt« Ringen die Synthese fand und dann zur Tat schritt. Im letzten Grunde ei» relst aiösor Mensch, dessen Ideen sich allmählich audem öhaos vielfacher innerer und äußerer Eindrücke herauakristaüisittte. Einer, der bei allem da- Für und Wider erwog, ehe er handelte. Einer, dem letzten End« alle- und jedes sich, zum Ethischen wandte. Seine Schriften sind nicht leicht lesbar wie flüssig plaudernde Novellen. Vor sich in sie vertiefte, rang mit dem Autor, wie er mit Gott und dem Teufel rang, mit Ja und New, -tdarauschließlich klar und hell der Gedanke erwuchs. Sein geistiges Fnstinktleben mar stark entwickelt. Auf allen Gebieten -e- Lebens und des Wissens strebte er nach der erlösenden Formel. Als großer Patriot, der iede Regung des Volkes wie auf einem Fieberthermometer in sich selbst ablesen konnte, stellte er sich gleich nach dem Kriegsausbruch der Allgemeinheit zur Verfügung. Als Industrieller und Kaufmann wußte er sofort, worauf es in dieser Stunde anka«: Auf die Erfassung und die Rationiei rung der Rohstoffe Deutschlands, düs vom Auslands wie eine belagerte Festung eingeschlossen und das daher auf Las sparsamste Haushalten seiner vorhandenen Güter anaewiesen war. So wurde er der Schöpfer der Rohstoff.Aötetlung beim Kriegsministerium. Nach dom Zusammenbruche wurde er an die Spitze des Wiederaufbau - Ministeriums berufen, leitete eine wirtschaftliche Verständigung mit Frankreich ein und knüpfte darüber hinaus Verbindungen mit den führenden Finanz- und WirtschaftSpontikern Englands, Frankreichs und Amerikas an, um Deutschland wieder einzugliedern in den WeltwirtschaftSprozetz und eine Verständigung über die Reparationen hsrüeizuftthren. Diese verheißungsvollen Versuche blieben leider in ihren Anfängen stecken. Auf der Konferenz von Cannes wurde Briand gestürzt. Die imperialistische Mawtpolitik Poinearss setzte sich durch, und auf der Konferenz von Genua war es Rathenau, der durch den Vertrag von Rapollo nun wenigstens eine Rückendeckung durch Rußland ermöglichte. Als Außenminister konnte er, voll von Ideen und Plänen, nur die ersten Fäden spinnen, da ihn bald Kugeln von Meuchelmördern, auf der Höhe seines Daseins, yinstreckten. DüS deutsche Volk ehrte ihn, der im Kampfe um den Wiederaufstieg Deutschlands jäh gefallen war. wie einen König. Wie einen König von Geistes Gnaden. Hugo Preutz. Hugo Prtuß hat es, trotz seiner großen wissenschaftlichen und praktischen Begabung, während der wilhelminischen Äera in der Universitätslaufbahn nur zum Privatdozenten gebracht. Er ist, theoretisch, der Bahnbrecher auf dem Wege Deutschlands vom ObrigkeitSzum Volksstaat. Schon während des Krieges, als die Entwicklung zur Demokratie sich immer deutlicher vom Horizont des sinnverwirrenden Geschehens abzeichnett. reichte er, auf Wunsch der Obersten Heeresleitung, einen Berfassungsentwurf ein. Dann, in den dunklen Novemoertagen 191s, wurde er Mitbegründer der -emo- »tatisch«» Partei, uni «-«ja« Tage fjtttt ttut&e rt Oti cm die »pttzi bei RcichSamIK des fttlnttn be»se», um Mt repMikanisch« Berfaffmig zu «ni»tt)«n HK» ju MtttlMUÄen. «efttat K-mpie be- |Shn«Ta*UW. MuieipttlitMje uwr Mralistische. Er Mut M« W«n«toeUn67ü$Me, mttintr auch mit Mtt uM »UM« Ändern KomprounZe schlie»«« mit!, l«J ®«f trsolSkeich durch. So wurde et der schöpf« der neue« Sleichsversafsung. Der theoretische Baumeister der deutschen Republik. Die Reichsidee war ihm alles. Die Einheit des Reiches. Alles andere «ußt» demgegenüber zurücktreten. Auch die iksntereffe» 5er einzelnen Bundesstaaten. Ihm schwebte ein Deutsches Reich vor, in dem mit der Zeit, die verschiedene» Länder aufgehen sollten. Dieser ^vaum hat sich ihm nicht verwirklicht. Die Zerlegung reutzcns in RsichAprovinzen. «io er sich SS gedacht tte, scheiterte an dem Widerstande anderer, stärkerer usktbren. Auch die preußische Verfassung atmet «berall fernes Geisteeinen Hauch. Ars preußischer Lattdtagsabgeoröneter hat er bis zuletzt um das, was er für recht erkannt hatte, gestritten. Fn seiner änßeren Art war er leger. Fast gleichmütig. Witz und Humor halfen ihm über manche schwierige Situation hinweg. In seiner Brust aber loderte ein Feuer, das bei TemperamentSauSbrüchen alles verzehren konnte. In seinen letzten Lebensjahren widmete er sich der wissenschaftlichen Ausarbeitung und Vertiefung der Verfassung. Ein großes, mehrbändiges Werk hatte er in Aussicht genommen. Eines Abends, als fern in Locarno die Staatsmänner über die Neuordnung Europaberieten, entglitt ihm die Feder, und der Tod drückte ihm die Augen zu. Theodor Wolfs. Von ganz anderen Usern ist Theodor Wolss auf die Tribüne der großen Leffentlichkeit gekommen. Als Literat fing er an. Als Journalist. Als Publizist. Romane, Theaterstücke und Essays sind die Meilensteine der ersten zwei Jahrzehnte seines öffentlichen Wirkens. Eine Künstlernatur. Ein Stilist, der sich an. der feingeistigen und graziösen Wortkunft der Franzosen gebildet, und der dann seinem Schasien-bald ein völlig eigenes Geprö'ge gegeben hat. Wenn auf einen aber, so paßt auf ihn das Mort: Äm Stil spiegelt sich der Mensch wieder. Vor bald vierzig Fahren trat er in die Redaktion des „Berliner Tageblattes" ein und hat sein ganzes Leben mit dieser Zeitung verkettet. Anderthalb Fahr.;ehnte war er als Korrespondent in tari-s tätig und übernahm nach dem Tode Arthur Lvysohns die Ehefredattion. Der politische Wille, das Verlangen, mit der Feder unmittelbar zu wirken, trat immer stärker hervor. Veröffentlichte Emile Zola, als der Dreyfuß-Skandül entstand, seine Schrift: „Ich klage an", so war WolffS ganze publizistische Tätigkeit, die er diesem Falle widmete, ebenfalls eine große, mi* unterbrochene Anklage wider das Unrecht. In den Auseinandersetzungen über Mtarotko war er einer der wenigen Deutschen, die die Gefahr eines Weltkonsliktes Heraufziehen sahen, warnten und für einen Ausgleich der Gegensätze durch einen kolonialen Austausch eintraten. Eine Anregung, die später dann von len-Wacchter ausgenommen uuö auch durchgefMH würde, wenn der eigentliche psychologische Moment für die Ueberbrückung der dcursch-französiichcn Gegensätze auch bereitverpaßt war. Als er von Paris nach Berlin zurückkehrte, wandte er sich ganz dem Gedanken der Demokratisierung Deutschlands zu. Unablässig focht er für dagleiche Wahlrecht in Preußen. Unablässig trat er für eine unmittelbare Mitarbeit der Sozialdemokratie im Parlament und in der Regierung ein. Lange vergebens. Erst im Kriege setzten sich seine Gebet. Rrrmn unS -eine heiligen Hände, Gw'ger Geist, nicht von der Stirne. Zeige uns die klaren Firne Leder dunklem Erögelände. ErÜenwea uns neu beleben- Rur Lurch -eine- Lichtes Weiten — Fmmer voller zu ihm strebend, Bihinein in Ewigkeiten. Ella van Eleef. Unveröffentlichte Briese Joseph Entzerr. Wir hatten in der letzten Rümmer die Nachricht vom Tode Prosefipr Joseph SulzerS, debedöutendöv Komponisten und Cellisten, veröffentlicht. Joseph Sulzer war der Sohn und letzte Nachkomme Solomon Sulzers, dessen Bedeutung für die jüdische Synasogenmustk allgemein anerkannt ist. Professor Joseph Sulzer, der wie sem Vater aus Wien stammt, war ein laugiähriger Freund des Berliner Oberkantors Musikdirektor A. Friedmann, der mit Recht weit über die Kreise der Kantorenschaft hinaus kelisbt ist und sich durch seine Gynagoaenkompositionen «ine« Namen gemacht hat. Oberkantor Friedman« hat die Lieben-. Würdigkeit, unS im folgenden einiges aus seinem bisher unverüffentllchten Briefwechsel mit Professor Fosepb Gulzer -ur Verfügung zu stellen. * * * Wien. 22. XI. 1911 IV. Margarethenstratze 84. Hochverehrter Herr Musikdirektor! Sowohl Ihren überaus liebenswürdigen Brief, wie auch Ihr „Dreigestirn" habe ich erhalten, und ich kann gar nicht sagen, wie ich Ihnen für die doppelte Freude, die Sie mir bereiteten, dankbar bin! Fhr „Dreigestirn" ist hochinteressant, verrät tiefe Sachkenntnis und — was nicht weniger wertvoll ist — Liebe zu den Dahingegangenen. Fn letzterer Beziehung ist eS naturgemäß, wenn mir die Gefühle der Pietät und Verehrung, die Sie dem Andenken meineunvergeßlichen Vaters entgegenbringen, besonderfympa« ttfcfi sind, indem ich mir sage, daß, wenn Zierden de- Kantorates, wie Sie, hochverehrter Herr, den hohen Wert des Bermächtnisies Salomon Sulzerso neidlo- und sachver» ständig anerkennen, es doch nicm so schlimm um diese- An« denken stehen muß. wie von aeDissen Geitnr behauptet und namentlich erhofft wird. Es wäre mir im hohe» Grade wünschenswert. Sie. hochverehrter Herr Musikdirektor, persönlich kennenzulernen. und ich glaub», daß sich bet dieser mir sehr wertvollen Geleaenhett manches Lurch Gedankenaustausch ergeben würde, was für die gute Sache ersprießlich wäre. Vielleicht komme ich in absehbarer Zeit nach Berlin und bann soll mein erster Weg der zu Ihnen fein. Ihre angekündigten Gesänge sind noch nicht angelangt, und ich freue mich schon sehr daraus, sie Lennenzulernen. Als winzige Revapche erlaube ich mir. Fönen mein kleines Erivnerunyswerkchen zu übersenden, und bitte Sie. ihm ein Plätzchen in Fhrer Bibliothek gönnen zu wollen. Mit den allerhetzlichsten Grüßen Fhr verehrungsvoll ergebener Prof. Fos. Sulzer. * * % Wien, 2. IV. 1913. Sehr geehrter Herr Musikdirektor! Nehmen Sie eS mir, bitte, nicht übel, wenn ich erst heute für die freundliche Uebersendung Ihrer schönen Gesänge meinen herzlichsten Dank ausspreche. Gerade in den letzten Wochen war meine Berufstätigkeit eine überaus angestrengte und überdies hatte ich die Vorbereitungen zu meinem Konzerte (welches Samstag unter glänzendem Erfolge stattgefunden hat) zu treffen, so daß ich mit dem besten Willen nicht dazu kam, meine Herzens- und HöflichkeitLpflicht Ihnen gegenüber früher zü erfüllen. Ihre drei Gesänge die ich mit großem Fnteresse und Vergnügen wiederholt durchgespielt habe, enthalte« melodische und harmonische Schönheiten in Hülle und Fülle. Besonders gefällt mir Ps. 16, der durch seinen der alten Sangesweife nachgebildeten Cafttus firntus und die stilvolle Orgelbegleitung eine ganz eigenartige, prächtige Wirkung hervorbringt. Ich beglückwünsche Sie aufrichtig zur Herausgabe dieser schönen, weihevollen Kompositionen und freue mich herzlich, in Ihnen auch auf diesem Gebiete eine Zierde des Kantorenstandes zu erkennen. Mit den herzlichsten Grütze« Ihr verehrung-voll ergebener Prof. Fos. Sulzer. Wien, 23. Vtt. 1918. 1. Gtselastr. 1. Hochverehrter Herr und Freund! Fhren letzten liebenswürdigen Brief und die freundliche Uebersendung der meinen s. Vater betreffenden, ebenso warmherzig wie sachkundig verfaßten Artikelserie wollte ich schon längst herzlichst dankend beantworten: allein. FamUienfache» und anderweitige, durch den Krieg herdeigeführte UmsiLnbe raubten mir die zum Briefschreiben so nötige Zeit und Gedankenruhe. Nun aber will und kann Ich <- nicht mehr langer hinau-schieden und bitte Sie nur, meine EntschulbigungLgründe gelten zu lasten, b. tz. mir nicht Löse zu sei«. thren und ihrer verehrten Gattin Wunsch, ein persönliches »denken von meinem verewigten Vater zu besitzen, erfülle ich herzlich gerne und erlaube mir, Ihne« einen Teil der Haarlocke zu übersenden, die ich wenige Stunden »ach dem Ableben de» Unvergeßlichen von seinem teuren, ehrmürdtaen Haupte abgeschnitten. Da» Vemutztfei«, diesemir so kost, bare Gut in den besten, pietätvollsten Händen zu wisten, erleichtert mir die Trennung von ihm und erspart mir die Bitteres in Ehren zu halten. Nächster Tage werbe ich mir erlauben, Ihnen meine Türkische Volkshymne, meinen Psalm XXI und die Partitur des von mir instrumentierten Psalms Meines s. Vaters zu übersenden. Vielleicht können Sie. hochverehrter Freund, deren Anschaffung seitens Fhrer Gemeinde in Vorschlag bringen, wofür ich Ihnen sehr dankbar wäre. Speziell die Türkische Bolkshvmne, die außerordentlichen Beifall gefunden, und demnächst alS offlziLlle Hymne eingeführt werden dürfte, eignet sich für patriotische FestgotttSdienstL umsomehr,' alS bis fetzt keine geeignete Hymne vorhanden war. Den Psalm XXI habe ich erst vor kurzem beendet und wird derselbe am 18. August ln den Wiener Hauptsynagogen zur Aufführung gelangen. ES würde mich unendlich freuen, wenn Sie Gnade für Recht walten lasten wollen und mir bald Mitteilen, wie es Ihnen und Ihrer werten Familie geht. Inzwischen bitte ich Sie, hochverehrter Freund, mich Ihrer werten Frau Gemahlin unbekannterweise bestens zu empfehlen und verbleibe. Sie herzlichst grüßend, Ihr verehrend und freundschaftlich ergebener Pros. Jos. Sulzer. Wien, 17. März 1920. III. Rennweg 33. Sehr geehrter Herr und Freund! Dieder habe ich Ihnen herzlichst zu danken! Diesmal ober nehme ich mir'- nicht nur vor. sondern tue eS auch, und zwar nvLiß Innigste. Ihre gütigen Glückwünsche zu meinem 70. Geburtstage haben mich hocherfreut, um so mehr, als ich fühle. Latz dieselben keineswegs konventionell, sondern aufrichtig gemeint sin- und Ihrer Sympathie für mich entspringen. Gibt es denn ein schöneres Bewußtsein als das. sich von vortrefflichen, geistig hochstehenden Menschen, zu denen Sie. verehrter Freund, in erster Linie zählen, geschätzt S wissen? Da- und die weihevollen Erinnerungen an öne. nie wiederkehrende Zeiten sind Freuden, die uns weder geraubt noch verekelt werden können: sie sind mir deshaB üoerauS kostbar. Die letzte Ihrer Arbeiten, die Sie die Güte hatten, mir zu übersenden, hat mich lebhaft interessiert und der meinem seligen Vater gewidmete Aufsatz erfüllte mich mit tiefer Rührung. Wie lange schon erfüllt miäi der Wunsch, Sie persönlich kennenzulernen und Ihnen die HanL zu drücke»! Möge mir doch daS Schicksal diesen Wunsch erfüllen, der allerdings unter den gegenwärtigen Vcrhältmfien «in. sehr unbescheidener genannt werden muß. Kornttzer schrieb mir. daß Sie so liebenswürdia waren, ihn von meinem 70. Geburt-taa in Kenntnis zu setzen, wofür ich Jtznon ebenfalls vielmals banke. Korncher schätz« ich ebenfalls als einen wirtlichen treuen und antzä»»nchen Freund und freue mich innig, datz er. wie es scheint, in Hamburg einen vortrefflichen Wirkungskreis, wie er ihm gebührt, gefunden hat»

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