Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 4 (22.1.1926)
- Date
- 1926-01-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Amerika. Bereinigte 3fantcu.3-300 000 Kanada.. 150 000 Argentinien. 150000 Mexiko, Brasilien usw. ...... 40000 Amerika. 8 040 000 Asien. Paläfnna . 130 000 Kleinasien. 120 000 Mesopotamien. ... 37000 Syrien. 35 000 Ostasien. 30 000 Persien . 25 000 Buchara. 20000 Afghanistan. 18 000 Asien. 465 00, Afrika. Mu.otto. 150000 Algier. 74 000 Tunis. 50000 Südafrika .. .. 50 000 Aegypten. 30 000 Tripolis. 10 000 Abessinien. 15 000 Afrika. 3S8 000 Airst: alien. Australien.. . 23 000 Also: Europa .. 8047000 Amerika.3 640 000 Asien. 165 000 Afrika. 388 000 Australien. 23 000 Gesamtsumme.13 463 000 Wo cs mir angängig erschien, benutzte ich daö 1625 erschienene Werk von Kreppet: „Inden und Judentum von beute", das reiches statistisches Material enthält und die neuesten Zählungsergebnisse, soweit sic überhaupt m erlangen waren, schon mitverwertet hat. Die Angaben über Südamerika sind in dem Kreppelschen Werk von den Tatsachen schon längst, überholt und es mußten höhere Ziffern für die Länder dieses halben Erdteils eingesetzt werden. Tie Bereinigten Staaten von Nordamerika scheinen dagegen mit 3 600 000 überschätzt zu sein. Kreppe! beziffert die indische Bevölkerung der Vereinigten Staaten vor dem Kriege ans 3,1 Millionen und läßt sie 1625 auf 3,6 Millionen Zeigen. Bei der überaus geringen Einwanderung während des Krieges und nach demselben erscheint diese Zunahme zu hoch. DaS fühlt Kreppe! auch selber und sucht dafür eine Erklärung zu geben, die aber wenig beweiskräftig ist. Er gibt für New 2)ork eine Vermehrung aus sich heraus, lediglich Lurch Geburtenüberschüsse, auf 2% jährlich an, was für eine Weltstadt geradezu ohne Beispiel und sicherlich auch weit übertrieben ist. Bei so unerhört kräftigem Wachstum wäre es unerklärlich, wie Präsident Rooseveldt so bewegliche Klagen über den Rasscnselbstmord des amerikanischen Bottes führen tonnte. Noch unmöglicher ist der 'angeblich 2K ^ige jüdische Geburtenüberschuß pro Jahr. Die heutigen Weltstädte zeichnen sich, vielleicht mit Ausnahme Moskaus und Petersburgs, durch eine bemerkenswerte Geburtenarmut aus, und die Zu den machen hier keine Ausnahme, sondern bleiben hinter den anderen noch meist erheblich zurück. Bestenfalls werden die Ostjuden ihre heimatlichen Traditionen auf ihr neues Vaterland übertragen. Aber nirgends erreicht die Vermehrung in Polen und Rußland 2K- % jährlich. lllnd man hat Anlaß, anznnehmen, daß der Prozentsatz des Geburtenüberschusses drüben in Amerika nicht unbeträchtlich sinkt, zumal in den Millionenstädten, in denen die Juden mit geringen Ausnahmen wohnen. Während ich für das übrige Amerika ansehnliche Erhöhungen vornehmen mußte, galt es hier, kräftige Abstriche zu machen. Kreppel bleibt nicht überall bei den offiziell ermittelten Ziffern stehen, sondern bedient sich oft, besonders bei Polen, der von mancher Seite beliebten Schätzungen, die das die Wirklichkeit übersteigende Resultat von 15 Millionen ergeben. Bliebe er bei dem von ihm selber beigebrachten offiziellen Zahlenmaterial, würde sein Ergebnis mit meinem beinahe übereinstimmen. An dem Gesanttresnltat, wie es sich hier darstellt, kann zurzeit mit beweiskräftigen Argumenten wohl kaum gerüttelt werden. Das neulich entdeckte „Thronbesteigungsfcft“ in Jerusalem. Bon Geheimrat Ed. Konig in Bonn. Als ich einst von Leipzig nach Rostock berufen worden war, sagte der Vizekanzler der Universität bei einem meiner ersten Besuche in etwas geringschätzigem Tone zu mir: „Die Theologen haben es gut. Bei denen gibt es selten etwas Neues." Wie ich schon damals meine Verwunderung über diese seine Meinuna mit dem Hinweis auf die bet den Ausgrabungen in den Ländern des Euphrat-Tigris und des Nil gemachten iVmtöo begründen konnte, io noch oft in den letzten Jahrzehnten, und auch jetzt gibt es in der mit dem althcbräischen Schrifttum sich beschäftigenden Wissenschaft etwas Neues, das an jene in Babylonien gemachten Z-unde angeknümt werden soll. Das ist die Behauptung, daß ein „T h r o n b e st e ig u n g S f e st" des Ewigen alljährlich in Jerusalem gefeiert worden sei. Diese Konscauenz aus den babylonischen Entdeckungen kam nicht rasch, aber sie kam. um mit Anlehnung an einen Satz Wattensteins 'zu sprechen. Sie gehörte nicht zu jenen ersten Aufstellungen, die man aus die neue Erkenntnis des assyrisch-babylonischen Altertums für die Erklärung der althcbräischen Literatur weinte aufbauen zu können, nämlich, daß z. A. die Schöviungsüarsicllnng und der Sintflutbericht des ersten Buchs Moses aus kcilschriftlichcn Aufzeichnungen ..entlehnt" seien. Sie stand noch nicht in der Reihe der Heberraschnnacn. mit denen J-riedrich Delitzsch bei seinem Bortraa über ..Babel und Bibel" iw Januar 1002 vielen imponiert bat. bis das zuerst blendende „Licht vom Osten" durch genauere Nachprütung aus den ihm wirklich zukommenden Stärkcgraü reduziert wurde. Za. wir hatten uns schon lange darüber gefreut, daß es gerade der „Deutschen Orientacsellichatt" bei ihren methodisch verfahrenden Arbeiten in der Sradt "Babylon gegluckt war. die breite „Prozession s si r a ß e" Marduks aus ihrem mehrtausendjährigen Grabe wieder an das Tageslicht treten zu lassen. Schon lange batten wir das prächtig bunt" Mosaikpslaster bewundert, durch das mau iie zu einer Jeststraßc geschmückt hatte, und schon längere Zeit war aus den Meilichiustdenkmälern entziffert worden, daß aut dieser ..Aibur-schabu" genannten Straße all'ährlick am Neu'ahrstage der Babylonier das Bildnis das Sradtgottes von Babylon auf einem schiffartigen Wagen dahingefgbreu wurde, um mit den andern (.Göttern zusammen den Schicksatsgana des neuen Jahres zu bestimmen. und daß dabei der babylonische König die Hand Marduks ergriff, um von ihm sein Amt aufs neue crckgegenzunebmen. Aber immer noch nicht war daraus eine Jolgeruna für die Auslegung des alNsrac-litischen Schrifttums gezogen worden. Ties geschah erst vor etwa drei Jabren. Nachdem man aber — Hauptiätblicb der norwegische Gelehrte Sigm. Mowinckel!zu Oslo-Kristiania) im zweiten Heit seiner „Psalmenstudicn" — den Gedanken ausgesprochen hatte, daß auch in Jerusalem alljährlich eine solche Prozessionsfahrt Jallwes und ein daran sich anschließendes Thronb e st c i g u n (i f c st anznnehmen fei, nun da hat es bei der weit''.erbreiteten Neiguna zur Babnlouisierung der Bibel auch nicht an Leuten gefehlt, die diesen Gedanken weiter kolportierten. So liest man cs nun gegenwärtig hie und da. wie z B. in Gnnkels Psalmenkommcntar (1925/26». dritte Liese s ng, S. 203. Aber gibt cs denn für diese aufsehenerregenden Behanvtungeu auch nur irgendwelche Anknüpfungspunkte im gltbebrasschen Schrifttum? Nun. auch nach den Psalmen, die bei dieser Ausstellung hauptsächlich als .Fundament verwertet worden sind, bat der Gott der mosaischen Ncliaion erstens ein das All umspanneudes 'Welt - oder Natur r eich, das oft auch, obgleich misiverständlicherwcise, sein ., Machte eich" genannt wird, denn auch tu seinem allumfassenden Reiche läßt Gott seine gnädige Langmut walten, wie m so deutlich aus seinem Verhalten zu den bußfertigen Ninivitcn «J-'y. 4. 11) herausleuchtet. Bon diesem allgemeinen Gottesrciche. das durch die Wc.ttschövfnng begründet wurde, ist z. B. die Rede, wenn es heißt: „Der Herr hat sein Königtum eingetreten und seststehen wird der Erdkreis, wird nicbt wanken" (Pf. 96, 10). Dieses Welt köuigtum des Ewigen ist auch in 29.10 gemeint, da es in der noachistben Jlut sich betätigte. Von diesem universalen Reiche der Gottbeit spricht besonders deutlich Ps. 03, 1: „Der HErr ist König und herrlich geschmückt: der HErr ist geschmückt und hat ein Reich augefangen, so weit die Welt ist." Zweitens bezeugt auch der Psalter, daß der von der prophetischen Religion verkündigte Gott auch ein spezielles Reich gegründet hat. als er nach der titanischen Ueb.'rhebnng des Menscheng escbleckts, wie sie im babylonischen Turmbau, zutage, trat 11. Mos. 11.1—9), Abraham als den ersten Bürger einer neuen Gemeinschaft berief (12,1—8). Deshalb sprechen die Psalmrsten vom Herrschafts-« antritt des Lwiae» sowohl in seinem Weltreiche (Ps. 98.1: 96,10: 97,1) als auch von seinem Regierungsantritt in seinem engeren Reiche, das bei richtigem Verständnis auch sein Gnadenreich genannt werden kann (99,1). Spricht ferner' der Psalter auch von einer Thron-« besteigung des Ewigen? Zwar nickt in bezug auf das Weltreich ist dies in den Worten: „Der Ewige bat im Himmel seinen Thron aufgestellt" (Ps. 103,19» enthalten, jedoch in bezug auf das engere Reich lesen wir: „(Sr bat sich auf seinen heiligen Thron gesetzt" (47,9). von welchem Thron Jesaja in 6,1 spricht. Aber die Hauptfrage rm gegenwärtigen Moment der Forschung ist diese: „Spricht der Psalter von einem T b r o n b c st e i g u n g s f e st des Ewigen?" Nun, Mowiuckel will die Vorstellung anfbriiigen, am Neujahrsfeste tarn 1. Tiichri) habe man zu e r u > o l c m eine Prozession aufgeführt, bei der König Jahwe zum Tempel hinaufgczogen sei. Aber wie will er diese Aufstellung, die auch Gunkel bei Ps. 17 eiye „sehr einleuchtende Vermutung" genannt hat. begründen? Dtze Wichtigkeit dieser Trage wird es sicherlich rechtfertigen, wenn ich den Leiern seinen Beweis möglichst mit seinen eigenen Worten darbiete. Mowinckel führt in „Psalmenstudien" II, S. 4 ff. dies vor: „Ps. 47, 93, 95—100 bilden eine eigenartige Gruppe. Das charakteristische Wort dieser Psalmen ist: Jahwä — so schreibt er — i st K ö n i a g e m o r d e n." Dabei ist von Mowinckel nun schon Weltkönigtum und spezielles Gottesrcich zusammeugeworscn. Dock hören mir ihm weite'' zu! ..Inhaltlich tritt der Gedanke an die Schöpfung sehr hervor «93,28; 95 4 f. usw.)." Von der Begründung des hcilsgeschichttichen Gottcsrcichs durch die Berufung Abrahams lügt Mowinckel nichts, obgleich doch „das Volk von Abrahams Gott" ausdrücklich in Ps. 47. 10 erwähnt ist. Daun gestellt er zu. daß in jenen von ihm aufgezählteu Psalmen nicht von Prozession die Rede sei. aber »in 134 oder 122 und 123", und da „bezeichnet der Ausstieg dann das ganz,.' '«Test, dessen Hauptstück und Charakteristikum die heilige Prozession war". Werner auf S. 7 bemerkt er: „Es scheint, als wenn der Thronbesteigungstag des irdischen K ön'gs als jährlicher Festtag gefeiert wurde. Sv war es jedenfalls der Hall in Babylonien, wo der Könia an jedem Neusahrstag die Hände Marduks greifen mußte." „Wenn nun in. jener babylonischen Zeit" — er meint die babylonische Periode der Geschichte Israels «605 ss.) — „ein großes Jest bereLosiitk mamlöksteth Joiakim gefeiert wurde, bei dem es als selbstverständlich vorausgesetzt wurde, daß das Volk versammelt ist «Jer. 26. 1 ff.», so liegt die Annahme nahe, daß man auch in Juda «S. 6) die eigentliche Thronbesteigung zu derselben Zeit wie in Babylonien, ü. h. am Ncusahrstagc. feierte, denn re8cbitst mamlekbetlr ist für den Sprachgebrauch dasselbe wie babylonisches rescli scstarruti." Das tut aber nichts zur Sache. Von „Neujahr" ist jedoch in Zer. 26, 1 ff. n i ch t die Rede, und dort steht überhaupt nur. daß „das Volk gekommen iei. um im Tempel des Ewigen anzubeten", und die königlichen Beamten kamen nur infolge von Jeremias Rede „aus dem Palast des Königs" (B. 10), also ke.tneswcgs zur Teilnahme an einer Prozession. Doch Mowinckel fährt so fort: „In der entsprechenden Weise wird nun in den Psalmen I a h w ä s T ü r v n best e i g u n g geschildert: Es wird geschildert, daß Jahmä s i ch in Iestklciö gekleidet, sich d e u königlichen Gürtel umgeschnallt und das Diadem aufs Haupt gesetzt hat (93,1). Sein Volk, die „Gerechten", jubeln ihm entgegen. alle Völker der Erde klatschen in die Hände (17, 2), unter dem Schall von Posaunen und Hörnern ist Jahwä nach seiner Königsburg hinaufgezogen (47, 6) und hat sich auf seinen heiligen Thron gesetzt >99, 1. 5». Und io t c er nun daN tz t in aller seiner Pracht, bricht der Jubel mit Händeklatschen und Huldigungsrnfcn aller Völker und Nationen los." Hält man so etwas für möglich? Ich muß sagen, daß sich manchmal meine fvcöer gesträubt hat. diese Neutzerungcn niederzuschreiben. Denn sie sind geradezu frivol. Und zu dem, was ich schon über seine Behandlung von 'Zer. 26. 1 ff. gesagt habe, ist noch hinznznsügen. daß es eine Naivität ist. «alle Völker und Nationen" bei einer Prozession in Jerusalem den Huldigungsruf für den Ewigen anstinnnen zu lassen. Um es kurz zu sagen: Das Urteil über diese Beweisführung Mowinckels kann nur lauten: Sie beruht auf nivellierender Uebertraguna aus Babylon nach Jerusalem und auf u n w i s 1 e n s ch a f t l i ch c r Eintragung in die allhebräischcn Texte. Jür die neue Aufstellung, daß der Ritus des babylonischen Neujahrsfestes, wo das Bildnis des Gottes Mardnk auf der großen Prozessionsstraße dahingeführt wurde, im Kultus Ein Schüler Hillels. Zu Romain Rollands 60. Geburtstag. Von S. Meise l s. Romain Rollands Werk ist ans GerechtigGnsliebe. aufgebaut. Tie GcrechtigleikSIiebe kennt herkömmliche Grenzen nicht, sic macht keine konventionellen Einschnitte in den großen Organismus, den mir Menschheit nennen, sie verwirft «cdes in Grade und Striche geteilte Gofühlsthermometer. dessen Säule bald zum Siedepunkt aussteigt, bald zum Gefrierpunkt herabsinlt. Die Gerechtigkeitsliebe teilt nicht ungleich ihre Gaben aus. dem einen mehr, dem anderen weniger, sondern sie umfaßt das Ganze und alle Teile dieses Ganzen. Sic kennt nicht den fernen und den Nahen, sondern immer den Nächsten. Und der Nächste ist ihr der Mensch, der Mensch ohne Attribute, der Memch an sich, gleichviel wo er lebt, woher er stammt, welche Sprache er spricht und zu welcher Religion er sich bekennt. Solcher Art ist die Gcrechtigkeitsliebe. hie im Herzen Romain Rollands lodert. In Beziehung auf Gercchtigkeitslicbe ist Romain Rolland, gleich seinem Lehrer und Meister Leo Tolstoi, ein Schüler Hillels. Mau kennt die Geschichte mm jenem Heiden, der einst zu Hillel lam und stclreudcu Enßes den Kern der Religion erfahren wollte. Hillel gab ihm zur Antwort: Was die nicht willst, daß man dir tue, das tu auch dem andern nickt. Das ist Grund und Wurzel jeder Religion. Das ist Grund und Wurzel rckler Gcrcchtiatt'tt. Ganz im Sinne des Hrlleijchen Aus,pruches schreibt Lev Tolstoi in seiner Schrift „Besinnet Euch": Die gelchrien Menschen müssen begreifen, daß der Satz von der'Brüderlichkeit aller Menschen und das Gesetz: „Tu dem andern nicht, was du nicht willst, daß man dir tue", nicht eines von den vielen Ergebnissen menschlichen Denkens ist. iüc man beliebigen anderen Vorstellungen nnterordnen kann, sondern eine unerschütterliche, über alle andern Vorstellungen er habenc These — und darum für alle Zeiten bindend ist. Das Bindende dieser erhabenen und ewigen Idee hat Romain Rolland, der Künstler wie der Mensch. alS nnver rückbares Pflichtgesetz erkannt und anerkannt und ihr nach Kräften treu und frei gedient. Als Künstler hat er nie ab seits gestanden, als Mensch bat er sich pflichtbewußt in den Mcnschhcitsdienst gestellt. Nur von diesem Gesichtswinkel aus ist Romain Rollands Stellung zum Judentum zu verstehen. Nicht jene Liebe, die oft zur Quelle eines Mitleids wird, das menscheuentwürdigend rvirkt, sondern Gerechtigkeit briligt er den Inden entgegen. Es meg jcvor kommen, daß auch Rollands Urteil über die Juden zuweilen ein Fehlurteil ist. Das gibt indes nicht den Ausichlag. Entscheidc-ud ist, daß ihn der Wille zu oerechtem Urteil beseelt. Selbst dort, mp er irrt, rechtieettgt ihn der gereckte Wille. Von Jo bann Eyristoi sggl Rolland einmal: „Er liebte Ne ttudi'n nickst aber liebte die Antisemiten noch weniger." Dieter Satz kennzeichnet am veilen die Art. wie sich Romain Roll and mm Jndcnproblem einstellt. Nach jüdischer Auflassung ist sihop derjenige zu den Gläubigen zu rechnen, rvcnn er auch nur den Götzendienst verwirft. Und wir werden billiaerweise denjenigen zu unseren Jrennden zählen, der auch mir der JeGd unterer Je in de »st. Und der Jeiud unserer J-einde. ist Romain Rolland ganz gewiß. Man hat v,iu. Juden häufig den Vorwurf gemacht, daß mir statt Gerechtigkeit zu fordern, allenthalben um Liebe werben. Das trifft durchaus nicht zu. Wir sind weit davon entfernt, jemanden zur Liebe zu zwinaen, jemandes Liebe zu erzwingen. W'r stellen leine Souderansprüche an die Menschen. Unsere Zielrichtung weist aus Gerechtigkeit. Wir haben cs im Lunte der gelernt, nicht überempfindlich zu »ein. und sind geneigt, selbst das Herausstreicken unserer wirklichen oder vermeirnlicheu J-estler obne Erbitterung hinzunehmcn, io c^. nicht in böser Absicht geschieht. „Wenn nur zehn Gerechte sind in Israel, so soll man das Volk N'ckt verurteilen." Romain Rolland sagt dies nicht im Hinblick auf die Inden, sondern in Beziehung auf die französische Elation. Und er weiß es, daß sich schließlich in jeder Gemeinschaft noch zehn Gerechte linden, und er liebt die Men-- scken* um dieser zehn Gerechten mitten. Das ist es, was wir als den Hillelschen Grnudzng im Charakter Rollands bezeichnen möchlcn Ein andermal läßt Rolland den Johann Christof folgendes sagen: „Muß man sie «die Inden) denn zarter ansaisen als die. Christen? Wenn ich ihnen ein vollgerüttelt Maß zndenke. jo tue ich cs. weil es bei ihnen der Mühe lohnt. Ich schulde ihnen einen Ehrenplatz, denn sie haben sich ihn erobert, an der Spitze uns-'rcs Okzidents, in dem das Licht verlöscht. Einige von ihnen bedrohen unsere Zivilisation. Aber ich übersehe nicht, daß andere unter ihnen uns an Taten und Gedanken bereichen:. Ich weiß, was in ihrer Rasse noch an Grüße lebt. Ich kenne alle die Kräfte der Hingabe, die ganze stolze Uneigennützieckeit. die ganze Lust und Liebe zum Besten, die unermüdliche Energie, die hartnäckige und verborgene Arbrrt bei Tausenden von ihnen. Ich weiß, daß in ihnen ein Gott lebt." Wer so von den Juden spricht, dem darf man schon das Recht zugestehen. auch über ihre Fehler, mic. er sie sieht, zu «t'^cricht zu sitzen. Wenn man das durchaus verwerfliche Verfahren, Sätze aus dem Zusammenhang und Wendungen aus dem Satzgefüge zu reißen, auch auf das Werk Romain Rollands anwenden wollte, so wäre es gar nicht schwer, daraus eine kleine Blütenlese von antisemitisch klingenden Aeusierungen zufarnmenznstellen. Das hieße aber das wahre Bild des .'lrünstlers und Menschen Rolland mit Absicht entstellen. Denn überall, wo Romain Rolland als Anti-Jude erscheint, dort ist er auch in gleichem Maße Anti-J-ranzoie, Anti-Deutscher, Anti-Mensch. Wo er Schwächen im Verborgenen siebt, da deckt er ne nur, gleichviel ob cs sich um Ecanzoien, Deutsche oder Juden handelt. Die Liebe zur Gerechrigeeit, der Hillelsche Grundzng in seinem Wesen, schasst bei ihm auch die heroische Tat. Das letzte Jahrzehnt von Rollands Leben war ausgcsüllt mit solcher Tat. Als die Katastrophe hereinbrach, die die Grundsesten Europas erschütterte und die Kleinen wie die Großen in einen Abgrund riß, zeigte Romain Rolland der Welt daS Beispiel eines Starken, der mitten in den Stürmen einer aufgewühlten Zeit aufrecht blicv und die moralische Kraft aufbrachte, die Stimme des Gewissens zu erheben Es erwies sich, daß Romain Rolland keine Wegweiscrtafel war, die die Richtung anzeigl, ohne sich selbst fortzubewegcn. Den Weg. den er in der Kunst gezeigt er ging ihn auch im Leben. Die Idee der Gerechtigkeit, des Jriedens der Menschlichkeit, d-'r er in seinen Kunstschöpsunqen Ausdruck gegeben. suchte er durch die Tat zu verwirklichen. Am 29. Januar d. I. jeicrt Romain Rolland seinen 6t». Geburtstag. An diesem Tage werden viele dem Dichter Ruhmeskränze winden, manche dem Künstler Bewuuderv.ng zollen, andere wiederum dem großen Menschen huldigen. Wir aber wollen seiner als eines Schülers Hillels an diesem Tage in Ehren gedenken. Zum 75. Geburtstag von Alexander Moszkowski. Bon Dr. Ludwig David so hn. Berlin. Die ganze ,gebildete Welt feierte iv vergangener:'Sodx: den 75. Geburtstag Alexander Moszkowslis. eines Wcltwejsen, in dem sich Gelehrsamkeit, tiefernste ,Fröhlichkeit. Licbens- Würdigkeit. Bescheidenheit. Jleiß und Güte in einzigartiger Weise mischen. „Und wenn der Mensch in seiner Oual verstummt, gab mir ein Gott zu sagen, was ich leide", ruft Tcvsso zcrguält auS.