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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-01-22 · 4 (22.1.1926) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
4 (22.1.1926)
Date
1926-01-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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! WWW ■• -r AsraelS Nachahmung gefunden faf, besitzen wir aber nicht nur t c i u e n tatsächlichen Be w ei s, sondern auch nicht einmal einen W a h r s ch e i n l i ch k e i t S - g r u n d. Tenn wenn Alms um Assyriens willen das Modell eines damaszenischen Altars nachüilden und das neue Gebilde im ierusalemischcn Tempel ausstellcn lief;, und wenn Manasse sich zum Lutte babylonischer Götter verirrte (2. Kön. 16, 18; 91, 8; 23, l ff.i, io war Verehrung anderer Götter immer noch etwas anderes, als daß man den von den Vätern ererbten Gott wie einen auSwärtiaen behandelt f>ätte. Ferner weint der Gniiae „nach seiner Königsburg hinoufgezogen märe", wie Monünclcl sich ausgedrückt bat. so batte er doch als ein Bildnis sitnaufgetragen werden müssen. Aber davon, -an im Tempel zu Jerusalem ein Bildnis des Ewigen aestauden Nabe, kann auch nach modernst aerichteten Forschern keine lneüc sein, wie mit deren Aussprüchen in meiner „Geschichte der gsttestamentlichen Religion" s1924!, S. 998 f. bewiesen in. Eine solche Nachahmung einer babylonischen Keremo.v.ie wurde aber auch von den Geschichtsschreibern und Propheten Israels nicht unbemerkt geblieben sein. Denn die Stimme der religiösen Verirrungen, die von ihnen entdeckt worden, ist. mic z. V. der Kult der babylonischen Tochter und des Thammnz in Ier. 7, 18 und Hes. 8. 5—15, ist eine sehr grobe.. F'ckgsgb vnE auck, die neueste Ausstellung, durch die man die n'tisraeUi-ich.- Literatnr babylonisieren zu können meint, als eine grundlose Hypothese bezeichnet werden. N-Ägion rmd Liebe. V" n Rabb. Dr. Gottschalk, Berlin. Eines der schönsten Bücher unserer Bibel hat einen Goethe schon entrückt und einem Herder schon Bewunderung ab gerungen: öas^.Lied der wieder SalomvnS". Ein „Hohes tficö" beißt dieser -^ang mit Recht, weil er das alte Lied der Liebe so innig und io rührend singt, so schmelzend und so schön anstimmt, wie man eS selten schöner hört. „Ich bin meines Geliebten, mein Geliebter ist mein." so subcll selig Sulamitb. ..Tu nahmst mir das Her.,, du Schwester und Braut." so jubelt selig Salomo. „Ich schüfe wohl, aber mein Herz ist wach", bekennt non sich die Liebende. „O lasmich deine Stimme hören, o last mich doch dein Antlitz scharrn," stellt sehnsuchtsvoll der Glückliche. Ten Hobe nun. kt aber erreicht -er Sang in reu cm Iiivelrus am Schlug: „Stark wie der Tod ist die Liebe. Hart wie das Grab die Leidenschaft. Ihre Gluten sind Flamweugluten. ein Feuer von Gott." Verwundert horchen wir wohl aus. wenn uns aus unserer linliaen Bibel derartiges cntgegen'chaltt. Und doch erklärt ein fvv-'wer JSciicr: „Hier iT{ das heiligste der Bücher." Gr iah in jenem Liebessang den Sang, den Gott mit uns annimmt Snlemith. das ist Israel, und Salomo, des ist Gott ic'b't Vir glauben nicht an diese Deutung. Aber wir nehmen sic znm Auloh, ein Tovvetthcina anz»- schlagen: TaS Ivdcntum. eine Religion der Liebe - die Liebe eine Religion des Judentums. Tos Indent,nm, eine Religion der Liebe. Es gibt wohl keinen zweiten Vorwurf, welcher so hartnäckig und itcif das tLegenteil behauptet.?'bee cs gibt auch keinen Borwurf, welcher io u'.iöcaründct ist. der io die Unkenntnis verrät der Grundlrast. welche in uns lebt: die lebt in allen unfern Lehren, die lebt in unserer Geschichte, die lebt in unserm Innersten. Nicht klarer kann man das beweisen als durch den Ansspruch unsres Mose: „Gott hat euch ia nicht ausgemählt und Hy, euch nicht herausgeführt aus irgend welchen äußeren Gründen, sondern allein, weil er euch liebte." So kann man also ruhig saacn: Ein Kind der Liebe sind wir alle,.äst un'"e ganze Religion! In Liebe wurden mic gezeugt. ui Liebe wurden wir geboren, mir Liebe wurden wir genährt durch Liebe groß und stark gemacht. Man könnte Seiten dawik füllen, wollte man all die Vcric nennen, die die Best^u„l'.ntg stützen können. Aber genügt denn nicht das eine, daß all hie menschlichen Beziehungen, in denen Liebe Grumdkratt ist. auch von dem Gott der Juden gelten? Als Mutter siebt ihn der Prophet, der uns. als Kind, so milde tröstet. Ein Vater ist er dem Pialmisten, der seiner Kinder sich erbarmt. Ein Bräutigam ist er Jeremias, der uns, der Braut, voll Liebe nach.zieht, ein Gatte ist er dem Hose''», der uns das Weih, nicht lassen will. Und ist cs nickt der Talinudweise. der Gottes Liebe darin siebt, daß er uns seine Kinder nannte? Und ist es nicht Iebuda -Haleoi, der innig einmal also sang: „Tu. dessen Liebe meinen Arm erhoben. mein Aug ichant zu deinen Himmeln droben." Und ist's nicht unser Philosoph, der zwei Worte ganz gleich erachtet: oeckoA einzig und ahawo, Liebe — als wenn er damit sagen sollte: DaS heiligste Bekenntnis lautet: „Höre Israel, der Ewige ist unser Gott, der Ewige, er ist die Liebe." Aber das sind ja nur die Lehren. Dazu kommt weiter die Geschichte. Wie war denn alles, alles möglich? Taft man sich martern lieh und quälen, abschlachten und verbrennen lieh, absperren lieh von Licht und Luft, von Glück und Freude, kurz, vom Leben? Es gibt darauf nur eine Antwort: „Die Liebe war das Gottesfeuer." Am Dornbusch, dort am Sinai, da Ist das Feuer aufgcflammt, und seitdem - lodert cs in uns und seitdem schreit's aus uns heraus mit all der inbrünstigen Glut, deren nur Liebe fähig ist. schreit cs heraus mit Hiobs Worten: „Und tvenn ec tausendmal mich tötet, ich harre dennoch sein!" Ach ja, zerfetzt von tausend Stichen sprachen wir doch an jedem Morgen mit schier erschütternd starkem Glauben und rührend unentwegter Treue: „Mit großer Liebe liebst du un§" — und betonten an jedem Abend: „Mit ewiger Liebe liebst du dein Volk!" Und zu der Lehre und Geschichte kommt schließlich dock auch unser Leb?n. Wir sollen hart sein, rauh und streng und rachsüchtig und unerbittlich, so sagen unsere Gegner gerne. Nun denn, man lerne uns erst kennen und wage noch, uns zu verleumden! Wir willen es doch selbst am besten, daß wir im Grunde ganz Gefühl sind. Und wenn nun manche Aussprüche, zuweilen hart und streng erscheinen, dann ist's bei Goit nicht unsere Schuld! Tann fällt die Schuld auf die zurück, die uns so hart und bitter machten! Fragt nnsre Mütter, unsre Väter, ob sie denn nichts von Liebe willen und Menschenmitleid gar nicht kennen! Nein, nein, wir brauchen cs nicht lernen, was wahre, große Liebe heiht. und niemand übertrifst uns darin! Tenn die Religion des Judentums — sie ist die Religion der Liebe! — Nur eines wollen mir nicht vergessen, was aus dem ersten Satze folgt: Tah Liebe Religion sein muh. die Erdcnliebe, wie man jagt. So verstehen wir heute die religiöse Deutung, d'e Akiba dem weltlichen Liebessang gab. Und in der Zeit der Masseuscheidung ist cs wohl gut, da'wn zu reden. Jugend zu warnen, zu ermutigen; ist's Zeit, das Wort, des Hoben Liedes in seinem Erdcnsiiin zu fassen: „Tie Liebe ist ein Gottes teuer." Ist ein G e h e i mit i S . wie Gott selbst. — Oder ist's etwa keilt Geheimnis? Will's irgendwer etwa erklären, dieses Htnüberivringen des Funkens, dieses Hinüberfluten von Strömen, dieses Sichsehnen, Sichverzchrcn, dieses Sichankkammcrn an einen unter so viel Millionen Menschen? Ist es nicht wirklich ein Geheimnis, das größer ist als Elternliebe und anders als die Kinderliebe und mit der Freundschaft nicht vergleichbar? Tah so viel Oital. so viel Tragödie, non jeher im Gefolge hat und doch sich immer wiederholt und immer neu erwartet wird, weil oft eben so tiefes Glück und tiefster Friede in ihm liegt. Wie aber das Geheimnis deuten? Nur die Religion rer maa es ganz Es liegt hier jenes Rätsel vor. nuf das die ganze Welt sich gründet. Liebe — sie ist eben ein Bündnis, das wir nicht bloß mit einem Menschen, nein mit der Ewigkeit eingehen, der Ewigkeit der ganzen Menschheit. Meint daS nicht auch da§ Psalmenwort: „Geschenk de? Ewigen sind Kinder?" Ia. nicht bloh nnsre Herzensfreude, nein. viel, viel mehr bedeuten die. die unserm Liebesbund entjvron'en: Boten der Ewigkeit sind cS und Boten an die Ewigkeit! Und was non Kindern, gilt von Eltern. „Wie schön, so Gott, ist deine Liebe" — d a S sollte eigentlich jeder fühlen, sobald der Funke überspringt. Ja. das. ist wahrer Liebe Schönheit, dah man Unendlichkeit umfängt und Ewigkeit gebären will! Ja. preist — in den Entscheid dungsstnndcn -- preist da nicht LiebcnSwürdigkeiten und glaubet dann, das ist die Liebe! Preist da nicht die Be^tranlichkeitcu und haltet diese für Vertrauen! Schwelgt da nur nicht in Seligkeiten und nennet diele etwa Seele! Nein, willst du. Jugend, dich bewahren vor grausamsten Enttäu slhunaen, dann pflanze es dir in dein Herz: „Tic Liebe ist eitt G o t t e S f c u c r." Dann miste. wa§ dich der Ver fasser der „Herzensvslichten" schon gelehrt, dgh jede Liebe auf der Erde ein Zweig sein muh öer' GotteSliebe. Tann höre aber attch genau daS fromme Wort des neuen Juden: „Das ist der Tag. Die Welt steht in Ehoräten. Wir blickten uns wie Heimatiucher an. Und heimgefunde» einten sich die Seelen." — Sind Heimatsucher aber nicht Gottessuchcr. ist Religion nicht das „GemütSheim" des Menicheu? — Und I dann lies endlich was Perez erzäb't: . . . „Ehaim ist Last-! .träger . . . und die Eheleute blicken sich in die Augen. so Nestevoll, so warm, so mit dem ganzen Herzen, als wären sie eben von der Trauung gekommen." — Sollen wir denn nicht aber auch Gott mit dem „ganzen" Herzen lieben? Wie ist bei Menschen dasselbe möglich's'" Und wieder erklärt nns das eine Wort alles: „Die Liebe ist ein G o i t c s fester. Dir lieben ihn ganz, wenn wir einen Menschen ganz lieben. — Und liegt danicht auch im Fortgang der Erzählung: „Wenn der Mann auf einem Stuhl im Paradiese sitzt", sagt die Frau, „ist daS Wort fein Schemel." „Nein," ruft er, „ich will es nicht! Ich werde mich zu dir niederbeugen. dich emporziehen und dich neben mich setzen. Wic sind so glücklich zusammen. Hörst du. auf einem Stuhle wirst Lu mit mir sitzen. Gott wird cs zugcben müssen!" - Wahrlich, der schlichte Lastträger hat es gewußt: Das Judentum, eine Religion der Liebe! Die Liebe eine Religion des Judentums! * wx Serfammlrmgskalender Berlin. (F ra u en a n § s ch u h d e S Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen G c m c i n - c zu Berli n. c. V! Tie nächste Frauenneriammlung findet am Mittwoch, dem 97. Januar 1996, abends 8.15 Uhr. im Saal der Synagoge Famnenstrahe statt. Fron Paula Olleudorf-Breslau wird über das Thema: „Erhalten und Ausbauen als Ausgabe der jüdischen Frau" sprechen. Wir erwarten zahlreichen Besuch. Gäste. Damen wir Herren, sind herzlichst willkommen! Berlin. >Libcralcr S n n a g o g e n v e r c i n Norden.! Tritter Gemeindeabcnd am Ticnstag, den 9. Februar, abends 8 Uhr, Schönhauicr Allee 199. T.-O.: 1. Was leistet die Iüd. Gemeinde für ihre Mitglieder? Herr Robert Hirschseld, Repräsentant der Iüd. Gemeinde. 9. Was leister unser Norden? Frau Bertha Faltenberg. st. Freie Aussprache. Alle Mitglieder, Freunde und Interessenten sind herzlich geladen. Eine halbe Stunde vorher. 7.30 Uhr püuktz lichst, findet am gleichen Orte die Generalversammlung der Ortsgruppe Norden des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der Iüd. Gemeinde statt. T.-O-: 1. Ge schäfts- und Kassenbericht: 9. Aussprache; 3. Neuwahl de- Vorstandes; 1. Anträge und Verschiedenes. Zu dieser geschlollenen Generalversammlung haben nur die Mitglieder des Liberalen Vereins Zutritt. — Alle Anmeldungen und Zahlungen werden erbeten an Herrn M. Gottfeld. NO 55. Heinrich-Rolter.-Siratze 24. Königstadt 1814. Postscheck Nr. 90 5,53. Berlin.!Liberale Synagoge Norden » Schönhauser Allee 169. AuerbachicheS Waisenhaus. Gottesdienst am Freitag, den 29. Januar, abends 7l> Uhr. Predigt Rabbiner Tr. Salomoniki. Sonnabend, den 9st. Januar, vormittags io Uhr. Breslau. jIüdiich liberaler Iugendverein „Abraham Geiger".! Gruppe: „Süden". Leitung: Alfred Berger, BreSlau 13. Augustastraße 67. Fernsprecher: Stephan 37751. Mntrvoch, den 9k. Januar, abends 6'Z Uhr. bei Karger. Klostc-rstrae 17. Einleitendes Referat: „Mein Weg als Deutscher und als Jude." Referent: Günther Goldblum. Freie Aussprache. VcreinSmitglicder, die der Ou-upvc nicht, angehörcn. alz Gäste willkommen. Frankfurt a. M. sF r c i s i n n i g e r B e r e > n s ü r j st d i« s ch e S G c m e i n d c l c b e n. Ortsgruppe der Vore i n i g u n g für d a S liberale Judentum, c. V., Berlin.! Der nächste Vortrag aus dem Znklus „TaS Judentum innerhalb der Kultur der Gegenwart" findet am kommenden Montag, den 95. Januar, aends 8 Uhr, im Saal des Tr. Hochschen Konservatoriums statt. Herr Rabbiner Dr. Eaesor Sel.'amann spricht über „Religion und Wissen s ch a ft". Karten bei Firnbcrg und an der Abendlaue erhältlich. Frankfurt a. M. <I ü d i s ch - l i b c r a l c Jugendg e m c i n i di a f t.) Montag, den 25. Januar 1990, abcndS 8 Uhr. im grotzen Saale deS Dr. Hoch'schen Konservatoriums, EscherSheimer Landstraße 4. Dortrag des Herrn Rabbiner Tr. E. Selsgmann: „Religion und Wissenschaft". Eintrittskarten aeaen Vorzeiguna der Mitgliedskarte in der Jugendbstcherstube Schatzki. Ratchenauplatz 12. Mittwoch, den 97. Januar, abends 9 Uhr: Heimabend bei Tr. Hoffman«. Niedcnau 37, Referat des Herrn Max GnntberSheim: „Wie «erhält sich unier alltägliches Leben, zur Wahrheitsliebe, die Religion und Ethik von uns fordern?" Tonnerskag. een 98. Januar, abends 8 Uhr. im BolkSbildungSheim, Saal 1. 3. Stock: Vortrag des Herrn Dr. Galliner mit Lichtbildern: „Der Jude in Rcmbrandts Kunst." Liegnitz. iL i b c r a l e r Verein der Synagogengemeinde L i e g n i tz.! Sonntag, den 24. Januar 1996. 8 Uhr abends. GesellschaftshauS: Bai pare. Alle Nachbar- Ilis sind herzlichst willkommen. Moizkowiki ist höher begnadet:?>!«« „.gd ein Gott daS erlösende und versöhnende Rachen des Verstehenden, der — im Nebenberuf iinmlctferl'kfcer. ,aästiger Melonhpliker —. alle Hinter-- und Abgründe des Lebens kennt und trotzdem feinen Humor nicht verloren hat Tie Familie Moszkvwskis stammt ans Südwestvolen; ans dem kleinen Piliza. jenseits der oberichtmifchcn Grenze: sie siedelte sc doch schon im zweiten Lebensjahr des Kindes nach Br c sl a u über: hier ist er ausgema-chren und hat die Schule besucht. Es sind nur zwei Söhne da, Alezmuder und Moritz. Beide hochbegabt, beben es zu Welh'n'bm gebracht. Moritz wurde Musiker und Komponist: seine Melodien haben sich alle fünf Erdteile erobert. Alexander war froh, daß er mit den „Talmitdiston dev dunklen Heimat" keine nähere Bekanntschaft zu schließen brauchte, sondern daß sich ihm schon so früh d e n t sch c KuUnr und Bildung erschließen durfte. Fnmitwn eines starren Kon-, servativismus hatte sein Vater schon liberales Judentum vertreten. R'ch^'drßr^nc-iger wird 'eine Incw"-) dnrch bestes und trautes jüdisches Familienleben mit all seiner Poesie und scnren Humoren vergoldet. Mehr als vierzig Jahre ist Moszkowiki Ebesredakteur der „Lustigen Blätter" gewesen. Wer zählt die Namen und die Menge keiner Witz- und Scherz büch er. feine Tausende und Abertausende lustiger, meist anonym erschienener Beiträge und Spaße, die viele Millionen Men'chen selbst in den trübsten Zeiten ihren Kummer vergessen ließen und ihnen ein befreites ^äcbeln entlockten! Fürivabr. Wilbelnr R --- g b c hatte recht, als er das Lachen für eine der wichtigsten Angelegenheiten der Menschheit erklärte, und den als den größten Wohltäter pries, der echtes Lachen lehren könne. — Ich ent- J sinne mich noch zn ant. wm wir einst draußen im Schützengraben über die köstlichen Wihbücher MoszkomskiS*! lachten, über die ..Unsioxbiicho Kist'". ..Die 'ühi'ckwn W'tze". üb-r dg.g .Freibad der Muten'. „Stuß im Jus", „Tie verstimmte Flöte" und wie die Nlkbände alle heißen mögen, die sämtlich nicht auf bloße Lnstili-macherel ansgeh-"«. 'andern meistens in heiterernster Weltbetrachtnng w'chtioste Probleme in witziger und darum nur um so eiudrucksvollercr Weise „klären". Obwohl die wahren Humoristeir so selten sind, wie die wahren Rrvpheten. obwohl Moszkowiki auf diese Weise eine der seltensten Spezies ans der Gattung „homo literaricus“ ist, — mit all seinen Scher.hmmmlungen wird er schwerlich aus die Nachwelt kommen. Die Witze werden bleiben, ihr Sammler wird im Gedächtnis spaterer Generationen keine große Rolle spielen. — Allein was er als Gelehrter, als Phi- *! Alle Bücher Mofzkowski's sind im Verlage von Fontane &. Eo.. Berlin, erschienen. losovh. als Sprachforscher, als wisienschgstlichef Povula > ilator geleistet hat. kann nickt nntergehen und wird für immer seinem Namen ei«"« Ehrenvlatz in der deutichcn EwisteSgeschichte sichern. Es ist ein ganz erstaunlich großes säiriit- >' ellerischrs Lebenörrcrk. das er ais Alternder noch getchotst^ dal. Künstlerisch gm einheitlichsten komponiert ist vielleicht das Philosoph!'"che Werk „Die Welt non der Kenc'eire" mit dem witzigen. Kant travestierenden. Ilntertitcl ..6iue Philosophie der reinen. Gallo". Diese sarkastisch klingenden Interpretationen nuferer Kultur, in denen im Grunde genommen doch io viel Einfach-WahrcK steckt, sind im gewissen Zinne der be freiende Aufdruck ttir die innere Zerrisienbcit unserer Zeit. Das Bild, dos uns entworfen wird, wirkt nur im ersten Augenblick fremdartig und übe>'ra'chrnd: ngw fuvcv Lektüre bereits muß man den fröhlichen Sieg, den hier rücksichtslos^ itnb vor keiner Kvnseaucnz zurückweichondr Logik erficht, laut bejubeln. Ernster ist seine S p r ach« Hs l os o v h i c. die eine vortreffliche Paraphrase de? Man-Hnorichen IdecngeboudeS bildet und auf die Wandlungen in der weivrachenen und geschriebenen AusdrnclSform ein nettcS Licht wirft. ES steckt viel avhoristiich ausgezeichnet Geformtes in dem Werk, das zur Weltgeltung deutscher Sprache und Kultur mehr beigetragcn bat. als die zahlreichen dickleibigen und fchwerverständlichen Wälzer der züustigen UntnersitätSphilotovhie. Wie alle Moszkoms'k-.fchen Werke hat auch dieses den Vorzug, daß jeder Fabrikarbeiter es leien und verstehe;', kann. In der „A beut e u e r licke n E n t h e ck u n g S t n h r t". „Die Inseln der Weisheit" hg; Mos'kcwsti icinc nie erreichbaren „l^estadc der Sehnsucht" geschildert an denen die brennen dilcu modernen sozialen, potiti'chcv und tünstlerischen Pvoblemc uerwirkuchf sind.?lmüiant. rcichhaltia und vielseitig sind de? Dichtergelebrten Popularisicrnn g e n ntr d e r nncmifien f ch astl teste r Probleme, vite B. fein „E i n st ein. Einblicke in seine Gedankenwelt", die über die leichte UnterhaltungSform hinweg in die untaßbareu Wunder de? Daseins cinführen. Wen die Abstraktionen des Eivüc'inlv'ches etwas ermüdet hasten, der ilück-e sich zu Moizkomitis ichövßern Buch, dem „V e n u spar l", ''einen „P haut a s i e u i\ b c r Liebe und P st i l o'i'o p h i e". — Auch hier ist literarisches Neuland: ZUM erstenmal ist das Mysterium der Liebe von einer über Zeit und Raum erhabenen Warte aeschaut. die völlig neue Gesichtspnnkte gestattet. Ans eine besonders köstliche Arbeit Moszkr'wsisis 'ei noch bingemiesen. aus seine „PH i los o p h i e d e s jüdischen Witze s". Tiescn kleinen Aufsatz, der die Einleittma zu seinem .Buche „Der jüdische Witz" bildet und vor Jahren in der „Jüdisch-liberalen Zeitung' erschienen ist. sollte iedcr kennen, der sich für die Psyche des Judentums interessiert. Im Aufträge der Redaktion dieser Zeitung interviewte ich <n voriger Woche den sr-eundlichen alten Herrn in seinem schönen Heim in der Fasanenstraße. um mit der nicht ««■ edlen Neu gier de? „Reporter?", die er so oft treffend verspottet hat. „Nova" zu erfahren. „An diafcm Pnlt". erzählte er. und zeigte >nu seinen Schreibtisch, „habe ich viele Jahrzehnte hindurch täglich von 4'/: 11 hr morgen? ab gearbeitet". Jetzt gehts mit dem Schreiben. meine? Augenleidcu? wegen, nickt mehr io aut voran." Und dann erzählte rv §yK seinem reichen Leben - „Mit meinem ersten Scherzbuch „?lnton Notenquetseher", habe ich mir vor mehr al? einem Menschenleben viele Freunde und Leier cr^ worben. Leider erfuhr ich erst zn spät von meinem brrühm-.- testen Distanzvcrehrer I o h a u n e S BrahmS, ster mich it< feilten Briefen an Timrock io oft ermähnt und grüßen läßt: dieie Grüße sind mir bedauerlicherweise erst la-nae nach dem Tode de? Meister? auSgerichtet morden." — Dann zeigte Mir Mosztomiki seine in viele fremde Sprachen überietzien Bücher. UnentzilfcrLar für int? beide war die i a p-an i ich e Ausgabe seine? EinsicinbucheS. --- Sein liebste? Werk ist ihm der „Venu? park". Seine schönsten Erinnerungen sind ihm der Verkehr mit seinen beiden Freunden A l b c r t E i n st e. i n und W a l t h e r R a t h e n a n gewesen. Zwei hübsche Oelaemäldc. die Ra Genau gemalt hat. hängen in seinem?srste>t?zimmcr. Ich fragte, mic er zum Judentum stände. Er erwiderte, daß er „immer bei der Stange geblieben ici" und unsere liberale 9l n f f a s s u n g teile. — Erst vor kurzem habe er in ciuein Nebenramn. der Synagoge in der Fatanenstraße einen Vortr.aa über die Philosophie de? jüdischen Humor? gehalten. „Sie wollen einen Gratulation?artikel zu meinem GeburrStog schreiben", stigte er mit leiser Resignation. „ES dürfte vielleicht eine Siilübung für einen baldigen Nekrolog werden!" — Ich widersprach lebhaft und gab der Hoffnung Ausdruck, daß unser uralter jüdischer GeburtStagSwunfch: „Bi? hundert Jahr" ft di noch crsüllen. m öchte!" — Znm Feste de§ Ivstilar? sind Wünsch«' in nnübersehbarcr Menge aus allen Ländern eingetro-ffen. Wir können uns den Worten anschließen, die der Berliner Oberbürgermeister Böß in seinem ausführlichen Gratulationsbriese, schrieb: „Sie haben nicht nur al§ witziger Beobachter an der Spree seit Jahrzehnten dafür zu sorgen verstanden, daß Ihre Zeitgenossen 'elbst in schlimmen Zeiten nicht die aute Laune verloren, sondern Sie schufen auch phi-oiophi'chz Werke, die. mit 'heiterer Anmut g^'ormt. neue Wege der Erkenntnis suchen und über unsere Zeit hinaus wirken werden."

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