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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-01-15 · 3 (15.1.1926) · page 7

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
3 (15.1.1926)
Date
1926-01-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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\ direkten Steuern wie im Vorjahre beschlossen. Außerdem wurden verschiedene Fragen erörtert und einige dringende Gesuche erledigt. Die v'vrgelegten Entwürfe für Mustcrfatznngs.u der Gemeinden wurden an den Berfassungsausschutz verwiesen und als Termin der in diesem Jahre in AiH'.öburg zusammentrctcnden Tagung der 21. und 22. Fevruar 1926 endgültig festgelcgt. Nürnberg. (70. Geburtstag von Adolf Schwarz.) Einer der hervorragendsten Wohltäter der Nürnberger dtultusgemeinde, Herr Adolf Schwarz, dessen WohltätigkeitL'inn ebenso groß ist wie seine Bescheidenheit, konnte am 6. Januar d. I. seinen 70. Geburtstag feiern und wurde bei v-.esem Anlas; außerordentlich geehrt. Ueberall, wo eS zu raten und zu Helsen gabhat dieser weitblickende und int* »rmüblich tätige Mann seine Kraft und Hilfe der Allgemeinheil zur Verfügung gestellt. Die von Sanitätsrat Dr. Münz gegründete Kinderheilstätte in Bad Kissingen, an deren Spitze Adolf Schwarz schon viele Jahre steht, verdankt ihr Aufblühen hauptsächlich seiner unermüdlichen Arbeitskraft. In Verbindung mit dem schönen Kinderheim hat der Ge- 'uannte eine Geucsuugsstättc für werktätige Mädchen in Kissingen ins Leben gerufen. Das Kindererholungshcim Förth bei Nürnberg, welches der Nürnberger Gemeinde gehört, ist non Adolf Schwarz auf feine Kosten errichtet und .zum größten Teil ausgebaut worden. Für ein Erholungsheim für unbemittelte Frauen in Bad Reichenhall hat Adolf Schwarz durch eine Stiftung den Grundstein gelegt. An dem Lazarus- und Bertha Schwarzschcn israel. Altersheim H Nürnberg ist Adolf Schwarz seit 25 Jahren in hervorragender We'se tätig. In der Taubstummenanstalt Neu- Weißcnsee bei Berlin gehört der Jubilar seit vielen Jahren zum Vorstand. Auch in der städtischen sozialen Fürsorge arbeitete Adolf Schwarz fast 30 Jahre als Waisenrat. Uebe'rall sind die segensreichen Erfolge eines edlen und hochgesinnten Menschen, welcher in all diesen Werken heute noch im Verein mit seiner gleichgesinnten Gattin Julie in unermüdlicher Weise besorgt und tätig ist. An seinem Ehrentage erhielt der Jubilar den Besuch von zahlreichen Abordnungen, bei welchen Herr Rabbiner Dr. Freudenthal die Glückwünsche ausjprach für das Kindererholungsheim Forth, Herr Ottcnsooser für die Kinderheilstätte Kissingen, Herr Vizepräsident Dr. Leob für die Maimonides-Loge, Herr Aufscesser für das Schwarzsche Altersheim. Möge dem allverehrten und vorbildlich wirkenden Manne noch ein langer und glücklicher Lebensabend beschießen sein. Regen sburg. oft a b biner D r. M e n e r gestorbe n.) Distriktsrabbiucr Herr Dr. S. Mcycr-Rcgensburg ist dieser Tage in Rcgcnsbnrg nach kurzem Leiden verschieden. Er war Msolvent des Berliner Rabbiner-Seminars und Schüler von Dr. Esriel Hildesheimer. Er war Mitbegründer und erster Redakteur der in Berlin erschienenen, später von Dr. Hirsch Hildesheimer herausgegebenen Wochenschrift „Die jüdische Presse". Später wurde er Bezirksrabbiner in Regensbnrg und verblieb auf diesem Posten bis vor wenigen Wochen, da er sich zur Ruhe setzte. 42 Jahre lang hat er in Regensburg die „Deutsch-Israelitische Zeitung und Laubhütte" hcrausgegeben. Fast sämtliche Aufsätze dieser Zeitung waren von ihm selbst verfaßt. Er war also nicht allein der Senior des Bayerischen Rabbinats, sondern auch ein Veteran des indischen Journalismus. Schncidemübl. (Einweihung der Leichenhalle.) Unser Friedhof, für den schon seit Jahren nichts Durchgreifendes getan wurde, entsprach nicht mehr den Anforderungen der heutigen Zeit. Eine vollständige Umgestaltung desselben war zur unbedingten Notwendigkeit geworden. Ohne jede Aufsicht, für jeden Unbernfencn mit Leichtigkeit zu erreichen, lag er da. So kam cs auch, daß während der politischen Unruhen, die nach dem Weltkriege unser Vaterland durchtobten, auch unser Friedhof nickt verschont geblieben ist. Etwa 72, znm Teil wertvolle Grabsteine wurden von ruchloser Hand zweimal zerstört, ohne daß man der Verbrecher habhaft werden konnte. Schon vor mehreren Jahren trug sich der erste Vorsteher unserer Gemeinde. Herr Stadtrat Louis Schneider, mit dem Gedanken, unseren Friedhof neu umzugestalten. Die für diesen Zweck von den hiesigen Gemeindemitgliedern und den auswärts wohnenden ehemaligen Schneiöemühlern gesammelten Geldbeträge wurden in der Inflationszeit entwertet. Aber trotz der ungünstigsten Zeitverhältnisse ging Herr Stadt rat Schneider doch an die Verwirklichung seines Planes. Unter seiner bewährten und umsichtigen Leitung wurden bereits vor einigen Jahren die ersten Arbeiten ans dem Friedhof vorgcnommen, und dank ii’fner unermüdlichen Bemühungen konnte bereits Anfang norigcn Jahres ein neuer Torweg und eine neue, bequemere Ausfahrt fertig hergestellt und ein angrenzender neuer Teil am Friedhof erworben werden. Im Februar 1925 konnte auch schon das neue Gärtnerhaus ferner Bestimmung übergeben werden, und ein Friedhossgärtner, dem die Neueinrichtung und Instandhaltung des Friedhofes obliegt, bewohnt es bereits seit April. — Da sich auch die vor wehr als 30 Jahren erbaute Leichenhalle als zu klein und unbequem erwies, wurde auch diese durch einen Umbau vcrarößert und am 27. Dezember, gemeinsam mit dem neuen Friedhosteil, durch Herrn Rabbiner Kronheim aus Frankfurt a. M., der am Sabbat vorher in unserer Gemeinde feine Gastprediat hielt, aufs feierlichste eingeweiht. Eröffnet wurde die Feier durch Gesang (Ps. 30) des unter Leitung unseres Kantors Herrn Helischkowski stehenden Synagogen- Ebors. Alsdann überreichte Herr Mar Sommerfeld im Aufträge der PauUrma Adolf Sommerfeld mit einer kurzen Ansprache die Schlüssel dem Vorstandsmitglied Herrn Justizrat Soloin. dem Vertreter des ersten Gemeindevorstehers Herrn Stadtrat Schneider, welcher infolge Unpäßlichkeit zum größten Bedauern der zahlreich versammelten Gemeinde- Mitglieder an der Feier zu erscheinen verhindert war. Herr Justizrat Soldin begrüßte zunächst die Vertreter der umliegenden Gemeinden, dankte ihnen für ihr Erscheinen und gab alsdann einen kurzen Rückblick über den Werdegang der Halle. Auch gedachte er in anerkennenden Worten derer, die sich um den Ban der Halle verdient gemacht haben, insbesondere des nnermüdlichcn und verdienstvollen Herrn Stadtrat Schneider. Alsdann weihte Herr Rabbiner Kronheim die Halle und den neuen Teil des Friedhofes in einer wohldurckdachten, zu Herzen gehenden Rede ein. Chorgesang beendete die erbebende Feier. — Hierauf begab sich die Versammlung an das Grab des Rabbiners Brann, der über 50 Jahre in unserer Gemeinde segensreich gewirkt und seinerzeit die critc Leichenhalle eingeweiht hatte, und Kantor Helischkowski rezitierte das El mole rachamim und sprach das Kaddisch-Gebct. — Nach dieser erhebenden Feier begab sich Herr Rabbiner Kronheim mit Vertretern des Vorstandes und der Repräsentanten in die Wohnung des Herrn Stadtrat Schneider und dankte ihm für seine großen Verdienste, die er sich um den Friedhof bzw. um die Neugestaltu;m der Fricdhofsoerhältuissc erworben hat. Sn'i ne münde. (Kantor O s ch e r o w i tz g e st o r b e n.) Kantor und Lehrer I. Oscherowitz, dem Generationen ihre religiöse Ausbildung verdanken, ist vor einigen Tagen verschieden und von einem stattlichen Trauergefolge zu Grabe geleitet worden. Rabbiner Dr. Bär-Prenzlau gab der allgeweuien Trauer der israelitischen Bevölkerung der Stadt in cv<ivcifeitiicit Worten beredten Ausdruck. Wien. (Wahl des K u l t n s p r äsi d i um s.) Der Knltnsvorstand hat in seiner letzten Sitzung das Präsidium sü'- das kommende Jghr gewählt. Der Präsident der Kultusgemeinde, Generalstabsarzt Dr. Pick, erscheint für die ggnze Mandatsdauer von vier Jahren gewählt, so daß sich die Neuwahl nur auf die beiden Vizepräsidenten erstreckte. Herr Tr. Jakob Ornstein tUvion der österreichi, scheu Juden) und Dr. Joseph Loewenherz (zionistische Fraktion) wurden mit allen Stimmen wicdergewählt. Das neugewählte Bertreterkollegium setzt sich aus den Herren Gemeinderat Dr. PlaschkeS und Dr. Friedmavn (Zionisten) und aus den KultuSvorständen Baurat Kemvler, Dr. Ticho, Regierungsrat Oppenheim, Kauders (Union) und Pappcnheim (Agudah) zusammen. Hamburger Brirf. Im Rahmen der von der „Zionistischen Vereinigung" veranstalteten Vorträge über das Judentum sprach am 7. Dezember Professor Guttman-Bcrlin über Jehuda Halem als religiösen Denker. Zweierleiso glaubt der Vortragende — macht das Eigentümlich-Besondere in der gedantlichen Leistung des Jehuda Halevi aus: Er ist Dichter und Denker, und nicht eines neben dem anderen, sondern als Dichter auch Denker, als Denker auch Dichter zugleich. So ist auch daS Werk seiner Philosophie getragen von der ganzen Stärke seines persönlichen Lebens, von der ganzen Fülle und Tiefe seiner Menschlichkeit. Das scheidet ihn wesentlich von der allgemeinen Haltung der zeitgenössischen Philosophie. Dazu aber kommt als ein Zweites in Hinsicht auf den Gehalt seines Werkes ein Gegensatz von noch größerer Bedeutung auch zu den L e h r m e i n u n g e n seiner Zeit. Es ist die allgemeine Absicht mittelalterlichen Denkens, die Wahrheit der Religion in philosophischer Untersuchung zu erweisen. Es ist -er allgemeine Glaube, die feste Zuversicht der Zeit, das Resultat fast aller ihrer Untersuchungen, daß religiöse Offenbarung und philosophische Erkenntnis nur verschiedene Mittcilungsformen ein und desselben sind, daß alle Philosophie nichts anderes vermag und soll, als den Grundgehalt der Religion zu stützen und seine Wahrheit aus dem Zusammenstimmen mit dem Vernünftig-Wahren abzuleiten. Dagegen wendet sich die Meinung Jehuda Halevis. Er leidet Religion und Philosophie, er stellt das religiöse Leben auf sich selbst. Tic „Wahrheit" der Religion kann nicht durch philosophische Spekulation bewiesen werden. Sie ist gegeben durch das Faktum der Geschickte. Aber — und darin liegt nun erst weiter das Eigentlichste seiner besonderen Leistung — wäre es selbst auch möglich und erforderlich. daß Philosophie unser Wissen von Gott als Wahrheit erweist, so wäre doch damit eigentlich noch nichts gewonnen. Die letzte „Wahrheit" der Religion ist nicht sowohl in einem solchen Wissen von Gott, als vielmehr vor allem in lebendiger Verbundenheit mit Gott zu suchen. — Aus dem Sehnen nach solcher Verbundenheit sind alle Religionen erwachsen. Aber nur die ist wahre Religion, die solche Verbundenheit w i r k l i ch e r s ch a f s t. Das wird nicht möglich in Willen und Bemühung des Menschen allein, sondern nur, wenn Gott selbst dem Menschen cntgeaenkomwt: Wirkliche Verbundenheit mit Gott wird denMevscken zutcit in wesentlich passsivem Empfangen, im Erlebnis göttlicher Offenbarung. Unter Offenbarung aber ist nicht ein einmalig historisches Ereignis zu verstehen, sie ist möglich und wirklich zu jeder Zeit und in verschiedenen Graden: Offenbarung ist nickt allein in der Erfahrung des Propheten, sie ist auch wirksam im religiösen „Alltag", im täglichen Gebet, in der täglichen Zeremonie jedes einzelnen Frommen. — Sie wurzelt nicht im Verstände des Menschen, sondern in einer besonderen Sphäre seines Bewußtseins, sie ruht allein im religiösen Gefühl, Es kann kein Zweifel sein, daß diese Gedanken den Ucbcrzeugungr.. auch unserer Zeit in erstaunlicher Weise cntgegcnkvmmen. Es ist auck unsere Meinung, daß die „Wahrheit" der Religion nicht in einem Wissen von Gott, sondern in lebendiger Verbundenheit mit dem göttlichen Wesen beruht. Es ist auch unser Glaube, daß eine solche Verbundenheit im Erlebnis einer inneren „Oisenbarung" sich vollzieht, daß sie nickr Sacke des Verstandes, sondern Erfahrung religiösen Fuhlens bedeutet. Aber damit ist doch das Ganze der Meinung des Jehuda Halevi nicht Umrissen. Und neben diese auch heute noch onmutenden Ueberzeugungen treten in ihrer näheren Ausgestaltung Gedanken von wesentlich anderer Natur, die we'tgehend non modernem Empfinden sich scheiden. Genuß, die Verbundenheit mit Gott, wie .Fehnda Haleni sie als das Wesen des Religiösen konzipiert, ist auch von ihm gedacht als innerliches Verbundensein, als Gestühl der Frömmigkeit, wie wir sie. denken. Aber sie ist zugleich auch rein äußerlich gefaßt in einer Weise, die wir wohl noch begreifen, aber nicht mehr innerlich mitzumachen fähig sind. Auch äußerlich ist der mit Gott Verbundene vor allen anderen ausgezeichnet. Er steht in dem besonderen Schutze Gottes, nicht wie die anderen dem Walten der Naturgesetze onsgeliefeet. in Gottes mittelbarer Macht, sondern direkt und unmittelbar dem göttlichen Willen unterstellt. — Und ebenso wird auch jene besondere Gabe religiöser Empfänglichkeit in eigentümlich äußerer Weise näher bestimmt: partiknlaristisch und naturalistisch zugleich. Sic ist nur wenigen Anscrwählten zuteil, sie ist allein dem Stamme Israel verliehen, an ihn gebunden, in ihm erblick von Geschleckt zu Geschlecht. — Allerdings, Jehuda Halevi empfindet selbst die Schrofiheit einer solchen Theorie. Er sucht sie zu mil dern: er glaubt immerhin an eine gewisse Möglichkeit des Proselytentnms. er denkt die volle Aufhebung ihres PartikulariSmus für die messianische Zeit, und er kennt neben der partikularen Sphäre des Religiösen einen unbedingten Universalismus der Sittlichkeit. Alle empfangen von Gott den L-'-chn für das Gute, das sie tun. Nur die übersittliche Seligkeit religiöser Gottverbundenheit ist dem Hause Israel Vorbehalten. — Und dieses io partikular gedachte religiöse Gefühl wird zugleich naturalistisch gefaßt. Es gedeiht nur auf dem Boden Palästinas, und es bedarf, wie alles Natürliche, der Pflege, der Pflege durch die Ausübung des ritualen Opfergcsetzes. Dieses allein hat die Kraft, der non Gott gegebenen religiösen Fähigkeit zu voller Realisierung zu verhelfen. Damit dringt ein Gedanke, ähnlich dem Gedanken des Sakraments, ein eigentümlich, dem Judentum Fremdes in die Lehre des jüdischen Denkers ein. Will man versuchen, das Ganze seiner Philosophie zu verstehen, und auch das seltsam Fremde und heut uns innerlich Ferne in ihr zu begreifen, fo wird es notwendig, ihr Z u st a n d e k v m m c n zu betrachten. Tann zeigen sich deutlich zwei Momente am Ausbau ihrer Gedanken beteiligt: Das eigenste religiöse Erleben, das persönliche Gotterfahren des Denkers und die Wirksamkeit einer allgemeinen theoretischen Ileberzeugung seiner Zeit. Alles Leben, so ist die Meinung dieser Theorie, konstituiert sich, indem eine höhere Kraft der Formung die ungeformte Materie erfaßt und jedes Stück des stofflichen Teins nach der in ihm angelegten Disposition gestaltet und erst eigentlich realisiert. So scheiden sich nach der verschiedenen „Angelegtheit" der Materie pflanzliches. tierisches und ^menschliches Sein: so scheiden sich weiter die einzelnen Gattungen der Pflanzen, Tiere und Menschen, so scheiden sich endlich auch die verschiedenen Menschen selbst. Bon hier aus ist gewiß nur e r n Schritt weiter, auch eine besondere Disposition für den religiösen Menschen, eine eigentümliche besondere „Angelegenheit" für die Realisierung des religiösen Lebens anzuietzen. Von hier aus wird so der Partikularismus und zugleich feine naturalistische Tönung in der Religionsphilofophie Jehuda Haleviverständlich. ' - Allerdings, seine partikulare Bestimmung des retts giösen Erlebens beruht ohne Zweifel nicht nur nt dem Einfluß der zeitgenössischen Philosophie. Sie hat ihren Gruuüi auch in dem eigentümlichen Wesen des Judentums selbst, irr der Spannung zwischen partikularem Träger und universalem Gehalt, die sein eigenstes religiöses Sein bezeichnet^ Die jüdischen Denker des Mittelalters hatten im allgemeinen vor allem den Universalismus der jüdischen Religiost betont und ihren besonderen Träger als mehr oder m-indev zufällig beiseite gestellt. Demgegenüber bemüht sich Jehuda Halevi nun. Israel s e l b st in dem Ganzen des religiösem Sachverhalts seine bestimmte und notwendige Stelle zst sichern. Es ist unzweifelhaft — so meint der Vortragende daß in in dieser Hinsicht auch seinem zunächst nur fremd und zeitbedingt scheinenden Partikularismus des Religiösen eine besondere und übcrhistorischc Bedeutung gebührt, eine Bedeutung, die auch für die Gegenwart ungemindcrt fortbesteht^ durch für den Juden unserer Zeit ist die Spannung zwischen. NniversaliSmns und Partikularität im Judentum ein lebendiges Problem. Der Weg zu seiner Lösung wird heut gewiß ein anderer sein, als es der Weg war, den Jehuda Halevi einschlagen konnte. Aber Problem und Frage selbst — so schließt Prof. Guttmann — sind unzweifelhaft angclcgcndstc Verpflichtung auch für das Judentum von heute. Sind sic das wirklich'? Und wenn, sind sic cs auch» in dem bezeichneten Sinne? Die Spannung zwischen partikularem Träger und universalem Gehalt der Religion, f» will mir scheinen, kann ein Problem in dreifachem. Sinne sein. Sie ist zunächst tatsächlich ein spezifisches Problem des Judentums. Auch das Judentum war erwachsen, wie die Religionen der Völker ringsum, als- Vo l k s religion. Aber cs wuchs in steter Entwicklung darüber hinaus. Ter Gott Israels wurde zum Herrn der Welt. Damit war die organische Verbindung von Gottheit und» Volk innerlich gelöst. Und es scheint kein Zufall, sondern Notwendigkeit heiligster Schicksalsbestimmung, daß nun auch, äußerlich das Volk sich zerstreute und der Tempel Jerpschulajim in Trümmer sank. Gewiß, das volle Auseinander» treten von Volkstum und Religion konnte nicht vov heute auf morgen geschehen Und so blieb denn dem Judentum zunächst ein Riß und eine Spannung zwischen Ursprung und Ziel, zwischen dem völkischen Leben, aus dem es erwachsen war. und der universalen Religion, aus die hin seine Entwicklung tendierte. Damit ist das Problem Jehuda HaleviS bezeichnet. Aber so wenig wie seine Lö'sung modernem Empfinden entspricht, so wenig kann auch dies sein Problem selbst noch eigentlich Problem und Frage für beute bedeuten. Wir erkennen das Volkstum Jisrocl als Vorstufe und Vorbereitung der ersten universalen Religion, unser Weg aber gMt im Sinne der historischen Bestimmung in die Zukunft gerichtet, und jener einstige Zwiespalt zwischen Volkstum und Willen zur Welt scheint uns in seinem wefcntlichsten durch die G c s ch i ch t e f c i Oft gelöst und über* w u nde n. Aber die Spannung zwischen Partikularität und Uni» versalismus kann noch mit Zweites und aude'ws bedeuten, sie kann uns ein Problem der R e l i g i o n e n überhaupt bezeichnen. Gott ist nur Einer, so ist der Glaube eines jeden. Aber welche von den verschiedenen Bckcnnungen des Menschcn saßt sein Wewu wahr und ganz? Oder wie sollte e8 möglich sein, daß der eine Go t t in. so vielen und mannigfaltigen Formen zum Menschen spricht? Fasten mir unser Problem in diesem Sinne, so denken wir unzweifelhaft eine Frage non höherer Bedeutsamkeit. Aber ich glaube, daß auch hier eine Antwort möglich, daß ne im Grunde mit dem neuzeitlichen Geist der Toleranz g ege den ist. Wir kennen die Antwort L e s s i n g s und seine Geschichte der drei Ringe. Aber schon lange vor ihm war Aehnliches auch die Meinung jenes Mannes, der. am Beginn der Neuzeit, der erste Mensch der Renaissance in Deutschland mar. die Meinung des Nikolaus EuianuS: Der endliche Mensch kann das unendliche Sein der Gottheit nicht anders denn mittelbar, nicht anders denn im Zeichen, im Snmool erfassen. Und wie cs »erschiedenc Worte verschiedener Sprachen zur Bezeichnung ein und desselben gibt, io ist es auch wahrhast eine Gottheit, die in der Vielfalt religiöser Snmbole svricht, in jedem von einer anderen Seite gesehen, in keinem unmittelbar und wirklich umfaßt und doch in jedem gemeint, bezeichnet und voll und ganz lebendig. „Una est religio in varietale rituum." 'Aber unser Problem kann endlich noch eine dritte Bedeutung haben. Es kann uns endlich auch auf das Wesest ücS religiösen Glaubens selbst beziehbar sein. Ist allem glauben nur den Atem göttlichen Lebens. Aber nur -wenige sind, in denen göttliches Leben Wirkung gei winnt. Vielleicht wäre dagegen git sagen, daß nur unser j Auge es Et. das nicht vermag, in jedem die Aeutzerungj göttlichen Wesens, in jedem ein Gutes und einen Guten zst sehen. Aber damit wäre unser Problem zuletzt nur ucr* schöbe, vom Objertinen ins Subjektive gewandelt und nicht wahrhaft gelöst. Doch vielleicht ist cs auch, 1 o gefaßt, unlösbar aus innerer Notwendigkeit Und diese Spannung zwischen partikularem Träger und universaler Tendenz bleibt uns als unbedingt unaufhebbar, als die siele Triebkraft der religiösen E n tm i cklung . mm Stufe zu Stufe vorwärts, und weiterdrängend, die volle Verwirklichung oder die volle Erfassung Gottes im Ganzest des Lebens, das Bild der mcssstinischen Zeit, vor Augen als Richtpunkt nnd ewig letztes Ziel aller menschlichen Be-, mühung .... H a n s M a r g o l i u s. Aus der Bewegung r 444444444444444444444444444444444444444444444444« Haigerloch lHohcnz.). Unser rühriger Gesinnungsfreund Herr Alfred Levi hielt am 2. Januar im vollbesetzten Rosensaal einen Vortrag über die Ziele des religiösen Liberalismus. Tie Zuhörerschaft folgte seinen Darlegungen mit großer Aufmerksamkeit und nahm diese mit starkem Beifall! auf. Auch die Angriffe eines Diskussionsredners gegen die Ausführungen des Referenten änderten nichts an der Tatsache, daß der religiöse Liberalismus in der Gemeinde startp Wurzeln geschlagen hat. 44444444444444444444444444444444444444444444444444444444444» fff! versammlungskalender |ffl 1 (MA ♦ » Ms ♦ 4444444444444444444444444444444*4444444444444444444444444444 Berlin. (Liberale Snnagogc Norden.» Schöne Hauser Allee 102. — Aucrbachiches Waisenhaus. Gottesdienst^ am Freitag, den 15. Januar, abends 7stst Uhr, Predige Rabbiner Dr. Salomont'ki. Sonnabend, den 16. Januar, vormittags 10 Uhr. Breslau. (Jüdisch-liberaler Jugendverein „Abrasiam Geiger".! Mittwoch, den 20. Januar, abends G8 Uhr, bei Kernhäuser, Freiburger Straße 6, Generalversammlung. 1. Geschäfts- und Kassenbericht. 2. Neuwahl des Vorstände!.'. 3. Festsetzung des Beitrages für das laufende Geschäftsjahr. 4. Unvorher, gesehenes. — Abends 8% Uhr Vortrag des Herrn Gemeinde- Rabbiner Dr. Vogelstein: „Probleme.der Betrachtung.des Judentums in seiner

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