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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-01-15 · 3 (15.1.1926) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
3 (15.1.1926)
Date
1926-01-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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In markiger, allen zu Herzen gehender Weise — häufig von brausenden Bravorufen unterbrochen — sprach der - ebenfalls nichtjüdische Vertreter des preußischen Provi uz ialschulkv liegt ums. Er führte auS, daß die preußische Behörde und die Verwaltung dieser jüdischen Schule sich häufig ein klein wenig gestritten hätten, datz dieser Streit aber bloß die Freundschaft und die Harmonie gestärkt habe. Auch er betonte die große Machl der Tradition und legte in wirksamem. geschichtsphitosophischem Aspekt dar, daß es Deutschland bisher immer nur daun gut gegangen sei, wenn die Leitsätze des de u t s ch e n Idealismus herrschend gewesen seien. Wahrer deutscher und wahrer jüdischer Idealismus seien aber zwei durchaus gleichgerichtete, tief blutsverwandte und innerlich ganz gleichartige sittliche Strebungen, die dem Aufbau des neuen, besseren Deutschlands nutzbar, gemacht werden müßten. Deutschland wolle und könne auch die religiös-ethischen Kräfte des deutschen Judentums me entbehren! — Dies sei auch die Ansicht seines verstorbenen Freundes, des liberalen Rabbiners Dr. Coblenz, gewesen. Nach den Reden des Vertreters des Vereins ehemaliger Schüler der Anstalt und des Herrn Hirschfeld vom Jüdischen Lehrerverein folgte die große und eingehende Darstellung der Geschichte der Schute durch den Jubilar, den Schuldirektor Dr. Gutmann. Es würde natürlich zu weit führen, an dieser Stelle die hochinteressanten kulturhistorischen und allgemein-geistesgeschichtlichen Ausführungen wiederzugeben. In einer schönen Festschrift ist die Geschichte der Schule ausführlich niedergelegt. Die Lektüre des hübsch gedruckten Buches wird ausnahmslos jedermann fesseln! Das ewige Widerspiel der beiden Auswüchse jüdischer Zerebralität, die nie ruhenden Kämpfe zwischen den „Verrosteten" und den „Aufgeklärten" sind wirklich überaus reizvoll zu verfolgen. Auch diese Geschichte, auf die wir noch zurückkommen wollen. Leigt, daß eine glückliche Synthese von diesen beiden gleichermaßen törichten Extremen fürderhin ebenfalls nur auf jüdisch-liberalem Boden stehen kann. Wie alle, wünschen auch wir der Schule eine glückliche und gesegnete Zukunft. — Die Feier dürfte jedem, der ihr beiwohnte, lebenslänglich im Gedächtnis bleiben! L. G. Die jüdischen Studenten in Preußen Der Preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung veröffentlicht soeben eine preußische Hochschulstatistik aus den Jahren 1624—1925 unter Beifügung von Vergleichszisfern aus dem Jahre 1911. Die Gesamtzahl der Studenten an den preußischen Universitäten belief sich im Wintersemester 1924/25 auf 30 091 Studierende und stieg im Sommersemester 1925 auf 31386; dies bedeutet gegenüber 1611 mit 25 228 Studierenden eine nicht unbeträchtliche Zunahme. Nicht ganz dieser Steigung entsprechend ist die Zunahme der jüdischen Studierenden an den preußischen Universitäten, wie dies aus der folgenden Feststellung hervorgeht: Unter dem Gesichtspunkt der Konfession gab es im Wintersemester 1924/25 59,4, im Sommersemester 1925 60,15, im Jahre 1911 66,4 v. H. evangelische, 28,7 bzw. 30,24 gegen 27,6 katholische, 6,3 bzw. 5,34 gegen 5,6 v. H. jüdische und 5,6 bzw. 4,37 gegen 0,5 v. H. bekenntnisfreie usw. Studenten. Interessant ist, daß während bei allen anderen Bekenntnissen die Zahl der Studierenden im Sommersemester 1925 gegen die Zahl im Wintersemester 1924/25 gestiegen ist, sich der Prozentsatz der Studierenden jüdischen Bekenntnisses von 6,3 im ^Wintersemester 1024/25 auf 5,34 im Sommersemester 1925 vermindert hat. Der Volkstrauerlag Zu den voreiligen Angriffen des „Hamburger Israelitischen Familienblattes" gegen die jüdischen Gemeindeverwaltungen, wonach diese darein gewilligt hätten, daß am Purimfest eine Trauerseier für die im Weltkriege Gefallenen stattfindet, teilt der deutsch-israelitische Gemeindebund mit, daß die Zustimmung von jüdischer Seite nur im allgemeinen erfolgt ist. Selbstverständlich ist für dieses Jahr mit Rücksicht auf das Purimfest ausdrücklich darauf hingewiesen worden, daß die Veranstaltung einer Gedenkfeier in den Synagogen am Sonntag, den 28. Februar, nicht möglich ist. Es ist deshalb im Ausschuß für die Festsetzung eines Volkstrauertages vereinbart worden, den jüdischen Gemeinden zu empfehlen, beim Sabbat-Gottesdienst am 27. Februar eine schlichte Gedenkfeier für die gefallenen Krieger unter Bezugnahme auf den Volkstrauertag abzuhalten. Eine entsprechende Notiz wird auch in den künftigen Publikationen des Ausschusses für die Festsetzung eines Volkstrauertages erfolgen. Es sei gestattet, den Wunsch auszusprechen, daß sämtliche jüdische Gemeinden unseres Vaterlandes dieser Vereinbarung Folge leisten. Geschwätz. Der bekannte katholische Publizist Dr. Alphons Steiger hat vor kurzem eine Neuauflage seines vielgenannten Werkes „Der neudeutsche Heide im Kampf gegen Christen und Juden" erscheinen lassen. Darin veröffentlicht er eine als „Denkschrift" bezeichnete Abhandlung Wilhelms II. über die Neugestaltung des Glaubenslebens, die zuerst in der weit rechtsstehenden „Weltrundschau" abgedruckt worden ist. In dieser Denkschrift äußert sich der frühere Kaiser über die Juden und ihren Glauben u. a. wie folgt: „Es wird jetzt viel geschrieben und gestritten über die Quellen des Urchristentums; über die Nolle des Judentums in unserer Religion . . . Auch des Herrn Person wird in den Streit gezogen. Die einen weisen nach, er sei unzweifelhaft ein Semit, müsse es sein. Die anderen beweisen, er könne kein Semit gewesen sein, sondern sei ein Arier . . . Ich für weinen Teil denke etwa wie folgt: Vor allem muß gründlich gebrochen werden mit dem Glauben, der Jave der Juden sei unser Herrgott. Das ist der Grundfehler, daß Luther ihn mit „Herr" übersetzte, statt einfach Jave zu lassen . . . Als die Juden durch die Gefangenschaft nach Babylon kamen, da haben sie als Monotheisten ein Greuel an dem dort blühenden Götzendienst gefunden. Eine große Freude mußte es ihnen sein, als sie mit den Persern bekannt wurden und von diesen die monotheistischen Lehren Zaratustrahs erfuhren. . . . Das faßte Jesajas auf und schuf nunmehr den alten, streng jüdischen Spezial- und Lokalgott mit all seinen rein jüdischen Eigenschaften des Zornes, Nachsucht usw., den alten Jave um in ein Gebilde nach dem des Zaratustrah, diesen Gottvater Jave nennend. Aber der wichtigste Grundsatz in der Lehre des Zaratustrah. . . war der Glaube an das Kommen des Heilands — oder der Heilande. Des Sohnes der Jungfrau. . . . Darupr sind die Juden nicht unsere Religionsvorläufer, sondern Zoroaftcr mit den Persern, also Arier! Die Denkschrift schließt: Demnach muß das Judentum und das „Alte Testament" für uns wohl religionshistorisch als wichtig angesehen werden, aber nicht als religiöse Vorläufer des Christentums, mit dem es nichts gemein hat. Wilhelm II. empfiehlt, alle rein historischen Bücher, die nur Schilderungen der jüdischen Volks- und Sittengeschichte enthalten, aus der Bibel auSzuschneiden, denn diese gehören nicht in ein deutsch-protestantisches Religionsbuch. Die Denkschrift klingt in den Ruf aus: „Also los vom Judentum und seinem JavejZ Aus den Gemeinden f Ahtem. «Sitzung des Kuratoriums der Jir. G o r t c lt t) a n i ri) it I e.) 21m 13. Dezember n. Zs. fand die?«rguilg des Kuratoriums der Jjr. Gartenbauschule Ahlem statt. Zirka 30 Herren, größtenteils mit ihren Damen, hatten sr,y eiugesundc». selbst aus Hamburg. Braunschwcig. Bielefeld und Wunstorf waren sie nach Ahlem gekommen, um an der Sitzung, die diesmal in der Anstalt selbst abgehalten wurde, teilzunehmen. Zunächst wurde eingehend die Anstalt mit ihren schönen und praktischen Einrichtungen ocsichtigt, darauf wurden die gärtnerischen Anlagen, die auf der Ehrnsauthemenschau der Niedersächsischen Gartenbaugesellscha.st den ersten Preis erhalten hatten, in Augenschein genommen. Alsdann fand die Sitzung selbst statt. Aus dem gedruckt vorliegenden Bericht sei kurz folgendes ermähnt: Die Anstalt wurde im letzten Berichtsjahre von zirka 8N Zöglingen, und zwar von 53 Lehrlingen und 27 Schülern, besucht, unter den Lehrlingen befinden sich 40 Gärtner-, 6 Schneider-, 3 Schuhmacher-. 2 Klemvnerlehrlinge. 1 Elektrotechniker- und 1 Bureanlehrling. Ter Gesundheitszustand war ein vorzüglicher, die Gewichtstabellen ließen eine ansehnliche Gewichtszunahme der Kinder erkennen. Der Fortbildungsschulunterricht in der gewerblichen Fachichulc der Anstalt wurde in drei Klassen erteilt. Der Unterricht der ichnlpflichtigen Kinder erfolgt in zwei Klassen, der Handfertigkeits- und der Schulgartenbaunnterricht wurde, wie in der Vorkriegszeit, im vollen Umfange wjeder ansc citommen. Alts Wniisch des Vorstandes aab der Leiter der Anstalt, Herr Direktor LUberüera. eingehende Erläuterungen. Sehr viel Jntereije erregten die Ausführungen über die Lage der ehemaligen Schüler im In- und Anslande und über die Zntunstsmöglichkeiten der ousgebildeten Schüler. Daraufhin verbreitete sich der Direktor über die augenblickliche finanzielle Lage und richtete au die Mitglieder der Versammlung einen warmen Appell zwecks Herbeiichammg der Mittel für die Sickerung und Ausgestaltung der in ihrer Art in Deutschland einzigen Ahleiner Anstalt und ihren Bestrebungen. Im Hinblick auf die schwere Zeit, die Ahlem bereits über standen hat. gab man der Hoffnung Ausdruck, daß die für das Jugentum io wichtige Aufgabe. die Ahlem im Dienste der überaus notwendigen Berussumichichtung gelöst hat, auch weiterhin die Mittel erhalten wird, um seine Ausgabe in Zukunft erfolgreich durchführen zu können. Nach Genehmigung bzr Rechnung, die mit einem Defizit von zirka 17 000 Mark abschließt, und des Voranschlages für das Jahr 1926 fanden die Wahlen statt. Es wurden neu gewählt: die Herren Güldcnstein. München, Dr. Frankenstein. Magdeburg, Fabrikant Wtth. Matzdorf, Stadtoldendorf, Großkaurmann Dr. Munter. Hannover. Bankier Julius Blank. Hannover, Bankier Moritz Goldschmidt. Hannover und Herr Rechtsanwalt Paul Salinger. Dresden. Bamberg. (Berufung des Rabbiners D r. R ü l f- Hamburg.) W,e verlautet, hat Rabbiner Dr. Rülf- Hambnrg die auf ihn gefallene Wahl zum Rabbiner von Bamberg angenommen. Berlin. (Rücktritt des Gemeindevorstehers Moritz Rosenthal.) Wir hatten in unserem letzten Bericht über die Repräsentantenversammlung die warmherzigen Worte veröffentlicht, die Rechtsanwalt Stern, der Vorsitzende unserer Vereinigung, als Vorsteher der Repräsentantenversammlunq, unserem verehrten Freunde und Mitarbeiter Moritz Rosenthal anläßlich seines Ausscheidens aus dem Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde gewidmet hat. Unsere Leser haben aus dieser Nachricht ersehen, daß Moritz Rosenthal bereits lange Wochen hindurch schwcrkrank daniederliegt. Mit banger Sorge haben wir das tückische Leiden verfolgt, das den sonst so kräftigen Mann niedergezmungen hat. Glücklicherweise haben die letzten Tage eine wesentliche Besserung in Rosenthals Befinden gebracht. Trotzdem hat er sich entschlossen, sein Amt im Gemeindevorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde nicdcrzulegen. Welch schmerzlichen Verlust für die jüdische, und insbesondere für die liberale Sache dies bedeutet, braucht hier nicht auseinandergesetzt zu werden. Unsere Leser kennen das hingebungsvolle Wirken dieses vortrefflichen Mannes für das Judentum und für den Berliner Liberalen Verein zu gut. als daß Worte nicht nur abschwächend wirken könnten. Was Moritz Rosenthal, insbesondere als Leiter des Schulwesens, als Vorsitzender der Vaukommission und als Personalreferent der Jüdischen Gemeinde in unermüdlicher ehrenamtlicher Tätigkeit geleistet hat, wird unvergessen bleiben. Auch uns hat er stets den von ihm erbetenen Rat gern gewährt. Mit seltenem Fleiß und mit gewaltiger Schaffensfreude hat er es verstanden, die Fäden der Gemeindeverwaltung fest in der Hand zu halten. Wir geben der Hoffnung Ausdruck, daß unser verehrter Freund Moritz Rosenthal recht bald völlig genesen wird, daß er sein Versprechen wahr macht, sich nach völliger Wiederherstellung wieder der jüdischen und vor allem der liberalen Sache zu widmen, und daß auf diese Weise uns und der Berliner Jüdischen Gemeinde seine immensen organisatorischen Fähigkeiten noch viele Jahrzehnte hivdurch zugute kommen werden. Berlin. (Syn a go gcnbr and.) Gestern mittag gerieten im Vorraum der Synagoge Rnkestraße drei Schränke in Brand. Die Feuerwehr war ungefähr eine halbe Stunde lang tätig. Die Höhe des Schadens konnte bisher noch nicht sestgcstcllt werden. Berlin. «Vortrag des Warschauer Ob err ab - biners.i Wir hatten schon wiederholt ans die bedeutende Persönlichkeit des Warschauer Oberrabbiners Professor Tr. Schorr hingewiesen. dessen Predigten über „moderne Kunst" in der Synagoge von einem durchaus neuzeitlichen Geiste actragen waren. Der Eindruck, den man aus den Nachrichten über das Wirken Po-fessor Schorrs gewonnen batte, bestätigte «ich, als man ihn jetzt ans dem Podium der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums sah. Der erste Eindruck: ein durchaus moderner Mensch. Das hörte man auch deutlich ans seinem Vortrag über „Der Geist des altisraclitischcn Rechts" heraus, den er am Montag, den 11. Januar, zugunsten des Stipendienfonds der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums hielt. Nicht starrer Bibelglaube war es, der ans seinen Worten sprach, sondern die neuesten Ergebnisse der Wissenschaft legte er seinen Ausführungen zugrunde. Wolle man die Bedeutung und den Geist des-altisraelitischen Rechts erkennen, so müsse man cs mit seinen Vorläufern, den Gesetzgebungen der umliegenden Völkerschaften, vergleichen. Darauf bat Moses selbst im Deuteronomium hingewiesen. wenn er dort sagt, daß Israel bei einem solchen Vergleich ivcckil bestehen könne. Die hauptsächlichsten Gesetze, die zum Vergleich heranzuziehen sind, sind die der Babylonier, der Assyrer und der Chetitec, alle älter alS das römische Zwölftagegesctz und die solonische Gesetzgebung. Es sei unzweifelhaft, daß MoseS aus allen diesen Gesetzen gelernt hat und von ihnen abhängig ist. weil die im Deuteronomium vorkommenden gleichartigen Typizitäten nicht allein durch die Nachbarschaft Israels mit den anderen Völkern erklärlich sind. Es bestände mindestens ein Historiker Zusammenhang. Tie Anklänge des Deuteronomiums an das babylonische Hamurapi-Gesetz seien allerdings mit dem Wiener Semitisten Müller daraus zu er- " klgren, daß König Hamurapi und Moses mi.s einer gemeinsamen älteren Quelle geschöpft haben. Der Vontragenöe verglich dann noch das attisraelitische Recht mit dem der Assyrer und Chetiter. Er stellte die deutliche Uebernahme von Teilen des Rechtssystems fest. Wodurch aber Neos es über diese Gesetzgebungen hinausgewirkt habe, daS fei der neue Rechtsgeist, mit dem er sie erfüllte. Das zeige sich in der SAanengeietzgcbung. in der Abwendungsmöglichteit des Talion, außer bei Mord, durch Welugeld. im Grundsatz: ein Verbrechen — eine Strafe, in dem der Selbsthastung für eigene Schuld unter der Gleichsetzung von Leben und Freiheit. Wegen dieser Rechtsrevolution, die dem von Greßmanu. allgemein für die jüdische Ethik hervorgehobeneu. Umprägcu deS fremden Gutes und seiner gegensätzlichen Weiterbildung durch Mojes entspricht, hat sich, trotz aller Wertschätzung der babylonischen und assyrischen Kultur, nicht das Recht der umliegenden Völkerschaften, sondern das mosaische Recht er« halten, das noch heute seine Forderungen an uns stellt. Cassel. (Der Leiter des Provinzialschulkollegiums gestorben.) Der langjährige Vorsitzende des hiesigen Provinzialschulkolleg'umS, Geh. Proviuzialschulrat Tr. R. Pähler, ist im 83. Lebensjahre verstorben. Während seiner Amtstätigkeit hat er sich als Förderer der ihm unterstellten jüdischen Lehranstalten, zu denen u. a. auch das Philanthropin in Frankfurt o. M. gehörte, den Dank weiter Kreise jüdischen Bekenntnisses erworben. Cassel. (Chor und Orgel.) Die hiesige Gemeinde hat seit dem 1. Januar wieder eine Gemeindeschwester eingestellt, und zwar ist Frk. Berta Rosenbaum aus Breslau in dieser Eigenschaft tätig. — Der Israelitische Gemeindeverein hat an die Besucher der Synagoge in der Unteren Königstraße eine Rundfrage gerichtet, um die Stimmung für oder gegen den gemischten "Chor, dessen Einrichtung von vielen Seiten gewünscht wurde, zu erforschen. Daß der gemischte Chor zur würdigeren Ausgestaltung des Gottesdienstes mit Orgel beitragen kann, dürfte unzweifelhaft erscheinen. Dortmund. (Berufung non Rabbiner D r. Appes.i Dce hiesige Gemeinde hat als zweiten Rabbiner neben Herrn Rabbiner Dr. Jacob den bisherigen Rabbiner in Bingen, Herrn Dr Appel, einen Sohn des früheren Karlsruher Stadtrabbincrs Dr. Appel, berufen. Emden. (70. Geburtstags Der seit vielen Jahrzehnten hier an der israel. Volksschule beschäftigte und jetzt im Ruhestand lebende Hauptlehrer W. Selig beging unter reger Anteilnahme weiter Kreise seinen 70. Geburtstag. Frankfnrt a. M. (Vom Sterben der jüdischen Vokksschulen.j Zu unserer diesbezüglichen Marburger Notiz schreibt uns Herr Henry Rothschild-Frankfurt a. M. folgendes: „Wenn in einer Zuschrift aus Marburg in Nr. 1 dieses Jahrganges Ihrer Zeitung über den Rückgang der jüdischen Volksschulen geklagt wird und dieser im Eingang des Artikels im wesentlichen als Folge der Abbaubcstimmungcn bezeichnet wird, so erscheint es notwendig, d-'r wahren Ursache der Dinge etwas näherzurücken. Mir null nämlich der Abbau nur als eine unausbleibliche Folge der Tatsache erscheinen, datz der Rückgang in der Zahl der Schüler ein so starker ist, und daß eine Aufrechterhaltnng der Schulen gar nicht gerechtfertigt wäre. Vom Standpunkt des Staates aus kann unmöglich verlangt werden, daß für ganz wenige Kinder ein oder gar mehrere Lehrer gehalten werden. Es sind mir Fälle bekannt, wo ein Lehrer mehrere Jahre hintereinander nur drei bis vier Schüler hatte Es sind mir sogar Fälle bekannt, wo ein Lehrer mehrere Jahre gar keine Schüler hatte und trotzdem die Schule ausrcchterhalten wurde. Abgesehen aber von dem Standpunkt des Staates, spielt auch mit Recht das Bedürfnis der Lehrer eine Rolle, das nicht etwa dahin geht, an Orten zu leben, an welchen ihnen eine Betätigung infolge völlig mangelnden odcrJiichk genügenden Schülermaterials unmöglich ist. Mir sind Fälle bekannt, wo die Lehrer lediglich aus diesem Grunde derartig unzufrieden waren, daß die Aushebung der Schulen als das einzig Richtige bezeichnet werden muß. Wollen wir in dieser Hinsicht bessern, dann müßte das Uebel an der Wurzel gefaßt werden und durch Berufsumschichtung und andere Dinge das Festhalten unserer Glaubensgenossen auf dem Lande und in kleineren Städten in die Wege geleitet werden. Dies klar auszusprechen und die dafür geeigneten Wege zu suchen, ist das einzige, was in dieser Sache zu tun möglich ist." Hagen. IEinbruch in die Synagoge.) Eingebrochen wurde in der Silvesternacht in die jüdische Synagoge. Zwei Gesetzrollenmüntel von rotem Samt, mit hebräischen Zeichen bestickt, wurden entwendet. Die Eingangstür wurde gewaltsam erbrochen. Die Einbrecher hatten es offenbar aus Silbersachcn abgesehen, die jedoch nicht vorhanden waren. Kolberg. (S a n i t ä t § r a t D r. H e i n r i ch s d o r f f gestorben.) Im Alter von 66 Jahren starb der über Kolbergs Grenzen hinaus bekannte und in allen Kreisen hochgeschätzte Sanitätsrat Dr. Heinrichsdorff. Jahrzehntelang war er leitender Arzt tm jüdischen Kurhospital und im Vereinssolbad. Köln. (Zum 50. Geburtstag des Oberbürgermeisters D r. Adenauer.) Am 5. Januar hat der Kölner Oberbürgermeister Herr Dr. h. o. Konrad Adenauer seinen 50. Geburtstag begangen. Ans diesem Anlaß wurde er von der Presse des ganzen Reiches beglückwünscht. Die „Kölner Jüdisch-liberale Zeitung" widmet dem Oberbürgermeister einen Begrüßungsartikel, in welchem cS u. a. heißt: „Weshalb aber auch ein spezifisch jüdisches Kölner Blait des Ehrentages unseres Oberbürgermeisters mit Worten der Sympathie gedenken muß, das ist wegen des Geistes strenger Parität, von dem Herr Adenauer selbst, von dem die ganze städtische Verwaltung erfüllt ist, gegenüber den Interessen der verschiedenen Konfessionen. Auch die jüdische Gemeinde hat das erfahren und erfährt es bei allen Gelegenheiten, wo es galt und gilt, die Angelegenheuen des jüdischen Bekenntnisses in Verbindung mit den Organen der städtischen Verwaltung zur Befriedigung aller Teile zu regeln <z. B. Friedhofs-, Schächtsrage nsm.l. Und gerade dort, wo Herr Adenauer einmal persönlich cinzugreiseu Gelegenheit hat, wie z. B. seinerzeit in der Angelegenheit des neuen Gebäudes der Städtischen Israelitischen Schule, läßt er sich in der Wahrung und dem Schutz bedrohter Interessen von strengster Gerechtigkeit leiten. Wenn deshalb auch die große Synagogengemeindc Köln ans den schweren Zeiten unversehrt hervorgegangeu ist, wenn sie im Verbände der Stadt Köln nach menschlicher Berechnung einer glänzenden Zukunft entgegensicht, so hat daran unser verehrter Oberbürgermeister einen nicht geringen Anteil. Und darum entbieten auch wir ihm aus vollem Herzen unsere innigsten Glückwünsche. Möge es ihm, der aus der Höhe seiner Schaffenskraft steht, vergönnt sein, in ungetrübter Gesundheit noch viele Jahre an der Spitze Kölns zum Wohle der ganzen Bevölkerung ohne Unterschied des Standes und des Bekenntnisses segensreich zu wirken." München. (Ratssitzung des K u l t u s v e r b a n - d e s.) Für Montag, den 4. Januar 1926, war der Rat des Verbandes . Bayerischer Israelitischer Gemeinden nach München berufen, um die Vorlagen für die Tagung des Verbandes vorzuberaten. Die vom Berfasiungsansschutz vorbereiteten Entwürfe der endgültigen Verfassung und der Beamlenordnung deS Verbandes wurden mit geringfügigen Aenderungen angenommen und die Erhebung einer Ver- Handsumlage für das Jahr 1926 in Höhe von 3 Prozent der

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