Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 2 (8.1.1926)
- Date
- 1926-01-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Wesen, sein aufrechter gerader Charakter. seine Bersöhnlichkeit und Friedferttgkeit. die ihn vor allem auszeichneten, schufen ihn zum geborenen Führer der Gemeinde. Sein tiefes jüdisches Empfinden, das innig mit -er Not -er Armen und Kranken fühlte, rief ihn an die Spitze der „Zentralstelle für jüdische Wohlfahrt", der Svitzenorgamsa. tion aller sozialen, charitativen und kulturellen Bereinigungen der Synagogengemeinde Essen. Am Donnerstag, den 24. Dezember fand in der besonders würdia ausgeschmückten Synagoge, in der der Sarg aufgevahct war. eine von Orgelspiel nnd Chorgesang umrahmte Trauerfeier statt. Herr Rabbiner Dr. Hahn zeichnete mit warm empfundenen schlichten Worten ein Bild des Verklärten: Herr R. A. Abel als Vertreter der Gemeinde sprach mitfühlende Worte des Gedenkens. Dann erfolgte unter stärkster Anteilnahme der Gemeinde und zahlreicher Mitbürger die Uebecführung -er Leiche nach dem Friedhöfe. Dort sprachen am Grabe Herr Rabbiner Dr. Samuel sowie als Vertreter der „Glückauf-Loge" Herr Rechtsanwalt Dr. Krombach. — Ein Mensch von edelster Gesinnung, der eine fühlbare Lücke in unsere Reihen gerissen hat. ist allzu früh von uns gegangen. Gleiroltz. (TagungdeS Verbandes der Rabbiner O b e r f ch l e f i e n s.) Am 24. v. M. tagte in Gleiwitz unter Leitung des derzeitigen Vorsitzenden. Rabbiner Dr. Braunschweiger, Oppeln, der olberschlesische Rabbinerverband. Der Vorsitzende erstattete zunächst Bericht über die BerbandStätigkeit. besonders über die Zusammenarbeit mit dem oberschlesischen Gemeinbebund und anderen Organisationen. In eingehenden Besprechungen wurden Berufs- und Stanbesfragen erörtert, wie der Religionsunterricht und die Inspektion der religiösen Institutionen in den 'rabbinerlosen Gemeinden. An wissenschaftlichen Referaten wurden erstattet von Ravb. Ellguther. Reitze: „Neugestaltung des Religionsunterrichts" unter besonderer Hervorhebung der Notwendigkeit einer stärkeren Betonung des hebräischen Unterrichts und von Rabbiner Dr. Kaatz. Hindenburg: „Maimouides und das Talionprinzip in Anschluß an More neibuchim '41". Die anschließenden weitgehenden Besprechungen dieser Referate nötigten zur Zurückstellung weiterer ängesetzter Berichte. Meimbressen. (90. Geburtstag.) Die älteste Einwohnerin unseres Ortes. Frau Sofie Frankenberg, beging in körperlich zufriedenstellendem Befinden und geistiger Regsamkeit unter Anteilnahme weiter Kreise ihren 90. Geburtstag. Würzburg. (Ergebnis der Gemeindewahlen.) Am 3. Januar fand hier die Wahl zur Kultusverwaltung statt. Die Beteiligung war eine rege. Die Liberalen erhielten 6 Mandate, die Orthodoxen 8. die Mittelpartei 2, i Ostjuöe. Es wurden insgesamt 1038 gültige Stimmen abgegeben, von denen auf die Liberalen 362 fielen, auf die Orthodoxen 445. Mittelpartei 152, Ostjuöen 79. Ein <Ntz steht noch in Frage, der wohl den Liberalen noch zufallen wird. Die Wahl hat auch über Würzbnrg hinaus Interesse, weil hier wahrscheinlich zum erstenmal in der Oeffentlichkeit die Frage behandelt wurde: „Kann jemand, der in Mischehe lebt, als Kandidat für die Kultusverwaltung präsentiert werden." Es hat sich gezeigt, -atz die Meinungen hierüber geteilt sind, aber durch außerordentlich rege dlgitation, die die Freunde -es in Mischehe lebenden Kandidaten entfalteten, haben doch fast alle Liberalen sich für den in Mischehe lebenden Kandidaten eingesetzt. Die Orthodoxen hatten ein Wahlkompromitz vor Monaten vorgeschlagen, unter der einzigen Bedingung, daß keine Person, die in Mischehe lebt, auf der Liste genannt werden dürfte. Die liberale Bereinigung mußte jedoch mit Rücksicht auf die Stimmung in ihren Reiben (die religiösen Belange wurden überhaupt von niemand berührt) gezwungen sein, aus das Kompromiß zu verzichten. Aus der Bewegung IM Berlin. (Liberaler Verein für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin E. V., Bezirksgruppe Norden.) Der zweite Gemeindeabend der Bezirksgruppe war für alle Anwesenden von Anfana bis zu Ende ein Genuß. Herr Professor Elvogen legte in einem fesselnden Referat dar. wie die Makkabäer in der Geschichte fortlebten. Besonders interessant war der Umstand, -aß. wie aus den Ausführungen des Redners üervocgmg. das Andenken an die Makkabäer hauptsächlich durch die christliche Kirche erhalten worden ist. Die Zuhörer dankten mit reichem Beifall. Herr Obcckantor Magnus Davidsohn riß dann mit seinen gesanglichen und deklamatorischen Darbietungen die Anwesenden zu begeistertem Applaus hin. Frau Hayn erfreute durch den Vortrag einiger Lieder. Fräulein Saloschin durch vollendet gesprochene Rezitationen die Zuhörer, die Damen Schönfelö als Pianistin nnd Carmi als Violinvirtuosiu brachten den Erschienenen noch klassische und moderne Musik in meisterhafter Weise zu Gehör. So kann der Abend als ein ausgezeichnet gelungener bezeichnet werden, und es ist zu wünschen. daß die Bezirksgruppe diese Veranstaltungen fortsetzt. Frankfurt a. M. (Jüdisch-liberale Jugendg c m ei n schast.) Unsere erste Chanukahseier verlief in äußerst harmonischer und allgemein befriedigender Weise. Mitglieder und viele Freunde unserer Gemeinschaft (über 170 Karten wurden verkauft) setzten sich vor Beginn an schön gedeckte und festlich geschmückte Tische. Den ernsten Teil der Feier leitete Herr Sanitätsrat Dr. Bär (Geige) mit Herrn Dr. Ehrenreich (Klavier) stimmungsvoll ein. Dann ertönte das herrliche „Largo" und „Die Himmel rühmen des Einigen Ehre": Frau Dreyfutz übertraf sich selbst an diesem Abend: unser Beifall kam aus vollem Herzen. Fräulein Irma Meyer trug als Prolog das weihevolle Gedicht von Znckermann: „Du sollst den Kindlein heut die Lichtlcin zünden" vor und erntete reichen Beifall. Darauf sang Herr Westheimer „Dem Unendlichen" von Schubert: eine bessere Wahl als dieses gewaltige Loblied hätte der Vortragende mit seinem wirkungsvollen Tenor nicht treffen können. Mit gleichem Erfolg brachte er das Chanukahlied in deutscher Sprache als gute Üeberleitnng zu den nun folgenden Worten des ersten Vorsitzenden. Dr. Hoffmann führte uns zunächst die Makkabäerzeit in ihrem starken Glaubens- und Opfermut vor Angen und knüpfte die Frage daran: Wie kam es, daß die kleine Zahl der Juden über die große Mehrheit der Syrer siegte? Die unbedingte Treue zur Religion der Väter, der unerschütterliche Glaube an den einig-einzigen Gott gaben ihr die wunderbare Kraft zur Ueberwindnng der feindlichen Uebermacht. Ein Jude, der vom Ethos seiner Religion, von der Ausgabe als Zugehöriger zum auserwählten Volk durchdrungen ist, steht gut gewappnet gegen einen äußeren Feind, dem nur Götzen und Idole beistehen. Dieses hohe Ethos vom Gott der Gerechtigkeit und Liebe löst noch heute Bewunderung bei uns aus. UM Hrmofix Bett- und FuBwlrmer der Neuzeit v. R. p. a. M. II,- Regen Voreins. od. Nachn- BIICBIUBBBB8, Bariin SW61, «tschiner StraBo 107 DaS Schicksal der Makkabäer tst daS ewige Schicksal von uns Juden. Nur tiefste religiöse Ueberzeugung läßt uns den immer wiederkehrenden Angriffen von außen widerstehen. Zur religiösen Ueberzeugung gehört aber nicht nur das äußere Bew.ußtsein der Zugehörigkeit zum Judentum und dessen gelegentliche Verteidigung, sondern wahre Kenntnis der heiligen Schrift und jüdischen Geschichte. Diese Kenntnis wird uns von selbst zur Bewunderung der Vergangenheit führen und die Bewunderung zur Liebe zu unserer Religion. Auf diesem Wege soll und wird uns unsere Jugendgemeinschaft helfen, in ernster Arbeit und bet fröhlichen Feiern. Nach den zu Herzen gehenden Worten des Vorsitzenden, denen starker Beifall folgte, zündete einer unserer jüngsten und besten Freunde, Wolfgang Ebinger, die Lichtlein, und die ganze Festversammlung sang die Chanukahhymne. Darauf wurden alle Teilnehmer mit Tee, belegten Brödchen und gutem (gestifteten) Kuchen bewirtet. Alsbald hob sich der Vorhang einer kleinen Bühne: wir sahen uns plötzlich in den Senberaum einer Radiostatton mit kunstvoll ausgebanter Antenne und großem Schalltrichter versetzt. Die Darbietungen erfolgten in Form einer Rundfunkveranstaltung, der „Stunde der Jüdisch-liberalen Zeitung". Hierfür waren die Herren Benario, Gundersheim und Rothenberg verantwortlich, die auch selbst vortrugen. Die Vorführungen brachten Ernstes und Heiteres, Allgemeines und Bezügliches in wirklich geistvoller Weise auf die Bühne: erfolgreich beteiligt waren u. a. die Damen Alice Rothenberg. Marta Federlein, Grete Stern und die Herren Hendschel, WolsSberg und Meier. Des jüngeren Herrn Gundersheim flotte Begleitung kam sehr gut zur Geltung: auch opferte er sich später in allseitig anerkannter Weise für das Aufspielen zum Tanz: der sich bis in die Morgenstunden auSdehnte. Der kunstvolle Aufbau der Tombola, bestehend aus 180 verlockenden, zumeist gestifteten Gewinnen, reizte wohl jeden Anwesenden, bei eifrigen jungen Verkäuferinnen recht viele Lose zu entnehmen. Fast jeder wurde durch mindestens einen wertvollen Preis erfreut, der mit dazu dienen wird, die gemütliche Chanukahseier in unserer Jugendgemeinschaft in freudiger Erinnerung zu behalten. Allen Stiftern, Mitwirkenden und bei der Vorbereitung Beteiligten auch an dieser Stelle nochmals innigen Dank! j g j Die jüdische Gegenwart | g | Eine deutsch-jüdische Siedlungskommission. Die Wahrnehmung, daß die Kolonisierung jüdischer Massen in der Krim, Ukraine. in Polen und Bessarabien vielen Tausenden, ja Hunderttausenden neue gesunde Lebensmüglichkeiten bietet und daß die Ueberführung zu produktiven Arbeiten in der Natur den Juden im Osten zu großem Segen zu werden begonnen hat. zwingt, jenen Recht zu geben, die die Stimme erheben, man möchte auch in Deutschland mit der Ansiedlung jüdischer Bauern beginnen. Dazu wird man ermutigt, wenn man seststellt, daß unter uns Deutschen der alte Geist jüdischer Nächstenliebe trotz der Nöte im eigenen Lande für die oftjüdischen Siedlungen arbeitet nnd wirbt. Aber angesichts des wirtschaftlichen Niedergangs vieler jüdischer Schichten in Deutschland selbst, angesichts der Stellenlosigkeit, Arbeitslosigkeit ungezählter kräftiger Juden in Deutschland, wird man es verstehen, daß die führenden Kreise der deutschen Judenheit sich dem Siedluugsproblem im eigenen Lande zumenden und die finanzielle Hilfe für den Osten bis auf weiteres dem kapitalstarken Auslände überlassen. Die Sympathie wird auch weiterhin den ostjüdischen Problemen gewahrt bleiben. Die furchtbaren Tragödien, die sich auch unter angesehenen jüdischen, Familien in Deutschland abgespielt haben und vielleicht noch im Ausrollen begriffen sind, heischen rasche Entschlüsse und schnelles Handeln. Es soll daher im Anschluß an die in diesem Blatt wiederholt veröffentlichten Artikel, insbesondere an die in Nr. 52 unserer Zeitung veröffentlichten Arbeiten über „Jüdische Siedlungs-Probleme" eine Kommission gebildet werden, der es obliegen soll, die von Dr. Mehler gemachten Vorschläge genau zu prüfen, zu prüfen ferner, ob ein Interesse für Setzbaftmachung auf dem Lande in Deutschland tatsächlich vorhanden ist. und Vorbereitungen zu treffen, um mit der Anlage von Kolonien bald zu beginnen. Für eine kleine Gruppe ist schon jetzt Gelegenheit geboten, nach Methoden, wie sie in Nr. 52 angezeigt wurden, angesiedelt zu werden. Anmeldungen beliebe man vorläufig an die Redaktion dieser Zeitung zu richten. Schalom Asch. (Zu seinem 26 jährige« schriftstellerischen Schaffen.) Don L. Wolfs. Dieser Tage wurden es 25 Jahre, seit der hervorragende jüdische Dichter Schalom Asch seine erste literarische Arbeit veröffentlicht hat. Asch gehört zu den hervorragenden Künstlern, die in allen Lebensetappen mit ihrem Volke mitgegangen sind und all feine Wandlungen und Wanderungen mitgemacht haben. Wenn wir die achtzehn Bände feiner Schöpfung an unserem Auge vorübergehen lassen, sehen wir mit plastischer Deutlichkeit, daß er jede Erscheinung, die im Leben seines Volkes hervorgetreten ist. mit großem künstlerischen Talent wiedergegeben hat. Meisterhaft wurden von ihm die von den Juden in Rußland erlittenen Pogrome in seinem Drama „Familie Zwi" wieöergegeben. Ebenso meisterhaft hat er die revolutionäre Bewegung der jüdischrussischen Jugend in seinem Roman „Die Jüngsten" wie auch die Plagen der jüdischen Auswanderer in seinem Roman „Amerika" sowie das Leben in Palästina in seinen „Biblischen Motiven" öargestellt. Nie blieb Asch in seinem „Städtchen" haften. Schritt um Schritt ging er seinem Volke nach, um alle seine Erlebnisse künstlerisch zu verarbeiten. Asch war auch der erste jüdische Dichter, Ser auf der europäischen literarischen Arena erschienen ist und die jüdische Literatur popularisiert hat. Sein Meisterstück „Gott der Rache" wurde aus allen hervorragenden Bühnen in Europa und Amerika mit Erfolg anfgeführt. Asch hält sich wenig in seinem „Städtchen" auf. Er befindet sich gleich dem Volke seiner Abstammung immer auf der Wanderschaft, um überall das jüdische Leben kennen zu lernen und zu erfassen. Vor einiger Zeit kehrte er erst nach Polen zurück, wo er über das jüdische Leben im „goldenen Lande" einige Romane in Polen und Amerika erscheinen ließ sowie in mehreren Städten Vorträge über das Leben der Juden in Amerika hielt. Vor kurzem hat auch der Verfasser des „Städtchen" Polen wieder verlassen und war in das von Künstlern ersehnte Land — Spanien gereist. In einigen seiner Briefe, die er veröffentlicht hat, schrieb er folgendes : „Wie lange ist es schon her, daß ich dieses Land zu sehen begehrte! Bon meiner Kindheit an, als ich an den nebelhaften Vorabenden von jenen Helden erzählen hörte, die zwischen Fenerflammen auf den Scheiterhansen standen und mit dem letzten Ruf „Höre Israel" für ihren Glauben umkamen. Schon damals webte meine Phantasie Träume, die schöner und stärker als alle Erzählungen waren. Seit damals ist mein Verlangen, mit meinen Füßen, mit meinen Augen daS Land unserer Helden zu betreten und zu sehen, in mix ge* wachsen. Oh. — wie begehrte ich jene Felder, über die der Dichter Jehuda Halevi auf seinem Wege nach Erez Israel zu seiner Geliebten mit den Liedern ans seinen Lippen schritt, zu sehen. Wie wollte ich jenen Weingarten, jene Palme, unter der. wie die Legende erzählt — Salomo ben Gabriel begraben ist, der von einem arabischen Dichter, der ihn um seine Muse beneidete und ihn aus Neid ermordete und unter einer Palme begrub, sehen. Seit damals, erzählt die Legende, hört die Palme, bis auf den heutigen Tag. nicht auf zu blühen." Der Dichter erzählt von seinen Besuchen in Toledo, Madrid. Barcelona, Saragossa und anderen spanischen Städten, wo er Material für seinen in Arbeit befindlichen großen jüdischen Roman gesammelt Hat. Schalom Asch erzählt auch von den jüdischen Altertümern, deren man noch heute viele in Spanien findet. Der Dichter Asch ist noch jung an Jahren, aber auch an Temperament imd Schasfensgeist. Wir hoffen und glauben, daß seine künstlerische Feder uns noch talentvolle Werke schenken wird. Völkische Schamlosigkeit. Malchow ist eines jener Nester, in denen sich die „native nale Bewegung" in einer ihrer übelsten Formen, der kleinstädtischen. austobt. Man war vor einiger Zeit an den Malchower Stammtischen, an denen die „nationale Bewegung" nach fünf oder sechs steifen Grogs beträchtliche Wellen zu werfen pflegt, zu dem Entschluß gekommen, ein Kriegerdenkmal aufzuführen. Wie aber das Geld beschaffen? Man macht eine Bettelreise zu einem indischen Mitbürger, dem man erzählte, daß auch Malchow in Mecklenburg die Soldaten des Weltkrieges durch ein Denkmal ehren müsse. Der jüdische Mitbürger gab einen so hohen Betrag, daß ein Mal anfgeführt werden konnte. Er war aber nicht wenig erstaunt, als er bei der Einweihung dieses hauptsächlich mit seinem Geld aufgeführten Denkmals einen nackten Mann sah, der einen Schild trug, auf dem sich ein hohes Hakenkreuz präsentierte. Auf seine erstaunte Frage, warum man dieses Zeichen des Hasses ans das Denkmal setze, das ein Zeichen der Dankbarkeit für die Opfer des Kriegs vereinbarungsgemäß sein sollte, wurde ihm der Bescheid, daß seine Mitwirkung in dieser An. gelegenheit nach Herausgabe der Banmittcl ihr Ende gefunden Habe. Malchow besitzt nun nicht nur ein Kriegerdenkmal nach dem Sinne der Philister, sondern zugleich ein charakteristisches Symbol des Taktes und der Herzensbildung seiner g c rm an i scheu Ede l i n g c. Auszeichnungen für Juden in Frankreich. Als in der letzten Zeit die französische Regierung die größten Auszeichnungen für verdicustvolle Leistungen dvminierender Künstler auf dem Gebiete der Kunst. Wissenschaft und Technik verliehen hatte, haben die Juden allerdings die ersten Reihen unter den genialen Künstlern eingenommen. nnd es ist auch interessant zu erwähnen, daß gerade der größte Teil von ihnen zn den ausländischen Juden zählt. Die als erste in Frankreich gefeierte Künstlerin, die zum Mitglied der „Ehren-Lcgion" ernannt wurde, ist die auch in Deutschland bekannte russisch-jüdische Bildhancrin Chana Orlowa, der die deutsche Kunstkritik große Beachtung schenkte und ihr Talent pries. Ferner ist auch der berühmte jüdische Komponist Isidor de Lara zum Offizier der „Ehren-Legion" ernannt Horden, der sich mit seinen Kompositionen hervorragend ausgezeichnet hat. De Lara ist 1858 in London geboren. Dabei muß erwähnt werden, daß er einer vornehmen spanisch-jüdischen Familie entstammt, die sich nach der Jnauisition teilweise in Amsterdam, in Deutschland (Hamburg) und in England niedergelassen Hatte. Schon im achtzehnten Jahrhundert fand man in der Familie de Lara hervorragende Philosophen und Gelehrte. Einer unter ihnen war im siebzehnten Jahrhundert der bekannte Hamburger Rabbiner David de Lara, der eine Reibe großer Werke in Hebräisch und Spanisch verfaßt hat, die noch bis heute wertvoll sind. Sein Enkelkind, Rabbi Chaja de Lara, war auch als einer der berühmtesten Kabalisten des achtzehnten Jahrh/.nderts bekannt. Der Komponist de Lara, der ein Sprößling dieser Familie ist, hat schon als junger Mensch den Posten eines Mnsikprofessors in London bekleidet nnd hat auch bereits über 200 wertvolle Kompositionen geschaffen. Ein Teil von ihnen trägt jüdischen Eharakter nnd ist in Frankreich sehr beliebt. Auf demselben Gebiete wurde auch die berühmte Pianistin. Wanda Landmvska ausgezeichnet und zum Ritter der „Ehren-Legion" ernannt. Diese Ehre hat selten eine französische Frau erreicht. Der Pianistin Landows ka ist jedoch als der ersten Ausländerin eine so große Ehre zuteil geworden. Die Pianistin entstammt einer jüdischen Familie aus Warschau und ist schon als junges Kind nach Paris gekommen: sie hat mit sieben Jahren als Wunderkind die Welt bereist. Ihr Bruder Paul ist auch in Paris als Journalist nicht unbekannt. Die Künstlerin ist noch jung, jedoch bekleidet sie schon seit mehreren Jahren das Amt eines Professors in den Pariser Konservatorien. Besonders Hervorragendes hat sie auf dem Spinett geleistet und ist die einzige Weltmeisterin auf diesem antiken Instrument. Die französische Presse hat dieser Virtuosin große Lobhymnen zu ihrer Auszeichnung gespendet. Zum Offizier der Ehren-Legion wurde auch von der französischen Regierung der Pariser Auto-König Zitron ernannt, der vor mehreren Jahren ans Polen arm nach Paris wunderte und jetzt einer der größten Autvmobilfabrikanteu Frankreichs ist. Derselbe hat sich besonders vor einigen Monaten damit bekannt gemacht, daß er eine Expedition von Gelehrten mit von ihm speziell gebauten acht Autos nach der afrikanischen Wüste Sahara zn einer Forschungsreise schickte, die sehr erfolgreich ausfiel. Dadurch ist er nicht nur in Frankreich, sondern auch in Europa populär geworden und erhielt seinerzeit für diese großmütige Tat eine Auszeichnung in Form einer Goldenen Medaille. Diese Expedition wird für Frankreich eine außergewöhnliche Bedeutung politischer sowie ökonomischer Natur haben und wird anch die Möglichkeit geben, einen normalen Passagicrverkehr vinraSÄiLwer Pianos und Harmoniums zu andersten Preisen Hervorragende 6eiedenheif§K&nfe Musiktiaus Hermann Prolze Potsdamer $ trade io (nahe Hali)