Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 2 (8.1.1926)
- Date
- 1926-01-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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\ 6. Jahrgang Nummer 2 WSVSSSSWSSSWSSSNSS . M.ÜP'WW.PU;^!® ■■ "t Ip».I *P; ff^WWWWM,!mI' U. ., Beilage - 8. Ianyar 1926 Aus den Gemeinden Barmen. (S y n a g o g e n k o n z e r t.) In der Barmer Synagoge fand am Sonntag ein Konzert statt, das die Israelitische Gemeinde veranstaltet hatte und dessen künstlerische Ausführung durch Oberkantor Fleischmann-Köln nicht weniger als durch Else Mützigmann von Len Wuppertaler-Bübnen und Musikdirektor Arnolds präludierende wie begleitende Tätigkeit an der Orgel besonderen Stempel trug. Es waren Stunden erlesenen Genusses,' hebräische Gesänge von Kirchner. Blumenthal. Birnbaum, Sulzer und Schalit. Arien aus Oratorien von Händel und Mendelssohn ergriffen tief innerlich und wurden mit ausgezeichneter Erfüllung der Stilforderungen vermittelt. Fleischmanns dunkel timbrierter in seinem Spannungsvermögen außer- ULdentlicher und ungemein elastischer Bariton schattierte die düstere Melancholie und beseelte jegliches Wort: die Phrasierung stand auf vortrefflicher Höhe, die Bindung der einzelnen Register zeugte von großer Stimmkultur. Fm Einzelgesang und Duett glänzte Else Müßigmanns feiner Koloratursopran, den man gerne öfters in den Konzertsälen hören möchte. Musikdirektor Arnold assistierte mit starker Einfühlung hier wie dort und erwies dazu in den Orgel- Borträgen eine besonders rühmenswerte Könnerschaft. Berlin. (Tagung der Vereinigung liberaler Rabbiner.) Am 22. Dezember v. I. fand in Berlin eine erweiterte Vörstanössitzung der Vereinigung liberaler Rabbiner Deutschlands unter dem Vorsitz von Rabbiner Dr. Seligmann-Frankfuct a. M. statt. Anwesend waren di« Rabbiner Vlumenthal-Berlin. Dienemann-Offcnbach a. M.. Galliner-Berlin. Jtaliener-Darmstadt. Kantorowsky- Neukölln. Kronheim-Bielefeld. Lewkowitz-Berlin. Löwenstamm-Spandau. Norden-Elberfeld. Vogelstein-Breslau. Wilde-Magdeburg. Seligmann berichtete über das zu schaffende Einheitsgebetbuch. Bei den Großgemeinöcn Berlin. Frankfurt a. M. und Breslau besteht der Wunsch, für die liberalen Synagogen ein einheitliches Gebetbuch einzufühcen. Damit ist die Frage grundsätzlich gelöst. Die sachlichen Arbeiten sollen, entsprechend den auf der vorjährigen Frühjahrsversammlung der liberalen Rabbiner in Köln angenommenen Thesen, beschleunigt fortgesetzt werden. — Die Gründung einer vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift als Organ der Vereinigung liberaler Rabbiner wird in Aussicht genommen. — Das Preußische Kultusministerium hat die Schaffung eines Lehrplans für den jüdischen Religionsunterricht angeregt. Galliner und Vogelstein erhalten den Auftrag, in der von dem preußischen Landesverband Mischer Gemeinden zu diesem Zweck eingesetzten Kommission mitzuarbeiten. — Zu der voraussichtlich im Sommer 1926 in London stattfindenden jüdisch-liberalen Weltkonferenz wird Seligmann-Franksurt a. M. als Vertreter der Vereinigung liberaler Rabbiner delegiert. Eine größere Anzahl liberaler Rabbiner will an der Tagung teilnehmen, die zu einem historisch bedeutsamen Ereignis für das Judentum zu werden verspricht. — Es wird beschlossen, in Zukunft jüdische Gelehrte und andere der jüdisch-liberalen Bewegung nahestehende Persönlichkeiten zu den jeweiligen Tagungen der Vereinigung liberaler Rabbiner eiuzulaöen. Berlin. (Jubiläum der jüdischen Knabens ch u l e.) Am 8. Januar d. I. konnte die Knabenmittelschule der jüdischen Gemeinde in Berlin auf ein 100 jähriges Bestehen zurückblicken. Sie wurde gegründet in einer Zeit tiefen religiösen Verfalls, als der plötzliche und nicht hinreichend vorbereitete Eintritt der deutschen Juden in die europäische Kultur eine beklagenswerte Lauheit und Gleichgültigkeit in religiösen Dingen erzeugt hatte und die Berliner Gemeinde sich fast aufzulösen schien. Damals wiesen weitblickende Männer, wie LazaruS Bendavid. Leopold Zunz. Moses Moser, darauf hin, daß dieser Gefahr nur zu begegnen sei durch Gründung einer Schule, die — nach einem Worte Zunz' — „nach den religiösen Sitten des Judentums eingerichtet, dennoch zur Kultur und Wissenschaft Europas den Zugang öffne". Glücklicherweise bestand der damalige Gemeindevorstand aus Männern, die für die Forderungen der Zeit Verständnis besaßen, und bei denen die von Zunz und seinen Freunden gegebene Anregung auf fruchtbaren Boden fiel. Sie nahmen sich der Schulangelegenheit tatkräftig an, und am 3. Januar 1826 wurde in dem Hanse Rosenstr. 12 die Gemeindeknabenschulc, die jetzige Knabenmittelschule der jüdischen Gemeinde, feierlich eröffnet. Zunz war ihr erster Leiter. Das hohe Ziel, ihre Schüler zu glaubcnstreuen Juden und an. allen Segnungen europäischer Kultur teilnehmenden Menschen zu erziehen, hat die Anstalt während der ganzen Zeit ihres Bestehens unbeirrt verfolgt. Berlin. sNnsall von Rabbiner Dr. Grünfeld- Augsburg.) Wie uns bekannt geworden ist. wurde hier der Augsburger Rabbiner Herr Dr. Grünfcld am Silvesterabend von einem Auto überfahren. Er hat von diesem Unfall mehrere komplizierte Arm- und Beinbrüche davongctragen. befindet sich jedoch ans dem Wege der Besserung. Auch wir wünschen unserem verehrten Gesinnungsfreund von Herzen eine recht schnelle und vollständige Genesung. Berlin. (W a r n u u a vor einem U n t e r st ü tz u n g s - schwind!er.) Ein Schwindler namens Ribelingec, sammelt Unterstützungsgelöer für den sozialistischen Bund der W. A. des Reichsbnndcs indischer Frontsoldaten. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten betont, daß es einen solchen Bund nicht gibt nnd daß dem Bunde eine solche Abteilung nicht angeglicdcrt ist. Es wird daher vor diesem Schwindler gewarnt. Berlin. (Monatsschrift für Geschichte des Judentums.) Die Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums versendet soeben ihr Dezemberhest. Da wir über das Oktvberheft nicht in der üblichen Weise berichtet haben, so sei nachgctragen, daß es einen sehr interessanten und durchaus gemeinverständlichen Aufsatz des Herrn Dr. Heinemann über das Thema „Messianismus und Mysterienreligion" enthält, der neuerdings vorgetragene irrige Meinungen über die Abhängigkeit des Judentums von den Geheimreligionen des Altertums kritisch beleuchtet. Insbesondere führt Heinemann den Nachweis, daß unser Chanukahfest keineswegs, wie das Weihnachtsfest, auf eine alte Sonncnwendfeier zurückgeführt worden darf. Ferner enthält das Oktoberheft den ersten Teil einer Geschichte der Juden in Rumänien aus der Feder des bekannten Czernowitzer Historikers Prof. Manfred Reifer. Dieser Aufsatz wird in der vorliegenden Dezembernummer zu Ende geführt und wirft helles Licht auf die Not unserer Brüder auf dem Balkan. Ferner enthält das Dezemberheft eine Uebersicht über die neueste Mischnafrrschung von Dr. Ch. Albeck in Wien, dessen Arbeiten über die Mischna starke Beachtung gefunden haben. Auch im neuen Jahre wird die Monatsschrift, wie wir hören, in jedem Heft solche Uebersichten über die Fortschritte auf einem Teilgebiet der jüdischen Wissenschaft in gemeinverständlicher Form geben, die mit Recht beliebt sind, weil sie es jedem ermöglichen, von den neuen Forschungen auf jüdisch-^wissenschaftlichem Gebiete Kenntnis zu nehmen. Man abonniert die Monatsschrift durch Einsendung des Mitglicdvcitraas von 8 Mark, an die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Berlin-Schöneberg: Postscheckkonto: Paul Beit Simon. Berlin Nr. 7030. Brieg. (Frau Sara Guttmann 80 Jahre alt.) Am 13. Januar begeht Frau Sara Guttmann geb. Goetz, das langjährige Vorstandsmitglied und jetzige Ehrenmitglied des jüdischen Frauenvereins zu Brieg bei Breslau, ihren 80. Geburtstag. Coblenz. (A m t s j u b i l ä u nt.) Am 1. Januar 1926 begina die Synagogengemeinde Coblenz die Feier der 25jähri* acn. amtlichen Tätigkeit ihres Predigers und Lehrers Herrn Benno Huhn. Die Feier gestaltete sich zu einer Kundgebung des gegenseitigen Vertrauens von Seelsorger und Gemeinde. Zu dem Festgottesdienst wurde der Jubilar durch die gesamte Verwaltung in feierlicher Weise eingeführt. Eine Ansprache durch den Vorsitzenden. Herrn Moser, betonte die unvergänglichen Verdienste des Gefeierten, welcher in der darauffolgenden Festpredigt der Anhänglichkeit und Liebe zu seiner Gemeinde beredten Ausdruck verlieh. Herr Obeekantor Fleischmann aus Cöln erhöhte die feierliche Stimmung durch den mit unvergleichlich herrlicher Stimme durchgeführten kantoralen Teil des Festgottesdienstes. Am Abend des Festtages versammelten sich die Gemeindemitglieder in den Gemeindesälen zu einer geselligen Feier, in welcher von verschiedenen Rednern das mustergültige Schaffen und Wirken des Jubilars, das Aufblühen der Gemeinde und die vorbildliche Tätigkeit der gegenwärtigen Verwaltung hervorgehoben wurden. Esten. (Sanitätsrat D r. Mendel gestorben.). Wie bereits gemeldet, ist unser Gesinnungsfreund. Herr Sanitätsrat Dr. Felix Mendel. Vorsitzender des Vorstandes der Essener Synagogengemeinde und Mitglied der liberalen Fraktion des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden. plötzlich und unerwartet in die Ewigkeit berufen worden. Lange Jahre hat der Verewigte zuerst als Mitglied der Repräsentanten-Versammlnng. dann im Vorstande der Gemeinde, die letzten sechs Jahre als dessen Vorsitzender gewirkt. Das außerordentliche Ansehen und die Liebe, die dem Verstorbenen aus allen Kreisen unserer Gemeinde, dann aber auch in der Stadt Essen sowie in Rheinland und West» falen entqegengebracht wurde, gründeten sich auf die edle Menschlichkeit wie auch die außerordentliche ärztliche Kunst, die dem Verblichenen zu eigen waren. Sein liebenswürdiges Dirndl-Schlüpfer mit Kordelsohle Kinder - Spangenschuhe farbig Sämisch, m. 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