Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 1 (1.1.1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Iiutfl, in 'u'r Mc .Hliicjcr durch den Rechtsanwalt Charig ans . C iitiivii vertretet» waren, während die Beklagten sich durch! L..rgervorsteher Sicbrlds ncitciDtr.eu Ucbch. wurde ein* gehend die rechtlich interessante Frage erörtert, ob derartige Boykvttaufforderungen schadenersatzpslichtig machten. \yii dem setzt verkündeten Urteil entschied das Gericht zugunsten der Kläger. In der Urteilsbegründung heißt es u. a.: «Ein Verruf lediglich aus politischen Gründen erscheint als ein Verstoß neßeu die nuten Sitten und verwerflich: insbesondere nilt dies dann. wenn, wie liier, der politische Gegner auch wirtschaftlich netroffen werden soll. Es wäre unerträglich. wenn politische Parteien , und Vereinigungen es unternehmen wollten, politische Ziele dadurch au erreichen. ööfc die Geaner durch öffentliche Kundgebungen brotlos aemacht oder dock in ihrem Erwerb geschmälert werden." Aus den Gememden Bambera. (B er ufun g v o rr R ab b i n e r D r. R ü l f.) Der bisher in Hamburg amtierende Rabbiner Dr. Rülf. den unsere Leser aus Arbeiten in unserer Zeitung kennen, hat letzten Sabbat in Bamberg eine Probepredigt gehalten und wurde am Sonntaa darauf zum Rabbiner der dortigen iGemeinde gewählt. Herr Dr. Rülf ist Zögling des Breslauer Rabbtnerseminars. Berlin. (Kundgebung jüdischer Erwerbsloser.) Unter den im jüdischen Flüchtlingsheim in der Wiesenstraße untergebrachten Flüchtlingen war eine Bewegung entstanden, weil die Verwaltmra gewissen Forderungen bezügl. Arbeitsbeschaffung und Beherbergung nach der Meinung der Demonstrierenden nicht entgegenkam. Ein Teil der Insassen schloß sich zu einem Zuge zusammen, der vor das Gebäude des Wohlfahrtsamtes in der Nosenstraße zog. Nachdem einer Abordnung mitgeteilt war, daß bereits vorher seitens der Verwaltung Maßnahmen getroffen worden seien, um die Unzufriedenheit zu beseitigen, löste sich der Zug in Ordnung auf. Berlin. (Antisemitische Ausschreitungen vo r der „Wilhelma".) Am Weihnachtsabend kam es in der Tauentzienstratze, Ecke Rankestratze. gegenüber dem Hgkenkreuzlerrestaurant „Wilhelmn" zu schweren antisemitischen Ausschreitungen, in deren Verlauf der Rittergutsbesitzer Baron v. Engelhardt, der nach Berlin zugereist ist. anscheinend im Zustand sinnloser Trunkenheit mit den Worten „Schlagt den Juden tot!" den 74 Fahre alten Gelehrten Dr. Gregorius Jtelson attackierte. Er schlug auf den alten Mann solange ein. bis dieser mit erheblichen Verletzungen im Gesicht auf der Straße liegen blieb und zur nächsten Rettungsstelle geschafft werden mußte, wo er verbunden wurde. Baron v. Engelhardt wurde darauf von der Polizei wegen Trunkenheit und Sachbeschädigung verhaftet. Dr. Jtelson wird wegen der ihm .zugefügten Verletzungen Strafantrag stellen Berlin: (R e p r ä s e n t a n t e n v e r s a m m l u n g ). Am Montag, den 1. Dezember d. I., fand eine Sitzung der Repräsentantenversammlnng der Berliner jüdischen Gemeinde statt. Der Vorsitzende der Versammlung. Herr Rechtsanwalt Heinrich Stern, teilte zunächst mit. daß das Gemeindevorstandsmitglied Herr Moritz Nosenthal sein Amt niedergelegt habe, da er sich infolge Erkrankung auf längere Zeit von den Gemeindearbeiten zurückziehen muß. Herr Rechtsanwalt Stern gab unter allgemeiner Zustimmung seinem Bedauern hierüber Ausdruck und knüvsie den Wunsch daran, daß Herr Nosenthal. baldigst wiederhergestellt, an den Gemeindearbeiten teilnehmen könne. ^^Herr-^Markus verlangte öftere Einberufung der Rcpräsentantenversammlung was seitens des Vorsitzenden zugesagt Vorstaiidsbeschlnäe, Herrn Justizrat Makower als Mitglied des Rates des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden wiederzuwäblen. tritt die Versammlung bei. Die Herren S. Karger. Kom.-R. Coün. Guido Levu werden auf die Dauer von drei Jahren zu Mitgliedern des Krankenhaus-Vorstandes wiedergewählt. Für die Anschafsunaen der Gemeinde-Bibliothek wird ein Betrag von 3000 M. mrd für die der Kunst-Bibliothek 1000 M. nachbcwilligt. Ferner werden bewilligt für die Erweiternna der Lehrküche im alten Krankenhanse ein Betraa von 2700 M.. der Wissenschaftlichen Vereinigung der jüdischen Lehrer und Lehrerinnen wird zur Veranstaltung von Kursen in den Weihnachtsserien eine Beihilfe von 1200 M. bewilligt, zu deren Erweiterung in Zukunft auch andere Gemeinden beitragen sollen, da an denselben Lehrer aus dem ganzen Reiche teilnehmen sollen. Eine weitere Beihilfe von 7500 M. wird dem Jüdisch-Theologischen Institut in Breslau für das laufende Fahr gewährt. Ebenso wird dem Hilssverein deutsche'- Inden eine einmalige Beihilfe von 3000 M. bewilligt. Für die Kosten der Sonderabteiluug für Hnaiene der Juden auf der Düsseldorfer Ausstellung für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen 1026 wird im ganzen ein Betrag von 6000 M. bewilligt. Dem Prg-Falasrha-Komitce wird ein einmaliger Beitrag von 1500 M. zur Verfügung gestellt. Berlin. sD r. Sonnenschein g e st o r b e n.) Soeben verstarb hier der ehemalige Lehrer an der indischen Lehrerbildungsanstalt zu Berlin. Dr. S. Sonnenschein im 81. Lebensjahre. Er wurde 1815 zu Straßnitz in Mähren geboren und erhielt eine außerordentlich sorgfältige Erziehung. Er war sowohl jüdisch als auch allgemein sehr gebildet. Nach Absolvierung des Gymnasiums studierte er Philosophie, Mathematik und Physik. J'm Oktober 1877 trat er in das Lehrerkollegium der indischen Lehrerbildungsanstalt ein. Hier entfaltete er dank seiner Persönlichkeit, seiner pädagogischen Begabung, seiner umfassenden und tief cindringenden Studien, seiner Begeisterung für die Lehren des Judentums eine segensreiche erzieherische Tätigkeit. Lange Jahre war er auch Dozent der Veitel-Hcine-Ephraim- Stiftung. Berlin. (70. Geburtstag Eduard Baneth s.) Der 70. Geburtstag des bekannten Dozenten der Talmud- Wissenschaft an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, Herrn Prof. Dr. Eduard Baneth, wurde gestern durch eine folemne Feier begangen. Prof. Baneth stammt aus alter, hochangeschener. rabbinischer Familie. Sein Urgroßvater war Rabbiner in Alt-Ofen in Ungarn, sein Großvater in Neutra, sein Vater in Liptü Szent-Miklos. wo auch Prof. Baneth geboren wurde. Er studierte unter seinem Vater und an der Jeschiwah zu Preßburg Talmud, absolvierte das Gymnasium in Gncsen und studierte dann am Rabbinerseminar in Berlin und an der Berliner Universität jüdische Theologie und orientalische Sprachen. An der Universität Leipzig promovierte er 8umrna cum laude. Prof. Baneth war zuerst Rabbiner in Krotoschin, und als dort vmn>srv»lder kirmos und Harmoniums za fiafterilen Preisen Hervorragende fieiegenHeitsKfinle Musüdtaus Hermann Protee Potsdamer strafte 10 (nahe Platz) Re formen, die er mißbilligt. eingeführt wurden, folgte er einem Rufe als Dozent für rabbinische Wissenschaft an die Hochschule zu Berlin und bekleidet diesen Posten seit nunmehr 30 Jahren. Bon seinen Werken ist besonders bekannt geworden die Arbeit „Samuel Hanagid als Staatsmann und Dichter", dann „Ursprung der Sadvtheer und Boethoser". ferner seine Herausgabe des Kommentars des Maimonides zum Traktat „Aboth". sein „Mischna Seder Moed" und seine außerordentlich wertvolle Arbeit über die Neumond-Bercchnuna des Maimvnkdes. Au der Feier nahm eine große Anzahl von Freunden und Verehrern des Jubilars teil. Bon Universitätsvrofeisvren waren die Herren Gotthold Weil und Eugen Mittwoch anwesend. Das Kuratorium der Lehranstalt vertrat Justizrat Lilientbal. der auch den Jubilar begrüßte. Für die Berliner indische Gemeinde war Rechtsanwalt Dr. Klee anwesend. Das Dozentenkollegium der Hochschule war vollzählig vertreten, für dasselbe sprachen die Herren Prof. Gutmanu und Pros. Tvrczyner. Jrn Namen der ehemaligen Hörer begrüßte Tr. Spanier den Jubilar. Die Herren Dr. Dörfler und Tr. Jacobus toasteten in hebräischer Sprache. Prof. Baneth hatte die Freude, seine Tochter, die ans England herbeigceilt war. und seinen Sohn, der in Köthen Rabbiner ist. bei der Feier zu sehen: zwei Söhne sind (der eine als Arzt, der andere als Dozent) in Jerusalem tätig. Die Festredner feierten den verdienten Gelehrten als Mann der Wissenschaft und als Mensch. Berlin. (Feier der jüdischen ReligionSgem e i n d e E h a r l o t t e n b n r g.) Die jüdische Religionsgemeinöe Berlin-Charlottenburg beging am letzten Sonnabend ihr 50jähriges Bestehen durch einen Festgottesdienst in der Synagoge Schulstraße. Vom Bezirksamt Charlottenlmrg waren Bürgermeister Augustin, Vezirksversammkungs- Vorsitzender Dctllefsen und drei Stadträte erschienen. Die Jüdische Gemeinde Berlin batte als ihre Vertreter den Vorsitzenden bet Repräseutantcuversammlung. Herrn R.-A. Stern und Herrn Tr. Alfred Klee entsandt. Mehrere benachbarte Synagogengemeinden ließen durch ihre Vertreter Glückwünsche überbringen. Auch Freunde und Gönner der Gemeinde waren in großer Zahl erschienen. Die Festansprache hielt Herr Tr. Salvmon. Lehrer und Prediger der Gemeinde. Berlin. (Vortrag von P a st o r Frank e.) Der „Verein selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens e. V., Berlin" hält am Donnerstag, den 7. Januar 1926. abends 7)7 Uhr im Verwaltungsgebäude der jüdischen Gemeinde, Rosenftr. 2-4, einen Vortragsabend ab. Herr Pastor H. Franke wird über Henrik Ibsens Drama „Peer Gnnt" sprechen. Eintrittsgeld wird nicht erhoben: Gäste herzlich willkommen. > Bonn. lE i n bemerkenswertes Urteil.) Der Rheintacher Totengräber wurde von dem hiesigen Schöffengericht zu zwei Wochen Gefängnis oder 100 Mark Geldstrafe verurteilt, weil er für das Graben einer Gruft von Israeliten 18 Mark nahm, während er von Katholiken nur 12 Mark beanspruchte. Aus eine Beschwerde der Snnagogenaemeindc hin erstattete der Bürgermeister die Anzeige gegen den Totengräber, die zu dessen Verurteilung führte. Breslau. (Tod von Frau Rabbiner Eva Baeck.) Am Freitag, den 18. Dezember, nachmittags, wurde auf dem Friedhvi zu Cosel Frau Rctt'bincr Eva Baeck zur letzten Rübe gebracht. Die Heimgegangene. die im 86. Lebensjahre stand, war die Gattin des vor 14 Jahren in Lina i. P. verstorbenen Rabbiners Dr. Samuel Bacck und die Mutter des Rabbiners der Berliner Jüdischen Gemeinde. Dr. Leo Baeck. Vorsitzenden des Deutschen Rabbinervcrbandeö und Großpräsidenten des deutschen Distrikts des Unabhängigen Ordens Bnci Brith. Unter den Traueraästen sah man die vier Breslauer Gemeinderabbiner. die Präsidenten und Vizepräsidenten der Breslauer UOBB.-Logen, Dozenten und Kuratoren des Breslauer Rabbinerseminars. Rabbiner Dr. Leo Baeck nahm in schlichten Worten von seiner Mutter Abschied und zeichnete ihr Bild als das einer wahren „Esches chgsil". einer tapscren und nnrtigen Jüdin alter und guter Art. Im Aufträge der Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judentums sprach Rabbiner Dr. Vogelstein. Wir sprechen unserem verehrten Vorstandsmitglied und Mitarbeiter. Rabbiner Dr. Baeck. auch auf diesem Wege unsere herzlichste Anteilnahme aus. Fritzlar. (87. Gebnrtsta g.) Die langjährige, verdiente Vorsitzende des hiesigeu Israelitischen Frauenvereins, Frau Amalie Löwenstein, beging kürzlich in befriedigender körperlicher und geistiger Frische ihren 87. Geburtstag. Halberstadt. (Ein S ch i l d b tt r g e r st r e i ch.) Die Halberstädtcr Stadtverordnetenveriammlnna bat mit 22 Stimmen (Bürgerblock) gegen 13 Stimmen (Zentrum. Sozialdemokraten und Kommunisten) die Rücktaufe der Ratbenaustraße tu ..Königstraße" beschlossen. Marburg. (Bon den jüdischen Volksschulen in Hessen.') Die Auswirkung der Abbaubestimmungen auf bett Bestand bzw. Niedergang der israelitischen Volksschulen Hessens erhellt am deutlichsten ans folgenden statistischen Angaben: Früher bestanden in Hessen 71 öffentliche israelitische Volksschulen. Davon sind in den letzten Jahren 26. oder 87 Prozent, der Gesamtzahl infolge schwindender oder geringer Schiilerzabl eingegangcn: ihre Leiter wurden entweder in den einstweiligen oder endgültigen Ruhestand versetzt oder anderer Beschäftigung überwiesen. Am auffälligsten ist der Rückgang der Kind erzähl und die hierdurch bedingte Auslösung der Schule im Vorsteheramtöbezirk Fulda, wo von 15 Stellen 10 der Auflösung zum Opfer fielen. Der Prozentsatz erreichte hier also die bedenkliche Ziffer 66.6. Nicht minder betrüblich ist das Verhältnis deraufgelösten Schulen zu den bestehenden im hiesigen Vorstehcramtsbeurk. wo von 17 Stellen 8. oder 47 Prozent, eingingen. Im Vorsteberamtsbezirk Hanau batten von 9 Stellen 4. oder 14.5 Prozent, dem Abban geopfert werden müssen: im Vorsteberanttsbezirk Cassel batten endlich von 29 Stellen 11, oder 38 Prozent, den öffentlichen Charakter verloren. Alles in allem führen die genannten Zahlen eine ebenso beredte wie bedauerliche Sprache, daß die Abbaumaßnahmen, die auch beute noch nicht als abgeschlossen betrachtet werden können, dem Bestand der früher blühenden israelitischen Volksschulen Hessens tiefe und unheilbare Wunden geschloo..'n haben. Münst.r r. W. (10 0 Jahre Marks-Haindorfsche Stiftung.) Die M.H.St. beging am 23. Dezember in einem Festakt die Feier ihres 100sährigcn Bestehens. Als Gäste waren erschienen: Vertreter der Geistlichkeit, de» Provinzialschnlkolleginms. des Magistrats, Direktoren und Lehrer der höheren Lehranstalten, der Vorstand. die Repräsentanten und zahlreiche Mitglieder der indischen Gemeinde, ehemalige Seminaristen sowie eine Ururenkelin des Gründers. Die Aula war mit Grün und brennenden Kerzen schlicht, aber weihevoll geschmückt. Als Vorsitzender des Kuratoriums begrüßte J.-R. Dr. Cohn die Anwesenden. Er knüpfte an das Wort aus „Tayo": ..Was man ist, das ist man anderen schuldig" an und sprach allen, die das Werk der Stiftung in diesen 100 Jahren gefördert haben, herzlichen Dank aus. Nach Bortraa eines von Jakob Löwenberg, einem früheren Schüler der Anstalt, gedichteten Prologs entwarf der Leiter der Anstalt. Studiendirektor Rabbiner Dr. Stetnthal. ein Bild von der Entstehung, den Zielen und den Leistungen der Stiftung. Er arbeitete auS dem Lebenslaufe des Gründers, des Professors Dr. Alexander Haindorf, feine Charakteristik beranS. stellte feine Vorzüge, seinen Edelmut, feine Uneigennützigkeit, seinen weisen Weitblick, seine bewnndernswerte Vielseitigkeit in ein helles Licht und betonte den Segen, den sein Werk nicht nur für das Judentum, besonders Westfalens und des Rbeinlandes. sondern auch für die deutsche Kultur und die Ethik gestiftet hat. Die Anstalt hat in den ersten 50 Jahren Hunderte von Handwerkern ausgebildet, sie hat dadurch mit ein Verdienst a» der Schasfuna des jüdischen Handwerkerstandes, auf den wir stolz sein dürfen. Sie hat über 400 Lehrer hergngcdildet und sich dadurch als ein Quell von jüdischer Lehre und Religion sowie von deutscher Bil-dung erwiesen. Haindvrs hat es verstanden, die indische Schule zur Musterschule der Stadt zu gestalten, die damals überwiegend von Christen, und zwar den Kindern der maßgebenden Familien, besucht wurde» bis eine Reorganisation der christlichen Volksschulen erfolgte. Er hat es verstanden, zu seinem Werke praktischer Religion die Besten seiner Umgebung über alle Unterschiede hinweg in harmonischer Liebe als Gönner oder Lehrer der Anstalt miteinander zu vereinen. Darum wird das. was er gewollt hat. für die Dauer fortwirken. Im Namen des Provinzialschulkollegcums sprach der zuftändiae Oberschulrat und würdigte die Bedeutung des Seminars als einer Pflegestätte von Pädagogik und Bildung. Humanität und Toleranz. Vaterlandsliebe und Religiosität. Der Oberbürgermeister brachte die Wünsche des Magistrats und der gesamten Bürgerschaft zum Ausdruck und wies in warmen Worten nach, wie es mit das Verdienst der M.H.St. ist. wenn das Verhältnis zwischen Christen und Juden hier stets gut. die Achtuna voreinander stets groß gewesen ist. Im Aufträge des Allgemeinen und des Rheinisch-Westfälischen RabbinerverbandeS sowie der jüdischen Gemeinde Köln hob Rabbiner Dr. Kober-Köln die Leistungen der Anstalt, besonders um das Judentum in Westdeutschland, hervor und betonte, daß sie so viel für Humanität und Toleranz, für Nächstenliebe und wahre Religion habe leisten können, weil das ia die Ideale des Judentums seien. Es überbrachten die Herren Kurator Liebenfeld-Bochnm die Glückwünsche des Verbandes der westfälischen Synagogen-Gemeindcn. Lehrer Mayer-Witten die der ehemaligen Schüler sowie ihren Dank. Chor- und Sologesang (hebräisch und deutsch) verliehen der schlichten, eindrucksvollen Feier einen würdigen Rahmen» III! Aus der Bewegung ffff ♦»♦»»♦♦♦♦♦»»»»♦»«»+♦»*»♦♦»»»♦»»»♦♦»♦♦♦♦»»♦♦♦♦♦♦»♦»»♦♦♦♦»♦♦♦* Berlin. (I ü d i s ch - lib e r a l e r Jugend verein (JLJ.) Berlin). Gruppe Westen (Führer Hans Lvwcnberg. Charlvtteubncg, Havelstraße 13) beschäftigte sich an ihren letzten Heimabenden mit den Propheten Amos und Micha. Den Berichten zweier Gruppenmitglieder entnehmen wir: „Amos spricht fast nur von der religiösen Sittlichkeit. Er ist kein Theologe, kein Priester und kein Philosoph. dem Lehre über den Goltesbegriff oder die Heiligkeit des Kultus über lebendige Sittlichkeit geht. Lei ihm lernen wir zum erstenmal den israelitischen Begriff vom Gerichtstage Jahves kennen. Ueberhaupt sind es wohl die folgenden Ideen, die wir den großen Propheten dieser Zeit danken, nämlich der llnioersalismus der Gvticsidee. die Ausermählnng Israels als besonders schwere Pflicht anfgesaßt und die Sittlichkeit, besonders die soziale Gerechtigkeit als Wesen der Religion." — „Bei dem Lesen der Reden Michas gerieten wir in eine Diskussion über einige Begriffe, welche uns bei den Propheten immer wieder erscheinen. Zuerst der Begriff der Sünde. Wir einigten uns schließlich, daß die Sünde immer nur in bezug auf eine sittlich-göttliche Weltordnung gebraucht werde, im Gegensatz zum Verbrechen, das einen Verstoß gegen menschlich-staatliche Institutionen darstellt. Auch über die Opfer sprachen wir. Den Beweggrund zum Opfer der Menschen zu Michas Zeit fanden wir nicht in Demut und Liebe zu Gott, sondern mehr in dem oberflächlichen Wunsch, der Gottheit zu gefallen." — Trotz der leider allzu wenig winterlichen Witterung ließ sich die Gruppe nicht abhalten, einen wohlgelnugenen Halbtagsausflua an einem der letzten Sonntage zu machen. Gruppe Südwesten (Führer Ludwig Lewin. Charlottenbnra 5. Riehlstraße 9) wollte an ihrem letzten Heimabend Stefan Zweig an Hand des „Jeremias" und „Die Augen des Ewigen Bruders" besprechen. Allein dieses letztgenannte Werk enthielt so viele Thesen, über die sich eine heftige Debatte entspann, daß man über die Fragen, ob keiner keines Richter sein könne oder ob wirklich jedwedes Tun gleichwertig sei oder wodurch man sündige' mir zu Stefan Zweig selber überhaupt nicht kamen. Im Gegenteil beschlossen wir schließlich, da wir nicht entfernt alle Fragen durchgesprochen hatten, an einem Heimabend im Januar die Diskussion fortznsetzen. Es war aber trotz oder besser wegen der hitzigen Anssprache ein sehr anregender Abend gewesen. versammlungskalender Berlin. (Liberale Synagoge Norden. Schönhauser Allee 162, Auerbachsches Waisenhau s.j Gottesdienst am Freitag, den 1. Januar, abends 7.15 Uhr: Predigt Rabbiner Dr. Salomonski. Sonnabend, den 2. Januar. früh 10 Uhr. Breslau. (Jüdisch-liberaler Jugend verein „Abraham Geiger". Br iesadr csse : Alfreß Berger, Breslau 13, Au g u stastraß e 67, Fernsprecher Stephan 37754.) Gruppe Süden: Mittwoch, den 6. Januar 1926. abends Uhr, bei Tischler, Krön» prinzenstraße 42. Thema: Amerikanische Reformbewegung« Einleitendes Referat: Ludwig Freund. Freie Aussprache« Bereinsmitglieder. die der Gruppe nicht angchörcn, alA Gäste willkommen. Frankfurt a. M. (Freisinniger Verein für jüdisches G e m e i n d e l e b e n.) Am Montag, den 11. Januar 1926. abends 8 Uhr. spricht Herr Studienrat Dr. Kurt Joachim Grau über „Tie Bibel in der neuen dcut^ scheu Ballade". Mit 2!ezitationcn. Zur gcfl. Beachtung! Die allen Berliner Hausfrauen schon seit langem bestens bekannte D a m p s w ä s ch e r e i „S p r e e a o l ö". Cvpenick. Gartensrr. 22, bringt sich den zahlreichen Leserinnen unseres Blattes in empfehlende Erinnerung. Näheres siche Inserat! wammmmtmmmBmBmmamtaaaamammammmammmmmmaammmsmmamBaaBHmtmk Der neue elektrische Universal« Bett- und FuBwärmer usw. WAERMOFIX“ DPR ang. DR GW. DWZ. darf in keinem Haushalt fehBen! 19 Alleiniger Hersteller: Erich Burberg, Inh. Dipl.-Ing. K. Gerson, Berlin SW 61, Gltschiner Str. 107 Versand gegen Mk. 15.— Nachnahme oder Voreinsendung Nach zwei Minuten Stromanschluß vollzieht sich Vorteile: dieErwärmung selbsttätig und hält stundenlang vot