Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 1 (1.1.1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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V f-,«^ - '/„‘fc.f .S7*K1 ■'"’Tf" ,-y ' '’TT^.^’T>’'*«? Sarai. I Erzählung aus dem allen Aegypten von Max Rosenfeld. Der Nil walzte seine Wasser in gleichmäßigen Strömen dem Meere zu. Die ägyptische Residenz Dahschur schimmerte im Sonnenglanz, Der Palast des Pharao baute sich in aller Pracht in dem üppigen Garten auf, dessen Tor offen stand. Eine Säulenhalle führte in das Innere des Palastes. Mittagsstille herrschte ringsum. Da klangen Herdenglocken, eine Staubwolke bebte in der Glut, ein großer Zug, Männer und Frauen mit einer Schar von Haustieren und bepackten Kamelen, näherte sich dem Garten. Ein Graubart, in ein weites Gewand gehüllt, die Turbanbinde um den Kopf, half einem jungen schönen Weibe vom Tragetier. Eifrig sprach er auf sie ein. Ein jüngerer Mann trat herzu, er schien mit dem Alten vorwurfsvoll zu verhandeln. Doch der Graubart lächelte überlegen und deutete auf das offenstehende Gartentor. „Wie ich dir sagte, Lot, führe Herde und Gesinde einen Steinwurf weit, bis zu den schattigen Dattelpalmen dort am Ufer des Nils! Spannt die Zelte aus! Mich laß indessen meinem jungen Weibe Sarai die Wunder dieser Königshalle zeigen, Wir folgen bald.“ „Abram, ich warne dich“, rief der Jüngere, „betritt die königliche Halle nicht — es könnte Unheil geben, wenn man euch entdeckte!“ , „Was fürchtest du? Stehen wir nicht in Gottes Hut? Kleingläubiger! Es bleibt, wie ich gesagt. Wir sehen uns bei den Dattelpalmen.“ „Nun, wie du willst — ich habe dich gewarnt.“ Der mit „Lot“ Angeredete führte den Zug dem Ufer des Nils zu. Währenddessen geleitete Abram sein junges Weib, das ihm nur zögernd folgte, durch das offene Gartentor in die Säulenhalle. „Komm, du mein schönes, mein geliebtes Weib, alle Wunder von Aegypten sollst du kennen lernen, auch den Palast des Pharao. Die Tür ist offen, niemand zeigt sich; die günstige Gelegenheit soll uns nicht ungenützt verstreichen.“ Und mit leiser Gewalt zog er das junge Weib in die Säulenhalle. Doch Sarai blickte sich scheu um. „0 Abram, mir graut vor diesen fremden Hallen. Wir gehen zurück — mir schnürt Angst die Kehle zu.“ „Sarai! Was kann geschehen, da Gott uns führet? Siehe, mein Weib, als wir noch in der Heimat waren, da sprach der Herr im Traum zu mir: „Geh' aus deinem Vaterlande und von deiner Freundschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich zeigen will! Und ich will dich zum großen Volke machen und will dich segnen und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“ So sprach der Herr zu mir. Meinst du, der Allgütige führet uns, daß wir mit blinden Augen an deft Wundern dieser Welt vorübergehen sollen? Schau dich nur dreist um, wir sind Auserwählte Gottes, uns können Menschen nimmer schaden.“ Doch ein ägyptischer Wächter schritt durch den Garten, er verriegelte das Gartentor von innen und kam eilig in die Halle. Sarai erblickte ihn mit Entsetzen. „Siehe dort, der Mann, er schloß das Tor, wir sind gefangen. 0 Abram, was hast du eingerichtet!" Jetzt wurde Abram ebenfalls ängstlich. „Er wird uns das Tor wieder öffnen, der gute Mann. Komm denn, so gehen wir hinaus.“ Der Wächter hatte die beiden staunend bemerkt, er trat mit Ingrimm auf sie zu. „Wer schlich sich da herein, was sucht ihr hier, Gesindel, in den königlichen Hallen?“ Abram versuchte ihn zu begütigen. „Freund, nicht so hitzig, wir sind kein• Gesindel, sind Fremde, die nur im Vorübergehen den Blick in diese Halle werden wollten.“ „Noch aufbegehren, he? Wo hast du das schöne Weib geraubt, he? Was führtest du sie hier in diese schattige Halle, he? Glaubst du, der königliche Palast sei gut genug für ein Kosestündchen, he?“ „Du irrst, Freund.“ „Bin dein Freund nicht.“ „Sei friedlich, öffne uns die Pforte, laß uns ziehen!" „Zurück! Ihr entgeht mir nicht. Ihr seid dem Henker verfallen, denn bei Todesstrafe ist es verboten, den Palast zu betreten, um so mehr, da unser junger König krank.“ Sarai klammerte sich an Abram. „Der Herr erbarme sich!“ Der Torwächter wandte sich eifrig Sarai zu. „Ruhig, Mädchen, dir wird man kein Leid tun, du bist zu schön. Doch dieser Missetäter hat sein Leben verwirkt. Du entkommst mir nicht. Die Pforte ist verriegelt — ich will den Oberstkämmerer rufen.“ Mit diesen Worten eilte der Torwächter in das Innere des Palastes. Abram sah sich unruhig um. Der Garten war von einer hohen Mauer umgeben. Ein Entfliehen gab es nicht. „Was tun, was tun?“ stöhnte er, „Die Aegyptcr werden kommen und dich sehen, deine Schönheit. Sie werden sagen: Was braucht der Alte ein so junges, schönes Weib und werden mich erwürgen und dich behalten. Ach, ach, erwürgen werden sie mich und ihre Lust mit dir haben. So sage lieber, du seiest meine Schwester, auf daß mir es desto besser gehe, um deinetwillen.“ Sarai schmiegte sich an ihn. „Was sich ereignen mag, mein Gatte, zweifle nicht, ich bleibe dir treu.“ Doch Abram lauschte mit steigender Angst nach dem Inneren des Palastes. „Ich höre Stimmen — ja, sie kommen — Sarai, schwöre mir, daß du nicht sagen willst, du seiest mein Weib! Schwöre, daß du sagen willst, du seiest meine Schwester! 0, schwöre es mit einem heiligen Gelübde, wenn du mich liebst!“ „Bei Gott, ich schwöre es! Und fürchte nichts, mein Abram, wenn ich auch freundlich zu den Aegyptem bin — um deinetwillen —“ „Doch nicht gar zu freundlich —“ „Wenn ich liebenswert erscheine — um deinetwillen—“ „Doch nicht gar zu liebenswert —“ „Um deinetwillen, alles nur um deinetwillen« siebl Abram.“ i .Still, sie kommen. Ach, ach, wie xna£ es enden!“ I Eine Gruppe von Aegyptern, unter Ihnen der Oberst? kämmerer und der Torwächter, schritt aus dem Palast?1 inneren. Der Torwächter wies auf Abram und Sarai. I „Hier ist der Missetäter und da sein Mädchen. Sil drangen beide in die Königliche Halle.“ " Abram suchte nach einer Entschuldigung. „Die Pforte stand just auf, es war niemand da —“ \ Der Oberstkämmerer sah den Torwächter zornig an. „Die Pforte auf und niemand da? Torwächter, wo hast' du gesteckt?“ Jetzt war an dem Torwächter die Reihe, verlegen zu werden.! „0 Herr, ich setzte mich ein wenig in den Schatten einer. Palme, das Tor bewachte ich mit den Augen, doch die Mittageihitze machte —“ „Ich weiß genug. Geschlafen hast du wieder. Schweig! Geh' an deinen Posten!“ ii Beschämt zog sich der Torwächter zurück. Der Oberst? kämmerer wandte sich zu Abram. „Wer bist du, Graubart, und wer das schöne Weib an deiner Seite?“ „Herr, ich bin ein Hirt aus Chaldäa, und diese hier ist — meine Schwester.“ | „Eine junge Schwester, sie könnte deine Tochter, ja^ deine Enkelin sein.“ „Herr, sie ist meine Schwester. Ich bitte dich, laß une hinaus.“ >, Aus dem Palast ertönte jetzt eine sanfte Musik, die sich immer mehr näherte. Der Kämmerer sah die ihn um? gebenden Aegypter bedeutungsvoll an. „Beim lebendigen Sonnenball, dies Weib ist über die Maßen schön! Wir müssen sie unserem kranken jungen Könige bringen, vielleicht wird sein Gemüt durch sie er? heitert." Die Aegyptcr stimmten diesem Vorschläge beifällig zu. Doch Abram eiferte dagegen. „Nein, nein, sie ist niemals heiter, immer traurig, sie würde euerm König nur schaden. Darum, Herr, laß uns ziehen, laß uns ziehen!" Der Oberstkämmerer achtete jedoch nicht weiter auf Abram, er wandte sich wieder Sarai zu. „Horch, man trägt jetzt den kranken König, Pharao Apappus, in den Garten. Sie bringen ihn auf einer Sänfte hier vorbei. Mädchen, stell* dich so, daß dich der Herrscher sehen muß! Schau ihn recht freundlich an, vielleicht fin? dest du Gnade vor seinen Augen.“ Die Musik kam näher. Der Teppich, der den Eingang zum inneren Palast verdeckte, wurde zurückgeschlagen. Sklaven brachten Pharao Apappus auf einer Sänfte, Sklavinnen mit Musikinstrumenten folgten. Der König sah’ leidend aus, es schien, als läge ein Ausdruck ungestillte! Sehnsucht in seinen Augen. Auf einen Wink des Oberstkämmerers schwieg die Musik. Des Königs Blick fiel auf Sarai, lange schaute er sie an, er hob das Haupt und schloß die Augen. „Ich träume schön, von einer süßen, schimmernden' Mädchenblume träume ich, so himmlisch schön. Still, o . still! Wie lebhaft ich träume, ich glaube die Holde fassen Reserviert für den Inventur-Ausverkauf der Firma Schuhhaus Leiser