Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-01-01 · 1 (1.1.1926) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
1 (1.1.1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2613366-2613841-2613842--1637-2619019
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

WWM WWWWW . UU 1^.41 IJJppilUJl. WM *WP" W WM» IUIIIII Ul WU«WW»WM>WMWWW -er Annahme des CalviniSutuS ... Es zeigte sich bald. daß die Hersteituugö- und Verwaltungstosten der von ihm erbauten Bahnen sehr bedeutend geringer waren, als aller anderen russischen Linien. Das bewog die Negierung, ihm die Verwaltung des ganzen Eisenbahnnetzes von 2400 Werst zu übertragen, welches das Baltische mit dem Schwarzen Meere verband. Jetzt dachte Bloch daran, seine Bildung abzurunden und ihr eine solide, wissenschaftliche Basis zu geben. Er ließ sich in Berlin nieder, von wo aus er seine Geschäfte verwaltete und hörte an der dortigen Universität mehrere Semester hindurch Vorlesungen über Nationalökonomie. Geschichte und Philosophie. Jetzt fing er an, seine erworbenen praktischen Kenntnisse auch theoretisch zu verwerten. Er veröffentlichte ein fünfbändiges Werk über die russischen Eisenbahnen, in welchem er die Mängel der bisherigen Vau- und Verwaltungsmethoöen nachwies und Vorschläge zur Verbesserung machte. Das Werk, welches auch in französischer Sprache erschien, wurde aus der geographischen Ausstellung von Paris 1875 mit der Goldenen Medaille erster Klasse gekrönt. Im Verein mit dem nachmaligen Finanzmintster Wyschnegradzki verfaßte er ein weiteres Buch über das Eisenbahutransportwesen. Im Aufträge der Regierung schrieb er eine ausführliche Studie über die Einrichtung von Pensivns- und Invaliden kaffen für Beamte und Angestellte. Ein vielbändiges Werk über die Finanzen Rußlands im 19. Jahrhundert entwarf ein Bild des ganzen BerwaltungSwefens deS Zarenreichs, und bildete die Grundlage zur russischen Finanzreform. Bloch wurde darauf in das .^Wissenschaftliche Komitee" des Finanzministeriums berufen, das ihm alsbald die wichtigsten Arbeiten übertrug. Immer mehr erweiterte er das Gebiet seiner Forschungen. Er verfaßte umfangreiche Werke über den Meliorationskredit und die Landwirtschaft in Rußland und im Auslande, iiber die Verschuldung des Grundbesitzes in Polen, über die Entwicklung der Industrie in Polen. Ein großes Werk über den Einfluß des Eisenbahnwesens auf die wirtschaftliche Lage Rußlands brachte ihm die Ernennung zum Wirklichen Geheimen Staatsrat mit dem Prädikat Exzellenz sowie die Verleihung des Adels. Die meisten seiner Bücher erschienen in polnischer und russischer Sprache, manche auch in französischer Uebcrsetznng. und begründeten in fachmännischen Kreisen seinen Ruf als den eines der bedeutendsten Praktiker und Theoretiker auf vielen Gebieten der Nationalökonomie. Inzwischen vernachlässigte er seine geschäftliche Tätigkeit nicht. In Warschau konzentrierte er seine sämtlichen Unternehmungen in einem großen Bankhaus, welches sich besonders an der aufblühenden Zuckcrindnstrie beteiligte, gründete eine Feuerversicherungsgesellschaft, reorganisierte die Börse, indem er an deren Spitze ein Börscnkomitee stellte, dessen Präsident er wurde, unternahm den Bau mehrerer neuer Eisenbahnlinien. Er bekleidete die unter den damaligen Umständen besonders schwierige unb verantwortungsvolle Stellung eines Aeltesten der Kaufmannschaft. Eine so tief und reich veranlagte Natur konnte nicht umhin, über die religiösen Probleme nachzndenken. Der armselige Chederunterricht hatte ihm natürlich keine tiefere Kenntnis des Judentums übermittelt. Jetzt las er alle ihm erreichbaren Bücher über das Judentum, führte mit seinen jüdischen Bekannten eingehende Gespräche darüber. Der Vergleich zwischen der Lehre der jetzigen und seiner früheren Religion überzeugte ihn nicht von der Ueberlegenbeit der erstercn. Aber in Rußland gab es für ihn kein Zurück mehr. Dafür uahm er au allen jüdischen öffentlichen Fragen ostentativen Anteil, betrachtete sich als Mitglied btt jüdischen Gemeinde tit Warschau, entrichtete sreiwillm jene Steuern, zu denen er seinem Einkommen nach verpflichtet gewesen wäre, unterstützte die große jüdische Gemeindebibliothek, war Mitglied aller jüdischen Wohltätigkeitsvereine und Knlturinstitutionen, spendete besonders reichlich den Unterrichtsanstalten, sowohl den Talmud-Thora, als auch den Haudwerkcrschnlen, die der Regierung ein Dorn im Ange waren. Hebräische Publikationen hatten in ihm einen wohlwollenden Gönner. Wie jeder geistig und sittlich hochstrebende Mensch war er innerlich ein Grandseigneur,' klein, zierlich und schmächtig von Gestalt, hatte sein Auftreten gleichwohl etwas Imponieren- Mil der Seele fühlen. Und es geschah des Unbegreiflichen Stimme zu mir: „O, wenn ihr wüßtet, was das Leid ist! Aber ihr könnt es nicht wissen, Weil ihr irdisch. So, wie ihr keinen Begriff haben könnt Von Zeit und Raum und Ewigkeit — So wißt ihr auch nicht, was das Leid bedeutet. Ihr sträubt euch gegen das Leid Und seufzet darum und klaget, — Das ist menschlich und irdisch. Ihr jagt nach Erdenglück, Und wenn ihr dies errungen zu haben meinet, Dann ist cs ein Nichts. Nehmt euer Leid geduldig auf euch, Denn es ist göttlich! Was ihr leidet, das fühlt eure Seele, Doch das Erdenglück fühlt nur der Leib. Siehe! Eure Seelen sind Teile von Gott. Und was die Abermillionen leiden, Das alles leidet Gott mit ihnen, Weil ihre Seelen leiden. Was aber der Leib genießt, Bleibt fern von Gott. )as Eröenglück ist vergänglich, Aber das Leid führt ins Ewige!" Max Rosenfeld, Dresden. Jüdische Katakomben in Rom. Von Leopold Sander (Düsseldorfs. Etwa zwei Kilometer südlich der imposanten Torburg -er Porta Appia (heute meist Porta Sebastiano genannt), gelangt man auf der berühmten Appischen Straße, der „Regina Viarum" der alten Römer, zu den Katakomben des heiligen Kallixtus und nach einem weiteren halben Kilometer zu dem bei der alten Kirche „ad Catacumbas" belegenen Sebastianus-Katakomben. Während wohl kaum ein Romreiscndcr sich diese weltbekannten Sehenswürdigkeiten entgehen läßt, sind die zwischen diesen beiden Begräbnisplähen. an der gegenüberliegenden Straßenseite befindlichen jüdischen Katakomben sehr wenig bekannt und werden dementsprechend nur hier und da einmal von einem einsamen Touristen besucht, der irgendwie von ihrer Existenz etwas vernommen hat. Und doch verdcs und Gebieterisches, trotz der großen Schlichtheit, Bescheidenheit und Oerzensgüte. Die ungewöhnlichen materiellen Erfolge, die ihn zu einem der reichsten Männer in Rußland machten, hatten ihn nicht verblendet, er fühlte sich stets den Aermsten und Niedrigsten verwandt, nahm für sie Partei und gab diesem Gefühl unzweideutigen Ausdruck. Seine Zugehörigkeit zu den Juden betonte er stets nachdrücklich. Die allseitige Hochachtung und Liebe, deren er sich in allen Kreisen der polnischen Gesellschaft erfreute, hat am meisten mit dazu beigetragen, den aufketmenden Antisemitismus in Polen bis znm Beginn dieses Jahrhunderts niedcrznhalten. * * Als mit dem Regierungsantritt Alexander III. die Aera der Pogrome anfing, trat an Bloch öfters die Aufgabe heran, sich mit der Judenfrage zu befassen. Zunächst bemühte sich die Regierung, die Pogrome nach Polen zu verpflanzen (der erste Versuch hierzu wurde Ende Dezember 1881 unternommen, mißlang aber kläglich), sodann wurden Maßregeln getroffen, Polen und Juden gegen einander aufzuhetzen. Hierin zeichnete sich besonders der Generalgubernator Graf Gurko aus, der, einer polnischen Familie entstammend, als echter Renegat seinen ehemaligen Volksgenossen nach Kräften zusetzte. Gegen diesen harten und grausamen Satrapen führte Bloch einen ständigen Krieg. Kurz nach dem Erlaß der berüchtigten Maigesetze, die öaS Wohnrecht der Juden in Rußland arg beschränkten und unablässige Austreibungen ermöglichten, plante die Regierung dieselbe „Ordnung" auch ans Polen auszudehnen. Im Ministerium ließ man aber Bloch wissen, daß das Unheil gegen die Entrichtung eines Bakschisch von einer Million Rubel abgemendet werden könnte. Bloch organisierte eine Sammlung, stellte sich mit einem namhaften Betrag an die Spitze, und bald war die nötige Summe beisammen, die das Herz der Petersburger Gewalthaber milder stimmte. Als später ausländische Juden, die sich nicht taufen lassen wollten, massenhaft aus Rußland ausgewiesen wurden, gebrauchte Bloch seinen Einfluß in Petersburg, um van vielen das Schicksal abznwenöen. Im Jahre 188", beauftragte ihn die vom Ministerium des Innern unter Vorsitz des Grafen Puh len einberufene Kommission zur Uebcrprüfnng der Judengesetze mit der Abgabe eines Gutachten?., welches er unter dem Titel „Pachtung und Erwerb von Grund und Boden durch die Juden" auch im Druck erscheinen ließ. Die Schrift machte großes Aufsehen. Aber der reaktionäre Kurs wurde durch die genannte Kommission nicht anfgeyalten. „Als Bloch einmal, nach mehrstündigem Vortrag beim Zaren Nikolaus, die Gelegenheit benutzen wollte, um mit ihm über die Judcunage zu sprechen, wendete ihm der Selbstherrscher gleich nach den ersten paar Worten den Rücken und entfernte sich. (Persönliche Mitteilung des verstorbenen Herrn Philipp Schiff in Frankfurt a. M. im Namen des Herrn Feinberg ans Petersburg, der cs von Bloch selbst gehört hatte.)" Für Bloch war das Gutachten der Ausgangspunkt zu einer Untersuchung im großen Stil über die Juöensrage im russischen Reiche. Es galt, zunächst genaue statistische Daten zu gewinnen. Die amtlichen Publikationen der Regierung waren tendenziös zngestntzt, wenn nicht gar gefälscht. Aber vor Bloch öffneten sich die geheimen Archive, und er konnte ninnittelbar aus den Berichten der lokalen Behörden schöpfen. Außerdem organisierte er mit großem Kostenaufwand ein Bureau in Warschau, entsandte eine ganze Anzahl von gebildeten Männern und Frauen in alle Gegenden. wo Inden wohnten, und ließ sie nach wohldurchdachter wisseuschastlicher Methode die Verhältnisse der Inden an Ort nnd Stelle studieren. Die Frucht dieser Arbeit war das im Jahre 180«; zu Petersburg irr russischer Sprache vollendete fnnsbändige Werk: ..Vergleich des wirtschaftlichen Lebens und der sittlichen Zustände innerhalb des jüdischen AnsieölnngsrayonS und tut übrigen Rußland". Blocks Ausführungen gestalteten sich zu einer vernichtenden Anklage gegen die russische Judenpolitik. — Daß dieses Buch der Regierung des Herrn von Plehwe sehr unbequem werden konnte, war klar, zumal Bloch inzwischen durch sein Werk über den Krieg eine europäische Berühmtheit geworden war. Da geschah ein Wunder, in der Druckerei brach im Herbst 1000 Feuer aus, just in dein Saal, wo die soeben fertiggestellten Exemplare anfgcstapelt waren, und vernichtete sie dienen anck sie — schon wegen ihres Alters — sie sind nämlich älter als die christlichen Katakomben, denen sie als Vorbild gedient haben — unser Interesse in hohem Maße. Ganz abgesehen von der unterirdischen Anlage sind sie überhaupt grundverschieden von allem, was man bisher gewöhnt war. sich unter einem indischen Friedhof vorzustcllen, so daß ein Besuch dieser uralten und ehrwürdigen Grabstätten sich — zumal für einen jüdischen Besucher — zu einem nicht eben alltäglichen Erlebnis gestaltet. Bor allem findet «ich hier auch nicht die Spur einer Jnsthrift in hebräischer Sprache, sie sind alle entweder griechisch oder lateinisch u. zw. zum überwiegenden Teil griechisch und zn einem kleineren Teil lateinisch verfaßt. Dann sucht man hier vergeblich irgendwelche „jüdischen", b, h. alttestamcntlichen Namen, — sie sind ebenso unauffindbar wie der sechseckige Stern Davids, der scllt nirgendwo fehlt, wo ein jüdisches Enmbol dargestellt werben soll. Bibelsprüche habe ich auch kerne gesunden. Und trotzdem sind diese jüdischen Gräber, die kein Hebräisch kennen. 1000 Jabrc älter als die ältesten, hebräisch besteinten des ganzen Abendlandes! Es ist äußerst reizvoll, diesem anscheinenden Widerspruch: Je älter, je weniger Hebräisch — nachzngehcn. Man stößt dann auf die interessante Tatsache, daß die Hebraisicrung des indischen Kultus eine Reaktions- oder, wenn man will, eine Renaissance-Bewegung innerhalb des frühmittelalterlichabendländischen Judentums gewesen ist. die zur Zeit der Eäsarcn. arrS der die Katakomben stammen, noch nicht eingesetzt hatte, sondern erst Jahrhunderte später aanz allmählich zur Herrschaft gelangte. Man erinnert sich dabei, daß Philo von Alexandrien ierstes nachchristliches Jahrhundert) berichtet, daß er gelegentlich einer Romrcise zu Kaiser Calignla fand, daß die römischen Juden nicht nur in ihrer — griechischen — Mnttcrivrache beteten, sondern, daß sogar die Vorlesung aus dem Pentateuch in griechischer Sprache erfolgte, wobei man sich offenbar der Septuaginta bediente. Wann diese außer Gebrauch gekommen nnd die ursprachliche Bibel eingcsührt morden ist, läßt sich mit absoluter Sicherheit nicht mehr feststellcn, denn auch in der indisch-römischen Geschichte klafft — genau wie in der übrigen — zwischen dem Untergang des weströmischen Reiches und etwa dem zehnten Jahrhundert eine große Lücke, nur durch spärliche Ueberlicfernngen notdürftig erhellt, die aber nicht genügen, um sich von den bedeutenden in dieser Zeit erfolgten Umwandlungen ein genaues Bild zu machen. Nur soviel wissen wir. daß im zehnten Jahrhundert in Rom hebräische — oder was damit gleichbedeutend ist, talmudische — Gelehrsamkeit gepflegt wurde, die inzwischen neu daüin verpflanzt worden war. u. zw. höchst wahrscheinlich durch Glaubensgenossen aus Mesopotamien, die vielleicht durch die Nachwirkungen der Verfolgungen des mit Feuer und Schwert sich ansbreitenden jungen Islam' aus ihren bisherigen Wohnsitzen vertrieben worden sein mögen. Im zehnten Jahrhundert scheint die Hebraisiernng und Talmndisicrnng im wesentlichen vollendet gewesen zn sein, wenigstens in Italien. In Deutschland fing sic dagegen damals erst an. da die Uebersicdlnng der Gelehrtenfamilie Kalonymos ans Lncca nach Mainz, die dort zum sämtlich, bis auf fünfundzwanzig, die an den Verfasser nach Warschau bereits unterwegs waren und nicht mitverbrannt werden konnten. Kurz darauf, am 25. Dezember 1900, verstarb der Verfasser. Das Buch, welches unschätzbares Material zur Kenntnis der Judenfrage in Osteuropa enthält, konnte nicht wieder aufgelegt werden und bildet eine der größten bibliographischen Seltenheiten. * * * Als im Jahre 1878 der Russisch-Türkische Krieg bevorstand und die Möglichkeit vorhanden war. daß Oesterreich-Ungarn in Polen einmarschierte, wurde Bloch von der Regierung beauftragt, ein Gutachten über die Verproviantierung Warschaus im Falle einer Belagerung auszuarbetten. Sein umfassender Geist blieb bei dieser Frage nicht stehen, sondern zog alle Probleme der wirtschaftlichen Folgen des Krieges in Betracht, dann den Krieg selbst in seiner Bedeutung für das Völkerleben. Und er, der Großunternehmer, Handels- Herr und Bankier, den jeder Krieg um Millionen reicher machte, lernte den Krieg gründlich hassen. Und da er wußte, daß man den Feind genau kennen mutz, um ihn mit Erfolg bekämpfen zu können, studierte er den Krieg in allen seinen Erscheinungen. Zwanzig Jahre widmete er der Arbeit an seinem Werke. Die Ergebnisse seiner Forschungen, die in dem eingangs genannten großen Werk niedergelegt sind, lasten sich in folgende Leitsätze zusammensassen: Die Epoche der kurzen Kriege, die in einem halben oder einem Jahr beendet werden, ist unwiederbringlich vorüber. Aber die modernen wirtschaftlichen Zustände und die ungeheuren Kosten eines Krieges würden binnen kurzem die Kriegführenden an den Rand des ökonomischen Ruins bringen und seine Fortführung unmöglich machen. Lange bevor es zu entscheidendem Ergebnis käme, wären beide Teile erschöpft und Untergang oder Revolution müßte über die Völker Hereinbrechen. „Ter Menschheit bleibt in den ietzigen Zuständen nur die Alternative: entweder Ruin durch die Fortdauer des bewaffneten Friedens oder eine wirkliche Katastrophe: der W e l t k r i e g." „Der Krieg der Zukunft wird kein Krieg zwischen Menschen, sondern zwischen Maschinen sein: nicht der tapfere Mensch, sondern die bessere Maschine wird siegen." „Vor allem aber wird Amerika den künftigen Krieg in Europa ausnützen, um die europäische Industrie zu ruinieren, alle Märkte an sich zu reißen und sie nicht mehr aus der Hand zu lassen." „Noch mehr: Man kann nicht dafür bürgen, daß bei dem Zustand der jetzigen Heere eine solche Gärung der Massen nicht auch in den Reihen der Armee sich äußert." An manchen Stellen sagt er so unumwunden, als die Zensurverhältnifse cs zuließen, den Sturz der Monarchie a!s Folge eines europäischen Krieges voraus. — Vor fünfundzwanzig Jahren hätte kein anderer in Europa den Mut gehabt, alle diese Sätze auszusprechen. Als zur ersten Haager Friedenskonferenz in der zweiten Hälfte des Mai 1809 Diplomaten aller Staaten der Welt zusammenkamen, hielt cs der Zivilvertreter Deutschlands, Professor Freiherr von Stengel, für nötig, eiye Broschüre unter dem höhnischen Titel „Der ewige Frieden" zu veröffentlichen, die in echt Treitschkeschem Geiste Abrüstung und Völkersricöen als verwerfliche nnd alberne Utopien brandmarkte, und den Krieg als die gottgefällige Weltordnung, als den Heilbringer der Menschheit feierte. Es wirkte wie stumpfsinniger Zynismus, wenn der Verfasser gegenüber der „indischen Utopie" vom ewigen Frieden die Segnungen des Krieges feiert, der u. a. auch die ... . Ehirurgie beträchtlich fördere. Der Russe Prof. I. N 0 w i k 0 w antwortete dem Freihcrrn von Stengel in einer satirischen Broschüre „Der ewige Krieg", die sofort in alle Sprachen übersetzt wurde. Seit damals datiert der furchtbare allgemeine Hatz gegen die Deutschen, der mit Ausbruch des Weltkrieges in hellen Flammen aufloöertc. Freiherr von Stengel und die Seinigen sind es gewesen, die die Deutschen nach Versailles geführt haben. Aber znm Kongreß versammelten sich auch die Friedensfreunde aus allen Ländern. Den Mittelpunkt bildete Baronin Berta von Suttner, die unerschrockene Vorkämpferin der Weltfriedensidee. Auch Bloch, dessen Werk das größte Aufsehen machte, fand sich ein und hielt eine Reihe von Borträgen, zn denen auch die versammelten Diplomaten erschienen. Baronin Suttner schreibt: „Alle verersten Male in Deutschland die neue Wissenschaft lehrte, erst zur Ottonenzeit. also in der zweiten Hälfte des zehnten Jahrhunderts, erfolgte. Bis dahin bedienten sich die fränkischen Juden — wie aus den Schriften des Bischofs Gregor von Tours und Agobard's hervorgeht — bei ihren gottesdienstlichen Vorträgen der allgemein-verständlichen Landessprache. Tie Umstellung des gesamten Kultus in die — vom Gros der jüdischen Bevölkerung nicht verstandene — hebräische Sprache wird man somit für Frankreich und Deutschland mit dem Beginn des Talmuöstuöimns in diesen Ländern, also rund, ums Jahr 1000. anzusctzcn haben. Von da an legen sich die Juden in diesen Ländern auch alttestamentliche Namen bei. was bis dahin dort nicht üblich war. Jsaac Jndäus, der wackere Dolmetscher und nachherigc alleinige Führer der Gesandtschaft Karls des Großen an Harun ar Raschid, ist deshalb wohl sicher kein fränkischer Jude gewesen, eben wegen seines Namens. Die Bezeichnung „Katakomben" war im Altertum nicht gebräuchlich. Man nannte die unterirdischen Begräbnisplätze einfach „Coemctcrieu". vom griechischen „Koemeterion" — Schlaf- oder Ruhestätte. Der etwas gruselige Beigeschmack, den man da und dort heute mit dieser Bezeichnung verbindet, hat keine Berechtigung. denn cs war weiter nichts als die der Oertlichkeit angepatzte, altgewohnte orientalische BestattnngSart, die Toten in Felsengräbern veiznsctzen. (Man vergleiche Höhle Machpelah, Königsgräber, die phönizischeu Fclsnckropolen im Orient, in Sizilien, Sardinien usw.) Wenn überirdisch keine brauchbaren Felsen anstandcn. so ging man eben unter die Erde. Jedenfalls war es in Judäa unverglcich viel beschwerlicher gewesen. Felsengräber aus dem dortigen harten Kalkstein herauszusprengen, als die Katakomben in Rom anzuleaen, denn hier fand man dicht unter der Oberfläche ein Material, wie man cs sich für diesen Zweck gar nicht besser wünschen konnte: nämlich den non den Albanerbcrgen herstammenöen vulkanischen Tuff, der ebenso widerstandsfähig wie leicht zu bearbeiten war. Tie Katakomben bestehen, wie man weiß, aus langen, ziemlich engen und etwa 3—4 Meter hohen Gängen, die sich manchmal üverschueiden, so daß mehrere Stockwerke entstanden. Im allgemeinen sind die jüngsten Gräber unten und die älteren mehr oben. Manchmal reichen sie 10,15 nnd mehr Meter unter die heutige Oberfläche hinab. An den Seiten der Gänge befinden sich, meistens wagerecht eingeschnitten und zu zweien oder dreien übereinander, die einzelnen Grabstätten, die nicht größer sind, als zur Ausnahme einer Leiche — ohne Sarg — nötig war. Tie Grabstätten sind mit Mauerwerk verschlossen gewesen (und teilweise noch verschlossen) und in dieses eingelassen, findet man bei manchen Gräbern, doch bei weitem nicht bei allen. Inschriften auf Marmvrtaseln. Einige Hundert solcher Inschriften sind auf uns gekommen. Sie stammen nicht allein ans dem oben erwähnten Coemeterium an der Bia Apvia, sondern znm Teil auch aus andern Katakomben, wie z. B. vom Monte Berde t

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.