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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-12-25 · 52 (25.12.1925) · page 7

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
52 (25.12.1925)
Date
1925-12-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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p^t nu;j fior. crfoüt wirk). — Jüdische Gedanken sind es — dte Ader der Gerechtigkeit. der Selbstbesinnung, der Gedanke L?3 hvunlcit Ausj-leichs. lies Friedens unter den Nationen u. .•?.. Mc nach Verwirklichung im Bölkerlebeu ringen. <53 gilt die weltgeschichtliche Stellung des Judentums kennenzulernerr. Ter freie Wille, die sittliche Selbstbesinnung ist durch ltnient Bäterglauben der Welt gegeben. Selbsterkenntnis und tatkräftige Umkehr gilt» es zu fördern. — Nicht Programmeohne Inhalt wollen wir anfstellen, sondern im Gemeinschaftsbewußtsein handeln. — Liberales Judentum ist kein Freibrief für zollfreies Hinausziehen, sondern Forderung des Eintretens für die Gemeinschaft. Wie kommen wir zu ihr? Durch die religiöse, innerlich empfundene Tat. — Und nun wurde der Abend zur Feierstunde, zum inneren religiöseil Erlebnis, und es stand jeder Hörer im Banne der tief im Wesen des Judentums verankerten Persönlichkeit des Redners, der zu begeistern und mitzureihen »erstand. — Möge sein Appell an Gemeinschaftssinn und opferfreudiges Wirken verständnisvolle Herzen in unserer Gemeinschaft gefunden haben. Halle a. S. (Ortsgruppe der Bereinigung für das liberale Judentum e. V.l Am Mittwoch, den 9. Dezember, abends 8 Uhr. hielt Herr Robert Hirschfeld aus Berlin im Thaliasaal auf Einladung unserer Ortsgruppe einen Vortrag Über die Ausgrabungen in Vorderasien. Gleich zu Beginn seiner Ansführungen verstand es der Redner, Sie Hörer durch seine «interessanten Vorbemerkungen ungemein zu fesseln. Dann zog in Wort und Bild die ganze -biblische Geschichte, soweit diese in den Funden eine Parallele aufweist, von «dem Sintslutbericht bis zur Zeit der babylonischen Gefangenschaft an den, Hörern vorüber. Es gelang dem Vortragenden, in populärer Darstellungsmeise Sie wissenschaftlichen Ergebnisse allen Anwesenden klarznlegen. Er sprach über 1% Stunden, ohne öah die Anwesenden aufgehört hätten, wie gebannt seinen Worten zu lauscheu. Es folgte dem Vortrag eine kurze Aussprache, in der der Redner Anregung zu einer Weiterbeschästigung mit diesen biblischen Fragen gab. Auch dieser Vortragsabend war für unsere liberale Ortsgruppe ein voller Erfolg. Potsdam. (Jüdisch-liberaler Jugendoerein.s Am 12. Dezember veranstalteten wir unser diesjähriges Chanukahvergnügen. Für den Nachmittag 'dieses Tages batten wir die Jüngeren unserer Gemeinde zu SchokolaSe und Kuchen eingeladen, und, nachdem die Lichtchen angezündet und sich alle genügend gestärkt hatten, verbrachten wir kurze, aber frohe Stunden mit mannigfachen Unterhaltungen und gut gelungenen Darbietungen. Abends fand Sann ein Gesellschaftsabend statt, zu dem wir auch die Gewcindemitglieder eingeladcn hatten. Zu Beginn eine kurze Ansprache unseres Vorsitzenden, Worte der Begrüßung und des Tankes an alle, die zur Verschönerung des Festes beigetragen haben. Musikalische Vorträge ernster und heiterer Art. eine Reigen-Aufführung. Tombola und nicht zuletzt der Tan.; ließen uns alle bis in die spaten Nachtstunden zusammen sein. Liegmtz. (Liberaler Verein der Svnagogen- 6 e m e i n d e z n L i e g n i tz.s Am Montag, den 11. Dezember, abends 814 Uhr. feierten wir in den behaglichen Räumen der Silesia-Loge Chanukah. bei erfreulicherweise außerordentlich starker Teilnahme von Mitgliedern und Gästen — ca. 90 Personen! Herr Rabbiner Dr. Peritz vollzog die Lichterweihe und danach wurde von allen Anwesenden das Moauszur gesungen. — Unser 1. Vorsitzender, Herr Dr. Scheper, nahm nun das Wort, um zunächst Herrn Dr. Peritz besonders zu begrüßen, und sodann mitzuteilen. Laß Herr Rechtsanwalt Spitz leider abgesagt habe. Er betonte außerdem seine besondere Freude an der zahlreichen Beteiligung zur Cßanukahfeier. Gerade das Chanukahfest werde in den letzten Jahren immer mehr gefeiert. Unsere Kinder sollen den christlichen Kindern nicht mehr nachstehen — auch sie sollen ihre Freude Hatzen, aber nicht wie früher wohl häufiger — unter dem WeihnachtMaum, sondern unter der Menorah — am Chanukahfest! Dr. Scheyer würdigte die Bedeutung des Ehanukahfestes und die Symbolik der ncfulltcu Oelkrüge. die er mit der unversiegbaren sittlichen Kraft des Judentums verglich. — Den mit großem Beifall oufgenom menen Worten folgt eine Ansprache unseres verehrten Rabbiners Herrn Dr. Peritz, denen nähere Erläuterungen. u. a. auch des schon unseren Vorfahren bekannten Trendelspieles, besonderes Interesse erweckten. Auch ein altertümlicher Trendel mit hebräischen Inschriften wurde viel bewundert. Bei der anschließenden Teetafel herrschte eine recht angeregte Stimmung! Außer dem appetitlichen Gebäck gab es für jeden eine Ueberraschung aus Marzipan, eine Spende des Vereins. Und NUN folgten die künstlerischen Genüsse. Nach dem temperamentvollen Spiel von Herrn Siegfried Cboyke» Geige, von Frl. Lilli Liebrecht am Klavier begleitet, erfreute uns Herr Martin Sommerfeld mit einigen wundervollen Liedern, die stürmischen Beifall fanden, so daß er noch eine Zugabe spenden mußte. Besonders gefiel das schöne „Winterlied" von Henning von Koß. Man blieb noch eine ganze Weile gemütlich beisammen, und der Verein kann mit vollster Besriediaung auf diesen so harmonisch verlaufenen Abend zurnckblicken. dessen wohl alle Teilnehmer noch lange gern gedenken werden. Greta Jakobsohn. 1. Schriftführerin. i» I H Sersammlungskalen-er »>»»»■»‘»»44 ♦ »»044»»»»»»44«4»44 »»44444»4»4»444»44»4«44444444M Berlin. Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162. — Auerbachsches Waisenhaus. — Gottesdienst am Freitag, den 25. Dezember, abends 7% Uhr: Predigt Rabbiner Tr. Salomonski. Sonnabend, den 26. Dezember. vormittags 10 Uhr: Predigt Rabbiner Dr. Salomonski. Ka enöAwm für die Zelt vom2S.i2.25b.2.l.1926. Dezember 1925 TeroeS 5688 Sonnabend 28. 9. Wochen-Abschuitt: Wajjigasch 1. B. M. Kapitel 44,18-47.27 Haftarah: Ezechiel 87,1 Sonntag 27. 10. Fasttag: Nacht 4,47 Montau 28. 11. Dienstac 29. 12 Mittwoch 39. 13. Donnerstag 31. 14. Januar 1828 Freitag 1. 15. Sonnabend 16. Wochen-Abschnitt: Wajechi (1. B. M. Kapitel 47,28-50,26j Haftarah: 1. Buch Könige 2,1—12 Sabbat-Ausgang: 4,58 fl! BÜCHERSCHAU ffff 4+»»»4<>»»>»444»»0»O44*»4»»»4»4M4M»»»»»»»»»M»4»4»4M4»444» Hans Rosenfel«!: Deutschtum und Judentum, Der Neue-Geist- Vcrlag, Leipzig. Oktav, broschiert. 1,20 M. Isn Neuen-Geist-Verlag in Leipzig erscheint eine kleine Arbeit von Hans Rcscnfeld, die esversucht, in philosophischer Betrachtung von ..Deutschtum und Judentum" auf nicht unori^ineüe Weise eine mögliche und erstrebenswerte Lösung der deutschen Judenfrage anzudeuten und zu begründen. Deutschtum und Judentum, so meint der Verfasser, sind Gegensätze, Gegensätze der Nationalität, der Rasse, der Kultur, zuerst und zutiefst Gegensätze der Idee. Deutsche und Juden sind beide eminent metaphysische Völker, Aber »die Deutschen sind das Volk der Metaphysik des Objektes, die Juden sind das Volk der Metaphysik des Subjekts." »Die Deutschen sind das Volk der Liebe zur Welt und zu den Dingen, die Juden das Volk der Liebe zur Seele und zu den Menschen." So ist das Ideal des Deutschen Sachlichkeit, seine wesentlichste Leistung Kunst im weitesten Sinne, sein höchster Vertreter Goethe; das Ideal des Juden Menschenliebe, seine wesentlichste Leistung Ethik, sein höchster Vertreter Jesus Christus, Aber allerdings damit sind Ideen bezeichnet, denen die Wirklichkeit der Gegenwart kaum noch in etvJas entspricht. Deutsche und Juden befinden sich heute beide und gleichermaßen in einem Stadium des Niederganges. Und das Wesen ihrer nationalen Eigenart ist entartet. Diese Entartung ist bei Deutschen 'und Juden in verschiedener Weise bemerkbar. Die Struktur des deutschen Volkes ist, pantheistisch gestimmt, durchaus monistisch gebaut. Die Struktur des wesentlich monotheistisch gerichteten Judentums dagegen beruht auf dem Gegensatz von Mensch' und Gott, von Materie und Geist. Ihr Kennzeichen ist durchgängiger Dualismus. So bedeutet nun. noch die Entartung des Judentums etwas anderes als die Entartung des Deutschen. »Das Judentum . . . entartet „volar", d> h. das seines metaphysischen Gehalts beraubte Volkstum schlägt in seinen kontradiktorischen Gegensatz um. Das Deutschtum, auf monistischer Grundlage ruhend, entartet „gesteigert", d. h. seine einheitliche, seelische Struktur unterliegt einer quantitativen Steigerung, die solche Ausmaße annimmt, daß die Quantität in eine andere Qualität umschlägt." Von der Verfolgung der Jahrtausende gehetzt, in seinem Selbstgefühl zerrüttet, jeirjt sich so der Mangel an, Selhstbewußtsein im heutigen Judentum als eine „zur Schau getragene Dreistigkeit ohne Stolz; geächtete und tiefe Menschenliebe, die keinen Halt und keinen Widerklang fand, ward hemmungsloser Selbsterhaltungstrieb; an sich selbst irre gewordene tiefe Gläubigkeit ward ehrfurchtslose Zersetzungsluft; angeborene Mildtätigkeit und Nächstenliebe ward übersteigerte Raffsucht." Auf der anderen Seite zeigt die Entartung des Deutschen ähnliche Resultate, wenn auch von anderen Gründen bedingt. „Vor lauter Objektivität verlernt er es, die Dinge mit pulsierendem Leben zu erfüllen, Bas Leben erstarrt zu einem paragraohierten Schema, hohe Ideen werden zu hohlen . . . Begriffen . . . Eine von Natur geringe Geneigtheit, sieh mit der inneren Werkstätte der menschlichen Seele zu befassen, steigert sich zu völliger Lfcfähigkeit zur Menschenkenntnis und Menscher.behandlung . . 8o sind auch hier endl-ch Unduldsamkeit und Roheit, Egoismus, eine völlige Auflösung des Gemeinschaftslebens und ein erbitterter Kampf aller gegen alle das Resultat der Entartung. Süll hier Rettung werden, ein Halt des Niedergang« und ein Neuaufbau der Kultur, so gibt es für den Deutschen wie für den Juden in gleicher Weis* eine zweifache Möglichkeit. Er kann in der Besinnung auf die seinem Wesen gemäße Idee zurückzukehren versuchen zu der stolzen Größe seiner Vergangenheit, Es ist verständlich, wenn er in diesem Falle es unternimmt, von allem Fremden und Gegensätzlichen sich zu lösen. Dies Ist der in seiner Art berechtigte Weg der Deutsch-Völkischen, dies ist nicht anders auch der Weg des jüdischen Zionismus. Aber es bleibt zu bedenken: Diese Wege sind beide Wege: zurück. Und es gibt noch eine zweite Möglichkeit des Heils, einen vielleicht besseren und höheren Weg der Rettung, der vorwärts führt und in neue Zukunft weist. Diesen Weg werden Deutsche und Juden gemeinsam zu gehen haben, es ist der Weg zur Synthese von Deutschtum und Judentum. Diese Synthese aber heißt: Christentum, Christentum. wie es bisher nicht wirklich war. Die Juden hatten das Christentum, das für sie allein möglich gewesen wäre, abgelehnt. Die der Hauptsache nach wie das deutsche Volk wesentlich pantheistisch-künstlerisch gerichteten Völker des Occidents hatten es nur äußerlich annelime, aber nicht wahrhaft verwirklichen können. Soll Christentum wirklich werden. — und es scheint, als sollte heute einer Epoche der Kunst ein Zeitalter der Ethik folgen, — dann wird das möglich nur sein in einer fruchtbaren Verbindung von Deutschtum und Judentum. „Nicht als ob dabei Deutschtum und Judentum als quantitativ koordinierte Größen auftreten würden, wohl aber ist das Judentum das ausschlaggebende, unendlich wesentliche Quentchen Energie, das nottut, um das gewaltige Schwungrad des Deutschtums, das auf dem toten Punkt stillsteht, in eine erneute, umgekehrt gerichtete Bewegung zu versetzen.Die Zukunft wird einem Menschheitstypus gehören, der die edelsten Bestandteile jüdischer und deutscher Kultur in sich vereinigt, und der auf deutschem Boden lebend, die deutschs Sprache sprechend, durch deutsche Kultur genährt, in seiner überragenden Mehrzahl aus deutschen Individuen bestehend, wohl verdient, ein neues Christentum deutscher N at ion genannt zu werden." Ich habe versucht, die wesentlichsten Gedankengänge^ von Rosenfelds Arbeit referierend anzudeuten. Es tut not, einige Worte der Kritik hinzuzufügen. Die vorliegenden Ausführungen beruhen auf der Voraussetzung eines national-kulturellen Gegensatzes von Deutschtum und Judentum. Ich kann diese Voraussetzung nicht teilen. Ich weiß auch nicht, ob selbst in bescheidener Fassung: als Gegensatz verschieden gerichteter Mentalitäten hier eine wesentlich-künstlerische, dort eine wesentlich ethische Haltung feststellbar wäre. Man hat oft genug gerade •umgekehrt — und vielleicht nicht mit Unrecht — auf eine innere Verw andtsebait von Deutschtum und Judentum hingewiesen und den ihnen beiden gemeinsamen Zug zum Grüblerisch-Reflektierend-Ethischen aufzuzeigen versucht. Ich kann ferner ebenso wenig mit der hier vertretenen Identifizierung von Judentum und Christentum mich einverstanden erklären. Man weiß, daß hier vielfach und von verschiedenster Seite auch wesentliche Unterschiede konstatiert worden sind. Und ich muß endlich gestehen, daß mir das Ziel des Ganzen letzter Präzision zu ermangeln scheint, Ich weiß nicht, was der Verfasser unter dem neuen Christentum der Zukunft versteht. Bestimmte religiöse Dogmen sollen nach seinen "Worten ohne Belang sein. Ist also eine ethische Haltung im allgemeinen grdac.-i?? Aber dem scheint der besondere Namen zu wider Ich war genötigt, an vier Punkten einen Einwand zu äußern. Das soll nicht hindern, andererseits in zweifacher Hinsicht den Wert der vorliegenden Arbeit > k'trien und nachdrücklichst zu betonen. Auch ohne rni: J 1 1 e m einverstanden zu sein, 'ist vieles von dem, v/js hier über deutscher, und jüdisches Weser., über Gegenw,-:-;uu! Zukunft?bestimmung gesagt ist, von zweifelloser Bedeutung, [jeher dies hinaus aber, ohne Rücksicht auf das ein eine ..haIsAV’ und „Richtig", scheint mir das Ganze a!& s\ .; v-. a t i s che Betrachtung von theoretischem Irhrres.^ -mi /ersuch ernster und redlicher philosophische,- allgemeiner Beachtung wert. , iLins Margolius. Fcstnumraer zum Ordonstage der Großloge für Deuteck land VIII U. 0. B. B., Oktober 1925. Die Nummer steht unter dem Leitwort: „Persönlich* keiten als , Namenspatrone der Logen dies Deutschen Distrikts U. 0, B. B.“ Ihre äußere und innere Ausgestaltung stellt der Großloge des Ordens Bn« Brith. eta rühmliche* Zeugnis aus. In kurzen prägnanten Worten werden dOR Männer Lebensgänge und Verdienste, die die einzelne* ' Logen bewogen haben, sich» ihre Namenspatrone zu w&hleiL geschildert. Nicht nur in der Verschiedenarti&keit der Pe®fc sonlichkeiten, die geschildert werden, die als Philantropen. Rabbiner, Gelehrte, Politiker, Fürsten zu Namenspatrouen der Logen geworden sind, liegt der Reiz des Heftes: auch die Verschiedenartigkeit der Darstellung erhöht die Freude an der Durchschau, der sich fast immer auch Bilder der Männer bieten, die in Legende und Geschichte, im Altertum, im Mittelalter und in der Neuzeit als Christen und Juden! als Orthodoxe und Liberale dem Judentum und der Menschheit gedient haben. Dr. MaxMayer -Berlin. Sigmund Feist: Stammeskunde der Juden. Leipsig 1928. J. C. Hinrichsehe Buchhandlung. 191 8. und XXXVIII Tafeln. Geheftet 9,00 M., geh. 10,80 M. r . Wohl kein Gebiet moderner Wissenschaft bietet soviel Klippen als das Gebiet der Stammeskunde und Rassenbestimmung. Es ist trotz aller wissenschaftlichen Behandlung heute noch so ungeklärt wie nur je, und Dilettanten können hier unter dem Schein der Wissenschaftlichkeit ihrer Phantasie die Zügel schießen lassen. In dem vorliegenden Buche sind die Klippen, die in dem Stoff liegen, glücklich umschifft. Es ist nicht so sehr die Frage nach der Rasse des Juden, die das Thema des Buches bildet, als vielmehr der Wunsch, den einzelnen Teilen des jüdischen Stammes in seiner Verbreitung über die Welt nachzugehen. Mit Gründlichkeit und Belesenheit ist diese Aufgabe in Angriff genommen; den einzelnen Teilen und Splittern des jüdischen Stammes in Vergangenheit und Gegenwart ist nachgegangen, und ihre Schicksale erstehen vor uns. Nicht nur ■der für unsere Breiten wesentliche Unterschied der sephardischen und aschkenasdschen Juden wird gezeichnet, der Autor geht auch den kleinen und halb oder ganz vergessenen Volkssplittern nach, als da sind die chinesischen, die indischen Juden, die Jeminiten und die abessinischen Juden, Falascheaus genannt. Auch die durch Sektenbildung ans dem Judentum Ausgeschiedenen und in ihrer Abgeschlossenheit in einer gewissen unvermischten Reinheit Erhaltenen wie die Karäer und Samaritaner finden ihre Darstellung. So entsteht ein mannigfaltiges und reizvolles Bild vor uns. Tatsache ist so, daß das jüdische Volk nie eine unvermischte Rasse darstellte und, weder jetzt noch in früherer Zeit eine absolute Einheit ist und war; daß alle Unterabteilungen der weißen Rasse und mancherlei dunkle Stämme auf die Juden abgefärbt haben, doch nicht so, daß sie sich nicht anthropologisch von den Völkern, in deren Mitte sie leben, unterschieden. Es gibt so einen jüdischen Typus, der aber kein Natur-, sondern ein Gesellschaftsprodukt Ist und im Ghettolehen seinen Ursprung hat und nur im Ghettoleben sich dauernd erhält; auch in anthropologischer Beziehung ist alles im Fluß und in steter Veränderung. Das Buch ist leicht und flüssig geschrieben und verrät große Vertrautheit mit dein Stoff. Besonders reizvoll ist das Kapitel über die Sprachen der Juden. Dienemann- Offenbach. Arnold Zweig: Regenbogen (Erzählungen) 1Ä25. J. M< Spaeth, Verlag, Berlin. Auf der Einbanddecke des würdig ausgestatteten Buches versinnbildlicht die Taube mit dem Oelzweig im Schnabel im Sektor eines Regenbogens, hinter,, depi d«* Sonne wieder strahlt, den Geist, der die Arnold Zweigs neuem Buche Zusammenhalt. Das Leid’«» Menschen und der Menschheit muß und kann gelöst werden durch die versöhnende Liebe des Menschen und — des Schicksals. Das Schicksal und der Mensch, dies sind die beiden Mächte, die diese Erzählungen regieren, manchmal beide wechselseitig, manchmal das Schicksal allein. Als' Zufall spielt es seine Rolle in der Geschichte der kleinen Beamlenfrau, der beim Hutkaufenvvollen das Monatsgehalt ihres Galten im Warenhaus gestohlen wird, es vollendet sich an dem Richter, den die Greuel des Krieges zum Irrsinn treiben; der Mensch ringt mit sich und seinem Geschick in der Geschichte von „Pont und Anna“, die in ihrer Art das Feinfühligste darstellt, was seit langem über eine sogenannte „unglückliche“ Liebe gesagt worden ist. Abgesehen von einigen sprachlichen und stilistischen Gewaltsamkeiten, die in der ersten Erzählung auffallen, zeichnet sich das Buch durch eine klare schöne Sprache aus, ln der, Herbheit und Süße schwingen. Nur gesuchte Konstruktion kann das Werk als ein ausgeprägt „jüdisches“ bezeichnen; was Zweig uns gibt, ist deutsches Kulturgut, gebracht von einem Lien sehen, der vielleicht selbst nicht weiß, wie tief er in deutscher Kultur verwurzelt ist, und wenn etwas Jüdisches darin ist, dann ist es etwas von allen Menschen zu Eroberndes: der Geist wahrer schöner Menschlichkeit. D r. M a x Mayer- Berlin. , nBnmunimir,!mmrn!muunuinninnr.:ninnnnnrmnnn?n iiminiiii)!niiiii!iiiiu!!miiiiiii!riiiifinfi:nni!finifiiiHTfiiifc Baumkuchen Torfen * Feingebäck mit garantiert reiner Naturbutter für alle Festlichkeiten liefert frei Haus m I ei Faul Kditter iii;nnntniiiHi»tHni)iiinnHnimHHiiiiHiiiHini>tiwmaHwiimiwmiw)wmBiiHiiiinmiiwwimw Gegründet 1827 Berlin NW 6, Albrediistr. 19 Telephon: Norden SOZI

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