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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-12-18 · 51 (18.12.1925) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
51 (18.12.1925)
Date
1925-12-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Aus der Bewegung Aachen. Am 8. Dezember fand hier unter Vorsitz beS 'Herrn Gustav Blumcnau eine Versammlung der hiesigen Ortsgruppe der „Bereinigung für Las liberale Judentum" bei starker Beteiligung statt. Nach Begrüßung des Vorsitzenden ergriff Herr Rechtsanwalt Dr. Max Maner-Berlin zu feinem Dortraa „Der Einzelne und die Gemeinschaft im religiösen Liberalismus" das Wort. In überaus klarer und scharf pointierter Weise führte der Redner ungefähr folgendes aus: Die französische Revolution mit ihrer Verankeruna des Gedankens des Men'ichenrcchts hat in ihrer Auswirkung in Deutschland dem Individuum seine Stellung und Verantwortung in der staatlichen und kulturellen Gemeinschaft gegeben. Die religiöse Resormbeweguna hat diesen Gedanken auf bas religiöse Gebiet übertragen: der religiöse Liberalismus den einzelnen in eine neuartige Beziehuna zur religiösen Gemeinschaft gesetzt. Nach orthodoxen Grundsätzen steht der einzelne wie Sie Gemeinschaft in engster Abhängigkeit vom Religionsgesetz. Die Uebung religiöser Bräuche in Beobachtung der Lehre durch die Gemeinschaft ist bis Summe Ser Gesetzeserfüllung durch Sie einzelnen. Der religiöse Liberalismus fordert, wie der Redner näher auöiführte, die volle Entwicklung des religiösen Einzellebens und verlangt die Einordnung der frei entwickelten religiösen Persönlichkeit in den Dienst der Gemeinschaft, deren Kräfte bann nicht summiert, sondern potenziert werden. Tie Gefahr. daß sich der einzelne von der Gemeinschaft hinwegentwickeln könnte, wird dadurch verschwindend gering, das; jeder Jude nicht nur Individuum ist, sondern als Träger einer geschichtlich-religiösen Vergangenheit von Natur aus zur Gemeinschaft hingezoaen wird. In praktischen Beisvielen legte der Redner dann noch dar, wie sich im jüdisch-religiösen Leben der Gegenwart bas Verhältnis des einzelnen zur Gemeinschaft gestalten müsse, und bemängelte besonders 'die mangelnde Einordnung der iüöischen Beter in den Gottesdienst der Gemeinde. Aufgabe des religiösen Liberalismus müsse es sein, eine aus freientwickelten religiösen Persönlichkeiten bestehende iüdische Gemeinschaft zu schaffen, die in der Welt vom Wirken des Judentums Zeugnis ablegt und so dessen Erhaltung im menschlichen Bewußtsein und damit die einstmalige Erfüllung höchsten Menschentums gewähr leistet. Reicher und lebhafter Beifall lohnte dem Redner für seine äußerst dankenswerten Darlegungen, die auf die Anwesenden offenbar einen nachhaltigen Eindruck ausübten und hoffentlich zur Hebung der religiös-liberal-m Gesinnung in unserer Gemeinde, namentlich zur Bekämpfung des Jnbifferentismus beitragen werden. Da in Anknüpfung an den allgemein zustimmend aufaen-ommenen Vortrag eine weitere Aussprache nicht erfolgte, nahm das Vorstandsmitglied Frau Mathilde Werthcim Gelegenheit, der liberalen Vereinigung im Namen der jüdischen Frauen ihre Freude und ihren Tank für das Verdienst, das sich der religiöse Liberalismus um die Anerkennung und die Hebung des Einflusses der Frau ans das religiöse Leben lerworben. auszusprechen. Der unentbehrliche Einfluß der Frau auf das religiöse Leben zeige sich in der Erziehung der Jugend, die heutzutage fast ausschließlich dieser überantwortet ist. Ganz im Sinne des religiösen Liberalismus müsse im öffentlichen Gottesdienst aus das Verständnis und die Seelenstimmung der Frau mehr Rücksicht genommen werden, damit sie im Gotteshause Eindrücke empfange, die sie befähigen und anregen, in ihrem Hause und in ihrem «Kreise zum Heile des Judentums sich zu betätigen. Bielefeld. Die Liberale Bereinigung hatte am 26. November ihre erste gutbesuchte Winterveranstaltung. Zu dem Erfolg des Abends trug wesentlich bei, daß auch der hiesige Israelitische Jugendverein seine Mitglieder dazu aufgeboten hatte. Herr Lehrer Nußbaum-Dortmund sprach über das Thema: „Das Judentum am Scheidewege." Ausgehend von der Erkenntnis, daß es auf keinem Gebiete des geistigen Lebens einen Stillstand gebe, sondern alles sich in ewiger Fortentwicklung befin-e, führte er aus, daß auch die Religion diesem Gesetz der Entwicklung unterworfen sei. Lange habe die materialistische Einstellung des Zeitalters ein bewußtes religiöses Leben verhindert. Jetzt sei aber ein neuer Geist in die Menschenhcrzen eingezogen, das nur Verstandesmäßige befriedige nicht mehr. Das Irrationale erweise sich als stärkere Macht, und besonders die Jugend sei am lebendigsten religiös bewegt. Ihr Wollen und Fühlen müsse sich auf die Gesamtheit übertragen. Religion sei nichts anderes als das Verhältnis des Menschen zu Gott. Im Glauben an Gott stimmen wir Liberalen mit der Orthodoxie überein. Was uns von ihr trenne, sei, Satz sie die Form über den Inhalt stelle. Sie, tdie Erbin des Pharisäismus, der sich als Prinzip in vergangenen Jahrhunderten durchaus bewährt habe, vergesse, daß auch der Pharisäismus eine Entwicklung bedeutet habe und übe das Gesetz rein äußerlich des Gesetzes wegen. Das Liberale Judentum erkenne zwar auch die Form als etwas geschichtlich Gewordenes und Gemeiufchaftsbildendes an, verlange aber, daß die Form mit glühendem, religiösem Leben erfüllt werden könne, wenn sie sich als noch zu Recht bestehend legitimieren wolle. Der religiöse Liberalismus ehre die seit Jahrtansenden geheiligten traditionellen Gebete und Gebräuche nnd halte an ihnen fest, aber doch nur soweit, als sie jedem von uns religiöse Erhebung zu geben vermögen und ein Mittel zur Erreichung der höchsten Sittlichkeit darstelten. In der geistigen Freiheit des religiösen Liberalismus liege allerdings die Gefahr, daß oberflächliche Naturen sich als liberal gebärden, die nur indifferent seien. Der wahre Liberalismus sei positiv und müsse Sie religiöse Gleichgültigkeit und daraus entspringende Negierung aller Formen überwinden. Der etwa einstündige Vortrag wurde mit reichem Beifall ausgenommen. Ein junger Zionist, der als einziger Diskussionsredner vom Standpunkt seiner Weltanschauung aus einige Einwendungen vorbrachte, wurde von dem Referenten kurz und treffend abgefertigt. Breslau. (Jüdischliberaler Jugendverein »Abraham Geiger".) Einen unserer interessantesten Vortragsabende hatten wir einem vorzüglichen Referat von Herrn Rabbiner Dr. Sänger über die Frage unserer Stellung zur jüdischen Schule zu verdanken. In klarer anschaulicher Weise, oft durch freudige Zustimmung unterbrochen, gab uns der verehrte Herr Referent zunächst einen geschichtlichen Ueberbltck über die jüdische Schule. Schon in den ältesten Zeiten war es eine Selbstverständlichkeit, die Jugend zu lehren. Ms zum Auftreten von Mendelssohn beschränkte sich diese Aufgabe nur auf iüdische Dinge. Mendelssohn fühlte den Drang in sich, Kenntnisse auch außerhalb der jüdischen Lehre zu sammeln, mit dem Ziel der Ueberwin. düng aller Schranken, die dem Judentum durch das Gesetz entgegenstanden. Durch die Einführung konfessionell-christlicher Schulen waren die Juden gezwungen, jüdisch-konfessionelle Schulen zu errichten. Mit Recht fordert der Herr Redner allgemeine deutsche Volksschulen. Wir Juden haben die Aufgabe, unser Wissen ber ganzen Welt rnitzuteilen. Di« Gründe der Orthodoxie für die jüdischen Schulen durch den Mehranteil am Hebräischen und durch die Beeinflusiung der Jugend im jüdischen Sinne sind nicht stichhaltig; Religionsschulen nnd Elternhaus sind die Faktoren, die beeinflussend wirken. Schutz gegen den Antisemitismus bietet die jüdische Schule auch nicht. Warnend sind für uns die Zustände, die sich in Rußland und in Rumänien entwickelt haben. In der sehr lebhaft eiufehenden Aussprache kamen auch eure Reihe anwesender orthodoxer Herren zu Worte, die sich mit grober Wärme für die jüdische Schule einsetzten und insbesondere eine Förderung der in Breslau bestehenden Schule forderten. Mit Entschiedenheit wurde von jugendlich-liberaler Seite tue Forderung eines jüdischen Elternhauses erhoben und mehr Bekennermut auch in christlichen Schulen verlangt. Die Abschließüng der jüdischen Kinder iss ein Fehler. Gerade die Gegenwart erfordert unseren vollen Einsatz gegen die konfessionellen Schulen aller Art. Bis zur Mitternacht währte die Aussprache, die Herr Rechtsanwalt Spitz in jener Art leitete, die den Vertretern aller Anschauungen vollste Redefreiheit gewährte. Zu Beginn der Versammlung wurde dem verehrten Herrn Redner eine verdiente Ehrung zuteil. Namens und tm Aufträge des Vorstandes überreichte Alfred Berger Herrn Rabbiner Dr. Sänger mit Worten herzlichen Dankes für die treue Mitarbeit insbesondere in der Nachkriegszeit die Urkunde der Ehrenmitgliedschaft, für die der Herr Redner, freudig überrascht, mit der Versicherung weiterer'Förderung unserer Tätigkeit dankte. _ Dieser Vortragsabend fand am 2. Dezember statt und Sonntag, den 13. Dezember, feierten wir in erster Reihe mit unserer arbeitenden Jugend Chanukah in den herrlichen Räumen der Privatwohnung unseres lieben Freundes, Herrn Erich Königs^erger. Hier war sofort der Zusammenhang mit allen Teilnehmern hergcstellt, die Weihe des Abends in bester Form erreicht. Die Lichterweihe vollzog Herr Oberkantor Borin, der uns nach einer feinsinnigen Ansprache unseres verehrten Herrn Gemeinderabbiners Dr. Vogelstein durch den Bortrag „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre", ganz im Banne der Weihe hielt. Und nun folgte eine Reihe Darbietungen unserer Mitglieder, jeder wußte das Beste zn geben, Lucie Jacobson und Alberr Wesel, von Alfred Fuchs am Klavier begleitet, ernteten überaus herzlichen Beifall für ihre Sangeskünste, zwei sinnige. Theateraufführungen — ein Hans-Sachs-Spiel und ein Akt aus „Moses" wurden trotz mancher Schwierigkeiten der Rollenbesetzung sehr eindrucksvoll gespielt, und alle Anwesenden unterstrichen durch ihren Beifall die Dankesworte, die für alle Genüsse Alfred Berger allen Mitwirkenden und insbesondere unserem treuen, unermüölich auch um das leibliche Wohl der Gäste bedachten Herrn .Königsberger zum Ausdruck brachte. Diese Stunden der Feier bleiben sicher allen Teilnehmern noch lange in Erinnerung. Tie Gruppe Süden hielt weiter regelmäßig unter erfreulichem Interesse aller Anwesenden, deren Zahl von Abend zu Abend sich vergrößerte, ihre Zusammenkünfte ab. In einem aroß angelegten Referat entrollte uns Hermann Sachs ein Bild vom deutschen Erziehnngsnnd Entrvicklungsgedanken. In der Anssprache wurde betont, daß die Erziehung daraus binzuzielcn habe, daß sic einst überflüssig wird. An der Tat ist der Charakter zu erkennen. Der Wunsch, an einem besonderen Abend über „Jüdische Erziehung" zn sprechen, war allgemein und berechtigt. Hier verstand es in echt jugendlicher Art Ernst Goldner über diese sehr wichtige Frage zu uns zu sprechen. Wieder eine sehr lebhafte Aussprache im Beisein und in der Wohnung unseres treuen Freundes, Herrn Watsenhansdirektor 'Kolodzinikn. Auch au diesem Abend konnte die Diskussion nicht erschöpft werden: ein neuer Beweis für die Notwendigkeit der regelmäßigen Abhaltung dieser freien Aussprachen. Neben den Bor würfen und Anklagen, die gegen Schule und Elternhaus erhoben wurLcn. kam doch die Feststellung der Besserung gegenüber den früheren Unterrichtsmethoden und insbesondere der Wille der Betätigung und der Abhilfe für Schäden auf dem weit verzweigten Gebiete der Erziehung zum Ausdruck. Ter nächste Abend soll uns in die Praxis der jüdischen Erziehung führen. Wir freuen uns. an dieser Stelle feststellen zu können, daß der Gedankenaustausch mit unseren Mitgliedern recht rege ist. und daß wir mit unseren lieben Liecmitzer Freunden dauernd int Schriftwechsel bleiben. Es bleibt nur zu wünschen, daß endlich an allen geeigneten Plätzen in Schlesien der Wille und die Notwendigkeit für unsere Arbeit einsetzt. Düsseldorf. Am Montag, den 6. d. M.. hielt der Vorsitzende der liberalen Bereinigung, .tberr Rechtsanwalt Stern aus Berlin, ein Referat über die Ziele und den Zweck der liberalen Vereinigung in Deutschland. Darauf wurde die Gründung einer Ortsgruppe in Düsseldorf einstimmig beschlossen. der sämtliche 41 anwesende Damen und Herren beitrgtcn. Es wurde ein Arbeitsausschuß zur Erledigung der nötigen weiteren Borarbeitungen eingesetzt. Der Kardinal-Erzbischof von Paris gegen den Rassenhaß. Kardinal Louis Dubois, Erzbischof von Paris, hat folgende Erklärung abgegeben: „Der Nassenantiscmitismus ist dem französischen Volke wesensfremd. Seit Kriegsende wurden freilich auch in Frankreich wiederholt Versuche unternommen, für den sogen. Rassenkampf Stimmung zn machen, sie fanden jedoch weder in Paris noch in der französischen Provinz geeigneten Boden und sind letzten Endes an dem gesunden Urteilsvermögen der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung gescheitert. Die Religion darf nicht eine Trennungswnnd zwischen Mensch und Mensch. Volk nnd Volk sein: sie sei vielmehr das weltumspannende, methavhnsische Baud, das Menschenmillionen im Zeichen des Friedens vereinigt. Wer Christentum als Schlachtruf deutet, hat den Sinn des Glaubens nicht begriffen, mißbraucht die Religion und übt kein gottgefälliges Werk." Die 7 Tage und ihre Bedeutung. Sieben Tage der Woche und jeder Tag hat uns etwas zu sagen. Jeder einzelne erinnert uns an ein Schöpfungswerk — nein, an ein ganz, ganz kleines Teilchen desselben, aber er redet zu uns mit Fcuerzuugen, und wir wissen es und wollen es oft nicht missen. Der erste deutet auf das Licht! Helle strahlt in unseren Geist, Helle in unser Herz und füllt es mit Trost und Zuversicht und am Abend kommt die Ruhe: nach zu viel Helle — das Gedämpfte und endlich die Dunkelheit — Sehnsucht schürend und doch Frieden gebend! Und vreist — Ewigkeit! Der zweite weist uns nach oben — dorthin — wo der ewige Himmel sich mlmt — zeigt nach nuten, wo auch Ewigkeit fließt — das Wasser! Und wir sollten angesichts von soviel Unendlichkeit verzweifeln? Der dritte — oh — der dritte ist ein Wvnnetag — er offenbart uns die Natur: die Kräuter, die Pflanzen, die Bäume — er läßt uns die Fruchtbarkeit schauen — und daß nichts untergeht — nichts verderben kann. Der vierte ist der Schövfnngstas. der Sonne, Mond und Sterne in unser Bereich brachte. Und sind sie nicht ewig? Der fünfte schuf Sterblichkeit. Wesen Me werden und vergeben. Fische, Vögel und andere Tiere. Aber fügte nicht Gottes Wort segnend hinzu: »Seid fruchtbar und vermehret euch!" Hier ist wiederum das Ewige — das Fort* und Fortpflanzende gegeben. Der sechste Tag brachte uns selbst — brachte die „unsterbliche Seele" — nach Gottes Ebenbild und Atem. Der siebente aber — der Gott geweihte — er ward daI Sinnbild des Ewialichen selber — er stirbt nicht — er ändert sich nicht — er war — ist — und wird sein! Sieben Tage, die an Ewigkeit gemahnen — und jeder hat unS etwas Besonderes davon zu sagen — ist ein Teilchen des großen Schöpfung swerkes — ist ein Teil des ..cwig.v» Geistes Gottes". _ Und wir sollten zweifeln an seiner Güte? E. D. fffj BÜCHERSCHAU ffff Ein neuer Frieda ano. Im Anschluß an meine Ausführungen über neu. Synagogen-* musik im Hauptblatt dieser Nummer sei mir eine Besprechung einer mir im Manuskript vorliegenden Vertonung unseres Altmeisters, des Oberkantors |i. R.) Aron Friedmann- Berlin, gestattet. „Zum Wcchenfcste“ betitelt sich diese seine neueste Komposition. Friedmann gehört /u jenen Komponisten, die infolge der Ungunst der Verhältnisse noch vieie» Ungedruckte in ihrer Mappe haben. Bei der vorliegenden Komposition hat er sich etwas von seinem eigentlichen Gebiet, den hebräischen Synagogen-Gesängen, entfernt. Es ist eine Vertonung eines Gedichts von Gustav Jacobsohn, das nach einer einleitenden Rgrtißung des Festes Schwuaus als Fest geistiger Befreiung von altem Irrwahn, dann als das frohe Erntefest besingt und zuletzt Schwuaus in unseren Tagen feiert. Dreifach ist die in dem Gedicht (Hymne] herrschende Stimmung, und der Komponist, in feinfühligem Nachempfinden, sucht der verschiedenen Stimmung den rechten musikalischen Ausdruck zu verleihen. In frohbewegter Art erfolgt die Begrüßung, um dann in verändertem Tempo der historischen Reminiszenz; gerecht zu werden. Und wenn dann der Dichter begeistert singt: „Herrliches Fest! Nun kehrest du wieder," dann folgt ihm Friedraann. in frohbewegtern 6/8'Takt, in den er ein feierliches Maestroso hineinarbeitet, um dem Dank für die „reifende Aehre" Ausdruck zu geben. Im Schluß, der die Freude enthält, daß auch das heutige Geschlecht das richtige Verhältnis zum alten Feste gefunden hat, läßt Friedmann wieder das begrüßende Motiv des Anfangs ertönen, um cs moduliert zur begeisterten Begrüßung hinaufzuführen. Die Komposition ist für mittlere Stimme geschrieben. Jedoch ist es mir nicht klar, ob der Komponist diese Hymne für die Synagoge im Rahmen des Gottesdienstes bestimmt hat. was ich wegen der Länge der Komposition nicht für zweckmäßig halte. Jedenfalls ist sie ein Beweis dafür, daß auch unser Geschlecht lebensirische und ideenreiche Melodien zu schaifen vermag. K. Fabisch-Götiingcn. Masdasnan. In dieser Zeit der schweren Not, in dieser Not der schweren Zeit hat sich ein Masdasnan-Bund begründet, der es dem Menschen ermöglichen will, durch seine „einzig dastehenden Lehren alle vorgeburtlichen Einflüsse und Fesseln der irdischen Abstammung zu überwinden, — , .die Menschheit von Krankheit, Sünde und Not — zu befreien und „so den Menschen von der blinden Selbstsucht und Engherzigkeit“ zu erretten. Dieses; Programm klingt reichlich verworren; vdr werden auch irre an den ..einzig dustelenden Lehren". wenn wir di* Masdasnan- Flugschrift Nr. 3 (Leipzig, Hospital str. 12) „War Jesus eia Jude?" betrachten. Der Verfasser kommt zu dem ebenso verworrenen Ergebnis, daß Jesus arischen Blutes gewesen sei. Es Hegt hier der Gedanke nahe, daß ein Fortrücken vom Judentum geplant wird. (Wir denken hierbei an Haeael, der in der ersten Ausgabe seiner „Welträtsel“ ähnliches zum Ausdruck brachte, jedoch in den weiteren Auflagen diesen Passus gestrichen hat. Die pseudowissenschaftliche Ansicht wird ihm wohl zum Bewußtsein, gekommen sein.) Jedenfalls ist es mit dem Vorhaben, jegliche Engherzigkeit zu bekämpfen, nicht in Einklang zu bringen. Ohne Zweifel lassen die Evangelien Jesus als einen Juden unter Juden erkennen. Wc>hl alle ernsthalt zu nehmenden christlichen Forscher sprechen es unumwunden aus, daß sie Jssus in den. Evangelien als einen jüdischen Rabbi, einen echten Sohn Israels erkennen, der weit entfernt sei, eine neue Religion zu bringen oder auch nur bringen zu wollen; (siehe Matth. 5,17), vielmehr die jüdische Religion für die unmittelbar von Gott gegebene, alleinrichtige und ewig wahre Religion hält (Matth. 5,18 und 23,21) und das mosaische Gesetz mit großem Nachdruck in allen seinen Teilen und ohne Unterschied für die Moral- und Ritualgebote als unvergänglich und allgemein, auch für seine Jünger, verbindlich erklärt. Siehe Matth. 5.19: „Wer nur eins von diesen kleinsten Geboten auflöset, und lehret di» Leute also, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber tut und lehret, der wird groß heißen im Himmelreich.“ Dem Verfasser der Flugschrift Nr. 3 „genügt die Tatsache, daß sich sein (Jesu) Stammbaum in verschiedene arische Stämme verzweigt. Seine Weitherzigkeit und seine schöpferische Vielseitigkeit verdankt er dieser Mischung des Blutes seiner Ahnen.“ Weitherzige Gesinnung — so meint der Patriarch — dürfe also bei Juden speziell nicht zu finden sein, Er merkt sehr wohl, daß nicht alles stimmt,und so leistet er sichfoligendenklassischenSlatz: „Obgleich Jesus — — von Geburt Jude war, war er wegen seiner Herkunft aus Galiläa doch nicht Jude vpn Geblüt und Rasse". Also: Katze und doch keine Katze. Und solcher Unsinn wird in die große Menge hinausposaunt! Und das predigt der Masdasnan-Bund und „bietet" es als „den einzigen, unfehlbaren Plan der Erlösung an." Dr. M. Spanier, Magdeburg. „Hexr Fettwanst". Eine amerikanische Autobiographie. Amerika-Bücher des Kurt-Wollf-Verlages, München. Ein aufwühlendes und gan.z außerordentliches Buch! Ein Kultur dokuraent von höchstem Wert, ein psychologisches Meisterstück, dessen Kunst wert dabei merkwürdigerweise durchaus nicht groß ist. Ich glaube, daß dies nur wenig auf Kosten der Uebertragung zu setzen ist, denn der Uebersetzer Erich Posselt hat zweifellos vortreffliche Arbeit geleistet und sich redliche' Mühe gegeben, das amerikanische Slang im Werbt neue Mitglieder! BlEIKRISTilll nur Qualitätsware, kauft man am besten bei Q111S Ks fl SB €» S 3 Ctescfaäiftfcs =■- ■ — Leipziger Strafe 93 Kurfflrstendamm 33, Ecke Grolmanstrafee Maa&enstraäe 11 am Nolleadorfplatz

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