Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 48 (27.11.1925)
- Date
- 1925-11-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Ser iübischen SchöpfungSgeschichie von -er aller übrigen Völker wurde durch den Vergleich der verschiedenen sagenhaften Schilderungen des Uranfangs der einzelnen Völker mit ihr überzeugend nachgewiesen. Tie iüdijche Schöpfungsgeschichte bildet zugleich die erste Weltgeschichte, die erste (beschichte der ganzen Menschheit überhaupt. Alle übrigen Schilderungen Wer Len Anfang der Völker sind Sagen, die nur das Entstehen des Einzelvolkes darstellen. In dieser zum ersten Male geschichtlichen Widergabe des Werdens des jüdischen Volkes und der Menschheit selbst liegt zugleich die Bedeutung und der Kern der jüdischen Religion, nämlich ihr sittlicher Dehalt begründet. Schon die Schöpfungsgeschichte kennt nur den einigeinzigen Gott für die gesamte Menschheit. Tiefer eine und einzige Gott kann und muß der Gott der ganzen Menschheit werden, weil er als Gott den Inbegriff der höchsten Sittlichkeit darstellt und weil diese eine Sittlichkeit keine verschiedenartigen Götter und Religionen kennen kann. Die weiteren Ausführungen gaben willkommenen Anlaß, iben Unterschied zwischen dem Wesen der Religion und der Wissenschaft schärfer zu erkennen. Religion und Wissenschaft sind zwei völlig von einander zu trennende Gebiete, die einander zu achten, aber nicht miteinander M streiten haben. Religion ist Glaube und Ueberzeugnng. Wissenschaft Zweifel und Erkenntnis. Ist man sich über diese scharfe Scheidung zwischen Religion und Wissenschaft klar so wird man nie, auch nicht durch noch so gewaltige Forschungen der Wissenschaft, an seinem Glauben irre werden. Königsberg. (Vereinigung sür das liberale Judentum.) Am Dienstag, den 10. November, fand im Jugendheim eine gut besuchte Mitgliederversammlung mit Gästen statt, in der die so überaus wichtigen Fragen des jüdischen Religionsunterrichts lebhaft besprochen wurden. Nachdem der Vorsitzende, Herr I. Fabian, die Anwesenhen begrüßt und die wichtigsten Punkte des Themas hervorgehvben hatte, machte Herr Rechtsanwalt Dr. Holz in einer einleitenden Ansprache aus die große Bedeutung aufmerksam, die der Religionsunterricht zu allen Zeiten gehabt habe.- besonders gelte das aber auch für die gegenwärtige. Alle Richtungen im Judentum seien einig darüber, baß vor allen Dingen -er Religionsunterricht in jeder Weise gefördert und zeitgemäß ausgestaltet werden müsse. Herr Oskar Eichelbaum behandelte zunächst die äußere Form des Unterrichts. den er auf die Vormittagsstunden gelegt wünschte, um auch den jüdischen Kindern den Nachmittag, den sic dringend für andere Pflichten und sür sportliche Betätigung brauchten, freizuhalten. Dies sollte unter allen Umständen angestrebt lverden, obwohl zuzugeben sei, daß die Stundenzahl dann sehr knapp wäre. Er betonte die Notwendigkeit des südi, schen Religionsunterrichts nicht nur um seiner ethischen Momente wegen, sondern weil die dadurch vermittelte Kenntnis den Kindern auch das Rüstzeug in dem Kampfe mit der verkehrten Meinung mitgäbe, die Juden, die so eng mit der deutschen Kultur verwachsen sind, gebend und nehmend, seien als Staatsbürger zweiten Grades anzusehen. Fräulein Rosa Wolfs (Lehrerin der Religionsschule) berichtete über die vorzüglichen Erfahrungen, die sie mit dem Borschulzirkel gemacht habe, und warnte einer anderen Sprecherin gegenüber davor, die kleinen Kinder an dem christlichen Religionsunterricht teilnehmen zu lassen. Oberkantor Dr. Pieck wünschte eine bessere Unterstützung des Unterrichts durch das Elternhaus und regte zur Bildung von Familienzirkeln an. in denen ethisch-religiöse Fragen zwanglos behandelt werden sollten. Geheimrat Dr. Falkenhain wünschte Elternbeiräte oder Elternabende. In der weiteren Aussprache wurden die verschiedenen Seiten des jüdischen Religionsunterrichts von den anwesenden Lehrern, dem Dezernenten für das Schulwesen, Herrn Dr. Stein und von Eltern nach allen Seiten hin beleuchtet. Insbesondere faßte Herr Gemeinderabbiner Dr. Levin in längeren Ausführungen die verschiedenen Meinungen vortrefflich zusammen, berichtigte Ungenauigkeiten, wie z. B. die, daß ein Zwang zur Teilnahme am Religionsunterricht bestehe, und gab seiner dankbaren Freude Ausdruck, daß baS jüdische religiöse Leben in Königsberg sich zu heben und zu vertiefen beginne. Seitens des Vorsitzenden wurde konstatiert, daß, wenn sich auch Gegensätze und verschiedene Anschauungen gezeigt hätten, man doch in den Grundfragen übereinstimme, und daß es zweckmäßig wäre, solche Aussprachen fortzusetzen. Liegnitz. Am 20. November veranstalteten wir unsere zweite Freitagabend-Feier in diesem Winter und hatten die Freude, die Jugend, für die unsere Abende besonders gedacht sind, in überwiegender Zahl bei uns zu sehen. — Nach dem Kiddusch begrüßte Herr Markiewitz, (welcher für den verhinderten 1. Vorsitzenden den Abend leitete), die Anwesende» und gab der Freude Ausdruck, daß es schon ein gewisser Stamm fei. der regelmäßig die Freitagabende besuche. — Man trank nun Tee und aß von dem vortrefflichen Barches mit Rosinen: überdies bekam jeder ein Gläschen Süßwein und Gebäck. Bald herrschte echte, frohe Sabbatstimmung1 AlleS hörte bann aufmerksam zu. als Herr Markiewitz sein Referat über Shylock hielt, und man dankte ihm mit herzlichem Beifall für seine sehr interessanten und belehrenden Ausführungen! Hierauf folgten musikalische Borträge von Mitgliedern der Jugendgruppe — vierhändig und auch für Violine und Klavier, die solchen Anklang fanden, daß man immer wieder eine Zulage erbat. — Zum Schluß des sehr befriedigend verlaufenen Abends wurde noch über die Reorganisation der Jugendbewegung beraten und auf Wunsch der überwiegenden Mehrheit eine Grupps gebildet, die sich alle zwei Wochen am Dienstagabend in der Wohnung eines Jli-Mitgliedes zusammenfi'nden soll. Man will jüdische Literatur pflegen und gemeinsam lesen. Fräulein Lilli Liebrecht bat die Leitung dieser Abende übernommen und in ihrer Wohnung findet bereits am .1. Dezember das erste Zusammensein statt. 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