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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-11-27 · 48 (27.11.1925) · page 7

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
48 (27.11.1925)
Date
1925-11-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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s. Jahrgang Nummer 48 2. Beilage 27. November 1925 Aus den Gemeinden Berlin. (Berufung von RabbinerDr. Wiener.) Die Gemeinde körperschaften -er Berliner jüdischen Gemeinde haben Herrn Rabbiner Dr. Max Wiener aus Stertin -um Gemeinderabbiner Berlins gewählt. Herr Dr. Max Diener, in Oppeln geboren, ist Absolvent der Berliner Universität und der Berliner Hochschule für die Wissenschaft -eS Judentums. Er war, ehe er nach Stettin als Nachfolger Dr. Bogelsteins berufen wurde, Rabbiner und ReligionSlehrer in Düsseldorf. Dr. Wiener ist mehrfach literarisch, auch auf streng wissenschaftlichem Gebiete, hervvrgerreten. tieitte wissenschaftlichen Arbeiten haben von der Kritik hohes ob erfahren. Während der Amerika-Reise des Prof. Dr. Guttmann, vertrat Dr. Wiener ihn als Dozent an der Hoch- Mule für die Wissenschaft deS Judentums, wo er Vorlesungen über Religionsphilosophie hielt. Auch in pädagogischen Fragen ist Dr. Wiener, ein Anhänger der entschiedenen Schulreform, mit Erfolg hervorgetreten. Dr. Wiener wird dem Vernehmen nach der ehrenvollen Berufung nach Berlin Folge leisten. ' Berlin. (Dom Rat des Preußischen Lande'sverbandes.) Am Sonntag,den 29. November, findet eine Sitzung des engeren Rates des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden statt. Für den SO. Dezember ist eine Sitzung des großen Rates in Aussicht genommen. ' Berlin. lJüdische G e fä h r - e te n - F ü r s o r g e.)?>ie Arbeitsgemeinschaft, die sich zur Behandlung der Proleme. der jüdischen Gefährdeten-Fürsorge gebildet hat, hatte eine Beratung über die gegenwärtigen Ausgaben der jüdischen Jugendwohlfahrt, speziell auf dem Gebiet der Fürsorge für die gefährdete und verwahrloste Jugend. Für die einzelnen Fürsorgegebiete: Fürsorgeerziehun,-;* Bahnhofshilfe, Gefängnisfürsorge. Geichlechtskramkeufürsorge, Psychopathenfürsorge, wurden besondere Kommissionen gebildet, welche sich der gegenwärtig dringenden Aufgaben annehmen werben. Eine Umfrage, welche die ZentralwohlsahrtSstelle im Aufträge der Gesährdetenfür sorge veranstaltet batte, erbrachte den Beweis, wie oering vor allem die Möglichkeiten bei Unterbringung von obdachlosen und sittlich und sozial gefährdeten Frauen und Mädchen sind. Das Ergebnis der Umfrage, das in der Arbeitsgemeinschaft behandelt wurde, hat die Notwendigkeit gezeigt, in allen größeren jüdischen Gemeinden Zufluchtsheime für Frauen und Mädchen nach dem Vorbilde des Zufluchtshcimes des Wohlfahrtsamtes der Berliner Jüdischen Gemeinde zu errichten. denn es ist zweifellos ein großer Notstand, wenn obdachlose Frauen und Mädchen, in allgemeinen jüdischen Durchwandererheimen in Hotels und interkonfessionellen Heimen ausgenommen werden müssen. Die Errichtung von Zufluchtsheimen ist um so notwendiger. als im Laufe dieses Winters, das sogenannte Bewahrungsgesetz im Reichstage zur Verabschiedung gelangen wird, in dessen Ausführung in erster Linie derartige Heime errichtet werden müssen. Eine eingehende Denkschrift, in welcher die Aufgaben und die Einrichtung eines solchen ZufluchtSheimes dargestellt ist, kann von der Geschäftsstelle Verkitt. Rosenstraße 2-4, bezogen werden. ^ZtHiDerlin. (S y n a g o gen konzer t.) Der unter der HFührigen Leitung des Herrn Falkenbera stehende liberale Synagogenverein Norden veranstaltete am 18. November in der Synagoge des Auerbachschen Waisenhauses ein Konzert, das ln allen seinen Teilen von dem regen und unermüdlichen Willen des Vereins, das religiöse Interesse im Norden Berlins zu wecken. Zeugnis ablegte. Insbesondere machten die Violinvorträge von Professor Wittenberg und die warmherzig vorgetragenen Psalmen des verstärkten Synagogenchors auf die Zuhörer tiefen Eindruck. Einige Mängel des .Programms, die sich bei diesem ersten Versuch störend bemerkbar machten, werden sich bei weiteren Konzertveranstalt.ungen, die außerordentlich zu begrüßen rvären. sicherlich vermeiden lassen. Berlin. (S i tz u n g der Gesellschaft für i ü d i - sche Fa m i li e n f or s ch u n g.) Unter dem Vorsitz des Herrn Tr. Czellitzer tagte kürzlich im kleinen Saal des Brüdervereins die Gesellschaft für jüdische Familienforschung. Aus dem Kreise der Anwesenden wunden mehrere Ansprachen gehalten, insbesondere von den Herren Dr. Unna- Frankfurt. Dr. Klibansky-BreSlau und Dr. Wolfs, Archivar des Gesamtarchivs der deutschen Juden in Berlin, die größtem Interesse begegneten. Die Debatten bewegten sich durchwegs um Fragen, wie die heutige Generation wieder zur Kenntnis ihrer ursprünglichen Heimat und Familie, also ihrer Herkunft gelangen könnte. Hierzu wurden von seiten verschiedener Redner sehr annehmbare Vorschläge gemacht,- n. a.. daß iunge Leute auf ihren Ferienwandertouren. die sie doch selten ohne photographische Apparate unternehmen, nicht nur jüdifcheGrabstätten und einzelne Grabsteine, sondern auch Synagogen, gleichviel in welchem Zustand oder Alter, auf die Platte fixieren sollten. Dadurch käme auch unsere jüdische Jugend mit jüdischen Gemeinden und Familien in einen Kontakt, bei dem beide Teile nur gewinnen könnten. Den Höhepunkt des Abends bildeten die Mitteilungen des Herrn Dr. Arthur Kahn, der schon vor vielen Jahren dem Gesamtarchi'v der deutschen Juden eine reiche Anzahl wichtiger Dokumente aus der Provinz Rheinhessen, besonders aus den jüdischen Kleingemeinden, zugewendet hat. Auf «einen Sommererholungsreisen suchte er vorzugsweise solche Plätze auf, wo in verlasiene und oft nicht einmal mehr verschlossene und bereits verfallene Synagogen noch sehr viele im Spickt gelassene heb-ätsche Schriften. Bücher. Handschriften, Wimpel, von Motten zerfressene Altardecken, Vorhänge u. a. umherliegen und von einstmals bestandenen Gemeinden eine traurige Sprache sprechen, zugleich eine Anklage gegen umer^ indifferente G^evwart badeten. Hochinteressant war die Vorzeigung verschiedener Wimpeln aus dem Familienbesitz Kahn und Hirsch aus dem Jahre 1581 — überhaupt die älteste Wimpel Deutschlands — von 1642 bis zum Jahre 1806. Berlin. (Fortbildungskursus für jüdische Lehrer.) Die „Wissenschatfliche Vereinigung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen zu Berlin" veranstaltet in der Zeit vom 27. Dezember bis zum 4. Januar einschließlich Feriensortbildungskurse für indische Lehrer und Lehrerinnen auf dem Gebiete des Religionsunterrichts und auf Anregung des „Allgemeinen Kantorenverbandes" aus kantoralem Gebiete. Damen und Herren, die beabsichtigen, an den Kursen teikzunehmen. werden gebeten, sich bis zum 10. Dezember bei Frau Auguste Rosenthal-Budwig. Berlin NW. 52, Calvinstraße 2n. zu melden. Die Wissenschaftliche Vereinigung wird bemüht sein, für möglichst billige oder unentgeltliche Unterkunft und Verpflegung zu sorgen und auch die Reisekosten teilweise zu erstatten. Das Vorlesungsverzeichnis wird Mitte Dezember veröffentlicht.. Vinge« a. Rhein. (Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Appel.) Bei der am Mittwoch, den 18. November. in der Aula des Gymnasiums stattgefundenen Gedenkfeier für die im Weltkriege Gefallenen war Herr Rabbiner Dr. Nnvel beauftragt, die Gedenkrede zu halten. Es war das erstemal, daß ein außerplanmäßiger Lehrer von dem Direktorat und der Lehrerschaft dazu aufMordert wurde; ein schönes Zeichen konfessioneller Eintracht. Der Redner behandelte das Thema: Die Opferbereitschaft und Selbstüberwindung unserer Gefallenen, ein Vorbild für das friedliche Zusammenleben. der. .Bürger und Völker. Der^Portrag fand aOe>itig großen Beifall. . Calcar. (Bor dem Eingehen der israelitischen Volksschulen.) Den „Hamburger Nachrichten" vom 20. d. M. entnehmen wir: „Eine Ausnahmestellung unter allen öffentlichen Schulen nimmt wohl die hiesige israelitische Volksschule ein. die seit einiger Zeit nur von einem Schüler besucht wird." Caffel. (Vortrag des Abgeordneten H a a S.) Fu einer von der hiesigen Ortsgruppe des Neichsbundes jüdischer Frontsoldaten cinberufenen stark besuchten Versammlung sprach letzten Sonntag Staatsminister a. T. Dr. Ludwig Haas. Mitglied des Reichstages und Mitglied des Bundesvorstandes vom R. s. F. über das Thema: „Rane. Volkstum. Vaterland". Der Vortragende legte seinen Ausführungen die rassentheoretisch-en Ergebnisse der Hans Güntherschen Schriften zugrunde, die nach der anthropologischen Seite im allgemeinen Zustimmung verdienten. Energisch bestritt Dr. Haas dagegen: die Behauptung Günthers, da-tz der« einzelnen Rassen besondere Charaktereigenschaften undbemzufolge auch verschieden« Werte zrvkämen. Von einer rein semitischen Raffe könne ebensowenig, gesprochen werden, wie die germanische als rein anzusehen sei. Dr. Haas meinte sogar, daß nach bem heutigen Staub der Forschung über die Raffenfrage man es als unsinnig bezeichnen müffe. wenn über die meßbaren anthropologischen Merkmale hinaus die Raffen fixiert und die Seele eines Volkes durch die Raffe bestimmt werden sollte. Auch der von Günther vertretenen Auffassung. daß bie Juden als einheitliches Volkstum anzu. sprechen seien, widersprach Dr. Haas mit dem Hinweis, Satz die deutschen Juden wohl ihre Abstammung nicht verleugnen» aber doch daS deutsche Volkstum als das ihrige anerkennen, eine einheitliche Sprache sei ihnen ebenso fremd, wie sie den Begriff „eigenes Land" nicht gelten lassen wollten. Höher als der Streit um Nationen und Raffen stehe der allgemeine Menschheitsgedanke, dem alle um Bölkerversöhnung bemühten Geister dienen sollten. Dem klaren und ausklärenden Vortrag wurde stürmischer Applaus gezollt. Gemütliches Beisammensein und Tanz hielten die Teilnehmer der Vers anstaltung noch einige Stunden zusammen. Caffel. (Eine neue Gemeindeblbltothek.) Dev hiesige Gemeindeverein hielt letzten Sonnabend eine gut fce* suchte Versammlung ab. Rechtsanwalt Lewinsohn widmete dem früheren Vorsitzenden, Apotheker Nußbaum, nochmals Worte bes Dankes für seine eifrige Tätigkeit im Interesse; des Vereins. Bankier B. Elias berichtete in seiner Eigene Mast als Gemeinde-Aeliester über „Aus der Verwaltung der israelitischen Gemeinde". In eingehender Weise verbreitete sich der Redner über Einnahmen und Steuererhebung: auch die Schulangelegenheiten und andere Institutionen fanden ausführliche Erörterung. Eine lebhafte Auss spräche, die sich auch auf die Einrichtung eines gemischten Chores erstreckte, schloß sich dem Referat,an. Der Vorsitzende sprach dem Redner den Dank der Versammlung aus. Aus den-Mitteilungen war noch zn entnehmen, daß die Gemeinde eine mehrere tausend Bände umfassende Bibliothek, die teilweise aus Beständen der ehemaligen Bibliotheken des Seminars. des LiteraLurvereins und des Jugend'bundes zusammengestellt ist. der allgemeinen Benutzung zugänglich machen! wird. Caffel. (BerufuniS, des Lehrers Bacher.) Die hiesige Gemeinde wählte Lehrer W. Bacher aus Guben zumi Lehrer und Kantor der Haupt-Synagoge. Herr Lehrer Bacher. der in Guben schon seit langer Zeit unserer Bereinigung angebört. wird hoffentlich in Caffel einen recht befried digenden Wirkungskreis finden. 1 Fraukfurt a. M. (Jüdische Wohlfahrtspflege.)' Am Sonntag., den 8. November, fand in den Räumen der Zentrale für jüdische Wohlfahrtspflege unter dem Vorsitz' des Herrn Rabbiner Dr. I. Horovitz eine gemeinschaftlich vom Landesverband Für jüdische Wohlfahrtspflege in Hes-, sen und Hessen-Nassau, der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin, und der Hauptstelle für Wanderfürsorge, Berlin, veranstaltete Provinzialtagung für die Provinz und den Freistaat Hessen statt, die aus der gesamter« ,■■■»■—i—- i hj»i. An unsere Kölner Leset! Don der nächsten Woche ab gelangt in Köln unsere Zeitung nicht mehr zum Versand. Statt dessen er« halten alle jüdischen Bewohner Kölns die Muer Msch-liberale Zeiluvg zugesiellt. Wir bitten, das uns entgegengebrachte Wohlwollen unserem Kölner Schwesserblatt bewahren zu wollen. Verlag u. Schriskleilmg derWIsch-liberale» Zeitung gegenäla&de ffflCI Stiefel mit Doppelsohlen Stiefel mit warmem Futter Gummischuhe, fchneestiefel Nebenstehendes Qualitäts - Angebot entspricht allen Anforderungen und ist von ganz besonderer Billigkeit! 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