Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 48 (27.11.1925)
- Date
- 1925-11-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Me eine spanische Familie das Judentum wiederfand. $tt -er vorttt-iesisch«« Aeittmg trailov" fitsten wir eine interessant« Wieder gäbe etneö Vorfalles, -er sich unlängst in Madrid ereignet hat. Die Familie SuawaleS. die sehr angesehen ist und deren Famtlienangehürtae hohe Ränge am spanischen Hofe verleiden. lebt in Madrid. Einer aus dieser Familie, der -junge Gabriel« SuawaleS. ist unlängst vom Kriegsschauplatz in Marokko zurückgekehrt, wo er Leutnant -er spani, scheu Armee war. Dieser Gabriele ist ein iunger Mann von SS Jahre«, sehr begabt, und bevor er seine militärische Laufbahn begonnen bat. studierte er Philosophie. Gr war auch schriftstellerisch tätig und man prophezeite ihm eine große Ankunft. Troß seiner Jugend wurde er schon beim spanischen König als Ambassade eines großen Staateemp. fohlen, da'er Kenntnisse im politischen und diplomatischen Leben zeigte. Doch hat Gabriele auf alles verzichtet und zoa in den Krieg gegen die Marokkaner. Als Leutnant SuawaleS sich mit seinem Regiment in einem kleinen marokkanischen Städtchen befand und sich nach allen Seiten umsah. ob er nicht vom Feinde überfallen würde, kam plötzlich aus ihn ein alter Mann zu, der sich iedock von den anderen Marokkanern nicht unterschied. Dieser Marokkaner schaute ihn so durchdringend an. daß der lunge Leutnant vermutete, baß er ihn überfallen wollte. Er griff instinktiv an sein Gewehr. Der Marokkaner kam ruhig auf ihn m und sagte: „Sie sind doch auch Jude!" und schaute ihn wieder durchdringend an. Mit diesen Worten hat er ihn verlassen, und Gabriele SuawaleS schaute ihm lange nach. Nachher fand -er junge Spanier keine Ruhe mehr. Er verstand tedoch nicht, warum der unbekannte Marokkaner in ihm einen Juden vermutete. Er machte stck allerlei Gedanken darüber und konnte kaum erwarten, daß er nach Spanien wiederkehrte. Als er nach Spanien zurückkam, fing er an nach seiner Herkunft zu forschen. Wochenlang studierte er die alten Abneubrtefe. Schriften und Gegenstände, die in der Bibliothek seiner Familie sich befanden. DaS Resultat dieser Nachforschung war. daß er die Bestätigung fand, daß er jüdischer Herkunft ist. und baß seine Vorfahren iüdtsche Gelehrte un- Schriftsteller waren. Erst sein Großvater war während der JnquisttivnSzeit zum Christentum über» gegausen. während die übrigen Mitglieder dieser Familie dem Scheiterhaufen zum Opfer fielen. Diese Entdeckung ries bet dem iungen. spanischen Edelmanne einen gewaltigen Eindruck hervor. Er wandte sich an seine Eltern mit dem Verlangen, daß sie sich dem jüdischen Glauben zuwenden sollen. Jedoch wollten die Eltern davon nichts hören, -r st« ihre bobe Position nicht aufgeben wollten, denn sie wußten, daß der Uebertritt zum Judentum sie nicht uur vom königlichen Hofe entfernen, sondern von allen gesellschaftlichen Begünstigungen ausschließen würde. Endlich willigten sie ein. da der Sohn drohte, wenn sie seiner Bitte nicht «achjommen würden, sie für immer zu verlassen, so daß sie nicht wissen werden, wo er hingeraten ist. Mit großer Mühe gelang es ihm. seine Eltern zu überzeugen, und sie gaben seinem Wunsche nach. Er reichte an die spanische Geistlichkeit ein Gesuch ein daß man ihm unseinen Eltern erlauben sollte, aus der Kirche auszutreten. Diese Bitte rief in Spanien eine gewaltige Sensation hervor, so daß König Alvbons einen speziellen Vertreter zu der Familie Suawales sandte mit der Bitte, daß sie von ihrem Entschluß absebeu möchten, da ihr Uebertritt zum Judentum in der spanischen Aristokratie einen gewaltigen Aufruhr Hervorrufen würde. Der junge SuawaleS antwortete aber, daß der Beschluß non ihm und feinen Eltern bereits'gefaßt sei und daß er Unselben nicht mehr ändern könne. W. Olff. I — Der Posener Juden Schicksalstage, (Schluß aus dem Hauptblatt.) Wirtschaftsleben hergestellt und unterhalten. Soweit i e - malS eine innere Angliederung Polens an Preußen-Deutschland erfolgt ist. war jüdischer Einfluß bestimmend und entscheidend." Und trotz der von Ihnen selbst erkannten Feststellungen behaupten Sie. Herr K.» wie oben mitgeteilt: „Auf jüdischer Seite hat die unter meinem Borsitz stehende zionistische Ortsgruppe sich zuerst und rechtzeitig mit der Sachlage befaßt. — Wir mutzten uns von vornherein auf die Erlangung der Minberhettsrechte einstellen. Also nicht deutsch und nicht polnisch, sondern in dem Völkergewirr deS noch nicht anerkannten neuen polnischen Staates noch «ine neue nationale Minderheit, das jüdische Volk!" Noch unerklärlicher wird diese Stellungnahme des Herrn K. und der unter seinem Vorsitz stehenden zionistischen Ortsgruppe, wenn wir Seite 15 lesen: „ES gab im Posener Lande und im ganzen an Polen abgetretenen Gebiete überhaupt keine jüdische Familie und keinen Juden mit polnischer Familiensprache. Es gab — abgesehen von wirtschaftlichen Beziehungen und ganz vereinzelten Fällen gesellschaftlichen Verkehrs — keine Verbindung mit dem Polen tum. keine Berührung mit seinem geistigen und kulturellen Leben." Zu dieser den Tatsachen völlig entsprechenden Darstellung lese man folgende Sätze deS Herrn K. einige Zeilen vorher (Seite 14): „Nie waren die Verdienste vergesse», die sich yolnische Regenten und das polnische Volk oft um daS jüdische Volk erworben haben, niemals haben die Juden Zustimmung oder auch nur Verständnis für die von der preußischen Regierung betriebene Politik der gewaltsamen Germanisieruug aufgebracht. Diese Gesinnungen aber haben die Juden in den Ostmarken nicht davon avgehalteu, sich nicht nur frei und offen zu Preußen und dem Deutschen Reich« zu bekennen, sondern auch die tatsächlich längst getroffene Entscheidung für deutsche Sprache und deutsches Geistes- und Kulturleben zu billigen und zu wiederholen." Lesen wir diese Sätze, dann müssen wir an unseren Kopf greifen und fragen: „Wo bleibt hier die Logik?" Zunächst hört wohl jeder Kenner der Geschichte der Juden in Polen von Herrn K. zum erstenmal v o n d e n Verdien st en polnischer Regenten und des polnischen Volkes um das jüdische Volk. Herr K. möge unS ein einziges historisches Werk über die Juden tu Polen nennen, in welchem diese Verdienste genannt worben find. Weiß Herr K nicht ebensogut wie wir von der schimpflichen Behandlung oeS sogenannten jüdischen „Faktor" bet be« polnischen Starosten und Gutsherren? Hat er niemalvon der Behandlung der jüdischen Schankpächter durch ihre Herren gehört? Ist es ihm unbekannt, wie oft die Juden ln Polen von dem polnischen Volke, unter stillschweigender oder lauter Mitwirkung der polnischen Geistlichkeit und de» polnischen AbelS. beraubt, mißhandelt, gemordet und ihre Frauen und Töchter — diese selbst im zartesten Alter — geschändet worben sind? Und bann spricht Herr K. von den Verdien st en derpolnischen Regenten und des polnischen Volkes um das jüdisch« Volk. — Und auf derselben Seite stellt Herr K. fest, daß die Juden in den Oftmarken sich frei und offen zu Preußen und dem Deutschen Reiche bekannten und sich für deutsche Sprache und deutsches Gei st es» und Kulturleben entschieden. Ja, wie ist mir denn? Die Juden für Preußen und da» Deutsche Reich, die Juden für deutsche Sprache und deutsches Kultur- und Geistesleben? Wir.glauben, doch gehört zu haben, daß die Zionisten nur eine h.sbrätschs Muttersprache anerkennen, daß sie nur für eine tüdtscheKultur eintreteu. Und nun diese Sprache eine» Assimilantent Was wird die früher unter dem Vorsitz des Herrn K. stehende ehemalige Posener zip» nistische Ortsgruppe, deren Mitglieder heute zum großen Teil in Berlin leben, was werden die Zionisten insgesamt zu dieser Entschließung eines ihrer Führer sagen? Doch Herr K. meint eS ja auch nicht so böse! Denn trotz dieser Anerkennung für diejenigen, die sich nicht nur als Juden schlechthin, sondern alS deutsche Juden fühlen, trotz dieser Rechtfertigung des Standpunktes, den der C. B. zur Richtlinie seiner Tätigkeit gemacht hat. trotz der berechtigten Asitmtlterung der Juden in der Ostmark, die vom dem eifrigsten Anhänger des E. SB., der liberalen Vereinigung und des Asitmilantentums nicht wärmer verteidigt werden kann als von Herrn K., wollte er in dem neuen polnischen Staate und wollen seine Gesinnungsgenossen im Deutschen Reiche: gesetzliche, verfassungsmäßige Anerkennung brr Juden als einer nationalen Minderheit! — Also eine Verbeugung nach rechts, eine Verbeugung nach links, und bann geht Gretchen ab durch die Mitte mit den Worten: „Bin weder Fräulein, noch auch schön, kann ungeleihet nach Hause geh'n." Ich kann nach der Prüfung dieser verschiedenen Ja und der darauf folgenden ebenso vielen Nein, da wir gerade bei Faust sind, nur mit den Worten „des Schülers" bekennen: „Mir wird von alledem so dumm, als ging mir ein Mühlrad im Kops herum." IV. Wir erkennen gern und dankbar an. daß es dem Jüdischen Volksrat gelungen ist, für die Juden in der Stadt Posen in vielen Füllen Schutz und Schonung von den Polen äu erlangen, hie und da auch für den Juden in der Provinz. )och nicht allein deswegen, weil der Jüdische Volksrat als Vertreter einer nationalen Minderheit bei den Polen galt, sondern weil die Fürsprecher eben nur für ihre Glaubensgenossen eingetreten sind. Und mit dieser Einschränkung konnte und mußte sich Herr K. zufrieden geben, als er einsah, daß weder der jüdische Dezernent bei dem deutschen Oberkommando in Warschau, noch auch der ehemalige jüdische Botschafter, der als Kommissar der Alliierten mit den Polen verhandelte, noch auch die Polen selbst von einer gesetzlichen Anerkennung einer jüdischen nationalen Minderheit etwas wissen wollten. — Herr K. umschreibt bas Ziel des Jüdischen Volksrats mit den stolzen Worten (Seite 20): „Eine Judenschaft, nur gesichert von», rechtswidrigen Angriffen auf Leben und Eigentum, durfte nicht das Ziel unseres Strebend werden: das wäre ein Ausfall in die Zeit der Schutzknechtschaft gewesen. Selbst die formale Gleichberechtigung, das Ziel des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, dürfte uns bei der völligen Umgestaltung aller Dinge, der wir entgegengtngen, nicht als politisches Postulat ausreichen." So mußte sich also trotz des stolzen Zieles der Jüdische Volksrat mit dem Rückfall in die Zeit der Schutzknechtschaft, mit der Sicherung vor rechtswidrigen Angriffen auf Leben und Eigentum der Juden begnügen, denn nicht einmal das Ziel des E. V., die formale Gleichberechtigung, wie sie Herr K. geringschätzig nennt, war zu erreichen. Die Ereignisse gaben also nicht dem Jüdischen Volksrate, sondern den liberalen Juden recht, die — wie Herr K. mitteilt — mit dem I. B. lediglich ein Defensivbündnis für den Fall der Bedrohung vom jüdischen Gut und Blut abschließen wollten, die aber hierfür Abstandnahme von jeder positiven jüdischpolitischen Tätigkeit darüber hinaus verlangten." So kam Herr K. in die Lage jenes Optimisten, von dem der Dichter sagt: „In den Ozean schifft mit tausend Masten der Jüngling Still auf gerettetem Boot treibt in den Hafen der Greis." — Es liegt eine tiefe Tragik in der Erkenntnis von dem weiten Abstand zwischen dem, was die Zionisten erstrebt» und dem, was sie erreicht haben. Allein nur der Mangel an psychologischer Einfühlung und politischer Einsicht hat zu dieser Tragik geführt. Den Mangel an psychologischer Einfühlung haben wir durch die vielen Widersprüche, die das Büch enthält, zur Genüge erwiesen, über den Mangel an politischer Einsicht, den die Zionisten gezeigt haben, urteilt der Herr Verfasser selbst in folgenden Worten (Seite 17): „Wir Juden in Posen, die wir von der Kunst der hohen Politik nicht viel verstanden." Ja, glauben Sie denn, Herr K., daß alle Juden in Posen ebenso bescheiden sind wie Sie? — And einen Satz vorher heißt es bei Herrn K.: „Diese Fragen" — es ist von politischen Fragen die Rede — „mögen an anderen Stellen und von Personen gelöst werden, die zn ihrer Beantwortung berufen sind." . Wir sprachen vorhin von einer Tragik, welche die Pläne der Zionisten erfuhren. Allein nicht nur die zionistische Gesinnung, sondern auch das Verhalten der Zionisten zu den nichtzionistischen Juden mußtHr zu dem tragischen Ende führen. Mußten denn die Zionisten durchaus in dieser höchsten Not der Posener Juden, der geistigen, politischen und sozialen Not ein Zusammenarbeiten mit. den Nichtzionisten schroff ablehnen und ihr Parteisüppchen kochen, weil die andern sich nicht zu der zionistischen Einstellung bekehren wollten und konnten und eine von den Zionisten sogenannte „Einheitsfront", die aber nur eine jüdisch-nationale sein sollte, ablehnen zu müssen glaubten? Noch einen Widerspruch in den Aeußerungen des Herrn K. — vielleicht den schroffsten, der uns Nichtzionisten die heftigsten Angriffe von nichtjüöischer Seite bringen wirb — müssen wir in diesem Zusammenhänge anfdecken. Wir führten oben eine Stelle aus dem Buche (Seite 15) an, die also lautet: „Niemals haben die Inden Zustimmung oder auch nur Verständnis für die von der preußischen Regierung betriebene Politik der gewaltsamen G e r m a n i si e r n n g aufgebracht." Und was sagt Herr K. aus Seite 69 (Aus einer Unterredung des Herrn K. mit Herrn Korfanty): „Er (Korfanty) erklärte immer wieder, daß keine Veranlassung vorliege, gegen die jüdischen Bürger vorzugehen, die dem Jüdischen Äolksrat angehörten oder sich wenigstens seiner Politik anschlossen-Ganz anders aber sei es mit denjenigen Juden, die in der Vergangenheit lediglich als Fürsprecher der deutschen Unterdrückungspolitik aufgetreten seien: sie könnten jetzt uichb erwarten. daß man zu ihnen Vertrauen hätte, auch wenn sie. was sie ia gar nicht täten, sich umstellen wollten." Und nun fährt Herr Kollenscher wörtlich fort: „D i e B e r e ch t i g u n g dieses Standpunktes konnte, so bitter er war, nicht verkannt werden. Keine Erklärung historischer, politischer und sozialer, auch nicht einmal kultureller Art für die politische Einstellung dieser von Korfanty angeklagten Glaubensgenossen, keine Berufung auf die von Herrn Kollenscher selbst mitgeteilte Erfahrung, baß die Juden niemals Zustimmung oder auch nur Verständnis für die von der preußischen Regierung betriebene Politik der gewaltsamen Germanisieruug aufgebracht haben." Herr Kollenscher verstärkt noch daS Urteil des Herrn Korfanty. wenn er die Worte hinzusügt: „Unsere Bemühungen mußten deshalb scheitern, soweit sie Persönlichkeiten betrafen, die im öffentlichen Leben in der deutschen Zeit eine prominente Stellung eingenommen und sich mit der deutschen Einheitsfront gegen die Polen identifiziert halt en." — Sieht so der von den Zionisten geprägte Begriff: ,Hl all JiSroel" aus? Ist das die Einheitsfront, die von ihnen gewünscht wurde? Herr Korfanty verspricht Schutz den jüdischen Bürgern, die dem Jüdischen BolkSrat angehören ober sich wenigstens seiner Politik anschließen, nicht aber den anderen Juden, und Herr Ko ll e «scher schweigt ober er teilt uns nicht «tt, «»»».< Herrn Korfanty darauf erwidert hat. — Wer aber wird als Gesinnungsgenosse des Herrn Kollenscher und seiner Anhänger angesehen? Offenbar nur derjenige, der wie Herr Kollenscher im Stile eine» Jesaias klagt, beute, im Deutschen Reiche, das seit fast einem Jahrtausend Bürger jüdischen Glaubens umfaßt, klagte: „Die nationale Idee, von der wir feloit für unser jüdische» Volk, das den Boden unter den Fußen und die Sprache aus dem Munde verloren hat, Erlösung erhofften." (Seite 161.) V. Eine kurz« Kritik verdient noch die Behandlung der Schul« frage seitendes Jüdischen BolkSrates, zumal der yerfasier diese Tättgkeit ganz besonders hervorhebt. Er sagt nämljch auf Seite 60: ,Bo konnten wir, da die Erfüllung der natiynalen Autonomie sich selbstverständlich erst im Rahmen den späteren allgemeinen Staatseinrichtung vollziehen konnte, die Errichtung eines jüdischen Schulwesens aber sofort erreichbar war. als - en Erfolg der Tagung für un» die jüdische Schule buchen. Wir haben de» 30. Dezember 1918 als - en Geburtstag der jüdischen Schule angesehen." Herr K. hat bei dieser Darstellung vergessen, zwei sehr wichtige Tatsachen feine» Lesern mitzuteilen. Die erste: An den Simultanschulen in Posen waren neben katholischen und evangelischen Lehrern stets jüdische Lehrkräfte, nichtaushtls». oder vertretungsweise, sondern etatSmätzig «tt allen Rechten und Pflichten an ge stellt, zuletzt waren es etwa 1» Lehrer un- Lehrerinnen. die wohl geeignet waren, für eine jüdische Erziehung -er die Simultanschulen besuchenden jüdischen Kinder Sorge zu tragen. Daß die liberalen Juden Polenuyd die demokratische Stadtverordnetenversammlung sowie -er demokratische Magistrat unter solchen Umständen die Errichtung von konfessionellen, also auch jüdischen Volksschulen» stets ablehnte, ist doch begreiflich. Zweitens: Der 30. Dezember 1918 ist doch nur der Geburtstag -er jüdichen Schule in der Stadt Posen selbst. In der Provinz indes bestanden seit mehr als 50 Jahren etwa 10 öffentliche, jüdische Volksschulen, darunter auch einige wehrklassige mit säst 70 seminarisch gebildeten und staatlich geprüften, jüdische» Lehrern, welche dieselben Rechte und Pflichten wie ihr« christlichen Kollegen hatten und denselben staatlichen Schulaufsichtsbehörden unterstellt waren. In -er Provinz waren sie natürlich berechtigt, weil dort eben konfessionelle Schule» bestanden, wo aber — und das ist von einigen Provinzstädte» zn sagen — Simultanschulen eingerichtet waren, hörten natürlich auch die jüdischen Volksschulen auf und ihre Lehrer fanden Anstellung an den Simnltanschulen. Ja. soweit ging die Parität, daß an solchen Orten, wo infolge des »Lug nach dem Westen"' jüdische Familien auswanderten und nur wenige oder gar keine jüdischen Schüler in der Simultanichule vorhanden waren, jüdische Lehrer in ihren Stellung«» belasten und in einigen Fällen sogar neue angestellt wurden. Warum verschweigt Herr K. diese wichtige Tatsache (oder ist sie ihm gar nicht bekannt?), eine Tatsache. die doch sehr geeignet ist. den Erfolg des Jüdischen VolkSratS bei den Herren Polen wesentlich herabzuminbern, gleichzeitig aber auch das Urteil über mangelnde Parität der preußischen Regierung gegenüber den Juden als ein Fehlurteil zu begrüßen. Wir vermuten, daß Herrn K. und seinen Gesinnungsgenossen diese Tatsache wirklich nicht bekannt gewesen ist. Denn nicht nur in der Stabt Posen, sondern überall im Deutschen Reiche lasten sich die Herren Zionisten als Schöpfer der jüdischen Volksschule feiern. Für Posen gebührt dieser Ruhm der ihnen national doch so fernstehenden preußischen Negierung, die ebenso wie die deutsche Neichsregierung niemals eine iüdtsche. nationale MinderhM innerhalb der Landesgrenzen anerkennen wird. Fretltchh solche jüdischen Volksschulen, die nur bann nach -er Meinung der Zionisten sich als „jüdische" bezeichnen dürfen, wenn ihre Unterrichtssprache „hebräisch" ist, gab es in jener Zeit nicht. Herr K. selbst macht keine Mördergrube aus dieser Gesinnung seiner Anhänger, denn er sagt Seite 781: „Ferner hatte» wir uns in unserer Forderung einer jüdischen Schule al» einen Teil einer kulturellen Autonomie diese etwas anders vorgestellt . . . Nufere Forderung ging dahin, daß den einzelnen nationalen Gruppen da» Schulwesen zur autonomen Gestaltung und Entwickln»- unter allgemeiner, staatlicher Aufsicht gänzlich liberlast«» wurde." Sv wenig bekannt war die Existenz und die Aufgabe des blühenden jildischen Volksschulwesens in der Provinz Posen, daß eine dem Verfasser sehr nahestehende Dame sich wunderte, in einer Sommerfrische einen leibhaftigen, staatlich angestellten jüdischen Volksschullehrer kenne« z» lernen, und daß sie noch erstaunter war. von diesem Lehrer ans ihre diesbezügliche Frage zu hören, daß in den jüdische» Volksschulen auch Unterricht in jüdischer Religion und jüdischer Geschichte erteilt wird. VI. Fassen wir die Prüfung des Buches „Jüdisches" zusammen, so ergibt sich folgendes: 1. Herr K. hat uns nicht überzeugt, daß die Einstellung des Jüdischen Volksrates in der Zeit der deutschen und polnischen Revolution in der Provinz Posen in de» Jahre» 1918 bis 1920 „die einzig richtige" gewesen ist. 2. Diese Einstellung ermangelt des psychologischen Einfühlens und des politischen Verständnistes. Die zahlreiche» Widersprüche in dem Buche beweisen den Mangel psychologischer Erkenntnis. Den Mangel des politischen Verständnisses bezeugt sich Herr K. selbst: ein weiterer Beweis ist da» fruchtlose Bemühen des Jüdischen BolkSrates um die Erreichung seines von ilun selbst bezeichneten Hauptzieles. 3. Das Buch des Herrn K ist geeignet, das Urteil über die vaterländische Gesinnung der Juden bei den Staatsbehörden sowohl als auch bei unseren nichtsüdischen Mitbürgern zu verdunkeln, zumal Herr K. in seinem Briefe behauptet. daß hinter dem Jüdischen Bolksrat der größte Teil der Posener Juden gestanden habe. 4. Das ist der Hauptgrund für den Mißerfolg der Werbeschrift des Herrn Kollenscher bei den vielen hierorts wohnenden Glaubensgenossen aus Posen, die er anscheinend für die zionistische Bewegung gewinnen will. — Denn nur al» Werbeschrift war wohl das Buch „Jüdische-" entstanden. 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