Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-11-13 · 46 (13.11.1925) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
46 (13.11.1925)
Date
1925-11-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2613366-2613788-2613834--1570-2618946
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

s. Jahrgang Nummer 46 mamoBBms 3. Beilage 13. November 1925 Der Unglücksprophet. Erzählung aus der Zeit des Propheten Jonas. Von Hans Janson. (Fortsetzung) Frau Amat-Sula stand auf der Schwelle und hob den Vorhang in ihrer Hand. Bei dem qualvollen Schrei ihres Sohnes wandte sie sich noch einmal zurück. Aber, ob ihr Herz auch sagte: Ich bleibe bei dir, weil ich dich liebe, weil ich nicht ohne dich sein kann, Kind', sprachen ihre schmalen Lippen hart und bitter: „Deine Mutter flieht nicht ins Gebirge. Lieber stirbt sie vor den Augen des verblendeten Sohnes, der nur das Unglück sieht." „Mutter, was willst du tun? — Hier tun, wo deines Bleibens nicht länger sein kann?" „Deine törichten Geheimnisse begraben," erwiderte die Mutter kalt. Dann, ehe Achardise es verhindern konnte, verließ sie schnell das Gemach. IV. Beidur hatte einen Unterschlupf im Hause des Oberpriesters Istar-Iddina gefunden, das dieser außer seiner Palastwohnung in Resen besaß, einem Orte zwischen Ninive und Calach. Trotz des Unwetters hatte er noch in derselben Nacht das Haus des Achardise verlassen und in der Nähe einen Unterstand gefunden. Am anderen Morgen aber setzte er seine Flucht eiligst fort und langte, trotz der Häscher, die Frau Amat-Sula hinter ihm her sandte, unbehelligt in Resen an. Indes stimmte er mit Istar-Iddina darin überein, daß es für ihn ratsam sei, sich in der ersten Zeit verborgen zu halten. Während dieser Zeit arbeitete er in der Werkstatt des Sinmatikali, eines Bruders des Oberpriesters, der das gewinnbringende, aber auch gefährliche Geschäft eines königlichen Siegelverfertigers betrieb. Frau Amat-Sula hatte inzwischen die Straßen der großen Stadt, zu denen auch die von Resen gehörten, nach dem Flüchtling durchsuchen lassen und darüber das Hebräermädchen fast vergessen. Als aber Beidur verschollen blieb, ließ ihre Unruhe nach, und ihr alter Plan, ein Weib für ihren Sohn zu finden, das seine Gedanken den heiligen Schriften entfremden und den irdischen Dingen zuführen sollte, trat wieder in den Vordergrund. Unterdessen hatte Esther die Tage in qualvoller Ungewißheit verbracht. Sogleich nach ihrer Ankunft war sie von Frau Amat-Sula, noch ehe diese den Sohn begrüßte, in den Harem geführt und getrennt von den übrigen Frauen einem Eunuchen zur Bewachung übergeben worden. So war sie, trotz der Versicherung der Frau Amat-Sula, daß sie keine Sklavin sei, eine Gefangene. Bald aber hatte sie den Trost, einen Freund zu finden, der Licht in ihre Seele brachte. Und das war Razu, der, wenn er auf der Sternwarte nicht Wache stand, im Aufträge der Frau Amat-Sula die schöne Gefangene besuchte. Diese Besuche hatten frei- Höh den Zweck, Esther für die Pläne der Assyrierin gefügig zu machen, aber wie es so kam, waren sie bald wie Vater und Tochter. Esther erfuhr von dem Leid, das dem Greise am Herzen nagte, und bei seiner Erzählung vergoß sie heiße Tränen im Gedanken an Baruch, ihren greisen Vater, dem ein gleiches Leid widerfahren war; denn auch Razu suchte nach seiner Tochter, die ihm geraubt worden war. Darum trat er auch in die Dienste des Achardise, der viele Schiffe besaß, die noch von seinem Vater her auf allen Meeren fuhren. Von Razu hörte Esther auch nur Gutes über Achardise. Wie er seine Mutter liebe und nur in einem Punkte ihren Wunsch nicht erfüllen könne. Er wolle ein Weib, das er so liebe, so ausschließlich und allein liebe, daß die Liebe zu einem anderen keinen Platz mehr in seinem Herzen finde. Wie er lange Nächte in den heiligen Büchern forsche und nach einem wahren Gott suche, der mächtiger als Nebo und Merodach sei. Wie er dadurch ein Freund der Juden geworden sei und sich zu keiner Deutung bestimmen lasse, die ihm die Gunst des Königs, dem Volke Israel aber Verderben bringen würde. Mit offenem Ohr und klopfendem Herzen nahm Esther die Worte des väterlichen Freundes auf. Die finsteren Gedanken wichen aus ihrer Seele. Hier in diesem Hause drohte ihrem Glauben keine Gefahr, dem Glauben, der ihr versagte, einen Assyrier zu lieben. Und Achardise suchte nach dem wahren Gott. Im Judenlande war ein Fünklein von dem Berge Sinai in seine Seele gefallen, und sein Vater, der ihn die heiligen Bücher der Juden kennen lehrte, konnte es mit den Lehren von Nebo und Merodach ebensowenig ersticken, wie die Mutter mit der sündhaften Liebe zum Weibe. Dann kam eines Tages Frau Amat-Sula, um Esther in das Gemach ihres Sohnes zu führen. Sie sah das freudige Aufleuchten im Antlitz der Jüdin und warf Razu einen Blick zu, der zu sagen schien: „Ich bin zufrieden mit dir, deine Gesellschaft und die Einförmigkeit des Harems haben mein Werk vollendet." Ara zufriedensten aber war Razu mit sich selbst, denn er hatte nicht versäumt, auch Achardise von Esther zu erzählen und von diesem die Zusicherung erhalten, daß die Tage, die die Geraubte von ihrem Vater getrennt sei, gezählt seien. Nur um die Mutter nicht zu kränken, wolle er Esther einige Zeit im Hause beherbergen. Ganz im Sinne des Versprechens empfing er auch Esther, und seine erste Frage war: „Du bist aus dem Lande der Hebräer? Erzähle mir von deiner Heimat, die ich einmal mit meinem Vater besuchte.“ Frau Amat-Sula, die dieser Begegnung beiwohnte, sah, wie die Augen der Jüdin bei den Worten ihres Sohnes größer und größer wurden, wie sie mit dem Ausdruck unverhüllter Bewunderung auf dem feinen und doch scharfgeschnittenen Gesicht des jungen Mannes ruhten, und wie dieser seinerseits bei diesem Blick bis unter das braune Gelock errötete. So wie jetzt war Achardise noch vor keinem Weibe errötet, und mit Jubel im Herzen erkannte das erfahrene Auge der Mutter, woher dieses Erröten kam. Leise, aber fast bebend vor Freude, verließ sie das Gemach, und als sie, den Türvorhang schon in der Hand, noch einmal zurückblickte, sah sie Esther auf einem Ruhepolster sitzen und Achardise, als verstände es sich von selbst, an ihrer Seite. Es war, als hätten die beiden sich gekannt, ehe sie sich sahen. Frau Amat-Sula jubelte in ihrem Herzen und ließ sie allein. Unterdessen fragte Achardise mit scheuem Flüstern Esther nach ihrer Heimat und ihrem Gott. Und Esther befremdete es keineswegs, daß er also fragte, ja, es war ihr, als habe sie schon oft in diesem Gemach gesessen und von Jehova erzählt, während an ihrer Seite ein Jüngling saß, der nichts von ihrer Schönheit, wohl aber etwas von ihrem Herzen, ihrem Glauben begehrte. Und sie sprach von Jehova, ohne seinen Namen zu nennen, von seiner Liebe zum Volke Israel, das er aus der Knechtschaft Aegyptens befreite. Schilderte, wie er es durch ein großes Meer führte, in der Wüste speiste, ihm Manna gab und heilige Tafeln mit zehn Gesetzen. Aber auch vom Undank der Juden sprach Esther. Wie sie gegen Gott murrten, das erste Gebot der Gesetzestafeln vergaßen und ein Kalb anbeteten, das von Gold war. Wie dann der Herr das Volk strafte, die Erde auftat, Feuer vom Himmel warf und Schlangen sandte. Und Esther erzählte, wie der Zorn des Herrn, der dunkel wie die Schlünde der Erde, brennend wie Feuer und giftig wie der Biß der Schlange sei, in Erbarmen und Liebe sich wandelte, wenn Israel Buße tat. Dann sprach Esther auch von ihrer Heimat, vom Lande, in das sie der Herr führte. Und durch tränenschirnmernde Augen sah sie die Gedern von Japho am Hause ihres Vaters, die Cisterne, aus der die Kamele tranken, während die Glöckchen des Zaumzeugs klingelten, sah den Brunnen, an dem die Mägde plauderten, wie einst Eliczer und Rebekka. Und was Esther mit dem Herzen des Glaubens und des Heimwehs schaute, sah auch Achardise, und sie saßen Hand in Hand und erblickten die teuersten Bilder von Gott und Heimat. Endlich sagte Achardise: „Du verkündest mir viel Schönes, aber nichts Neues. Ich kenne deinen Gott und deine Heimat. Ich kenne deine Heimat, weil ich deinen GotUkenne — Jehova." Als Achardise den Namen Jehova laut und vernehmlich aussprach, schloß ihm eine weiche Hand den Mund. Er zitterte und wurde blaß bei der fremden Berührung. Plötzlich aber erhob sich Achardise und sagte: „Du hast Recht, fortan will ich den Namen deines Gottes nicht vergeblich führen." V. Es war am vierzehnten Tage seit seinem Aufenthalt in Resen, daß Beidur durch Istar-Iddina einen Siegelzylinder des Königs zur Ausbesserung erhielt. „Tu dein Bestes," mahnte der Oberpriester, ein großer, hagerer Mann mit langem, weißen Bart, tief in den Höhlen liegenden, unter buschigen Brauen glühenden Augen. „Dem König liegt viel an diesem Zylinder." Dieser Mahnung hätte es kaum bedurft. Beidur war sehr blaß, als er zum erstenmal die Punze ansetzte, um zersplitterte Turmalinstücke von der beschädigten Stelle zu entfernen. Gelang ihm die Ausbesserung, so war es Istar-Iddina ein leichtes, die Gunst des Königs auf den jungen Künstler zu lenken. Mißlang sie aber, dann hatte er und Sinmatikali, vielleicht der Oberpriester selbst, ihr Leben verwirkt. Der Siegelzylinder zeigte Izdubar mit dem Löwen ringend. Die Beschädigung war nur gering darum aber um so schwerer zu beseitigen. Hinzu kam, daß die erhabenen Teile aus verschiedenen Stoffen zusammengesetzt waren. Der Kopf des Löwen war aus Basalt, seine Flanke aus Achat, seine Augen aus Bergkrystall. Die Flügel bestanden aus Chaliedon und Onyx, die Mähne aus Cornelian, die Schenket aus Hämatit und Serpentin, die Klauen, von denen eine beschädigt war, aus Turmalin. Beidur war wie im Fieber. Hundertmal am Tage nahm er das nur zollgroße, prismatische Gebilde von Halbedelstein in die Hand, um es hundertmal wieder auf die weiche Unterlage zurückzulegen, weil seine Hand zitterte Sinmatikali war nicht minder erregt. Obwohl selbst ein geschickter Künstler, getraute er sich nicht, die Arbeit auszuführen. Alles, was er tat, war, daß er Beidur seinen eignen Arbeitsraum zur Verfügung stellte, ihm das beste Rad und den kostbarsten Steinstaub für die Arbeit überließ; denn mit dem schärfsten und feinsten Meißel ließen sich die harten Sternchen nicht bearbeiten. Beidur bot seinen ganzen, glühenden Ehrgeiz auf, um nicht den Mut zu verlieren. Aber wie sehr er auch an die verheißungsvollen Möglichkeiten beim Gelingen der Arbeit dachte, seine Erregung war so groß, daß er beschloß, zunächst eine Nachbildung des königlichen Siegelzylinders herzustellen. Aber schon bei dieser Vorarbeit, die im ganzen schnell und vorzüglich gelang, fühlte er, wie ihm das Blut in den Schläfen zu hämmern begann, je näher er der Ausführung der Stelle kam, die am Original beschädigt war, Löwenklauen hatte er als Knabe schon vorzüglich angefertigt. Sie waren gleichsam seine Spezialität. Nun aber war es, als könne er eben diesen Körperteil des Löwen nicht mehr nachbilden. Er sagte sich freilich, daß ihn nur die Erregung zu dieser Arbeit ungeschickt mache, und gleichsam, um sich selbst zu beruhigen, begann er, eine Menge Klauen aus Turmalin herzustellen. Sie gelangen alle wunderbar. Aber schon bei der Ausführung der Klaue an der Nachbildung kam das Fieber über ihn und die Arbeit mißlang. Es war ein Glück, daß der König den Siegelzylinder anscheinend vergessen hatte, wenigstens drängte er nicht auf schnelle Fertigstellung der Arbeit, wie es sonst seine Art war. Darüber wunderte sich Sinmatikali trotz der Unruhe, die ihm die Nächte schlaflos machte. Hinzu kam, daß der Oberpriester unsichtbar blieb. Endlich kam er doch, aber er war so erregt, wie ihn der Bruder nie gesehen. Doch gab er Sinmatikali den Trost, daß der König in den ersten Wochen nach dem Siegelzylinder nicht fragen werde. Den Grund seines langen Fernbleibens und seiner Erregung verschwieg er indes auch dem Bruder. * , * Istar-Iddina hatte den Bericht, den Beidur fälschte, um Achardise zu stürzen, abgefangen und durch einen anderen, der besser seinen Plänen entsprach, ersetzen lassen; denn es war durchaus nicht die Absicht des Oberpriesters, daß der Sohn des verhaßten Isidnabu sein Verderben selbst herbeiführe. Er, Istar-Iddina, müßte den König, der durch die falschen Berichte Beldurs, die unter dem Einfluß der Frau Amat-Sula ganz im Sinne des verstorbenen Omendeuters abgefaßt waren, vor Achardise warnen. Irgend einen Traum des Königs konnte er dahin deuten und den Sturz des Achardise zur Befestigung seines Ansehens als Traumdeuter, das bei dem allzeit mißtrauischen König nicht zu fest stand, benutzen. Eher als Istar-Iddina dachte, kam die gewünschte Gelegenheit, den Sturz des Sohnes seines Feindes, einzuleiten. Der König hatte dem Bericht über das Erscheinen des seltsamen Fisches nur wenig Beachtung geschenkt. Als aber von allen Seiten ähnliche Meldungen einliefen, wurde er aufmerksam. Mißtrauisch aber, wie er war, ließ er sein Interesse nicht laut werden. Indes nahm er alle Berichte mit in sein Schlafgemach, wo er sie so lange las, bis er sie Wort für Wort auswendig kannte. Dann geschah es, daß er eines Morgens zu ungewöhnlich früher Stunde die Priester und Traumdeuter in sein Schlafgemach berief. Etwas Außergewöhnliches ahnend, folgten sie eilends dem Rufe, staunten aber nicht wenig, als sie den König, der nie ohne Purpurmantel vor anderen Augen als denen seiner Leibdiener erschien, nur mit dem Untergewandc bekleidet, auf seinem Lager sitzend fanden. Istar-Iddina, der als Letzter in das Gemach trat, wollte dem König den Purpurmantel reichen. Rammannarari aber sah den Oberpriester von unten hervor mit bösen Augen, in denen fast nur das Weiße sichtbar war, an und sagte: „Laß das! Höre zunächst meinen Traum." Darauf stützte der König das Kinn in die welke Hand und starrte zu Boden. Ein schwarzgefärbter, kunstvoll gekräuselter Bart umrahmte, an den Schläfen beginnend, sein Gesicht, so daß nur ein Stückchen seiner eingefallenen gelblichen Wangen sichtbar blieb, und fiel bis auf die Brust. Auch das Haupthaar war in Röllchen geordnet, von denen einige sich unter der Stirnbinde gelöst hatten und auf die Schulter hingen. So saß Rammannarari eine Zeitlang und ließ die Priester und Traumdeuter warten. Dann begann er mit einer auffallend kalten Stimme und in seltsamer, abgehackter Sprechweise: „Ich träumte von dem Fisch. Ich sah ihn deutlich. Es war wie Achardise berichtete. Das Ungeheuer stand auf den Hinterflossen, zeigte seinen Kopf. Verschwand dann. Danach lag ein Mann am Ufer, ein Jude, der betete. Ich verstand ihn, vergaß aber, was er sagte." Der König schwieg und starrte ins Leere. Dann ließ er seine weißschimmernden Augen über die erschrockenen Traumdeuter gleiten, bis sie an Istar-Iddinas hagerer Gestalt mit kaltem Hohn haften blieben. Der Oberpriester aber hielt den Blick, vor dem alle zitterten, ruhig aus, und des Königs Blick glitt von ihm ab mit der Fra^e: „Du weißt, wer der Mann war?" Istar-Iddina entgegnete mit ruhiger Sicherheit: „Der betende Mann war Achardise." Die Augen des Königs drehten sich wieder in den Höhlen. Von unten herauf, wie ein schleichendes Raubtier wanderten sie über die Gestalt des Oberpriesters. „Es war ein Jude," sagte er dann scharf. „Ein Jude, sagte ich, er trug das weiße Kleid der Juden. Einen Kinnbart, der nicht bis auf die Brust kam. Keine Ringe an den Fingern. Kein Band um die Stirn." „Dennoch war es Achardise, dessen Bericht du gelesen," erwiderte Istar-Iddina mit einer Bestimmtheit, daß die übrigen Traumdeuter erschrocken von ihm abdrängten. Der König erhob sich. Er war von großer Gestalt, aber hinfällig nach vorn gebeugt. So stand er dicht vor dem Oberpriester, die Zornesader durch das Stirnband gedrückt. Einen Augenblick war es, als solle Istar-Iddina für die Kühnheit, dem König zu widersprechen, büßen. Da fiel Rammannararis Blick auf den Purpurmantel, der noch neben dem Oberpriester auf einem Sessel lag, und plötzlich begann er im Gemache auf und ab zu schreiten, wie von einem neuen Gedanken beschäftigt. Dann, nach ganz kurzer Zeit, blieb er wieder vor Istar-Iddina stehen und fragte ruhig: „Du glaubst, daß Achardise noch immer die Juden Hebt? Wer sagt es dir?" „Sein Bericht, o König, mein Herr," erwiderte der Oberpriester, „und dein Traum!" „Warum mein Traum?" „Die Träume kommen von den Göttern. Sie sagen dem König, meinem Herrn, was in der Ferne geschieht." Wieder schritt der König hin und her. Dann blieb er stehen und fragte: „Was rätst du mir, Istar-Iddina?" „Rufe Achardise in deinen Palast. Erzähle ihm deinen Traum und verlange, daß er ihn deute." „Und wenn er es kann?" fragte Rammannarari lauernd. „Wenn er dadurch beweist, daß dein alter Haß gegen Isidnabu, seinen Vater, erwachte?" „Mit mir geschehe nach deinem Willen," erwiderte Istar-Iddina. „Und ihr?" fuhr mit rollenden Augen der König die übrigen Traumdeuter an, daß diese erschrocken einen Schritt zurückwichen, obwohl ihnen an Rammannarari ein jäher Wechsel von eisiger und lauernder Ruhe zum. wilden Zorn keine neue Erscheinung war. „Was geschieht mit euch, wenn euer Oberpriester log?" Statt der Antwort, die den König nur noch mehr gereizt haben würde, beugten sie sich alle zur Erde, streckten die Arme über den Kopf, daß die Fingerspitzen vor den Füßen des Königs sich berührten, und küßten den Boden. Eine Zeitlang ließ Rammannarari seinen Blick über ihre Köpfe gleiten, als suche sein Fuß einen Nacken, aut dem er ruhen könne. Dann sagte er mit grausamem Lächeln: „So hört meinen Willen!" Hiernach wandte er sich an Istar-Iddina, der nicht wie die anderen an der Erde lag, und befahl; „Lies für dich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.