Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 46 (13.11.1925)
- Date
- 1925-11-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2613366-2613788-2613834--1571-2618947- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
lind diese die Stelle aus dem Siegesbericht, die von den Männern handelt, die meine Götter höhnten!” Der Oberpriester nahm von einem Alabastersockel einen Siegeszylinder, in dessen Mantel die Ruhmestaten Rammannararis eingegraben waren, und las: „Es waren aber drei Männer, welche die Götter verhöhnten. Da riß ich ihnen die Arbela, die Zunge, aus und zog ihre Haut ab. Dann wart man in Ninive den einen von ihnen auf ein Schindbrett und schlachtete ihn wie ein Schaf. Dem Sohn des Zweiten ließ ich die Augen ausstechen, aber ihn nicht den Hunden vorwerfen, sondern mit Ketten beladen im Sonnentor zu Resen einschließen. Seinen Vater, der dies alles gesehen, tötete ich, aber sein Leichnam wurde nicht bestattet. Ich ließ ihn noch einmal töten und der Leiche das Haupt abschlagen. Dem Dritten, der meine Götter verhöhnte, machte ich mit dem Fleischmesser eigenhändig ein Loch in die Backe, zog durch seinen Kiefer einen Strick, legte ihm ein Hundehalsband an und ließ ihn am Sinter von Calach den Käfig hüten.” „Und so wird euch geschehen, wenn Istar-Iddina log," sagte der König, als der Oberpriester schwieg, Dann entließ er die Priester und Traumdeuter und empfing den Tartan, den Oberfcldhcrrn, zum Bericht. (Fortsetzung folgt,1 BÜCHERSCHAU Max Brod „Reubeni, Fürst der Juden". Ein Renaissance-Roman. Kurt Wolfi-Verlag, München. Vorweggenommen sei, das ist ein außerordentliches Buch. Eines jener wenigen in sorgsam gewogenen Sätzen gestalteten Werke tiefster und klarster Einfalt des Glaubens. Die Anekdote des Buches stammt aus verwirrten und mystischen Ueberlieferungen kabbalistischer Geschichtsforscher. Metcorengleich erstanden im 16. Jahrhundert aller Orten Menschen, die mit ihrem Herzblut für eine Idee cinfitanden, deretwillcn sie von denen, die die Idee beglücken seilte, gesteinigt wurden. Geschichtlich verbürgt ist die Gestalt des Fürsten Reubeni nicht. Aber aus unzähligen mündlichen und schriftlichen Ueberlieferungen einer nur dem Mystizismus ergebenen Zeit erklingt immer wieder die Kunde von dem seltsamen Messias und seiner Gesandtschaft. Die Kunde ist so: Nach der zweiten Zerstörung Jerusalems, als die zwölf Stämme Israels sich in alle Winde zerstreuten, zogen die Stämme Gad und Reuben in das südliche Rußland und errichteten dort das Königreich Chabor, Dieses Reich, abgeschlossen von der übrigen Welt, gestaltete .sich im Laufe der Jahrhunderte zu einer kriegerischen Großmacht. Im Jahre 1524 tauchte nun in Venedig fin Mensch auf, der sich Reubeni nannte und sich für den Bruder und Gesandten des Königs von Chabor ausgab. Er wurde vom Pabst empfangen und trug diesem einen Plan vor, nach welchem sich die christlichen Mächte mit dem Königreich Chabor gegen die Türken verbünden sollten. Dazu erwirkte Reubeni vom Pabst noch die Erlaubnis, die Juden der ganzen Welt in gesonderten Armeen für den Kriegsdienst gegen die Türken ausrüsten zu dürfen. Der Papst erwies ihm außerordentliche Huld und sandte ihn unter großen Ehrenbezeugungen als seinen Gesandten nach Portugal. Dort wurde er jedoch nach einige*- Zeit verbannt, ward flüchtig, in Regensburg von der Inquisition eingekerkert und verschwand schließlich in de,n unergründlichen Inquisitionskerkern Spaniens. Die luden der ganzen Welt, die auf ihn als den Messias gehofft hatten, sanken wieder in ihre Gheltis zurück. Dtesc mystische und ungemein reizvolle Gestalt des Reubeni gestaltet Max Brod „sich ihm blutsverwandter Seele fühlend", zu einer riesengroßen tragischen Persönlichkeit. Er läßt einen kleinen Judenknaben im Prager Ghetto aufwachsen, der, im Kampf mit dem „bösen Trieb", ein Christenmädchen gewinnt und sich in unlöschbaren Durst nach Leben, Frei-Sein und Liebe aus seiner Vaterstadt und damit aus uralter Tradition wegstiehlt. Erst als ihn das Mädchen verläßt, um sich einem Landsknecht hinzugeben, reift bei ihm nach unerklärtem Rausch Besinnung auf Weg und Ziel, Und 14 Jahre später taucht Reubeni in Venedig auf; niemandem, selbst sich selber nicht mehr als der kleine Judenjunge aus Prag bekannt. Er lügt Namen und Titel, rauscherfüllt für die Zukunft seines Volkes als die eines Volkes — und der Aufstieg — und der Abstieg — und das Ende, irgendwo in einem spanischen unterirdischen Kerker, Der Stoff schreit förmlich zum Gestalten und Brod fand eine Warme und edle Form. Das Ewig-Dämonische und autosuggestiv Kraftvolle in diesem Menschen, unbeschadet seiner pedantisch geschilderten Fehler, geben jeder Zeile%die ungeheuerliche dramatische Spannung eines Meisterwerks. Nebenfiguren scheinen stark und mächtig und bilden doch nur Ornamente um das Bild des Helden. Graziös — elegante Milieus lassen buntestes Leben eines romantischen Zeitalters nicht nur erkennen, sondern auch aus sich selber begründen. Die Sprache edel und breit, in der gewohnten stilistischen Vollendung Brods. Und so ist zu sagen: Das Werk ist nicht nur rein menschlich die vollendete Charakteristik des glühenden und eifernden Menschen, der wir alle einmal waren, oder den wir alle einmal liebten, — sondern stellt auch eine der fernsten und fremdesten Zeiten unserer geschichtlichen Vergangenheit in klare Erkenntnis. Es klingt wie eine herbe und doch wehmütige Musik durch dieses Buch. Ich könnte es mir als Melodrama vorstellen; Beginnt in der geduckten Form in der sich regenden Leidenschaft des jungen Menschen, leise unterdrückt, rauscht empor bis zu den wildesten, kraftvollsten und — einsamsten Akkorden, und zuletzt springen die Saiten der Harfe unhörbar und verstummen im Nichts. Der historische Roman, zu den alten vergessenen Schmökern eines uns heute schon unverständlichen 19. Jahrhunderts gelegt, feiert hier eine gloriose Auferstehung. — Das Buch ist mit Herzblut geschrieben, von einem jener, die „mit dem Engel ringen". Es ist schön! Heinz Liepmann. „Kyrie eleison!" Ein Roman von Juden und von Christen aus dem alten Speyer von Max Joseph, Verlag Hoibuchdruckerci Herrn. Kayscr in Kaiserslautern. Man. geht mit günstigem Vorurteil an die Lektüre des Buches. Denn der Verfasser ist eine in ganz Deutschland rühmliehst bekannte und höchst sympathische Persönlichkeit, der ehemalige Z-entrumsabgeordnete Maximilian Joseph Pfeiffer, der jetzt als deutscher Gesandter in Wien wirkt. Im deutschen Reichstag pflegte man diesen ausgezeichneten Kenner von Kunst und Theater allgemein scherzhaft den „Theater- oder Kunstpfeiffer" zu nennen, weil er bei allen gesetzgeberischen Materien, die mit Kunst, Theater und Literatur in Verbindung standen, als einer der ersten Sachverständigen galt, und seine Stimme bei Beratungen über diese Dinge viel Gewicht besaß. Entwurf und Begründung des seinerzeit geplanten und vielbesprochenen Reichstheatergesetzes waren zum größten Teil das Werk dieses hervorragenden Mannes. In früheren Jahren war Pfeiffer einmal Kustos an einer bayerischen Staatsbibliothek und Verfaser wertvoller, historischer Untersuchungen, Ganz außerordentlich sind denn auch die geschichtlichen und kulturgeschichtlichen Kenntnisse, die in diesem großen dreibändigen, historischen Romane zu Tage treten Das Leben im alten Speyer um die Mitte des 14, Jahrhunderts, UNSERE RÄTSEL-ECKE Kreuzworträtsel: Wagerecht: L Bibelteil, 2. Hoher Priester, 3. Stadtstaat in der Wüste, 4. Bibelteil, 6. Jüdischer Monat, 6. Gottbegnadeter, 7. Königreich der biblischen Zeit. Senkrecht: 8. Tempelteil, 9. König von Basan, 10. Phönizischer Ort, 11. PHönizische Hafenstadt, 12. Berg der Offenbarung, 13. Geistlicher. Silbenrätsel. Zwei Silben ein einfaches Wort uns nennen, Das mehrfach wir als Vereinigung kennen. Die dritte Silbe, zwei Zeichen schlicht, Der Mund als persönliches Fürwort spricht. Die letzten beiden sind rvie ein Schrein, Man legt alle irdischen Dinge hinein. Das Ganze war reich einst an Wert und Ruhm Als Moses Spende und Heiligtum. Einer für immer. Es ist dos Erste und das Zweite, Meich und gleich auf jeder Seite. Bor- und rückwärts guter Hort,' Ein chaldüisch Kosewort. Bilderrätsel: Auflösungen der Rätsel von voriger Nummer! 1. Kammrätsel. 1. Fanfare, 2. Oelblatt, 3. Marlasse, 4. Gelübde, 5. Epistel, 6. Tischri. Wagerecht: Frömmigkeit. 2. Zahlenrätsel. Jsai — Sichern — Na Hel — Abraham — Edom —< Levitikns. Israel. 3. Drehrätsel. Cap — ern — anm Zer — usa — lem Bet — hle — hem 4. Paradox? Nathan-Jo. Jonathan. die Geschichte des uralten Ghettos in den rheinischen Städten, die furchtbaren Judenmetzelcien, die infolge der Pest auftraten, die Umzüge der Flagellanten, die Kämpfe auf Leben und Tod zwischen Zünften und Patriziern, das Treiben am Hofe, — das alles wird plastisch von einem Erzähler, der Historie intuitiv im Geiste geschaut hat, geschildert. Stupend sind Pfefffers Kenntnisse der hebräischen und altjüdischen Archäologie. Die Gründe für die jeweilige Duldung und Aufnahme der Juden werden richtig erkannt,. Nur Habsucht und Geldgier der am Ruder befindlichen Machthaber verleihen den Vogelfreien Schutzbriefe und veranlassen Untersuchungen, wenn der Pöbel — und nicht nur dieser — die Unglücklichen in tierischer Weise zu Tausenden hinschlachtet, ihre Gräber schändet und die letzten Habscligkeitcn der Bedauernswerten raubt. Denn der Daseinszweck der Juden für den damaligen Staat ist lediglich das Steuer-Zahlen, und nur in selbstsüchtigem Interesse nehmen sich Kaiser und Obrigkeit der Juden an. So wie ein Landmann sein Vieh vor jedem schädlichen Einfluß zu hüten sucht, um von ihm einen möglichst großen Nutzen zu ziehen, so versuchten die betreffenden Herrscher und dann auch die Landesherren und Stadtverwaltungen ihre Juden mitunter zu schützen, damit ihre Ertragsfähigkeit nicht leide. Bergwerke, Zölle und Juden stehen auf einer und derselben. Linie; die Juden erscheinen wie Bergwerke, aus denen sich nicht durch Arbeit, sondern durch Druck edle Metalle gewinnen lassen! Alle paar Jahre regelmäßig werden die Einwohner des Ghettos gewaltsam, zitronengleich und ungesetzlich ausgepreßt. Die unübersehbar vielen, historischen Tatsachen sind eine hübsche Illustration zu dem „edlen gen Himmel stürmenden Idealismus und zu der großartigen Geistigkeit der deutschen Städte während des Mittelalters", von denen Chamberlain fabelt. Die Pfeiffersche Schilderung des gesamten jüdischen Lebens während des 14. Jahrhunderts ist zum großen Teil recht zutreffend. Manches wohl ein bischen dichterisch schön-gefärbt. An so viel ästhetische Kultur bei mittelalterlichen. Juden (Band I. S. 16/17) glaube ich nicht. Die Judensteuerrechnungen (1, S. 108 ff.) sind wohl ungeändertc, historische Urkunden. — Wenn Ritter Ebclin (L S. 116) den Juden schwermütig nachblickend seufzt: „Arme, arme Judenleute! Die einen wollen sic töten um des Glaubens willen, die andern dos Geldes wegen, um ihre Schulden los zu werden! Gefährliche Geschichten!" so trifft er den Nagel auf den Kopf! Ob übrigens ein Rabbiner um 1350 — auch dem Sinn nach — zu einem Bischof so reden dürfte und würde, wie Rabbi Jehuda (II, S. 186) zum Bischof Gerhard spricht, scheint etwas zweifelhaft. Als historische Erzählung, als lebendiges, kenntnisreiches Gemälde der damaligen Zeit hat der umfangreiche Roman sicher seinen Wert. Aber ein wirkliches Kunstwerk ist er nicht geworden. Menschen, Gestalten, Begebenheiten erwachen nicht zu rechtem dichterischen Leben. Kaum etwas tritt wirklich ..in Erscheinung". Die Figuren wirken zu sehr wie bunte, kostümierte Abziehbilder; sie reden zu oft in Phrasen. Chronik artig sind — oft hübsch erzählt — Vorgänge aneinander gereiht; der Unterstrom des alles verbindenden dichterischen Gefühles feh.it jedoch. Mit „Literatur" im höheren Sinne des Wortes hat der Roman nicht viel zu tun. Welch ein Abstand von dieser Erzählurg zu den historischen Romanen einer Ricarda Huch, einer Handel-Mazetti, eines Kolbenheycr, ja selbst noch eines Felix Dahn! — Trotzallcdcm müssen wir dem bedeutenden und liebenswürdigen Manne für sein Werk Dank wissen; denn es ist wohl geeignet, historische Kenntnisse in breite Massen zu tragen und das Interesse für Geschichte und vergangene Jahrhunderte zu wecken und lebendig zu erhalten., Dr. Ludwig Davidsohn - Berlin. Vom Sinn des Judentums. Ein Sammelbuch zu Ehren Nathan Birnbaums. Herausgegeben von A. E. Kaplan und Max Landau. 327 S. Ilermon-Verlag, Frankfurt a. M. 1925. Zu Nathan Birnbaums 60ten Geburtstag haben eine Anzahl seiner Freunde und Verehrer eine Reihe von Aufsätzen in einem Sammelbuche vereinigt herausgegeben. Nathan Birnbaum, bekannter noch unter seinem Schriftslellernamen Mathias Ader, ist eine der originellsten Persönlichkeiten des heutigen Judentums. Ein selbständig Denkender, der keiner Partei sich einfügt und immer im Suchen und Ringen ist. Beinahe vergessen ist schon, daß die Prägung des Wortes „Zionismus" auf ihn zurückgeht. Grundzug seines Wesens und Denkens ist die Bejahung eines jüdischen Nationalismus, den er aber nicht im Sinne und Stile des offiziellen zionistischen Parteischemas versteht. Denn ihm ist das Religiöse wesentlicher, einziger Inhalt des Judeseins geworden. Ursprünglich areligiös, atheistisch gerichtet, steht er heute auf einem bewußten orthodoxen Theoritismus, der zeremoniellen Betätigung zugewandten Standpunkt. In dem vorliegenden Sammelwerke ist nur ein kleiner Teil der Darstellung seiner Persönlichkeit gewidmet, übrigens der interessanteste, ein großer Teil besieht aus selbständigen Abhandlungen über jüdische Probleme, unter denen ein Aufsatz von Ernst Simon: „Zur Wertung des Alters im Judentum" und eine Legende von Emil Cohn besonders hervorzuheben sind. Franz Rosenzweig ist mit seiner Uebersetzung von Adaun anlom und Moaus Zur beteiligt. Den religiösen und kulturpolitischen Abhandlungen haftet eine gewisse Verschwommenheit an. . Sie zirkeln alle um die These, gaß nur in der thoratreuen Tat die Erfüllung des Judentums zu finden ist, aber es fehlt jeder irgendwie ernsthafte .Versuch einer Auseinandersetzung mit dea Tatsachen des modernen Lebens, der Wirtschaft, der Lebensform, die, um es konkret auszudrücken, der Herrschaft dea Scbulchan aruch im Wege stehen, jeder ernsthafte Versuch der Auseinandersetzung mit den Gedanken, die einer orthodojea Seelenhaltung im Wege stehen. Der Liberalismus, auch in seiner theoretischen Begründung, wird mit einer Handbewegung als selbstverständlich lächerlich beiseite geschoben, man gibt sich nicht einmal die Mühe, ihn zu kritisieren. Anderseits fehlt jeder Versuch, das anzubahnen, was das wichtigste ist, nämlich das moderne Leben von den ethischen Gesichtspunkten aus zu meistern, die das Wichtigste und Erhabene der Thora sind, wie man es erreicht, daß die „Wirtschaft", der „Staat", die „Nation", die „Politik" ihrer Selbständigkeit und Eigengesetzlichkeit entkleidet werden und der Primat der Religion ersteht. Es ist aber alles auf die Orthodoxie der Tat im»Sinne der^ Mizwoth, der zeremoniellen Handlund zugeschnitten. Und dabei ist doch jenes eben als fehlend Genannte die Hauptsache,^ dasjenige womit heutiges Judentum seine Existenzberechtigung und Führermission beweisen könnte. Es ist in der Abhandlung zuviel Wort, zuviel Litcraturhaftes. Trotzdem ist das Buch interessant und lesenswert. Die Ausstattung ist vorbildlich. Beim Binden ist ein Versehen leider zu verzeichnen, S. 304—320 fehlen und an ihre Stelle ist S. 33—48 doppelt gesetzt. Dienemann, Offenbach. Eibelv/under und Wissenschaft. Betrachtungen eines Arztes von Dt. Hans Hoppeier, Zürich. Fünfte Auflage. Verlag von J. F. Steinkopf, Stuttgart 1925. Der Verfasser sucht von einem orthodox-christlichen Standpunkt aus an das Problem heranzukommen, die Wunder, die in der Bibel erzählt werden, mit der Wissenschaft in Uebereinstimmung zu bringen. Dabei liegen ihm vor allem die Wunder des Neuen Testaments am Herzen, aber auch der redende Esel Bileams wird „erklärt", z. B. durch den Hinweis auf den „klugen Hans", das rechnende Pferd und dergleichen. Für uns, denen die Bibel ein heiliges Buch ist, nicht weil sie Wunder erzählt, sondern weil sie uns in die Wunder der Gedankenwelt der Propheten einführt, ist das vorliegende Buch gerichtet durch die Worte auf Seite 69: „Und wahrlich, ein Tor ist, wer noch an die Unfehlbarkeit des Verstandes glaubt. Wohl ist er eine herrliche Gabe Gottes und uns verliehen, damit wir ihn gebrauchen.", Robert Hirsch fei d, Berlin. 8. Müller. Ein Buch für unsere Mütter. Sabbat und Feste im Garten der Kindheit. So betitelt sich ein Werk, das der Verfasser des weitverbreiteten biblischen Geschichtsbuches „Ein Bucn für unsere Kinder" und der „Jüdische Geschichte in Charakterbildern , S. Müller-Heidelberg, soeben den jüdischen Müttern geschenkt hat. (Philo-Verlag, Berlin.) Wie oft hört man in neuerer Zeit jüdische Mütter darüber klagen, daß sie ihren Kindern die Sabbate und Feiertage nicht festlich nach altem jüdischen Brauch ausgestalten können, da 1 sie es in ihrem Elternhaus nicht vor sich sahen. Diesen Frauen will, wie die Vorrede sagt, der Verfasser ein Helfet sein zur Erneuerung und Belebung des jüdischen Geistes im Hause. Er ruft die Mütter auf mitzuhelfen, daß die von Gott eingesetzten Festeszeiten, daß vor allem der Sabbat wieder wie ehedem als segnender Genius über dem jüdischen Hause schwebe. Es ist eine sehr glückliche Eingebung, die den Autor hier geleitet hat. So wie das Buch beschaffen ist, darf ihm ein großer Erfolg sicher sein. Denn in ihm schwingt nicht nur ein stark religiöses und sittliches Empfinden, aus ihm leuchtet auch ein menschenfreundliches Herz, feinfühliges Verständnis der Menschenseelc und ganz besonders der kindlichen Psyche. Außerdem bezeugt das Buch ein hervorragendes Geschick, Sinn und Bedeutung des Sabbats und der Feste in eine frische, dem Kinde besonders verständliche Form zu prägen. Dabei ist die Sprache keineswegs süßlich; das Buch wahrt den Ernst und die Würde des Gegenstandes überall und legt schon in die jugendlichen Seelen Keime für die Entfaltung der höchsten Ziele der Menschheit Es ist ganz Dienst der Mutter wie am Kind Wer es ermessen kann, wie gerade die Heilighaltung del Sabbats sowohl wie der Festtage mit ihren sinnigen Gebräuchen das Herz des Kindes an das Elternhaus kettet, der wird sich gewiß dieses Buch erstehen, zumal seine vornehme Ausstattung einlädt, sich in seinen Inhalt zu vertiefen. Ich bin der festen Uebcrzeugung, daß wir Mütter unter der Anleitung dieses trefflichen Buches bald „neues Leben aus den Ruinen" blühen sehen. Frau Be rtha Geismar, 1. Vorsitzende des Isr. Frauenvereins Konstant.