Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-11-06 · 45 (6.11.1925) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
45 (6.11.1925)
Date
1925-11-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2613366-2613788-2613833--1556-2618931
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

9 entity mentions

% H&fesä Margaretensaal (Neu eröffnet) Eintritt frei! Eintritt frei! Ungarische Kapelle Horvath Sander Wiener Küche Prima Weine Ia Biere Aus den Gemeinden ♦♦♦♦*«] ftlteitftoH. tIüier). (E n t hüll n u g eines D e n 5 - wals für die Gefallenen.) Dieser Tage fand die Enthüllung des Ehrenmals israelitischer Kriegsopfer in der hiesigen Synagoge statt. Auf Einladung durch die Kultusverwaltung waren erschienen die beiden katholischen Geistlichen. der Äeineinderat mit dem Bürgermeister und der Krieger- und Beteranenverein mit der Fahne. Die weiten Räume des Gotteshauses vermochten kaum die mehrere hundert wählenden christlichen Teilnehmer aufzunehmen. Die Feier wurde durch Musikvorträge der Kapelle Kock und dem dreistrnnnigen Chor israelitischer Sänger verschönt. Den Höhepunkt bildete die von Hauptlehrcr Rose gehaltene Gedächtnisrede. in der er zunächst dankbar Las Erscheinen so zahlreicher Teilnehmer begrüßte und dann hinwies ans die -entringen der gesamten deutschen Juden heit im Weltkriege und besonders ans die Leistungen der hiesigen kleinen israelitischen Gemeinde von kaum 60 Seelen. Von den 16 zum Heeresdienst Einberufenen waren 12 Feldzugssoldaten. von denen 6 mit dem Eisernen Kreuz 2. Kl. ausgezeichnet heimkehrten. während 3 den Tod sürö Vaterland erlitten. Mit dem Wunsche, daß alle Kriegsopfer Bausteine werden möchten zu einem neuen und herrlichen Tempel für Deutschlands Ehre. Wohlfahrt und Glück und beitragen möchten zur Förderung der inneren Eintracht und des Friedens, schloß der Redner. Dann folgte das Seelengebet in hebräischer und deutscher Sprache für die gefallenen und gestorbenen oÄWchen Helden und die Enthüllung des Ehrenmals in der Vorhalle der Synagoge. Der Bürgermeister und der Vorstand des Kriegervcreins hielten Ansprachen. Berlin. (Gedächtnisfeiex für Emil Plotke.) Aum Sonntag, den 1. November, hatten Vorstand und Synagogenverein der Synagoge Levetzowftrabe zu einer Gedächtnisfeier für ihren verstorbenen Vorsitzenden Ge w e r b e - rat Emil Plotke eingeladen. Unter Beteiligung der Gemeindekörperschaften und Abordnungen der übrigen Synagogenvorstände sowie eines großen andächtigen Publikums verlief die Trauerfeier außerordentlich weihevoll. Die architektonisch prachtvoll wirkende Synagoge war für diesen Zweck noch mit besonders reichem Blumenschmuck ansgestattet. Nach einem feierlichen Präludium ans der Orgel setzte der Gesang des Synagogenchores mit der Palmer'schen Komposition „Tröstet mein Volk" ein. Nachdem Herr Obcrkantor Wilhelm Friedmann unter Begleitung der von dem Ehvrdirigenten Herrn Wachsmann gespielten Violine das „Largo" von Händel mit unterlegtem Text zum Vortrag gebracht, zeichnete Herr Rabbiner Dr. Lewkowitz mit seinen Strichen und in klarer formvollendeter Rede das Leben und Streben deö Dahingeschiedcnen. Wie er., selbst ein tief religiös empfindender Jude, jüdisches Wissen und jüdischen Geist für die Gemeinsamkeit schaffen half. Aus diesem Bestreben heraus seien auch ihm die Kräfte gewachsen, die ihn zum Wirken an hervorragender Stelle in der Gemeindeverwaltung und in liberalen Kreisen befähigten. Eine Kämpfernatnr sei Emil Plotke nie gewesen, ihm lag es mehr am Herzen, den Vermittler der Gegensätze zwischen den politischen und religiösen Parteien zu bilden. Dies sei auch der innere Grund dafür gewesen, daß der Verstorbene keinen persönlichen Gegner besaß. Als ein besonderes Verdienst hob Redner noch hervor, daß er einer der Schöpfer des Synagogenvereins gewesen sei. Mit dem Gesang des Oberkantors Wilhelm Friedmann: „Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft-!" von Felix Mendelssohn und der sich daran anschließenden Mahjokor-Komposition deS ehemaligen Ehvrdirigenten der Berliner Gemeinde. Fabian Rehfcld. schloß die erhebende und andachtsvolle Feier. Bremen. (Tod eines führenden Gern e i n de m i tg l i e d e s.) Herr Leo Nebenzahl, der in der israelitischen Gemeinde unserer Stadt und in der hiesigen Kaiser-Frieürich-Logc wichtige Ehrenämter lange Fahre hindurch bekleidete, verstarb nach kurzem schweren Leiden in Berlin, wo er zum Besuch weilte, im 67. Lebensjahre. Bremen. (Jüdisches W o h l f a h r t s a m t.1 , Gemeinsam mit den nichtjüdischen Wohlfahrtseinrichtungen unserer Stadt fordert das jüdische Wohlfahrtsamt zur Unterstützung der Bremer Nothilse auf. Das jüdische Wohlfahrtsamt hat sich vor kurzem mit dem evangelischen WoülfahrtSbund, dem deutschen Caritas-Verband. Ortsverbaud Bremen, dem brc? mischen Landesverein vom Roten Kreuz, dem 6. WohlfahrtSverband. Ortsverbaud Bremen und dem Ausschuß für Arbeiterwohlfahrt zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlofsen. deren Vertreter den Ausschüssen der Bremer Nothilfe angehören und die daher insbesondere über die Verwendung der Sammelcrgebnisse mit,zu bestimmen haben. Bremen. (Ausschuß für geistige Interessen.) Der innerhalb -er hiesigen israelitischen Gemeinde bestehende Ausschuß für geistige Interessen kündigt für den 1. Teil des Winterhalbjahres folgende Vorträge an: 7. November. Rechtsanwalt Dr. Julius Katzenstein. Bremen, über „Soziale Motive in den Werken zeitgenössischer jüdischer Schriftsteller". Mit dem Vortrage ist eine jüdische Buch- und Kunstausstellung verbunden. Am 6. Dezember d. I. referiert Herr Rabbiner Dr. Aber über jüdische Schwärmer im Mittelalter" (als Einführung in den neuen Roman von Max Brod: „Reubeni. Fürst der Juden"), außerdem wird der Gemeinderabbiner einen Kursus über die Soziale Gesetzgebung -er Thora und einen «eiteren Kursus: „Ei« Blick in das moderne jüdische Schrifttum" veranstalten, dem die Besprechung charakteristischer Aufsatze von Hermann Cohen. Leo Back, Martin Buber, Emil Lohn und Achad haam zugrunde liegen wird. Die Teilnehmergebühren fließen restlos der neugeschaffenen Lehrbibliothek zu. Caffel. (Beratungsstelle für psychopathische Kinder.) Auf Anregung des Vereins der Leiter und Leiterinnen jüdischer Erziehungsanstalten Deutschlands soll hier für die Bezirke Sachsen. Thüringen und Cassel eine Beratungsstelle für schwer erziehbare und anormale jüdische Kinder errichtet werden, deren Uebernahme durch Nervenarzt Dr. John Katzenstein und Waisenhansinspektor Heilbrunn gesichert ist. Die Aktion, den beteiligten Eltern psychopathischer iüdischer Kinder unentgeltlich Rat und Anweisung für die rechte Behandlung zu erteilen, ist neben dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund der AentraLwoMahrtsstell-e der deutschen Inden zu verdanken. Die Errichtung eines besonderen Heims, in dem schwer erziehbare und krankhaft veranlagte Kinder unter sachärztlicher Aufsicht durch rechtzeitige geeignete Erziehung vor Schaden an Leib und Seele bewahrt bleiben können, wird angestrebt. Bis zur Verwirklichung dieses Planes will die Beratungsstelle, die dem Waisenhaus anaeschlossen werden soll, dringendsten Ansvrüchen genügen. Au die Vorstände der Gemeinden und Wohlfahrtsvereine und an alle mit der Erziehung der Kinder Beauftragten ergeht die Bitte, in entsprechenden Fällen auf die Beratungsstelle hinzuweisen. Desto«. (Eine jüdische M ü st e r g ä r t n e r e i.) Der Gärtnerei ,Fsmmenhof" in Dessow i. Mark bei Berlin, die schon früher von der Siedlungskommission der preußischen Regierung als Mustergut prämiiert wurde, ist von der Lanbmirtschaftskammer die amtliche Anerkennung als Lehrwirtschaft für gärtnerische Ausbildung erteilt worden. Leiterin ist Frau Henny Lin-Rosenthal. Frankfurt a. M. (Denkm alsent hüllung in Schmitten.) Sonntag, den 25. Oktober, fand in dem bekannten Luftkurort Schmitten i. T. die feierliche Enthüllung eines Denkmals für die im Kriege gefalleueu Söhne der Bürgerschaft statt. Die Feier, der eine zahlreiche Menge aus dem Orte selbst und der Umgegend beiwohnte, war von Liedern einer Musikkapelle und zweier Gesangsvcreinc eingerahmt und durchzogen. Nach der Begrüßung des anwesenden Lanörates. anderer Vertreter von Behörden und Vereinen und insbesondere der ehrwürdigen Veteranen von 66 und 70 durch den Bürgermeister von Schmitten wurde unter Salutschießen das Denkmal enthüllt, das von einem Frankfurter Künstler gcschaffe-n und an passender Stelle postiert, in Gestalt eines Sanitäters, der in Begleitung seines Hundes einen schwerverwundeten Kameraden aufsindet und anfrichtet. die Treue darstellt, wie sie inmitten des mörderischen Krieges unzählige Male geübt worden ist. Im Mittelpunkt der Feier standen die Reden der Geistlichen der drei Bekenntnisse. Der katholische Pfarrer sprach von dem Widersinn, durch blutigen Krieg den, eigenen Volke Beistand und Heil sichern zu wollen, der protestantische, ein ehemaliger Divisionspfarrer, betonte die Einigkeit, die draußen im Felde zwischen allen Standen, zwischen Iud' und Christ geherrscht habe und die uns fetzt, da unser Volk unter dem Zusammenbruch so schwer zu leiden habe, doppelt nottue. Ms Vertreter der füdischen Gemeinschaft ergriff endlich Herr Rabbiner Dr. Salzberger aus Frankfurt a. M.. ehemaliger Feldrabbiner, das Wort, um nicht nur des einen Kameraden, der unter den 38 ans der Ehrentafel des Denkmals verzeichnenden Gefallenen sich befand, zu gedenken, sondern auch der 12 000 anderen Juden, die im Kampfe fürs Vaterland ihr Leben gelassen haben. Der Rabbiner betonte. daß in diesen Tagen, wo die Völker am Werke sind, einen dauernden Frieden untereinander auszurichten, wir Deutsche uns aufs Eindringlichste uns daran mahnen.lasten müßten, daß nur ein Friede im Innern unseres Volkes ihm auch den Frieden nach außen verbürge. Es war herzerbebend zu spüren, wie durch alle drei Ansprachen als Grundton sich der feste Wille zog, brüderlich zusammenzustehen im Leben, wie e8 fite Kameraden im Felde getan und bis zum Tode gehalten haben. Es wäre sehr zu wünschen, baß der Geist der Einigkeit, der unter der Einwohnerschaft von Schmitten besteht- und die in dieser eindrucksvollen Feier einen lang nachhallenden Ausdruck fand, allüberall in deutschen Landen sich durchrinat. Gmünd. (Synagogenneub au.) Die hiesige israelitische Gemeinde hat die frühere Zweiglesch e Fabrik in d-er Katharinenstraße um den Preis von 22 000 M. anqekauft. Das Gebäude soll zu einer Synagoge umgebaut werden. Godesberg. (Gedenktafel.) In der hiesigen Synagoge wurde eine Gedenktafel für die im Weltkriege gefallenen hiesigen jüdischen Soldaten eingeweiht. Heinsberg. (Tod des Gemeindevorstehers.) Im Alter von 81 Jahren verstarb nach kurzer Krankheit der Vorsteher der israelitischen Gemeinde. Arnold Manasses. Dem Verstorbenen, der viele Jahre hindurch der Stadt Heinsberg als Stadtverordneter diente, wird bei seiner Gemeinde ein ehrendes Andenken bewahrt werden. Stuttgart. (Auflösung von vier S v n a g o g enge m e i n d e n in Württemberg.) Wie die Gemeindczeituna für die israelitischen Gemeinden Württembergs mitteilt. sind mit Zustimmung der Israelitischen Landesvcrsammluua durch Anordnung des Oberrats der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs die Israelitischen Religionsgemeinden: 1. Aufhausen, O.-A. Neresheim, 2. Ernsbach, O.-A. Oehringen, 3. Kochendorf, O.-A Neckackulum. 4. Nordstetten. O.-A. Hors aufgelöst worden. Das Vermögen der aufgelösten Gemeinden geht auf die Israelitische Zentralkasse über. Die in Aufhausen ansässigen Israeliten sind der israelitischen Religionsgemeinde Oberdorf, die in Ernsbach der israelitischen Religionsgcmeinde Berlichingen, Rabbinat Heilbronn. die in Kochendorf und Neckarsulm der israelitischen Religionsgemeinde Heilbronn. die in Nordstetten der israelitischen Religionsgemeinde Horb zugeteilt worden. »♦44444444444444444444444444444444»4 »♦»♦♦0+4« ♦♦4444444444»»« * Aus der Bewegung Berlin. (Liberaler Verein für die Angel c g e n h e i t e'n der jüdischen G e m e i n ö e z n B e r l i n e. V. B e z i r'k s g r u p p e O st e n). Die neugegründete Bezirksgruppe hielt am 28. Oktober eine gut besuchte öffentliche Versammlung ab. in der Herr Rabbiner Dr. Weyl über das Thema „Was ist liberales Judentum?" sprach. Ausgehend von dem Gesichtspunkt, daß es im Berliner Osten eine Menge Glaubensgenossen gebe, die nur religiös-liberal sein könnten, entwickelte der Bvrtragende ein lebhaftes und interessierendes Bild des religiös-liberalen jüdischen Menschen und der Ausgaben, die ihm und der liberalen Gesamtheit in Gotteshaus. Schule. Familie und Gemeinde gesetzt sind. Der Vortrag fand bei den anwesenden Liberalen lebhafte Zustimmung und verfehlte auch seinen Eindruck auf die gleichfalls iu größerer Zahl erschienenen konservativen Gemeindcmitglledcr nicht. Herr Rabbiner Dr. Löwenthal und Herr Moritz A. Loeb suchten die Anschauungen des Redners zu widerlegen: in der auf hohem Niveau stehenden Aussprache traten ihnen aber mit Erfolg eine Auzahl unserer Freunde, darunter der Vorsitzende der Vereinigung für das liberale Judentum, Rechtsanwalt Stern, der Vorsitzende des Berliner Liberalen Vereins, Rechtsanwalt Dr. Jul. L. Seligsohn, und der rührige Leiter der Bezirksgruppe Norden, Herr Falkenberg entgegen. Eine größere Anzahl neuer Mitglieder beweist den Erfolg unserer Sache im Osten, der im Laufe dieses Winterhalbjahres weiter ausgebaut werden wird. Die Versammlung bestätigte durch Zuruf den bisherigen vorläufigen Vorstand der Bezirksgruppe in seinem Amte. Erster Vorsitzender bleibt Rechtsanwalt Dr. Magarete Bereut. Berlin. (Jüdisch-liberaler Iugcndvcrein c. V.) Am 22. Oktober sprach Herr Rabbiner Dr. Wilde- Magdeburg über „Werden und Sterben tu der Religion" Herr Dr. Wilde verglich die Religion mit einer Glocke, die auf hohem Turme hängend, von ihren Anhängern zum Tönen gebracht wird. Das Zeremouial. der Turm, ist in stetem Wandel. Aus- und Umbau begriffen. Nur der Glaube an den Ewigen. Eiilig-Einzigen ist ewig und unwandelbar. Das Suchen des Menschen „letzten Dingen" erweckt in ihm religöses Gefühl, das im Verein mit dem Selbsterlialtungs-- trieb den Grund legt zum Zusammenschluß zur religiösen Gemeinschaft. Auf den Beginn des Vortrages zurückgreifen-, erklärte Herr Rabbiner Dr. Wilde cs als unsere Ausgabe, dazu 'beizutragen, die Glocke des Judentums im stete» Schwingen und Tönen zu halten. Die anschließende Diskussion brachte nichts Wesentliches« Breslau. (Jüdisch-liberaler Iugendvercin. Abraham Geiger.) Am 21. Oktober fand unsere Erössnungsversammlung statt, in der der 1. Vorsitzende des Berliner Jli. Ernst Heinrich Seligsohn, über das Thema: Was sollen die JliS sein? referierte. Der Redner warf zunächst die Frage aus, ob das Bestehen der Ilis überhaupt berechtigt ist. Die jüdische Not der Gegenwart bejaht diese Frage. Antisemitismus und Zionismus haben den jüdischen Menschen wieder gerettet. Durch die geistige Not, die im Weltkrieg weite Schichten erfaßte, ist wieder die religiöse Sehnsucht erwacht. In jedem von uns sind die Merkmale der Väter zu spüren. Die Art. in der unsere Vorväter gedacht haben, lebt in uns weiter. Das Judentum erhebt den Anspruch, eine ewige Religion zu sein. Wir müssen unsere Religion lebendig ausgestaltcn und ein Geschlecht heranziehen, an das hohe Anforderungen zu stellen sind. Als innerlich wahre Menschen beißt cs. sich um das Judentum bemühen. Wir brauchen Anschluß an die Tradition. Wir müssen jüdische Art schaffen. Soll man sich nun das Wesentliche oder alles im Judentum aneignen? Wir müssen bemüht sein, uns alles anzueignen. Das Judentum ist kein philosophisches System, das Judentum birgt Widersprüche in sich. Die Kenntnis jüdischer Geschickte ist wichtiger als die Uebersetzung hebräischer Gebete. Selbstverständlich liegt uns nichts ferner als die Verbannung des Hebräischen aus dem Gottesdienste. Wir müssen uns in die Denkweise und in die Methode der Väter cinzuleben suchen. Die Bibclstellen sind wörtlich durchzunebmen. auch wenn sie weniger interessant sind. Reform der Anschauung, wie sie Abraham Geiger proklamiert hat, tut uns not. Zn jedem Satz, den wir in der Bibel lesen, sollen wir Stellung nehmen. Wir müssen auch zu uns selbst Stellung nehmen und jüdische Geschichte als unsere eigene Geschichte behandeln. Wir müssen unsere religiöse Haltung vergleichen mit unserer Stellung zu den Tagessragen. Das jüdische Wissen ist in die Tat umzusetzen. Die Frertagabendseiern geben uns religiöse Erbauung. Jüdische junge Menschen müssen sich an der Wvhlfahrtsarbeit beteiligen. Der Gedanke der Arbeitsgemeinschaft geht durch alle Ilis durch. Im kleinen Kreise ist man unbefangener und freier. Die sachliche Aufgabe führt uns zusammen. Menschen, die nicht in die Ilis nassen, kommen von selbst nicht wieder. Nur wenn mir selbst gefestigte Ansichten haben, können wir mit anderen Parteien Zusammengehen. Mit Neutralität ist nichts getan. So stark wie wir selbst sind, so stark wird unser Einfluß sein. Nur durch eigene Stellungnahme und Bekenntnistreue kommen? wir aus der jüdischen Not heraus. Lebhaftester Beifall folgte den warmen Ausführungen unseres lieben Führers utw Lotte Nosenthal dankte dem Redner insbesondere dadurch, daß sie seine Worte unterstrich. In der sehr lebhaften Aussprache kam zunächst die Ansicht zum Ausdruck, daß die heutige Zeit reliaionslos ist. die Menschen können nicht alles von einem Standpunkt aus sehen Der Gemeinschaftsgedanke ist in unseren Logen verwirklicht, d'" uns auch im täglichen Leben verbinden. Demgegenüber betont ein anderer Redner, daß im Zeitalter des Materialismus alle Religionen gelitten haben. Das Streben der acKuntcn Menschheit geht nach Religion. Wichtiger als hebräisch lernen ist die Kenntnis der Bibel, die mit den Augen der Jetztzeit zu lesen ist. Wir müssen andere Dinge indisch machen und nicht nur auf Tradition bauen. Der zweite Freitaa-Abendaottesdienst ist von der Jugend regelmäßig zu besuchen. Bon anderer Seite wird treffend bemerkt, die geringste Kenntnis fremder Sprachen ist fördernd. Auf das Wie kommt es in der Hauptsache in der Reform des Gottesdienstes gn. Die jüdische Jugend will rückwärts zu den Quellen, um aus ihnen neue Kraft zu schöpfen, ergänzt eine Führerin. Der Vortragende faßt in seinem Schlußwort zusammen: Religiöse Sehnsucht iü der Kannn inn Gott. Individ«en und nickt die Genminschaft aber Pflicht der Führer ist es, voranzngchen. Wer ernsthaft und wahrhaft arbeitet, dem bleibt der Lohn nie aus. In diesem Sinne wird anch der Breslauer Jli weiter seine Tätigkeit durchführen und sicher endlich in ollen Kreisen der Großgemeindc Verständnis für sein Wirk"« sinken. Die Lumnitzer Tagung am Sonntag, den 8. November, soll alle Freunde auS Schlesien zu ernster Arbeit in einer machtvollen Kundgebung vereinen. In Liegnitz darf kein Breslauer Jlamitglied fehlen. Frankfurt a. M. Der Freisinnige Verein für Jüdisches Gemeindeleben (Ortsgruppe der Bereinigung für das liberale Judentum c. V.) hielt am Donnerstag, den 29. O k t o b e r 1025, seine diesjährige Generalvensammlnng ab. welche im Vergleich zu den früheren wesentlich besser besucht war. , . . Die Geschäfts- und Kassenberichte wurden genehmigt und dem Vorstand, bzw. Kassensübrer Entlastung erteilt. Die bisheriaen Mitglieder des Vorstandes, sowie 22 Mita lieber des Ausschusses und die beiden Revisoren wurden durch Akklamation wiedergewählt. Werbt neue Mitglieder! Kalendarium für die Zeit vom 7.11. b. 14.11.1925. November 1928 Cheschrvan 5888 Sonnabend 7. 20. Wocheu-Abschnitt: Wajero (1. B. M. Kapitel 18—22) Haftarah: II. Könige 4 (1—37) Sonntag 8. 21. Montag ». 22. Dienstag 10. 23. Mittwoch 11. 24. Donnerstag 12. 25. Freitag 18. 26. Sonnabend 11. 27. Nenlnoridwe»hc Wocheu-Abschnitt: Cyajjessoro (1. B. M. Kapitel 23-25, 18) Haftaraü: I. Könige 1 fl—31) Sabbat-Ausgang: 5,01

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.