Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 45 (6.11.1925)
- Date
- 1925-11-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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*mmp 5. Jahrgang Nummer 45 Bellage S. Navember W5 H* Jrcunbc im Ausland Aim« PaMLre. Herr Salvador LLvi, einer der Führer unserer liberalen Freunde in Frankreich, hat uns vor einige« Dagen einen sehr interessanten Brief über daS jüdische Leibe« in Frankreich übersandt. I« diesem heißt es u. a.: «WaS unsere Lage alS Juden hier in Frankreich betrifft, o ist dieselbe als eine recht gute zu bezeichnen. Die absolute Gleichberechtigung ist in allem -urchgefüchrt. Wir haben B Generäle (die auch gute Jude« sind) in alle» hohen tellungen finden Sie Juden, und gegenwärtig haben wir 3 Mische Minister, der Minister Lek Innern Mrecham Tchrameck und der Minister der Kolonien AndrL Hesse. In ber Kammer sitzen Über ein Dutzend Juden, und ihre Zahl in dem Senat ist 6. Man kann nicht behaupten, -aß eS keine Antisemiten gäbe. Es ist -lesvs wohl in keinem Lande -« Fall. AVer ihre Zahl ist eine geringe, und sie sind ganz einflußlos. Man ftmbet sie in den alten Parteien, z. B. bei den Royalisten, die aber ganz machtlos sind und auch bei gewissen Klerikalen, nicht Lei allen, den« es gibt viele Klerikale. die Judenfreunde sind." Weiter schreibt «ns Salvador L6vi: „Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf eine höchst interessante Persönlichkeit, unseren Freund Älims Pallidrr lenken. der sich in seinen Schriften auch deS hebräischen PseubonymS Loötmol Lo-es-mol bedient. Palliare entstammt einer äußerst religiösen katholischen Familie auS New Dort, und von seiner Kindheit an wurde er dazu bestimmt, katholischer Priester zu wenden und erhielt von Jugend an die betreffende Erziehung und Ausbildung. Mit dem 12. Jahre fing er an, die hebräische Sprache zu lernen, in -er er rasche und große Fortschritte machte, da er einen ungemeinen Eifer und eine große Liebe diesen Studien widmete. Von -a an. da er viele hebräische Bücher las. war er für das Judentum begeistert und weigerte sich, in das Priesterseminar einzutreten. Ich muß Ihnen hinzusügen. daß er es nach und nach so weit brachte, hebräisch ganz geläufig zu spreche«. Ein bißchen später machte er die Bekanntschaft des GrotzrabbinerS Elie Benamoseph in Livorno (Italien) und würbe von demselben vollständig jüdisch ausgebildet und in das Judentum ausgenommen söhne Beschneidung, die den Ideen Benamosephs nicht entsprach). Seit jener Zeit gehört fein ganzes Du« und Können dem Judentum an, mit einer Hingebung, die zu den große« Seltenheiten gehört. Während deS Krieges gab er den höheren Religionsunterricht an dem hiesigen Rabbinerseminar. gehörte einige Jahre der Verwaltung der hiesigen israelitischen Gemeinde an, und seit T Jahren ist er bei unserer liberalen Gemeinde als Hilfsprediger und Religionslehrer angestellt. Seither gibt er häufig Konferenzen in vielen hiesigen Vereinen und in vielen Städten der Provinz. Er hat viel geschrieben, jedoch meistenteils in jüdischen Zeitungen. Im jüdischen Schrifttum und in der jüdischen Literatur ist er durch und durch bewandert. Er ist ganz selbstlos und Hat keine Bedürfnisse." <- * Im Folgenden veröffentlichen wir aus der religiösen st ^Selbstbiograyhie AimL PallisreS. die er in der Zeinchrist £ »Foi et Reveil" unter dem Titel: „Das unbekannte Heiligst tum" veröffentlicht hat, das folgende ergreifende Bekenntnis. das die Bedeutung deS Judentums in der ReligiouSgefchichte der Menschheit aufzeigt. Der Mittelpunkt der Religionen. Inmitten des jüdischen Volkes ist der Geist GotteS, trotz aller Mühseligkeiten und Schwierigkeiten, stets lebendig geblieben und hat dort schließlich den ProphetiSmus. jenes historische, einzig in der Religionsgeschichte der Menschheit dastehende Phänomen gezeitigt, jenes größte Wunder in der Geschichte Israels: die herrlichste Blüte seines NativnalgerneS. In der Gestaltung der Propheten bat die Entwicklung des GotteSgebankens ihren Gipfelpunkt erreicht. Adonai, der Gott Israels, hat sich ihnen offenbart als der Einzige, der Bvter aller Menschen. Und da folgerichtig nur die gesamte Menschheit als eine große Familie ausgesaßt wuvde, so hat -er Mische Glaube zuletzt die Sch eE «vanzwischen -St Rattonen gesprengt: besser gesagt: er bat sie rvvbl geachtet, aber er ist über sie hinauSgewachsen. Für den Glauben gab eS kei«e zeitliche» und räumlichen Grenzen; die messianische Hoffnung ist der höchste Ausdruck feiner letzte», erhabensten Nicht nur seine Grüße und sein Gedankenreichtum, «ein. auch daS ganze Wesen deS jüdischen Glaubens, sein« Tiefe läßt ihn den ersten Platz unter den Religionen der Menschheit einnohmen. Adonai offenbart sich als der Heilige, und von dieser Stunde an findet die Religion ihren reinsten, vollkommenste» Ausdruck tat Gewissen deS Einzelnen. Die MovaVegrtffe. die wir in diese» und jenen Religionen verstreut finden; hier find sie ausnahmslos vereint. »Seid heilig, denn ich Lin heilig, ich. der Ewige. Euer Gott." Dieses Gebot. bas alle anderen in sich einschließt. eS ist dem Judentum Glaubenssatz und DebenSregol geworden. So fern eS mir liegt, den Wert und den Einfluß anderer Religionen zu verkleinern, — daß der Glaube Israels in der Göfchichde der Menschheit einen besondere« Platz efiu nimmt, ist leicht zu beweisen) der Unterschied liegt nicht darin, daß er äußerlich stärker oder schwächer scheint, sondern darin, daß er innerlich anderist. Wenn ich diese Behauptung aufftelle. so mache ich durchaus keinen Unterschied zwischen dem Judentum und seinen beiden Tochterreligionen. dom Christentum und dem Islam, die sich über die ganze Welt auSgebreitet und die Kenntnis des einzigen GotteS. deS Gottes MoseS und der Propheten überall gelehrt haben. Die jüdischen Theologen fassen sie auf als zwei mächtige Mittler der göttlichen Vorsehung, die dazu bestimmt sind, den Herde« die Segnungen der jüdischen Offenbarung zu bringen und den Anbruch deS mefsianischen Zeitalters vorzubereiten. Aber, so wird man mir von christlicher Seite entgegeuhalten. hat nicht die göttliche Offenbarung, die sich in allen Phase« der jüdischen Geschichte bis zum Abschluß der Bibel gezeigt bat. eine in den jüdischen Schriften unbekannte Vollkommenheit gerade in diesen beiden mächtigen Pfeilern gesunde«. in diesen Pfeilern, deren Lebenskraft doch nur dadurch sich erklärt, daß sie ihre Fruchtbarkeit aus dem alten Stamme Israel gezogen hohen? Es scheint mir, daß wir zunächst zwei hervorstechende Tatsachen beachten müssen: Alle göttlichen Wahrheiten, von denen die christlichen und die mohammedanische« Gläubigen zehren — es sind jüdische Wahrheiten: und sie sind eS derart, daß jede einzelne von ihnen dem Judentum entlehnt ist. Gewiß, die Wahrheiten der Mutterreligion werden oft von den Tochterreligionen in fremder Form, mit fremden Zusätzen gepredigt. Eine Veränderung: Ja! Eine Bereicherung? Nein! Zweifellos sind z. B. Jomkivvur und Charfreitag ein Sinnbild der gleichen Wahrheit: die göttliche Barmherzigkeit löscht die Sünden in der reuigen Seele und legt den Keim zu einem neuen Leben, das Früchte der Gerechtigkeit und Heiligkeit tragen soll. Wenn man jedoch die Wirkung dieser Lehre der Wiedergeburt und des Heiles abhängig macht von dem Bekenntnis einer bestimmten Glau» vensrichtung. von der Bejahung gewisser geschichtlicher Tatsachen oder gar von der unbedingten Erfüllung irgendwelcher Riten, so beschränkt, ja verwässert man Las dank der jüdischen Offenbarung?« bestehende Verhältnis Zwischen der menschlichen Seele und Gott, dem himmlischen Vater. Angesichts der jüdisch-christlichen Frage drängt sich unS noch eine zweite auf; die Existenz einer Milliarde Heiden. LaS heißt einer Milliarde von.Menschen, die daS gleiche Anrecht wie wir aus Wahrheit. Licht und göttliche Vergebung haben, und die niemals etwas von der Bibel oder von dem Evangelium gehört haben. Wie stellen sich nun. so frage ich. Hie Anhänger der jüdischen Offenbarung — ob sie sich nun Juden oder Christen nennen — zu dieser Tatsache? Die wahre Religion muß unS teilhaftig werden lassen an dem Zustand der gesamten Menschheit: diese Erklärung widerspricht weder der Vernunft, noch dem Gewissen, noch dem Herzen: durch sie glauben wir an das Heil der Welt. So ist denn der jahrhundertealte Fels d«S Judentums der Mittelpunkt aller religiösen Synthesen, und die jüdische Seele kann alle Wahrheiten, die in der Welt bestehen, beurteilen und verstehen. Bon diesem Standpunkte auS gesehen erscheinen die verschiedenen Religionen alS ebenfovlel Formen der Offenbarung. je nach den Bedürfnissen der verschiedenen Rassen geformt: alle ober sind sie um den Mittelpunkt der Wahrheit geschart, die einen näher, die anderen weiter. Ja. die aestmtte Menschheit bildet einen geistige», eilten mähren Bund, wenngleich die Natur der Suche vielfache und oft notwendige Verschiedenheiten fie&tnai Ganz gewiß flehen alle Anhänger der Propheten den Tag herbei, cm dem Gott der Eine sein wird und sei» Name der Einzige. Wie aber wird diese Zukunft irgend etwaändern an der Be« ziehung zu Gott, dem Vollkommenen und Unveränderlichen, für hen eS weder Zeit noch Zetten gibt, für den Allgegeuwärttgen? Dies ist der Unterschied: Gott, der Einzige, der jetzt in so vielen Formen anaebetet wird — er wird in der mefsianischen Zeit alS der Eine bekannt werden, und die ganze Menschheit wird einS sein in seiner Anbetung. So ist der jüdische Gläubige durch LaS Prophetentum teilhaftig der höchsten göttliche» Offenbarung der Vergangenheit. und -er MeffiaSglanve läßt ihn teilbaben an den größten und heiligsten ZukunftShoffnirngen. Sein Glaube macht ihn zum Weltbürger, und die Erwartung des Gottesreiches ist sei« Trost in -er traurigen, dunklen Gegenwart: seine Hoffnuna ist die Zukunft -er vollkommneren Offenbarung -es ewigen Lebens. Eine englische Konferenz über den Anlisemttismus. In -er Wefleyan-Kirche zu London fand die zweite von der liberalen jüdischen Synagoge und einigen christlichen Kirchengemetnden veranstaltete Konferenz über „Religion und Rasse" statt. Hauptredner der Konferenz waren der Präsident der liberalen Synagoge Mr. Cland<? G. Montefiore und der evangelische Prediger Thomas Walker. Den Vorsitz führte Rabbi Israel Mattuck. Mr. Claude G. Montefiore sprach von den seelischen und physischen Verheerungen, die der Antisemitismus in vielen Ländern Europas anrichtete. Auch in England, dem ZufluchtSland der Juden, macht sich seit dem Kriege eine antisemitische Stimmung bemerkbar. Diese Stimmung ist mit realen Tatsachen nicht zu rechffertigen: eS liegt in der Natur des Menschen, daß ihm eine fremde Rasse oder eine fremde Religion verdächtig ist. Die Juden Englands sind eine religiöse Brüderschaft, halten aber die britischen Traditionen hoch. Auch die eingewanderten Juden assimilieren sich schnell. Der jüdische Nationalismus ist vom Uebel, weil er dem Antisemitismus Argument? liefert. Die »religiösen Juden bilden nur eine kleine Minderheit. Rev. ThvmaS Walker betrachtete das Problem des Antisemitismus vom christlichen Standpunkt. Die antisemitische Propaganda, so führte er auS, wird von geheimen und auch öffentlichen Vereinigungen geleitet, die alle in einem sehr schlechten Rufe stehen. Auf der Grundlage religiöser Freiheit können sich die Beziehungen zwischen Juden und Christen enger knüpfen. Das jüdische Volk kann aber nicht in den Nationen ausgehen, eS ist selbst eine Nation. Wenn Sie dem Judaismus daS Nationale nehmen, so ziehen Sie ihm daS Herz aus dem Leibe. Der Redner bedauerte einerseits den prahlerischen Aufwand mancher reicher Juden, andererseits die Neigung, sich in bestimmten Stadtteilen zusammenzudrängen. Mr. Basil L. Q. HenriqueS führte auS, in England werde der Antisemitismus nie eine große Rolle spielen; die jetzt bestehenden Mißverständnisse werden schwinde», wennKWh beide Teile besser kennenlernen. __ n Berliner Liberale! Drei wichtige Versammlungen Westen und westliche Vororte Charlottenburg und die Frauen! M den vcrsamntiiindsKaicnder In dieser Nummer! * & ixt unsj&r&n. jooriexteaxixxt xzuXext Qzjialitajtj&n, » M JV Al // _ - / _ i_/I« Herren - Ulster Mo- £200 rengo-Cheviot, moderne Form **** Herren Ulster retnwoit j-foo Marengo-Chev.pjtrapazterf8h. 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