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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-10-30 · 44 (30.10.1925) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
44 (30.10.1925)
Date
1925-10-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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■•'J,. ,.vJi^fv.*9|Hfjr ^ryW^IWf .^WWM^a! ‘.Ttr^lHIHgil^-vy. ,"ll den Gemeinden 44444444444«444444444444444< Berlin. (Vom Institutium Judaicum an - er Berliner Universität.) Das Jnstitutium Judaiicum an -er Berliner Universität, das unter der Leitung des hervorragenden christlichen Judaisten Prof. D. Greßmänn steht, veranstaltet im laufenden Wintersemester einen Borlesungscyklus „Bilder aus der Neligionsgeschichte des Judentums". Die Veranstaltung soll dem Ziele des Instituts, der Erforschung -es nachbiblischen Judentums bis in die Gegenwart, dienen. Eine Reihe bekannter jüdischer Gelehrter wird Gastvorlesungen Hallen. Es werden sprechen: Prof. Dr. Ellbogen: „Esra und das nachexilische Judentum" (29. Oktober, abends 8 Uhr): Rabbiner Dr. Bergmann: „Das Judentum in hellenistisch-römischer Zeit" (26. November): Prof. Dr. Guttmann-Breslau: „Der Talmud" (17. Dezember): Prof. Dr. Gnttnran-Berlin: „Die religiösen Motive in der Philosophie des Maimonides" (28. Januar): Rabbiner Dr. Baeck: „Die Mystik im Judentum" (27. Februar). Die Borträge finden im Auditorium 252 der Universität (Westflügel, H. Stock) statt- Der Eintritt ist frei. Berlin. (Gedächtnisfeier für Emil Plotke.) Der 700 Mitglieder umfassende Synagogenvereiu Levetzowstraße veranstaltet am kommenden Sonntag, den 1. November, vormittags 31 Uhr. im Tempel Levetzowstraße 7/8, eine Gedächtnisfeier für seinen verdienstvollen langjährigen Vorsitzenden, Gewerbe rat Plot'ke. Ter prachtvoll geschulte Synagogenchvr (Kapellmeister Wachsmann) siugt die Hymne „Tröstet, tröstet mein Vohk" und „Mah jokor". Rabbiner Dr. Lewkowitz hält die Trauerrede. Oberkantor Friedemann hat sich ebenfalls für die Feier zur Verfügung gestellt. , Berlin. (Georg Bernhards 60. Geburtstag.) Georg Bernhard, Chefredakteur der „Vossischen Zeitung" einer der führenden Persönlichkeiten der deutschen Presse, beging am 20. Oktober seinen 60. Geburtstag. Er gehört zu den markantesten Persönlichkeiten der deutschen Demokratie und trat nicht selten als Verteidiger angegriffener jüdischer Ehre hervor. Als Publizist und Redner trug Georg Bernhard sehr viel zur Reinigung des öffentlichen Lebens bei und bekämpfte in seiner schlagfertigen Art die Auswüchse des Antisemitismus. In Erinnerung ist noch sein Kampf gegen die judenfcindlichen Umtriebe während der letzten Wahlperioden. in denen er die politischen und finanziellen Hintergründe der ganzen Bewegung der Oesfentlichkeit vor Äugen führte. Btzrltn. (Zionistischer P r es s c-Empsa ng.) Die 'Zionistische Vereinigung hatte aus Anlaß der Sitzung ihres Aktion-Komitees die Vertreter der Presse zu einem Tee am 22. d. M. in das „Hotel Kaiserhos" geladen. Der Vorsitzende der zionistischen Exekutive, Nahum Sokolow, gab einen Ueberblick über die zionistische Arbeit und beleuchtete im besonderen das unstreitbare Verdienst, das Hebräische als Sprache der palästinensischen Juden eingebürgert zu haben. Weniger glückte der Nachweis von der Schaffmm des jüdischen Bauern als neuen Typus der Juden. Einmal wurde nicht klar, was an diesen Bauern „das Jüdische" darstellt, und andererseits wurde auch die Ansicht nicht widerlegt. daß trotz aller entgegengesetzten Bemühungen die palästinensischen Juden in der übergroßen Mehrzahl Juden der Städte und nicht des Landes sind. Professor Weizmann. der Präsident der zionistischen Weltorganisation, beantwortete eine Reihe von Fragen. Seit dem Wiener Kongreß sind die Gerüchte über eine Krise im Zionismus nicht zum Schweigen gebracht worden. Im „^Nyern des Zionismus brodelt es. Die einen vermissen 7 das Religiöse in Palästina, die anderen das Soziale, noch andere machen den verantwortlichen Führern zum Vorwurf, daß die politische Lage sich stark zuungunsten der zionistischen Bestrebungen Palästinas geändert habe. England besitzt nicht mehr das gleiche Interesse für den Zionismus wie noch vor wenigen Jahren, der Vatikan bereitet Schwierigkeiten, die Araberfrage ist noch ungelöst, Sowjet-Rußland verbietet zionistische Emigrations-Bureaus in Rußland und fiedi??t jüdische Bauern im eigenen Lande an. Hinzu kommt die g '.'.'.ltige Unproduktivität der bisherigen zionistischen Siedlungen in Palästina, nicht zuletzt als Folge der ungeheuerlich gestiegenen Bodenpreise. Man kann es verstehen, wenn Weizmann die an ihn gestellten Fragen immer wieder als „heikel" bezeichnete. Auf keinem der vielen Gebiete vermochte er klare Antwort zu geben. In allen Autworteu zeigten sich die gewaltigen Gefahren für die zionistische Beweaung. Die arabische Frage ist ungelöst — aber man hofft zur Lösung zu kommen. Das fälschlicherweise sogenannte Krim-Projekt wird von den Zionisten nicht als Konkurrenz betrachtet — aber man befürchtet, daß Sowjet-Rußland den Zionismus als Konkurrenz betrachten wird. Mit der Erweiterung der Jewish Agency glaubte Weizmann die Anwesenden „im einzelnen nicht behelligen" zu sollen. Bemerkenswert war aus seinem Munde das Eingeständnis, daß die Siedlung in Rußland das Hilsswerk darstellt, die in Palästina hingegen den Aufbau des nationalen Heims für das gesamte jiidische Volk. Und das Interessanteste war wohl die Tatsache, daß die jiidische Religion in diesem Presse-Empfang nicht mit einem Wort erwähnt wurde. Berlin. .(Freie jüdische Volkshochschule.) Am 8. November beginnt das Herbsttrimester. das wieder interessant- Vorlesungen aufweist. Es werden lesen: Chefredakteur Georg Bernhard „Die Juden in der deutschen Politik und Wirtschaft" Cohn-Wiener „Tie Kunst der Juden in der Diaspora". Studienrat Hammerstein „Neuhebräischer Unterricht". Dr. Jtlsohn „Religionsphilosophie". Prediger Dr. Lehmann „Die Gestalten unserer großen Propheten". Dr. Thcilhaber „Hygiene der Juden" Außerdem finden Einzelvorträge statt, bei denen unsere Freunde Robert Hirschfeld. Rabbiner Dr. Baeck. Prof. Elbogen leien werden. Genaue Vorlesungsverzeichnisse versendet auf Wunsch kostenfrei die Freie jüdische Volkshochschule, Berlin. Aorckstr. 88. Berlin. (Jugend dienst am Alter.) Die Wohlfahrtsgrnppe des Jüd. Jugendbundes. Berlin e. V.. veranstaltete am Sonntag, den 11. Oktober für die Insassen des Altersheims der Jüd. Gemeinde. Exerzierstratze 13, einen Unterhaltungsnachmittag musikalischer und deklamatorischer Art. welcher die volle Zufriedenheit der dankbaren Zuhörer fand. Der JJB. Berlin veranstaltet mit seiner Gruppe — wie bereits im Vorjahr — auch diesjährig in kürzeren Abständen weitere solcher Vortragsnachmittage in Altersheimen unanderen Wohlfahrtsanstalten. Berlin. (Stiftungsfeier der jüdischen Hand« werker-Organisation.) Der .Bcrein selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens E. B., Berlin" kann am 8. November 1925 sein 30jähriges Bestehen feiern. Aus kleinen Anfängen heraus haben es seine Gründer verstanden, den Verein zu großer Bedeutung zu bringen und somit den jüdischen Handwerksmeistern eine Organisation geschaffen, die ihre Interessen nach jeder Richtung hin in achtunggebietender Weise' wahrzunehmen versteht. Auch an allen Fragen des Judentums hat der Verein stets fördernd teilgenommen. Um diesen Tag würdig zu begehen, findet am Sonntag, den 8. November 19 35/ vormittags lO1^ U h r, im L o g e n ha« s, K l e i st st ratze 10, in Anwesenheit von Vertretern der Behörden, der Gemeinde und Korporationen eine Festsitzung statt. Der Eintritt hierzu ist für jeden Teilnehmer unentgeltlich. Am Abend vereinigt dann eine Ballfestlichkeit in der „Philharmonie", Bernburger Str. 22/28, die Mitglieder mit ihren Angehörigen. Bertt«. (Bereinigung der Pinner Juden.) Die Juden der verlorengegangenen Provinz Posen haben sich in Berlin zu einer Bereinigung zusammengeschloffen. welcher mehrere taufend Mitglieder an g ehören mit dem Ziel, .einerseits das Deutschtum, andererseits die in der Provinz verbliebenen Gemeinden mit ihren Synagogen zu erhalten, insbesondere aber die Friedhöfe mit ihren Grabstätten in keinem Falle zu vernachlässigen. Bei Gründung dieser Vereinigung gingen bereits mehrere Gründungen von Vereinigungen verschiedener Städte der Provinz Posen mit den gleichen Tendenzen voraus. Auf diese Weise haben die betreffenden Bereinigungen in Berlin bzw. in Deutschland eine zweite Heimat gefunden, und es wirkt geradezu wohltuend. wenn sie des öfteren Gelegenheit haben, zusammenzukommen. sei es bei freudigen wie bei ernsteren Anlässen. Einen solchen Anlaß bildete die Zusammenkunft am letzten Sonntag in der Synagoge Levetzowstraße. bei welcher sich ein zahlreiches Auditorium der Vereinigung der Pinner zusammenfanö. um eine Gedächtnisfeier für ihre verstorbenen Landsleute abzuhalten. Der Feier ging das Maris-Gebet voraus, welchem sich die eigentliche Gedächtnisfeier anschloß. Diese begann mit dem „Herr, was ist der Mensch" in hebräischer Sprache. Darauf folgte die Predigt und die anschließende unzählige Namens-Verlesung der verstorbenen Landsleute. Bei offener heiliger Lade wurde das El mole rachamim verrichtet. Nach einem Gebet des Rabbiners folgte das Lied „Vater in Himmelshöhen, vernimm mein heißes Fleh'n", von Stradella. Die Feier schloß mit einem Orgelspiel ab und machte auf die Zuhörer einen erhebenden Eindruck. Die Predigt hielt Rabbiner Dr. Lewkowitz, den musikalischen Teil versah Oberkantor Neustadt. Än der Spitze der Vereinigung steht Herr Kaufmann Martin Markus, Charlottenbnrg. Reichskanzler-Platz 3. Ein Bruder des Herrn Alfred Markus, ehemaliger Vorsitzender des Vorstandes der Pinner Gemeinde und Schwiegersohn des verstorbenen Rabbiners Dr. Eschclbacher. Beide Männer haben sich um die Fortentwicklung der Pinner Gemeinde bis zur Okkupation große Verdienste erworben und sich ferner zur Aufgabe gemacht, ihre Bestrebungen für die Gemeinde in Pinne fortzusetzen. Möge es au solchen Männern auch in den anderen Vereinigungen der uns leider entrissenen Heimat niemals fehlen! Berlin. (Die Lesehalle in der Fasanenstratze.) Die Lesehalle der Jüdischen Gemeinde, Fasanenstraße 80 (Synagogengebäude), ist im Winter auch am Sonnabend nach Schluß des Abendgottesdienstes bis 10 Uhr geöffnet. An den anderen Tagen bleibt die Lesezeit unverändert, 'und zwar: Sonntag von 10 bis 2 Uhr mittags und 4—10 Uhr abends: Montag ir„ö Donnerstag von 4—10 Uhr abends. Im Lesesaal befinden sich ca. 100 jüdische Zeitungen und Zeitschriften in verschiedenen Sprachen und aus verschiedenen Ländern. Der Eintritt ist frei. Der Lesehalle ist eine Büchersammlung angegliedert, deren Benutzung ebenfalls unentgeltlich ist. Berliin. (Fritz Rolauf trainiert im Hakoah.) Der JBC. Hakoah. Berlin, hat den Exfedergewichtsmeister Fritz Rolauf zum Training gewonnen und läßt durch diesen jüdische junge Leute ausbilden. Es werden solche zur kostenlosen Ausbildung im Alter von 18 bis 24 Jahren gesucht, die ein Mindestgewicht von 160 Pfund haben. Meldungen sind an die Geschäftsstelle des JBC. Hakoah, Horwitz, Berlin NW. 23, Flotowstraße 12. Fernspr. Königstadt 3384. zu richten. Mitglieder werden am Montag und Mittwoch von 8—10 in der Trainingshalle. Zehdenicker Straße 17. ausgenommen. Bremen. (Beginn der jüdischen Winterarbeit.) Die Wintersaison hat in unserer Gemeinde mit einer ganzen Anzahl von Vorträgen eingesetzt. Am 18. d. M. referierten anläßlich der hier stattfindenöen Delegiertentagung des Bezirksverbandes der indischen Jugendvereine Nordwestdeutschlands die Herren Rabbiner Dr. Aber über „Jüdisch« Jugend in moderner Kultur" und Alfred Bonnin über „Bon der Winterarbeit in unseren Vereinen". An die Borträge schloß sich eine längere, von wahrem Jugendwillen getragene Aüssprache an. Die geschäftlichen Beratungen der Delegierten ergaben folgende Zusammensetzung des neuen Bezirksvorstandes: 1. Vorsitzender Alfred Bonnin. Bielefeld, 2. Vorsitzender Dr. Lehmann, Bremen. Leiter des geistigen Dezernates Dr. Aber, Bremen, ferner Ahrens. Bremen, Weinberg, Wnnstorf. Bacharach. Hannover. Dr. Cronheim, Bielefeld. Rülf. Detmold. Innerhalb des Bezirkes wurden drei Bezirksgruppen mildem Sitze in Hamm, Bremen und Bielefeld gebildet. Ein Antrag Bremens auf Errichtung einer Stellenvermittlung wurde dem Vorstande als Material überwiesen. Die Ortsgruppe Unterweser ist dem Verbände neu beigetreten. Der jüdische Jugendverein in Braunschweig beabsichtigt ebenfalls seinen Anschluß. — Kaiser-Friedrich- Loge in Bremen hat ebenfalls ihre Winterarbeit ausgenommen. — Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. e. V.. besprach in einer erweiterten Vorstandssitzung. der auch der Vorsitzende des Hauptoereins, Herr Justczrat Dr. Brodnitz. beiwohnte, die in der nächsten Zeit zu lösenden Aufgaben. Es herrschte Uebereinstimmung darüber. daß die mündliche und literarische Aufklärungsarbeit des Centralvereins und die wieder neuauflebende „Ortsbewegung" in erster Linie zu unterstützen seien. — Zur Vorbereitung einer Vereinigung für das liberale Judentum in Bremen fand ebensctlls eine erfolgreiche Veranstaltung statt, über die wir an anderer-Stelle das Nähere berichten. Breslau. (A u s st e l l u n g von Werken jüdischer Künstler.) Die vereinigten Breslauer UOVB.-Lvgen veranstalten in der Zeit vom 1. bis 8. November 1925 eine Ausstellung von Werken jüdischer Künstler, verbunden mit einer Sonder-Ausstellung des Malers Blum aus Jerusalem. Während der Ausstellung wird eine Lotterie veranstaltet werden, bei der jedes zweite Los ein' Werk eines der ausstellenden Künstler gewinnen wird. Die Ausstellung wird täglich von 11 bis 6 Uhr geöffnet sein, am Sonntag von 11 bis 2 Uhr. Der Eintritt kostet wochentags 30 Pf. und Sonntags 60 Pf., am Sonnabend ist er frei. Da am Sonnabend und den Sonntagen ein großer Andrang zu erwarten ist. empfehlen wir, die Ausstellung möglichst an den Wochentagen zu besuchen. Die Kunstgruppe der UOBB.-Logen wird am Sonntag, den 8. November. 10 Uhr vormittags, eine Führung durch die Ausstellung veranstalten. Die Eröffnung findet am Sonntag den 1. November, vormittags 11 Uhr. statt. Cassel. (Traner -fei er.) Am letzten Sonntag erfolgte im Rahmen einer Gedächtnisfeier die Enthüllung der Gedenktafeln in beiden Synagogen. Landrabbiner Dr. Walter hielt die Festpvedigt. Düsseldorf. (E h r e n ü e n k m a L) Am Sonntag, den 1.. November, weiht der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Düffeldorf, auf dem neuen israelitischen Fried- Hofe ein Ehrendenkmal ein. Das Denkmal ist ein Kunstwerk und von dem jüdischen Bildhauer Fleischhacker, Düsseldorf, entworfen und hergestellt. Düffeldorf. Gindenburg gegen Hakenkreuzfahnen.) Anläßlich der Anwesenheit des Reichspräsidenten von Hindenbura stand in den hiesigen Zeitungen folgende Notiz: „Das Aushängen und Tragen von roten Jahnen oder sogenannten Hakenkreuzsahnen als Anlaß der An^ Wesenheit des Reichspräsidenten in Düsseldorf wirb von den Behörden nicht geduldet. Desgleichen sind rote Armbinden oder Hakenkreuz-Armbinden unzulässig. Die Polizeiorgane sind angewiesen, gegen Zuwiderhandelnde einzuschreiten." 444444444444444444444444444444444444444444444444 Aus der Bewegung ifff 444444444444444444444444444444444444444444444444J Berlin. (Iüdi schÜLibe raler I ng e ndv e r e i n (1LI) Berli n.) Hier folgen die Berichte zweier Gruppen- Mitglieder unserer beiden westlichen Gruppen, und zwar dem Bestehen nach unserer ältesten Gruppe Charlvttenburg und unserer erst kürzlich gegründeten jüngsten Gruppe Westen. Gruppe Charlottenbnrg. (Führer Ernst H. Seligsohn. Grunewaid. Touglasstr. 30.) „Auf unserem letzten Heimabend beschäftigten wir uns mit den Juden in Aegypten zur Zeit der Entstehung des Christentums. Zunächst behandelten wir die historischen Vorgänge: den wachsenden Wohlstand und Einfluß der Juden in jener Zeit, dadurch hervorgerufen den Antisemitismus, der sich bis zu Verfolgungen steigert. Dann wurde Philo von Alexandrien näher besprochen. besonders sein Standpunkt zur Bibel und seine Lehre vom „Logos". Bei Philo entdeckten wir. daß auch damals schon das Problem der geistiger! Assimilation auftritt. Da uns die Einzelheiteu in einem Referate eines! Gruppeumitgliedes kurz und treffend geschildert wurden, woran sich eine anregende Debatte anschloß, können wir auf den Abend mit Befriedigung zurückblickeri." Gruppe W e st e n. (Füsirer Haus Löwenbcrg, Char-« lottenburg, Havelstr. 13.) „Au unserem letzten Heimabend schlossen mir eine Reihe von Vorträgen über die Blütezeit der Juden in Spanien: den Abschluß bildete Maimonides und Salomo ibn Gabirol. Durch die Lehren des Maimonides angeregt, entspann sich eine Diskussion über die Schöpfung der Welt und das Wesen Gottes. Die Diskussion gipfelte schließlich in der Fragestellung: Gott in der Natur oher Gott jenseits und über der Natur. Das führte uns zu einer Erörterung über das BerhäAnis zwischen Religion und Naturwissenschaft." Bei allen anderen Gruppen waren die Themen der letzten Heimabende Bibelabschnitte: Gruppe Osten und Gruppe Süden beschäftigen sich mit Jesaias. Gruppe Süd westen las die Berichte Esras und Nehemias und Gruppe Norden bas Buch Jona. Bremen. (Gründung eines vorbereitendest A u s s ch u s s e s der Bereinigung für das l i b e -> ra l e Judentum e. V. in Br em en.) Die Vereinigung für das liberale Judentum, e. V., Berlin, veranstaltete am 20. d. M. im altehrwürdi.qen Saale des Gewerbehauses zu Bremen einen Vortrag des Vorsitzenden der Berliner Repräscntantenversammlung. Herrn Rechtsanwalt Heinrich Stern, über „Religiöse Erneuerung". Der Saal war gut gefüllt und cs kann anerkennend festgestellt werden, daß auch unsere jüdischen Gegner, von dem Willen getragen, sich objektiv informieren zu lassen, der Einladung zahlreich gefolgt waren. Ausgehend von einer Klarlegung des Begriffes Religion kam der Redner in seinen ebenso interessanten wie anregenden Ausführungen, für die ihm allseitig lebhafter Beifall zu Teil wurde, auf die Geschichte der liberalen Bewegung im Judentum und die Forderungen für die Bedeutung der Liberalen Bereinigung zst sprechen. An seine Ausführungen schloß sich eine trotz aller Gegensätze von dem Willen zur Einheit der Gemeinde getragene freie Aussprache, in der Orthodoxe und Zionisten .ihren Standpunkt vertraten, zugleich aber betonten, daß auch ihnen eine Belebung des Gemeindelebens in der hier vorgctragenen Art begrüßenswert erscheine. Am Schluffe, der von Herrn Apt geleiteten Versammlung tonnte darauf hmgewiesen werden, daß das Ergebnis des Vortrages 21 Neuanmeldungen zur Bereinigung betrage. Da bereits vorher eine Anzahl Bremer .Glaubensgenossen unserer Vereinigung als Mitglied angehörten, ist die Gründung einer Ortsgruppe in Bremen geplant. Für diese Zwecke wurde ein vorbereitender Ausschuß eingesetzt, iu den Frau Frieda Anspacher und die Herren Dr. Lehmann. Norbert Lennhof, Ludwig Müller und Dr. Woyda gewählt wurden. Der Ausschuß wird seine Arbeiten in den nächsten Tagen aufnehmen. Frankfurt a. M. Der e r st e Heimabend der „Jüdisch liberalen I u g e n d g e m e i n s ch a f t" fand am Sonnabend, den 21. Oktober, statt. Ta unser junger Verein noch über kein eigenes „Heim" verfügt, finden diese Zusammenkünfte abwechselnd in den Wohnungen unserer Mitglieder statt. Diesmal beschäftigte uns hauptsächlich das Thema des Vortrages von Frl. Dr. Philippsohn (ausführlichen Bericht siehe ..Frankfurter J.-l. Z."). und verschiedene praktische Vorschläge wurden besprochen, nur — in bescheiöeuem Maße — sogleich mit sozialer Hilfsarbeit zu beginnen. Daneben beschäftigte uns auch das politisch jetzt so aktuelle Thema „Locarno". Nach dem guten Besuch — trotz der Ungunst des Trambahnstreiks — konnte man schließen, daß die „Heimabende" einem wirklichen Bedürfnis unserer Mitglieder entsprechen, und so wurde beschlossen, sie alle 14 Tage im Winter abzulialten. Man trennte sich zu ziemlich vorgerückter Stunde iu dem angenehmen Gefühl, im Gegensatz zu manchem recht konventionellen Gesellschaftsabend diesen in anregender und geistig belebter Geselligkeit verbracht zu haben. D. E. Maigaretensaal (Neu eröffnet) Eintritt frei! Eintritt frei! Ungarische Kapelle Horvath Sandor Wiener KUche Prima Weine Ia Biere

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