Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 44 (30.10.1925)
- Date
- 1925-10-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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I »!^WWWWWWW«WWWWWWW»VWWW»WWM«MW^ t1»" i 5. Jahrgang Nummer 44 I Die jüdische Gegenwart! MischÜbemkZeitmg Beilage 30. Oktober 1925 Die Inschriften vom Sinai. In der letzten Nummer unserer Zeitung hatten wir unter -er Ueberschrift „Ein aufsehenerregender Bibelfunb" Mitteilung gemacht von den Entdeckungen Profeffor Grimmes. Professor Grimme hatte behauptet, in einer Inschrift, die am »rg Sinai gefunden worden ist, den Dank Moses an eine ägyptische Prinzessin, die ihn aus dem Nil gezogen bat, ent» -rffert zu haben. ^usuehr nimmder Entdecker der Inschrift und einer der vorzüglichsten K-nner der semitischen Sprachen. Sir Flin« Petrie. fat „Observer" za den Meldungen Stellung.? a dtu»öe)iA Petrie schreibt: „Bor mehr als zwanzig Jahren ich am Sinai an dem ägyptischen Tempel der Göttin Hathoz^ ein paar grobe Inschriften entdeckt, die sich wesentlich von den ägyptischen Zeichen unterscheiden. Diese Jn- ^yrsften schienen mir damals und auch noch heute von einigen oer dort lebenden Stämme zu stammen, die die allgemeinen, «m das Mittelmeer herum verbreiteten Schriftzeichen benutzten, die die Basis des modernen Alphabets bildeten. Bereits mehrmals hat man den Versuch gemacht. Liese Inschriften zu entziffern, und einige der Worte, z. B. das der semitischen Göttin Tanit, sind richtig verstanden worden. Unglücklicherweise hat Professor Grpnrne, dem nur Photographien der Inschriften Vorlagen, die Verwitterung in den Steinen, die die Photographien zeigen, als Schriftzeichen auSgelegt. So hat er Inschriften konstruiert, die er in sensationeller Art ausgelegt bat. Seine Auslegung ist aber bisher, obgleich er die Resultate seiner Untersuchungen bereits vor zwei Jahren in Buchform veröffentlicht hat, von keinem Gelehrten angenommen worden." Im Verlauf der sollenden Ausführungen nimmt Sir Flinders Petrie den wichtigsten Schlüssel zur Entzifferung der Inschrift, Leu angeblichen Namen der ägyptischen Göttin, und weist an Hand von sechs Photographien nach, daß nur drei der sieben Zerchen, die den Namen bilden, wirklich glaubwürdig sind, aber ihre Bedeutung trotzdem noch durchaus unklar ist. Politik und Presse. Dentschnational ist Trumpf. Ende des Jahres 1919 standen an den Berliner Litfaß-, säulen — es wird noch in des Berliner Lesers Erinnerung Lasten — große Plakate von iudenfeindlicher Seite, in denen das Uebergewicht der juöenfreundlichen Organe schwarz auf weiß verzeichnet war. Später verstummte das Gerede von der jüdischen Presse, vor allem unter der Einwirkung der Zeitungskäufe von seiten Stinnes. der bekanntlich eine rechtsgerichtete Politik betrieb, was in seinen Organen zum Ansdruck kam. Wie augenblicklich das deuts^p Zeitnngswesen aussieht, nach welchen Grundsätzen, ob rechts oder links eingestellt es geleitet wird, mag folgende interessante Aufstellung verdeutlichen, in der wir an Hand des rühmlichst bekannten Moffeschen Zeitungskatalogs eine Statistik des deutschen ZeitungSwesens liefern. Hiernach erscheinen in Deutschland 3152 Zeitungen. An der Spitze marschiert Preußen mit 1772. dann kommt Bayern mit 418. Sachsen 232. Baden 141 Zeitungen . . . 58,1 Prozent sämtlicher Organe erscheinen wöchentlich sechsmal. Es ist nun äußerst instruktiv, welche Richtungen die einzelnen Zeitungen vertreten. Dentschnationalsnationalj ist Trumpf mit 892 oder 12,4 Prozent. Es splgt das Zentrum mit 284 oder 9,3 Prozent. An dritter Stelle stehen die amtlichen Organe mit 188 oder 6,9 Prozent: der demokratischen Richtung gehören 5,6. der Sozialdemokratie 4,5, rein wirtschaftlich sind 4L Prozent eingestellt, bayerisch-volksparteilich 8,4 Prozent mm Konfessioneller Richtung sind 0,5 Prozent angeführt. Parteilos nennen sich 1635 oder 51,0 Prozent. Wenn wir nur die Hälfte dieser Zeitungen zu den reaktionären Parteien rechnen, ergibt sich ein ganz außerordentliches Uebevgewicht an Organen, die republikseindliche Politik betreiben, ö. h. jüdische Belange ignorieren oder sogar bekämpfen. Deutschlands.Blätterwald ist in überwiegender Mehrzahl rückschrittlich eingestellt. Wer also noch immer mit dem Gerede von der verjudeten Presse kommt, spricht offensichtlich die Unwahrheit aus. Herbert Philippsthal. Die Zionisten gegen das jüdische Kolonisationswerk in Sormet-Nuhland. Von L. Wolf. Nachdem die Vertreter des „Joint Distribution Comittee" vwd ITA. und andere die Tournee durch die jüdischen Kolonien in der Sowjetunion beendet und die mit dem jüdischen Kolonisationswerk zusammenhängenden Umstände eingehend geprüft haben, sind die Vertreter der jüdischen Organisationen an Ort und Stelle von den energischen Bemühungen der Sowjetregierung, die Mische» existenzlosen Masse» intensiv der Landbesiedlung zuzuführen, überzeugt worden. Auch ist die Sowjetregierung bemüht, das Kolonisationswerk finanziell zu unterstützen und hat öiös bereits getan, indem sie der jüdischen KolonisattonS-Gesellschaft schon V/z Millionen Rubel übergeben hat. . Die amerikanischen Vertreter der jüdischen Organisationen in den Vereinigten Staaten von Amerika haben eine große Propaganda in der jüdischen Oeffentlichkeit für das Kolonisatiousmerk in Rußland entfacht. Zwecks Förderung der jüdischen Kolonisation in Rußland hat auch die gegründete Gesellschaft „Jkar" in New Aork eine Geldaktio» in Bewegung gesetzt. Die Gesellschaft „Agro Joint" hat ebenfalls den bereits asignierteu Betrag für dieses Werk verdreifacht, daß heißt auf 1200 000 Dollar erhöbt und sich verpflichtet. einen Drive zur Aufbringung von fünfzehn Millionen Dollar in Amerika zu veranstalten, damit den unzäh-, ligen angemeldeten jüdischen Familien, die sich sofort der jüdischen Ansiedlung zuwenden wolle«, gleich eine Möglichkeit gegeben ist. durch eine finanzielle Unterstützung in den Kolonien einzurichten. Solange die breite jüdische Oeffentlichkeit der Frage der Zuführung der füdischen Massen zum agrarischen Beruf in Rußland keine Bedeutung schenkte. wd>r die Stellung der zionistischen Presse zu dieser Frage gewissermaßen noch toleraar. Dann ober cröffneie die zionistische Press« Westeuropas und Amerikas ein Trommelfeuer gegen das jüdische Kolonisationswerk m Rußland, in deren Polemik jede sachliche Begründung fehlte, jedoch spürte man aus jedem Satze die Angst, daß durch die 15 Millionen Dollar-Sammlung der Keren Hajessod in Amerika Schiffbruch erleiden und die Idee des jüdischen Kolonisationswerkes in Rußland große moralische und materielle Erfolge nicht nur in Amerika, sondern auch in Westeuropa erzielen wird. Nach den neuesten offiziellen Berichten beträgt die Zahl der jüdischen Landarbeiter in der Sowjetunion bis 120 000 Seelen, die eine Landfläche von 250 000 Deßjatinen bearbeiten. Bald nach der Revolution ist die Zahl der neuen jüdischen Landarbeiter auf ca. 63 000 gewachsen, das bedeutet eine Zunahme. die wahrend dieser Jahre 120 Prozent ausmacht. Schon allein in den letzten zwei Jahren hat sich die Landfläche. die durch Juden bearbeitet wird, um 110 000 Deßjatinen vergrößert. Schon lange haben die Zionisten aller Schattierungen fortwährend von der Produktivieruug der jüdischen Massen gesprochen. Jedoch ist ihnen nach 50 Jahren zionistischer „Produktivität" kaum gelungen. 10 Prozent der jüdischen Bevölkerung in Palästina produktiv zu betätigen: dagegen wächst die Armee der Händler und Makler rapid und die Bodenspekulation feiert ihre Erntefeste, so daß sie keine produktive Tätigkeit zulassen. Es ist interessant, daß in ganz Palästina die Boöenflache, die in jüdischem Besitz ist. nur 50 000 Deßjatinen beträgt. Dies ist erst nach vierzigjähriger zionistischer Tätigkeit erreichtworden. Dagegen befindet sich in einem Chersoner Kreis schon jetzt eine gesamte Bodenfläche von 60 000 Deßjatinen mit einer jüdischen Niederlasiug von/a. 250 000. Seelen. In dem Kriworager Kreis sind dieses Jahr zu den alten jüdischen Kolonien 60000 Deßjatinen Boden neu verteilt worden. Bis zu Ende dieses Jahres sollen noch 110 000 jüdische Seelen mit einem Boden von 28000 Deßjatinen kolonisiert werden. Die neuen jüdischen Siedlungen des Odessaer Kreises besitzen auch eine Boöensläche von 120 000 Deßjatinen. In der Krim sind vorläufig 8000 Dehjatinen verteilt worden, doch sollen in den nächsten Wochen weitere 32 000 Deßjatinen Boden verteilt werden. Nicht kompakte Flächen, nur in verschiedenen Orten sind dieses Jahr in Weißrußland 10 090 Deßjatinen Boden für jüdische Landsiedlungen verteilt worden, im Kreise Kromel 2411 Deßjatinen. Die Kolonisations-Gesellschaft bemüht sich, möglichst den Boden dort zu erhalten, wo sich schon jüdische Dorfsiedlungen befinden, daß die Kolonisation sich immer kompakter gestalten kann und nicht verstreut wird. Momentan ist er bemüht, auch in den nordöstlichen Gebieten Rußlands, in dem Uraler Rayon Boden für die jüdische Kolonisation zu verteilen. Und wenn diese Kreise sich gut eignen sollten, werden auch dort bald jüdische Siedlungen geschafsen sein. Es ist interessant, daß die neuen jüdischen Ansiedler überall die Form der kollektiven Bearbeitung eingeführt haben; nicht jeder bearbeitet besonders individuell seinen Boöenteil. sondern es werden Kollektiven für gemeinsame Arbeit gebildet. Ob diese Form bald festen Boden fassen wird, ist natürlich, vorläufig schwer vorauszusagen. Es ist eine Tatsache, daß sie große Vorteile birgt, die Arbeit ist geringer. auch kann man leichter Maschinen benutzen, Kredite erhalten usw. ✓ * Das jüdische Kultura^nt beschäftigt sich momentan auch mit der Frage, einen neuen .Lurs" im jüdischen Leben Sowl jetrutzlands zu schaffen. Vor kurzem wurde damit begonnen, die jüdischen Klein- Handwerker zu organisieren. Im Einverständnis mit der Sowjetregierung beschloß man: 1. In der Ukraine mvd Weißrußland eine Konferenz der Handwerker-Gesellschaften einzuberuse». 2. In den Leib- und Sparkassen bei den Handwerker-Gesellschaften sollen auch diejenigen Handwerker Kre, dite erhalten, die bis zu drei Lohnarbeiter beschäftigen. Schon kommen Nachrichten aus Sowjetrußlcmd. daß die jüdische Emigration bedeutend nachgelassen hat und ungeheure jüdische Maßen bemüht sind, sich der Bodenkultur zu widmen. so daß das jüdische Kolonisationswerk in Rußland eine grobe Bedeutung nicht nur für die existenzsuchenden Maßen, sondern auch für die ganze jüdische Oeffentlichkeit haben wird. Liberale Vereine der Synagogen-Gemeinden. zu Breslau und Liegnih. Sonntag den 8. No-nember d. I., findet in Liegnitz iur Beisein des Hanptvorstandes der Vereinigung für das liberale Judentum in Berlik eine Schlesische Tagung der bisher in Schlesien bestehenden liberalen Vereine, deren Jngenbgruppen (Jli) und der Vertreter der schlesischen Städte statt, in denen eine organisierte liberale Ortsgruppe noch nicht besteht. Die Tagung soll ein Markstein in der Entwicklung des liberalen Gedankens im Judentum in Schlesien werden, und wir bitten alle unsere Gesinnungsgenossen um vollzähliges Erscheinen. Es ist dringend erforderlich, daß auch aus dem kleinsten Orte mindestens ein Vertreter; an der Tagung teilnrmmt. Tagesfolge: Sonntag, den 8. November d. I. in Liegnitz Delegiertentagung in den Räumen der Pythagoras-Loge^ Piastenstraße. 10 Uhr: M 1. Referat. Herr Gurt Brremtzer, Breslau: „Zwecke und Ziele des zu gründenden schlesischen.! Landesverbandes." 2. Aussprache über Punkt 1. 3. Grünöuna und Vvrstandswahlen. 4. Bericht des Vorsitzenden der Bereinigung für das liberale Judentum. Herrn Rechtsanwalt Heinrich Stern, Berlin, über: „Die Arbeiten des Preußischen Landesverbandes, des? Großen Rats und die Entwicklung der Jüdisch-liberalen Partei in Deutschland." 5. Allgemeine Aussprache und Berichte der einzelnen! Ortsgruppen. 1A Uhr: _. \ Gemeinsames Mittagessen in den Räumen der Srurff« Loge. 3 Uhr: Fortsetzung der Delegrerten-Tagung. 1. Referat, Frl. Lotte Rosenthal, Breslau: „Wie gewinnen wir die Mitarbeit der Jugend.?" 2. Korreferat, Herr Ernst Heinrich Seligsohn. Berlin. 3. Aussprache. 5 Uhr: O öffentliche Versammlung in der Pythagoras-Loge. 1. Bericht über die Tagung, Herr Rechtsanwalt Dn Scheyer, Liegnitz. 2. Vortrag von Frau Paula Ollenöorf. Breslau: .LLarurn sind wir liberale Juden?" Edttes BLEIKRISIAKl nur Qualitälsware, kauft man am besten bei Caluskiiftos ----------- 3 QesdiliUe -------------- Leipziger Strabe 93 Kurffirstendamm 33, Ecke Grolmanstra&e Maaßenstrafee 11 am Nollendorfplatz BgBMHtttgBMBBBBI mm -r::- IEIEUGERSTR. 4» (ECKE MARKGRAFENSTR.) ORANIENSTR. *65 (AM ORANIENPLATZ} X DAMEN'KLEIDUNG S< "HiArtteC JcicfcenßCeidei^ VWW <^üx9€r*u.J(p<n4Joefv&uhm4 (lÄCeidevröcfefc A^S/\/\A XAa/\X.' ^—x-MAAS S 'ANFERTIGUNG