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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-10-30 · 44 (30.10.1925) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
44 (30.10.1925)
Date
1925-10-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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::o.u , *p - -■* ' V "i“^-/. 'T-^ -rpy jJJfWj ,7-^VU''."rrfTJvr7f'.J leiden), Laß Hagar in Me Wüste flieht. Aber ein Engel, Ler Wöntzelt, die der strahlenden Lonne glich, zuerst bemerkt. Vorher habe er sie aus Keuschheit itie angeschaut. Darauf habe er sie in eine Kiste verschlossen, um sie lüsternen Blicken zu entziehen, aber die Zöllner Hütten das schöne Weib entdeckt und gewetteifttt, durch das Bieten immer höherer Summen in Sarois Besitz zu gelangen. Ader — hier stimmen Hagada und Bibel wieder überein — Pharao, dem ihre Reize in den glühendsten Farben geschildert worden waren, läßt sie in seinen Palast bringen, um sich mit ihr zu vermählen. Abram aber, ihren angeblichen Bruder, überhäuft er mit Geschenken. Abram und Sarai erflehen in heißen Gebeten Gottes Schutz, den der Herr ihnen auch gewährt. Pharao wird, als er Sarai berühren will, von schweren iPlagen heimgesucht und beginnt schließlich die Wahrheit zu ahnen. Ta sendet er nach Abram, der auch zugesteht, daß Sarai sein Weib sei, gibt ihm die Gattin rein und unberührt zurück und befiehlt ihnen, fortzuziehen. Unter andern Geschenken soll Pharao der Sarai seine eigene Tochter von einer Nebensrau, Hagar. als Sklavin gegeben haben mit den Worten: „Wahrlich, es ist besser mein Kind, Magd zu sein itn Hause einer solchen Frau, als Gebieterin in irgendeinem andern Hause". Auch habe er ihr das Land Gosen als erbliches Eigentum übergeben. Ein fast paralleles Erlebnis hat das Paar viele Jahre später im Lande Gerar: Auch Abimelcch, der König der Philister, nimmt Sarai, die sich für Abrams Schwester -ausgibt in seinen Harem. Aber im Traum warnt ihn Gott, ihr zu nahe zu treten und teilt ihm die Wahrheit mit. Als er Abram darauf zur Rehe stellt und ihm vorwirft, ihn und sein Haus durch seine Lüge fast in schwere Schuld verstrickt zu haben, beteuert dieser, daß Sarai wirklich seine Schwester sei. Sie sei die Tochter seines Vaters, aber nicht seiner. Mutter. (Hier spiegeln sich Verhältnisse, wie sie bei vornehmen alt-griechischen und aegyptischen Familien bis in die hellenistische Zeit hinein gebräuchlich waren). . Gott aber machte Abimelechs Frauen, Heren Leib er um Sarais willen verschlossen hatte, wieder fruchtbar und ließ sie Söhne gebären. Man sieht hier deutlich das Sagenhafte der beiden Erzählungen, das sich gerade in dieser „epischen Wiederholung" zeigte Die Deutung, daß unter den Sklavinnen, mit denen Pharao Sarai beschenkt, sich Hagar, seine Tochter, befunden habe, sowie die Schenkung öes Landes Gosen, lassen erkennen, wie die Ueberlieferung, teils ausschmückend und erklärend, teils künftige Ereignisse vorausöcntend, den kurzen Bericht der Bibel ergänzt. Eben dieser ägyptischen Magd Hagar gegenüber lernen wir Sara, die „Fürstin", von einer ganz neuen Seite kennen. Bisher war sie uns nur als die schöne, ihrem Manne gehorsame, treu liebende Gattin des „Knechtes Gottes" entgegengetreten. Diese Liebe beweist sie, die in langer Ehe kinderlos Gebliebene, indem sie ihre Magd Hagar Abraham zum Nebenwcibe gibt. Sie hoffte, durch diese „aufgebant" zu werden, d. h. durch den Sohn ihrer Magd, der also ihr Eigentum wäre, ihr Geschlecht und das des Gatten fortzusetzen. Ein merkwürdiger Zug, der aber nicht allein aus der Anschauung der Zeit und der Umgebung, sondern aus dem noch heute wieder jüdischen Frau eingeborenen Wunsch nach der Fortdauer der Familie, nach dem Sohn, der ihr und ihres Gatten Lebenswerk fvrtführen soll, zu verstehen ist. Sara sicht Abraham unter dem Mangel an Nachkommenschaft leiden, aber weil sie weiß, daß nur ihr eigener Wunsch ihn dazu bewegen kann, legt sie ihm selbst die Nebenbuhlerin stellt das Opfer als Erfüllung dieses Wunsches dar. Wie' wundervoll ist dieses früheste Beispiel inniger, rücksichtsvoll er und opferbereiter Gattenliebe. Als aber Hagar's "Schoß sogleich gesegnet wird und diese sich darob überhebt und Sara verunglimpft, da erwacht ihr gekränkter Stolz. Die rechtmäßige Gattin, die Herrin ist es, die nun von Abraham ihr Recht fordert, und Gott znm Dichter zwischen sich und dem Gatten anrust. Abraham wünscht nicht in den Streit der Frauen hinein gezogen zu werden und überläßt ihr Hagar, mit ihr zu tun, wie ihr recht dünke. Da behandelt sie die Magd so hart und grausam (die Sage läßt sie sogar durch ihren „bösen Blick" eine Fehlgeburt erihr zahlreiche Nachkommenschaft verheißt, veranlaßt sie, zu ihrer Herrin „unter ihre Hände" zurückzukehren. Nachdem Hagar den Jsmael geboren, schließt Gott einen Bund mit Abraham (Bater der Menge), dessen Name bisher Abram (hoher Bater) gewesen war und befahl ihm, auch Sarais Namen zu ändern, denn „ihr Name ist Sara",, d. h. sie ist bereits die Gebieterin aller. Gleichzeitig verkündet ihm Gott, daß auch Sara ihm noch einen Sohn gebären solle. Ungläubig, denn er gedachte seines und der Gattin vorgeschrittenen Alters, lachte Abraham, weshalb des Sohnes Name Jsaac sein sollte. Dieses Versprechen wiederholen die drei Engel, als sie Abraham aus ihrem Wege nach Sodom bewirtet. Welch feine Schilderuno der vornehmen Gastlichkeit Abrahams, der nur ein Stück Brot verspricht, aber einen Festbraten rüsten läßt und die Gäste selbst bedient, während er Sara Mehl nehmen und Kuchen backen heißt! Auf die höfliche Frage der Engel, wo Sara, seine Gattin, sei, antwortet Abraham: „Sie ist im Zelt." Nach züchtiger Frauen Brauch durfte sie sich nicht vor fremden Männern blicken lassen. Wie tief läßt uns das Wort in das Leben jener Frauen blicken! Sara, im Schatten des Zelteinganges stehend, hört nun die Verheißung, daß sie Abraham einen Sohn schenken werde. Auch sie ist ungläubig und fragt sich lachend, wie sie, deren Frauentum bereits verwelkt sei, noch ein Kind haben solle. Nach der Lesart der Septuaginta, die sich der Midrasch zu eigen gemacht zu haben scheint, meinte sie, daß sie, obgleich bejahrt, noch in Blüte stände und der Jugendlichkeit nicht entbehre, doch „ihr Eheherr sei ja alt". Da läßt sich die Stimme Gottes zu Abraham vernehmen: „Warum lacht Sara zweifelnd? Bin ich, der alles vermögende Gott, denn zu al(, um nicht noch Wunder tun zu können? Zu der bestimmten Festzeit erscheine ich dir wieder und Sara hat einen Sohn." Zur Sara aber, die aus Furcht — vor Abraham (?) — diese Worte leugnete, sprach Gott:.„Fürchte dich nicht, obwohl du wahrlich gelacht hast." Jetzt erkannte sie, daß eine höhere Stimme diese Verheißung gesprochen hatte. Und siehe, sie geht in Erfüllung! Sara wird von einem Sohn entbunden und glückselig lachend bekundet sie ihre Freude. So wird Jsaacs Namensgebung zum dritten Male begründet. Als Jsaac entwöhnt wird, gibt Abraham ein großes Fest. Die Hagada erzählt, Sara habe dabei die Zweifel der Gäste daran, daß Jsaac wirklich ihr Sohn sei, dadurch behoben, daß sie alle anwesenden Kinder säugte, auch habe Gott Jsaac seinem Vater so ähnlich gemacht, daß Abrahams Vaterschaft allen offenbar wurde. Aus diesem Feste bemerkt Sara, daß Jsmael den Jsaac verspottet. Dies berichtet sie Abraham und fordert das ganze Erbe für ihren Sohn, denn „nicht soll erben der Sohn dieser Magd mit Jiaac, meinem Sohne!" Und ferner verlangt sie, daß Abraham der Hagar einen Scheidebrief schreiben und sie samt ihrem Sohne fortschicken solle. Abraham verdrießt dies sehr um seines Sohnes willen, aber Gott spricht zu ihm: „In allem, was Sara dir sagt, höre auf ihre Stimme", laß es dir nicht leid tun um den Knaben und die Magd. So folgt Abraham Saras Wunsch und sendet Hagar und ihren Sohn in die Wüste. Denn Saras Stimme war tatsächlich Gottes Stimme, d. h. die des Rechtsbewußtseins der Zeit, wie uns das Gesetz des Hammurabi, eines Zeitgenossen Abrahams, beweist. Eine völlig identische Situation, das Recht, bei Kinderlosigkeit der ersten eine zweite Frau, auch eine Magd zu nehmen und, falls diese sich überhebt,, sie sortzuschick-en, ferner das Eigentumsrecht der Herrin an dem Sohne ihrer Magd — all dies findet sich hier bereits codifiziert. Die anscheinende Härte und Grausamkeit Saras ist also nur der berechtigte Ausdruck ihres beleidigten Selbstbemußtseins und ihrer Würde, sowie der Liebe zum eigenen Kinde, während Abrahams Zögern als beinah allzu weichherzige Milde, als Schwäche erscheint. Mit der Liebe zu Jsaac bringt die Ueberlieferung aus Saras Tod in Verbindung. Die Bibel berichtet nur kurz, da» er sie in Kirjatharba oder Hebron ereilt habe im Alter von 127 Jahren, (die Zeitrechnung muß eine von der unseren völlig verschiedene gewesen sein) und daß sie von Abraham in der „Doppelt 9 Judenverfolgungen in England. Von A. S t r u k a t. . Zu den finstersten mittelalterlichen Ausschreitungen gehörten die Judenverfolgungen, in denen damals kaum ein Land eine Ausnahme machte. Ein Grund war ja für das unwissende Volk jener Zeit leicht gefunden: Seuchen. Mißernten oder andere Unglücksfälle. So kann auch die englische Geschichte von solchen Verfolgungen erzählen. Unter Wilhelm dem Eroberer kamen die Juden im Jahre 1070 nach England, und obwohl in vielen Rechten beschränkt. Erpressungen ausgesetzt und häufig vom Pöbel ermordet, nahmen sie doch an Zahl und Wohlstand zu. In allen Handelsstädten wohnten sie, besonders in einem Teile Londons, der das Judenviertel genannt wurde. Um das Jahr 1150, unter der Regierung Heinrichs II.» wurden sie besonders begünstigt. Vor dieser Zeit mußten sie ihre Toten nach London schicken, nun bewilligte ihnen der König aber einen Vegräbnisplatz außerhalb der Mauern einer jeden Stadt, wenn sie einen solchen kaufen konnten. Als Richard I., mit dem Beinamen Löwenherz, den Thron bestieg, beeilten sich die Juden, seine Gunst zu erwerben, denn sie glaubten dadurch den traurigen Verfolgungen, die ihre Brüder in Frankreich erdulden mußten, zu entgehen. Sie kamen mit kostbaren Geschenken, aber der König untersagte ihnen, an seinem Krünungszuge vor ihm zu erscheinen. Trotzdem hatten sich einige unter das Volk gemischt und waren in den Palast gekommen. Ta wurden sie in roher Weise hinansgetrieben, von dem wütenden Pöbel mit Knütteln und Steinen verfolgt und getötet. Zugleich verbreitete sich das schnell geglaubte Gerücht, der König hätte die allgemeine Erlaubnis gegeben, sie zu ermorden und ihr Eigentum zu plündern. Die Volkshaufen wurden immer größer: alle Juden, die man in den Straßen fand, wurden unmenschlich ermordet und ihre Hauser in Brand gesteckt. Vergebens sandte Richard den Friedensrichter mit mehreren Rittern aus. um die Ruhestörer zu zerstreuen. Sie mußten zu ihrer Sicherheit die Flucht ergreifen, und das Brennen und Morden dauerte fort bis zum anderen Morgen. Da ließ de« König drei der Rädelsführer hängen unter dem Vorwände, sie hätten christliche Häuser verbrannt, auch machte er bekannt, daß er die Juden in seinen Schutz nehme. Die Mißhandlunqen beschränkten sich nicht auf London allein, auch die Kreuzfahrer, welche sich damals auf dem Wege zur Küste befanden, verübten solche Schändlichkeiten, und zu Norwich, Stamford, Edmonsburg und Lincoln wurden in der ersten Aufregung die empörendsten Grausamkeiten vollbracht, mährend sich zu Aork eine regelrechte Verschwörung znr Ermordung dieser Unglücklichen gebildet hatte. Davon wird uns folgendes erzählt: .Bor Lonnettnntcrgang kam ein aufgeregter .Volkshaufe in die Stadt und griff das Haus des Bennet an. der in dem Londoner Aufstande sein Leben verloren hatte. Seine Frau und Kinder wurden erschlagen, das Haus geplündert und abgebrannt. Für die nächste Nacht sollte das Haus eines Joeen dem Verderben geweiht werden, der dem Blutbade entronnen war. Er begab sich aber mit seiner Familie und seinen Schätzen ins Schloß, und diesem Beispiele folgten die meisten Juden der Stadt?)ork und Umgegend. Leider hatte der Kommandant morgens das Schloß verlassen, und die Flüchtlinge, etwa 500 ohne die Frauen und Kinder, verweigerten ihm den Eintritt, da sie bei ihm böse Absichten vermuteten. Er rief das Volk zu Hilfe, und eine regelrechte Belagerung begann. Vergebens boten die Eingeschlossenen Lösegeld, und da es nicht angenommen wurde, faßten sie den Entschluß, sich selbst zu verderben. Sie vergruben alles Gold und Silber, verbrannten ihr übriges Hab und Gut und erstachen erst ihre Frauen und Kinder und sich dann gegenseitig. Diejenigen, welche dazu keinen Mut hatten, baten von den Mauern um Gnade, indem sie das Vorgefallene berichteten und die Taufe anboten. Man versprach, sie zu schonen, aber als sie die Tore geöffnet hatten, wurden sie alle erschlagen. Zur Untersuchung dieser Schandtaten kam der Kanzler selbst nach Bork, aber die Uebcltäter waren nach Schottland entflohen. Da begnügte er sich damit, den Statthalter und den Friedensrichter abzusetzen und die Bürger vor den Gerichtshof zu laden. Das Erfreuliche bei allen diesen Greueltaten ist. daß die Schriftsteller jener Zeit sie Yrtit Empörung brandmarken. Wenn die Rädelsführer die Leidenschaften des Pöbels auch durch religiöse Momente aufreizten, so sollten dahinter nur die wahren Absichten versteckt werden, nämlich, sich durch das Vermögen ihrer Schlachtopser zu bereichern und vorhandene Schulden durch Vernichtung der Schuldscheine und Beseitigung der Personen zu tilgen. Die rechtliche Stellung -er Juden erfuhr -unter der Regierung Richards eine Besserung. Er verordnet«:, daß ihre Kontrakte in Gegenwart zweier jüdischer und zweier christlicher Rechtsgelehrter, zweier Registratoren und zweier Aufseher aufgestellt werden sollten. Eine Abschrift des Dokuments mußte von dem jüdischen Leiher -und eine andere in einer amtlichen Kiste mit drei Schlössern, wozu einer der Schlüssel in den Händen der jüdischen Rechtsgelehrten blieb, aufbewahrt werden. Daß dieses unterdrückte Volk der Habsucht jenes boshaften und schwachen Fürsten, des Königs Johann (1208), entgehen sollte, war nicht zu erwarten, und so zwang er die Juden, zur Errichtung eines Heeres für die Verteidigung Irlands die Kosten zn bestreiten. Im ganzen Lande ließ er fit gefangen setzen und so lange aufs grausamste mißhandeln, bis sie sich auMsten. Im ganzen erpreßte Johann etwa 60 000 Mark (eine Mark — A Pfund Silber) von den Juden. In Heinrich III, fanden sie einen Beschützer, obgleich höhle" Machpela bestatte?, unb lange und schmerzlich betrat^ ert worden sei. Diese Höhle stellt das erste Grundeigentum dar, das Abraham, der Nomade, in Kanaan erwirbt. Mit Saras Tod beginnt also eine steue Kulturperioöe. Die Hagaba bringt zwei Versionen einer Erzählung, die SaraS Ende als eine Folge der Opferung Jsaacs darstellt. Nach der ersten stirbt sie vor Kummer über den angeblichen Tod des Sohnes, während die zweite sie vor Freude darüber, daß der Totgeglaubte gerettet, den Geist aufgeben läßt. Beidemal ist Satan bezw. Samael der Ueberbringer der Nachricht- Rührend ist die Ergebung und das Vertrauen der ihres einzigen Sohnes sich beraubt glaubenden Mutter in den Willen des Höchsten geschildert. Die Legende berichtet, daß zu Saras Lebzeiten ein Licht von Freitagabend zu Freitagabend gebrannt und daß eine Rauchsäule über dem Eingänge ihres Zeltes gestanden -habe, womit wohl ihre unablässige Frömmigkeit und der stete Blick nach oben gemeint sind. Beides soll bei ihrem Tode verschwunden und erst wieder erschienen sein, als die neue Herrin, als Rebecka, einzog, in der Jsaac die verlorene Mutter liebte und.verehrte. So sehen wir in ihrer ersten Vertreterin bereits die Eigenschaften verkörpert, die von Alters her höchster Besitz der jüdischen Frau, auch heute noch, unter so weltenweit verschiedenen Verhältnissen an ihr geschätzt und verehrt, von ihr erstrebt werden. Saras wunderbare Schönheit, ihre königliche Würde, ihr edler Stolz und ihr Selbstbe-. wußtsein, die Klugheit und Energie, die den edlen Gatten sich, ihrem Willen fügen lassen, müssen auch wir bewundern. Diese große unwandelbare Liebe Abrahams zu dem Weibe seiner Jugend, die sie ebenso erwidert, ihre zärtliche Mutterliebe, die sie, um des Sohnes Recht zu wahren, fast zur Mörderin werden läßt, ihr segensreiches stilles Walten als Hausfrau und Helferin der Armen, ihre Gvttesverehrung, die sie der Ueberlieferung nach, als treue Gefährtin ihres Mannes die Seelen den heidnischen Frauen zum Ewigen führen läßt; all diese Züge lehren uns unsere Stammmutter Sara lieben und jene kleinen Menschlichkeiten, die Notlüge aus Furcht, den Gatten zn kranken, eben dieses schalkhaftungläubige Lachen über den „alten Herrn", daneben ein wenig Herrschsucht, eifersüchtiger Zorn und gekränkter Stolz — gerade diese echt weiblichen Schwächen bringen uns ihr Bild ganz nah, lassen uns den ununterbrochenen Strom der Blutuerbindnng, der jene halbmythische Gestalt mit uns verbindet, als reale Wirklichkeit, diese selbst als teueren Besitz empfinden. Einen Besitz, der verpflichtet! Hanna C o h n - D ö r n, Hannover. Esther. Esther, Du Stern- Hadasa, Du Myrte! . . . Mutig warst Du, i&ie Du sprachst: „Also will ich zu dem König -hineingehen wider sein Gebot." Tenn es galt Dein Volk zu erretten. ,^Bider sein Gebot," und wußtest wohl, baß Deine Vorgängerin Vasthi wegen Ungehorsams verstoßen ward von des Königs Seite. A u f r e ch t und bekenn e r Haft warst Du, die Du sprachst: „Komm' ich um, so komm' ich um," und ließest wohl dabei die Hände sinken mit hilfloser Gebärde. Ganz hingegeben an Dein Werk warst Du, konntest Dich darüber gänzlich selbst vergessen und hättest Dein Leben hin-gegeben um Dein Volk: ,Fomm' ich um, so komm' ich um ... ." d (Bloß eines will mir nicht gefallen, Esthers Daß Du Diri als Gnade ausbatest von Deinem Herrn König, „daß die zehn Söhne Hamann an den Baum gehänget werden." Das' hättest.Du lieber nicht tun sollen, Du Myrte Hadasa,DuStertt Esther. — Doch woher in damaliger Zeit sollte Dir die Einsicht gekommen sein, daß unseres Lehrers Wort, das Wort in Mosis' „anderem" Buch, das Wort: „Du sollst nicht töten!" für alle Menschen, für alle Zeiten und für alle -Länder gesprochen ward? — Wie solltest Du das damals ihnen dieser Schuh schwere Geldopscr kostete. Er gab ihnen freies Geleit, nach England zn kommen, gestattete ihren Rabbinern, andere Glaubensgenossen in den Bann zu tun und erlaubte ihnen, einen Obcrrabbiner und einen jüdischen Bischof anzuftcllcn. Aber er untersagte ihnen, außerhalb der Städte und Dörfer Land zu kaufen und ihre Ländereien an Christen zu verpachten. Anderen Juden durften sic ihr Land in Pacht geben. Für 5000 Mark verkaufte er einmal seinem Bruder Johann alle Juden in England, und einmal gab er ihm 6000 Mark, die er von den Inden erpreßt hatte, als Unterstützung seines Zuges nach Palästina. Während dieser Regierung wurde eine boshafte Beschwerde gegen die Juden vorgebracht, welche der Gesamtheit beinahe verderblich geworden wäre. Ein Arzt zu Norwich beschuldigte einen Juden, namens Jakob, dieser hätte seinen fünfjährigen Sohn gestohlen und bei fick' gefangen gehalten, bis Nachbarn, durch das Geschrei des Kindes aufmerksam geworden, dieses befreit hätten. Viele Zeugen wurden vernommen, aber niemand wußte etwas davon, und das Merkwürdige war. daß der Vater seine Klage erst vier Jahre nach dem angeblichen Verbrechen eingereicht hatte. Es war klar, daß die ganze Anklage eine Lüge war, aber auch hieraus zog der König seinen Vorteil., Nicht nur von den Juden zu Norwich. sondern auch von den zu London verlangte er 20 000 Mark Strafe oder versprach, sic ans Lebenszeit einzukerkcrn. Im Jahre 1256 wurden 71 Juden auf die eidliche Beschuldigung von 25 Rittern, jene hätten einen Knaben gekreuzigt. eingekerkert. Die Franziskaner, die um jene Zeit ihre Wirksamkeit, -in England begannen, befreiten sie durch ihre Bitten vom Tode, aber das brachte das Volk so gegen die Mönche aus. daß es ihnen in Zukunft keine Almosen geben wollte. Damit war dem Orden sein Bestehen unmöglich gemacht, denn er lebte von den täglichen Almosen. Am Palmsonntag brach über die Londoner Juden eine fürchterliche Verfolgung herein, weil einer derselben mehr als die gesetzlichen Zinsen, die für die Woche zwei Pence von zwanzig Schillingen betrug, von einem Christen verlangte. Auf die schrecklichste Art wurden 500 Juden erschlagen. ihre Häuser verbrannt und die Synagoge zerstörte Einen Teil der geplünderten Güter ließ sich aber der Graf voy Leicester geben. Auch Eduard I. (1273) war ein Feind der Juden. Wahrend seiner Regierung befahl Packham, der Erzbischof von Canterbury. dem Bischof von London, alle Synagogen zu zerstören. Lehns- und andere Freigüter dürften sie nicht besitzen und für geliehenes Geld keine Zinsen verlangen. Jeder Jude war gezwungen, vom siebenten Lebensjahr als Unterscheidungszeichen zwei Lappen von gelbem Tuch, sechs Zoll lang und drei Zoll breit, auf seiner äußersten Kleidung angenäht, zu tragen. Außerdem mußten Heide Geschlechter i.

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