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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-10-16 · 42 (16.10.1925) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
42 (16.10.1925)
Date
1925-10-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Als heute, aber mir weniger bewußt wurde, weil keine Gelegenheit war, eine starke Verschiedenheit von meiner deutschen, spezifisch norddeutsch-berlinischen Umwelt zu spüren, zu der ichin Len freundschaftlichsten Wechselbeziehungen stand. Wir sprachen eine Sprache, in allen Färbungen des Dialektes, der Intimitäten zwischen Menschen gleicher wie verschiedener Schichten schus, und mein Beruf brachte mich mit solchen von vben wie unten genugsam zusammen. Immerhin muß ich rnir heute sagen, war unser Verkehr doch nur so, daß er nicht bis zu jenen Tiefen drang, in dem sich die fundamentalen Unterschiede zwischen mir, einem Sohn sehr alter Rasse, und jenen Kindern jüngerer Rasse offenbaren konnten. Auf anderer Seite empfand ich auch schon damals, aber ich hatte keinen Grund, davon viel Notiz zu nehmen, daß ich mit den jüdischen Bekannten und Anverwandten gleicher Kulturschicht leichter eines wurde. Denn sie verstand ich von innen her, und in die anderen tastete ich mich von außen herein, ohne auch nur dorthin zu gelangen, wo ich bei jenen erst anfing. Trotzdem war ich nie der Ansicht, Latz etwa die Möglichkeit bestände, daß ich und der Deutsche Mensch meiner Umgebung in grundlegenden Fragen anders empfände. Denn ich hielt das, was dafür bestimmend war. nicht für eine jüdische Mentalität, sondern für eine allgemein-menschliche, die ausnahmslos Geltung hätte. Es war eben noch keine Gelegenheit La, es auf die Probe zu stellen. Aber die Jahre nach 1914 bis zum heutigen Tage haben mich darüber gründlich belehrt und aufgeklärt, daß dem nicht so ist. Und seitdem ich das erkannt habe, hat das Jüdische in meinem Wesen —- und danach fragten Sie ja wohl'? — nur eine umso stärkere Bedeutung gewonnen. Bis 1914 &tu ich mir also kaum bewußt gewesen, Daß alle meine führenden Figuren, in säst all meinen Büchern (mit Ausnahme des Kubinke vielleicht, doch auch er steht in einem jüdischen Milieu) Juden sind. Es lag keine Absicht darin, wenn sie es waren. Sie wurden es unbewußt. Und zwar einfach deshalb, weil ich nur sie wirklich und mit völliger Sicherheit von innen her, vom Mittelpunkt aus kenne. Die anderen, z. B. Köstling oder Herr von Maltitz in Heinrich Schön jr. haben etwas im letzten Grunde, das ich selbst nicht verstehe, weil es nicht mein eigen ist. Ich ahne es, aber ich empfinde es nicht selbst. Alle übriaen Figuren hingegen, die jüdischen, sind irgendwelche Seelenspaltungen von mir: So könnte ich sein, wenn ich anders wäre. (Mann oder Frau), wenn ich diese oder jene Seite meines Jchs präv-alieren ließe . . . sodann reagieren, derart handeln. Diese aber sind mir eigentlich unberechenbar, ltttö' deswegen stelle ich sie nur ungern in meine Rechnung ein. Ich kann dann nicht fürs Resultat garantieren. Wie weit es damit geht, daß ich nur jüdische Menschen in meinen Büchern kenne, muß ich feststellen, auch wenn ich den liebenswürdigen Verfasser der Studie über „Dr. Herzfelö" in den „Juden in der deutschen Literatur damit ldesavourieren muß. Hermann Gutzeit, der Gegenspieler des Dr. Herzfeld, ist trotz seiner blonden christlichen Frau, nämlich auch Jude. Nur an der äußersten Grenze, ein am weitesten vom Judentum degenerierter geistiger Typ. Und der Kampf, den Dr. Herzfelö im .,,Schnee" brieflich mit ihm führt, würde mein Herr Rezensent besser verstanLen haben, wenn er dabei mal an jene spätere Bewegung gedacht hätte, an deren Spitze sich mein alter Schulfreund Naumann gestellt Negation. * Bon Ella van Cleef. Wir wandelten auf hochgewnndenen Wegen < Des Geistes steilen, stillen Sonnenpfad, Dem Lichte einer andern Welt entgegen: Tief unten, was uns erdgebunden bat. Wir schritten froh auf hellen Geistesstufen: Die Seele öffnet alle Sinne weit — Ein Gottesfunke, den die Tage schufen, ' Trug uns hinauf .mr letzten Seligkeit. ) Ein Singen und ein fr ei geschwelltes Klingen Umhüllt die siagverklärten Sinn« ganz- / Da schattet es herab wie graue Schwingen Auf einer Lobensfeier Höhenglan-. Zerrissen hat, was Harmonie geboren, Kläglichen Alltags kleinliches Geschrei. Und wieder seinem engen Lied verloren Geht stumm der Mensch an sich vorbei .., Im.Anfang. Bon Rabbiner Dr. Gottschalk. Berlin. An die Anfänge der Welt, die Anfänge der Menschheit versetzt uns nun unsere Thora wieder. Wie das Meer seine Wasser immer wieder ans Ufer spült, so kehren wir mit der Thora immer uild ewig an den Anfang alles Geschehens zurück. Und immer von neuem hören wir's gerne, und immer von neuem klingt es so voll: Anfang schuf Gott Himmel und Erde." Im Anfang ... tot lag das Chaos, nichts regte sich, nichts bewegte sich, dunkel alles und tiefste Nacht — und plötzlich schuf Gott Himmel und Erde — im Anfang. Und glauben wir heut auch, so war es nicht, der Klang des Wortes bleibt in uns hasten. Denn der Mensch, er soll ja gottähnlich sein. Nun denn, so lerne er von seinem Gott: alles kommt auf den „Anfang" an. Wenn man die nötige Kraft in sich spürt, kann inan ans einem toten Chaos eine blühende Welt ins Leben rufen. Alles kommt auf den „Anfang" au. Wie viel in her Welt wäre noch nicht erobert, noch nicht entdeckt, noch nicht begründet, hätte nicht einer den Anfang gemacht, einer gewagt, was keiner versuchte, einer versucht,, woran niemand gedacht! Wie viele Religionen wären heute nicht da. hätte nicht einer den Mul besessen, das erlösende Wort einmal auszusprechen, nicht einer den Kampf ausgenommen gegen die Masse, nicht einer, auch mit Gefahr seines Lebens, einmal gewagt, den Anfang zu machen. Ja. alle Führer und Großen Ser Menschheit — das Größte an ihnen war ihr« Kraft, einmal den Anfang mit etwa- Neuem zu machen. Und weil Las gar so wenige verstehen, wenige wagen und wenige wollen, darum ist die Menschheit ärmer oder reicher, steigt oder fällt sie je nach Ser Zahl der Mcnhatte. Hermann Gntzeit hätte ihm sicher heute seine etwas ausgeschriebene Feder zur Verfügung gestellt. Dr. Herzfeld sicher nicht. Was ich aber so geschaffen habe, wurde also, ohne daß ich es zuerst beabsichtigte, eine Geschichte des Berliner Juden verfchiedercher geistiger Type», (auch ge- Lauster, wie in Heinrich Schön jr.) des 19. und 20. Jahrhunderts in einer Reihe von Romanen. (1840, 1845, 1880,1900,1905 usw.) Und was ich noch schaffen möchte, und dieses Mal in voller Absicht, soll nichts weiter tun, als der Kette jene Glieder einstigen, die ihr noch fehlen, L. h. ich will den Roman des Berliner Juden der Gründerzeit schreiben und weiter einen solchen, der bis in die letzte Gegenwart hinein spielt, und in dem bekannte Schicksale unter dem Druck der Zeit ihr Ende finden. Dann hätte ich eigentlich genug getan. Wie weit also das Jüdische für mein Schaffen Bedeutung hat?! Es steht ganz unter diesem Stern — so wie ich das Jüdische verstehe. Und es muß Las tun. weil ich völlig egocentrisch bin, weil alles was ich schreibe, nur eine Kristallifationsform meines Jchs ist, die mal so, mal so sich auskristallisiert, aber dabei stets, auch wenn man das nicht aus den ersten Blick bemerkt, aus der gleichen Grundmasse gebildet ist. Stefan Zweig: Ihre interessante Frage ist schwer zu beantworten: man müßte tief in sich hinabgreifen, um deutlich des gemeinsamen Elements bewußt zu werden. Und man müßte vorerst — schon dies unsagbar schwierig! — zu formen versuchen, was man überhaupt als Las Jüdische im geistigen Sinne ansprechen will. Nur dies scheint mir in meinem Wesen als jüdisches Erbteil vollkommen gewiß: der Mangel an Heiwatsgefühl, der fehlende Nerv für das Vaterländische im Sinne einer einzelnen Nation. Ich suhle mich bloß wohnhaft, nicht aber wahrhaft heimisch in den fast Lurch Zufall gewählten Ländern und hatte niemals selbst in meinem eigenen Garten den Gedanken, daß auch nur ein Baum davon mir „gehört". Ich empfinde nicht die Grenzen innerhalb Europas, vermöchte ebenso in Paris wie in Rom wie in Deutschland wohnhaft zu fetit; noch geistern die zweitausend Jahre Wanderschaft vorzeitiger Geschlechter mir in den Adern: jeder Aufenthalt scheint mir bloß Rast, keiner wahrhaftes Zuhause sein. Dem danke ich vielleicht ein besonderes Offensein für alles Vielfältige dieser Erde, eine gewisse Nicht-Borniertheit — Unruhe -des Geistes manchmal und doch Glück der Wanderschaft, Unfähigkeit zu vollkommener Ablehnung und Leidenschaft des immer wieder Erkennens. Diese Art der Freiheit von der Erde unter dem eigenen Fuß haben, glaube ich, nur Geschlechter, die durch Jahrhunderte nomadisch mit allen Winden gewandert sind. Und obwohl ießhast zur Zeit, lebe ich dies jüdische Schicksal ohne Bedauern und ohne Neigung, es mit anderer Form zu tauschen, innerlich weiter im Blute, in den Nerven und im Geist. Jakob Loewenberg: „Was weiß ein Mensch vom andern", sagt Goethe, und man könnte hinzufügen, was weiß ein Mensch von sich selbst. In dem Augenblick, wo wir uns selbst betrachten, unser Wesen zergliedern wollen, sind wir schon gar nicht mehr mir selber. Eine innerlich oder wnmmmmmmmmmmmmmmammmmmmmmsmmmmmmmmmmmm scheu, welche den Anfang machen. „Alle vollkommenen Werke haben Samen in sich und Keime, und die Reifen und Neichen sind immer voller Anfänge", heißt es im Buch vom „verborgenen Leben". Mer nicht bloß die Menschheit, auch der kleinste Kreis gedeiht nur und kann nur fruchtbar werden, wenn einer etwas vom Gott in sich hat. wenn er die Fülhrung zu übernehmen versteht, wenn er Erlösers rast in sich trägt, wenn er befreien, mitreißen kann, aufreizend, befenernö. anstachelnd wirkt, wenn er versteht, den Anfang zu machen. Und der andere spürt das so leicht und so schnell, er ordnet sich willig und dankbar unter, er schließt sich gern und freudig an. Er fühlt es beglückt jetzt, was ihm gefehlt. Die Kräfte schlummerten wohl in ihm, aber es hatte sie niemand geweckt, niemand entfesselt, niemand genährt. Jetzt aber hat hat er ein Ziel, einen Weg. Er weiß jetzt wohin, er weiß setzt wozu, soviel wird ihm klar, was ihm bisher dunkel, so vieles hell, was bis dahin verworren. Er kennt seine Aufgabe, seinen Beruf, und immerdar dankt er deshalb dem einen, der den Mut hatte, einmal den Ansang zu machen. „Es ist so wenig nötig," sagt Maeterliuk. „um die Schönheit in einer Seele zu ermutigen, so wenig, um die eingeschlafenen Engel aufzuwecken. Alle Seelen wissen das und sind bereit. AVer wo sind die, welche ihre Schönheit nicht verbergen? Und doch bedarf es nur einer von ihnen, die den Anfang macht. Warum nicht die zu sein wagen, die den Anfang macht:-'" „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde", wie aber lautet sein letztes Wort? ,L8ir wollen einen Menschen schassen." Das war die große, ia gewaltige Folge, die aus dem Ansanigmachen entstand: sie führte zur Krone der Schöpfung hin, zum Menschen, zu Gottes letztem Wort. Kann uns auch das nicht wieder Snnibol sein? Das letzte Wort — wir kennen es nur vom Sterbelager. Und wer wüßte nicht, was es für Segen stiftet, wie solch ein Wort hinauswirken kann in unser Leben, in unsere Zukunft. Wer weiß nicht, wie sich im letzten Wort noch einmal der Kern des Menschen enthüllt. Wenn Goethe mit dem Wort gestorben sein soll: „Mehr Licht" — so war das eben das letzte Wort einer lichtersüllten. ltchtsucheuden Seele. Und gerade, weil solch ein letztes Wort so unendlich viel Segen ausströmen kann, so ergreift es uns jedesmal so gewaltig, wenn wir es nicht meür vernehmen können. Wie qualvoll ist dieses Bitten und Betteln um ein letztes Wort unserer Scheidenden. Und deshalb ergeht von hier aus ein Warnruf, der nicht das Sterben, sondern das Leben aufruft. Seien wir Menschen des AnfangmackenS — wir werden so Menschen des letzten Wortes, wir Ebenbilder des großen GotteS. Vielleicht tun wir es manchmal, wenn wir unS trennen, die Eltern vom Kind, der Freund vom Freunde. Das tiefste gibt unsere Seele daher, die innigsten Wünsche, sie werden laut. Man fühlt, was man hin gibt und wo man geliebt. Und doch, all das genügt noch nicht. Nicht warten sollen wir aus die Momente, die uns das letzte Wort entlocken, wir sollen diese Momente suchen. Ja. eS ist schön, wenn sich Sie Menschen, die wirklich in der Seele zueinander gehören, äußerlich bewegte Zeit treibt den Menschen zu Aeutzerangen und Taten, deren er sich in ruhigen Tagen nicht für fähig gehalten hätte. Nur rückschauend findet der forschende Blick Grnnözüge unseres Wesens, und gesetzmäßig erscheint, was ims zuvor zufällig dünkte. WaS nun das Jüdische in meinem Wesen urrd Schaffen bedeutet, daß geht so am besten aus einigen meiner Bücher hervor. Schon ihr Titel weist klar darauf hin. „Aus jüdischer Seele" nennt sich ein Band Gedichte, „Der gelbe Fleck" heißt eine Sammlung jüdischer Novellen, und ein biographischer Roman betität sich: „Aus zwei Quellen, die Geschichte eines deutschen Juden." Die zwei Quellen — das sind Judentum und Deutschtum. AuS ihnen beiden strömt dem Träger der Handlung sein Fühlen und Denken. Was er äußert, ist mein eigenstes Bekenntnis. Niemals habe ich einen Zwiespalt zwischen dem Juden und dem Deutschen in mir gefühlt. Dem zersetzenden Verstand mag sich vielleicht Trennendes zwischen ihnen auftun, aber das Gefühl — und das entscheidet hier — empfindet sie in sich als eine Einheit. Die Heimat meiner Seele ruht in beiden. Und wenn ich jemals auf etwas stolz war, so war es darauf: Deutscher und I u d f zu sein. Siegfried Iacobsohn: Alles, was ich bin und habe, dank ich dir, mein Judentum! Ernst Toller: Ich bedauere, Ihre Frage nicht beantworten zu! können. Ich glaube, daß niemand die Bedeutung von ihm Eingeborenem umgrenzen oder werten kann, Kurl Hiller: Wahrscheinlich dürfte das, wie rnan's wohl nennt, Kritisch-Analytische meiner Denkform und sehr wahrscheinlich die Dominanz der ethischorganisatorischen Idee („Aenöerung der Welt") im Denkinhalt... jüdisches Erbgut sein. Trifft Max Brod's geniale Konzeption des Judentums in seiner antithetisch-synthetischen Beziehung zu „Christentum" und „Heidentum" das Richtige, dann bin ich ganz gewiß Jude, und zwar hundertprozentiger: denn sowohl die „heidnische" Bejahung des Naturgegebenen wie die „christliche" Gleichgültigkeit gegenüber dem Diesseitiger: sind meinem Wesen polar. Es kommt auf Umgestaltung des Gegebenen unter der Optik einer transzendenten Idee, aber auf reale, handgreifliche Umgestaltung in der erfahrbaren Welt, nicht auf imaginierte Verwirklichungen in irgendeiner Transzendenz an. — Diese Grundhaltung ist ganz gewiß mosaisch, und mag sein, daß sie deshalb auch jüdisch ist. Bemerkt zu werden verdient, daß Mose und die Propheten gevaö' so in ständigem Gegensatz zu ihren Juden wirkten, wie Nietzsche zu seinen Deutschen wie jeder Große zu seinem Volk. Und akzeptiere ich die Deutung des Wesentlichen in meinem Schassen als „jüdisch", so bin ich mir bewußt, daß auch unter Germanen, Lateinern- Slawen, Indern, Mongolen „jüdische" Charaktere lebten, leben und leben werden, wahrend die breite Masse der ethnologisch als Juden bezeichneten Menschen genau so wenig blutsverwandt mit Mose und den Propheten sind, wie die breite Masse, das heißt der ganz ohne Scheu vor den Nebenmenschen das letzte Wort entschlossen zurufen. Es gibt auch ein Scheiden der Lebenden. ein Trennen und Auseinanderreißen. es gibt auch für Lebende ein Zuspät, und auch für sie reifen die Stunden, da sie an „Gräbern stehn" und „klagen". Lassen wir eS doch nicht dahin kommen! Das letzte Work, das die Gottheit sprach, es hat den Menschen ins Leben gerufen. Seien auch wir darauf bedacht, gerade durch unsere letzten Worte Menschen zum Dasein zu verhelfen — zu einem Dasein des seelischen Glücks. Und erst recht gilt das natürlich für die, welche großer und neuer Gedanken voll sind, für die. auf welche die Welt immer wartet, für die, die allein uns vorwärts gebracht, für die. welche so wie die Männer des Anfangs nur einen Wunsch kannten und dafür erglühten, alles und selbst daS Leben wagten, den einen Wunsch: anS Ziel, ans Ziel! — — Vorbei die Feste, die Arbeit beginnt, auch für unsere liberale Sache. Sv vergessen wir denn unfern Ursprung nicht. Männer des Anfangs sind unsere Ahnherrn, Männer des tiefen, des letzten Wortes haben unsere Bewegung geschaffen. Seien wir ihre würdigen Enkel! Seien wir Führende und nicht bloß Geführte! Seien wir religiös und nicht immer bloß „jüdisch"! Predigen wir Einheit, doch seien wir nicht farbloS! Erobern wir Neuland und seien wir nie satt! Ja, unser Anfang- und Endwort, cs lautet: wir wollen Menschen schaffen, liberal-religiöse, deutsch-jüdische Menschen! Unsere zwei Welten. Die Bedeut,ma des Jüdischen in unserem Wesen und Schasse». Bon Isidor Landau. ou unjercr Rundfragr fcnM iniS unfrr frrrrortcr ‘.'ilitar.brti.fi üirtöau die folgenden allgemeine,' ge. dalienen Betrachtungen über die Degtsclwirkungcn zwischen jüdischem Äcscn und gcisligcr Betätigung. „Warum ich mich taufen ließ", so begann der hervorragende Jinan-mann feine Antwort auf eine Frage, die ich gar nicht gestellt hatte, die ,vu stellen ich nicht unbescheiden genua war. „warum ich mich und meine Kinder bald nach dem Tode meiner Frau taufen ließ? Das will ich Ihnen sagen." Und der sonst so nüchterne, von der Verantwortung für große wirtschaftliche Unternehmungen -ur trockenen Sachlichkeit gewöhnte Großkaufmann erzählte mit einem Unterton seelischer Bewegtheit, bei der Bestattung seiner Frau babe der Prediger in der alten Halle deä Friedhofs von Weißensee kein Wort, keine Silbe von einem Wiedersehen in einem ewigen Leben gesprochen. Nickt die leiseste Andeutung von einem Jenseits. Da babe cr fick denn gesagt, bei einer Religion, die den Kindern diesen Trost versagt, die ihnen keine noch so ferne Aussicht auf eine Wiedervereiniguna in einer höheren Welt eröffnet, könne man nicht bleiben.- Zeit und Ort waren theologischen oder religions-philosovhischen Erörterungen nicht günstig. Ick nahm darum seine so unverständliche wie unverlangte Aufklärung wortlos hin.

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