Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 40 (2.10.1925)
- Date
- 1925-10-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Schriftsteller und Menschenfreund weithin bekannte Dr. Arthur Kahn. Schöpfer -er Chewra Kad-ifcha, -er jüdischen Altersfllrsorge „Esras Seksnim" unvieler an-erer humanitärer Institutionen, seinen 76. Geburtstag. Der Jubilar wurde tn der uralten iü-ischen Gemeinde Bingen geboren. Viel aelesen werden seine literarischen und Erinnerungsbücher „Sabbatftnnden" ..Entschwindende Gestalten" „Dämon und Phitias in der Judengasse" u. a. m. In den neunziger Jahren devorigen Jahrhunderts trat Arthur Kahn für die Zusammenfassung der jüdischen Jugend tn Jugendverbänden ein. Auf seine Initiative und unter Mitwirkung des Hamburgers Gustav Tuch entstand der „Verein zur Verbreitung von Bodenkultur unter den vrenhifchen Juden", für dessen Zwecke und Ziele er noch heute als Generalsekretär tätig ist. Zn gleicher Zeit gründete Kahn die seit längerer Zeit erloschen gewesene „Chewra Kaddischa Groß-Berlin". die seither eine segensreiche soziale Tätigkeit entfaltet. — Der Jubilar hat gebeten, von allen offiziellen Ehrungen abzusegen. Biebrich. lEhrung eines jüdischen LehrerS.) An dem Geburlshause deS israelitischen Lehrers Dr. h. o. Seligmann Baer. des Ehrenbürgers Biebrichs, wurde eine Gedenktafel angebracht. Vaer war ein hervorragender Kenner der biblischen Wissenschaft, ein bedeutender Schrift, steller im Jache der liturgischen rituellen Literatur und ein bekannter Forscher auf dem Gebiet der hebräischen Grammatik. Er ist hier 1897 gestorben. An der Feier beteiligten sich auch Vertreter der evangelischen und katholischen Geistlichkeit und der Stadt. Castel. sEnthüllung einer Gedenktafel.) Die hiesige Gemeinde hat zum Andenken an die im Weltkriege gefallenen Helden, insbesondere für die Söhne und Väter der Synagogenbesucher in der Rosenstrahe. eine Gedenktafel gestiftet, die am 25. Oktober durch eine entsprechende Feier enthüllt werden soll. München. lTod des Geh. Kommerzienrats Oppenheim.) Im neuen israelitischen Friedhof erfolgte das Begräbnis des Geheimen Kommerzienrats Siegfried Oppenheimfm Beisein der Verwandten und eines großen Kreises anderer Leidtragender. Rabbiner Dr. Baerwald erinnerte in erhebenden Worten an die trefflichen Eigenschaften Siegfried Oppenheims, der sich besonders durch kaufmännische Tüchtigkeit. Unternehmungsgeist und Wohltätigkeitssinn ausz-eichnete. Der Bayerischen Trikotagenfabrik leistete er als Generaldirektor hervorragende Dienste. IÄI Versammlungskalender Berlin. Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162. sAuerbachsches Waisenhaus). Der Gottesdienst beginnt regelmäßig jeden Freitagabend um 7,15 Uhr,- Predigt Rabb. Dr. Salomonski, jeden Sonnabendvormittag um 10 Uhr. Am Sukkansfesttage Schemini azeres beginnt der Abendgottesdienst ebenfalls um 7,15 Uhr, der Vormittags-Gottesdienst um 10 Uhr. Predigt an allen Tagen: Rabb. Dr. Salomonski. Snkkaus-Feier für die reifere Jugend findet am Sonntag. den 4. Oktober, in der Laubhütte der neuen Synagoge, Oranienburger Straße, statt. Ansprache von Herrn Dr. Salomonski. Gedanke« in der Snkkoth. Von E. Berger. Nun sitze ich in meiner kleinen Bretterhütte: — Himmel und Wolken — Mond und Sterne lugen zu mir herein — Kälte dringt durch die Ritzen — der kleine Ofen vermag nichts dagegen. Und doch — mir ist so froh zumute. Mein Nachbar, ein Andersgläubiger, ist eingetreten — stumm messen seine Blicke den dürftigen Raum — lächeln über die bunten Blumen — das Moos — die Papierkettlein und Früchte, die dürftig die Blöße meines Wohnraumes decken sollen und kehren fragend zu mir herüber: „Diese Sitte verstehe ich nicht, mein Herr! Haben Sie doch oben eine lichtstrahlende Wohnung mit Teppichen und Gemälden, mit aller Bequemlichkeit der Neuzeit ausgestattet — so recht gemacht, ein Fest strahlend, glänzend zu feiern und Sie verlassen alles — leise steigen Sie hinab — tiefer, immer tiefer in diesen grauen Hof — in dieses winzige Häuslein — in Kälte — Enge und — Armut, um Ihr Fest zu feiern?" So froh ist es mir zumute — während ich seine Hände drücke und ihm entgegne: „Wahrlich, wundersam beschreiben Sie den Sinn unseres Festes — unserer jüdischen Feste überhaupt — nackt «nd entblößt von irdischem Glanze treten wir vor unseren himmlischen Bater — alles, was das Leben schmückt, haben wir abgeworsen. denn wir wissen — was gilt es in seinen Augen? Wir neigen nns in Demut — wir freuen uns. unsere heilige Pflicht zu erfüllen, wir vertrauen seiner Güte, daß er uns das Wenige segne, uns in Güte betrachte — was wir als Menschen allein — ohne Aeußerlichkeiten — sind!" Und der Nachbar wendet sich voll Andacht: „Wer darf da noch von jüdischem „Prunksinne" roden — wer einen Stein auf solches Denken werfen —? Wahrlich — wie lieblich sind Deine Zelte. Jakob — Deine Wohnungen. Jirael!" ♦ o Das jüdische Bilderbach, Nürnberg 1925. Verlag Bias G. w. b. H. Es ist ein sicheres und erfreuliches Zeichen für die jetzt, nach Jahrzehnten der Gleichgültigkeit allgemeine Wachheit des jüdischen Gewissens, daß man sich so lebhaft um die Schaffung jüdischer Jugendliteratur müht. Der Weltverlag war aui diesem Gebiet mit guten, wenn auch nicht immer tendenzfreien, Veröffentlichungen, vorangegangen. Ganz tendenziös mit Bezug auf den innerjüdischen Kampf, nicht tendenziös aber in Hinsicht auf die Erfüllung des Kindergemütes mit jüdischem Inhalt ist,,Das jüdische Bilderbuch“ Der Verlag Bias G. m. b. H. bringt es soeben zeitig genug heraus, daß es die jüdischen Eltern ihren Lieblingen auf den Chanukkatisch legen können. Und es ist keine Phrase, wenn man sagt, daß dies niemand versäumen sollte. Denn dieses Bilderbuch, das unter dem Motto steht: „Bilder, Verse mancherlei, auch viel Jüdisches dabei", ist in ganz hervorragender Weise geeignet, schon die Kleinsten mit den Schönheiten der jüdischen Religion vertraut zu machen. Sabbat, SimchaO-Thora, Purim, Sukkoth, Chanukka ziehen in reizenden Bildern vorüber, die dem Kinde ohne weiteres verständlich sind und seine Augen leuchten lassen werden. Manche» Kind wird vielleicht durch das Bild vom Freitagabend angeregt, diesem schönsten jüdischen Familienfest wieder zur Auferstehung zu verhelfen. Mama hat längst den Tisch gedeckt« Die Sabbatlichte angesteckt, Hatt Strauß und Torte hergebracht, Und Bub und Mädel fein gemacht. Nun warten alle auf Papa — Gut Schabbos, ruft's, da bin ich jal* BUCHERSCHAU Mi Das Bild vom müden Reisenden ist von besonderer ethischjüdischer Eindringlichkeit, weil es das Gebot des „Gemiluß Chassodim" in pädagogisch ausgezeichneter Weise dem kindlichen Verständnis nahebringt. „Das jüdische Bilderbuch" wird hoffentlich dazu beitragen, eine kommende Generation noch tiefer in das Judentum hineinzuführen, als dies bei der gegenwärtigen der Fall ist. Es ist in einer festen und einer auseinandernehmbaren Ausgabe erschienen. Dr. Botho Laserstein. Georg Brandes; Dia Jesas-Saga. Erich Rciß-Verag, Berlin 1925. 155 8. Dieses Buch hätte Georg Brandes nicht schreiben sollen. Es gehört nicht in sein Forschungsgebiet und trägt alle Zeichen einer Arbeit aus zweiter Hand an sich. Dem berühmten Schriftsteller fehlt hier jede Originalität Er trägt die noch völlig unsicheren Ergebnisse der Kritik, die der Holländer van Manen, der Deutsche Arthur Drews sowie englische und französische Gelehrte an der Glaubwürdigkeit des Neuen Testaments und an der Geschichtlichkeit Jesu geübt haben, als feststehende Tatsachen und verbürgte Wahrheiten in die breiten Massen, die in der Wissenschaft autoritätsgläubig geworden sind. Der Name Georg Brandes wird den Mangel an Sicherheit der Beweise ersetzen. Schon der kleine Umfang der Schrift sagt jedem Urteilsfähigen, daß das Problem der Existenzwirklichkeit Jesu, auf der die Kultur Europas und Amerikas in den letzten 2 Jahrtausenden ruht, nur an der Oberfläche berührt sein kann. Man kann nicht verstehen, daß der große Literarhistoriker, der uns „Die Hauptströmungen der Literatur des 19. Jahrhunderts" und die Jahrtausendmenschen Goethe und Julius Caesar, Michelangelo und Voltaire in meisterhafter Darstellung geschenkt hat, zugleich der Verfasser der „Jesus-Sage" sein. soll. Wer an die Ergründuag des Christusproblems herangeht, muß der genaueste Kenner des gesamten Hellenismus und des Judentums sein und einen ausgesprochenen Sinn für die Tiefen religiösen Erlebens besitzen. Mit der rein rationalistischen Denkweise kann man weder die Urgründe alles Seins und Werdens, noch die Grundlagen der Kultur begreifen. Schon der Vergleich in der Einleitung der Schrift läßt die Unzulänglichkeit der Auffassung ahnen: wie Wilhelm Teil kein« geschichtliche Figur ist, sondern völlig der Sage und der Dichtung angehört, so hat auch Jesus nie existiert. Und nun macht sich Brandes alle Einwendungen zu eigen und trägt sie zusammen, die gegen die Geschichtlichkeit des Stifters des Christentums von andern vorgetragen worden sind: Die Topographie und Chronologie in den Büchern des Neuen Testaments ist ganz unbestimmt, echte Stellen über Jesus finden sich weder bei den griechisch-römischen Schriftstellern, noch bei Flavjus Josephus und Justus von Tiberias, Paulus hat ihn nicht gekannt und erzählt nichts von seiner Persönlichkeit, der Glaube an einen Christus war schon vor dem angeblichen Jesus im Orient allgemein verbreitet, die Einzelheiten der Leidensgeschichte sind aus Stellen des Alten Testaments zusammengestückelt. der Gedanke vom stellvertretenden Leiden und der Glaube an die Auferstehung eines Jünglings aus dem Grabe finden sich bereits in den Religionen der vorchristlichen Zeit, das Johannesevangelium ist lauter Symbolik und Theologie, die Uebereinstimmung Jesu mit den Pharisäern, gegen die der Haß einer späteren Zeit in die Evangelien hineingetragen ist, ist vollständig, die starke Abhängigkeit der Apokalypse (Offenbarung des Johannes) vom Buche Daniel ist eklatant, die Moral des Neuen Testaments als Belohnungsmoral steht weit hinter der griechisch-römischen Ethik zurück. Alle diese Thesen zu entkräften oder auf das normale Maß zurückzuführen, ginge über die Aufgabe einer Buchbesprechung weit hinaus. Nebenbei; daß der Gottesname Ihwb nie im Dialog des Buches Hiob verkommt, ist inkorrekt, vgl. z. B. Hiob 12». 28,8? und das Gebot der Nächstenliebe steht Dicht im 4. Buch Moses 19,a, sondern im 3. Buch Moses 19«, ein Druckfehler der für den nachschlagenden Leser gerade deshalb nicht unbedenklich ist, weil ja in weitesten Kreisen die Ansicht besteht, daß das Alte Testament das Gebot der allgemeinen Nächstenliebe nicht kennt. Ob es eines großen Schriftstellers würdig ist, die Existenz des Moses in einer nichtssagenden Parenthesenbemerkung zu leugnen, muß billig bezweifelt werden. Im ganzen ist die Schrift ein Buch des Alters und der versagenden Kraft, das auch die elastische Wucht der Diktion von Brandes vermissen läßt. Wie einst Straußens „Der alte and der neue Glaube" wird auch die „Jesus-Sage" die Halbbildung fördern. Rabb. Dr. Löwenstamm - Spandau. Dr. A. Granowsky, Probleme der Bodenpolitik in Palästina. (Jüd. Verlag, Berlin, 1925, 138 8.) Obersatz: Ich bin ein Jude und nichts Jüdisches ist mir fremd, — so sollte jeder Jude denken. Untersatz: Der Staat Palästina ist, und das jüdische Palästina wird, — mit dieser Tatsache muß sich auch der leidenschaftlichste Antizionist abfinden, Schlußsatz: So muß auch den liberalen Juden ein Buch interessieren, das eine der wichtigsten Grundlagen des neujüdischen Palästina behandelt, den Keren Kajjemet (so! nicht Kajemeth) L’Jisrael, den früher so genannten jüdischen Nationalfonds. Der Nationalfonds (KK.) wurde 1907/08 gegründet, als das Hauptinstrument der zionistischen Idee. Ihm wurden eine Fülle von Aufgaben zugemutet, unter denen von vornherein der Bodenkauf im Vordergründe stehen sollte, — sollte, aber nicht stand. Die berauschende Idee, ein Land für ein Volk zu erwerben, nicht durch Krieg oder Gewalt, sondern auf rechtlichem Wege, hatte schon Herzl verfolgt, indem er den Charter, die Ansiedlungserlaubnis für größere Massen von Juden, von der damaligen türkischen Regierung zu erlangen strebte. . Als sich das als unmöglich herausstellte, beschloß der Zionismus kurzer Hand, — ein Gedanke, auf den vielleicht nur Juden kommen konnten — das Land zu kaufen! Auch andere Gesellschaften und Private kauften Land in Palästina, allen voran die Ica, die Jewish Colonisation Association, welche die 200 Millionen des Baron Hirsch und andere Gelder verwaltete, und die noch heute bedeutend mehr Land besitzt als der KK. Der Unterschied aber zwischen diesen und allen andren Käufern sollte sein, daß das Land des KK als Besitz der ganzen Judenheit gedacht war. Wie die Mittel, mit denen es gekauft wurde, von vielen Zehntausenden von Juden aller Lände., in der Theorie vom ganzen jüdischen Volk, zur Verfügung gestellt wurden, so sollten auch die Ländereien, die aus dem Fonds gekauft wurden, nie einzelnen, zu eigen werden, sondern immer nur der Gesamtheit. Der Besitz sollte die Form der Erbpacht bei ländlichen, des Erbbaurechts bei städtischen Böden annehmen. Damit war gleichzeitig das biblische Besitzrecht in moderner Form neu erweckt, eine praktische Anwendung der Bodenreform-Grundsätze gemacht und ein Versuch begonnen, bahnbrechend zu wirken und so auf einem neuen Gebiete die Mission Israels, ein Pioniertum in praktisch - ethischen Idealen zu eröffnen (Denn ohne Zweifel hat in unserer Wirtschaftsordnung das Privateigentum am Boden demoralisierende Wirkung.) — Dieser Hauptzweck mußte aber lange Zeit hinter anderen, im Augenblick wichtigeren Aufgaben zurücktreten, — bis 1920 der Keren ha-jTisod, der sog. Aufbaufonds, gegründet wurde, eine Institution, die alle Aufgaben übernahm, welche jenseits des Hauptzwecks des KK. lagen. Nun trat eine reinliche Scheidung ein: Der KK. benutzt seine jetzt reichlicher fließenden Mittel lediglich zum Landkauf und zur Assanierung Gesundmachung des Bodens), dh. für diejenigen ersten Bodenverbesserungen, welche zur Nutzbarmachung Vorbedingung sind und vom Eiaielbesitzer nicht geschaffen werden können: Entsumpfung und richtige Bewässerung, Tiefpflügen zur Ausrodung des Wild wuchset, Entsteinung, Wegebau und Aufforstung — während alle Einzelverbesserungen, Installationen, Schulenusw. der Khj. und die ihm angeschlossenen Institutionen für Bodenkredit und dgl. versorgt. So ist jetzt der KK. der Investitionsfonds des Zionfemus, der das unveräußerliche Eigentum des jüdischen Volkes schafft, während der Khj. den Aufbau, die Arbeit der einzelnen, finanziert (letzterer ist also ein Helfer des ersteren, er macht den KK. erst brauchbar und rentabel). Wie der KK. seine Aufgabe bisher erfüllt hat, darüber gibt das vorliegende Buch Auskunft, und man erfährt da allerlei Interessantes, das sonst nicht immer so klar zutag« tritt. Einiges wenige sei erwähnt, das unsere Leser besonders interessieren dürfte: Ein Dunam sind 919 qm, d. h. 30,30 m ins Geviert; 15 000 D„ der letzte große Kauf des KK., also ca. 14 qkm 3,7 km ins Geviert ca. eine halbe Meile ins Geviert. Der gesamte Bodenbesitz des KK. war am 1. April 1925 etwa 195 000 D. =3 knapp 180 qkm =r knapp 2 Meilen ins Geviert (3)4 Quadratmellen)! Das ist etwa ein Fünftel desjenigen Bodens, der in Palästina überhaupt in jüdischen Händen ist. Es ist knapp ein Prozent des ganzen Landes — das ca. 20 Millionen D. mißt (von dem allerdings kaum die Hälfte besiedelt werden kann). In jüdischen Händen ist zusammen knapp fünf Prozent des ganzen Landes, etwa eine Million Dunam 4 Meilen ins Geviert (16 Quadratmeilen). An Geld hat der KK. bis jetzt aufgewandt: 1908—20 198 900 egypt. Pf. =s 4 Millionen Gm., davon für Bodenerwerb 18,7 Prozent 750 OOO Gm., das übrige für Darlehen, Bauten und Erhaltung der ersten vier zionistischen Farmen. Seit der Neuordnung des KK., also in den fünf Jahren seit 1921, hat er etwa 13 Mill. Gm. ausgegeben, davon ca, zwei Drittel zum Ankauf landwirtschaftlichen Boden« und zehn Prozent für städtischen Boden. Außerdem bat er durch geschickte Ausnutzung der Verhältnisse noch eine ganze Menge Geld von den Ansiedlern selbst geborgt, das in den nächsten Jahren zurückgezahlt werden muß (wobei übrigens aus dem Buche nicht ganz klar wird, ob diese Gelder in den genannten' 13 Mill mit enthalten sind oder nicht). Diese Resultate können, wie auch der Verfasser zugibt, nur als ein „Anfang zur Vollbringung einer ungeheuren Aufgabe" gelten, insofern, diese darin besteben soll, nennenswerte Teile von Palästina in Gemeineigentum der Judenheit zu bringen. Es ist, wie man sieht, doch nicht so leicht, ein Land durch Kauf zu erwerben! Allerdings um so bewundernswerter, wenn diese Aufgabe der G’ulath baarez, der Erlösung des Landes, überhaupt ernstlich in Angriff genommen wird! Alle diese Dinge erfährt man erst im zweiten Teil des Buches, der scheinbar einen propagandistischen Zweck hat, Aufklärung zu schaffen und Interesse für den KK. zu erwecken. Der erste Teil behandelt die Probleme, die augenblicklich aktuell sind, wie der KK. preisregulierend wirken und die Bodenspekulation, wenn nicht mehr in Tel Awiw und Haifa, so doch in anderen Städten für die Zukunft eindämmen könnte, wenn er mehr Geld zur Verfügung hätte, — ferner Einzelheiten über Erbpacht und Erbbaurecht, über sein Verhältnis zu Privatsiedlern, wie es ist und sein könnte, über Möglichkeiten und Unmöglichkeiten der Finanzierung usw. Diese Dinge lese man im Buche selbst nach! Sie sind mit Sachkenntnis und objektiv, man möchte sagen, rein wissenschaftlich dargestellt, ohne Beschönigung von Fehlem, die gemacht worden sind, ja manchmal stark kritisch vorgehend, aber auch in positive Vorschläge zur Verbesserung ausmünd end. Ein wundervoller Druck trägt den Blick von selbst immer weiter, und kein ruhmrediges JPfOpä'-'| gan-dawort stört! Insofern ist es .ein gutes Buch, und man sieht gern über eine gewisse Weitschweifigkeit der Sprache und die pädagogische Anordnung des Gesamtstoffes fort, Denn, „wo man es packt, da ist es interessant." Rabbiner Dr. Fuchs-Chemnitz. Von der „Jüdisch-liberalen Zeitung" erscheint eine Ausgabe 8. die in Frankfurt a. M. und näherer Umgebung (Bad Homburg, Bad Nauheim, Bergen. Camberg, Cronberg, Hanau, Höchst a. M., Neu-Isenburg, Nieöerursel, Oberursel. Offenbach, Ruppertshain, Schmitten, Seligenstadt, Vilbel) zum Versand gelangt. Sie enthält als wöchentliche Beilage die frankfurter Iüdisch-liberale Zeitung. Kalendarium skr die Zelt vom 3.1«. bis 11.10.1925. Oktober 1825 Tifchri 5888 Sonnabend 8. 15. 1. Tag Sukkoth Sonntag 4. 16. 2. Tag Sukkoth Montag 5. 17. 1. Tag Chol, ham Dienstag 6. 18. 2. Taa Chol. Ham. Mittwoch 7. 19. 3. Tag Chol. Ham. Donnerstag 8. 20. 4. Tag Chol. Ham. Freitag 9. 21. Haufchano Rabbo Sonnabend 10. 22. Schemins Azereth Sonntag 11. 23. Stmchat Torah-Augang 6,04 neueste m für kommende Modelle Saison GVje4sz& JETZT» 5ERLINW30■ BAYRISCHER. MATZ 6»